Ein
bisschen Spannung.
Man
könnte gerade meinen, Schavier wäre mit in Kolumbien gewesen. So sehr hat er
sich über meinen Besuch in seiner Heimat gefreut, während er in St. Pauli
weilen musste. Via Blackberry, Skype und überhaupt wurde ich durch Bogotá
navigiert, erhielt wertvolle Tipps und musste selbstverständlich selbst immer
wieder Rückmeldung geben, wie und ob es mir gefällt / gefallen hat.
Und
so führt mich mein Weg in Bogota zunächst ins Zentrum der Stadt. Am „Museo del
Oro“ beginnt meine Tour. Ein kleiner Spaziergang zur „Plaza Bolivar“ folgt.
Dort finde ich neben der wunderschönen Kathedrale noch ein Parlamentsgebäude
und einen überdimensional grossen Platz, der von Tauben übersäht ist. Tauben,
überall Tauben. Die kleinen Gassen scheinen sich in die hinter Bogotá liegenden
Hügel zu schlängeln, von welchem eine kleine Version des Christo über die Stadt
wacht.
Jetzt
liegt Bogotá schon auf 2.640 m, was mir während meines Aufenthaltes ziemlich zu
schaffen machte … Und als ich mich dann auch noch auf den Weg zu Monserrate
machte, hab ich mir damit keinen grossen Gefallen getan – von der wunderbaren
Aussicht über Bogotá abgesehen. Und dann stand ich nun dort oben auf 3.152 m,
schnappte nach Luft und versuchte, Bogotá auf mich wirken zu lassen. Es wollte
mir nicht wirklich gelingen, denn wenn ich nicht richtig atmen kann, dann krieg
ich ganz arg schnell Panik und so machte ich mich relativ schnell wieder auf
den Weg nach unten – was allerdings nicht wirklich für Linderung sorgte … Doch
da musste ich durch.
Leider
war die Zeit viel zu kurz, um einen besseren und schöneren Überblick über Land,
Stadt und Leute zu bekommen und so ging es dann auch schon bald wieder zurück
nach Hause. Also nach Buenos Aires.
Doch
was wäre mein kleines beschissenes Leben ohne Zwischenfälle? Ganz klar:
Langweilig. Darum sorgen wir – also mit wir meine ich mich und mein Umfeld –
immer wieder dafür, dass etwas läuft – also anders läuft.
Der
Check-in am Flughafen „Eldorado“ Bogotá. Wohin fliegst Du? Wie lange warst Du
hier? Warum warst Du hier? Und überhaupt: Was machst Du in Buenos Aires? Und
dann geht es in diesem Stil weiter:
Wo
wohnst Du? – In Buenos Aires.
Hast
Du ein Visum? – Nö, noch nicht.
Also
Du arbeitest dort nicht? – Ähm, doch.
Aber
Du hast kein Visum? – Nö. Doch die bei der Behörde wissen schon, dass ich eins
bekommen soll.
Bleibst
Du in Bs.As.? – Nein, ich fliege wieder zurück nach Deutschland.
Hast
Du Dein Rückflug-Ticket dabei? – Mein was bitte? Nö, ich hab zwar was, aber das
hat noch kein bestätigtes Rückflugdatum.
Bla
– bla – bla – bla.
Lange
Rede kurz. Mein Kollege erzählt irgendwas von Ausreisedatum im Juni, ich selbst
finde zumindest meine Buchungsummer und die Dame am Schalter scheint zufrieden.
Und
nun zur Erklärung. Seit meinem Aufenthalt in Südamerika bin ich schon immer
Besitz eines gültigen Rückflugtickets von Sao Paulo nach Frankfurt gewesen.
Immer mit offenem Rückreisedatum. Diesmal ist es aber so, dass ich dann von Sao
Paulo nach Buenos Aires flog und mir seinerzeit nur ein ONE-Way Ticket von SP
nach BsAs kaufte, weil ich ja nicht wusste, wie lange ich denn hier bleibe.
Keinen einzigen Gedanken habe ich daran verschwendet, dass mich mal irgend
jemand nach einem Rückflugticket fragen könnte. In Bogotá allerdings habe ich
mich schon mit einem Fuss im Knast stehen sehen, weil ich kein gültiges
Dokument hatte.
Adrenalin
pur jedenfalls und das Gute daran war, dass ich zum ersten Mal seit meinem
Aufenthalt in Bogotá vergessen hatte, dass ich ein Atemproblem hab.
Zurück
in BsAs steig ich recht schnell aus dem Flieger und bin die erste in der
Touristen-Schlange bei der Immigration. Schweissperlen treten mir auf die
Stirn, als die Dame in der Kabine meinen Pass von vorne nach hinten, von hinten
nach vorne durchblättert. Hier ein längerer Blick auf’s Brasilenien-Visum, dort
ein kurzes Innehalten bei der deutschen Aufenthaltserlaubnis und dann die
Fragen wieder. Sie fragt mich am Ende, in welchem Hotel ich denn wohne. Sack
und Asche. Und nun? Da will mir doch partout das Hotel nicht einfallen. Ich
kenne die Strasse: Cordoba mit Reconquista … Doch der Name des Hotels will mir
nicht einfallen. Warum nur ist das alles so kompliziert. Ich warte noch immer
auf das Visum in Argentinien und bis dahin DARF ich nur als Tourista reisen …
Und
diese Woche steht noch eine weitere Reise an … Mist. Mist. Mist.
Ich
nenne, weil mir auf die Schnell dann doch kein anderes einfällt, das Sheraton,
die Dame tippt und tippt und tippt was in den Computer, sucht ne freie Seite im
Pass, drückt den Stempel rein und dann Adios.
Puh.
Ich bin erst mal wieder im Land …
Ich
beschliesse, am nächsten Tag, sämtliche anstehenden Flüge in trockene Tücher zu
packen und damit dann schlussendlich auch meinen finalen Abreisetag zu
bestimmen. Nun weiss ich, wann ich definitiv im Flieger nach Hause sitzen werde
… :(
Doch
bevor es soweit ist, gibt es noch ein paar Hürden zu nehmen. Fange ich mal bei
gestern an. Ich komm zurück aus Bogotá, betrete am frühen morgen meine Wohnung
und habe das Gefühl, mich in Sibirien zu befinden. Meine Wohnung hat sich in 5
Tagen Abwesenheit zu einer Eishöhle verwandelt. Zunächst schiebe ich es auf die
Müdigkeit, denn im Flieger hab ich die ganze Nacht kein Auge zugetan, 2 Stunden
Zeitverschiebung und dazu ziemlich viele Turbulenzen in der Luft … Ideale
Voraussetzungen, um für 2 Stunden ins Bett unter die Decke zu kriechen. Ne
Stunde später wache ich auf. Kalte Füsse, kalte Hände, kalte Nase. Kurz vorm
Erfrieren packe ich sämtliche Decken, die mein Haushalt zu bieten hat, auf mich
… Mir will nicht warm werden.
Es
hilft alles nichts … Raus aus dem Bett, unter die Dusche, dann in die Klamotten
und ab ins Büro. Vorher allerdings checke ich mal, woher die Wahnsinnskälte
kommt und stelle fest, dass die Fenster nicht richtig schliessen und es dort
wie Hechtsuppe reinzieht. Puuuuh, auch das noch … Ich kümmer mich später drum,
erst mal ins Büro.
Dort
angekommen, frag ich mich erst mal durch, wo und wie ich das Isolieren könnte.
Ein Bauhaus gibt’s hier nun mal nicht. Doch ich finde den Handwerkerladen,
kaufe 5 m Klebeschaumstoff, nehme den Umweg über die Tangostunde und widme mich
zu Hause dann den Abdichtungsarbeiten. Es hilft ein wenig, ist aber noch immer
suboptimal, denn da es sich um eine Schiebetür handelt, schlüpft die Kälte
durch Löcher, die ich so einfach nicht abdichten kann. Ja nu, erst mal noch ein
bisschen Isolierschwamm kaufen und zusehen, dass ich noch das ein oder andere
abgedichtet krieg …
Wenigstens
hat die neu gekaufte Decke heute nach warm gehalten. Ich hab gut geschlafen, es
war flauschig und kuschelig … Doch am Morgen half alles nichts: Raus und ab ins
Bad unter die heisse Dusche. Das Wasser allerdings könnte für meinen Geschmack
noch etwas heisser sein, denn den Kaltwasserhahn betätige ich gar nicht. Na super, genau das brauch ich jetzt auch
noch: Kein Warmwasser !
Bibbernd
schlepp ich mich aus der Dusche. Die Kälte schleicht mir nicht nur unter die
Haut, nein auch unter die Kleidung … Zurück im Badezimmer, ein Bild des
Schreckens. Es tropft mal wieder aus der Decke. Es tropft dicke Tropfen sammeln
sich im Waschbecken, auf dem Boden und an der Decke prangt mal wieder eine
supernasse Stelle … Deja-vu … Ziemlich genau vor einem Jahr tropfte mir das
Wasser im Hotel von der Decke …
Jackpot.
Und
ich sag noch: Irgendwas ist doch immer …
Und
warum ich hab ich noch einen Gitarrenschlüsselanhänger im HardRock Bogotá
gekauft?
Ach
…
Jetzt
erst mal langes Wochenende …
Gehabt
euch wohl und tanzt munter in den Mai.
Eure
Jana