Freitag, 6. Mai 2011

Geht's eigentlich noch ...

Genau das hab ich mich heute einige Mal gefragt …
Ich bin nicht nur dabei, nein, ich bin sogar mitten drin !

Heute früh fällt mir siedend heiß ein, ich solle mich um die Verlängerung meines Zimmers im Hotel kümmern. Solche Dinge darf man hier nicht aus den Augen verlieren, da sich die Menschen (= a gente (gesprochen: a tschentschi)) um vieles kümmern, aber eben nicht um alles und bevor ich ab kommendem Montag obdachlos bin, leite ich das in die Wege.
Mariane informiere ich, dass ich mindestens eine Woche länger im Hoddel bleiben muss und bitte sie, die entsprechende Reservierung vorzunehmen.

Während ich so munter vor mich hin arbeite, schickt mir Jessica eine Echtzeitnachricht und lässt mich wissen, dass ich bei der Bank um die Ecke vorstellig werden kann, denn die Unterlagen zur Kontoeröffnung seien fertig. Bis 1200 oder ab 1400 könne ich vorbeikommen, Pamela würde auf mich warten. Ob denn jemand mitkommt, will ich wissen, denn geradeaus portugiesisch sprechen kann ich ja noch immer nicht …
(So passiert es immer wieder, dass ich am Nachmittag noch immer mit „Guten Morgen“ (Bom Dia (dschia)) grüße und nicht „Guten Später Tag“ (Boa tarde (tardsche) sage.)

Leider hat niemand Zeit, um mich zu begleiten und so wage ich mich ganz allein in die Bank. Der junge Mann an der Rezeption versteht, dass ich „na BASFi“ arbeite und zur Pamela will und schon schickt er mich linksrum in den „Prime“ Bereich. Auch hinter jener Glastür schaffe ich es, mich fehlerfrei anzumelden und nehme Platz. Wenige Minuten später kommt schon Pamela auf mich zugestöckelt und fällt mir um den Hals, als kenne sie mich schon seit Jahren. Auf ihr „Tudo bem“ erwidere ich „Tudo otimo“ (otschimo), was soviel heisst, wie alles ist superbem. Pamela allerdings entpuppt sich als Priscilla und schon erklärt sie mir, ich solle die ca. 100 Seiten des Antrags mit einem Kürzel versehen und an manchen Stellen richtig unterschreiben. Bevor ich dies jedoch tu, überfliege ich noch die Einträge und da steht dann geschrieben, dass Marko Tudek mein Dad sein soll und Juliana Tudek meine Mutter ist. Na da hat sich aber der Fehlerteufel eingeschlichen und ich versuche Priscilla zu erklären, dass der Marko nicht mein „Pai“, sondern der „Pai“ meiner „Mai“ ist und dass die Juliana die „Mai“ meiner „Mai“ ist und demnach meine grand-Mai ist. Ob sie das allerdings verstanden hat, weiss ich nicht, denn ich glaube zu verstehen, dass diese Information für die Kontoeröffnung nicht wirklich relevant sei …

Nach allen geleisteten Unterschriften werde ich in einen anderen Raum entführt. Dort kümmert sich ein anderer darum, meine Geheimnummern zu speichern. Einmal ein Code mit 6 Ziffern und einmal ein Code mit 4 Ziffern und dann bekomm ich auch ne TAN Liste und das obwohl noch kein Real auf dem Konto gelandet ist und ich noch nicht mal Karte hab.
Erfolgreich habe ich mein Konto eröffnet, bin total stolz auf mich, den ersten Amtsgang allein erledigt zu haben und gehe mit Claudia zum Mittagessen.

Wieder zurück, arbeite ich weiter munter vor mich hin, als mir Mariane gegen 1600 Ortszeit leicht von hinten an die Schulter tippt. „Do you want the good news first or the bad news?“ Puuuuh, wie entscheidet man sich da? Instinktiv wähle ich zuerst die Schlechte, damit die Gute dann alles wieder wett machen kann. Mariane erzählt mir was von vielen Veranstaltungen, kein Platz in Sao Paulo, alle Hotels ausgebucht und rückt dann damit raus, dass in MEINEM Hotel, keine Verlängerung mehr machbar sei und ich ausziehen muss.
Das war nun die schlechte Nachricht.
Insgeheim hoffte ich ja schon, dass die Gute lauten würde, ich müsse in gar kein Hotel mehr, sondern könne direkt in die Wohnung einziehen. Doch nein, die Gute lautete stattdessen, dass Mariane es schaffte, doch noch was zu buchen und zwar wie folgt: Montag – Mittwoch in einem Hotel in der Nähe vom Congonhas Flughafen und von Mittwoch – Samstag in einem Hotel in der Nähe des Ibirapuera-Parkes und danach könne ich wieder in MEIN Hotel einziehen.

Blutleer und mit entglittenen Gesischtszügen sitze ich da und glaube nicht, was ich höre. Doch so ist es, so soll es sein und Mariane hätte alles versucht.
Bevor ich mich jedoch meinem Schicksal ergebe, rufe ich Karin (Nummer 3) an und bitte sie, nochmals Kontakt mit dem Vermieter aufzunehmen, um ihn zu fragen, ob er nicht doch auch ohne die noch ausstehende Bürgschaft, den Schlüssel rausrücken kann.
Während Karin versucht, den Vermieter zu erreichen, telefoniere ich direkt mit meinem Hotel und versuche die Reservierung zu verlängern. Exakt eine Stunde später, also gegen 1700 erhalte ich von der Dame aus der Reservierungsabteilung die Zusage, mein Zimmer sei bis zum 16.05. verlängert, Karin informiere ich kurz danach und sie ist gottfroh, denn sie konnte den Vermieter noch nicht erreichen, Mariane muss nur die gebuchten 100 anderen Zimmer stornieren und ich darf weiterhin in Zimmer Nummer 902 wohnen, bis ich endlich zu leben beginne.

Und was bringt das Wochenende?
Heute noch eine Geburtstagsparty, morgen um 08.30 zum Vermieter, dann ein Kindergeburtstag, am Abend geht’s zur Countrymusic und am Sonntag ist erst mal Ausschlafen angesagt und für den Nachmittag hab ich noch so gar keinen Plan …

Gehabt Euch wohl,
Eure Jana

PS: Ein schönes Wochenende und vor allem ganz arg dolles Wetter !!!

1 Kommentar:

  1. Und was lernen wir daraus? Man kümmert sich am Besten immer selbst um die zu regelnden Dinge. Wäre ja auch ein Unding gewesen.
    Und dein Portugiesisch klingt schon ziemlich klasse! :) Hier wird's am WE so richtig richtig warm... :o) Drück dich!

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