Freitag, 27. April 2012

Spiel. Spass.


Ein bisschen Spannung.

Man könnte gerade meinen, Schavier wäre mit in Kolumbien gewesen. So sehr hat er sich über meinen Besuch in seiner Heimat gefreut, während er in St. Pauli weilen musste. Via Blackberry, Skype und überhaupt wurde ich durch Bogotá navigiert, erhielt wertvolle Tipps und musste selbstverständlich selbst immer wieder Rückmeldung geben, wie und ob es mir gefällt / gefallen hat.

Und so führt mich mein Weg in Bogota zunächst ins Zentrum der Stadt. Am „Museo del Oro“ beginnt meine Tour. Ein kleiner Spaziergang zur „Plaza Bolivar“ folgt. Dort finde ich neben der wunderschönen Kathedrale noch ein Parlamentsgebäude und einen überdimensional grossen Platz, der von Tauben übersäht ist. Tauben, überall Tauben. Die kleinen Gassen scheinen sich in die hinter Bogotá liegenden Hügel zu schlängeln, von welchem eine kleine Version des Christo über die Stadt wacht.

Jetzt liegt Bogotá schon auf 2.640 m, was mir während meines Aufenthaltes ziemlich zu schaffen machte … Und als ich mich dann auch noch auf den Weg zu Monserrate machte, hab ich mir damit keinen grossen Gefallen getan – von der wunderbaren Aussicht über Bogotá abgesehen. Und dann stand ich nun dort oben auf 3.152 m, schnappte nach Luft und versuchte, Bogotá auf mich wirken zu lassen. Es wollte mir nicht wirklich gelingen, denn wenn ich nicht richtig atmen kann, dann krieg ich ganz arg schnell Panik und so machte ich mich relativ schnell wieder auf den Weg nach unten – was allerdings nicht wirklich für Linderung sorgte … Doch da musste ich durch.

Leider war die Zeit viel zu kurz, um einen besseren und schöneren Überblick über Land, Stadt und Leute zu bekommen und so ging es dann auch schon bald wieder zurück nach Hause. Also nach Buenos Aires.
Doch was wäre mein kleines beschissenes Leben ohne Zwischenfälle? Ganz klar: Langweilig. Darum sorgen wir – also mit wir meine ich mich und mein Umfeld – immer wieder dafür, dass etwas läuft – also anders läuft.

Der Check-in am Flughafen „Eldorado“ Bogotá. Wohin fliegst Du? Wie lange warst Du hier? Warum warst Du hier? Und überhaupt: Was machst Du in Buenos Aires? Und dann geht es in diesem Stil weiter:
Wo wohnst Du? – In Buenos Aires.
Hast Du ein Visum? – Nö, noch nicht.
Also Du arbeitest dort nicht? – Ähm, doch.
Aber Du hast kein Visum? – Nö. Doch die bei der Behörde wissen schon, dass ich eins bekommen soll.
Bleibst Du in Bs.As.? – Nein, ich fliege wieder zurück nach Deutschland.
Hast Du Dein Rückflug-Ticket dabei? – Mein was bitte? Nö, ich hab zwar was, aber das hat noch kein bestätigtes Rückflugdatum.
Bla – bla – bla – bla.

Lange Rede kurz. Mein Kollege erzählt irgendwas von Ausreisedatum im Juni, ich selbst finde zumindest meine Buchungsummer und die Dame am Schalter scheint zufrieden.
Und nun zur Erklärung. Seit meinem Aufenthalt in Südamerika bin ich schon immer Besitz eines gültigen Rückflugtickets von Sao Paulo nach Frankfurt gewesen. Immer mit offenem Rückreisedatum. Diesmal ist es aber so, dass ich dann von Sao Paulo nach Buenos Aires flog und mir seinerzeit nur ein ONE-Way Ticket von SP nach BsAs kaufte, weil ich ja nicht wusste, wie lange ich denn hier bleibe. Keinen einzigen Gedanken habe ich daran verschwendet, dass mich mal irgend jemand nach einem Rückflugticket fragen könnte. In Bogotá allerdings habe ich mich schon mit einem Fuss im Knast stehen sehen, weil ich kein gültiges Dokument hatte.
Adrenalin pur jedenfalls und das Gute daran war, dass ich zum ersten Mal seit meinem Aufenthalt in Bogotá vergessen hatte, dass ich ein Atemproblem hab.

Zurück in BsAs steig ich recht schnell aus dem Flieger und bin die erste in der Touristen-Schlange bei der Immigration. Schweissperlen treten mir auf die Stirn, als die Dame in der Kabine meinen Pass von vorne nach hinten, von hinten nach vorne durchblättert. Hier ein längerer Blick auf’s Brasilenien-Visum, dort ein kurzes Innehalten bei der deutschen Aufenthaltserlaubnis und dann die Fragen wieder. Sie fragt mich am Ende, in welchem Hotel ich denn wohne. Sack und Asche. Und nun? Da will mir doch partout das Hotel nicht einfallen. Ich kenne die Strasse: Cordoba mit Reconquista … Doch der Name des Hotels will mir nicht einfallen. Warum nur ist das alles so kompliziert. Ich warte noch immer auf das Visum in Argentinien und bis dahin DARF ich nur als Tourista reisen …
Und diese Woche steht noch eine weitere Reise an … Mist. Mist. Mist.
Ich nenne, weil mir auf die Schnell dann doch kein anderes einfällt, das Sheraton, die Dame tippt und tippt und tippt was in den Computer, sucht ne freie Seite im Pass, drückt den Stempel rein und dann Adios.
Puh. Ich bin erst mal wieder im Land …

Ich beschliesse, am nächsten Tag, sämtliche anstehenden Flüge in trockene Tücher zu packen und damit dann schlussendlich auch meinen finalen Abreisetag zu bestimmen. Nun weiss ich, wann ich definitiv im Flieger nach Hause sitzen werde … :(

Doch bevor es soweit ist, gibt es noch ein paar Hürden zu nehmen. Fange ich mal bei gestern an. Ich komm zurück aus Bogotá, betrete am frühen morgen meine Wohnung und habe das Gefühl, mich in Sibirien zu befinden. Meine Wohnung hat sich in 5 Tagen Abwesenheit zu einer Eishöhle verwandelt. Zunächst schiebe ich es auf die Müdigkeit, denn im Flieger hab ich die ganze Nacht kein Auge zugetan, 2 Stunden Zeitverschiebung und dazu ziemlich viele Turbulenzen in der Luft … Ideale Voraussetzungen, um für 2 Stunden ins Bett unter die Decke zu kriechen. Ne Stunde später wache ich auf. Kalte Füsse, kalte Hände, kalte Nase. Kurz vorm Erfrieren packe ich sämtliche Decken, die mein Haushalt zu bieten hat, auf mich … Mir will nicht warm werden.
Es hilft alles nichts … Raus aus dem Bett, unter die Dusche, dann in die Klamotten und ab ins Büro. Vorher allerdings checke ich mal, woher die Wahnsinnskälte kommt und stelle fest, dass die Fenster nicht richtig schliessen und es dort wie Hechtsuppe reinzieht. Puuuuh, auch das noch … Ich kümmer mich später drum, erst mal ins Büro.

Dort angekommen, frag ich mich erst mal durch, wo und wie ich das Isolieren könnte. Ein Bauhaus gibt’s hier nun mal nicht. Doch ich finde den Handwerkerladen, kaufe 5 m Klebeschaumstoff, nehme den Umweg über die Tangostunde und widme mich zu Hause dann den Abdichtungsarbeiten. Es hilft ein wenig, ist aber noch immer suboptimal, denn da es sich um eine Schiebetür handelt, schlüpft die Kälte durch Löcher, die ich so einfach nicht abdichten kann. Ja nu, erst mal noch ein bisschen Isolierschwamm kaufen und zusehen, dass ich noch das ein oder andere abgedichtet krieg …

Wenigstens hat die neu gekaufte Decke heute nach warm gehalten. Ich hab gut geschlafen, es war flauschig und kuschelig … Doch am Morgen half alles nichts: Raus und ab ins Bad unter die heisse Dusche. Das Wasser allerdings könnte für meinen Geschmack noch etwas heisser sein, denn den Kaltwasserhahn betätige ich gar nicht.  Na super, genau das brauch ich jetzt auch noch: Kein Warmwasser !

Bibbernd schlepp ich mich aus der Dusche. Die Kälte schleicht mir nicht nur unter die Haut, nein auch unter die Kleidung … Zurück im Badezimmer, ein Bild des Schreckens. Es tropft mal wieder aus der Decke. Es tropft dicke Tropfen sammeln sich im Waschbecken, auf dem Boden und an der Decke prangt mal wieder eine supernasse Stelle … Deja-vu … Ziemlich genau vor einem Jahr tropfte mir das Wasser im Hotel von der Decke …
Jackpot.

Und ich sag noch: Irgendwas ist doch immer …

Und warum ich hab ich noch einen Gitarrenschlüsselanhänger im HardRock Bogotá gekauft?
Ach …

Jetzt erst mal langes Wochenende …
Gehabt euch wohl und tanzt munter in den Mai.

Eure Jana

Freitag, 20. April 2012

Beobachtungen ...

… und was mich sonst noch anstrengt!



Der geneigte Leser wird es wohl schon gemerkt haben: Hin und wieder observiere ich gerne mal. Gewohnheiten der Menschen, Unterschiede zu Hause, Unterschiede jetzt zu Brasilenien. Wer macht was, wann, wie und vor allem wo.

Viel Zeit zum Observieren hatte ich ja noch nicht, doch hier möchte ich mal zusammentragen, was mir in den drei Wochen (!), die ich jetzt schon hier bin, so aufgefallen ist.

Stille.
Manch einer wird mich nun für vollkommen durchgeknallt halten, wenn ich nun behaupte, dass es in Baires ruhig ist. Es herrscht wohltuende Stille. Gestern habe ich den ersten Hubschrauber aus der Ferne gesehen und dessen Schrauber hören könne. Leise, kaum wahrnehmbar. Flugzeuge sehe ich nur, doch hören kann ich sie nicht. Vermutlich liegt es daran, dass sie nicht 2 Meter über meinem Kopf über mich hinwegfliegen.
Was das Flugzeug dezibelseitig in St. Pauli, wird hier in Baires nur vom Bus übertroffen. Busse sind laut. Laut und verdammt schnell.

Anstehen.
Auch in Baires stehen Menschen an. Wenn sie zum Arbeitsamt müssen, bei der Bank, an der Kasse, hin und wieder auch im Restaurant. Zu Brasilenien gibt es zunächst keinen nennenswerten Unterschied, bis auf das Anstehen an der Bushaltestelle. Während der Busreisende in St. Pauli den gesamten Bürgersteig in einer nicht nachvollziehbaren Ordnung einnimmt, steht der Portenio fein in einer Reihe an. Es kam schon vor, dass sie die Schlange zum Einsteigen in den Bus, über einen Block hinweg bildete. Die Menschen stehen immer am äusseren Bürgersteigrand und lassen an am Zebrastreifen eine Lücke, damit Fussgänger dort die Strasse überqueren können.

Begrüssung.
Was dem Brasilianer sein „Tudo bem?“ ist dem Porteno sein „Hola, como andas?“ – vergleichbar mit unserem „Unn, wie geht’s?“. Ein kurzes Nicken und ein „Que tal“ reichen meist als Erwiderung. Mehr muss nicht sein.

Sauberkeit.
Morgens früh um acht, wird Rabatz gemacht. Eigentlich schon viel früher. Gegen 0700 am Morgen sind die Portenos schon unterwegs und waschen (!) ihre Gehwege. Fast jeder Hauseingang  hat einen eigenen Wasserschlauch (versteckt hinter einer kleinen Tür in der Hauswand). Damit wird gewässert, was das Zeug hält und danach mit dem Abzieher wieder Trockengewischt. Kommt man morgens auf die Strasse, hat man den Eindruck, es hätte die ganze Nacht geregnet … Dabei war’s nur der Wasserschlauch.

Pickpockets.
Wird man in St. Pauli eher mal vor bewaffneten Raubüberfällen gewarnt, wird einem hier ans Herz gelegt, nicht leichtsinnig durch Bairische Strassen zu gehen. Es ist nämlich ganz und gar nicht so, als sei es hier minder gefährlich. Nein, nein, Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Auch wenn man weniger den bewaffneten Raubüberfall zu befürchten hat, so sollte man auf sein Hab und Gut in Händen und Taschen / Rucksäcken aufpassen. Dies hat zur Folge, dass auch Einheimische – nicht nur Touristen – ihren Backpack vor sich tragen und nicht am Rücken …
Und genau so mach ich das auch.

Trinken.
Noch lieber als Bier trinkt der Porteno Wein. Ich kann das verstehen, denn Bekanntschaft mit dem ein oder anderen lekkeren Argentinier habe ich schon machen dürfen und auch wollen.

Essen.
Fleisch ist auch hier nach wie vor mein Gemüse. Ob nun das argentinische Rindvieh besser oder anders schmeckt, kann ich nicht beurteilen. So geschult ist mein Gourmetgaumen nun auch wieder nicht. Frag mich nach Unterschieden bei Dulce de Leche – damit kenn ich mich aus ! Doch Fleisch ist Fleisch. Mager muss es sein, durch muss es sein. Ein Filet muss es sein.
Und das argentinische „Pao de Queijo“ ist die „Media Luna“. Ein kleines Buttercroissant mit süsser Glasur. Immer wieder gerne eine Sünde wert (manchmal auch mehrmals täglich).

Kaffee.
Es herrscht eine Kaffeekultur vor. Besser gesagt, eine Kaffeehauskultur. Kaffeehäuser gibt es wie Sand am Meer. Man trinkt Kaffee, isst dazu eine Media Luna, unterhält sich und geniesst den Tag / Abend / Mittag / Wochenende.
Selten trifft man morgens jemanden auf der Strasse, der nicht seinen Coffee To Go mit sich trägt. Kaffeeläden an jeder Strassenecke, jeder zweite davon ein Starbucks. Ich hab meinen direkt im Bürogebäude … „Buenas Mari … Cappuccino grande con leche soja?“ … So muss es sein …

Mir werden sicherlich noch ein paar Dinge mehr auffallen, welche ich euch auch dann nicht vorenthalten werde …

Gehabt euch wohl …

… während ich mich in neue Abenteuer stürze.

Eure Jana

Donnerstag, 19. April 2012

Das Leben geht weiter.

Das wunderbare am Reisen, am Arbeiten, am Leben in anderen Kulturen, fremden Ländern ist, dass immer wieder neue Menschen kennen lernt. Mit den meisten, hat man vieles gemein: die Arbeit, die Fremde, den „einsamen“ Abend, das Vonzuhausewegsein. Andere wiederum geniessen es, Ruhe zu haben und ziehen sich zurück.

In Baires hatte ich mal wieder das Glück, auf einen Menschen zu treffen, der innerhalb kurzer Zeit sowas wie ein guter Freund wurde. Viel Zeit haben wir miteinander verbracht und irgendwie erinnerte mich das an meine Anfänge in Brasilenien, als ich Schavier kennen lernte. Gemeinsam mit JC habe ich die Stadt erkundet, diverse Märkte besucht, viele Dinge eingekauft und vor allem immer wieder gut und viel gegessen :-) (vorzugsweise in Puerto Madero). Tränen haben wir gelacht und uns beim Arbeiten immer wieder mit Insidern die Zeit verkürzt.

Vor ner Woche musste ich dann von dem liebgewonnen Freund Abschied nehmen, da er auf seinem Nachhauseweg einen kleinen Umweg über St. Pauli in Kauf nehmen musste. Trist war’s dann in Baires ohne ihn … Erstaunlich, wie schnell man sich an Schönes gewöhnt und wie schnell einem etwas fehlt … Und das gerade mal nach 2 Wochen … Ja nu, offensichtlich stimmte nicht nur im chemischen Unternehmen die Chemie …

Ach, was hab ich mich gefreut, als er mir am vergangenen Wochenende schrieb: „Wir werden uns schneller sehen, als Du denkst!“
Wie jetzt?
Und dann erfahre ich, dass er bereits bei Abflug wusste, dass er wieder nach Baires zurückkehren wird, bevor er endgültig nach Hause fliegt. Und so war klar, Mittwoch abend gehe wir nochmal lekker essen und auch trinken, bevor er am Donnerstag Morgen wieder im Flieger gen Norden sitzen wird.

Doch plötzlich ist nichts mehr, wie es mal war. Ich lese einen seiner Kommentare und weiss sofort, was passiert ist. Das erste Mal lautet die Antwort auf meine Frage nicht „Todo bien.“ Diesmal ist ein „No, no está bien.“
Er klingt so traurig … So unendlich traurig. Ich bin es auch. Und ich hab Kopfsalat.
Es war seine Mutter.

Was wäre wenn? Wäre nicht über SP geflogen und hätte er nicht dort noch ein paar Tage verbringen müssen, dann hätte er sie noch mal sehen können, nochmal mit ihr reden können. Sie war ja schon krank bei seiner Abreise. Es ging ihr schon im Krankenhaus nicht mehr gut.
Coulda – Woulda – Shoulda …

Doch er besteht darauf, dass wir uns sehen. Er möchte nicht allein sein, entschuldigt sich allerdings im Vorfeld schon, kein guter Gesellschafter zu sein und wenn ich nicht möchte, dann wäre das o.k. für ihn.
Doch, wir treffen uns. Suchen ein ruhiges Plätzchen, essen und trinken was und reden. Reden über Dinge, über die er reden will. Ich bin erleichtert, denn ich bin ja so eine Niete, wenn es darum geht, irgendwas intelligentes in einer solchen Situation zu sagen.

Ein letztes „Schneider“ bei „Homer“ an der Ecke. Er kennt sie alle und alle freuen sich, ihn zu sehen. Er lässt sich von seiner Trauer nichts anmerken. Eine Liveband spielt und kennt den gewünschten Song nicht …
Was macht JC? Er geht zu den Jungs auf die Bühne und singt dem Mädel den gewünschten Geburtstagssong.

Ja sicher, wir haben alle unseren Weg mit Trauer umzugehen. Für ihn war es das Schlimmste, was hat passieren können … Und dennoch, trotz oder gerade wegen allem hat ein Lächeln für seine Mitmenschen übrig und gibt noch immer, obwohl er ...

Ich hab noch immer Kopfsalat.

Dienstag, 17. April 2012

Hallo Freunde ...


… der Finanzkrise !



Raus aus Brasilenien, bedeutet nicht zwingend auch: Raus aus der Finanzkrise. Nein, das wär viel zu einfach. Viel zu schön. Viel zu unaufgeregt.
Mein Adrenalinspiegel lebt auf hohem Nivea … Und damit das so bleibt, tja, dafür sorgen meine Banken und andere Finanzdienstleister.

Eine Pamela-Bänkerin gibt es in Argentina nicht. Zumindest keine, die die Verwaltung meiner „Grana“ (wie man das hier so nennt) übernimmt. Hier verwalte ich ganz allein meinen Schotter. Jawoll ja. Und wie tu ich das? Jawoll. Mit der selbst reparierten Kreditkarte, mit welcher ich mich weltweit völlig gebührenfrei mit Barem versorgen kann. Einziges Manko: weltweit ja, allerdings nicht an jedem Automaten. Und so ist Kohle ziehen jedes mal ein Spiessroutenlauf, bis ich endlich den ATM gefunden habe, der akzeptiert, dass meine Karte in alter Mac Gyver Manier repariert wurde.

Im Bestand allerdings noch 2 mal Plastikgeld. Noch vor 2 Wochen zahle ich mit Silber. Letzte Woche dann das Aus. Es geht nichts mehr. Diverse Maschinchen dieser Stadt verweigern den Zugriff auf’s virtuelle Geld. Weder Ping noch Pong noch meine werte Unterschrift ändern was. Der Anruf beim Kreditinstitut bringt Licht ins Dunkel: Die Karte wurde gekündigt !!! Und die Dame am Telefon meint noch: „Wissen Sie, jetzt können Sie die Karte nur zerschneiden und somit entwerten. Zu mehr ist die nicht mehr zu gebrauchen.“ Gut. Danke für den Hinweis Frau Kreditkarteninstitut.

Einmal Plastikgeld bleibt noch. Der Kreditrahmen im Normalbereich. Und dann die Info: „Frau Z., es würde uns sehr entgegen kommen, wenn Sie den Flug von A nach B zunächst selbst bezahlen würden, da … bla … bla … bla!“ Ja gut, ich mach ja fast alles. Doch bevor ich den Flug auf meine Kappe nehme, checke ich doch lieber erst mal den Kreditrahmen – mir ist nämlich, als reiche das, was mir noch zur Verfügung steht, nicht mehr zu Zahlung des Fluges aus.
Und so wähle ich die Nummer, die auf der Rückseite meiner Karte prangt: „Welcome bei …. Cards. For English, please press one. Para Espanol, por favor toca dos. Für Deutsch, bitte die drei drücken.“ Einen Moment halte ich inne und überlege mir, für welche der drei Sprachen ich mich jetzt entscheiden soll, drücke dann völlig spontan die drei, weil mir auf die Schnelle nicht das spanische Wort für Kreditlimiterhöhung einfallen will.
Das Band labert mir mein Ohr blutig: „Bitte geben Sie Ihre 16stellige Kreditkartennummer ein.“ „Bitte geben Sie jetzt Ihren 4stelligen Telefon-PIN ein.“ Leute, ich kenn die Ansage auswendig, da ich heute mindestens 5 mal angerufen habe, weil ich zuvor immer wieder aus der Leitung flog, oder einer dieser Angestellten dort „I’m sorry Mam, I cannot open your screen. You have to contact your Admin guys!“ in den Gehörgang säuselt. “I am really sorry, but there is nothing I could do for you!”
Eine mittelschwere Krise scheint aufzuziehen.

Endlich jemand am Telefon, der meinen Screen öffnen und mich über sämtliche Daten in Kenntnis setzen kann. Dann der virtuelle Schlag ins Gesicht: Der verfügbare Kreditrahmen reicht mal gerade dazu, um mir am Kiosk ein Päckchen Kaugummi zu kaufen. Von einem Flugticket bin ich mindestens genauso weit entfernt, wie die Destination für die es bestimmt ist. Aaaaarrrrgh !!! Ich könnt mal wieder in die Tischplatte beissen.
Doch der Herr am Telefon scheint meine Not zu bemerken, lässt mich kurz in der Leitung warten und offeriert mir dann eine Möglichkeit, wie ich mein Ticket doch noch kaufen kann, wenn ich es nicht schaffen sollte, den Kreditrahmen rechtzeitig zu erhöhen. Und das geht so.
Ich solle versuchen, das Ticket mit der Karte zu zahlen. Vermutlich wird die Zahlung nicht durchgehen, weil ja kein „Guthaben“ mehr da ist. Dann soll ich nochmal anrufen, die Sachlage wieder erklären und dann würde man den Kreditrahmen entsprechend erhöhen.
Gut, so machen wir’s. Ich bedanke mich, lege auf und …

… ich weiss grad mal wieder gar nichts.
Werden mein Plastikgeld und ich es jemals schaffen, in Frieden zu leben? Wird diese Finanzkrise jemals enden? Wann werde ich wieder an Bargeld kommen?

Letztere Frage ist insofern berechtigt, als dass ich heute früh Geld ziehen wollte, mich dann allerdings nicht in die Bank traute, weil sich dort jemand direkt vor „meinem“ ATM sein Nachtlager aufbaute …

Meine letzten 20 Pesos gingen für: „Buenas Mari ! Cappuccino grande con leche soja?“ drauf !!!!

Gehabt euch wohl !

Eure Jana

Mittwoch, 11. April 2012

Hexen wissen ...


… warum sie zu einem kommen !



Die Freundin behauptet ja immer, eine zu sein. Ich behaupte diesmal, eine zu haben. Und was für eine.
Die sitzt mir im Kreuz und hat alles ganz fest im Griff.

Tja, so schnell kann’s gehen. Eben noch gesund, vom Tennisball am Arm mal abgesehen, und im nächsten Moment erwischt’s einen aus völlig heitrem Himmel.
Natürlich immer in solchen Momenten, wenn man es mal gerade so gar nicht passt. Am allerwenigsten dann, wenn man gerade vom Joggen kommt, splitterfasernackt im Bad steht und duschen gehen will. Und wenn einen dann der Unbeweglichkeitsschmerz wie ein Blitz im Rücken, knapp über’m Steissbein, trifft, dann weiss man in im Bruchteil einer Sekunde, in welch misslichen Lage man sich womöglich befindet …

Da stehe ich nun wie in Stein gemeisselt und versuche so schmerzfrei wie (un)möglich zu duschen, mich abzutrocknen und in trockene Tücher zu legen. Ich bin gottfroh, als es mir gelingt, denn ich hätte wahrlich nicht gewusst, wen ich hätte anrufen sollen in dieser noch fremden Stadt. Und dann fällt mir ein: Wo ist eigentlich das nächste Krankenhaus?

Es geht irgendwie. Die schmerzende Stelle versorge ich mit einem Diclofenacpflaster, rundherum verteile ich Salbe und zur Sicherheit nehme ich gleich mal 150 mg Diclo in Tablettenform ein. Wie ein auf dem Rücken liegender Käfer rolle ich mich ins Bett und bleibe bewegungs- und regungslos liegen.

Der Morgen danach.
Die Pein ist noch da, doch ich kann Arme und Beine bewegen und Sitzen geht nur mit dem Bügelbrett im Rücken. So kann’s gehen. Ein bisschen Vorsicht den Tag über, heute 100 mg Diclo auf den rebellierenden Magen, ein weiteres Pflaster auf die schmerzende Stelle. Stehen, Gehen, Sitzen – geht soweit so gut … Bücken, Hocke und Schuhe/Strümpfe anziehen, nicht ganz so gut … Alles wird gut … nur keine hektischen Bewegungen und übermorgen ist alles wieder so wie’s war …

Der Abend.
Ich sitze und kümmere mich um private Korrespondenz. Damit mir allein nicht so langweilig ist, hole ich mir einen Argentinier ins Haus. Lekker ist der und wir machen es uns am Schreibtisch „gemütlich“, das Räucherstäblein verbreitet feinen Duft, ein leises „Oooommmmm“ entfläucht mir. Das Glas ist leer. Ich hole Nachschub.
Noch kann ich verhindern, dass sich das Glas in 1000 Scherben auf dem Fussboden (auf dem ich selbstverständlich barfuss stehe) ergiesst, als ich die „La Cucaracha“ über den Küchenboden schaben sehe. Verdammt ist die schnell und ich hab keine Schuhe an … Meine Mitbewohnerin verschwindet unterm Kühlschrank.

Okay, das sind günstige Sekunden. Ich stelle das Glas ab, vergesse, dass ich mich nicht hektisch bewegen soll / darf / kann / soll / muss, suche nach Schuhwerk und schnappe mir die Insektenvernichtungsspraydose. Bewaffnet und ausgerüstet erreiche ich Küche und verteile eine ordentliche Portion unter dem Kühlschrank und in der Ecke, wo ich das Tier habe herauskommen sehen. In der linken Hand halte ich einen Schuh, damit ich, wenn der Moment gekommen ist, zuschlagen kann …
Check. Ich befördere die Schabe in den Schabenhimmel.

Sicher ist sicher: Ich sprüh nochmal kräftig nach.
Meine erlegte Beute lass ich liegen. Putzi soll das sehen.
Das Schreiben unterbreche ich. Stattdessen fülle ich mein Glas ein zweites Mal, positioniere den Stuhl vor der Küchentür und begebe mich in Lauerstellung. Der Schuh ist in greifbarer Nähe, damit ich wieder …

Das Telefon unterbricht mich bei dieser äusserst wichtigen Tätigkeit. Es ist Eric, ein Bekannter, der gerade in der Nähe ist und fragt, ob ich nicht auf einen Drink mitkommen will. Als ich mich zustimmen höre, ist mir nicht ganz wohl bei dem Gedanken, die Wohnung einfach so den Schaben zu überlassen. Doch andererseits hatte sich auch 45 Minuten nach der Sprühattacke keine mehr blicken lassen. Ergo gehe ich mal davon aus, dass die tote Schabe ein Irrläufer war.
Doch wer weiss, vielleicht hat mich Eric aber auch davor bewahrt, dass ich nach 2 Gläsern exzellentem Wein und einer Overdosis Insektenvernichtungsmittel, nicht auch noch auf dem Rücken liegend neben der abgelebten Schabe meinen Platz gefunden hätte …

Der nächste Tag danach.
Putzi hab ich dann eine Nachricht hinterlassen, warum die Schabe da liegt und ob sie da mal nachschauen kann, ob da nicht noch mehr sind. Und dann hab ich ihr noch meine argentinische Nummer aufgeschrieben für den Fall der Fälle …

Und was die Hexe angeht, dachte ich mir, ich kauf mir mal ne Wärmflasche. Gefunden hab ich auch eine, heisses Wasser hab ich eingefüllt und dann ging ich schlafen … Jetzt hat aber das Gummi dieser Wärmflaschen so nach ungesunden Inhaltsstoffen GESTUNKEN, dass Schlafen und gleichzeitiges Atmen unmöglich waren. Und so habe ich mitten in der Nacht die Flasche samt Inhalt entsorgen und sogar das Bett frisch beziehen müssen, weil Laken und Decke und alles nach diesem Material gerochen haben …

Was’n Theater !!!

Gehabt euch wohl.
Eure Jana