Teil 1
Der Brasilianer an sich.
Er redet gerne. Er redet gerne und viel. Vor allem redet er gerne, viel und seeeehr schnell. An genau diesem Punkt hat sich das aktive Zuhören für mich erledigt und ich schalte ab. Das stört den Brasilianer ganz und gar nicht, denn er redet einfach munter weiter.
Der Brasilianer ist sehr aufmerksam.
Und das nicht nur dann, wenn es darum geht, in den Fahrstuhl oder aus dem Fahrstuhl zu steigen. Ist eine Frau anwesend, lässt der Brasilianer der Frau IMMER den Vortritt. Rein und auch raus aus dem Fahrstuhl. Und während er dies tut, hat er eine Hand IMMER vor dem Fahrstuhltürlaserstrahl, damit die Tür nicht plötzlich zugeht.
Der Brasilianer sorgt sich.
Er will immer wissen, ob alles gut ist, ob man sich wohl fühlt, ob man Hilfe braucht und überhaupt und sowieso. Das Angebot ist immer das gleiche: Wenn Du Hilfe brauchst – welcher Art auch immer – Du kannst Dich JEDERZEIT an ihn wenden. Im ersten Moment dachte ich, dass es sich wohl eher um eine abgedroschene Phrase handelt, doch nein, in dem Moment, als man mich bat, die Handynummer aufzuschreiben, wusste ich, dass er wohl darauf gefasst sein muss, dass ich mich melden könnte …
Der Brasilianer nimmt sich Zeit.
Er nimmt sich Zeit am Morgen, um Konversation zu betreiben. Er nimmt sich um Mittagessen zu gehen und vor allem nimmt er sich Zeit zum „Socializing“. Der Kaffee in der Kaffeeküche ist mehr oder minder obligatorisch. Und er fragt auch immer, wer ihn denn begleiten möchte.
Vor allem hat er immer ein offenes Ohr für Kollegen. Immer wieder stehen sie beisammen, helfen sich gegenseitig, beratschlagen und am Ende freuen sie sich, wenn alles geklappt hat.
Der Brasilianer umarmt und küsst nur einmal.
Die Umarmung ist sehr herzlich. Manchmal sogar innig. So fühlt sie sich an. So wirkt sie nach aussen. Der Kuss ist flüchtig, jedoch nicht nichtssagend. Vermutlich umarmt und küsst er auch dann, wenn er die zu umarmende und zu küssende Person nicht kennt. Er macht jedoch Halt, wenn er glaubt, eine gewisse Distanz zu spüren.
Der Brasilianer wartet ab.
Hier unterscheidet er sich nicht vom Europäer. Nach einer gewissen Zeit, wird auch er zugänglicher.
Der Brasilianer rennt.
Er rennt über die Strasse. Zum Bus. Von einem Bus zum nächsten. Einfach nur so. Oder weil er sich fit halten will. Zuweilen beobachte ich dies in der Rush-Hour. Dichter Verkehr auf der Strasse. Dichter Verkehr zuweilen auch auf den Gehwegen. Der Jogger joggt teilweise auf dem Mittelstreifen der Strasse, auf dem Gehweg und ganz mutige wagen sich zuweilen auch zwischen Autos und die sogenannten Motoboys.
Fortsetzung folgt.
"Immer wieder stehen sie beisammen, helfen sich gegenseitig, beratschlagen und am Ende freuen sie sich, wenn alles geklappt hat."
AntwortenLöschenDie Vorstellung, wie sie da alle beisammen stehen und sich freuen sieht zumindest in meinem Kopf extrem lustig aus :).