… mit dem Kinn gebremst !
Irgendwann gegen 1300 mach ich mich – nach vorheriger Ankündigung – auf den Weg zum „Wake-up-Run“ …
Vielleicht sollte ich aufwachen, BEVOR ich mich auf den Weg mache und mich nicht von unvorhergesehenen Hindernissen aus dem Schlaf reissen lassen …
Der Weg führt mich die San Martin bis zur Ecke Cordoba, dann bis zur Reconquista bis zur Ecke Viamonte über Alem und noch ein paar andere Strassen nach Puerto Madero. Ein Kleines Stück Kopfsteinpflaster und dann über die Brücke auf die andere Seite, die ein schönes glattes Pflaster zum Joggen und zum Skaten bietet. Paul Kalkbrenner mein heutiger Begleiter und ich lass die Gedanken schweifen … Über den Hafen, nach Amsterdam, nach Deutschland, nach Gottweisswohin noch und als ich wieder zu mir komme liege ich am Boden und mein Hut 20 Meter weiter weg …
Doch nochmal kurz von vorne. Also, ich jogg da mit dem Paul vor mich hin. Und dann bleib ich mit dem rechten Fuss an einer überstehenden Bodenplatte hängen. Halten kann ich mich selbstverständlich nicht und so pralle ich erst mal volle Kanne auf das rechte Knie, das linke ziehe ich nach, jedoch nicht ohne nochmal einen Schritt nach vorne zu tun in der Hoffnung die Bodenhaftung doch nicht ganz zu verlieren. Ich verliere und pralle somit mit dem linken Knie auch noch auf den harten Asphalt, zwar nicht mehr ganz so fest, doch noch immer ausreichend und ziehe geschmeidig das rechte Knie nach.
Mit der linken Hand habe ich noch ein wenig abbremsen können, bevor ich mit der rechten Schulter und dem rechten Ohr vollständig zum Stillstand kam.
Am hellichten Tag wurde es Nacht, Sternlein am Himmeln und ein Engelsgesang ohne Gleichen. Alle Glocken dieser Erde vereint beförderten mich kurzzeitig an den Rand der Bewusstlosigkeit. Als mir der erste Schock aus den Knochen weicht, sehe ich mich am Boden liegen, mein Hut 20 Meter weiter weg und Paul Kalkbrenner hat sich ausserhalb meiner Jackentasche auf dem Boden bequem gemacht.
Ein herbei eilender Passant eilt zu mir, hilft mir wieder auf die Beine und ich stammle etwas in einer mir selbst nicht ganz bekannten Sprache. Er begleitet mich ins nächstbeste Café und übergibt mich in die Hände der Bedienung. Ich muss mich setzen, denn es will noch immer nicht Tag werden … Ein eiskaltes Glas Wasser schafft Linderung und ein bisschen Eis auf den Knien ebenfalls.
Langsam aber sicher erreiche ich den Wachzustand und meine Knie sehen ganz übel aus. Totalschaden würde ich tippen, wenn ich da so drauf schau … Dunkelrot verfärbt alles und ein Schmerz, der mich sicherlich mal 10 Oktaven höher singen liesse, könnte ich es …
Bald bin ich wieder soweit, dass ich mir den Heimweg zutraue … Da, wo ich bin, fährt grad mal kein Taxi und wie das halt so beim Joggen ist, schleppe ich nicht gerade meinen Geldbestand mit mir …
Und so laufe ich wieder nach Hause und beobachte, wir mir die entgegenkommenden Menschen immer schön auf die Knie schauen … Manchen reissen die Augen auch ganz weit auf und verhindern mit vorgehaltener Hand vor dem Mund einen Aufschrei des Entsetzens … Mir doch egal …
Ich grätsche in der Apotheke ein, die auf dem Nachhauseweg liegt und frage, ob sie mir helfen könnten, denn ich weiss gerade nicht so recht, ob ich Jod zum desinfizieren in der Hausapotheke habe. So säubern sie mir die Wunde, desinfizieren sie und versorgen sie notdürftig …
Jetzt ist Stunden später und mein Schleudertrauma macht sich bemerkbar. Jeder einzelne Knochen meines Körpers schmerzt … Den rechten Arm kann ich kaum heben, die Knie kaum beugen, wenn ich sitze …
Doch was soll’s … Verletzungen gehörten nun mal zum Hochleistungssport *hust-hust* dazu …
Gehabt euch wohl und ich verabschiede mich in die Joggingfreie Zeit.
Eure Jana
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