Montag, 30. Mai 2011

Einmal um die halbe Welt ...

… und auf dem Konto gar kein Geld !




So schaut's nämlich aus …
Die Pamela-Priscillas haben es natürlich nicht geschafft, die Reservierung auf der Kreditkarte zu löschen und somit habe ich mich mit anderem Fremdgeld über die Runden schlagen müssen … Doch das war das kleinere Übel …

Heute früh, kurz vorm Aufstehen, überprüfe ich, wie mir Freitags zuvor geheissen, das brasilienische Konto, möchte ich doch wissen, ob denn meine Miete inzwischen überwiesen wurde. Klar, ich weiss, dass eine Auslandsüberweisung einige Tage in Anspruch nehmen kann, doch nach 2,5 Wochen sollte das allerdings erledigt sein.
Ich navigiere mich durch's Brasilianische Programm – hab natürlich vorher das ganze schon mal zeigen lassen – und stelle fest, dass beim Guthaben noch immer eine satte „NULL“ blinkt.
Ganz grosses Kino denke ich nur … Und noch zwei Tage bis Zahltag …
Die Mail an N.B. ist gleich geschrieben und die Frage gestellt, wann denn das Geld kommt, denn …

… DENN ...
Was wäre das Leben, wenn nicht gleich alles zusammen käme?
Zeitgleich zum nicht vorhandenen Geld auf dem Brasilienkonto, verliere ich auch die deutsche SIM Karte. Dieser Umstand an sich ist gar nicht mal so tragisch. Tragisch ist nur, dass ich diese SIM Karte für das mobile TAN Verfahren bei jener Bank brauche, die auf meinem Geld sitzt. In meiner Not versuche ich eine andere Nummer zu aktivieren, doch das geht nur zum Teil, denn der Aktivierungscode wird mir erst per Post nach Hause geschickt.
Zu Hause ist aber niemand mehr und wenn der Nachsendeantrag dann funktioniert, dann bekommt die Tuti diesen Aktivierungscode. Am Donnerstag ist aber Feiertag in Deutschland und am Donnerstag fliegt die Tuti, vermutlich ohne den Code in der Tasche, dann schon zu mir nach Brasilenien.
So, da hab ich genug Geld auf der Bank, doch ich komm nicht dran.

Das andere Konto ist aber noch nicht wieder gefüllt, weil ja die Überweisung meines Gehaltes erst morgen erfolgt. Das ist schön und gut, doch für die Miete reicht's dennoch nicht, denn die Kreditkarte ist fällt und selbst wenn es reichen würde, innerhalb eines Tages krieg ich weder das eine, noch das andere, noch das ganz andere Konto gefüttert, noch krieg ich die Miete an den komischen Vermieter überwiesen …

Trapped …

Einen Versuch wage ich bei der blau-gelben Bank, allerdings schon in der leisen Vorahnung, dass der Anruf mich nicht weiterbringen wird.
Ich rufe die Servicenummer für aus dem Ausland an und schon meldet sich Alexander. Alexander stutzt, als ich ihn mittags um 2 mit einem „frühlichen“ Guten MORGEN!!! begrüsse, doch bald schon weiss er bescheid.
Ich erkläre mein Dilemma und klimper ein wenig mit den Wimpern (kann er zwar nicht sehen, aber vielleicht „hört“ er es ja) und nach gut und gerne 10 Minuten stellt er die allererste Frage: „Frau Zezelj, wie lautet denn ihre Telefon-PIN?“
Sack und Asche, wie lautet die nur? Ich passe.
„Können Sie faxen?“, so die zweite Frage von Alex.
Nöööö, faxen kann ich auch nicht … Ich sehe schon alle Hoffnung schwinden …
„Haben Sie denn die Möglichkeit zu scannen?“, so die Telefon-Joker-Frage.
JA. Scannen kann ich.
Und so schreibe ich eigenhändig die Bitte nach der Nummern-Aktivierung, nehme Bezug auf das Konto und schreibe neben dem vollständigen Namen, noch Geburtstag, Schuhgrösse, Augen- und Haarfarbe auf (sicher, ist sicher).
Zum Schluss leiste ich noch eine Unterschrift und hoffe, dass Alex mich als die identifizieren kann, die ich wirklich bin …
Kurze Zeit später schickt mir Alexander ein virtuelles „Daumen hoch“.
Wenigstens etwas klappt mal auf dem kleinen Dienstweg.

Mal sehen, wie ich dann morgen die Mietkuh vom Eis krieg …
Doch meine Laune kann nichts trüben, denn am Freitag kommt Tuti, die mir heute schon zwei mal ihre Reiseunterlagen geschickt hat, damit ich sie am Freitag morgen um 0525 (!!!) nicht vergesse abzuholen …
Dann heisst es, ein wenig relaxen in Sao Paulo und am Sonntag dann gemeinsam in den Flieger steigen …

Über den Wolken ...

Gehabt euch wohl,
Eure Jana

Sonntag, 29. Mai 2011

Samstag, 28. Mai 2011

Zeit für Gefühle ...


… Robinson in Sao Paulo !



Die Woche war hart.
Neben all den Wurzelbehandlungen, Schmerzen, schlaflosen Nächten, uneinsichtigen Pamelas und gesperrten Kreditkarten gibt es doch auch Schönes aus dem Flip-Flop Land zu berichten.

Total erledigt und mit schiefem Mund komme ich zu Hause an. Die Betäubung ist noch voll funktionsfähig, als ich mich darin versuche, mein Guarana – welches sich zu meinem absoluten Lieblingsgetränk gemausert hat – irgendwie zu trinken, ohne dass 90 % der guten Flüssigkeit aus den Mundwinkeln wieder rauslaufen. Mehr schlecht als recht gelingt es mir, als dann auch noch das Telefon klingelt. Stimmt ja, ich hab ja ein Festnetztelefon und die Nummer hab ich ja schliesslich auch weiter gegeben … Ich melde mich und Aalen ist dran … Alles ist sehr leise, kein Wunder, ist ja auch weit weg, und so beschliessen wir, uns bei einem Skyponat auch noch in die Augen zu sehen …

Bevor ich allerdings mit Gundula am Telefonieren war, habe ich mit Alex mal geklärt, ob er denn jemanden hat für die FestivAlma 2011 im Parque do Ibirapuera hat mobilisieren können … Er verneint und ich berichte von meinem Tretamento beim Doc … Wir lassen alles offen und ich mach die Planung des weiteren Abends vom Nachlassen der Spritze und den ggf. folgenden Schmerzen abhängig.

Während ich mit Gundula telefoniere und ihr von meinen Sorgen und Nöten, aber auch von den schönen Seiten des Lebens berichte, überlege ich heimlich still und leise, ob ich denn mit zu diesem Konzert gehen soll. Direkt nach dem Telefonat ist die Entscheidung gefallen.
Ein Taxi ist schnell herbeigewunken, die Richtung ist klar, nur wir haben keine Eintrittskarten. Abendkasse ist nicht und keiner von uns beiden hatte Zeit, sich um die Karten vorher zu kümmern.
Wollen doch mal sehen, was der Schwarzmarkt hergibt …

Mit fliessend gebrochenem Portugiesisch fragen wir uns durch die Reihen und kurz vor knapp finden sich dann auch 2 Herren, die je eine Karte an den Mann resp. die Frau zu bringen haben. Glück haben wir allerdings auch, denn wir zahlen nur 10 R$ mehr, als wir im Vorverkauf hätten zahlen müssen …
Innen drinnen ist es ganz schön voll. Sörfer, die nun als Skater unterwegs sind oder umgekehrt oder doch beides, wo immer man auch hinriecht, es riecht wie in einem Amsterdammer Coffee-Shop und die glasigen Augen um uns herum sind trotz gemunkelter Dunkelheit zu erkennen ;-) Ja nu, jedem das Seine …
Donavon allerdings trällert schon mächtig und die Stimmung ist gut …
Nach ganz arg wenigen Minuten ist es jedoch so heiß, dass uns der Schweiss ohne übriges Zutun von ganz allein von der Stirn rinnt … Wir drohen zu dehydrieren und machen uns auf die Suche nach dem nächsten Bierstand …

Jetzt könnte man so ne grosse Sörferwelle gebrauchen. Nur ein Schwapp und schon ist man dort. Stattdessen schlängeln wir uns durch die Menschenmassen und finden nun endlich auch den Stand der das heissersehnte kalte Bier beherbert. Doch leider ist dem nicht so, denn erst mal müssen wir Bons kaufen, damit wir 4,5 km weiter dann endlich das Bier bekommen.
Ein harter Kampf beginnt, denn rund um die Kühlboxen stehen sie schon Schlange und die Herrschaften, die das kühle Blonde weiterreichen sollen, haben alle Hände voll zu tun. Doch ich schaff das ! Tschakka …
10 min. später stossen Alex und ich an und reden über dies das und jenes und wippen im Takt mit.

Donavon singt vermutlich gerade das letzte Stück und wir begeben uns schon mal auf den Weg zum Ausgang … Wieder ist das Taxi schnell herbeigerufen und wir fahren nach Hause.
Mann, das war gut. Das war richtig, richtig gut …

Heute war allerdings auch so ein toller Tag …
Ruck Zuck war der Tag mit Dani festgemacht. Wir gehen Shoe-Shopping … Irgendwo, wo es viele, viele Schuhe an einem Ort gibt. Ich sage, ich fahre, damit ich das übe und so starten wir heute früh, mit pünktlicher 40minütiger Verspätung zum Shoe-Shopping … Um 13 h sind wir wieder zurück in der Stadt – im Gepäck insgesamt 9 Paar Schuhe … Keine schlechte Ausbeute, wenn man bedenkt, dass mir allein 5 Paar gehören.
Unsere Tour setzen wir – allerdings unter dem Vorwand im Shopping Morumbi zu Mittag zu essen – fort. Ich stelle recht schnell fest, ich sollte es unterlassen, mit mit Einheimischen auf solche Touren zu begeben. Die kennen sich einfach aus und wissen, wo man die Wirtschaft richtig gut ankurbeln kann …
Beruhigt bin ich nur, da Dani immer kräftig mitmacht … Sie steht mir in nichts nach und so probieren wir hier und dort und überhaupt sind die Tüten mit denen wir die Läden verlassen so richtig edel …
Hier ist es üblich, dass man das Eingekaufte dann auch noch an den Ausgang getragen bekommt.

Gegen 1530 haben wir endlich genug Hunger und auch Zeit, um uns dem Lunch zu widmen. All das ist ziemlich anstrengend.
Wieder zurück im Revier, lädt sie mich zu sich nach Hause ein und wir reden noch über dies das und jenes und schon mach ich mich auf den Weg nach Hause …

Im neuen Heim angekommen, packe ich selbstverständlich die Tüten aus und begutachte all das, was ich so habe erstehen können … Meine Herren, das sieht aber auch alles fein aus … ;-)

Und jetzt warte ich darauf, dass ich abgeholt werde, denn heute abend wollen wir ins Kino … Welchen Film wir uns allerdings ansehen werden, weiss ich noch nicht, doch auch das werden wir noch sehen …

In diesem Sinne, gehabt Euch wohl,

Eure Jana

Freitag, 27. Mai 2011

Die andere Seite ...


… der Medaille !



Auch am anderen Ende der Welt ist nicht immer alles Gold was glänzt. Auch hier gibt es die ganz üblen, ganz miesen Tage. Jene, die man auch auf dieser Seite der Erdhalbkugel aus dem brasilienischen Kalender streichen möchte.
Ja genau, so schaut's nämlich aus.

Mein persönlicher Kalender weist schon einige dieser „ich-würde-dich-gerne-aus-meinem-Leben-streichen-wollen“-Tage auf, doch damit habe ich euch bislang verschont bzw. verschonen können. Doch wie heisst es so schön: Steter Tropfen ölt den Stein und so passiert es heute, dass mein Fässlein überläuft …

Die Sache an sich ist ja gar nicht so gross, doch das muss sie auch nicht immer sein, oder? Gerade die kleinen Dinge werfen einen komplett aus der Bahn … Und nun kummuliere ich all jende Dinge der letzten Tage und das Ergebnis habe ich heute …
Da waren zunächst die Zahnschmerzen … Übel waren die. Der ganze Kopf tat weh und nach insgesamt 5 Behandlungsstunden brummt mir der Schädel noch immer, der Unterkiefer tut weh und kauen kann ich noch immer nicht richtig. Ein kleiner Trost ist, dass ich zumindest jetzt Zahnschmerzfrei bin, jedoch der Kopf wohl noch eine kleine Weile braucht.

Dann heute ein Anruf, der mich ein klein wenig aus der Bahn schleudert. Das hätte nun wirklich nicht sein müssen und mein Telefon zeigt nur eine verschlüsselte Nummer an … Zu spät, es war nun schon geschehen und so telefoniere ich und versuche ruhig zu bleiben … Es gelingt mir auch und nach einer kurzen Weile ist auch das dann beendet … Innerlich bin ich allerdings schon ein wenig aufgewühlt, versuche jedoch, mir nichts anmerken zu lassen.

In der Wohnung findet sich eine Dusche, auf welcher kein Druck ist und ein Waschbecken, welches leckt … Wasser rinnt die Wand entlang und ich warte auf die Terminbestätigung des Vermieters. Auch das hat mir jetzt noch gefehlt, hatte ich nicht zu Hause schon die Sache mit einem undichten Badezimmer und nassen Wänden und Decken? Nö, bis ans andere Ende der Welt muss mich nun auch das noch verfolgen … Gut, wenn ich bis hierhin gekommen, dann geht’s auch noch weiter. Wär doch gelacht, wenn wir nicht auch das noch gelöst bekämen …

So, und dann funktioniert die Kreditkarte nicht mehr. Gerade hatte ich noch bezahlt und jetzt geht’s nicht mehr … Verschiedene Möglichkeiten ziehe ich in Betracht und diagnostiziere, dass es vermutlich daran liegt, dass ich meinen täglichen Verfügungsrahmen im Anflug einer spontanen Kaufwut völlig überstrapaziert habe. Bevor ich dies jedoch unterschreibe, überprüfe ich den Kontostand … Sack und Asche, da ist noch mehr drauf, als ich vermutet habe und ärgere mich ob der Tatsache, dass ich mehr hätte konsumieren können, hätte die Karte genau dieses Mehr hergegeben.
Und so trete ich zum ultimativen Kontenvergleich mit der Bank, deren Namen ich hier nun nicht möchte, an. Guten Tag. Guten Tag. Ich hätte da gerne mal ein Problem. Meine Karte ist kaputt. Da ist Geld drauf, aber ich darf es nicht ausgeben.
Nachdem ich von A nach B und von F nach K gereicht werde, erfahre ich nach einer gefühlten Ewigkeit, dass ich am 18.05. (!!!) mit der Karte Geld abheben wollte, ich dieses jedoch nicht ausgezahlt bekam, die Bank aber, der der ATM gehört, eine Reservierung auf den Betrag setzte, den ich abheben wollte. Diese Reservierung reduziert virtuell den aktuellen Verfügungsrahmen und setzt mich somit, ohne dass es für mich ersichtlich ist (der Online Kontoauszug zeigt den tatsächlichen Stand) in ein sattes MINUS !!!
Verdammt. Ich hab Geld und hab doch keins …
Und die Reservierung kann nur von Pamela, die eigentlich Priscilla heisst, gelöscht werden.

Ich wage das schier Unmögliche und rufe die brasilienische Bank an und verlange nach einer der vorgenannten Damen. In fliessend gebrochenem Portugiesisch erkläre ich, was ich so habe in Erfahrung bringen können und bitte um Löschung der Reservierung, damit ich morgen Schuhe kaufen gehen kann (jetzt, da ich mich endlich mal habe durchringen können, mir auch mal 25,3 cm Absatzschuhe zu kaufen). Mein Kollege, der am Schreibtisch neben mir sitzt, zeigt immer mal wieder „Daumen hoch“, dass das, was ich da so von mir gebe, durchaus verständlich zu sein scheint.
Man will mich zurückrufen, was auch nach einigen Stunden geschieht. Fakt ist nur, dass keiner verstanden hat, um was es geht. Nachdem jeder von uns in weiteren 3 Telefonaten seinen Standpunkt klar gemacht hat und sich Pamela und Priscilla immer Wechsel meldeten, mach Pam den Abschluss. Wir erklären uns nochmal alles und nachdem ich sie bestimmt 5 mal gebeten habe, doch etwas langsamer zu sprechen, da ich sie nicht verstehen könne, gehen dann doch sämtliche Gäule mit mir durch. Sie ignoriert meine Bitte einfach und müllt mich mit ihrem Bank-Brasilianisch zu.
Ich kann nicht anders und entgegne ihr sehr bestimmt in English und lass sie wissen, dass auch ich anders kann und dass ich ganz und gar nicht lustig finde, dass ich mir hier was abmühe, nur um den Sachverhalt in P darzustellen und sie hielt es noch nicht mal für nötig, etwas langsamer zu sprechen.
Mein Monolog dauert fast genauso lange, wir ihr vorheriger und am Ende sagt sie nur, sie hätte nichts verstanden.
So, dann weiss sie ja, wie es mir die ganze Zeit mit ihr ging.

Lange Rede kurz.
Die Reservierung ist noch immer drin, ich krieg bis zum 01.06. mit dieser Karte keine Kohle und ansonsten kann mir auch keiner mehr helfen …

Ich ärgere mich und bin froh, dass mir ein deutscher Kollege nach Feierabend begegnet und wir ein Stück gemeinsam gehen können. Wir kotzen uns gelegentlich beim Mittagessen mal aus und so ist er heute mein Entfruster und ich echauffiere mich über die Rücksichtslosigkeit der Dame bei der Bank und drehe ein noch grösseres Rad, denn ich ärgere mich schon lange darüber, dass auf dem Gehweg andere Passanten keinen Platz machen, sondern regelmässig in mich reinlaufen oder dass an Bushaltestellen die Traube an Menschen so steht, dass man nicht vorbei kommt oder oder oder …
Eine kleine Million solcher Dinge könnte ich aufzählen …

Und dann macht mir am Ende die Frau im Kosmetiksalon noch weh, zu Hause isses kalt und die Stadt ist laut, laut und einfach nur laut …Heute mag ich Sao Paulo ganz und gar nicht leiden …
Überhaupt gar nicht.
Ich will nach Hause. In die Casa …

Doch bevor ich nun dahin gehe, geh ich erst mal schlafen, in der Hoffnung, dass der morgige Tag etwas besser wird …

Gehabt euch wohl,
Eure Jana

PS: Und zu allem Elend ist Javier nicht da ...

Frau Zezelj ...


… wissen Sie, was ein Kofferdam ist?



Und so hat es mir doch rein gar nichts gebracht, vor dem Weggang aus D noch beim Zahnarzt meines Vertrauens vorstellig geworden zu sein … Vor 2,5 Monaten war alles noch in bester Ordnung und jetzt, 2,5 Monate später schaut die Sachlage ganz anders aus …
Der Zahn.
Er schmerzte schon seit geraumer Zeit, doch immer wieder im Hinterkopf der gleiche Gedanke: Was von alleine kommen kann, geht vielleicht auch wieder von allein … Doch nicht so die Pein im Zahn … Es wird von Tag zu Tag schlimmer, teilweise wache ich nachts auf, weil der Schmerz nicht schlafen lässt …

Nun, die IHK in Brasilenien gibt ja nicht umsonst ein „Willkommen in Brasilien“ Büchlein raus, in welchem es von deutschsprachigen Ärzten nur so wimmelt. Und so suche ich mir meinen Zahnarzt nach dem Strassennamen aus. Warum? Weil ich anhand des Strassennamens inzwischen weiss, wie nah oder weit er ist … Avenida Nove de Julho … Da war ich schon … Die Strasse kenne ich … Und so rufen wir dort an und vereinbaren einen Termin. Sylvia und Jürgen. So die Namen der Dentisten. Mit Jürgen spreche ich, erkläre ihm was der Zahn macht und er erklärt mir im Umkehrschluss, dass er sich mit der Abrechnung mit der Krankenkasse schon gut auskennt, da diverse meiner Kollegen dort schon vorstellig waren …
Allerliebst. Irgendwie hab ich das Gefühl, den Richtigen ausfindig gemacht zu haben.

Und so werde ich am kommenden Dienstag schon vor dem Aufstehen vor schier unlösbare Aufgaben gestellt. Den Termin hab ich absichtlich auf ganz früh gelegt, damit ich dem Verkehr entfliehen kann. Als ich jedoch los will, fällt mir ein, dass ich ja Dienstags nicht fahren darf … Nicht zwischen 0700 und 1000 und nicht zwischen 1700 und 2000. Was mach ich denn dann mit dem Auto beim Zahnarzt, wenn wir vor 1000 fertig werden? Ja nix. Und so komme ich nicht umhin, mir ein Taxi zu bestellen.
Mein erstes brasilienisches Taxi-Bestell-Telefonat.
Dass es geklappt hat, erkenne ich daran, dass ich tatsächlich angerufen werde, als der Fahrer da ist …

Herr und Frau Doktor begrüssen mich freundlich und schon erklärt Herr Doktor, was er vor hat und was wir tun werden. Kaum ist's ausgesprochen, zückt er auch schon der Jana liebstes Instrument: Die Spritze. Erst wenn die wirkt, kann er tun und lassen was er will … Da kann er sich nach Herzenslust an den Zähnen austoben … Die Wurzelbehandlung, oder wieder Brasiliener sagt: Tretamento de canal, ist unausweichlich. Hier wird gebohrt, dort gefeilt, dann wieder gebohrt und ich fiepe hin und wieder laut auf, weil durch den vorherrschenden Entzündungsherd das Anästhetikum nicht richtig wirken kann. Herr Doktor sieht von selbst, kommentiert fachmännisch, betäubt nach und fragt immer wieder, ob alles in Ordnung ist … Meine fachmännischen Grunzlaute geben ihm zu verstehen, dass alles „tudo“ ist und er setzt seine Arbeit weiter fort.

Er unterbricht, wie sich das für einen ordentlichen Dentisten gehört, sein Tagwerk, indem er das Innere des Zahns mit Medizin versorgt und diesen provisorisch verschliesst. Ruhen soll der Kamerad bis zum nächsten Donnerstag … (jedoch nicht heute).
Geruht hat der Zahn nicht. Die Schmerzen wurden heftiger. So heftig, dass ich des nachts bitterlich weinen musste. Doch auch heute wieder der leise Wunsch danach, dass das, was von alleine kommen kann, auch von alleine wieder geht …
Der Kaffee am Nachmittag sorgt für den Rest.
Sylvia bestätigt den Termin und schon geht’s los … 1600 und ich kann kommen …

Jürgen und verstehen uns ganz ohne Worte und da es in Brasilenien so üblich ist, dass man so gleich auf Du und Du ist, beschliessen der Doktor und ich, dass wir das nun auch tun … Und so erzähle ich Jürgen, wie es sich die letzten Tage so gelebt hat mit dem Zahn und erzählt mir, was er denn gedenkt zu tun …

Und dann wurde er um, auf und über den Zahn gespannt, der Kofferdam, von dem ich ja schon wusste, was er ist … Jürgen bohrt, feilt, tut und macht und mir bleibt fast die Spucke weg, als ich sehe, was er so an Narkosezeug in und um den Zahn haut … Das Ding ist mal wieder nicht zu betäuben …
Nach geschlagenen 2 Stunden sind wir fertig … Der Zahn ist wieder versorgt, die Wurzeln bis in die Spitzen behandelt und jetzt mal sehen, was der Wundschmerz so hergibt …

Nächste Woche Donnerstag bin ich dann wieder bei Jürgen und dann machen wir hoffentlich den Sack zu …
Tja, da ja nun die schlimmste all meiner Befürchtungen eingetreten ist: Zahnpein am Ende der Welt, ich diese Klippe nun hoffentlich gut umschifft hab, muss weiter auch nichts mehr kommen …
Einen zweiten „René“ will ich mir hier nicht suchen müssen …

Fazit: Die Zahnpein ist weg, ich fühle wieder und jetzt geh ich erst mal schlafen …

Gehabt euch wohl und wohler!

Eure Jana

PS: Ich hab schon wieder Neues zu berichten ...

Montag, 23. Mai 2011

Camp Life ...

… Neben dem Wohnen lebe ich nun auch wieder !


So.
Es ist genau 1959 und ich hab es mir auf dem Sofa (es ist wirklich selten schön) gemütlich gemacht. Feierabend fühlt sich schon irgendwie gut an, wenn man ordentlich nach Hause kommen kann. Allzuweit von der fast perfekten Gemütlichkeit scheine ich nicht mehr entfernt zu sein, doch alles zu seiner Zeit. Erst einmal bin ich froh, dass man mich im Condo erkennt, mir die Tür immer schön geöffnet wird und der Herr, der die Garageneinfahrt betreut begrüsst mich auch immer schön auf Spanisch, seit er weiss, dass mein Portugiesisch nicht wirklich perfekt ist.

So.
Meinen innigen Wunsch nach selbstgemachter Hausarbeit habe ich mir somit am gestrigen Sonntag erfüllt. Es ist unglaublich, wie gut sich das doch anfühlt, den Staubsauger über's Parkett zu wirbeln, mit dem Staublappen über die selten schönen Möbel zu gleiten oder aber das Geschirr eigenhändig zu spülen und auch abzutrocknen … Allerfeinst kann ich nur sagen …
Während ich so vor mich hinputze läuft laute Musik – was kümmern mich die Nachbarn – singe mit und irgendwie tut das schöne Wetter alles Übrige dazu …
Schön ist, dass man hier die Möglichkeit hat, zu jeder Tages- und Nachtzeit einkaufen gehen zu können und so werfe ich mich nach getaner Arbeit in Schale, schnappe mir meinen kleinen GM und fahre zum Supermercado. Viele lekkere Dinge erstehe ich. Mango. Seit ich hier bin stehe ich total auf Mango. Mango ist meine Frucht und inzwischen habe ich das Zerkleinern selbiger so perfektioniert, dass das Ratz-Fatz geht. Und seit ich am vergangenen Samstag auf dem Mercadao war (dazu später mehr), gibt es noch ganz viele andere exotische Früchte, die seit Neustem bei mir Einzug gehalten haben.

So.
Ich komme an.
Ein kleines, aber feines, gut funktionierendes soziales Netzwerk hab ich mir inzwischen aufgebaut. Das ist gut, denn so ist immer irgendwas los. Immer ruft irgendwer an. Immer hat man was zu tun und immer hat man die gleichen Probleme, dass man sich nicht aufteilen kann …
Doch so ist das nun mal und schliesslich ist es so besser, als anders.

So.
Und so war ich am Samstag mit einem Teil des gut funktionierenden sozialen Netzwerks den ganzen Tag auf Erkundungstour. Der ein oder andere „geneigte Leser“ wird sich bereits die Fotos, des gestrigen Events angeschaut haben und weiss somit, dass ich mich vom Frühstück in der Markthalle, über den Park bis hin zum Feijoda-Essen durch die brasilianische Galaxie geschlagen habe.
Um 0830 – pünktliche 30minütige Verspätung – starten wir in Richtung Mercadao im Herzen der Stadt. Traditionell – mit einem Mortadella-Sandwich wollen wir in den Tag starten und so schlagen wir uns den Weg frei durch die Marktstände. Recht schnell ist die beste Sandwich-Location gefunden und die brasilianische Gemeinde empfiehlt uns „Gringos“ entweder das legendäre Mortadella-Sandwich oder aber Pastel Bachalhau. Für mich ist weder das eine noch das andere was und so entschliesse ich mich für ein Pastel Carne do Sol (gesalzenes Trockenfleisch). Sehr lekker war das und da sich die Einheimischen auskennen, gab es dazu statt Kaffee, ein gut gekühltes Bier ;-)
Soviel zum „Café da manha“ (Frühstück).

Mit vollem Magen begeben wir uns ins Marktgetümmel. Das Obst ist wunderschön auf den Tischen angerichtet. Alles super frisch, super bunt und super gut duftend und überall kann man all diese exotischen Früchte probieren. Ich fühle mich wie im Paradies … Endlich habe ich Gelegenheit, all das zu probieren, was ich mich bisher nicht zu kaufen wagte oder aber nicht kaufte, weil ich nicht wusste, wie man es aufmacht, aufschneidet oder überhaupt isst. Jetzt war der Tag der Wahrheit gekommen und ich komm aus dem Staunen nicht mehr raus … Die Namen all jener Früchte habe ich inzwischen vergessen, doch kann ich noch immer nach Aussehen der Frucht entscheiden, wie diese zu öffnen und vor allem zu essen ist … Nach der 10. Frucht bin ich wohl bei ein Reizüberflutung meiner Geschmacksnerven angelangt und verlange nach einer kurzen Pause. Es fällt jedoch schwer zu widerstehen und so begeben wir uns, bevor uns weiteren Köstlichkeiten widmen, in die Fleisch- und Fisch Sektion des Marktes … Hier kann man wenigstens nichts probieren, doch man kann sich teilweise noch zuckende Tiere anschauen …

Das Ende des Marktes bildet für mich der Kauf übergrosser, super-lekkerer Cashew-Kerne (Caju). Ihr werdet es nicht glauben, doch seit ich hier bin, habe ich eine solche Lust auf Cashews, dass ich das gar nicht beschreiben kann. Und das Zeug ist im Laden sooooo teuer, dass mich wirklich der Preis vom Kauf abgehalten hat. Eine kleine Dose gemischter Nüsse, nicht mehr als 150 g, kostet ungelogen knappe 10 Euro !!!! Nein, das geht gar nicht !!! Und so übe ich mich in Enthaltsamkeit … Doch damit ist's vorbei, als ich diese Caju dort liegen sehe. Ich darf probieren und entscheide mich für jene, die mir am besten schmecken und nehme mir direkt ein halbes Kilo für ca. 10 EUR mit … Das nenn ich mal ein Schnäppchen. Am Abend ist allerdings kaum noch was übrig, da wir zu 6. unterwegs waren und bis da jeder mal reingelangt hat, war die Tüte auch schon fast leer …
Macht nix, ich komm da wieder hin … ;-)

So.
Der Besuch auf dem Markt ist beendet und wir begeben uns in Richtung „Horto Florestal“ - ein Park in der „Serra da Cantareira“. Die Gebirgskette befindet sich im Norden der Stadt und hier gibt es noch grosse Bestände der ursprünglichen atlantischen Regenwald Vegetation …
Wir erkunden den Park und finden neben Wasserschildkröten und Capybaras (Danke, Coco), die aussehen, wie Riesenratten (man sagte mir, es sei wohl auch eine Art Ratte). Affen haben wir leider keine mehr sehen können, denn dazu waren wir viel zu spät dran.
Es ist schön zu wissen, dass Sao Paulo neben dem Betonüberschuss auch noch eine sehr viel schönere, grüne, Seite hat.

So.
Und den Abschluss an diesem perfekten Samstag macht dann der Besuch eines sehr antiken, ursprünglichen Restaurants, in welchem wir uns gegen 1430 zum Feijoada-Essen einfinden. Wir sitzen, essen, trinken, erzählen, lachen und geniessen einfach nur …
Gegen 1900 bin ich dann auch wieder in meiner neuen Casa angekommen und ruhe erst mal ein wenig.

So.
Neue Freunde, neue Verpflichtungen und wieder voller Terminkalender … Für den Samstag abend stand dann noch eine Geburtstagsparty an …
Ich war zwar stehend KO, doch da ich bereits zusagte, ich würde kommen, habe ich mich dann doch noch in den Paulistanischen Verkehr begeben. Nachdem ich das Fahren inzwischen am Wochenende zur Tageszeit recht gut im Griff habe, war am Samstag dann der Tag bzw. Abend gekommen, an welchem ich mich ganz allein mit meinem GM Corsa und dem GPS durch die Stadt navigieren musste. Zugegeben, ein wenig blümerant war mir schon zumute, doch alles Jammern nutzt nichts – da musste ich durch … Es wird ja nicht immer jemand da sein, der mich durch die Gegend fährt …
Und so starte ich das Abenteuer …
Damit ich so kleine Idee habe, wohin ich überhaupt muss, schau ich mir das ganze mal im Google Maps an. So ungefähr weiss ich, wo's lang geht, verlass mich dennoch erst mal auf's Navi und das schlägt direkt an der Haustür eine ganz andere Route ein … Na gut, ich versuch's und dann kommt's, wie es kommen muss: Ich verfahre mich. Nehme im Tunnel die falsche Ausfahrt, es ist dunkel, ich weiss nun gar nicht mehr wo ich bin und das GPS rekalkuliert die Route … Na super … Zum Glück hab ich Daniel informiert, denn den kann ich anrufen, wenn ich wirklich verloren gehen sollte … Doch noch hab ich alles im Griff … und nach gefühlten 20 km Umweg und 10 Stunden später komm ich dann endlich im Pub an und freu mich, dass auch diese Hürde allein genommen habe …

Allerdings halte ich nicht so lange durch und mach mich 2 Stunden später, als die anderen noch in einen Club aufbrechen, auf den Weg nach Hause. Diesmal halte ich mich an meine Route, ungeachtet dessen, was das GPS empfiehlt und finde mich wenige Minuten später in meiner Tiefgarage wieder ein und liege kurze Zeit später auch schon im Bett und schlafe meinen Schlaf der Gerechten …

So.
Sonntag. Kaffee. Weltweit. Eine kurze Mail ins SWR3 Studio, ich werde angerufen und einmal mehr bin ich im Radio zu hören …
Und mein WE lass ich mit Henrique in Vila Madalena bei einem lekkeren Caipi ausklingen …

So.
Und morgen ist schon Dienstag und ich hab eine Verabredung mit meinem neuen Zahnarzt, denn mein Zahn tut weh … Und zwar so weh, dass ich das nicht mehr länger anstehen lassen kann. Auch hier ist mir blümerant, doch es wird schon schief gehen … Wenn unser Vice President zum Dr. Jürgen gehen kann, dann kann ich das auch …
Ich werde es euch wissen lassen …

Gehabt euch wohl und passt auf euch auf.

Eure Jana

PS: Viagra ist grün in Brasilien :D

Dienstag, 17. Mai 2011

Umzug. Einzug. Durchzug.

Einzug. Umzug. Durchzug.

Und ich versteh’ nur Bahnhof.
Dem Hotel habe ich gestern früh den Rücken gekehrt. Endlich!
Nach 6 Wochen wurde es aber auch wirklich mal Zeit dafür.
Jetzt bin ich eingezogen in mein neues Domizil. Fremd isses noch und ziemlich ungewohnt.
Doch Wäsche gewaschen hab ich schon … Und putzen werde ich heute auch … Wenn man eben nicht alles selber macht … Ich muss selbst Hand angelegt haben, damit ich weiss, dass es gut ist … Doch erst mal eins nach dem anderen …

Gestern bin ich also mit meinem letzten Koffer im Hotel ausgezogen. Mein kleines Autolein habe ich in Empfang genommen. Es ist ein Chevrolet – Celta. Oder zu Deutsch: ein Opel Astra ;-) Das Leben ist doch auch in SP um einiges einfacher, hat man einen fahrbaren Untersatz.
Man kennt mich schon in meinem neuen Umfeld … „The crazy portunol speaking Croatian“.
Im Condo muss ich nun auch noch den Wagen anmelden. Fein, denn Christina und ich verstehen uns super gut … Und vor allem haben wir das mit dem „Jetinho Brasileiro“ super gut drauf. Wir finden Wege, wo gar keine zu sein scheinen. Und schlussendlich wundere ich mich, dass ich es schaffe, Daniel’s Wagen registrieren zu lassen, denn der wollte bereits gestern zur Einweihung vorbei kommen, was zu Essen und Trinken mitbringen und mit mir auf den Einzug anstossen …

Als der bürokratische Part erledigt ist, begebe ich mich auf den Weg in die Wohnung. Es riecht noch nicht nach mir. Es riecht fremd und ich mag den Geruch ganz und gar nicht. Ich sprühe mit Deo in der Gegend rum, doch all das ist nur von kurzer Dauer … Fenster aufmachen ist auch nix, denn es ist kalt geworden im Flip-Flop Land. So kalt, dass ich kalte Hände hatte und mir sogar meine dicke Flauschweste hab rausholen müssen.
Bis Daniel kommt, will ich es mir gemütlich machen. Das Sofa riecht komisch … Und so beschliesse ich, zunächst noch mal eine Einkaufsliste zu schreiben, mit all den Dingen, die ich noch benötige, um mich ordentlich heimisch zu fühlen …
Im Schlafzimmer ist’s fein … Das Bett frisch bezogen, im Bad stehen meine Utensilien … und in der Wäschekammer riecht es auch nach Frisch-Gewaschen …

Und so sage ich die Flamenco-Stunde heute ab, da ich mich um die wichtigen Dinge kümmern muss. Einkaufen muss ich heute auch noch … Ausser Wasser, 24 Dosen Guarana Zero und super lekkere Strawberry-Cheesecake-Kekse gibt’s nichts in im Kühlschrank. Doch das Einkaufen kann ich erst nach 2000 erledigen, denn ich darf ja nicht immer so mit dem Auto fahren, wie ich das von zu Hause gewohnt bin … Die Abermillionen Autos brauchen Platz und damit andere Platz haben, darf ich, denn ich hab die Endnummer 4, am „Dritten Tag“ – sprich heute – von 0700 bis 1000 und von 1700 bis 2000 nicht fahren. Danach geht’s dann wieder … Und so werde ich putzen und alles in Ordnung bringen, bevor ich dann den Rest erledigen gehe.

Schlecht geschlafen habe ich im übrigen auch … Das Bett, daran muss ich mich erst gewöhnen … und kalt war mir dann auch noch … Dummerweise hab ich noch nicht mal nen Schlafanzug mitgenommen … Und das Shirt, welches zum Schlafen geeignet gewesen wäre, war noch nicht trocken …
Jetzt muss ich erst mal wieder ankommen, dann passt alles wieder …

Was ich allerdings schon feststellen konnte, meine Nachbarn sind hübsch … :-) Im 4. wohnt Rodrigo, der hat mir sogar schon geholfen, Koffer zu tragen, im 15. einer, der neue warme Winterdecken gekauft hat ;-) und im 26. Fernando, den ich bereits bei der Policia Federal kennenlernte und der sich schon gut in Nachbarschaftshilfe versteht, denn gestern abend kam er kurz vorbei, um mich als neue Nachbarin willkommen zu heissen.

Ich bin weiterhin sehr gespannt, was noch so alles passieren und auf mich zukommen wird …
Bis dahin gehab ich mich heute mal wohl und hoffe, dass ich ab Donnerstag dann auch in meinem „Flätschi“ dann „Internetschi“ hab …

Bis die Tage mal wieder,
Eure Jana

PS: Mir fehlen noch die Schuhgrössen von Vonne und Susanne …

Sonntag, 15. Mai 2011

Bevor ich es vergesse ...

… schreibe ich die Sache mit dem Zwischenstand dann doch mal auf.



Nun ist es dann doch endlich soweit. Nach vielen Irrungen und Wirrungen kann ich endlich in die Wohnung einziehen bzw. ich bin schon ein klein wenig eingezogen … Doch erst mal eins nach dem anderen …

Nachdem die Sache am Mittwoch bereits hätte über die Bühne gehen sollen, zog es sich doch noch bis Freitag. Und genau da ging dann die Hektik wieder los, denn nach jedem meiner Anrufe hiess es, ich würde ich 10 Minuten zurückgerufen werden. Ich sag euch, ich hatte die Schnauze gestrichen voll von diesen nie enden wollenden brasilanischen 10 Minuten. Gegen 1640 erfahre ich dann, dass nun endlich doch alle Unterschriften geleistet und auch beglaubigt seien und wir uns dann noch am gleichen Abend mit dem Vermieter treffen würde, da dieser am Samstag keine Zeit hätte.
Ich beende meinen Sprachkurs frühzeitig, informiere Javier, der mir freundlicherweise sein Auto über's WE überlassen wollte, dass wir uns später treffen werden, da ich ja die Sache mit der Wohnung zu erledigen hätte.

Diesmal sind alle anderen schon da und warten auf mich. Ich schaffe es mit meiner German Pünktlichkeit (die hier im übrigen vielen Menschen gewaltig auf den Sender geht – hihi) zu spät zu kommen. Und warum??? Weil ich mich auf dem Weg in meine neue Wohnung verlaufe !!!! Unglaublich, aber wahr … Mein Google-Maps-Hirn GPS kalkuliert die Route neu und ich verpeile es, in die richtige Strasse einzubiegen. Eine Frau mit Kind ist so freundlich, mich in die richtige Richtung zu lotsen und so komme ich heil und in einem Stück an der neuen Wohnung an …

Eine finale Endabnahme erfolgt im 17. Stock, der Vermieter überreicht mir 2 Schlüssel, zeigt mir nochmals den mir zustehenden Stellplatz und schon sind wir auf dem Weg zu Cristina, denn schliesslich muss die Registrierung im Condo noch vollzogen werden. Ich beantworte alle mir gestellten Fragen, die kleine Digicam nimmt ein Foto von mir auf und dann bekomme ich meinen Code, mit welchem ich mein neues Domizil betreten und auch wieder verlassen kann. Selbstverständlich überprüfe ich dies sofort, als wir uns nach insgesamt 1.45 Stunden endlich auf den Weg ins Wochenende machen.

Für den nächsten Tag melden wir gleich noch den Schlosser und Maria, die Putzdame, an und dann verschieden sich Iara und Vera mit einem erleichterten Geschichtsausdruck und geben mir zu verstehen, dass wir demnächst dann doch mal eine Party machen müssen, denn diese schwere Geburt muss ja begossen werden ;-)
Am gleichen Abend sage ich noch sämtliche Verabredungen ab, denn ich möchte unbedingt noch am gleichen Abend die Wohnungsgrundausstattung kaufen gehen. Putzzeug brauch ich sowieso, denn sonst kann Maria nichts putzen … und bei dieser Gelegenheit möchte ich dann auch noch gleich das ein oder andere mehr kaufen.

Und so tätige ich einen Anruf, der so ging: „Oi, my friend! Como estas? Que haces?“
„Nada“, so seine Antwort, „I am just watching TV. I am fine, and you?“
„Sounds, you are bored. Wann come with me to buy some stuff for the apartment?“
„Yes“, so seine Antwort …

30 Minuten bräuchte er noch und so machen wir uns um 2200 h auf den Weg zum Supermarkt. Bewaffnet mit einem grossen Einkaufswagen packen wir all die Dinge ein, die man so für den Anfang braucht. Für das Putzzeug brauchen wir allerdings dann schon einen zweiten Einkaufswagen …
Es muss schon kurz Mitternacht gewesen sein, als wir in der neuen Wohnung ankommen und die Sachen nach oben schleppen. Auf dem Balkon stossen wir auf die neue Wohnung an und so geht der Freitag dann erfolgreich zu Ende.

Samstag – also gestern.
Ich packe eine Tasche schon mal in den Kofferraum und treffe bereits um 0830 in der neuen Wohnung an. Da ich bereits am Freitag das Auto habe registrieren können, erlaubt mir der freundliche Security Mensch nach erfolgter Rücksprache mit den Jungs von der Rezeption, dass ich in die Tiefgarage fahren darf. Mein Auto wohnt direkt neben dem Fahrstuhl und so ist ein Leichtes, den Rest vom Vorabend und die eingepackte Tasche nach oben zu transportieren.
Pünktlich um 0900 klingelt mein „Interfon“. Der Locksmith sei schon da und so hole ich ihn an der Rezeption ab. Die Kommunikation läuft erstaunlich gut. Wir verständigen uns mehr oder minder ohne Probleme und nach getaner Arbeit bringe ich ihn wieder zurück zur Tür. Er geht, Maria kommt.
Nachdem wir uns einig sind, was alles zu tun ist, macht sie sich an die Arbeit, während ich mich auf den Weg mache, den Paulistanischen Grossstadtdschungel mit dem Auto und ganz allein zu erkunden.
Decathlon ist das Ziel meiner Begierde … Die Adresse ist schnell ins Navi eingetippt und schon geht’s los. Zugegeben, ein wenig blümerant ist mir schon, denn bislang war ich ja nur Beifahrer und von der Firma zu Javier's Hotel, von da aus zu meinem und von da aus in die neue Wohnung – alles kein Problem … Ich bin das ja schon mehrfach gelaufen und kenn mich aus. Doch jetzt? Ja nu, einfach fahren, auf die Jungs auf dem Motorrad aufpassen und das Schalten nicht vergessen …

Nach gut und gerne 15 min. erreiche ich die Destination und kann es kaum glauben, dass das alles gut geklappt hat …
Die Trekkingklamotten sind auch bald eingekauft und eingepackt und schon fahre ich wieder zurück. Leider verpasse ich dann doch immer wieder die richtige „Ramp right“ oder so, weil ich einfach nicht verstehe, wie das GPS die Anweisung meint … Zum Glück führen alle Wege ins Hotel und so komme ich dann einfach von einer anderen Richtung im Hotel an.
Alles läuft wie geschmiert …
Mit Javier gönne ich mir noch einen frozen Joghurt (das Zeug ist aber auch verdammt lekker), bevor er sich auf den Weg zum Park macht und ich mich auf den Weg zur Maria, um sie aus der Wohnung zu „befreien“, denn inzwischen weiss ich, dass sie fertig ist mit den ihr aufgetragenen Aufgaben.

Am Samstag abend sage ich sämtliche Verabredungen ab, denn mir ist nach allem, nur nicht nach Ausgehen und so widme ich mich meinem Buch und lege die müden, alten Füsse hoch …
Der Sonntag verspricht ja schon wieder recht geschäftig zu werden …

So, und nun melde ich mich mal für die nächsten Tage vom Netz ab, denn die neue Wohnung verfügt noch nicht über Internetschi und ich werde noch ein paar Tage darauf warten müssen …

Passt gut auf euch auf und lasst es euch gutgehen …

Gehabt Euch wohl,
Eure Jana

Freitag, 13. Mai 2011

Irgendwann ...

… in grauer Vorzeit !



Ja, irgendwann, in grauer Vorzeit, fand ich es total spannend in Hotels zu übernachten. Das war, als ich anfing auf Dienstreisen zu gehen und die Hotels eben andere waren, als jene, die man privat so buchen würde.
Ich glaube, damals war meine erste Dienstreise nach Budapest und das Hotel war tippi-toppi. Sogar Bilder hab ich damals gemacht, weil ich das total spannend fand.

Und heute? Heute finde ich das – vor allem nach 5 (!!!) Wochen – gar nicht mehr so spannend. Das Hotel befindet sich nun auch nicht mehr in Budapest, sondern am anderen Ende der Welt, dennoch ändert es nichts an der Tatsache, dass es ein Hotel ist … Ein Hotel, welches ich so langsam nicht mehr sehen kann und auch dem Roomservice nichts mehr abgewinnen kann, der nach 5 Wochen noch immer nicht ganz verstanden hat, dass ich nicht zwingend 4 Duschvorleger brauche. Andere Länder, andere Sitten und heute eine andere Reservierung … Nämlich eine für noch ne Woche länger … Immer schön auf die geraden Zahlen achten …

Was war los?
Am vergangenen Samstag das erste Treffen mit dem Vermieter. „Meu Deus“, was ein schwieriger Typ und fast wäre der Mietvertrag geplatzt, weil sich Karin (Nummer 1) verplappert hat und dem Vermieter das ganz und gar nicht gefallen hat …
Ich lerne brasilianisch zu werden und bediene mich einer handelsüblichen brasilianischen Sache: Dem „Jeitinho Brasileiro“. Nein, kaufen kann man das nicht, doch der Brasilenier findet IMMER einen Weg … Irgendwie geht’s doch … Und so hab auch ich meinen Weg gefunden, den Vermieter ruhig gestellt, die Bestandsaufnahme beendet und bin am Ende mit drei unterschriebenen Versionen des Mietvertrages von Dannen geschritten …

Doch jetzt sind wieder andere am Zug. Die Rechtsabteilung schreibt was auf brasilienisch, was ich im Ansatz zu verstehen glaube und völlig entsetzt und aufgelöst bei der Personalabteilung anrufe, weil ich meinte verstanden zu haben, ich müsse mehr Miete zahlen. Mehr geht schon fast gar nicht mehr, doch so las sich das und so verstand ich das. Die Frau HR schafft es, mich zu beruhigen und alles ist wieder gut und die Rechtsabteilung übernimmt auch die Bürgschaft. Diese muss nun, wie alles andere auch, noch vom Notar beglaubigt werden und dann bekommt der Vermieter das wieder in dreifacher Ausfertigung.

Wenn all das erledigt ist, dann werde ich hoffentlich informiert, dass ich im Condo vorstellig werden kann, denn auch dort muss ich (evtl. auch dreifach) in Stein gemeisselt werden, damit ich auch ohne Probleme in meine Wohnung kommen kann. Wann das jedoch stattfinden wird, weiss ich nicht … Darum auch die Verlängerung des Hotelzimmers, denn selbst wenn alles soweit tippi-toppi ist, dann müssen da noch die Schlösser getauscht werden, das Internetschi muss noch angeschlossen und die „Deutsche Welle“ aktiviert und die Wohnung geputzt werden … Und dann kann ich mal loslegen und einkaufen gehen …

Puh, das ist ganz schön anstrengend … Und in der Zwischenzeit gibt’s immer mehr Wollmäuse zwischen den Koffern auf dem Boden, denn da kommt die Putzi mit ihrem Badvorleger nicht nicht …
So schaut’s aus – und nicht anders …
Und das ist auch der Grund, warum ich neben meinem King Size Bed noch andere Aufenthaltsorte gesucht und auch gefunden habe … So ist Sao Paulo ein mir lieb gewonnenes Wohnzimmer geworden. Ein Wohnzimmer mit einem geteilten Flatscreen-Bild. Hier ein Krimi, dort eine Komödie, hin und wieder ein bisschen Drama links unten in der Ecke, Sport in der Mitte, rechts aussen Musik und dazwischen ganz viel „1000 places to be before you die“.

Wenige Wochen ist es her, als mich mein Chef, mit leicht ironischem Unterton, fragte, wie es sich denn anfühle, einen so leeren privaten Terminkalender zu haben. So kenne man mich ja gar nicht … Wie schnell sich Dinge in wenigen Wochen doch auch ändern können, denn inzwischen ist Montags und Donnerstags Sprachkurs angesagt, die Wochenenden füllen sich ganz spontan, da macht man am besten gar nichts aus und seit gestern weiss ich, dass ich den Sprachkurs vom Donnerstag auf einen anderen Tag verschieben muss, denn Dienstags und Donnerstags werde ich zum Flamenco gehen und dann ist die Woche auch schon wieder fast um …

Ja, ich lerne Flamenco tanzen … Doch wenn ich ganz ehrlich bin, ist es ja von da aus nicht mehr weit zum Samba :D
Und dann kommt ja in drei Wochen die Tuti schon !!! Möööönsch, was freu ich mich darauf !!! Und die Gundula hat auch schon gebucht und ich hab meinen Urlaub eingereicht … Nur Vonne und Volker überlegen noch … :) Im Juli schau ich dann mal 2 Wochen lang nach dem Rechten und kann mich dann vom ordnungsgemässen Grillzustand bei Vonne und Volker überzeugen, Tuti zum Älterwerden gratulieren und mich von Heidrun bekochen und –trinken lassen ;-) Dazwischen gibt’s Luft für viele, viele andere Aktivitäten, die zu gegebener Zeit fix ausgemacht werden ;-)

Soviel vom anderen Ende der Welt …
Der Winter schmeckt bei 28 °C richtig gut ;-) nur an manchen Tagen wird’s ein bisschen frisch … da wird’s dann schon auch richtig kalt …

Gehabt Euch wohl,
Euer „Brasilienschatzi“ :D

Freitag, 6. Mai 2011

Geht's eigentlich noch ...

Genau das hab ich mich heute einige Mal gefragt …
Ich bin nicht nur dabei, nein, ich bin sogar mitten drin !

Heute früh fällt mir siedend heiß ein, ich solle mich um die Verlängerung meines Zimmers im Hotel kümmern. Solche Dinge darf man hier nicht aus den Augen verlieren, da sich die Menschen (= a gente (gesprochen: a tschentschi)) um vieles kümmern, aber eben nicht um alles und bevor ich ab kommendem Montag obdachlos bin, leite ich das in die Wege.
Mariane informiere ich, dass ich mindestens eine Woche länger im Hoddel bleiben muss und bitte sie, die entsprechende Reservierung vorzunehmen.

Während ich so munter vor mich hin arbeite, schickt mir Jessica eine Echtzeitnachricht und lässt mich wissen, dass ich bei der Bank um die Ecke vorstellig werden kann, denn die Unterlagen zur Kontoeröffnung seien fertig. Bis 1200 oder ab 1400 könne ich vorbeikommen, Pamela würde auf mich warten. Ob denn jemand mitkommt, will ich wissen, denn geradeaus portugiesisch sprechen kann ich ja noch immer nicht …
(So passiert es immer wieder, dass ich am Nachmittag noch immer mit „Guten Morgen“ (Bom Dia (dschia)) grüße und nicht „Guten Später Tag“ (Boa tarde (tardsche) sage.)

Leider hat niemand Zeit, um mich zu begleiten und so wage ich mich ganz allein in die Bank. Der junge Mann an der Rezeption versteht, dass ich „na BASFi“ arbeite und zur Pamela will und schon schickt er mich linksrum in den „Prime“ Bereich. Auch hinter jener Glastür schaffe ich es, mich fehlerfrei anzumelden und nehme Platz. Wenige Minuten später kommt schon Pamela auf mich zugestöckelt und fällt mir um den Hals, als kenne sie mich schon seit Jahren. Auf ihr „Tudo bem“ erwidere ich „Tudo otimo“ (otschimo), was soviel heisst, wie alles ist superbem. Pamela allerdings entpuppt sich als Priscilla und schon erklärt sie mir, ich solle die ca. 100 Seiten des Antrags mit einem Kürzel versehen und an manchen Stellen richtig unterschreiben. Bevor ich dies jedoch tu, überfliege ich noch die Einträge und da steht dann geschrieben, dass Marko Tudek mein Dad sein soll und Juliana Tudek meine Mutter ist. Na da hat sich aber der Fehlerteufel eingeschlichen und ich versuche Priscilla zu erklären, dass der Marko nicht mein „Pai“, sondern der „Pai“ meiner „Mai“ ist und dass die Juliana die „Mai“ meiner „Mai“ ist und demnach meine grand-Mai ist. Ob sie das allerdings verstanden hat, weiss ich nicht, denn ich glaube zu verstehen, dass diese Information für die Kontoeröffnung nicht wirklich relevant sei …

Nach allen geleisteten Unterschriften werde ich in einen anderen Raum entführt. Dort kümmert sich ein anderer darum, meine Geheimnummern zu speichern. Einmal ein Code mit 6 Ziffern und einmal ein Code mit 4 Ziffern und dann bekomm ich auch ne TAN Liste und das obwohl noch kein Real auf dem Konto gelandet ist und ich noch nicht mal Karte hab.
Erfolgreich habe ich mein Konto eröffnet, bin total stolz auf mich, den ersten Amtsgang allein erledigt zu haben und gehe mit Claudia zum Mittagessen.

Wieder zurück, arbeite ich weiter munter vor mich hin, als mir Mariane gegen 1600 Ortszeit leicht von hinten an die Schulter tippt. „Do you want the good news first or the bad news?“ Puuuuh, wie entscheidet man sich da? Instinktiv wähle ich zuerst die Schlechte, damit die Gute dann alles wieder wett machen kann. Mariane erzählt mir was von vielen Veranstaltungen, kein Platz in Sao Paulo, alle Hotels ausgebucht und rückt dann damit raus, dass in MEINEM Hotel, keine Verlängerung mehr machbar sei und ich ausziehen muss.
Das war nun die schlechte Nachricht.
Insgeheim hoffte ich ja schon, dass die Gute lauten würde, ich müsse in gar kein Hotel mehr, sondern könne direkt in die Wohnung einziehen. Doch nein, die Gute lautete stattdessen, dass Mariane es schaffte, doch noch was zu buchen und zwar wie folgt: Montag – Mittwoch in einem Hotel in der Nähe vom Congonhas Flughafen und von Mittwoch – Samstag in einem Hotel in der Nähe des Ibirapuera-Parkes und danach könne ich wieder in MEIN Hotel einziehen.

Blutleer und mit entglittenen Gesischtszügen sitze ich da und glaube nicht, was ich höre. Doch so ist es, so soll es sein und Mariane hätte alles versucht.
Bevor ich mich jedoch meinem Schicksal ergebe, rufe ich Karin (Nummer 3) an und bitte sie, nochmals Kontakt mit dem Vermieter aufzunehmen, um ihn zu fragen, ob er nicht doch auch ohne die noch ausstehende Bürgschaft, den Schlüssel rausrücken kann.
Während Karin versucht, den Vermieter zu erreichen, telefoniere ich direkt mit meinem Hotel und versuche die Reservierung zu verlängern. Exakt eine Stunde später, also gegen 1700 erhalte ich von der Dame aus der Reservierungsabteilung die Zusage, mein Zimmer sei bis zum 16.05. verlängert, Karin informiere ich kurz danach und sie ist gottfroh, denn sie konnte den Vermieter noch nicht erreichen, Mariane muss nur die gebuchten 100 anderen Zimmer stornieren und ich darf weiterhin in Zimmer Nummer 902 wohnen, bis ich endlich zu leben beginne.

Und was bringt das Wochenende?
Heute noch eine Geburtstagsparty, morgen um 08.30 zum Vermieter, dann ein Kindergeburtstag, am Abend geht’s zur Countrymusic und am Sonntag ist erst mal Ausschlafen angesagt und für den Nachmittag hab ich noch so gar keinen Plan …

Gehabt Euch wohl,
Eure Jana

PS: Ein schönes Wochenende und vor allem ganz arg dolles Wetter !!!

Donnerstag, 5. Mai 2011

Hotelsong ...

… und ich hab den Blues.



Seit Tagen hab ich schon Patent Ochsner’s Hotelsong im Ohr:

„wenn i ändlech wieder bi dir bi
de leg i mi zu dir
i ds gmachte näscht
vom mäntig z'nacht bis am mäntig morge“



Lagerkoller nennt man das wohl. Oder so ähnlich.
5 Wochen schon und ich lebe noch immer nicht, sondern wohne noch. Dabei war doch alles zum Greifen nah.
Na gut, das ist es jetzt auch noch, doch das Warten geht weiter …
Vorgestern habe ich den Mietvertrag unterschrieben. Wie es weitergehen soll, ist mir noch immer nicht klar. Gestern dann eine erneute Mail. Den Vermieter soll ich zur Bestandsaufnahme am Samstag früh um 0830 (!!!!) treffen. Es wird gehofft, dass er den Vertrag unterschrieben an mich aushändigt. Aber nur den Vertrag, die Schlüssel nicht. Die Schlüssel erst dann, wenn von der Firma die Bürgschaft übernommen wird. Wann und vor allem wie dies geschehen wird, weiss ich nicht.

Klar ist nur, dass ich im Hotel werde verlängern müssen …

Dieser Umstand macht mich nicht glücklich. Ganz und gar nicht glücklich macht mich das. Warum das so ist, habe ich ganz leicht erklärt. Das Zimmerlein bietet weder für mich noch für meine Klamotten und meine Schuhe und meine Kosmetik und meine Privatsphäre genug Platz. Der vorhandene Schrank ist so klein, dass neben dem eingebauten Tresor nur ganz wenige meiner Klamotten Platz zum Aufhängen finden. Und so liegen 2 grosse Koffer geöffnet auf dem Boden, ein kleinerer dient als Unterwäsche-Schublade, das Sofa habe ich zum Regalfach umfunktioniert und habe Shirts darauf gestapelt, auf dem Fussboden überall Schuhe und dazwischen wohne ich …

Meist wohne ich, wenn ich nicht gerade in der Firma oder bei sonstigen Verabredungen bin, in meinem King-Size Bett, welches zugegebenermassen richtig, richtig bequem ist, oder aber ich wohne im winzig kleinen Bad mit der grossen Dusche. Inzwischen wird auch der Wäscheberg immer grösser und ich kann es kaum erwarten, endlich, ENDLICH wieder eine Waschmaschine zu betätigen. Es ist kaum zu glauben, wie sehr man solche Basisdinge vermissen kann. Ich möchte endlich mal wieder einer geregelten HAUSARBEIT nachgehen. Putzen, Waschen, Bügeln, Staubwischen … All das will ich endlich wieder tun. Ich möchte endlich mal wieder richtig im Supermarkt einkaufen gehen und nicht weiterhin immer nur 4 Äpfel, jeden dritten Tag etwas Brot und ab und an ein Brotaufstrich. Der Mensch an der Waage im Supermarkt erkennt mich inzwischen schon, lächelt mich von Weitem schon an und vorgestern hatte er bereits einen gerichteten Beutel mit genau 4 Äpfeln jener Sorte, die ich tag-täglich von ihm wiegen lasse.
Das wohnt man in einer Weltmetropole und dann kennt einen der Mann an der Waage schon fast beim Namen, während mir das in LU nie und nimmer passieren würde bei Aldi an der Kasse …
Sao Paulo ist ein Dorf.

Ansonsten ist es recht ruhig geworden. Das, was jetzt passiert, ist nicht mehr soooo neu und darum wohl auch nicht mehr so spannend. Zumindest nicht spannend genug, um darüber schreiben zu wollen. Sprachliche Patzer gibt es immer mal wieder, doch inzwischen geht das in der Fremdsprache auch erstaunlich gut. Ich verstehe gut und gerne 64,3 % der Unterhaltungen, 13,8 % fallen unter „diesen Dialekt spreche ich nicht“ und der Rest kann vernachlässigt werden. Jeder Tag ist eine Herausforderung.

Jetzt freu ich mich erst mal auf den Umzug und darauf, mich hier und da neu einrichten zu können. Und wenn das erledigt ist, freue ich mich darauf, dass ich Anfang Juni schon den ersten Besuch bekomme. Tuti hat den Flug gebucht und der Plan für die Tage, die sie hier ist, steht auch schon fest … Was genau das ist, werde ich hier nicht verraten. Ich werde darüber schreiben, wenn ich wieder zurück bin und dann werde ich auch ganz tolle Fotos aus dort, wohin ich gehe, mitbringen …

Für heute soll’s das mal gewesen sein …

Gehabt Euch wohl,
Eure Jana.