Dienstag, 26. Juni 2012

Vom Pudel gebissen ...


… Oder einfach nur: Der Fahrstuhl des Schreckens !



Freunde der Nacht. Ich habe den Endspurt eingeläutet.
Noch 3 mal arbeiten gehen – und den Rest von heute. Ich bin spät dran. Die Zeit mein Feind – wie IMMER …
Erwähnte ich schon, dass ich in Zeitmanagement ne totale Niete bin?
Es hilft nix. Schnell alles zusammenwerfen, den Rucksack schnappen und dann ab in den Fahrstuhl.

Es ist ein Uraltmodell, doch ich hab mich daran gewöhnt. Zumindest bis zum 6. Stock. Und auch daran, dass das Ding immer ruckelt, wenn er anfährt und anhält. Es fühlt sich so an, als drückten sich die Kniescheiben bei jeder Anfahrt durch die Fersen nach draussen oder durch die Hüften, wenn’s nach oben geht. Vielleicht auch anders herum … Ach was weiss ich, wie das mit der Schwerkraft und so funktioniert …

Heute früh jedenfalls bin just in dem Moment, als der Fahrstuhl unvermittelt im 4. OG anhält, damit beschäftigt, meine Kniescheiben wieder an Ort und Stelle zu ordnen, als mich, sobald die Tür aufgeschoben wurde, dieser Pudel aus heiterem Himmel angreift.
Ja, er hat mich angegriffen!!!!
Seine Schnauze hat er an mein Schienbein gedrückt (an die Kniescheibe kam er ja nicht) und hat geschnüffelt. Mir jedenfalls war nicht ersichtlich, was der Kerle da treibt, denn ich trage ja den Rucksack nicht am Rücken sondern vor mir (Sicherheitsmassname in Buenos Aires). Und so kann ich vor lauter Gepäck nicht überschauen, was sich da zu meinen Füssen abspielt.

Verteidigen muss ich mich. Doch da steh ich nun wie einzementiert im Fahrstuhl und alles, was mir einfällt ist: Schreien wie am Spies! Ich hab sie alle erschreckt – einschliesslich mir – und des Pudels Schnauze war nicht mehr an meinem Beine zu spüren.
Noch bevor mich dieser Hund in alle Einzelteile zerlegen kann, stürme ich aus dem Fahrstuhl und entschliesse mich für den sicheren Abstieg. Die Treppe.

Im Erdgeschoss angekommen, renn ich um die Ecke und was passiert?
Klar ! Da steht der Aggropudel wieder vor mir. Bevor er mir die Schnauze wieder ans Bein halten kann, schrei ich schon mal vorsorglich. Doch es geht nicht weiter nach vorne ...
Während ich den Blick wieder nach oben richte, weil mein Rucksack feststeckt, stehe ich vor Gustavo, dem Pförtner, auf dessen Arm ein ….

… PUDEL thront !!!! 

Der hat ne rosa Schleife in der Locke und schaut mich fassungslos an !!!
Ich schau nicht minder fassungslos und erneut entfährt mir ein Schrei, der dem Pudel fast die rosa Schleife aus der Locke haut …

Heute früh bin ich mindestens, wenn nicht sogar noch mehr Jahre gealtert …
Alter Falter, das war knapp …

Gehabt euch wohl,
Eure Jana

Mittwoch, 20. Juni 2012

Soziale Inkompetenz ...


… oder: Ich liebe diese Tage !



So. Der Endspurt hat begonnen.
Die Veranstaltungen häufen sich und nicht selten steh ich vor dem Problem, nicht so recht zu wissen, ob ich zur Veranstaltung will oder nicht. So auch gestern.
Ein weiteres Internations Treffen in Buenos Aires wurde ausgetragen. Meine Teilnahme hatte ich bereits per Internet bestätigt und so war eigentlich auch schon klar, was zu tun ist. Doch da stecke ich noch mitten in einer Unterhaltung fest, die zu beenden mir gar nicht so leicht von der Hand geht und dann macht sich das Gefühl der latenten Unlust in mir breit.
Es ist noch nicht mal die Unlust … Vielmehr ist es, dass ich keine Lust auf Menschen habe. Schon gar nicht auf mir nicht bekannte Menschen und noch weniger auf den Small Talk, der auf meiner Erwartungskarte steht.

Wir – also, ich und ich – sind aus dem emotionalen Gleichgewicht geraten. Wer oder was auch immer entscheidet, schlussendlich doch beim Event zu erscheinen …
Dort angekommen, begrüsse ich mir bekannte Gesichter, gebe mich den mir unbekannten sehr kühl, reserviert und zurückhaltend (jawoll, auch das kann ich !). Heimlich still und leise suche ich mir eine ruhige Ecke. Schnell stelle ich fest, ein strategisch guter Platz … Man sieht mich nicht sofort, ich jedoch kann das Treiben schön überschauen und beobachten. Ratz-fatz hab ich Spass an der Sache und amüsier mich auf’s allerschärfste.

Links hinten die US-Gruppe:
Er, gross, breites Kreuz, mit ohne Haare – zugegeben, ein Hingucker – im Gespräch mit 2 Frauen. Eine kenne ich nicht, mit der anderen hatte ich das Vergnügen beim letzten IN Treffen. Die, die ich kenne zieht eine sensationelle Show ab. Ungeachtet dessen, dass so ziemlich alles „fake“ an ihr ist – also Lippen, die Botox-Stirn, die Brüste – biedert sie sich dem Ami-Typen so dermassen an, dass mir vom Zusehen schlecht wird. Das Organ so laut – min. 724 Dezibel – eine Lache, die einem die Haare zu Berge stehen lässt und der Typ, der immer wieder einen Schritt von ihr entfernt. Hilfe suchend lässt er den Blick durch den Raum schweifen, verdreht hin und wieder die Augen, kann sich allerding aus den kreischenden und lachenden Klauen der Plastik-Barbie (mit dunklem Haar) nicht befreien.
Ich könnte sterben vor Lachen.

In der Mitte des Raumes ein Tisch, an welchem ca. 6 Männer, gesetzteren Alters sitzen und wild gestikulierend über etwas diskutieren. Sie scheinen in ihrer eigenen Welt zu sein und nehmen das Drumherum gar nicht wahr.

Auf dem kleinen Balkon die Rauchertraube, die neben dem Rauchen, noch mit Essen und Trinken und teilweise mit Kommunizieren beschäftigt ist. Von denen lässt sich drinnen kaum jemand blicken. Eisern trotzen sie der vorherrschenden Kälte.

Während ich so dasitze und a) dem Treiben zusehe und mich absolut wohl fühle und b) warte, bis die Mädels dann auch mal auftauchen, meinen einige der Besucher, sie müssten mich unterhalten oder immer wieder den Versuch starten, mich in oder an einem Gespräch zu verwickeln / beteiligen.
Hallo? Offensichtlich können sie das auf meiner Stirn geschriebene: „Don not touch AND do not talk to me !“ lesen. Ich bin nicht im „socializing mood“ … Und ich will nicht wieder diese komischen Standardfragen, woher ich komme, wohin ich gehe, was ich gesehen habe, wo ich arbeite, wie lange ich bleibe, wie lange ich schon da bin etc. beantworten müssen …
Vorzugsweise werden genau diese Fragen auch immer wieder von Personen gestellt, die mir bei den letzten beiden Treffen über den Weg gelaufen sind.

Doch gestern war alles irgendwie anders … Ich konnte nicht mehr an mich halten und als dann er wieder kam und das Gespräch mit: „Where are you from?“ startete, erzählte ich ihm stattdessen, woher er kommt, wie lange er schon in BsAs ist, was er arbeitet und wie lange er noch bleiben wird. Die Reaktion: „Did we meet?“ … Ja ne, is klar …
Das Gespräch, welches gar keines war, war gleich beendet.

Nachdem mir das 4 mal in Folge passierte, war sowieso vorbei und dann hat halt der 5., den ich mal so gar nicht kannte, das ganze Fett abgekriegt. Er: „Where are you from?“ Ich: „Germany.“ Er: „Ich muss deutsch sprechen lernen.“ Ich: „Ich nicht.“ So, das war’s … Boah, ich kann aber auch bitchy sein.

Dann waren die Mädels da und das Kommunizieren geht weiter. Mit neuen Menschen und jeder meinte es gut, und wollte mich ins Gespräch mit einbeziehen. Aber ich war gut mit nur Zuhören und Beobachten. Meine hausgemachte eigene „Stille Treppe“, auf der mich nur keiner sitzen lassen wollte …
Doch da war dann da Alejandro mit einem sensationellen Sinn für Humor. Der hat sich ja von mir so gar nicht aus dem Konzept bringen lassen. Nach der 5. Frage stellt er nur fest: „I like you. You are a woman of few words.“ Dann ging er zum DJ und wünschte sich – unwissentlich – eines meiner Lieblingslieder und als die ersten Töne von Depeche Mode’s “Enjoy the silence” erklangen, beugte er sich zu mir und meinte: “Only for you.”
Meine Nummer in seinem Handy speichert er unter „Marijana – Enjoy the Silence“, drückt mir einen Kuss auf die Wange und verabschiedet sich damit, dass er mich morgen, sprich heute, anrufen wird …

Das Ende des Abends war noch richtig lustig … Ich hätte sterben können vor Lachen, als die Parodie meiner selbst zum Besten gegeben wurde …
Wie geil.

Gehabt euch mal wohl.

Eure Jana

Mittwoch, 6. Juni 2012

Argentinisch Sibirien ...


… oder so.



Wintereinbruch im Süden der lateinamerikanischen Republik.
Ooooh ja!

Seit Tagen will ich schon darüber schreiben, doch immer wieder kam mir etwas anderes dazwischen … Zuletzt mein kleiner Sportunfall, als ich meinte, mit Knien, Hand, rechter Schulter und rechtem Ohr bremsen zu müssen.

Doch zurück zum Thema.
Der Winter hält Einzug. Heimlich, still und leise – vermutlich über Nacht – ist er in die Stadt, durch Fenster, Türen und unter meine Bettdecke geschlichen. Einheimische behaupten ja, es sei seit Tagen schon kalt gewesen. Also nicht nur kalt, sondern soooo kalt.

Ehrlich gesagt kann ich das nicht so ganz nachvollziehen, denn vor drei Tagen bin ich noch immer mit ohne Jacke draussen unterwegs gewesen und empfand es stellenweise auch noch ziemlich warm. Doch das will ja nichts heissen, denn bekanntlich hat der Südamerikaner ja ein ganz anderes Kälteempfinden, als unsereins.

Und so beobachte ich seit Tagen schon allmorgendlich das Spektakel. Vermehrt kommen mir vermummte Menschen entgegen (wäre es nicht so offensichtlich, hätte ich schon längt ein Foto gemacht). Dick eingepackt sind sie in Wollmützen, die sie bis über die Augenbrauen ziehen, der Schal 100fach um den Mund, Hals-Nase-Ohren gewickelt und dick gefütterte „The North Face“ Winterjacke eng um den Körper geschlungen. Schmale Sehschlitze um die Augen kommen mir aus allen Himmelsrichtungen entgegen und ich meine hin und wieder Entsetzen in ihren Augen sehen zu können (wobei ich das natürlich nicht soooo genau sehen kann), wenn sie mich in meinem offenen Windbrakerle sehen, mit ohne Mütze und manchmal sogar auch ohne Schal.

Und wenn nun einer meint, ich rede hier von Temperaturen, wie sie Deutschland wohl im letzten Winter erleben durfte – also irgendwas um -15 °C – der irrt gewaltig.
Mein Päd-Thermometer zeigte Temperaturen im 2stelligen Bereich an !!! Irgendwas zwischen 16 und 18 Grad Celsius PLUS !!!

Gerade ereilt mich noch die Meldung von Bierschie, die gerade in Panama weilt, dass ihr die Panamesen erzählten, sie seien vor ein paar Wochen vor Kälte fast gestorben. Die Temperatur sei doch glatt auf +23 °C gefallen !!!!
Unglaublich !!!

4 °C hat’s heute nur noch. Mein kleiner mobiler Heizkörper und der Warmluftventilator laufen auf Höchsttouren – doch es will einfach nicht richtig warm werden … Das was sich an warmer Luft im Raum ansammelt, wird beim nächsten Windstoss von draussen wieder zu Nichte gemacht …
Wie gewonnen, so zerronnen …

Jetzt bleibt zu hoffen, dass ich bis zum Abflug nach Good Old nicht erfrieren werde …

In diesem Sinne, gehabt euch wohl,

Eure Jana

Samstag, 2. Juni 2012

Ich habe nicht ...

… mit dem Kinn gebremst !



Irgendwann gegen 1300 mach ich mich – nach vorheriger Ankündigung – auf den Weg zum „Wake-up-Run“ …
Vielleicht sollte ich aufwachen, BEVOR ich mich auf den Weg mache und mich nicht von unvorhergesehenen Hindernissen aus dem Schlaf reissen lassen …

Der Weg führt mich die San Martin bis zur Ecke Cordoba, dann bis zur Reconquista bis zur Ecke Viamonte über Alem und noch ein paar andere Strassen nach Puerto Madero. Ein Kleines Stück Kopfsteinpflaster und dann über die Brücke auf die andere Seite, die ein schönes glattes Pflaster zum Joggen und zum Skaten bietet. Paul Kalkbrenner mein heutiger Begleiter und ich lass die Gedanken schweifen … Über den Hafen, nach Amsterdam, nach Deutschland, nach Gottweisswohin noch und als ich wieder zu mir komme liege ich am Boden und mein Hut 20 Meter weiter weg …

Doch nochmal kurz von vorne. Also, ich jogg da mit dem Paul vor mich hin. Und dann bleib ich mit dem rechten Fuss an einer überstehenden Bodenplatte hängen. Halten kann ich mich selbstverständlich nicht und so pralle ich erst mal volle Kanne auf das rechte Knie, das linke ziehe ich nach, jedoch nicht ohne nochmal einen Schritt nach vorne zu tun in der Hoffnung die Bodenhaftung doch nicht ganz zu verlieren. Ich verliere und pralle somit mit dem linken Knie auch noch auf den harten Asphalt, zwar nicht mehr ganz so fest, doch noch immer ausreichend und ziehe geschmeidig das rechte Knie nach.
Mit der linken Hand habe ich noch ein wenig abbremsen können, bevor ich mit der rechten Schulter und dem rechten Ohr vollständig zum Stillstand kam.



Am hellichten Tag wurde es Nacht, Sternlein am Himmeln und ein Engelsgesang ohne Gleichen. Alle Glocken dieser Erde vereint beförderten mich kurzzeitig an den Rand der Bewusstlosigkeit. Als mir der erste Schock aus den Knochen weicht, sehe ich mich am Boden liegen, mein Hut 20 Meter weiter weg und Paul Kalkbrenner hat sich ausserhalb meiner Jackentasche auf dem Boden bequem gemacht.

Ein herbei eilender Passant eilt zu mir, hilft mir wieder auf die Beine und ich stammle etwas in einer mir selbst nicht ganz bekannten Sprache. Er begleitet mich ins nächstbeste Café und übergibt mich in die Hände der Bedienung. Ich muss mich setzen, denn es will noch immer nicht Tag werden … Ein eiskaltes Glas Wasser schafft Linderung und ein bisschen Eis auf den Knien ebenfalls.
Langsam aber sicher erreiche ich den Wachzustand und meine Knie sehen ganz übel aus. Totalschaden würde ich tippen, wenn ich da so drauf schau … Dunkelrot verfärbt alles und ein Schmerz, der mich sicherlich mal 10 Oktaven höher singen liesse, könnte ich es …

Bald bin ich wieder soweit, dass ich mir den Heimweg zutraue … Da, wo ich bin, fährt grad mal kein Taxi und wie das halt so beim Joggen ist, schleppe ich nicht gerade meinen Geldbestand mit mir …
Und so laufe ich wieder nach Hause und beobachte, wir mir die entgegenkommenden Menschen immer schön auf die Knie schauen … Manchen reissen die Augen auch ganz weit auf und verhindern mit vorgehaltener Hand vor dem Mund einen Aufschrei des Entsetzens … Mir doch egal …
Ich grätsche in der Apotheke ein, die auf dem Nachhauseweg liegt und frage, ob sie mir helfen könnten, denn ich weiss gerade nicht so recht, ob ich Jod zum desinfizieren in der Hausapotheke habe. So säubern sie mir die Wunde, desinfizieren sie und versorgen sie notdürftig …

Jetzt ist Stunden später und mein Schleudertrauma macht sich bemerkbar. Jeder einzelne Knochen meines Körpers schmerzt … Den rechten Arm kann ich kaum heben, die Knie kaum beugen, wenn ich sitze …

Doch was soll’s … Verletzungen gehörten nun mal zum Hochleistungssport *hust-hust* dazu …

Gehabt euch wohl und ich verabschiede mich in die Joggingfreie Zeit.

Eure Jana