… und was mich sonst noch anstrengt!
Der geneigte Leser wird es wohl schon gemerkt haben: Hin und wieder observiere ich gerne mal. Gewohnheiten der Menschen, Unterschiede zu Hause, Unterschiede jetzt zu Brasilenien. Wer macht was, wann, wie und vor allem wo.
Viel Zeit zum Observieren hatte ich ja noch nicht, doch hier möchte ich mal zusammentragen, was mir in den drei Wochen (!), die ich jetzt schon hier bin, so aufgefallen ist.
Stille.
Manch einer wird mich nun für vollkommen durchgeknallt halten, wenn ich nun behaupte, dass es in Baires ruhig ist. Es herrscht wohltuende Stille. Gestern habe ich den ersten Hubschrauber aus der Ferne gesehen und dessen Schrauber hören könne. Leise, kaum wahrnehmbar. Flugzeuge sehe ich nur, doch hören kann ich sie nicht. Vermutlich liegt es daran, dass sie nicht 2 Meter über meinem Kopf über mich hinwegfliegen.
Was das Flugzeug dezibelseitig in St. Pauli, wird hier in Baires nur vom Bus übertroffen. Busse sind laut. Laut und verdammt schnell.
Anstehen.
Auch in Baires stehen Menschen an. Wenn sie zum Arbeitsamt müssen, bei der Bank, an der Kasse, hin und wieder auch im Restaurant. Zu Brasilenien gibt es zunächst keinen nennenswerten Unterschied, bis auf das Anstehen an der Bushaltestelle. Während der Busreisende in St. Pauli den gesamten Bürgersteig in einer nicht nachvollziehbaren Ordnung einnimmt, steht der Portenio fein in einer Reihe an. Es kam schon vor, dass sie die Schlange zum Einsteigen in den Bus, über einen Block hinweg bildete. Die Menschen stehen immer am äusseren Bürgersteigrand und lassen an am Zebrastreifen eine Lücke, damit Fussgänger dort die Strasse überqueren können.
Begrüssung.
Was dem Brasilianer sein „Tudo bem?“ ist dem Porteno sein „Hola, como andas?“ – vergleichbar mit unserem „Unn, wie geht’s?“. Ein kurzes Nicken und ein „Que tal“ reichen meist als Erwiderung. Mehr muss nicht sein.
Sauberkeit.
Morgens früh um acht, wird Rabatz gemacht. Eigentlich schon viel früher. Gegen 0700 am Morgen sind die Portenos schon unterwegs und waschen (!) ihre Gehwege. Fast jeder Hauseingang hat einen eigenen Wasserschlauch (versteckt hinter einer kleinen Tür in der Hauswand). Damit wird gewässert, was das Zeug hält und danach mit dem Abzieher wieder Trockengewischt. Kommt man morgens auf die Strasse, hat man den Eindruck, es hätte die ganze Nacht geregnet … Dabei war’s nur der Wasserschlauch.
Pickpockets.
Wird man in St. Pauli eher mal vor bewaffneten Raubüberfällen gewarnt, wird einem hier ans Herz gelegt, nicht leichtsinnig durch Bairische Strassen zu gehen. Es ist nämlich ganz und gar nicht so, als sei es hier minder gefährlich. Nein, nein, Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Auch wenn man weniger den bewaffneten Raubüberfall zu befürchten hat, so sollte man auf sein Hab und Gut in Händen und Taschen / Rucksäcken aufpassen. Dies hat zur Folge, dass auch Einheimische – nicht nur Touristen – ihren Backpack vor sich tragen und nicht am Rücken …
Und genau so mach ich das auch.
Trinken.
Noch lieber als Bier trinkt der Porteno Wein. Ich kann das verstehen, denn Bekanntschaft mit dem ein oder anderen lekkeren Argentinier habe ich schon machen dürfen und auch wollen.
Essen.
Fleisch ist auch hier nach wie vor mein Gemüse. Ob nun das argentinische Rindvieh besser oder anders schmeckt, kann ich nicht beurteilen. So geschult ist mein Gourmetgaumen nun auch wieder nicht. Frag mich nach Unterschieden bei Dulce de Leche – damit kenn ich mich aus ! Doch Fleisch ist Fleisch. Mager muss es sein, durch muss es sein. Ein Filet muss es sein.
Und das argentinische „Pao de Queijo“ ist die „Media Luna“. Ein kleines Buttercroissant mit süsser Glasur. Immer wieder gerne eine Sünde wert (manchmal auch mehrmals täglich).
Kaffee.
Es herrscht eine Kaffeekultur vor. Besser gesagt, eine Kaffeehauskultur. Kaffeehäuser gibt es wie Sand am Meer. Man trinkt Kaffee, isst dazu eine Media Luna, unterhält sich und geniesst den Tag / Abend / Mittag / Wochenende.
Selten trifft man morgens jemanden auf der Strasse, der nicht seinen Coffee To Go mit sich trägt. Kaffeeläden an jeder Strassenecke, jeder zweite davon ein Starbucks. Ich hab meinen direkt im Bürogebäude … „Buenas Mari … Cappuccino grande con leche soja?“ … So muss es sein …
Mir werden sicherlich noch ein paar Dinge mehr auffallen, welche ich euch auch dann nicht vorenthalten werde …
Gehabt euch wohl …
… während ich mich in neue Abenteuer stürze.
Eure Jana
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