Montag, 16. Juli 2012

Upside down ...



Alles ging so rasend schnell.

Vor 2 Wochen noch schüttelte Miriam eine kleine Abschiedsgrillparty für mich aus dem Ärmel. Annemarie und Danisa sind ebenfalls eingeladen und so sehe ich einem sehr lustigen, geselligen und vor allem trink- und redseligen Abend entgegen. Zum ersten mal komme ich in den Genuss eines typisch argentinischen „Asado“. Barbeque zu Deutsch.
Es gibt Bratwürste so dick und rund wie eine prall gefüllter Schinkenwurstring. Auch gibt es Blutwürste, die bei einem typischen Asado nicht fehlen dürfen. Dies zum Thema Vorspeise.
Der Hauptgang bringt allerfeinstes Fleisch in saftigster Form zum Vorschein.
Damit alles schön im Fluss bliebt, spülen wir mit Unmengen Argentinischem Bier und Wein nach.

Ach, es ist schön …
Dabei war ich doch nur 3 Monate in diesem tollen Land und dieser tollen Stadt und genau in diesem Moment fühlt es sich an, als hätte ich viele Jahre dort verbracht … Wieder einmal ist ein kleiner Teil dieser Erde ein Stück Heimat geworden.

Spannend und aufregend war meine Zeit in Buenos Aires. Tolle Menschen habe ich kennengelernt und sie in mein kleines kaltes Herzlein geschlossen. Viele Dinge haben wir gemeinsam erlebt und so viel gelacht, bis uns die Tränen in die Augen stiegen.
Buenos Aires – ich glaub, ich hab mich ein wenig verliebt. Diese Stadt hat so unendlich viel zu bieten. Man kann so unendlich viel unternehmen. Man kann so unendlich viele unterschiedliche Menschen treffen. Man begegnet auch sich ganz anders.
Klar ist, ich war nicht zum letzten Mal in dieser wundervollen Stadt auf diesem wundervollen Fleckchen Erde.

Und dann ist es Zeit, um Abschied zu nehmen.
Die Mädels verabschieden mich – ich sie. Traurig bin ich – sehr traurig, doch die Tränen bleiben, wo sie sind. Wieder allein in der Argentiniencasa gönne ich mir ein letztes „Quilmes“ und „ergebe“ mich meinem Schicksal.
Let the Froschpoker begin.
Auf der Fahrt zum Flughafen am nächsten Tag mache ich einen letzten Ausflug zu all jenen Orten, die ich in dieser Stadt so lieben lernte und so finde ich mich plötzlich beim Joggen im Hafen wieder, auch beim Spaziergang nach und durch San Telmo oder aber auf dem Kunsthandwerkermarkt in Recoleta. Ich sitze im Cafe, schau dem bunten Treiben auf Palermo's Strassen zu …
… Terminal A – ich muss aussteigen …

Bereits Anfang Juni habe ich mein gesamtes Hab und Gut nach Deutschland gebracht. Offensichtlich doch nicht mein gesamtes Hab und Gut, denn nach den 33 kg Freigepäck muss ich noch für 22 kg Übergepäck ein Entgelt entrichten. Doch was kümmert's mich … Schätzen konnte ich noch nie wirklich gut.

Der Trauer, Buenos Aires verlassen zu müssen, folgt ein leiser Anflug der Vorfreude auf Sao Paulo, sowie auf den Boyfriend Schavier und seiner Frau Kary. Je näher wir St. Pauli kommen, umso aufgeregter bin ich.
Schnell hab ich mein Gepäck, schnell bin ich draussen und während ich noch suche, hat mich Schavier bereits entdeckt, winkt wild und ich brech in Tränen aus. Verdammt, warum ausgerechnet jetzt diese Sentimentalität?

5 Tage verbringe ich noch mit ihnen und verabschiede mich noch von den Kollegen, mit denen ich ein Jahr gearbeitet habe. Zugegeben, es fällt mir nicht leicht. Mein Brustkorb zieht sich zusammen und ich möchte nicht weg. Ich möchte meinen Rechner auspacken, mich an einen Schreibtisch setzen und dort arbeiten. Der Ausblick aus dem neuen Büro ist toll.
Wir umarmen uns und dann setzt sich der Fahrstuhl in Bewegung. Es geht 16 Stockwerke abwärts …
Até logo …

05.07.2012.
Ich hab eingecheckt. Kary und Schavier wünschen mir nacheinander alles Gute – ich ihnen auch und dann sehe ich zu, dass ich im Security-Bereich verschwinde. Nein, ich schau nicht nochmal zurück. Stehen sie noch da? Ich weiss es nicht. Und so lasse ich einen treuen Wegbegleiter zurück … Ich hab nen Kloss im Hals, den ich dringend mit einem Glas Champagner runterspülen muss …

06.07.2012.
Der deutsche Boden hat mich wieder. O Gott, wie ordentlich ist das denn? Warum drängelt denn keiner am Gepäckband? Warum rammt mir keiner diesen Gepäckwagen in den Rücken und warum quietschen die Dinger eigentlich nicht? Wieso redet hier niemand mit dem anderen?
Ich bin irritiert.
Der Fahrer empfängt mich, wir laden das Gepäck ein (diesmal hatte ich dann 3 x 33 kg mit) und treten den Weg nach Hause an. Er entschuldigt sich schon mal dafür, dass der Verkehr „dicht“ ist und dass es an manch einer Stelle schleppend ginge.
Einmal mehr bin ich irritiert. Was will er eigentlich? Es geht doch – zwar langsam, doch wir bewegen uns stetig. Die Fahrbahn ist dreispurig und bleibt es auch. Da, wo ich herkomm, macht man doch gleich mal 5 Spuren draus und selbst dann bewegt sich nichts … Aber so rein gar nichts. Das nenn ich dann mal dicht.
Nach etwas mehr als einer Stunde erreiche ich die Casa.

Sie wirkt vertraut, aber dennoch fremd. Es scheint, als stünden die Dinge noch immer am selben Platz, an dem ich sie zurück gelassen habe. Ich stehe da und trau mich nicht, etwas anzufassen. Ist das wirklich meins? Gehört mir das?
Ich öffne die Koffer und fange an, auszupacken.
Binnen weniger Minuten verteile ich mein Hab und Gut auf jedem der fast 80 Quadratmeter, dusche, pack meine Tasche und hau ab.

Bei Tuti finde ich Unterschlupf, es gibt was zu Essen und ein lekker Blubberwässerchen …
… Ich glaube, ich freu mich ein klein wenig, doch wieder hier zu sein …


Etwas mehr als eine Woche ist es nun her, dass ich hier gelandet bin und stelle fest, dass ich noch immer nicht angekommen bin … Vermutlich habe ich mir gar keine Zeit zum Ankommen gelassen. Immer schön in Bewegung bleiben, bloss nicht still stehen, bloss nicht ruhen, bloss keinen Raum zum Nachdenken lassen …

„Man muss auch mal loslassen können.“
Ich beginne, loszulassen. Im Kleiderschrank. Gnadenlos sortiere ich aus, was ich nicht mehr mag, nicht mehr trage, mir nicht mehr gefällt. Hose um Hose, Shirt um Shirt, Bluse um Bluse, Jacke um Jacke – alles fliegt raus. 3 x 2,50 m stehen leer. Der Platz für Neues sei geschaffen und so halten brasilienische Kleidungsstücke Einzug. Der Neuzugang ist bereits geordert und findet neben der internationalen Garderobe platz.
Der Altkram stapelt sich auf dem Gästebett im Gästezimmer.

Insgesamt 14 grosse Säcke Altklamotten und -schuhe schleppe ich in den Keller. Es ist befreiend. Es tut gut. Es ist wie ein Neubeginn.

Mitten im Kleiderchaos lasse ich noch von anderen Dingen los. Der Fernseher fliegt ebenfalls raus. In Jana's neuen Kleidern schlage ich im hiesigen Elektromarkt auf, wähle ein Gerät, zahle und lasse noch am gleichen Tag liefern. Check. Das läuft ja, wie geschmiert.
Zum Glück hab ich noch genug weitere Projekte in der Pipeline und so wird mir nicht langweilig.
Ich wühle mich im Internet durch den Tarifdschungel an Internet- und Telefontarifen. Der neue TV braucht nun auch gute Qualität und somit muss ich mich auch noch ums Fernsehen kümmern. Ich blicke nicht durch. Verbringe Stunden am Telefon, rechne, kalkuliere, lege um und entschliesse mich für einen Anbieter.
Geordert ist schnell und die Dinge nehmen ihren Lauf …

Eine Woche später steht alles fast schon wieder an seinem Platz, eine Woche später bin ich ein klein wenig mehr angekommen, eine Woche später gibt es schon wieder Neues aus meinem kleinen beschissenen Leben zu berichten …

Ein Jahr und drei Monate sind nun vergangen. Ein Jahr und drei Monate in denen ich gelacht, geweint, vermisst, geflucht, gegessen, getrunken, geküsst, umarmt habe, gereist bin, viel gesehen hab. Freunde habe ich in der Fremde gefunden und dieses fremde Land habe ich zu einem Stück Heimat für mich gemacht. Ein Neuanfang, der sich in der Retrospektive betrachtet mehr als ausgezahlt hat.

Abschliessend möchte ich mich eines Zitates bedienen, welches mir Susanne in ihrer letzten Mail hat zukommen lassen:

„Der Gewinn eines langen Aufenthaltes außerhalb unseres Landes liegt vielleicht weniger in dem, was wir über fremde Länder erfahren, sondern in dem, was wir dabei über uns selbst lernen.“
Roger Peyrefitte (*1907), frz. Schriftsteller u. Politiker

Ich danke dem geneigten Leser für die Begleitung durch „Mein Jahr und ich Brasilenien“.
Es war schön mit euch …

Gehabt euch wohl,
Eure Jana

Dienstag, 26. Juni 2012

Vom Pudel gebissen ...


… Oder einfach nur: Der Fahrstuhl des Schreckens !



Freunde der Nacht. Ich habe den Endspurt eingeläutet.
Noch 3 mal arbeiten gehen – und den Rest von heute. Ich bin spät dran. Die Zeit mein Feind – wie IMMER …
Erwähnte ich schon, dass ich in Zeitmanagement ne totale Niete bin?
Es hilft nix. Schnell alles zusammenwerfen, den Rucksack schnappen und dann ab in den Fahrstuhl.

Es ist ein Uraltmodell, doch ich hab mich daran gewöhnt. Zumindest bis zum 6. Stock. Und auch daran, dass das Ding immer ruckelt, wenn er anfährt und anhält. Es fühlt sich so an, als drückten sich die Kniescheiben bei jeder Anfahrt durch die Fersen nach draussen oder durch die Hüften, wenn’s nach oben geht. Vielleicht auch anders herum … Ach was weiss ich, wie das mit der Schwerkraft und so funktioniert …

Heute früh jedenfalls bin just in dem Moment, als der Fahrstuhl unvermittelt im 4. OG anhält, damit beschäftigt, meine Kniescheiben wieder an Ort und Stelle zu ordnen, als mich, sobald die Tür aufgeschoben wurde, dieser Pudel aus heiterem Himmel angreift.
Ja, er hat mich angegriffen!!!!
Seine Schnauze hat er an mein Schienbein gedrückt (an die Kniescheibe kam er ja nicht) und hat geschnüffelt. Mir jedenfalls war nicht ersichtlich, was der Kerle da treibt, denn ich trage ja den Rucksack nicht am Rücken sondern vor mir (Sicherheitsmassname in Buenos Aires). Und so kann ich vor lauter Gepäck nicht überschauen, was sich da zu meinen Füssen abspielt.

Verteidigen muss ich mich. Doch da steh ich nun wie einzementiert im Fahrstuhl und alles, was mir einfällt ist: Schreien wie am Spies! Ich hab sie alle erschreckt – einschliesslich mir – und des Pudels Schnauze war nicht mehr an meinem Beine zu spüren.
Noch bevor mich dieser Hund in alle Einzelteile zerlegen kann, stürme ich aus dem Fahrstuhl und entschliesse mich für den sicheren Abstieg. Die Treppe.

Im Erdgeschoss angekommen, renn ich um die Ecke und was passiert?
Klar ! Da steht der Aggropudel wieder vor mir. Bevor er mir die Schnauze wieder ans Bein halten kann, schrei ich schon mal vorsorglich. Doch es geht nicht weiter nach vorne ...
Während ich den Blick wieder nach oben richte, weil mein Rucksack feststeckt, stehe ich vor Gustavo, dem Pförtner, auf dessen Arm ein ….

… PUDEL thront !!!! 

Der hat ne rosa Schleife in der Locke und schaut mich fassungslos an !!!
Ich schau nicht minder fassungslos und erneut entfährt mir ein Schrei, der dem Pudel fast die rosa Schleife aus der Locke haut …

Heute früh bin ich mindestens, wenn nicht sogar noch mehr Jahre gealtert …
Alter Falter, das war knapp …

Gehabt euch wohl,
Eure Jana

Mittwoch, 20. Juni 2012

Soziale Inkompetenz ...


… oder: Ich liebe diese Tage !



So. Der Endspurt hat begonnen.
Die Veranstaltungen häufen sich und nicht selten steh ich vor dem Problem, nicht so recht zu wissen, ob ich zur Veranstaltung will oder nicht. So auch gestern.
Ein weiteres Internations Treffen in Buenos Aires wurde ausgetragen. Meine Teilnahme hatte ich bereits per Internet bestätigt und so war eigentlich auch schon klar, was zu tun ist. Doch da stecke ich noch mitten in einer Unterhaltung fest, die zu beenden mir gar nicht so leicht von der Hand geht und dann macht sich das Gefühl der latenten Unlust in mir breit.
Es ist noch nicht mal die Unlust … Vielmehr ist es, dass ich keine Lust auf Menschen habe. Schon gar nicht auf mir nicht bekannte Menschen und noch weniger auf den Small Talk, der auf meiner Erwartungskarte steht.

Wir – also, ich und ich – sind aus dem emotionalen Gleichgewicht geraten. Wer oder was auch immer entscheidet, schlussendlich doch beim Event zu erscheinen …
Dort angekommen, begrüsse ich mir bekannte Gesichter, gebe mich den mir unbekannten sehr kühl, reserviert und zurückhaltend (jawoll, auch das kann ich !). Heimlich still und leise suche ich mir eine ruhige Ecke. Schnell stelle ich fest, ein strategisch guter Platz … Man sieht mich nicht sofort, ich jedoch kann das Treiben schön überschauen und beobachten. Ratz-fatz hab ich Spass an der Sache und amüsier mich auf’s allerschärfste.

Links hinten die US-Gruppe:
Er, gross, breites Kreuz, mit ohne Haare – zugegeben, ein Hingucker – im Gespräch mit 2 Frauen. Eine kenne ich nicht, mit der anderen hatte ich das Vergnügen beim letzten IN Treffen. Die, die ich kenne zieht eine sensationelle Show ab. Ungeachtet dessen, dass so ziemlich alles „fake“ an ihr ist – also Lippen, die Botox-Stirn, die Brüste – biedert sie sich dem Ami-Typen so dermassen an, dass mir vom Zusehen schlecht wird. Das Organ so laut – min. 724 Dezibel – eine Lache, die einem die Haare zu Berge stehen lässt und der Typ, der immer wieder einen Schritt von ihr entfernt. Hilfe suchend lässt er den Blick durch den Raum schweifen, verdreht hin und wieder die Augen, kann sich allerding aus den kreischenden und lachenden Klauen der Plastik-Barbie (mit dunklem Haar) nicht befreien.
Ich könnte sterben vor Lachen.

In der Mitte des Raumes ein Tisch, an welchem ca. 6 Männer, gesetzteren Alters sitzen und wild gestikulierend über etwas diskutieren. Sie scheinen in ihrer eigenen Welt zu sein und nehmen das Drumherum gar nicht wahr.

Auf dem kleinen Balkon die Rauchertraube, die neben dem Rauchen, noch mit Essen und Trinken und teilweise mit Kommunizieren beschäftigt ist. Von denen lässt sich drinnen kaum jemand blicken. Eisern trotzen sie der vorherrschenden Kälte.

Während ich so dasitze und a) dem Treiben zusehe und mich absolut wohl fühle und b) warte, bis die Mädels dann auch mal auftauchen, meinen einige der Besucher, sie müssten mich unterhalten oder immer wieder den Versuch starten, mich in oder an einem Gespräch zu verwickeln / beteiligen.
Hallo? Offensichtlich können sie das auf meiner Stirn geschriebene: „Don not touch AND do not talk to me !“ lesen. Ich bin nicht im „socializing mood“ … Und ich will nicht wieder diese komischen Standardfragen, woher ich komme, wohin ich gehe, was ich gesehen habe, wo ich arbeite, wie lange ich bleibe, wie lange ich schon da bin etc. beantworten müssen …
Vorzugsweise werden genau diese Fragen auch immer wieder von Personen gestellt, die mir bei den letzten beiden Treffen über den Weg gelaufen sind.

Doch gestern war alles irgendwie anders … Ich konnte nicht mehr an mich halten und als dann er wieder kam und das Gespräch mit: „Where are you from?“ startete, erzählte ich ihm stattdessen, woher er kommt, wie lange er schon in BsAs ist, was er arbeitet und wie lange er noch bleiben wird. Die Reaktion: „Did we meet?“ … Ja ne, is klar …
Das Gespräch, welches gar keines war, war gleich beendet.

Nachdem mir das 4 mal in Folge passierte, war sowieso vorbei und dann hat halt der 5., den ich mal so gar nicht kannte, das ganze Fett abgekriegt. Er: „Where are you from?“ Ich: „Germany.“ Er: „Ich muss deutsch sprechen lernen.“ Ich: „Ich nicht.“ So, das war’s … Boah, ich kann aber auch bitchy sein.

Dann waren die Mädels da und das Kommunizieren geht weiter. Mit neuen Menschen und jeder meinte es gut, und wollte mich ins Gespräch mit einbeziehen. Aber ich war gut mit nur Zuhören und Beobachten. Meine hausgemachte eigene „Stille Treppe“, auf der mich nur keiner sitzen lassen wollte …
Doch da war dann da Alejandro mit einem sensationellen Sinn für Humor. Der hat sich ja von mir so gar nicht aus dem Konzept bringen lassen. Nach der 5. Frage stellt er nur fest: „I like you. You are a woman of few words.“ Dann ging er zum DJ und wünschte sich – unwissentlich – eines meiner Lieblingslieder und als die ersten Töne von Depeche Mode’s “Enjoy the silence” erklangen, beugte er sich zu mir und meinte: “Only for you.”
Meine Nummer in seinem Handy speichert er unter „Marijana – Enjoy the Silence“, drückt mir einen Kuss auf die Wange und verabschiedet sich damit, dass er mich morgen, sprich heute, anrufen wird …

Das Ende des Abends war noch richtig lustig … Ich hätte sterben können vor Lachen, als die Parodie meiner selbst zum Besten gegeben wurde …
Wie geil.

Gehabt euch mal wohl.

Eure Jana

Mittwoch, 6. Juni 2012

Argentinisch Sibirien ...


… oder so.



Wintereinbruch im Süden der lateinamerikanischen Republik.
Ooooh ja!

Seit Tagen will ich schon darüber schreiben, doch immer wieder kam mir etwas anderes dazwischen … Zuletzt mein kleiner Sportunfall, als ich meinte, mit Knien, Hand, rechter Schulter und rechtem Ohr bremsen zu müssen.

Doch zurück zum Thema.
Der Winter hält Einzug. Heimlich, still und leise – vermutlich über Nacht – ist er in die Stadt, durch Fenster, Türen und unter meine Bettdecke geschlichen. Einheimische behaupten ja, es sei seit Tagen schon kalt gewesen. Also nicht nur kalt, sondern soooo kalt.

Ehrlich gesagt kann ich das nicht so ganz nachvollziehen, denn vor drei Tagen bin ich noch immer mit ohne Jacke draussen unterwegs gewesen und empfand es stellenweise auch noch ziemlich warm. Doch das will ja nichts heissen, denn bekanntlich hat der Südamerikaner ja ein ganz anderes Kälteempfinden, als unsereins.

Und so beobachte ich seit Tagen schon allmorgendlich das Spektakel. Vermehrt kommen mir vermummte Menschen entgegen (wäre es nicht so offensichtlich, hätte ich schon längt ein Foto gemacht). Dick eingepackt sind sie in Wollmützen, die sie bis über die Augenbrauen ziehen, der Schal 100fach um den Mund, Hals-Nase-Ohren gewickelt und dick gefütterte „The North Face“ Winterjacke eng um den Körper geschlungen. Schmale Sehschlitze um die Augen kommen mir aus allen Himmelsrichtungen entgegen und ich meine hin und wieder Entsetzen in ihren Augen sehen zu können (wobei ich das natürlich nicht soooo genau sehen kann), wenn sie mich in meinem offenen Windbrakerle sehen, mit ohne Mütze und manchmal sogar auch ohne Schal.

Und wenn nun einer meint, ich rede hier von Temperaturen, wie sie Deutschland wohl im letzten Winter erleben durfte – also irgendwas um -15 °C – der irrt gewaltig.
Mein Päd-Thermometer zeigte Temperaturen im 2stelligen Bereich an !!! Irgendwas zwischen 16 und 18 Grad Celsius PLUS !!!

Gerade ereilt mich noch die Meldung von Bierschie, die gerade in Panama weilt, dass ihr die Panamesen erzählten, sie seien vor ein paar Wochen vor Kälte fast gestorben. Die Temperatur sei doch glatt auf +23 °C gefallen !!!!
Unglaublich !!!

4 °C hat’s heute nur noch. Mein kleiner mobiler Heizkörper und der Warmluftventilator laufen auf Höchsttouren – doch es will einfach nicht richtig warm werden … Das was sich an warmer Luft im Raum ansammelt, wird beim nächsten Windstoss von draussen wieder zu Nichte gemacht …
Wie gewonnen, so zerronnen …

Jetzt bleibt zu hoffen, dass ich bis zum Abflug nach Good Old nicht erfrieren werde …

In diesem Sinne, gehabt euch wohl,

Eure Jana

Samstag, 2. Juni 2012

Ich habe nicht ...

… mit dem Kinn gebremst !



Irgendwann gegen 1300 mach ich mich – nach vorheriger Ankündigung – auf den Weg zum „Wake-up-Run“ …
Vielleicht sollte ich aufwachen, BEVOR ich mich auf den Weg mache und mich nicht von unvorhergesehenen Hindernissen aus dem Schlaf reissen lassen …

Der Weg führt mich die San Martin bis zur Ecke Cordoba, dann bis zur Reconquista bis zur Ecke Viamonte über Alem und noch ein paar andere Strassen nach Puerto Madero. Ein Kleines Stück Kopfsteinpflaster und dann über die Brücke auf die andere Seite, die ein schönes glattes Pflaster zum Joggen und zum Skaten bietet. Paul Kalkbrenner mein heutiger Begleiter und ich lass die Gedanken schweifen … Über den Hafen, nach Amsterdam, nach Deutschland, nach Gottweisswohin noch und als ich wieder zu mir komme liege ich am Boden und mein Hut 20 Meter weiter weg …

Doch nochmal kurz von vorne. Also, ich jogg da mit dem Paul vor mich hin. Und dann bleib ich mit dem rechten Fuss an einer überstehenden Bodenplatte hängen. Halten kann ich mich selbstverständlich nicht und so pralle ich erst mal volle Kanne auf das rechte Knie, das linke ziehe ich nach, jedoch nicht ohne nochmal einen Schritt nach vorne zu tun in der Hoffnung die Bodenhaftung doch nicht ganz zu verlieren. Ich verliere und pralle somit mit dem linken Knie auch noch auf den harten Asphalt, zwar nicht mehr ganz so fest, doch noch immer ausreichend und ziehe geschmeidig das rechte Knie nach.
Mit der linken Hand habe ich noch ein wenig abbremsen können, bevor ich mit der rechten Schulter und dem rechten Ohr vollständig zum Stillstand kam.



Am hellichten Tag wurde es Nacht, Sternlein am Himmeln und ein Engelsgesang ohne Gleichen. Alle Glocken dieser Erde vereint beförderten mich kurzzeitig an den Rand der Bewusstlosigkeit. Als mir der erste Schock aus den Knochen weicht, sehe ich mich am Boden liegen, mein Hut 20 Meter weiter weg und Paul Kalkbrenner hat sich ausserhalb meiner Jackentasche auf dem Boden bequem gemacht.

Ein herbei eilender Passant eilt zu mir, hilft mir wieder auf die Beine und ich stammle etwas in einer mir selbst nicht ganz bekannten Sprache. Er begleitet mich ins nächstbeste Café und übergibt mich in die Hände der Bedienung. Ich muss mich setzen, denn es will noch immer nicht Tag werden … Ein eiskaltes Glas Wasser schafft Linderung und ein bisschen Eis auf den Knien ebenfalls.
Langsam aber sicher erreiche ich den Wachzustand und meine Knie sehen ganz übel aus. Totalschaden würde ich tippen, wenn ich da so drauf schau … Dunkelrot verfärbt alles und ein Schmerz, der mich sicherlich mal 10 Oktaven höher singen liesse, könnte ich es …

Bald bin ich wieder soweit, dass ich mir den Heimweg zutraue … Da, wo ich bin, fährt grad mal kein Taxi und wie das halt so beim Joggen ist, schleppe ich nicht gerade meinen Geldbestand mit mir …
Und so laufe ich wieder nach Hause und beobachte, wir mir die entgegenkommenden Menschen immer schön auf die Knie schauen … Manchen reissen die Augen auch ganz weit auf und verhindern mit vorgehaltener Hand vor dem Mund einen Aufschrei des Entsetzens … Mir doch egal …
Ich grätsche in der Apotheke ein, die auf dem Nachhauseweg liegt und frage, ob sie mir helfen könnten, denn ich weiss gerade nicht so recht, ob ich Jod zum desinfizieren in der Hausapotheke habe. So säubern sie mir die Wunde, desinfizieren sie und versorgen sie notdürftig …

Jetzt ist Stunden später und mein Schleudertrauma macht sich bemerkbar. Jeder einzelne Knochen meines Körpers schmerzt … Den rechten Arm kann ich kaum heben, die Knie kaum beugen, wenn ich sitze …

Doch was soll’s … Verletzungen gehörten nun mal zum Hochleistungssport *hust-hust* dazu …

Gehabt euch wohl und ich verabschiede mich in die Joggingfreie Zeit.

Eure Jana

Montag, 28. Mai 2012

Die Luft ist raus ...


… „Geduld“ – ein Wort, welches in meinem Vokabular nicht existiert.



11.
24 – davon 16 in Buenos Aires und der Rest in Sao Paulo.

Ja, ich zähle Tage. Tage, die es noch braucht, bis ich wieder nach Hause komme. 455 Tage in der Ferne, die super schnell vergangen sind …
Surreal ist das alles.
Irgendwie ist der 01.04.2011 noch immer so present. Meine Freunde empfangen mich am Flughafen, sie verabschieden mich … Nicht nur mit guten Ratschlägen im Gepäck, nein, ein bisschen Schoki her, ein Dufwässerchen da, ein Armkettchen noch oder einfach nur eine Nachricht: Wir denken an Dich!

Freunde haben mich besucht, Freunde habe ich besucht. Alle haben mich begleitet – jeder auf seine Art und Weise – und haben mir den Aufenthalt in der Fremde erträglicher gestaltet … Das war fein. Das ist fein.

Viel habe ich erlebt. Viele Menschen habe ich getroffen. Viel habe ich gelernt. Viel gearbeitet habe ich auch. Viel gereist allerdings auch. Viel geweint. Viel gelacht. Viele Dinge gegessen, die ich nicht kannte. Viel Bier getrunken.
Es war von allem viel. Wie das Land, der Kontinent, auf dem ich zuweilen noch zu Hause bin.
So viel war es, dass ich wohl noch eine ganze Weile brauchen werde, um das auf die Reihe zu bekommen, zu verstehen, zu verinnerlichen, was da so passiert ist in 455 Tagen …

Dies ist allerdings nur eine Seite der Medaille … So viele Dinge ich erlebt habe, so viele Dinge habe ich aber auch nicht erlebt. All das, was zu Hause – also rund um die Casa passierte – habe ich nicht erlebt. Zumindest nicht live und nicht in Farbe. Ich konnte nicht die Freundin sein, die ich gewesen wäre, wäre ich zu Hause gewesen. Nur am Rande habe ich die kleinen und grossen Probleme des heimatlichen Alltags miterleben können.
Und gerade stimmt es mich wieder traurig, dass ich gerade jetzt nicht da sein kann für Menschen, für die ich gerne da wäre.

Tja, und jetzt „drückt“ jeder Tag … Die Vorfreude steigert sich ins Unermessliche … Jeden Tag ist’s ein Tag weniger … Jeden Tag rückt die Heimat wieder ein Stück näher.
Und einmal mehr befinde ich mich im Spagat. Die Vorfreude soll trotz allem die Zeit, die mir hier noch bleibt, nicht überschatten. Ich geniesse up tot he max, was sich mir hier noch bietet. Und genau damit setze ich alles, aber auch wirklich alles daran, dass mir der Abschied, trotz aller vorhandenen Vorfreude, mächtig schwerfallen wird.

Kurz aber heftig war’s in Buenos Aires … Und auch hier haben sich innerhalb dieser kurzen Zeit einige Menschen in mein Leben geschlichen, die ich vermissen werde, wenn ich erst mal wieder zu Hause bin …

Ach, es ist ein Kreuz … Immer ist irgendwas …

Gehabt euch wohl.
Eure Jana

PS: Jetzt entspann ich aber mal noch ein bisschen und geniesse die Tage mit der Freundin in Buenos Aires … So ein bisschen Heimat in der Ferne scheint ein guter Kompromiss zu sein :)

Mittwoch, 23. Mai 2012

Von Vertrauensverhältnissen ...


… und Offline-Verfügungen !


Es ist mal wieder soweit. Neues von der argentinischen Finanzfront. Der jüngste Kassensturz ergab, dass ich im Besitz mehrer Währungen bin, was mich allerdings noch immer daran hindert, den Grossteil meines Lebensunterhaltes hier am Ende der Welt zu bestreiten …

Die Krallen des Konsumrausches  hielten mich in den vergangen Wochen gefangen. Hier Bares, dort Wahres und am Ende ging doch alles auf die Karte. Vorzugsweise auf meine DKB Karte, bei welcher ich ja immer im Vorfeld Sorge tragen muss, dass genug Limit zum Verfügen vorhanden ist.

Meiner Fehlkalkulation und der Überweisungsfreudigkeit der Freundin sei Dank, konnte Schlimmeres verhindert werden und ich konnte die unbewusst verursachten Schulden bei der Freundin rechtzeitig wieder beheben. Alles im Lot. Ich schreibe schwarze Zahlen und kann ruhigen Gewissens weitere Kleininvestitionen planen.

So zum Beispiel letzten Samstag, als die Freundin und ich und bei „Buquebus“, der hiessigen Fähr- und Schifffahrtsgesellschaft, einfinden, um einen Kurztrip über den Rio Plata und das offene Meer nach Montevideo einzutüten. Termine gecheckt, Preise auch, kurze Besprechung und Abstimmung und dann sollte der Zahlvorgang getätigt werden. Ich reiche die prall gefüllte DKB Karte über den Schalter, halte schon voller Vorfreude den Kugelschreiber zum Signieren in der Hand, als mich der langhaarige Argentinier durch die Scheibe anschaut und mich trocken wissen lässt, dass meine Karte NICHT akzeptiert wurde !!!!

Hä? Wie jetzt????
Passt doch alles.
Die Situation überfordert mich und ich behelfe mir mal wieder mit der anderen Karte.
Bevor ich nun auch nur einen Fuss aus der Buquebus Station setze, hänge ich mich ans Telefon und ruf die DKB mal an.

Tach auch Herr Melzner. Ich hätte da gern mal ein Problem. Noch bevor der Herr M. auch nur eine Frage stellen kann, schleuder ich ihm die Kontonummer, die Telefon-PIN und dann noch zum Abgleich vollständigen Vor- und Nachnamen, die Rechnungsanschrift sowie das Geburtsdatum entgegen.  Eine Rückfrage bei Visa ist erforderlich und dann erfahre ich folgendes:

„Frau Z., bei der Zahlung an einem Offline-Automaten erfolgt eine Prüfung des Offline-Limits der Karte. Es wird quasi das Vertrauensverhältnis zwischen dem Offline-Automaten und der Kreditkarte geprüft. In ihrem Fall scheint das Vertrauen nicht gross genug zu sein.“
Aha, der Automat hat kein Vertrauen zu meiner Karte … Der sich auf der Karte befindende Geldbetrag, der mal lokker 100 Reisen nach Montevideo hätte decken können, zählt wohl nix, oder wie????
„Nein Frau Z., in diesem Fall wird das Guthaben auf der Karte nicht geprüft! Doch ich kann Ihnen nochmals bestätigen, dass die Karte nicht gesperrt ist.“

Vertrauen hin oder her … Schwätz deutsch mit mir und sag mir, ich hab auf der DKB keinen Kreditrahmen zur Verfügung. Das versteh ich, aber nix von Vertrauen zwischen Automat und Karte und überhaupt und so …

Sei es, wie es ist … Ich verfüge derzeit über einen extrem grossen Schnupf- und Halsweh-Kredit und wäre froh, wenn ich davon per Kartenzahlung einiges loswerden könnte …

Hatschi.

Eure Jana.