Dienstag, 19. April 2011

Beobachtungen ...


… Teil 3.



Der Brasilianer fragt.
Er fragt nach allem. Immer und vor allem überall. Ganz ohne Rücksicht auf Verluste. Er will wissen, wie der Abend war. Was man so getan hat, was man so gar nicht getan hat. Auch möchte er über die Wochenendaktivitäten immer genauestens informiert werden. Und dann weiss er auch immer noch was dazu zu sagen.



Der Brasilianer und das Tabu.
Hat er eines? So langsam zweifle ich daran. Es ist ja in Ordnung freizügig, offenherzig und auch (fast) tabulos zu sein. Doch in dieser Hinsicht scheint der Brasilianer einer ganz besonderen Spezies anzugehören.
Neulich beim Essen beispielsweise. Wir sitzen, essen, reden, trinken. Als die weibliche Brasilianerin über ihr Leben hinter verschlossener Tür zu berichten beginnt. Zunächst denke ich, dass hört jetzt gleich auf, denn viel mehr Informationen hätte es nicht mehr gebraucht. Doch in diesem Fall war präzise nicht präzise genug und es ging einfach weiter. Schön im Detail, wer mit wem und wie und überhaupt …
Zuviel Information für mich. Ich will und ich muss das nicht wissen.
Der interkulturelle Schock geht weiter und der Spass hört auf, als die Dame sich nach dem Wie und Was hinter anderen verschlossenen Türen zu erkundigen beginnt …



Der Brasilianer und die Begrüssung.
Jeden Morgen im Büro beobachte ich das gleiche Ritual. Er kommt zur Arbeit und noch bevor er sich an seinem Schreibtisch niederlässt, begrüssen sich die Herren untereinander mit Handschlag und einer freundschaftlichen Umarmung und dem obligatorischen Klopfen auf die Schulter. Die Damen werden mit Umarmung und Kuss begrüsst und unter den „Dämlichkeiten“ läuft die Begrüssung ebenfalls mit Umarmung und Kuss ab.
Langsam aber sicher werde auch ich in den Kreis der zu Begrüssenden aufgenommen …



Die Brasilianerin.
Sie trägt High Heels. Täglich. Mindestens, wenn nicht sogar noch mehr Zentimeter. Zu beobachten auf der Strasse ist jedoch, dass der Trend bei der weiblichen Paulista-Bevölkerung zum Zweitschuhwerk geht. So beobachte ich mit zunehmender Regelmässigkeit, in feinen Zwirn gekleidete Damen, an den Füssen jedoch die derben Running-Shoes. Vermutlich hat sie täglich weite Fusswege zurück zu legen und so eignet sich ein Sportschuh wohl besser dazu, als ein Pfennigabsatz (müsste das jetzt nicht Cent-Absatz heissen?). Doch keine Regel ohne Ausnahme. Auch hier sind modische Fehltritte an der der Tagesordnung. So pressen grosse Frauen, grosse Füsse in kleine Schuhe. Hin und wieder pressen grosse Frauen, grosse Körper in kleine Kleidungsstücke.
Und manche tragen einfach nur flaches Schuhwerk.



Brasiliens Hungerhaken.
„Huuuunger, ich habe Huuuuuunger!“, liegt mir da manchmal auf der Zunge. Nicht selten sind sie anzutreffen, Brasiliens Waffen: Sie stochern wild im dressinglosen Blattsalat herum, das gesunde Grün wird in Micro-Häppchen geschnitten und selbst am Olivenöl wird gespart. Der Teller ist noch lange nicht leer und schon wird er weggeschoben, der nicht vorhandene Bauch wird gerieben, als ob ein Riesensteak darin verschwunden wäre …



Der Brasilianer und Ostern.
Er mag Eier. Schokoeier. Hier geht’s nicht anders zu, als wie bei uns zu Hause. Hier werden richtige Ostereiertunnels im Supermarkt angelegt. Da hängen die Eier von der Decke, sie hängen einfach überall runter. Und immer nur die grossen Eier. Jene, in Folie eingepackten Schokoeier. Hasen sucht man vergebens, aber Eier findet man zu Hauf …



Fortsetzung folgt.

1 Kommentar:

  1. Liebe Jana,
    Du verschaffst uns wunderbare Einblicke in das brasilianische Leben...
    Herrlich! ♥
    Coco

    AntwortenLöschen