… der Anfang ist gemacht!
Der Freitag kommt immer wieder so plötzlich und vor allem so schnell. Kaum beginnt das Wochenende, ist die Woche auch schon wieder um … Die Zeit rinnt mir hier durch die Finger und wenn dies in diesem Tempo weitergeht, brauche ich 2 Jahre, um mit der mir aufgetragenen Aufgabe durchzukommen …
Doch reden wir nicht über Arbeit … Jetzt ist Wochenende und tja, was soll ich sagen … Ich taue auf …
Den Arbeitstag am Freitag beende ich bereits kurz nach 1500 und begebe mich zu „Rossana Hair“, um einen neuen Termin zur Maniküre etc. zu vereinbaren. Mit Bruchstücken an portugiesischen Vokabeln gebe ich zu verstehen, dass ich: „Morgen (amanha), zeige auf die Finger und simuliere Nagelanmalen, forme mit Daumen und Zeigefinger eine Pinzette und zupfe mir virtuell die Augenbrauen, laufe mit Zeige- und Mittelfinger über den Tresen und deute damit an, dass ich gerne vorbei kommen würde.“ Priscilla versteht mich sofort, fragt nach der Uhrzeit, ich sage „Ölf“ und alles ist unter Dach und Fach.
Im Hotel angekommen, tausche ich Büroklamotten gegen Laufsachen, begebe mich auf's Laufband. Dies wollte ich noch getan haben, bevor Fernanda mich wieder in portugiesisch über's Glatteis jagt. Während ich so jogge, überlege ich, dass es eigentlich ganz nett wäre, am Freitag abend nicht zu Hause zu sitzen und so beschliesse ich, auf der „InterNations“ Plattform zu posten: „Hallo ! Ist da irgendjemand da draussen, der Lust und Laune auf ein Treffen in der Kneipe um die Ecke hätte.“ So oder so ähnlich lautet das (das machen die anderen auch so und es finden immer wieder irgendwelche Treffen statt). Nach dem Sprachkurs dann die Mitteilung von Martin aus Düsseldorf, er wolle auch nicht zu Hause sitzen und ich solle doch den Ort nennen, er käme hin. Schnell ist auch das erledigt und kurze Zeit später, treffen wir uns in der „alten Kuh“. Und schon reden wir los … Wie Wasserfälle … Martin arbeitet für Nestlé, hat einige Zeit in Lausanne gelebt, war zu Studienzeiten auch in Mannheim und wir lachen, weil wir die gleichen Lokalitäten kennen … Die Welt ist ein Dorf …
So vergeht der Abend.
Der Samstag steht im Zeichen der Verschönerung … Ich komme im Salon an und schon werde ich mit Umarmung und einem herzlichen „Tudo bem“ begrüsst. Irgendwie fühle ich mich, als ob es nie anders war … und schon darf ich mit ins Behandlungszimmer, die Frage nach dem Kaffee folgt auf dem Weg dorthin und schon sitze ich auf dem Stühlchen und die Dame, deren Namen ich vergesssen habe, redet mit mir, ich nicke, soweit das die Behandlung zulässt und erwidere, soweit mir das möglich ist in mehr oder minder schlechtem Portugnol. Wir haben Spass und nach etwas mehr als einer Stunde bin ich dann auch fertig.
Ein idealer Shopping-Samstag liegt vor mir und so laufe ich die Einkaufsstrasse auf und ab, schaue hier, schaue dort, wage mich in die Höhlen der Löwen und trau mich sogar, selbst nach Grössen, etc. zu fragen … Es funktioniert erstaunlich gut und am Ende verlasse ich einen Laden mit einer kleinen Tasche, die das Notwendigste beherbergen kann und einen anderen Laden verlasse ich mit einem Shirt und passendem Gürtel. Somit war das Abendoutfit auch gesichert.
Mein „Kümmerer“ Javier meldet sich. Er möchte Kaffee trinken gehen und will wissen, ob ich in der Nähe bin …
So bummeln wir gemeinsam durch die Strassen, beschliessen um 1500 dann doch noch zu Mittag zu essen … Das haben wir ja beide noch nicht getan …
Während wir so sitzen und Pasta essen, meldet sich Lydia, mein erster InterNations Kontakt, ob ich nicht Lust hätte, mich mit ihr und ein paar anderen Mitgliedern vor der offiziellen Veranstaltung, zu der ich mich angemeldet habe, zum Pizza-Essen treffen möchte. Die Adresse steht im „Torpedo“ (SMS) mit drin, ich überlege kurz und sage zu … So ist zumindest mal gesichert, dass ich nicht allein im „Café Journal“ auftauchen muss.
An dieser Stelle möchte ich erklären, wie das mit diesen Treffen funktioniert. Einmal im Monat finden von InterNations organisierte Treffen für die Mitglieder statt. Man kann sich, so man möchte, auf die Gästeliste setzen lassen und geht dann dort hin und trifft Gleichgesinnte. Ausländer für Ausländer … Auch Brasilianer mischen sich unter …
Um 1900 treffe ich in der „Casa Pizza“ ein und die meisten sitzen schon draussen auf der Terrasse. So treffe ich auf Lydia und ihren Lebensgefährten Markus, beide aus Österreich, schon seit 2 Jahren in SP, Jan – der Schwede, gerade mal wieder auf Dienstreise in SP, lebt in Verbier, Daniel – der Peruaner, arbeitet seit 1 Jahr bei einer Bank in SP, es kommt noch Louise – die Dänin, die hier Reisende betreut, Fulvio – der Italiener kommt wenige Minuten später und so ist die Truppe fast komplett. Wir reden, jeder mit jedem, alle zusammen und vor allem durcheinander, doch es ist lustig, interessant und vor allem bin ich total überrascht, da ich überhaupt nicht wusste, was so auf mich zukommen sollte.
Nach dem Essen begeben wir uns gemeinsam auf den Weg zum „Café Journal“ und schon treffe ich wieder auf Martin, den ich ja bereits am Vorabend kennengelernt habe.
Während ich mein Getränk bestellen möchte, bekomme ich ein Gespräch zweier Jungs mit, deren Sprache ich verstehe. Schwabenland meets Sao Paulo … Markus aus Stuttgart schwäbelt munter drauf los und erzählt, er sei erst vor 3 Wochen angekommen, Kai reiht sich ein, er sei, wie ich, seit 4 Wochen hier.
Und dann tippt mir jemand auf die Schulter … Hinter mir steht Claudia, meine Arbeitskollegin, die am Samstag vom Oster-Deutschland-Urlaub wieder zurück gekommen ist.
Immer wieder lerne ich neue Menschen kennen. Man redet, tauscht sich aus und so vergehen die Stunden. Cristiane, eine Brasilianerin, die 10 Jahre in Deutschland lebte, fragt in die illustre Runde, wer denn noch mit in einen Club möchte, denn da wäre heute abend ja was ganz was Besonderes angesagt. Ein Stadtbekannter Architekt würde auflegen und man sollte sich das unbedingt mal ansehen …
und anhören.
Die Pizza-Truppe hat sich schon fast aufgelöst, nur Fulvio, der Italianer ist dabei und auch sofort dabei, als die Frage nach dem Club gestellt wurde. Die Schwaben haben andere Pläne, wollen aber ggf. dazu kommen … Am Ende sind wir zu viert, Victor ist noch dabei, ein zukünftiger Mitarbeiter des ach so bekannten Architekten.
Nach einer kleinen mitternächtlichen Stadtrundfahrt erreichen wir den Club. Fulvio meint, es schaue aus, wie eine halbfertige Garage, doch die Schlange davor ist beeindruckend lang. Doch auch hier funktioniert das über: jemand kennt jemanden, der jemanden kennt, der jemanden kennt und so hat Cristiane schnell einen Weg gefunden, die lange Schlange hinter uns zu lassen und wir werden ratz-fatz an allen vorbei gewunken und dürfen eintreten …
Es ist schrecklich laut, doch der Architekten-DJ ist gerade fertig geworden und wir kommen nicht mehr in den Genuss, seine Künste am Plattenteller zu verfolgen … Und schon wieder sind wir umzingelt von neuen Menschen, die Cristiane und Viktor zu kennen scheinen … Es nimmt kein Ende und mein Kopf ist voll von neuen Namen, Gesichtern, die Tasche beherbergt einige Visitenkarten und das Telefon blinkt, weil die Nummern ausgetauscht wurden und jeder dann mal kurz angerufen hat, dass man selbst die Nummer des anderen dann auch hat …
So.
Um 0400 heute früh bin ich dann endlich zu Hause, die Ohren brummen und ich sehne mich nach Ruhe … Den Schlaf der Gerechten hab ich gegen 0945 ausgeschlafen.
Heute geht’s langsam los … Frühstück / Mittagessen gegen 1500 und das Einkaufszentrum Morumbi wird heute mal observiert …
Und nun muss ich los …
Gehabt Euch wohl,
Eure Jana
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