Freitag, 27. April 2012

Spiel. Spass.


Ein bisschen Spannung.

Man könnte gerade meinen, Schavier wäre mit in Kolumbien gewesen. So sehr hat er sich über meinen Besuch in seiner Heimat gefreut, während er in St. Pauli weilen musste. Via Blackberry, Skype und überhaupt wurde ich durch Bogotá navigiert, erhielt wertvolle Tipps und musste selbstverständlich selbst immer wieder Rückmeldung geben, wie und ob es mir gefällt / gefallen hat.

Und so führt mich mein Weg in Bogota zunächst ins Zentrum der Stadt. Am „Museo del Oro“ beginnt meine Tour. Ein kleiner Spaziergang zur „Plaza Bolivar“ folgt. Dort finde ich neben der wunderschönen Kathedrale noch ein Parlamentsgebäude und einen überdimensional grossen Platz, der von Tauben übersäht ist. Tauben, überall Tauben. Die kleinen Gassen scheinen sich in die hinter Bogotá liegenden Hügel zu schlängeln, von welchem eine kleine Version des Christo über die Stadt wacht.

Jetzt liegt Bogotá schon auf 2.640 m, was mir während meines Aufenthaltes ziemlich zu schaffen machte … Und als ich mich dann auch noch auf den Weg zu Monserrate machte, hab ich mir damit keinen grossen Gefallen getan – von der wunderbaren Aussicht über Bogotá abgesehen. Und dann stand ich nun dort oben auf 3.152 m, schnappte nach Luft und versuchte, Bogotá auf mich wirken zu lassen. Es wollte mir nicht wirklich gelingen, denn wenn ich nicht richtig atmen kann, dann krieg ich ganz arg schnell Panik und so machte ich mich relativ schnell wieder auf den Weg nach unten – was allerdings nicht wirklich für Linderung sorgte … Doch da musste ich durch.

Leider war die Zeit viel zu kurz, um einen besseren und schöneren Überblick über Land, Stadt und Leute zu bekommen und so ging es dann auch schon bald wieder zurück nach Hause. Also nach Buenos Aires.
Doch was wäre mein kleines beschissenes Leben ohne Zwischenfälle? Ganz klar: Langweilig. Darum sorgen wir – also mit wir meine ich mich und mein Umfeld – immer wieder dafür, dass etwas läuft – also anders läuft.

Der Check-in am Flughafen „Eldorado“ Bogotá. Wohin fliegst Du? Wie lange warst Du hier? Warum warst Du hier? Und überhaupt: Was machst Du in Buenos Aires? Und dann geht es in diesem Stil weiter:
Wo wohnst Du? – In Buenos Aires.
Hast Du ein Visum? – Nö, noch nicht.
Also Du arbeitest dort nicht? – Ähm, doch.
Aber Du hast kein Visum? – Nö. Doch die bei der Behörde wissen schon, dass ich eins bekommen soll.
Bleibst Du in Bs.As.? – Nein, ich fliege wieder zurück nach Deutschland.
Hast Du Dein Rückflug-Ticket dabei? – Mein was bitte? Nö, ich hab zwar was, aber das hat noch kein bestätigtes Rückflugdatum.
Bla – bla – bla – bla.

Lange Rede kurz. Mein Kollege erzählt irgendwas von Ausreisedatum im Juni, ich selbst finde zumindest meine Buchungsummer und die Dame am Schalter scheint zufrieden.
Und nun zur Erklärung. Seit meinem Aufenthalt in Südamerika bin ich schon immer Besitz eines gültigen Rückflugtickets von Sao Paulo nach Frankfurt gewesen. Immer mit offenem Rückreisedatum. Diesmal ist es aber so, dass ich dann von Sao Paulo nach Buenos Aires flog und mir seinerzeit nur ein ONE-Way Ticket von SP nach BsAs kaufte, weil ich ja nicht wusste, wie lange ich denn hier bleibe. Keinen einzigen Gedanken habe ich daran verschwendet, dass mich mal irgend jemand nach einem Rückflugticket fragen könnte. In Bogotá allerdings habe ich mich schon mit einem Fuss im Knast stehen sehen, weil ich kein gültiges Dokument hatte.
Adrenalin pur jedenfalls und das Gute daran war, dass ich zum ersten Mal seit meinem Aufenthalt in Bogotá vergessen hatte, dass ich ein Atemproblem hab.

Zurück in BsAs steig ich recht schnell aus dem Flieger und bin die erste in der Touristen-Schlange bei der Immigration. Schweissperlen treten mir auf die Stirn, als die Dame in der Kabine meinen Pass von vorne nach hinten, von hinten nach vorne durchblättert. Hier ein längerer Blick auf’s Brasilenien-Visum, dort ein kurzes Innehalten bei der deutschen Aufenthaltserlaubnis und dann die Fragen wieder. Sie fragt mich am Ende, in welchem Hotel ich denn wohne. Sack und Asche. Und nun? Da will mir doch partout das Hotel nicht einfallen. Ich kenne die Strasse: Cordoba mit Reconquista … Doch der Name des Hotels will mir nicht einfallen. Warum nur ist das alles so kompliziert. Ich warte noch immer auf das Visum in Argentinien und bis dahin DARF ich nur als Tourista reisen …
Und diese Woche steht noch eine weitere Reise an … Mist. Mist. Mist.
Ich nenne, weil mir auf die Schnell dann doch kein anderes einfällt, das Sheraton, die Dame tippt und tippt und tippt was in den Computer, sucht ne freie Seite im Pass, drückt den Stempel rein und dann Adios.
Puh. Ich bin erst mal wieder im Land …

Ich beschliesse, am nächsten Tag, sämtliche anstehenden Flüge in trockene Tücher zu packen und damit dann schlussendlich auch meinen finalen Abreisetag zu bestimmen. Nun weiss ich, wann ich definitiv im Flieger nach Hause sitzen werde … :(

Doch bevor es soweit ist, gibt es noch ein paar Hürden zu nehmen. Fange ich mal bei gestern an. Ich komm zurück aus Bogotá, betrete am frühen morgen meine Wohnung und habe das Gefühl, mich in Sibirien zu befinden. Meine Wohnung hat sich in 5 Tagen Abwesenheit zu einer Eishöhle verwandelt. Zunächst schiebe ich es auf die Müdigkeit, denn im Flieger hab ich die ganze Nacht kein Auge zugetan, 2 Stunden Zeitverschiebung und dazu ziemlich viele Turbulenzen in der Luft … Ideale Voraussetzungen, um für 2 Stunden ins Bett unter die Decke zu kriechen. Ne Stunde später wache ich auf. Kalte Füsse, kalte Hände, kalte Nase. Kurz vorm Erfrieren packe ich sämtliche Decken, die mein Haushalt zu bieten hat, auf mich … Mir will nicht warm werden.
Es hilft alles nichts … Raus aus dem Bett, unter die Dusche, dann in die Klamotten und ab ins Büro. Vorher allerdings checke ich mal, woher die Wahnsinnskälte kommt und stelle fest, dass die Fenster nicht richtig schliessen und es dort wie Hechtsuppe reinzieht. Puuuuh, auch das noch … Ich kümmer mich später drum, erst mal ins Büro.

Dort angekommen, frag ich mich erst mal durch, wo und wie ich das Isolieren könnte. Ein Bauhaus gibt’s hier nun mal nicht. Doch ich finde den Handwerkerladen, kaufe 5 m Klebeschaumstoff, nehme den Umweg über die Tangostunde und widme mich zu Hause dann den Abdichtungsarbeiten. Es hilft ein wenig, ist aber noch immer suboptimal, denn da es sich um eine Schiebetür handelt, schlüpft die Kälte durch Löcher, die ich so einfach nicht abdichten kann. Ja nu, erst mal noch ein bisschen Isolierschwamm kaufen und zusehen, dass ich noch das ein oder andere abgedichtet krieg …

Wenigstens hat die neu gekaufte Decke heute nach warm gehalten. Ich hab gut geschlafen, es war flauschig und kuschelig … Doch am Morgen half alles nichts: Raus und ab ins Bad unter die heisse Dusche. Das Wasser allerdings könnte für meinen Geschmack noch etwas heisser sein, denn den Kaltwasserhahn betätige ich gar nicht.  Na super, genau das brauch ich jetzt auch noch: Kein Warmwasser !

Bibbernd schlepp ich mich aus der Dusche. Die Kälte schleicht mir nicht nur unter die Haut, nein auch unter die Kleidung … Zurück im Badezimmer, ein Bild des Schreckens. Es tropft mal wieder aus der Decke. Es tropft dicke Tropfen sammeln sich im Waschbecken, auf dem Boden und an der Decke prangt mal wieder eine supernasse Stelle … Deja-vu … Ziemlich genau vor einem Jahr tropfte mir das Wasser im Hotel von der Decke …
Jackpot.

Und ich sag noch: Irgendwas ist doch immer …

Und warum ich hab ich noch einen Gitarrenschlüsselanhänger im HardRock Bogotá gekauft?
Ach …

Jetzt erst mal langes Wochenende …
Gehabt euch wohl und tanzt munter in den Mai.

Eure Jana

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