… wissen Sie, was ein Kofferdam ist?
Und so hat es mir doch rein gar nichts gebracht, vor dem Weggang aus D noch beim Zahnarzt meines Vertrauens vorstellig geworden zu sein … Vor 2,5 Monaten war alles noch in bester Ordnung und jetzt, 2,5 Monate später schaut die Sachlage ganz anders aus …
Der Zahn.
Er schmerzte schon seit geraumer Zeit, doch immer wieder im Hinterkopf der gleiche Gedanke: Was von alleine kommen kann, geht vielleicht auch wieder von allein … Doch nicht so die Pein im Zahn … Es wird von Tag zu Tag schlimmer, teilweise wache ich nachts auf, weil der Schmerz nicht schlafen lässt …
Nun, die IHK in Brasilenien gibt ja nicht umsonst ein „Willkommen in Brasilien“ Büchlein raus, in welchem es von deutschsprachigen Ärzten nur so wimmelt. Und so suche ich mir meinen Zahnarzt nach dem Strassennamen aus. Warum? Weil ich anhand des Strassennamens inzwischen weiss, wie nah oder weit er ist … Avenida Nove de Julho … Da war ich schon … Die Strasse kenne ich … Und so rufen wir dort an und vereinbaren einen Termin. Sylvia und Jürgen. So die Namen der Dentisten. Mit Jürgen spreche ich, erkläre ihm was der Zahn macht und er erklärt mir im Umkehrschluss, dass er sich mit der Abrechnung mit der Krankenkasse schon gut auskennt, da diverse meiner Kollegen dort schon vorstellig waren …
Allerliebst. Irgendwie hab ich das Gefühl, den Richtigen ausfindig gemacht zu haben.
Und so werde ich am kommenden Dienstag schon vor dem Aufstehen vor schier unlösbare Aufgaben gestellt. Den Termin hab ich absichtlich auf ganz früh gelegt, damit ich dem Verkehr entfliehen kann. Als ich jedoch los will, fällt mir ein, dass ich ja Dienstags nicht fahren darf … Nicht zwischen 0700 und 1000 und nicht zwischen 1700 und 2000. Was mach ich denn dann mit dem Auto beim Zahnarzt, wenn wir vor 1000 fertig werden? Ja nix. Und so komme ich nicht umhin, mir ein Taxi zu bestellen.
Mein erstes brasilienisches Taxi-Bestell-Telefonat.
Dass es geklappt hat, erkenne ich daran, dass ich tatsächlich angerufen werde, als der Fahrer da ist …
Herr und Frau Doktor begrüssen mich freundlich und schon erklärt Herr Doktor, was er vor hat und was wir tun werden. Kaum ist's ausgesprochen, zückt er auch schon der Jana liebstes Instrument: Die Spritze. Erst wenn die wirkt, kann er tun und lassen was er will … Da kann er sich nach Herzenslust an den Zähnen austoben … Die Wurzelbehandlung, oder wieder Brasiliener sagt: Tretamento de canal, ist unausweichlich. Hier wird gebohrt, dort gefeilt, dann wieder gebohrt und ich fiepe hin und wieder laut auf, weil durch den vorherrschenden Entzündungsherd das Anästhetikum nicht richtig wirken kann. Herr Doktor sieht von selbst, kommentiert fachmännisch, betäubt nach und fragt immer wieder, ob alles in Ordnung ist … Meine fachmännischen Grunzlaute geben ihm zu verstehen, dass alles „tudo“ ist und er setzt seine Arbeit weiter fort.
Er unterbricht, wie sich das für einen ordentlichen Dentisten gehört, sein Tagwerk, indem er das Innere des Zahns mit Medizin versorgt und diesen provisorisch verschliesst. Ruhen soll der Kamerad bis zum nächsten Donnerstag … (jedoch nicht heute).
Geruht hat der Zahn nicht. Die Schmerzen wurden heftiger. So heftig, dass ich des nachts bitterlich weinen musste. Doch auch heute wieder der leise Wunsch danach, dass das, was von alleine kommen kann, auch von alleine wieder geht …
Der Kaffee am Nachmittag sorgt für den Rest.
Sylvia bestätigt den Termin und schon geht’s los … 1600 und ich kann kommen …
Jürgen und verstehen uns ganz ohne Worte und da es in Brasilenien so üblich ist, dass man so gleich auf Du und Du ist, beschliessen der Doktor und ich, dass wir das nun auch tun … Und so erzähle ich Jürgen, wie es sich die letzten Tage so gelebt hat mit dem Zahn und erzählt mir, was er denn gedenkt zu tun …
Und dann wurde er um, auf und über den Zahn gespannt, der Kofferdam, von dem ich ja schon wusste, was er ist … Jürgen bohrt, feilt, tut und macht und mir bleibt fast die Spucke weg, als ich sehe, was er so an Narkosezeug in und um den Zahn haut … Das Ding ist mal wieder nicht zu betäuben …
Nach geschlagenen 2 Stunden sind wir fertig … Der Zahn ist wieder versorgt, die Wurzeln bis in die Spitzen behandelt und jetzt mal sehen, was der Wundschmerz so hergibt …
Nächste Woche Donnerstag bin ich dann wieder bei Jürgen und dann machen wir hoffentlich den Sack zu …
Tja, da ja nun die schlimmste all meiner Befürchtungen eingetreten ist: Zahnpein am Ende der Welt, ich diese Klippe nun hoffentlich gut umschifft hab, muss weiter auch nichts mehr kommen …
Einen zweiten „René“ will ich mir hier nicht suchen müssen …
Fazit: Die Zahnpein ist weg, ich fühle wieder und jetzt geh ich erst mal schlafen …
Gehabt euch wohl und wohler!
Eure Jana
PS: Ich hab schon wieder Neues zu berichten ...
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