... das andere Portugiesisch.
Fernanda und ich treffen heute zum ersten mal aufeinander. Wir verstehen uns auf Anhieb und schnell ist eine gemeinsame Sprache gefunden. Portunol … 2 Stunden am Stück reden wir, verstehen alles, und bedienen uns nicht ein einziges mal einer anderen Fremdsprache. Zumindest nicht, um miteinander zu kommunizieren.
Heute klären wir nur die Basisdinge. Welches Buch ich besorgen soll, wie ihre Lehrmethoden sind, woher ich komme, woher sie kommt, wie lange ich schon bei BASF arbeite … Ach, all jene Dinge, die so interessant sind …
Und jetzt?
Jetzt kann ich noch immer kein Portugiesisch. Ich glaub, das kommt noch … Es wäre wohl auch zuviel verlangt, wenn es das jetzt wohl schon gewesen wäre … Und jetzt? Jetzt lieg, bzw. sitze ich im Bett, höre Webradio und esse Chips. Ja, ich esse Chips im Bett. Das hab ich mir heute verdient …
Heute war ich nämlich erfolgreich. Ich habe meine Passbilder. 3 x 4 cm. Weisser Hintergrund. Die Dame hat die handschriftliche Anweisung gelesen, und als sie mich fragend anschaut, ergänze ich ganz wichtig: „Por passaportschi.“ Sie nickt und schickt mich wieder nach draussen, ich solle doch den nächsten Eingang benutzen. Einmal mehr: Andere Länder, andere Sitten. Während wir uns im wohlbehüteten Ludwigshafen beispielsweise im „Backofen“ ablichten lassen, setzt man sich in Sao Paulo zwischen Kopierern, Faxgeräten und diversen anderen Elektrogeräten auf einen etwas abgelebten Barhocker. Dahinter an der Wand hängt ein an weiss erinnerndes Flipchart. Etwas zerknittert isses auch schon, aber das sieht man später nicht mehr, weil ja die Zuvielzentimeter abgeschnitten werden müssen.
An einem extrem grossen und recht gefährlich aussehenden Stativ ist dann eine kleine Digitalkamera befestigt. Könnte ne Sony Cybershot gewesen sein, ich weiss es allerdings nicht. Der junge Mann zielt, drückt ab und schreibt fast im gleichen Atemzug die Kamera wieder ab. RatzFatz habe ich das Display vor der Nase. Ich verstehe sowas wie: „Ta bo?“ (ich weiss noch nicht, wie man das richtig schreibt) und ich er widere: „Ta bo!“ (das ist auch gleichzeitig die Antwort).
Ich schiebe mich durch den Hintereingang zum Vordereingang, er folgt, bleibt allerdings am Fotodrucker stehen. Indes beobachte ich das Klientel, welches sich hier im Laden tummelt. Da wäre dann eine etwas betagtere Dame, die etwas faxen möchte, jedoch unverrichteter Dinge wieder gehen muss, da sie die Nummer falsch notiert hat. Die Ladeninhaberin – so vermute ich – äfft die Faxstimme nach und versucht die Dame davon zu überzeugen, dass da wohl etwas nicht stimmt.
Ein jüngerer Mann legt seine grosse Mappe auf dem Tresen ab. Diverse Pläne, Zeichnungen etc. zaubert er daraus hervor und die Dame hinter dem Tresen hat ihre Mühe, die geforderten Kopien anzufertigen. Dummerweise ist das A3 Papier all-all. Aus dem anderen Augenwinkel beobachte ich, wie der Fotograf meine Fotos stanzt und sie fein säuberlich im Plastikbeutelchen verstaut. Ich zahle wenig Geld und gehe noch einkaufen.
Also Essen einkaufen.
Zurück im Büro befrage ich Marina, ob wir denn mal beim Frisör anrufen können. Ziemlich verzottelt sehe ich aus – ich glaub, meine Haare wachsen hier sehr viel schneller, als zu Hause. Sie ruft an und verlangt Francisco ans Telefon. Lustigerweise übersetzt sie gleichzeitig simultan in eine Art Gebärdensprache. Sie erzählt ihm, ich hätte kurze Haare, welche geschnitten werden sollen. Zwischendurch fragt sie immer mal wieder wann, wie und wo ich vorbeikommen will und ob ausser Schneiden noch was anderes ansteht.
Morgen um 1830 bin ich dann mal dran, bei Francisco.
Ui, und ich bin gespannt, denn er scheint weder noch zu sprechen und ich kann ausser „Tudo bem“ auch nicht viel mehr fehlerfrei sagen. Vielleicht halte ich ihm einfach den Passbilderfoto-Portugiesisch-Satz unter die Nase und ergänze noch was, was ich zumindest gut aussprechen, aber nicht schreiben kann :-)
Wird schon werden …
Und wenn nicht, dann tröstet es mich, dass mich hier sowieso keiner kennt und ich kauf mir einfach ein paar auffällige neue Schuhe und lenke alle Aufmerksamkeit auf sie …
So mach ich das … Und nicht anders …
Gehabt euch wohl,
Eure Jana
Oh Jana, das liest sich köstlich hier. Solltest du mal keine Lust mehr auf deinen derzeitigen Arbeitgeber haben, kannst du auf das Schreiben umsteigen.
AntwortenLöschenUnd vom neuen Haarschnitt bekommen wir doch bestimmt ein Foto. Und wenn nicht vom Kopf, dann halt von den Füßen, der Schuhe wegen :-)))
Ich grüß dich ganz lieb.
Walli