Freitag, 29. April 2011

Rio ...

… ganz ohne Untertitel!



Es gibt immer ein erstes Mal.
So auch für mich. Hier in Brasilenien.
Ich war zum ersten Mal im Kino. 3D funktioniert auch am anderen Ende der Welt. Genauso, wie in Deutschland auch … Mit Brille und so.
Es war lustig, denn obwohl ich nichts verstanden hab, hab ich doch alles verstanden. Und Rio war genau das Richtige für den heutigen Tag.
Während der Tag grau und grau und mit Regen war, war Rio bunt, mit viel Samba und Musik und gute Laune …

Dabei versprach der Abend ganz und gar nicht mein Freund zu werden, denn die rücksichtslosen Brasilioten (!) machen auf der Strasse einfach was sie wollen. Sobald es regnet, verwandelt sich Sao Paulo in ein einziges Rinnsal. Wasser kniehoch in auf den Strassen und eben nicht nur dort …

Der Plan geht so:
Direkt nach der Arbeit ins Kino. Um 1820 h fängt die Vorstellung an – es lohnt sich nicht, vorher zu Hause einzugrätschen. Und so gehe ich im strömenden (!) Regen die Strasse entlang. Und dann finde ich mich plötzlich zur falschen Zeit am falschen Ort. Der Gehweg wird schmaler, die Strasse breiter und Wasserpfütze grösser. Der Brasiliot beschleunigt, da er die Grünphase noch schaffen wird und rauscht mitten durch den auf der Strasse befindlichen See …
Das Wasser schwappt, spritzt und macht mich nass. Aber sowas von nass, dass da nix mehr zu retten war und ich meinen Plan, direkt ins Kino zu gehen, just in diesem Moment verwerfe.

Meine Herren, was hab ich mich geärgert …
Doch es bringt halt alles nix … Es ist zu spät und ich mach mich pudelnass auf den Weg ins Hotel …

Im Kino gönne ich mir erst mal eine Portion Ruhe und schon als die ersten Sequenzen des Filmes zu sehen sind, steigt meine Laune … Samba !!!! ich will Samba, viele bunte Fraben und ein ganz toller Film … Absolut zu empfehlen … :-)))
Und das nächste 3D Spektakel: Die Schlümpfe …
(@Heidrun: An Dich denken wir und wissen, dass Dir das bestimmt Spass machen wird)


Gehabt Euch wohl,

Eure Jana.

Donnerstag, 28. April 2011

Girls night out ...

… und dann war mir doch noch ganz blümerant !




Ich schlage gerade mal kurz die Brücke zum Ostermontag.
An diesem Tag habe ich die kabellose Verbindung zum Internetschi verloren. Völlig überfordert, am Ende auch total frustriert, sitze ich am Morgen da. Das verabredete Telefonat mit Vonne fällt ins Wasser und ich hoffe nur, dass es nicht an meinem Rechner liegt. Das würde mir ja jetzt noch fehlen. Ein Problem mit dem Rechner und keiner von der privaten „Hotschileini“ da, den ich fragen könnte. Volker und Michael sind schlichtweg zuuuu weit weg.
Es bleibt nur die heimliche Hoffnung, dass bis zum Abend das Problem wieder behoben ist.

Der Abend bringt jedoch etwas ganz anderes. Zunächst einmal bringt er Fernanda, die ich sofort ins rechte Licht rücke hinsichtlich meines Verbindungsproblems, da ich denke, dass sie die einzige ist, die mir an diesem Abend noch helfen kann, falls es zu Verständigungsschwierigkeiten kommen sollte. WLAN geht nicht und ich organisiere mir ein Kabel. Es ist gefühlte 10 cm lang und ich häng mit dem Rechner fast an der Wand neben der Steckdose. Doch nachdem ich ein zweites mal die Flatrate für das Dingens bezahle, habe ich endlich Zugang zur Aussenwelt und der Sprachkurs kann beginnen.
Als Fernanda weg ist, informiere ich die Jungs an der Rezeption, sie mögen doch bitte die zweite Zahlung für’s Internet von meiner Hotelrechnung streichen.
Ja, ja – so die Antwort.

Gestern nun.
Ich bin so zeitig zu Hause, dass ich noch Zeit habe, das Internet zu checken, das Laufband auf Herz und Nieren zu prüfen, mit dem Kopf durch die Dusch-Glastür und mich für die Ladies-Night fertig zu machen. Debora hat mir noch ne Nachricht über Facebook zukommen lassen, dass die Location kurzfristig geändert wurde, da a) das Wetter nicht mehr so schön war und b) es in der ersten Bar nur Plätze draussen, aber keine überdachten zu bieten hat.
Ich solle doch kurz bescheid geben, ob mich diese Information erreicht hat. Und so gebe ich per SMS bescheid und verschaffe mir noch einen kurzen virtuellen Überblick, wo die Bar zu finden ist.

Fehlerfrei kann ich dem Taxifahrer die Adresse nennen und schon fahren wir los. Wir kommen in der Rua Fernando de Albuquerque, 52 an. Er will mich aussteigen lassen, doch weit und breit keine Bar zu sehen. Das kann doch nicht sein … Verdammt! Ich rufe Debs an und berichte ganz aufgeregt, dass ich in der Fernando-Strasse stehe, aber in der 52 keine Bar ist. Inzwischen fahren der Taximann und ich in Richtung um den Block. Debs bittet mich auszusteigen, ich sei sehr nah. So zahle ich, steige aus und laufe zurück zur 52.

Wir telefonieren wieder und wenige Sekunden später lachen wir, was das Zeug hält, denn sie hat mir die falsche Hausnummer genannt. Die Bar ist in der 57, direkt auf der anderen Strassenseite und so stehen wir uns gegenüber und telefonieren. Und so sehen Debs und ich uns zum ersten Mal. Debs ist ne Freundin, einer Freundin, die die Freundin einer anderen Freundin ist, die ich aus Deutschland kenne, weil die nach LU delegiert ist. So oder so ähnlich halt.
Wir schnattern drauf los und verstehen uns auf Anhieb. Die anderen Mädels kommen auch bald und so lerne ich noch Sara, Silvia und Erika kennen und wir haben einen verdammt schönen Abend. Der Caipi hat mächtig viele Umdrehungen, doch das Taxi weiss ja, wo mein Haus wohnt.

Mein Blick auf die Uhr lässt mich erschrecken, denn so lange wollte ich eigentlich gar nicht bleiben. Silvia ist schon müde und ziemlich traurig, weil sie tags drauf ihren Rückweg nach London antreten muss (eigentlich ist sie Schwedin) und der Rest zeigt sich solidarisch und bricht mit auf.
Am nahegelegenen Taxistand organisiere ich mir ein Fahrzeug samt Fahrer und schon geht’s los. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste – und diesmal habe ich das Gefühl sehr sehr viel vorsichtiger sein zu müssen. Ich beobachte scharf und höre noch schärfer zu, als mich der Fahrer diverse Dinge fragt. Es ist die Art und Weise, wie er fragt und die Tatsache, dass er sich den Rückspiegel so zurecht dreht, dass er mich dauerbeobachten kann. Ich checke die Tür und sehe, dass ich den Knopf selbst nach oben ziehen kann, wenn es denn sein müsste. Als er mich nach dem Familienstand etc. fragt, lasse ich ihn selbstverständlich wissen, dass ich mit Mann und Kindern hier sei und dann ist auch das Hotel schon in greifbarer Nähe – also zumindest weiss ich dann auch wieder, in welchem Teil der Stadt ich mich befinde und fühle mich ein klein wenig sicherer.
Vor dem Hotel wartet dann auch schon ein mir bekanntes Gesicht, öffnet mir die Tür und dann ist’s fein …

Eine ganze Weile liege ich noch wach und denke nach. Ich fühle mich so hilflos, da ich die Sprache nicht spreche. Die Stadt ist zu gross, als dass ich mich orientieren könnte. Wie denn auch, ich kann mich ja im Umkreis von 3-4 Blocks kaum ordentlich orientieren. Das Fremde macht mir ein klein wenig angst, aber auch die Menschen, die eben so ganz anders sind, als zu Hause. Doch all das ist wohl normal und gehört mit dazu. Ich werde mit der Zeit lernen, all das zu verstehen, einordnen und auch damit umgehen zu können.

Gehabt Euch wohl,
Eure Jana.

Dienstag, 26. April 2011

Beobachtungen ...

Teil 4.



Der Brasilianer und die Strasse.
Beobachtet habe ich in der Stadt bereits, dass sich selbst in SP die Strasse gern zu Eigen macht. In der „Countryside“ scheint die Strasse des Brasilianer’s zweites Wohnzimmer zu sein. Die Strasse, von der ich spreche, kommt einer uns bekannten deutschen Überlandstrasse gleich, die links und rechts genug Platz zum Ausweichen, Panne beheben, Joggen, Radeln, Spazierengehen bietet. Hier sitzt der Brasilianer im Kreise seiner Lieben, raucht, trinkt, redet und gestikuliert wild. Die Blechlawine, die da an ihm vorbeirollt, scheint ihn keineswegs zu stören. Ein anderer Brasilianer dauerläuft der Strasse entlang, während ein anderer mit dem Rad von A nach B kommt.

Der Brasilianer mag’s leger.
Zumindest Freitags, denn da herrscht im Büro „Casual Friday“. Dieser wird live und Farbe gelebt. Jeder erscheint so casual, wie er es eben gerne mag. Keiner der Herren trägt Schlips, während nur wenige Frauen dabei sind, die ihre High Heels gegen flaches Schuhwerk und bequeme Klamotten tauschen. Dies scheint auch nicht nur in unserer Firma Usus zu sein, denn beim Mittagessen begegnet man gleichgesinnten Spezies.

Der Brasilianer und Mallorca.
Auf den ersten Blick gibt es da keine Gemeinsamkeit. Aber eben nur auf den Ersten. Auf den Zweiten schaut’s nämlich so aus, dass der Ballermann in Brasilien „Praia Grande“ heisst, der Sangria-Eimer nur gegen Kühlboxen im Bierdosen-Design auszutauschen ist und anstelle von Jürgen Drews, „utz-utzt“ es aus mächtig aufgemotzen Auto-Dolby-Surround-Systemen, die dicht an dicht am Strassenrand aufgereiht sind. Zur Strand-„Rush-Hour“ tönt es aus jedem dritten Auto anders, eine ganze Traube von Menschen steht dort versammelt und schwingt den Körper im Takt der … naja, Musik. Utz-Utz.
Am Strand selbst stehen die Bierdosen-Kühler im Sand und die Chopps werden nur so weggehauen … Hin und wieder mischt sich eine Kokosnuss unter, doch das ist eher selten. Man trinkt das Bier hier auch nicht mit Strohhalm.

Der Brasilianer und soziale Grunzlaute.
Ein „aha“, „hm“ oder „jaja“ vernimmt man hier selten. Ich versuche im Folgenden mal ein brasilianisches kurzes Telefonat non-verbal darzustellen. Und das geht so:
Aloha (wahlweise auch: Aloha Mariana (so die bra Version meines Names). Also noch mal:
Aloha.
Ta bom. … Ta. … Ta … Ta …
Otimo (= super).
Ta.
Ta bom.
Ta.
Ta.
Ta.
Brigada. Beijo-beijo. Brigada-brigada. Beijo.
Ciao-ciao. Beijo.
Ab und an, wird der Beijo gegen ein Abraco (= Umarmung) getauscht, der Rest kann 1:1 übernommen werden.

Der Brasilianer und die Aussprache.
Das brasilianische Portugiesisch besteht aus unglaublich vielen „tsch“ „ou“ „u“ Endungen. Das „tsch“ taucht jedoch auch sehr oft inmitten eines Wortes auf. Im Folgenden ein paar Worte, die mir inzwischen geläufig sind, ich sie aber noch immer sehr lustig finde. Achtung: Ich schreibe sie so, wie sie hier gesprochen werden und eine Übersetzung gibt es nicht dazu ;-):
- Hotschileini
- Internetschi
- na verdadschi
- Passaportschi
- Hotschidogi
- Feicibuki
- Brasiu
- Hoteu

Fortsetzung folgt.

Montag, 25. April 2011

Dies. Das. Jenes.


Ein bisschen von allem.



Ob ich hier gedenke Auto zu fahren, werde ich beim Gespräch mit meiner ChefChefCheffin gefragt. Ja, auch darüber habe ich mir so meine Gedanken gemacht. Theoretisch habe ich mal beschlossen, mich an einem der kommenden Wochenende darin zu versuchen. Doch immer erst mal eins nach dem anderen und vor allem, alles zu seiner Zeit … Zuerst sollte ich mal lernen „fehlerfrei“ Taxi zu fahren und nicht dem Fahrer, der es wohl besser weiss als ich, ständig falsche Anweisungen zu geben, weil ich meine, die Strasse zu erkennen, in der ich wohne und er mich dann, weil ich darauf bestehe aussteigen lässt und ich feststelle, dass ich noch 2 Blocks zu laufen hab, bis ich endlich da bin, wo ich hin will …

Seit gut und gerne 3 Wochen bin ich nicht mehr selbst gefahren. Zuhause wäre das gar nicht denkbar. Ohne Auto? Einen Tag lang (selbst wenn ich's nicht wirklich brauche)? Nein, das geht gar nicht ! Doch hier geht das ganz gut ohne Auto … Die meisten Locations kann ich gut zu Fuss erreichen und das, was nicht geht, geht dann eben mit dem Taxi.
Kann man Autofahren eigentlich verlernen?
Heute dann auch die 2. Sprachkursstunde. Ich glaub, es wird. Inzwischen kann ich schon einige fehlerfreie Sätze bilden. Ich weiss zwar noch nicht, wie man das schreibt, denn derzeit rede ich nach Gehör, doch auch das lernen wir noch … Am Freitag geht’s weiter und spätestens nächste Woche werde ich meinen Blog dann nur noch in Portugiesisch veröffentlichen …
Nach dem Kurs begebe ich mich direkt nach draussen, weil ich a) noch im Supermarkt zum Obstkaufen eingrätschen muss und b) zur Drogerie muss. Seit dem Wochenende schau ich nämlich aus, wie ein Streuselkuchen. Eine Sonnenallergie vom Allerfeinsten. Um den Mund, sprich das Kinn, alles rot, es tut weh und es juckt … So ein Mist aber auch … Da geb ich alles, um dem Sonnenbrand nicht zum Opfer zu fallen und dann krallt mich so ne doofe Allergie.
Um mir das Rumgefummel im Gesicht zu ersparen, frage ich Fernanda, wie ich am Besten nach einer Salbe oder so fragen kann. Sie sagt was von „preciso“ und „boa pomada“ „para“ irgendwas …

Mit diesem Wissen, ein paar Geldscheinen und ganz viel Vertrauen in mich selbst, begebe ich mich in die nahegelegene Drogerie. Erst schau ich mich um, ob da nicht irgendwo was rumsteht, wo man schon am Bild erkennen kann, für was es gut ist und wofür es gar nicht geeignet ist. Doch bevor ich mir ein Komplettbild verschaffen kann, steht schon die Dame neben mir und fragt mich (inzwischen kann ich am Tonfall erkennen, was gefragt wird), ob sie mir denn helfen kann. Und da hab dann meinen Blackout. Ich weiss nicht mehr wie mein Satz geht … Das einzige, woran ich mich erinnern kann ist, POMADE. Und das auch nur deshalb, weil ich mir, wie so oft, wenn ich mir was merken muss, ne Eselsbrücke gebaut habe. Und diesmal ist es John Travolta. Ich hab Pickel im Gesicht und das einzige, was mir einfällt, ist Pomaden-John-Travolta.
Und jetzt bin ich gespannt, ob der geneigte Leser auch weiss, warum das so ist.

Und so stammel ich vor mich hin, bringe an einer vermutlich ganz falschen Stelle den John Travolta ins Spiel und die Dame schüttelt den Kopf, schaut sich skeptisch die Auswucherungen auf meinem Kinn an und gibt mir zu verstehen, dass es für mich keine geeignete Pomade gibt. Ja nu, ein Versuch war's wert …
Stattdessen kauf ich mir Kekse (mit Schokolade) und hoffe, dass Plus und Plus minus gibt, denn Pickel kriegt man ja auch von Schokolade, da ich aber schon welche habe, gehen diese ja dann von der Schokolade weg, weil kein Platz mehr für neue ist …
Mal sehen …

Ein Teufelskreis ist das … Schokolade geht allerdings auch nicht so ganz spurlos an mir vorbei und im 16. OG kann mir allerdings das Laufband helfen, einen Teil der zu mir genommen Kalorien wieder loszuwerden. Und so laufe ich, was das Zeug hält (diesmal mit Steigung) auf dem Laufband einige Kilometer, vergesse dabei fast mein Pickelgesicht, wundere mich stattdessen auf's Neue, wie schnell ich in diesen Breitengraden ins Schwitzen gerate. Es ist halt doch was anderes, als zu Hause … Nass bis auf die Haut so stand sie da … also ich stehe da so nass am Fahrstuhl und warte darauf, dass ich nach 45 Minuten intensivem Training in mein Zimmer und damit in und unter die Dusche komme. Ich denke an nichts böses, als auf einmal hinter meinem Rücken ein „Hola“ ertönt. Mit hochrotem Kopf (und Kinn) drehe ich mich um und treffe den Mexikaner, mit dem ich mir vor dem Osterurlaub ein kleines Laufbandrennen lieferte …
Wir teilen uns den Fahrstuhl und reden über 7 Stockwerke über dies und das und jenes. Und als ich aussteige und mich in mein Zimmer begeben will, fragt er mich einfach so und ganz ohne Vorwarnung, ob wir denn diese Woche noch gemeinsam essen gehen wollen …

So, das hab ich nun davon … Am Mittwoch geh ich mit dem Mexikaner zum Essen, weil ich morgen keine Zeit dazu habe, da ich bereits zu einem Mädelsabend eingeladen bin, und nicht ein einziges Mädel persönlich kenne … Auch das wird spannend und bestimmt auch sehr lustig …
Bleibt zu hoffen, dass bis morgen ein paar meiner Pickel weg sind …

Zum Schluss möchte ich noch erwähnen, dass ich ein klein wenig nervös werde, da ich noch nicht weiss, wann ich endlich in meine Wohnung umziehen werde … Und bis nächsten Montag ist das Hotelzimmer gebucht …
Aber alles wird gut …

Gehabt Euch wohl,
Eure Jana.

PS: Ach - und das war der Osterhase ... ;-) @Vonne: Das Internet geht nun wieder ... Vielleicht klappt's ja dann auch mal mit Skype :-)


Sonntag, 24. April 2011

Itamambuca ...


… und andere Schönheiten !



In Anbetracht der Tatsache, dass ich an der Pousada nichts ändern konnte, musste ich mich mit dem Zustand arrangieren, dass es ist, wie es ist und so schiebe ich alles Unangenehme beiseite und versuche, gar nicht erst weiter darüber nachzudenken. Was ich allerdings nicht wegschieben kann ist die Temperatur, die sowohl draussen, aber auch drinnen vorherrscht. Draussen hat es zumindest den Vorteil, dass man sich mal im Meer abkühlen kann oder dass eben hin und wieder auch mal ein Lüftchen geht. Im Zimmer aber geht gar nichts. Und so schwitze ich mich am ersten Abend in den Schlafe, komme allerdings nicht umhin, irgendwann dann doch noch den Ventilator anzumachen.

Um 0730 h ist die Nacht zu Ende, denn wir wollen nach Paraty (RJ). Paraty liegt ca. 90 km von Ubatuba entfernt und gehört auch schon zum Bundesstaat Rio de Janeiro. Wir planen viel Zeit ein, da wir auf dem Weg dorthin oder auf dem Weg zurück noch ein paar Strände erkunden wollen. Die Fahrt nach P ist kurzweilig, vor allem gibt es wieder viel zu Sehen. Das nie enden wollende Grün wird immer satter und voller, an den Strassrändern tummeln sich Geschäftsleute, die ihr Handwerk an den Mann, respektive die Frau, bringen wollen, andere sitzen oder stehen beisammen und erzählen. Die Strasse bietet genug Platz für alle und offensichtlich wird dies auch gern genutzt. So begegnen wir neben den bereits genannten, auch noch unzähligen Joggern, Radfahrer und Gehenden.

Nach etwas mehr als einer Stunde kommen wir in P an, parken den Wagen und laufen in die Altstadt. Zuvor habe ich mich informiert und dabei erfahren, dass die historische Altstadt von P 1958 unter Denkmalschutz gestellt wurde und zum Bundesstaat Rio de Janeiro gehört. Das Besondere an der Innenstadt sind die kleinen weissen Häuschen, die durch bunte Tür- und Fensterrahmen auffallen. Auch sind im gesamten Innenstadtraum keine geteerten, sondern nur gepflasterte Strassen zu finden. Gelesen habe ich, dass das unebene Kopfsteinpflaster seinerzeit von Sklaven verlegt wurde.
Auch soll Thomas Mann's Mutter, Julia Mann in einem der Häuschen geboren sein.
Jedenfalls sind die Gassen voll von kleinen Geschäften, die neben Kunsthandwerk, Bücher anbieten, Kleider, Patchwork, Spielzeug etc. Teilweise findet man kleine Museen in den Häuschen oder auch Ateliers, in welchen die Künstler an ihren Bildern, Skulpturen, Tonwaren arbeiten und dabei kann man ihnen dann auch noch zusehen.

Und so reihen sich noch Restaurants und Cafés ein. Kulinarische Wünsche bleiben hier bestimmt nicht offen.

Wir erkunden die Stadt, machen Bilder, beobachten die Leute und im Hafen beschliessen wir, am nächsten Tag wieder zu kommen, um eine Bootstour mitzumachen. Für den Freitag allerdings reicht es dann nach einigen Stunden und wir machen uns wieder zurück in Richtung Ubatuba (liegt im Bundesstaat Sao Paulo). Am Strand Itamambuca legen wir eine Badepause ein. Uneingeschränkt kann ich den Kollegen recht geben, denn es ist in der Tat ein wunderschöner Strand, umgeben vom Regenwald. Der Sand weiss, weich, fein, das Wasser türkis und dann mündet da noch ein Fluss heimlich still und leise in den Ozean.
Ich mag diesen Strand lieber, als den, den wir vor der Haustür haben.

Der Samstag morgen beginnt noch etwas früher, da wir bereits um 1030 h zur Insel- bzw. Strandrundfahrt ablegen wollen. Und so finden wir uns, wie geheissen, ca. 20 Minuten eher an der „Soberano da Costa“ ein, nicht jedoch ohne mir vorher einen Hut und frisches Wasser gekauft zu haben. Ein nettes Plätzchen ergattern wir noch und dann geht’s auch schon los, wobei uns El Capetano noch eine Einweisung in den Gebrauch der Schwimmwesten gibt. Verstehen tu ich nicht ein einziges Wort, kann mir jedoch den Bewegungsablauf merken und hoffe, dass wir in keine Sturm oder so kommen, denn die Orientierung hab ich schon vor dem Ablegen verloren. Die Tour hat 4 Destinationen: Saco da Velha, Praia de Conceicao, Lagoa Azul und Praia de Lula. Einer Schiffsbesetzer erzählt immer mal wieder etwas über die Inseln / Strände, doch da ich nichts verstehe, gebe ich mich voll und ganz der Schönheit der Natur hin. Wir gehen 4 mal vor Anker und können nach Herzenslust schwimmen, springen, mit dem „Spagetschi“ im Wasser rumhängen oder am Strand spazieren gehen.
Die Umgebung ist wunderschön und ganz gleich wo man hinsieht, es ist einfach sensationell.

Auf dem Boot komme ich mit Jody und Rod ins Gespräch. Ein autralisches Paar, welches insgesamt 7 Monate auf Süd- und Noramerika-Tour ist. Sie sind bereits 3 Monate unterwegs und kommen gerade aus Argentinien, wo sie die Iguacu Wasserfälle besucht haben. Die beiden arbeiten als Berater in London und konnten sich somit eine solch lange Auszeit erlauben. Wir tauschen uns aus, wer schon wo war und was er so getan hat und beschliessen auf dem letzten Drittel der Bootstour zum gemeinsamen Abendessen aufzubrechen.
Ein Restaurant ist bald gefunden, denn wir sind uns bereits im Vorfeld einig, dass Pasta das Objekt der Begierde ist …
Eine Live-Band spielt, während wir essen und so geht ein perfekter Tag zu Ende.
Gegen 2030 verabschieden wir uns, haben wir doch noch etwas mehr als eine Stunde Autofahrt vor uns. Ausserdem wollen wir im Supermarkt noch kurz ein „afrikanisches Frühstück“ kaufen, da wir bereits um 0500 am Sonntag morgen den Heimweg antreten wollen.

Und jetzt? Jetzt bin ich müde und geh mal schlafen.
Die neue Woche hat bestimmt wieder viele Überraschungen parat und ich bin jetzt schon darauf gespannt …

Gehabt Euch wohl,
Eure Jana.

Pousada ...


… Mar Brasil.



Pousada = Unterkunft.
Zumindest nach Reverso.net.
Was es in echt war, dazu später mehr …

Im Nüvi vervollständige ich die Anschrift in Ubatuba, hefte den Saugnapf des Garmin an die Frontscheibe, schnalle mich an, frage den Fahrer, ob alles klar ist und schon wagen wir uns in den Paulistanischen Frühverkehr. Erstaunlich viel los um 0400 h morgens … Sicherheitshalber hab ich noch Google-Maps befragt und mir die Route auf Papier gedruckt. Sicher ist sicher. Nicht, dass wir irgendwo im Dschungel stehen und nicht wissen, in welche Richtung es weiter geht.
Mein fürsorglicher Fahrer hat sich sogar am Vorabend noch um das Frühstück gekümmert und so haben wir Sandwiches, Obst und O-Saft dabei und können uns während des Fahrens noch den kulinarischen Genüssen hingeben.

Wir verlassen SP nach einer Weile und begeben uns immer weiter ins Landesinnere. Nach und nach erschliesst sich uns die grüne Schönheit dieses Landes. Links und recht von der Autobahn erheben sich sattgrüne Hügel, welche man zweifelsohne schon als Berge bezeichnen könnte. Ein unglaubliche Kulisse liegt mir zu Füssen und ich komm aus dem Staunen und Schauen nicht mehr raus und einmal mehr bin ich froh darüber, an diesem wunderbaren Tag nicht selbst fahren zu müssen. Wenn ich mir die Farbe um mich herum ansehe, komme ich zu dem Schluss, das ist es, wenn grün nicht mehr grün genug ist. Die Berge scheinen mit Bäumen unterschiedlichster Art vollgepackt zu sein. Fast droht das Bergmassiv unter dieser Baumlast zusammen zu brechen. Aber nur fast. Es ist einfach nur wundervoll …
Nach geraumer Zeit verlassen wir die Autobahn und begeben uns mitten ins Grün. Der Duft der Bäume ist unbeschreiblich. Der beginnende Tag, unverbrauchte Luft, es würde nach Pinienwald riechen, wären es Pinien, da ich aber nicht weiss, wie diese wundervollen grossen, grünen Gewächse heissen, ziehe ich einfach mal so den Pinienbaumvergleich. Innerhalb von wenigen Kilometern (und wenige Kilometer können hier 150 sein, wenn man die Grösse des Landes bedenkt) tauschen wir Grossstadtdschungelduft, gegen echten-echten Dschungelduft (also zumindest was Grünes und vor allem Frisches).
Es zwitschert, flattert, fiept und tönt die Tonleiter rauf und runter. Sind es Vögel? Affen? Schmetterlinge? Eulen? Ich weiss es nicht … Flora und Fauna lebt regelrecht auf diesem Teil der Erde.

Eine innere Ruhe stellt sich ein, all die Anspannung fällt ab von mir und ich merke, wie ich mich dem ruhigen Rhythmus hingebe und einfach mal aufhöre zu denken. Am liebsten würde ich noch viel länger genau so weiter fahren, doch da würde ich vorher den Fiat gegen ein bequemeres Auto tauschen.
Nach gut und gerne 4 Stunden Fahrt durch die grüne Oase, bleiben wir im Grünen, kombinieren dies jedoch noch mit einem weiter grün-blau-Ton … Der Ozean …
Die Pousada ist schnell gefunden und man kommt uns dort sehr entgegen. Offensichtlich ist es Usus, erst um 1400 h einzuchecken, so man es zuvor tun möchte, ist ein voller Tag zu entgelten. Wir reden mit dem Inhaber und nach 15 Minuten dürfen wir die Zimmer direkt beziehen, unsere Sachen ablegen und wenige Sachen anlegen. Es ist kurz nach 0800 in Ubatuba und der Planet brennt.

Das mitgebrachte Frühstück nehmen wir noch gemütlich zu uns, bevor wir uns mit nur wenig an und Handtuch und Sonnencreme bewaffnet zum nahegelegenen Strand „Praia das Toninhas“ begeben.
Ich glaub, an dieser Stelle fehlen mir einfach die Worte. Ich hab zwar schon viel Strand, viel Meer und viel Bucht und so gesehen, doch sowas hab ich halt noch nicht gesehen. Mir ist, als … Ach, ich weiss selbst nicht, wie mir ist … Ich könnt weinen, lachen … alles zugleich und dann könnt ich noch die ganze Welt umarmen …
Doch bevor ich mich dazu wirklich stark genug fühle, brauch ich erst mal nen guten brasilianischen Kaffee, denn von nix, kommt nix.
Während ich so meinen Kaffee trinke und noch immer meine Augen kaum von der sich mir bietenden Schönheit wenden kann, erregt einer der Angestellten meine Aufmerksamtkeit. Ich wende den Blick von Himmel, Meer und Strand und hafte an ihm. Genauer gesagt an seinen Händen und dem schwertähnlichen Schneidegerät.

Der „Mosso“ (eine Anrede für den Herrn) fischt aus einem grossen Kühlgerät eine Kokosnuss und dreht diese einhändig in die richtige Position. Mit dem Schwert in der rechten Hand holt er aus und säbelt der Kokosnuss den Boden mit einem gekonnten Schlag ab. Danach dreht er einhändig wieder weiter und was dann folgt, lässt mir fast den Atem stocken. In einer unglaublichen Geschwindigkeit hat er mit drei exakt positionierten Schlägen ein Dreieck reingesäbelt, das Schwertmesser fast im gleichen Atemzug wieder weggelegt und einen Trinkhalm in die Öffnung gesteckt.
Während er der Dame am Nachbartisch das erfrischende Getränk serviert, komm ich aus dem Staunen nicht mehr raus. Der Mosso könnt beim Supertalent oder so mitmachen, denn ich bin mir sicher, dass er die Kokosnuss auch „blind“ so sezieren könnte. Natürlich kriegt der Kerl mit, dass ich doofer Touri mit offenem Mund da sitze und grinst mich nur an. Und so rufe ich mich selbst wieder zurück in die Realität, schüttle ungläubig den Kopf und versuche mich auf den Film zu konzentrieren, in dem ich diesmal wohl auch eine kleine Rolle habe, als mich eiskalte Wassertropfen auf meiner rechten Schulter schon mein Vorhaben vergessen lassen. Da steht der Mosso doch tatsächlich mit einer Kokosnuss hinter mir und überreicht mir diese mit einem breiten Grinsen und legt mit selbigem zwei strahlend weisse Zahnreihen frei.

Ist das nun peinlich? Ich weiss es nicht … Zum Glück gibt’s keine Einschränkungen, wie oft man „Obrigada“ nutzen darf und so sage ich es und laufe vermutlich dabei auch noch rot an …
DAS ist peinlich …

Während die Kokosnuss für die innere Erfrischung sorgte, sorgt nun das türkisfarbene salzige Nass für die äussere Erfrischung. Die Wellen sorgen für den nötigen Spass an der Freude, nur das Schwimmen muss ich für diesen Tag bleiben lassen, denn die Wellen machen es schier unmöglich und hinter die Wellen trau ich mich nicht …
Der Tag vergeht am Strand und der frühe Abend in Ubatuba City, denn ich BRAUCHE dringend Havaianas. Und warum das so ist, dazu komm ich jetzt.
Die Pousada. Ist halt ne 3-Landeskategorie-Sterne-Unterkunft. Und da dies so ist, wie es ist, muss man wohl Abstriche machen. Wie viele davon, lässt sich an dieser Stelle mangels Erfahrungswerte, schlecht sagen. Der Pfälzer würde sagen: „Oben hui, unten pfui“. Tja, und genau so war's. Um jetzt nicht weiter ins Detail zu gehen, verrate ich an dieser Stelle nur, dass ich die Dusche ohne Gummischuhe nicht habe betreten wollen und so habe ich die Dusche beim ersten Gebrauch (ich musste ja den vielen Sand vom Strand irgendwo abspülen) mit meinen Socken betreten, denn die Leder-Flip-Flops wollte ich für den Waschvorgang nicht ruinieren.
An manch anderer Ecke mangelte es auch noch, doch final kann ich schon sagen, dass es „auszuhalten“ war, vor allem vor dem Hintergrund, dass wir wirklichlich grosse Schwierigkeiten hatten, überhaupt noch eine Bleibe für über Ostern aufzutreiben.

Für heute lass ich mal gut sein …
Demnächst gibt’s dann mehr vom Rest des Osterwochenendes …

Gehabt Euch wohl,
Eure Jana.

Das Amt ...


… kurz vor dem Kurzurlaub in Brasilien!



Der Termin bei der Policia Federal steht schon seit gut einer Woche fest. Mittwoch, 20.04.2011 – 1540 h (Sao Paulo Zeit) soll ich vorstellig werden. Karina würde mich an Ort und Stelle erwarten. Um pünktlich zum Termin zu erscheinen (hier wird erstaunlicherweise Wert darauf gelegt, dass man sogar schon 15 min eher erscheint !), empfiehlt mir die HR Kollegin, mich hinbringen und wieder abholen zu lassen, nur um sicher zu gehen, dass nichts schief geht. Und so fahren Vanderlei und ich bereits um 1430 h los, um die 7 km im vorgesehenen Zeitrahmen zurück zu legen.
Karina empfängt mich vor dem Gebäude, lotst mich durch die Polizeikontrolle in der Polizei und erklärt der Kollegin hinter dem Schalter, dass mein „Passaportschi“ bei ihr sei und ich mich somit nicht ausweisen könne. Was folgt, ist ein kurzer Blick in die Webcam, ein Daumen hoch der Empfangsdame und Karina und ich begeben uns ins zweite Stockwerk, um dort unser Tagwerk zu beenden.

Ich erschrecke beim Anblick der wartenden Menschen. Halb Sao Paulo scheint in diesem Warteraum anwesend zu sein. Ein Stimmengewirr – wie ich es noch nicht gehört habe. Hier Portugiesisch, dort Englisch, Asiatisch meine ich auch vernehmen zu können und diverse andere Sprachen, die ich in meinem Kopf unter „Ausländisch“ ablege. Karina informiert mich darüber, was sie gedenkt zu tun und ich verstehe nur, dass sie etwas abgeben muss und ich mich schon mal hinsetzen soll, denn ich würde aufgerufen werden. Just in diesem Moment ertönt der Aufruf eines Namens über Lautsprecher. Ich kann nicht erhören, ob Männlein oder Weiblein in das Mikrofon spricht, geschweige denn, welcher Name aufgerufen wird. Panik steigt in mir auf. Wie um Himmels Willen soll ich inmitten all dieser Menschen mit dieser undeutlichen Ansage meinen Namen identifizieren, wenn er aufgerufen wird? Und Karina ist irgendwie auch nicht mehr zu sehen. „Meu deus!“ (Mein Gott), was soll ich nur tun? Nur um sicher zu gehen, dass ich alles richtig verstanden habe, rufe ich Karina erneut an. Blitzschnell steht sie hinter mir und erklärt mir mit einer Engelsgeduld, wie das hier läuft. Und ausserdem solle ich mich entspannen, denn in den nächsten 2 Stunden bräuchte ich nicht damit zu rechnen, aufgerufen zu werden. Spricht es und ist auch schon wieder verschwunden.

Und so sitze ich inmitten Millionen von Menschen unterschiedlichster Herkunft und beobachte. Beobachten scheint hier zu einer meiner Lieblingsbeschäftigungen geworden zu sein … Doch dazu dann an anderer Stelle wieder etwas mehr. Ich sitze, schaue und lausche. Vor allem lausche ich dem Gespräch, welches hinter meinem Rücken zu Gange ist. Das Mädel, der deutsche Akzent ist nicht zu überhören, teilt den Rasta-Locken-Männern in der Reihe hinter mir mit, dass sie aus Berlin sei, hier studiert, seit 2 Wochen hier ist, ihre Masterarbeit schreibt und sich nun um die Vervollständigung des Visas zu kümmern hat. Wie genau wir den Kontakt nun hergestellt haben, weiss ich nicht mehr so recht, doch kurze Zeit später, bin ich in das Gespräch mit verwickelt. Von ihr erfahre ich, dass sie bereits seit 0800 h dort wartet und bislang erst um 1300 h zum ersten mal aufgerufen wurde. Wie es bei ihr weiter geht, kann sie nicht sagen, sie muss warten, wie wir alle auch.

Gegen 1600 h taucht Karina wieder auf und lässt mich wissen, dass sämtliche Systeme ausgefallen sind und die Beamten wohl erst gegen 1700 h bekannt geben werden, ob heute noch was geht oder ob wir unverrichteter Dinge wieder gehen und einen neuen Termin vereinbaren müssen. Mir entgleisen die Geschichtszüge und Karina meint lächelnd: „Welcome to Brazil!“ Jep, Welcome to Brazil … Die Klimaanlage schafft es nicht mehr die vorhandenen Körpertemperaturen runter zu kühlen und so gönne ich mir den Luxus, mich nach draussen ins nahegelegene Café zu begeben, um dort einen frischen Kaffee zu trinken und mir darüber hinaus noch ein Eis zu gönnen. Schliesslich hab ich eine „Brokerin“, die dort wartet, um zu erfassen, was Sache ist und mich ggf. telefonisch darüber in Kenntnis zu setzen, dass mein Name aufgerufen wurde.
Karina bittet mich, bevor ich mich auf den Weg nach draussen mache, dem ebenfalls im Café wartenden Samsung Direktor die gleiche Information zukommen zu lassen.
Gesagt getan. Ich sitze und warte und trinke Kaffee und schicke Vanderlei eine SMS und entschuldige mich in mehr schlechtem als rechtem Portugiesisch für die lange Warterei. Er tut mir wirklich, weil wir zu zweit völlig unnütz rumsitzen und nichts ausrichten können. Leider kann ich ihn nicht zum Kaffee einladen, da die Parksituation rund um die Polizei sowas von schlimm ist, so dass er im Wagen sitzen bleibt, um im Fall der Fälle das Gefährt wegbewegen zu können.

Pünktlich um 1700 h finde ich mich wieder im Warteraum, der keineswegs leerer geworden ist, ein. Karina sieht mich die Treppen aufsteigen und schüttelt schon den Kopf … Und so hängen wir stehend rum und verkürzen uns die Zeit mit Geschichten aus unseren Leben. Einer von Karina's Kollegen „mischt“ sich ins Gespräch ein und. Es ist kurzweilig, da ich hier an Ort und Stelle meine Interkulturellen Kenntnisse erweitern und vertiefen kann. Wie das so ist bei solchen Gesprächen, schnell kommt man vom Hundertstel ins Tausendstel und ich erfahre, dass Fernando mein zukünftiger Nachbar wird. Sao Paulo ist ne Erbse. Fernando wohnt im gleichen Condo, in dem ich auch meine Zelte aufschlagen werde. Und nicht nur das, sondern wir wohnen sogar im gleichen Haus und werden gleichen Fahrstuhl nutzen. Ich bis zur 17 – er zur 26.
So geht das also mit Kontakte knüpfen, wenn man auswärts wohnt.

Gegen 1900 h dann lass ich endlich mein Registrierungsprocedere über mich ergehen. Eine Unterschrift, 4 Finger der rechten, dann 4 der linken Hand. Die Daumen gehen separat. Dann alle 10 Finger einzeln, manchmal muss ich wiederholen, weil das Gerät das nicht so gut erfasst. Ich kontrolliere ein letztes Mal die Angaben und bin nach weiteren 5 Minuten stolze Inhaberin meiner Registrierungs- und Steuernummer. JETZT endllich kennt mich Sao Paulo. JETZT existiere ich endlich in dieser Stadt.
Vanderlei holt mich ab, es regnet in Strömen. Erster Hagelschauer in Sao Paulo und innerhalb von Sekunden ist die Stadt überflutet.

Ich schaffe es noch trockenen Fusses zu den Kollegen zur „Happy Hour“ und gönne mir, wie soll es anders sein, nach all dem Stress erst mal einen Chopp. Nach 1-2 Stunden verabschieden wir uns und wünschen uns Frohe Ostern und schöne Feiertage, tauschen nochmals die einzelnen Destinationen aus, wer wohin geht und trennen uns dann.
Im Hotel angekommen, mache ich mich sofort ans Packen meines Koffers. Es ist schon verhältnismässig spät und die Nacht wird kurz. Um 0300 h klingelt der Wecker. Zuviel Zeit möchte ich mit Packen nicht verschwenden und so beschliesse ich, die Shirt-Stapel komplett im Koffer zu versenken, ohne zu prüfen, ob ich das auch wirklich brauche. So ich den Ausführungen meiner Kollegen Glauben schenken darf, weiss man nicht wirklich, wie das Wetter in Ubatuba werden soll. Nicht umsonst nennt man dieses wirklich schöne Städtchen auch Uba-Chuva, weil es dort immer wieder aus heiterem Himmel anfangen kann zu regnen (Chuva = Regen). Tja, und so wandert alles in den Koffer, denn schliesslich gibt es beim Fahren mit dem Auto keine Mitnahmebeschränkungen hinsichtlich meiner Gepäckstücke. Gefühlte 50 kg schleppe ich mit, doch was man hat, das hat man …
Ein letztes Mal vor meiner Abreise habe ich die Gelegenheit über's Radio zu grüssen (Danke Ben) und schlafe schnell den Schlaf der Gerechten.

Haben wir wirklich ausgemacht, wir wollen um 0400 h losfahren? Es ist in der Tat 0300 h und das Wasser tropft noch immer aus meiner Decke. Kaffee trinke ich keinen, denn in Ermangelung der Kenntnis über meine sanitären Möglichkeiten auf der Strecke nach Uba-Chuva, möchte ich es nicht riskieren, irgendwo im Regenwald (oder da, wo ich gerade so langfahre) Pipi machen zu müssen. So dusche ich nur, mach mich fertig (wieder ohne Kriegsbemalung) und schon klingelt mein Telefon, mein Fahrer sei da.
Javier drückt mir das „Nüvi“ in die Hand und ich navigiere im Navi erstmal zu den Spracheinstellungen, die ich auch noch in portugiesischer Ausgangsposition finden kann …

Im nächsten Kapitel geht’s dann mit dem Kurzurlaub weiter …

Gehabt Euch wohl,

Eure Jana.

Mittwoch, 20. April 2011

Mitten im Leben ...

… und das ganz ohne RTL !



Der Tag hat mich schon mitten in der Nacht voll im Griff. Das hab ich nun aber auch davon, wenn ich dauerhaft Mails ins SWR3 Studio schicke und dann auch noch meine Telefonnummer mit angebe. Da steht ja auch mit dabei: „SWR3 ruft öfter an, als Du denkst.“
Und genau so war’s dann auch … Ben Streubel moderiert munter seine Sendung ich verfolge immer wieder ganz interessiert, was all jene schlaflosen Menschen im, um und aus dem Sendegebiet zu berichten wissen.
Irgendwann, kurz bevor die Morningshow um 0500 losgeht, lege ich mich dann auch mal um und schlafe den Schlaf der Gerechten.

Letzte Nacht war mir allerdings etwas früher nach Gerechtigkeit und so schlummerte ich schon vor mich hin, als der Ben mich dann anrief. Und dann war ich auch schon wach und wir plauderten ein wenig … Danach war ich allerdings so aufgedreht und aufgeregt, dass es ne Weile dauerte, bis ich endlich wieder einschlafen konnte.
Der ein oder andere geneigte Leser meines Blogs hat es dann auch noch gehört ;-)

Wie gesagt, der Tag hatte mich jedoch schon voll im Griff. Der Wecker klingelt um 0600, ich beschliesse, heute mal keinen Nescafé zu trinken und begebe mich, ohne über Los zu gehen und selbstverständlich auch ohne das Kleingeld direkt ins Badezimmer. Ich dusche ausgiebig, summe irgendeine Melodie vor mich hin und überlege, wie und was heute so alles passieren könnte. Zumindest weiss ich schon, dass ich zur Polizei gehen muss, um die Registrierung amtlich zu machen, der Führerschein sei schon unter Dach und Fach, das weiss ich seit gestern und heute abend bin ich dann in „Vaca vela“ („Alte Kuh“) mit einem Arbeitskollegen aus Deutschland verabredet.
Dazwischen hat’s aber auch noch etliche Stunden, in denen viel passieren kann.

Und das Passieren fängt direkt hinter meiner Glasduschentür an. Fassungslos starre ich auf das Waschbecken und folge dem Wasserstrahl, der von oben herunterprasselt. Der Deckenstrahler über dem Waschbecken macht Pipi. Aber so was von haste nicht gesehen heftig.
Es hilft nichts, abtrocknen, anziehen und die Jungs an der Rezeption verständigen. Mein Spanisch ist dann aber so gut auch wieder nicht, als dass ich erklären könnte, wie und wo das Wasser herkommt und so erkläre ich in englisch, dass da ein Loch ist und dass das Wasser in Strömen aus der Decke in mein Waschbecken läuft. Auch bitte ich, dass jemand vorbei kommt, um sich das Dilemma anzusehen. An dieser Stelle möchte ich nur sicherstellen, dass wir vom Gleichen reden.
Der Typ bestätigt, es käme jemand vorbei, doch als nach 10 Minuten noch immer keiner an der Tür klingelt, ruf ich noch mal an. „Not now, Mam. 8 o’clock maintenance start.“ Nix 8 o’clock und nix maintenance. Ich bin mir sicher, der Typ hat nicht verstanden, was ich will und wo das Problem ist.
Später, wenn das Facility Management anrückt, sehen die nur noch meinen tropfenden Wasserhahn, fixen den und morgen früh kann ich mir dann aussuchen, ob ich im Waschbecken oder in der Dusche duschen will. Das Waschbecken hätte zumindest den Vorteil, dass ich nicht gegen eine Glastür laufen kann.

So beschliesse ich die Füsse in die Hand und den Fahrstuhl nach unten zu nehmen. Den Rezeptionisten bearbeite ich ca. 5 Minuten lang, bis er dann einwilligt, mit nach oben zu kommen. Der muss auch gedacht haben: „Die crazy Germans!“ Lustig finde ich, dass er sich entschuldigt einzutreten, dabei war ich doch für das Chaos in meinem Zimmer verantwortlich ;-)
Wir gehen direkt ins Bad.
Sein Gesichtsausdruck verrät, er hat am Telefon gar nicht verstanden, um was es geht. Ein lautes und vor allem entsetztes:“Aaaaaaaaah, now understand!“, entfährt ihm und ich entlasse ihn wieder nach draussen.
Puuuuh, das kann aber auch schwierig sein.

Da das Wasser direkt mittig ins Waschbecken rieselt, lasse ich heute nur Wasser und Creme an meine Haut und wage mich ohne Kriegsbemalung auf die Strasse und in weniger als einer Stunde zur Polizei …
Wenn mich mein Bauchgefühl nicht täuscht, wird auch das wieder ein Erlebnis …

Gehabt Euch wohl und passt auf euch auf.

Eure Jana

Dienstag, 19. April 2011

Beobachtungen ...


… Teil 3.



Der Brasilianer fragt.
Er fragt nach allem. Immer und vor allem überall. Ganz ohne Rücksicht auf Verluste. Er will wissen, wie der Abend war. Was man so getan hat, was man so gar nicht getan hat. Auch möchte er über die Wochenendaktivitäten immer genauestens informiert werden. Und dann weiss er auch immer noch was dazu zu sagen.



Der Brasilianer und das Tabu.
Hat er eines? So langsam zweifle ich daran. Es ist ja in Ordnung freizügig, offenherzig und auch (fast) tabulos zu sein. Doch in dieser Hinsicht scheint der Brasilianer einer ganz besonderen Spezies anzugehören.
Neulich beim Essen beispielsweise. Wir sitzen, essen, reden, trinken. Als die weibliche Brasilianerin über ihr Leben hinter verschlossener Tür zu berichten beginnt. Zunächst denke ich, dass hört jetzt gleich auf, denn viel mehr Informationen hätte es nicht mehr gebraucht. Doch in diesem Fall war präzise nicht präzise genug und es ging einfach weiter. Schön im Detail, wer mit wem und wie und überhaupt …
Zuviel Information für mich. Ich will und ich muss das nicht wissen.
Der interkulturelle Schock geht weiter und der Spass hört auf, als die Dame sich nach dem Wie und Was hinter anderen verschlossenen Türen zu erkundigen beginnt …



Der Brasilianer und die Begrüssung.
Jeden Morgen im Büro beobachte ich das gleiche Ritual. Er kommt zur Arbeit und noch bevor er sich an seinem Schreibtisch niederlässt, begrüssen sich die Herren untereinander mit Handschlag und einer freundschaftlichen Umarmung und dem obligatorischen Klopfen auf die Schulter. Die Damen werden mit Umarmung und Kuss begrüsst und unter den „Dämlichkeiten“ läuft die Begrüssung ebenfalls mit Umarmung und Kuss ab.
Langsam aber sicher werde auch ich in den Kreis der zu Begrüssenden aufgenommen …



Die Brasilianerin.
Sie trägt High Heels. Täglich. Mindestens, wenn nicht sogar noch mehr Zentimeter. Zu beobachten auf der Strasse ist jedoch, dass der Trend bei der weiblichen Paulista-Bevölkerung zum Zweitschuhwerk geht. So beobachte ich mit zunehmender Regelmässigkeit, in feinen Zwirn gekleidete Damen, an den Füssen jedoch die derben Running-Shoes. Vermutlich hat sie täglich weite Fusswege zurück zu legen und so eignet sich ein Sportschuh wohl besser dazu, als ein Pfennigabsatz (müsste das jetzt nicht Cent-Absatz heissen?). Doch keine Regel ohne Ausnahme. Auch hier sind modische Fehltritte an der der Tagesordnung. So pressen grosse Frauen, grosse Füsse in kleine Schuhe. Hin und wieder pressen grosse Frauen, grosse Körper in kleine Kleidungsstücke.
Und manche tragen einfach nur flaches Schuhwerk.



Brasiliens Hungerhaken.
„Huuuunger, ich habe Huuuuuunger!“, liegt mir da manchmal auf der Zunge. Nicht selten sind sie anzutreffen, Brasiliens Waffen: Sie stochern wild im dressinglosen Blattsalat herum, das gesunde Grün wird in Micro-Häppchen geschnitten und selbst am Olivenöl wird gespart. Der Teller ist noch lange nicht leer und schon wird er weggeschoben, der nicht vorhandene Bauch wird gerieben, als ob ein Riesensteak darin verschwunden wäre …



Der Brasilianer und Ostern.
Er mag Eier. Schokoeier. Hier geht’s nicht anders zu, als wie bei uns zu Hause. Hier werden richtige Ostereiertunnels im Supermarkt angelegt. Da hängen die Eier von der Decke, sie hängen einfach überall runter. Und immer nur die grossen Eier. Jene, in Folie eingepackten Schokoeier. Hasen sucht man vergebens, aber Eier findet man zu Hauf …



Fortsetzung folgt.

Montag, 18. April 2011

Shopping-Bulimie ...

… Umtausch leicht gemacht !



Irgendwie waren die tollen Flip-Flops, die ich gestern erstanden habe, dann doch zu klein. Und so begebe ich mich heute mit Wörterbuch und dem nicht passenden Schuhwerk bewaffnet zum Schuhladen. Warum ich die Schuhe gestern allerdings kaufte, ist mir ein Rätsel … Offensichtlich fühlte ich mich ein klein wenig unter Druck gesetzt, da ich von insgesamt 3 Verkäuferinnen belagert wurde.
Wie dem auch sei, die Schuhe sind fein und noch viel feiner wären sie, wären sie ne Nummer grösser … Und genau das möchte ich geändert haben wollen.

Ich betrete den Laden und schon strömen wieder drei langhaarige Schönheiten auf mich zu. Nur nicht aus dem Konzept bringen lassen, ermahne ich mich selbst und gehe voller Selbstvertrauen auf die drei zu. Die Schwarzhaarige ergreift zuerst das Wort und begrüsst mich mit einem freundlichen: „Boa tarde“ und es folgt ein obligatorisches „Tudo bem?“. Alles bem, und gleich noch viel „bemmer“ … Ausserdem beschliesse ich, das Wörterbuch nicht auszupacken. Zaghaft erkundige ich mich, ob sie denn spanisch spricht. Mit dem Daumen und Zeigefinger deutet sie an, dass sie „un poco“ spricht und so lege ich langsam los …

Auf Anraten einer Kollegin sollte ich sagen, ich hätte die Schuhe geschenkt bekommen und sie seien zu klein. Und so spreche ich zum ersten mal im fremden Land nicht die Wahrheit … Ich werde zum Unwahrheit sprechen animiert … Sauerei … Doch egal – wenn's was bringt ;-)
Der Schwarzhaarigen erzähle ich, dass die Schuhe ein Geschenk seien, sie leider nicht passen und ich sie mindestens eine Grösse grösser bräuchte. Sie schaut in den Karton, schaut sich den beiliegenden Zettel an, gibt mir mit „Daumen nach oben“ zu verstehen, dass alles „Tudo“ ist und verschwindet im hinteren Teil des Ladens … Zurück kommt sie mit den Flip Flops in roter und gelber Farbe, grün ist aus. Macht nix – rot tut's auch. Ich probiere, sitzt, passt, wackelt und hat Luft und ich bestätige mit „Daumen nach oben“ … Non-verbale Kommunikation!

Während ich allerdings auf die Dunkelhaarige warte, erweckt eine tolle Tasche meine ganze Aufmerksamkeit. Das Leder fühlt sich ganz toll an und ausserdem ist sie mal nicht schwarz. Nein, Leder natur mit rot … Passend zum neuen Schuhwerk … Hmmmm … Mein Herzlein beginnt vor Aufregung zu hüpfen … Und während die Langhaarige, die mindestens genauso lange Beine hat, die Schuhe verpackt, lege ich noch total unauffällig den neuen Beutel dazu.
Die Überraschung folgt, als die Dame mich wissen lässt, dass da gerade ne Aktion läuft und so erstehe ich die Riesentasche sagenhafte 58% unter UVP des Herstellers.
Tschakka. Ich liebe Sao Paulo.

Und jetzt?
Jetzt sitze ich wieder liegend im Bett und esse Chips. Und einmal mehr hab ich mir das verdient …

Gehabt Euch wohl,
Eure Jana


Sonntag, 17. April 2011

Virada Cultural 2011 ...


… die andere Seite der Stadt.


Völlig irritiert wache ich heute früh auf. Der Traum, den ich träumte, macht mich fertig und ich schwanke, noch völlig schlaftrunken, ins Badezimmer. Ich muss wissen, ob das ein Traum war …
Gestern Abend haben wir uns unter anderem im „Samba“ über Tatoos unterhalten und dass es in St. Pauli sehr sehr viele Menschen gibt, die ein solches tragen. Javier meinte, ich solle mir auch ein Tatoo stechen lassen – so als kleines Andenken an meine Zeit hier in Brasilien. Ernsthaft in Betracht habe ich dies nicht gezogen, dennoch muss mich dieses Thema so sehr beschäftigt haben, dass ich davon träumte.
Und der Traum ging so:
Ich sehe mich beim Tätowierer auf dem Stuhl sitzen und erkläre ihm, dass ich auf der rechten Wange (!) in grossen Lettern „SAMBA – SAO PAULO“ tätowiert haben möchte. In 2 Zeilen. Der Tatto-Maker macht und ich glaube sogar den Schmerz zu spüren. Als er fertig ist, hält er mir den Spiegel vor. Ob das wieder weg geht, will ich wissen. Er verneint und bestätigt nochmals, als ob ich das nicht wüsste, es sei ein Tatoo und da könne man nun gar nichts mehr tun. Vielleicht würde es mit der Zeit verblassen, doch ich solle mich jetzt nicht so anstellen, schliesslich wollte ich das ja so.
Und genau das ist der Moment, als ich wach werde …

Ein wenig durch den Wind bin ich schon. Der Kaffee hilft und das Skyponat mit Tuti auch. Ich mach mich langsam fertig, denn heute möchte ich die Gegend weiter erkunden. Zunächst hole ich meinen Begleiter ab und wir machen uns auf zu einem kleinen Spaziergang. Er ist einverstanden, dass wir heute mal Downtown erkunden und uns die „Virada Cultural“ mal ansehen. Diverse Bands sollen in den Strassen, Museen und anderen Locations spielen, einen Besuch soll es allemal wert sein und wir sind bereit, uns dem Getümmel zu stellen und auch der Herausforderung, heute zum ersten mal mit der Metro zu fahren.
Leider hat die Gegend, in der wir wohnen, keine Anbindung zur Metro und so rufen wir uns zunächst ein Taxi herbei, welches uns an der Avenida Paulista an der Metrostation absetzt.
Zum Glück bin ich im Besitz einer Kopie eines Stadtteilausschnitts, auf welchem in grellen Farben angemalt ist, wo ich wohne, wo ich ich arbeite, welcher Park in der Nähe ich und auch in welchem Teil der Stadt die Virada-Dingens stattfinden soll. Der Metrokartenverkäufer erklärt geduldig, mit welcher Farbe wir in welche Richtung fahren müssen und ab genau diesem Zeitpunkt sind wir uns selbst überlassen. Glücklicherweise funktioniert Metrofahren überall immer gleich und die richtig Richtung ist gleich gefunden.
Wir steigen einmal um und beschliessen, an der Stadtion in der Nähe der Kathedrale auszusteigen.

Wilde und vor allem sehr laute „Utz-Utz-Musik“ pfeift uns schon um die Ohren, obwohl wir das Tageslicht noch nicht erblickt haben. Je weiter wir uns nach oben bewegen, umso lauter und „anders“ wird es. Halbnackte Menschen bewegen sich zu diesen Rhythmen auf den Strassen, vor der Bühne, auf den Grünflächen. Andere liegen, sitzen, stehen eher teilnahmslos daneben. Ander wiederum liegen auf und unter Kartons unter Bäumen und schlafen.
Es ist, als tauchten wir in eine andere Welt. Überall um uns herum aber auch Polizei, die für Recht und Ordnung sorgt.

Zunächst laufen wir nach links. Es braucht keiner Worte, als Javier und beschliessen, dann doch lieber in die Richtung der Kathedrale zu laufen. Doch auch hier ist das Klientel das gleiche. Auf den Stufen vor dem Eingang zur Kathedrale werden Palmzweige verkauft und im Innern ist die Messe noch in vollem Gange. Wir betreten die Kirche und lassen die ersten Eindrücke zunächst mal auf uns wirken. Es ist schon komisch, denn während der Pfarrer seine Predigt hält, hört man von draussen die „Utz-Utz-Musik“.
Wir gehen weiter und begeben uns auf die Suche nach einer Band, die uns eher zusagt. Vielleicht liegt es daran, dass wir nicht wissen, wohin wir gehen sollen, doch das, was uns in den Strassen dieses Stadtteils begegnet, erschreckt uns. Viele Obdachlose, die halbnackt, zur Stunde aber auch ziemlich betrunken, auf dem Boden liegen. Teilweise mitten auf der Strasse. An manchen Stellen haben sich sogar ganze Lager gebildet. Sie schlafen und doch macht sich in mir ein ungutes Gefühl breit. Der Gestank, der in der Luft liegt, ist kaum auszuhalten.

Einmal mehr brauchen wir keine Worte, um uns gegenseitig wissen zu lassen, dass dies zuviel Kultur an einem Tag ist. Wir wollen nur noch raus, wir wollen wieder dorthin zurück, wo wir uns auskennen, wir uns sicher fühlen. Wer weiss, ob wir überreagiert haben oder nicht. Doch in solchen Situationen verlasse ich mich lieber auf mein Gefühl und bin somit auf der sicheren Seite.

Unser nächstes Ziel ist das Shoppingcenter. Erst mal was Essen gehen und dann sehen wir weiter. Wir wollen shoppen … Nach ner guten Stunde schicken wir uns zeitgleich ne SMS, ob wir denn erfolgreich waren. Meine Ausbeute: Ein Paar Flip-Flops, die mir allerdings doch ein bisschen zu klein sind. Jetzt muss ich morgen mal sehen, ob ich die hier umtauschen kann.

So, das war mein Wochenende in Sau Paulo … Mal wieder viel erlebt und viele Eindrücke gesammelt, die jetzt erst mal noch verarbeitet werden wollen …

Die Woche ist kurz – nur 3 Tage arbeiten …

Gehabt Euch wohl,

Eure Jana

PS: Meine innere Uhr läuft noch immer auf europäischer Zeit ...

Flexibilität ...



… ist alles !


Planen braucht man in St. Pauli nicht. Immer ist irgendwas. Immer kommt es doch anders, als man denkt.
Seit Tagen will ich Shoppen gehen. Doch das einzige, zu was ich regelmässig komme ist das „Choppen“. Am Freitag lege ich aber für mich fest, dass ich am Samstag endlich mal einkaufen gehe. Allein. In aller Ruhe.
Es dauert keine 2 Stunden und ich muss schon umplanen, da mich Javier darum bittet, mir mit ihm zusammen die Wohnungen zu besichtigen. Er hätte gerne eine zweite Meinung. Nun gut, es ist Samstag und ich kann bis 22 h einkaufen gehen. Alles noch im grünen Breich.

Gerade sind wir auf dem Weg zur Wohnung #6, als Javier's Telefon klingelt. Ich verstehe nur was von Samba und tudo bem. Es fallen Worte wie: das ist das Beste, viele Leute, gute Laune, heute, Mittags um 2, Abholung um 1330 – ah, und Javier sei mit Jana.
Er legt auf, dreht sich zu mir (ich sitze auf dem Rücksitz des uralten, klappernden Fiat Punto) und sagt: „Jana, let's Samba!“
Ade Shopping.

Ich nutze die mir verbleibende Zeit, grätsche noch kurz im Hotel ein und tausche T-Shirt gegen Trägertop und mach mich wieder auf den Weg zum verabredeten Treffpunkt. Fabricio und Javier warten schon und wir begeben uns in den Paulistanischen Verkehr, der am Samstag nicht ganz so stockend ist, wie in der Woche. Vila Madalena, der Partyteil der Stadt, ist das Ziel der Begierde. Wir finden die Location schnell, parken den Wagen und betreten „SAMBA“. Ein uriges, schönes Lokal. Ziemlich in der Mitte der Räumlichkeit haben sich die Musiker im Kreis niedergelassen. Gitarren, Mikrofone, Trommeln, Tamburine. In deren Mitte ein Tisch, der zum Abstellen aller möglichen Utensilien dient. Wir finden einen schönen Tisch, bestellen, wie soll es anders sein, erst mal einen …. und dazu gibt’s wieder was zu Picken …
Und nach wenigen Minuten erklingen die ersten Samba-Rhythmen, die Jungs singen dazu und verbreiten gute Laune.
Wir trommeln mit, lachen, erzählen, essen, trinken …
Der Laden wird immer voller und gegen 1600 ist der Laden brechend voll. Es dauert nicht lange, bis sich niemand mehr auf den Stühlen halten kann. Immer mehr stehen auf und bewegen ihre Körper im Takt der Musik. Manche tun dies sehr auffällig. Es scheint, als seien die Frauen in der Lage, die untere Hälfte ihres Körpers komplett vom Oberkörper zu separieren. Ich versuche dies unter Anweisung des Brasilianers Fabricio, doch es will mir einfach nicht gelingen, Grobmotoriker, der ich nun mal bin. Und so tippel ich leicht mit dem Fuss im Takt der Musik und überlege heimlich, wie und wo ich dies in diesem Jahr erlernen könnte.
Den Laden verlasse ich allerdings nicht, ohne mir die erste CD gekauft zu haben.

Ich stelle fest, die Stadt hat unendlich viel zu bieten und die Menschen hier, wissen das Leben zu geniessen. Ich freu mich, für einen Moment Teil dieser Gesellschaft zu sein und mir ein wenig dieser Lebensfreue „abgucken“ zu können.
Und so beschliesse ich, mich treiben zu lassen, den Rhythmus der Stadt aufzunehmen und mit ihr im Takt zu gehen.

Heute Mittag werden wir uns einem weiteren Abenteuer „aussetzen“. Downtown ist für 24 h für den Verkehr komplett gesperrt. Seit gestern abend spielen 24 h lang diverse Bands in verschiedenen Strassen, Bars, Museen, Theatern. Ein Programm, das keine Ende zu finden scheint.
Ich bin gespannt, was auf mich zukommen wird. Claudia sei Dank, habe ich einige Links mehr im Internet finden können, um mich über die Artisten informieren zu können.

Euch Daheimgebliebenen wünsche ich noch einen schönen Restsonntag!

Gehabt Euch wohl,
Eure Jana

PS: Ich freu mich, wenn ihr kommentiert … Traut euch ;-)