Samstag, 7. Januar 2012

Du bist keine Schönheit, vor Arbeit ganz grau ...

… Du liebst Dich ohne Schminke, bist 'ne ehrliche Haut !



Nein, dies ist keine Hommage an Bochum. Doch beim Gedanken an diese „meine“ Stadt und den gestrigen Tag spukt mir diese Liedpassage im Kopf herum.

„Bist 'ne ehrliche Haut“ - tja, das hätte ich vor einigen Monaten sicherlich nicht blind unterschreiben wollen, hätte ich dies über, für und mit Sao Paulo tun sollen. Was ist passiert?

Also, das geht so:

Freitag, mein letzter Urlaubstag. Das Wetter – naja, etwas gräulich, hin und wieder ein bisschen Sonne. Am Abend zu vor Gewitter.
Ich halte es ein bisschen wie Nena (Auszug aus dem Lied: Na und):

Im Schlafanzug fühl ich mich so geborgen
Ich male mir die Zehennägel bunt
Waschen werd ich mich erst wieder morgen
Heute will ich gar nicht sauber sein - na und?
Na, na, na, na, na... na und?

Und ich guck im Fernsehen alle Serien
Die Werbung und den ganzen anderen Schund
Und ich fühle mich wie früher in den Ferien
Und ein kleines bisschen *urgh* - na und?

Eine Tüte Chips und dann die zweite
Und ich stopfe mir Pralinen in den Mund
Davon geht mein Hintern sicher in die Breite
Dann guck ich mich nur von vorne an - na und?

Na, na, na, na, na... na und?
Na, na, na, na, na... na und?

Irgendwann gehe ich dann wieder schlafen
Nichts ist für die Seele so gesund
Vielleicht werde ich ja morgen mal was schaffen
Und wenn nicht, dann eben nicht - na und?


Nach meiner zweiten Tiefschlafphase überkommt mich ein unglaubliches Hungergefühl. Hunger auf Joghurt! Fruchtjoghurt! Und da im Kühlschrank nichts aufzutreiben ist, mache ich mich dann doch noch auf den Weg zum Supermarkt. Schliesslich will ich bis 2000 wieder zurück sein, denn dann beginnt der Spielfilm.

Im Fahrstuhl noch schnell eine Nachricht an den peruanischen Freund, ob wir am Samstag ins Kino wollen und dann nichts wie auf zum Supermarkt.
Dort angekommen, steuere ich die Zielgerade in die Joghurtabteilung an, jedoch nicht ohne vorher noch für den Antsch ein Nasakissen abzugreifen. An der Kasse ist wenig los und ich bin recht schnell durch mit Zahlen und Smalltalken mit dem netten Herrn an der Kasse.

Die Einkäufe sind im Wagen verstaut und ich will schon losfahren, als mir einfällt, dass ich mein Händie seit der Nachricht an den peruanischen Freund nicht mehr gesehen habe.
Panik überfällt mich. Ich schalte das Auto wieder ab, öffne den Kofferraum und entleere den gesamten Rucksackinhalt. Was ich neben den Einkäufen finde ist mein Hausschlüssel, das Portemonnaie und NICHTS.
Verdammt. Wo ist das Händie????
Jetzt räume ich alles von Innen nach Aussen. Unter dem Sitz, hinter dem Sitz, auf dem Sitz, unter der Fussmatte, hinter dem Feuerlöscher (!), unter dem Fahrzeug …
Noch immer NICHTS !

Der Alptraum wird wahr, die leise Vermutung scheint Realität zu werden.
Das Händie muss mit mir ausgestiegen und auf dem Boden gelandet sein. Ich hab's nicht gemerkt und als dann endlich meine Hirnwindungen in die Gänge geraten sind, war's dann schlicht und ergreifen zu spät.

Was nun?
Soll ich bei der Supermarkt-Security nachfragen, ob denn jemand das Telefon gefunden und gar abgegeben hat? Lohnt das überhaupt?
Nein, ich glaube, das bringt nichts. Schliesslich bin ich in Sao Paulo. Die klauen einem ja schon die Schuhe von den Füssen, wenn es sein muss. Und wenn dann einer von „denen“ mein Händie findet, warum sollte er es denn ausgerechnet zurückgeben???
Doch man sollte nichts unversucht lassen und ich rufe einen dieser Parkplatzwächter zur Hilfe.
Ich erkläre, dass ich womöglich beim Aussteigen das Händie, bla bla bla, es könnte unter das Auto gefallen, bla bla bla, ob er denn nicht mal nachfragen kann, ob nicht einer, bla bla bla.

Walkie-Talkie Gesabbel, ein zweiter Wächter kommt. Wir kriechen auf allen Sechsen um das Auto herum, doch noch immer kein Telefon.
Ein dritter Wächter kommt, schaut mich ganz mitleidig an. Mir stehen die Tränen in den Augen und ich überlege schon, wie ich mich bei der brasilianischen Mobilfunk-Hotline durchtelefonieren soll, bis ich erklärt habe, dass ich die Nummer sperren lassen muss.
Der Dritte im Bunde hat sogar sein Telefon dabei und überlässt es mir, mich selbst anzurufen (in diesem Moment bin ich einfach nur froh, mir nach 8 Monaten meine Nummer endlich mal gemerkt zu haben). Es klingelt, leider nicht für mich hörbar und dann geht die Mailbox ran.
Super, das war's nun echt.

Völlig geknickt und ziemlich sauer auf mich selbst trete ich den Heimweg an.

Zu Hause angekommen, schleudere ich den blöden Joghurt in die Ecke, mach den Rechner an und googel mir erst mal die Hotline von dem Mobilfunkanbieter. Eine halbe Ewigkeit vergeht, bis ich endlich mal raffe, welche der angegebenen Nummern mit meinem Festnetztelefon anrufbar ist. Ich wähle und eine Stimme vom Band gibt mir verschiedene Auswahlmöglichkeiten, die ich allesamt nicht verstehe. Ich drücke die 1, nach der nächsten Ansage die 3 und dann warte ich. Während ich warte, klick ich mich durch die verschiedenen Firefox-Reiter, als mir eine rote „1“ aus dem Gesichtsbuch entgegenblinkt.

Neugierig wie ich bin, schau ich gleich mal rein und entdecke eine Mitteilung von Dani, die mir folgendes schreibt:

„Mariiii me ligaram falando q encontraram seu celular... Anotei o endereco e segunda vamos buscar, ok!!! Besos saudades!!!“

Sinngemäss heisst das: Sie wurde informiert, dass man mein Telefon gefunden hat und dass ich es am kommenden Montag abholen könne.

Ich beende mein Nichtgespräch mit dem Mobilfunkanbieter und rufe Dani an. Ich muss lachen, als sie mir erzählt, dass sie mit dem Anrufer, von dem sie ausging, dass ich es bin, zunächst deutsch gesprochen hat. Erst als sich klärte, dass ich es gar nicht bin, erzählte Bruno (so heisst der Sohn des Finders), dass er sich erst mal durch die vielen Gringos durchsuchen musste, bis er endlich einen Namen fand, der brasilienerisch klang. So landete er bei Dani. Und dann erzählte er, dass sein Vater das Telefon im Supermarkt fand, es allerdings nicht bei der Security lassen wollte (obwohl die ihm sagten, dass sich eine Gringa bereits danach erkundigte), weil er ihnen nicht traute. Stattdessen fuhr der Vater zur Arbeitsstelle des Sohnes, übergab das Händie dort und bat den Sohn, den Eigentümer des Telefons ausfindig zu machen …
Tja, und dann erfuhr ich über Facebook, dass mein Telefon etc. Den Rest kennt ihr ja.

Allerdings beschloss ich, Bruno selbst anzurufen und genau das tat ich, als ich das Gespräch mit Dani beendete. Wir reden, rekonstruieren und lachen und vereinbaren, dass ich mich am nächsten Tag – also heute – nach 1000 nochmal melden soll, damit er mir dann seine Adresse gibt und ich das Händie dann vor Montag schon abholen kann.
Dani begleitet mich, denn trotz allem muss man sehr vorsichtig sein.

Das Ziel ist bald erreicht, wir parken etwas abseits, ich rufe Bruno an und teile ihm mit, dass wir da sind und während ich mich zur Haustür begebe, bleibt Dani im Auto sitzen und beobachtet. Da ich nichts anderes im Hause hatte, habe ich die guten Doce de Leche „Havanets“ mitgenommen. Als kleines Dankeschön. Bruno ist freundlich und sehr sympathisch. Er übergibt mir das Handy, wir reden kurz, zum Abschied umarmen wir uns (wie das eben unter Brasilianern so üblich ist) und dann überreiche ich im den Süssstoff. Er freut sich. Und ich mich erst …

Dezent möchte ich behaupten, ich habe tierisches Glück gehabt. Und nicht, dass ich daran glaube, doch Bruno's Telefonnummer endet auf die Ziffern: 2401 … Es ist bestimmt nur ein Zufall …
Lange Rede kurz, wenn das Jahr SO beginnt … dann bleibt es hoffentlich auch so …

Gehabt euch wohl !!!
Und ein dicker BEIJO geht heute einfach mal an Bruno.

Eure Jana

Donnerstag, 5. Januar 2012

Die Kunst des Wartens besteht darin ...

… inzwischen etwas anderes zu tun. (Heinrich Spoerl)



2012.
Der erste Blog des neuen Jahres und ich weiss nicht so recht, wie und wo ich beginnen soll. Zuviel dessen, was da auf mich einprasselte, zuviel dessen, was noch verarbeitet werden will und vor allem zuviel dessen, was viel zu schnell passierte.

Doch fange ich noch in 2011 und dem Weihnachtsfest an, welches sich für mich ganz neu und ganz ungewohnt gestaltete.
Sommer im Weihnachten …
Künstliche Tannen schmücken nicht nur die Strassen und Shopping-Mall Vorplätze, nein, sie schmücken auch die brasilianischen Wohnzimmer. An den Zweigen hängen Gingerbrotmänner und rot-weisse Stocklollies.
 Aus den Lautsprechern des Radio schmettert uns Sinatra „A Merry Little Christmas“ entgegen, Wham trauert zum millionsten Mal dem „Last Christmas“ nach und Band Aid fragt wie immer „Do They Know it's Christmas?“ Ziemlich komisch, wenn ihr mich fragt, wenn es draussen 40 Grad und Windstille hat.
Doch dies zunächst mal die Rahmenbedingungen zum Fest der Liebe, Besinnlichkeit und Geburt Jesu.

Es ist der 23. Dezember als wir bei meiner brasilianischen Gastfamilie ankommen. Der Planet brennt auch abends um 22 h noch und in einer kleinen schnuckeligen Bar suchen wir bei einem kühlen Blonden etwas Abkühlung. Während ich mich noch frage, wie ich bei dieser Hitze überhaupt ein Auge zutun soll, werde ich schon darüber informiert, dass wir bei der Tante des Hauses nächtigen werden, deren Sohn eine Klimaanlage im Zimmer installiert hat. Und so nächtigen wir zu viert auf knappen 14 qm …

Der Heilige Abend beginnt für mich noch immer ganz und gar ohne Weihnachtsstimmung, dafür aber in einer unglaublichen Langsamkeit, wie ich sie nicht kenne. Um 1400 ist das Frühstück beendet und die Pläne, welche Geschenke noch zu besorgen sind, sind in vollem Gange. Und so begibt sich die gesamte Familie zum Shopping. Der Vater kauft noch für die Mutter. Mutter für eine Tochter. Tochter für Vater. Tochter für Tante. Mutter für Mutter. Ich blick nicht mehr durch und bin froh, nur Aussenstehender bzw. -stehende zu sein. Die Tüten sind gross, schwer und nehmen ganz arg viel Platz im Kofferraum weg.

Was so genau die Weihnachtstradition in Brasilenien ist, habe ich nicht erkannt. Es scheint wohl so zu sein, dass der Brasilianer an sich an Weihnachten Schweinefleisch (!) zubereitet. Hühnchen gibt’s auch. Das gute Rindfleisch ist für den Alltag vorgesehen. Nicht aber für Weihnachten.
Der „Tender“ ist mager, ohne Fett, wird im Backofen zubereitet und schaut aus wie Kassler. Dazu gibt es Ananas und „Fios de Ovos“ (Eierfäden).
Das Hühnchen ist traditionell, wie wir das auch kennen. Der Salat ist bunt mit ganz vielen Gemüsen und ganz lustigen kleinen Kartoffeln (ich glaube, das sind Süsskartoffeln). Zum Nachtisch gibt es eine Art „Brigadeiro“ und Obst in allen Variationen. Eine Neuheit für mich war jedoch der „Batida de vinho“. Super einfach und super lekker … Hier die Kurzversion – man nehme:
1 Liter Weisswein
1 Dose Kondensmilch
eine handvoll gemahlene Walnüsse
alles in den Mixer und gut vermischen. Eiswürfel dazugeben.
Wäre da nicht meine Laktoseintoleranz hätte ich vermutlich den Liter allein ausgetrunken.

Gegessen und getrunken wird bis ca. Mitternacht und dann folgt die Bescherung. Um 0200 ist alles vorbei und wir gehen wieder in die Klimaanlage zum Schlafen.

Wenn ich es mir so recht überlege, dann war das gar nicht mal so verkehrt, ganz ohne Weihnachtsstimmung Weihnachten zu feiern. Das Vermissen war nicht so präsent und ich konnte die Feiertage völlig relaxed über mich ergehen lassen.
Doch wenn ich es mir das nächste mal aussuchen kann, dann ist mir Weihnachten im Winter definitiv lieber. Lebkuchen, Gewürzmandeln, Glühmarkt, Glühwein, echte Tannen, vielleicht sogar Schnee, Heizung an, Weihnachtsbeleuchtung und und und … All das gehört zu Weihnachten dazu. Ohne ist das einfach nix. Also zumindest nix für mich. Schliesslich und endlich aber bin ich dankbar für die Erfahrung, die ich habe machen dürfen… die vielen Lekkereiein, die ich habe kosten dürfen … und Gast der ich bei der brasilienischen Familie habe sein dürfen. All das und noch viel mehr möchte ich ganz bestimmt nicht mehr missen …

So, Weihnachten war vorbei – für uns zumindest – und ich mache mich mit den brasilianischen Schwestern auf den Weg zum Flughafen. Knappe 200 km haben wir an dem Abend zurück zu legen, ehe wir in Guarulhos ankommen. Eine dritte Brasilianerin wartet bereits und die Vierte sollte in San Andres dazu kommen.
Am 26.12. sollte das Quintett vollständig sein: 3,5 Diven und eine Gringa. Das kann ja heiter werden.

Nach einer Odyssee durch mehrere Klimazonen (6 Stunden Aufenthalt im kalten Bogota) kommen wir endlich in San Andres an. Nachdem die Zimmer bezogen und die Koffer grösstenteils ausgepackt sind, führt mich mein Weg direkt zum Pool,
jedoch nicht ohne vorher das Zimmer und das Bad genau unter die Lupe genommen zu haben. Schlimmste Befürchtungen hegte ich im Vorfeld schon, da Holiday-Check kein gutes Haar am Hotel in den Bewertungen gelassen hat. Doch ich sollte mich eines besseren belehren lassen und für mich setzte ich im Geiste den Haken dran und beschloss mit dem sich mir Dargebotenen ganz und gar super klar zu kommen.

Der Pool ist sauber, die Sonne strahlt und das Meer liegt in unzähligen Türkisfarben vor mir. Ein Traum in Karibik. Rasta. Reggae. Check.
Am nächsten Morgen ist bereits um 0900 Aufbruch. Eine Inselrundfahrt steht auf dem Programm.
Geoffrey, der Guide ist gut drauf und Manoel, der Fahrer ebenfalls. Es gibt viel zu sehen, die Einheimischen führen Tänze auf, wir probieren uns durch lokale Gerichte und an Board (im Bus) gibt es sogar Getränke inklusive.
Und so befreien wir mehrfach Kuba und manch einer schiebt noch ein lekkeres „Aguila“nach …

Wir halten sogar am Aquarium, in welchem wir sogar schwimmen gehen können … Das Wasser ist so klar, dass man bestimmt die 100 Meter bis auf den Grund sehen und den Fischen beim Futtern zusehen kann.

Ich bin begeistert, um nicht zu sagen sprachlos.

Der nächste Tag beginnt leider schon wieder vor dem Aufstehen, denn wir haben einen weiteren Ausflug gebucht. Die Reise geht diesmal auf die Inseln „Johny Cay“, „Rose Cay“ und ein weiteres „Aquarium“ in welchem wir sogar Mantas sehen und mit ihnen schwimmen können.
 Verdammt, das sieht da echt aus wie in der Bakardi Werbung. Nur die Hängematten fehlen und die Mädels mit den richtig, richtig knackigen Hintern
(unsere und jene, die bereits auf der Insel vorzufinden sind, sind es jedenfalls nicht).
Ich krieg den Mund vor Staunen mal wieder nicht zu und während ich mich noch auf Flora und Fauna konzetriere, verpenne ich sogar fast, dass mir ein Rastaman etwas nah auf die Pelle rückt. Und da bestätigt sich das, was ich im Vorfeld schon gesagt bekam. Die Jungs wollen gleich alles und am liebsten wollen sie auch auch gleich mitgehen. Schlussendlich hatte ich so meine Mühe, mir den „Papi“ vom Hals zu halten und ihn auf eine andere anzusetzen …
Die Typen sind echt lästig …

Ein anderer Ausflug ist dann leider ins Wasser gefallen, da das Boot einen Motorschaden hatte und Ersatz nicht aufzutreiben war. Und so verbrachte ich die letzten Tage bzw. Stunden am Pool oder beim Spaziergang durch das kleine Städtchen.

Alles in allem ein sehr ruhiger und beschaulicher Urlaub auf der Karibikinsel.

Mein persönliches Fazit:
  1. Weihnachten nur noch im Winter
  2. Silvester gerne wieder in der Karibik
  3. Nie mehr wieder mit brasilianischen Mädels und schon gar nicht mehr zu 5.

Jetzt nur noch 19 Tage und dann hab ich Geburtstag !!!!

Gehabt euch wohl,
Eure Jana

PS: Hier noch ein paar Eindrücke von der Insel: