Das wunderbare am Reisen, am Arbeiten, am Leben in anderen Kulturen, fremden Ländern ist, dass immer wieder neue Menschen kennen lernt. Mit den meisten, hat man vieles gemein: die Arbeit, die Fremde, den „einsamen“ Abend, das Vonzuhausewegsein. Andere wiederum geniessen es, Ruhe zu haben und ziehen sich zurück.
In Baires hatte ich mal wieder das Glück, auf einen Menschen zu treffen, der innerhalb kurzer Zeit sowas wie ein guter Freund wurde. Viel Zeit haben wir miteinander verbracht und irgendwie erinnerte mich das an meine Anfänge in Brasilenien, als ich Schavier kennen lernte. Gemeinsam mit JC habe ich die Stadt erkundet, diverse Märkte besucht, viele Dinge eingekauft und vor allem immer wieder gut und viel gegessen :-) (vorzugsweise in Puerto Madero). Tränen haben wir gelacht und uns beim Arbeiten immer wieder mit Insidern die Zeit verkürzt.
Vor ner Woche musste ich dann von dem liebgewonnen Freund Abschied nehmen, da er auf seinem Nachhauseweg einen kleinen Umweg über St. Pauli in Kauf nehmen musste. Trist war’s dann in Baires ohne ihn … Erstaunlich, wie schnell man sich an Schönes gewöhnt und wie schnell einem etwas fehlt … Und das gerade mal nach 2 Wochen … Ja nu, offensichtlich stimmte nicht nur im chemischen Unternehmen die Chemie …
Ach, was hab ich mich gefreut, als er mir am vergangenen Wochenende schrieb: „Wir werden uns schneller sehen, als Du denkst!“
Wie jetzt?
Und dann erfahre ich, dass er bereits bei Abflug wusste, dass er wieder nach Baires zurückkehren wird, bevor er endgültig nach Hause fliegt. Und so war klar, Mittwoch abend gehe wir nochmal lekker essen und auch trinken, bevor er am Donnerstag Morgen wieder im Flieger gen Norden sitzen wird.
Doch plötzlich ist nichts mehr, wie es mal war. Ich lese einen seiner Kommentare und weiss sofort, was passiert ist. Das erste Mal lautet die Antwort auf meine Frage nicht „Todo bien.“ Diesmal ist ein „No, no está bien.“
Er klingt so traurig … So unendlich traurig. Ich bin es auch. Und ich hab Kopfsalat.
Es war seine Mutter.
Was wäre wenn? Wäre nicht über SP geflogen und hätte er nicht dort noch ein paar Tage verbringen müssen, dann hätte er sie noch mal sehen können, nochmal mit ihr reden können. Sie war ja schon krank bei seiner Abreise. Es ging ihr schon im Krankenhaus nicht mehr gut.
Coulda – Woulda – Shoulda …
Doch er besteht darauf, dass wir uns sehen. Er möchte nicht allein sein, entschuldigt sich allerdings im Vorfeld schon, kein guter Gesellschafter zu sein und wenn ich nicht möchte, dann wäre das o.k. für ihn.
Doch, wir treffen uns. Suchen ein ruhiges Plätzchen, essen und trinken was und reden. Reden über Dinge, über die er reden will. Ich bin erleichtert, denn ich bin ja so eine Niete, wenn es darum geht, irgendwas intelligentes in einer solchen Situation zu sagen.
Ein letztes „Schneider“ bei „Homer“ an der Ecke. Er kennt sie alle und alle freuen sich, ihn zu sehen. Er lässt sich von seiner Trauer nichts anmerken. Eine Liveband spielt und kennt den gewünschten Song nicht …
Was macht JC? Er geht zu den Jungs auf die Bühne und singt dem Mädel den gewünschten Geburtstagssong.
Ja sicher, wir haben alle unseren Weg mit Trauer umzugehen. Für ihn war es das Schlimmste, was hat passieren können … Und dennoch, trotz oder gerade wegen allem hat ein Lächeln für seine Mitmenschen übrig und gibt noch immer, obwohl er ...
Ich hab noch immer Kopfsalat.
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