Sonntag, 17. Juli 2011

Home, sweet home ...


... ich komme !

Der Donnerstag lässt sich lässig an, der Feierabend fast schon in greifbarer Nähe und meine Aufregung und Spannung fast schon am Siedepunkt angekommen … In wenigen Stunden soll es losgehen und bis es soweit ist, muss ich noch die ein oder andere mir selbst auferlegte Hürde nehmen.

Um Punkt 1200 mache ich mich mit Da auf den Weg, um noch ein letztes Geschenk zu besorgen und während wir noch über Dies und Das reden, schauen wir uns im Laden um … Wir kommen vom Hundertstel ins Tausendstel und inzwischen ist es schon fast eine Stunde später und ich bin noch immer ohne Geschenk, dafür aber immerhin gute 30 Minuten von zu Hause entfernt, weder um- noch angezogen und schon gar nicht auf dem Weg zum Flughafen, auf welchem ich mich um Punkt 0130 befinden wollte.
Ich schau der Wahrheit ins Auge, schminke mir mein Vorhaben von der Backe und versuche nun das im Rahmen meiner Möglichkeiten beste Ergebnis zu erzielen (*).

Ein weiteres Mal an diesem Tage werde ich verabschiedet, als würde ich nicht wiederkommen. Zugegeben, so sehr ich mich auch auf Zuhause gefreut habe, so hat es mich doch ein klein wenig traurig gemacht und heimlich still und leise drückte sich eine kleine Träne in meinen linken Augenwinkel (manchmal kann ich es ja gar nicht leiden, so nah am Wasser gebaut zu haben …).
Auch hier hilft nichts, ich muss los – und zwar schnell.
Zum Glück war ich mit Packen FAST fertig und die Klamotten, die ich zum Reisen anziehen wollte, hatte ich mir schon gerichtet. Inzwischen habe ich aufgehört, immer wieder auf die Uhr zu sehen, denn auch so vergehen wertvolle Sekunden.

Und so gebe ich Gas. Verstaue das, was noch in den Koffer muss in selbigem, hüpfe schnell unter die Dusche und aus dieser in mein Reiseoutfit.
Ich erwähne das Outfit diesmal, da ich es gemeinsam mit Tuti in Brasilenien gekauft habe und jetzt, da ich es trage, mich schon frage, was ich da eigentlich gekauft habe. Es handelt sich um einen „Einteiler“. Ein Overall in Navyblau; das Unterteil eine Haremshose, deren Schritt mir irgendwie fast in der Kniekehle hängt. Mir fällt in meiner Eile ein, dass Tuti sagte, ich solle dies mit einem Gürtel tragen, dass sähe ordentlich aus. Ich verplempere wertvolle Minuten vor meinem nicht vorhandenen Spiegel und ermahne mich schlussendlich selbst, mich nun endlich in den Wagen und somit auf die Strasse zu schwingen.
Mein Ich kommt mir etwas fremd vor, doch a) ich hab’s gekauft und jetzt wird’s getragen, b) es ist schlicht und ergreifend keine Zeit mehr da, um mich erneut umzuziehen und es ist … c) Ja, wie spät ist es eigentlich?

Der Weg zum Flughafen ist mir inzwischen bekannt, ich weiss, an welchen Stellen ich aufpassen muss, um mich nicht zu verfahren und beim letzten ungeplanten Ausflug zum Flughafen, hab ich mich schon mal schlau gemacht, wo der Mietwagen abzugeben ist. Ich fahre gestreckt zum Flughafen, folge den Schildern „Estacionamento“ und kurz danach erspähe ich schon das Schild „Rental Car Return“, darunter „Locadora“ – vermutlich der Portugiesische Hinweis, wo’s zum Car Retorno lang geht …
Ich erreiche das Schild, doch es gibt keine Möglichkeit, nach rechts abzubiegen. Der Wegweiser lotst mich zurück auf den Highway, weg vom Flughafen. Panik steigt in mir auf. Hab ich das wirklich so verpeilt? Wie weit ist das weg vom Flughafen? Wie komm ich da wieder hin? Vor allem, wie soll ich das mit dem „Handgepäck“ schaffen: 1 x 28,7 kg, 1 x 31,2 kg, 1 x ichweissnichtwievielkilo über der Schulter und Massimo der Handtasch, dessen Inhalt vermutlich mehr wiegt, als erlaubt ist …
Unzählige Kilometer später dann endlich wieder das „Locadora“-Schild und der Hinweis, ich dürfe JETZT rechts abbiegen. Geschmeidig grätsche ich beim Autovermieter ein und 2 Reihen blauer Brackets lachen mir entgegen. An Zahnspangen habe ich mich in Brasilien schon längst gewöhnt, doch es tauchen immer wieder neue Formen und Farben auf … Heute blau.
Artig beantworte ich all die Fragen, die mir gestellt werden und erfahre, dass es einen Transport zum Flughafen gibt.

Ich steige aus und merke gar nicht, dass ich mich am ganz anderen Ende des Flughafens befinde. Der Wagen, auf den ich mein Gepäck laden lasse (!!) lässt sich nur schwer schieben. Zum Glück geht das mit Check-In schnell und ich reihe mich brav in die Passkontrolle ein. Beim Scan fiept dann doch irgendwas und ich muss wieder zurück, den Gürtel und Schuhe ablegen und ich stelle fest, dass sich die Dame, die mich abtasten muss, sichtlich unwohl fühlt, da sie nicht so recht weiss, wie sie mit mir und meinem Riesenstrampler umgehen soll. Ich selbst stelle mir mich in dieser Situation vor und muss lachen …
Inzwischen hab ich mich an den Strampler gewöhnt. Er scheint bequem.
Boarding ist bald, ich steuere zielstrebig auf meinen Sitzplatz zu und vertreibe gleich mal den jungen Herrn, der sich schon häuslich auf meinem Gangplatz eingerichtet hat. Problem erkannt, Problem gebannt. Ich ziehe ein und merke schon beim Hinsetzen, wie gut es doch war, den Strampler zum Reisen anzuziehen … Nichts zwickt und  nichts zwackt … Super bequem und super bequem dann auch die Frage: „Frau Z. was darf ich Ihnen zum trinken anbieten? Caipirinha? Sekt? Etwas anderes vielleicht?“ Während ich noch überlege, greift meine linke Hand schon nach dem Sekt und somit scheint die Entscheidung gefallen. Nach all dem Bier und Caipirinha scheint mir das eine sehr willkommene Abwechslung.
Die nette Dame von der LH schenkt vor dem Take-off noch mal nach und ich merke, wie mein Helm das Kreisen schon mal beginnt. Es wundert mich nicht, da die letzte Essenseinnahme schon eine ganze Weile zurück liegt.

In genau 9tausend ungrad Metern Höhe (vielleicht sogar noch höher) steht die nette Dame mit einem weiteren Glas neben mir … Beherzt greife ich zu und entschliesse mich, dann doch noch was zu essen … Bis ich mit allem fertig bin, hab ich mir schon mal leichte Schlagseite und nachdem das Geschirr abgeräumt ist, fahre ich mich in die Waagerechte, bette mein Haupt auf dem weichen Kissen zur Ruhe und ziehe mir die Decke bis unter’s Kinn. Gute Nacht Brazil.

Der mir in die Nase steigende Kaffeeduft lässt mich fast schon über deutschem Boden erwachen. Das Bad ist frei. Zähne puten, Strampler gerade ziehen, Haare bändigen. Zurück am Platz, ordere ich einen Kaffee. Guten Morgen Deutschland.
Der Flug verging aber auch super schnell. So lange dauert die Reise von Hier nach Dort gar nicht …
Wir landen. Wo, weiss ich nicht. Frankfurt ist einfach zu gross. Ich steige aus und laufe schnurstracksgeradeaus in Richtung Halle B – Abflug – Company Meeting Point. So steht’s auf meiner Anweisung. Um mein Gepäck kümmere ich mich später.
Ein wenig in Eile bin ich schon, denn um 1400 hab ich bereits einen Termin in der Firma, es ist schon nach 1100, ich bin weder am Gate, noch habe ich meine Koffer und geduscht bin ich schon dreimal nicht. Und mit DEM STRAMPLER will ich erst recht nicht ins Büro. Völlig abgehetzt erreiche ich den Meeting Point, doch der Abholer ist nicht da !!!! Sack und Asche. Auch das noch ! Wild entschlossen tätige ich diverse Anrufe und erfahre, dass er gleich da sein wird.
Herr G kommt strahlend auf mich zu und nachdem er mich begrüsst, stellt er mir de Frage nach meinem Gepäck. Super, jetzt bin ich bei „B“ schon durch den Zoll durch, mein Gepäck ist aber in „C“ auf dem Band. Aus „B“ kann man aber nicht mehr nach „C“ und so muss ich mich verkehrtrum, also durch den Ausgang, am Zoll vorbei zum Gepäckband schmuggeln. Aber ich schaff das und eine Stunde später sitze ich im Auto in Richtung Heimat, mein gesamtes Gepäck mit an Board und ich bin einfach nur froh, zu Hause angekommen zu sein …
To be continued …
Gehabt Euch wohl !

Ich.

Donnerstag, 7. Juli 2011

Aufräumen ...

… nur keine Unordnung hinterlassen.



Jetzt isses soweit. Der Alltag hat nach gut und gerne 3 ungrad Monaten in Sao Paulo Einzug gehalten. Alles geht seinen ungeregelt geregelten Gang und es kehrt sowas ähnliches, wie Normalität ein.

Mein finanzielles Chaos hat sich nun nach unzähligen Wochen aufgelöst und ich bin endlich flüssig. Ich bin so flüssig, dass ich soviel Miete derzeit gar nicht muss, um das alles auszugeben. Da muss ich erst mal noch ein paar Wochen wohnen …
Anfänglich hätte ich ja kaum für möglich gehalten, doch Pamela und ich sind schon fast sowas ähnliches wie Freundinnen geworden. Sie sieht mich und schon fängt sie an, in Zeitlupe zu sprechen …
Endlich.

Bei Dr. Jürgen war ich heute auch. Meinen Zahn hat er wieder verschlossen und mir den Kostenvoranschlag für die Finalisierung in die Hand gedrückt. Eine andere Rechnung war auch dabei, die ich zu zahlen habe. Irgendwie „freu“ ich mich, denn jetzt hab ich ja ein ordentliches Konto, mit Geld da drauf und und und …
Somit wäre vor der Heimatdienstreise auch diese Baustelle geschlossen.

Am Samstag war ich dann auch im Winterschlussverkauf (!!!) shoppen und habe sogar schon einen Blick auf die kommende Frühlings- und Sommermode werfen können …
Auch hier purzeln die Prozente und auch hier kann man für billig Geld gut einkaufen … Einen Lieblingsdesigner hab ich auch hier gefunden. Der hat alles, was die weiblichen Rundungen so wünschen … In meinen Kleiderschrank wanderten folgende Teile:
Kleid, Rock, Jeans, diverse Tops, diverse Shirts, Weste, Gürtel, Kette, Ohrringe, eine weitere Jeans.
Diverse andere Kleinteile liegen bereit zur Mitnahme nach Good Old.
Und einmal mehr habe ich mit echtem brasilienischem Bankkontogeld bezahlt …

Winterzeit = Grippezeit.
Ich lag flach. Zunächst mit nem komischen Magen-Darm-Gedöns und jetzt hab ich wohl die erste brasilianische Bronchitis am und im Hals. Husten kann man zum Glück in Einheitssprache, das versteht jeder …
Bleibt zu hoffen, dass ich das noch hier aus dem Weg räumen kann, damit ich aus der Wintergrippe keine Sommergrippe mache.

Alles andere geht seinen Gang …
Manche Dinge ändern sich. Manche Dinge ändern sich nicht. Neues und Spannendes kommt hinzu und am Ende bleibt die Neugierde auf den neuen Tag, was dieser wohl wieder an Überraschungen für mich bereit hält …

Gehabt Euch wohl !!!

Ich !

Sonntag, 3. Juli 2011

Girls night out ...

… Beobachtungen der anderen Art!



Geschichten und Erzählungen des Paulistanischen Nachtlebens sind mir hinreichend bekannt. Nach gut und gerne 3 Monaten bin nun endlich mal soweit, mich selbst unter's „Balada-Volk“ zu mischen. In den vergangenen Wochen und Monaten hatte ich genug Zeit, mich mit den lokalen Begebenheiten vertraut zu machen.

Und so fühle ich mich nun bereit, mich selbst in brasilianische Garderobe zu werfen und (an dieser Stelle darf ich mich der Worte eines Freundes bedienen) zu versuchen, das im Rahmen meiner Möglichkeiten „beste Ergebnis“ im Aufbrezeln zu erzielen.
Gesagt, getan. Um Punkt 2300 werde ich abgeholt und 4 Single-Mädels, die unterschiedlicher nicht sein könnten, machen sich auf den Weg in einen angesagten Country-Schuppen in der Stadt.

Unsere Namen stehen bereits auf der Gästeliste und so brauchen wir uns nicht in der elend langen Schlange linkerhand einzuordnen. Wir stehen im VIP Bereich und die drei brasilianischen Mädels übernehmen die Konversation mit dem Gorilla, der den Eingang bewacht. Ein Ausweisdokument hab ich nicht dabei. Man rät mir, einfach nur die Kreditkarte in die Hand zu nehmen, es soll ja nur so aussehen, als hätte ich ein Dokument dabei. Aha, interessant. Tja, und so schaffe ich die erste „Hürde“. Drin aber sind wir noch lange nicht. Ein weiterer Security Mann muss noch davon überzeugt werden, dass ich schon über 18 bin (*brüll*, als würde man das nicht sehen) und dann nehmen Da und ich den rechten Eingang, während Fra und Ma den linken nehmen. Unterwegs verpasst man uns noch gelbe Armbändchen, die uns ermächtigen, den VIP Bereich im oberen Teil des Etablissements zu nutzen - vermutlich sind die Preise dort oben auch wesentlich teurer, als im unteren Bereich. Dies jedoch tut nichts zur Sache, denn ein kleines Vermögen muss ich so oder so berappen, gleich ob ich was trinke oder nicht.

Jetzt erst mal was zu trinken ordern. Ich entscheide mich für einen Caipirinha mit roten Früchten und Cachaca und stelle im nächsten Moment fest, dass dies ein Fehler war. Der Club ist voll. Es rempelt und rumpelt von allen Seiten und ich bin die erste halbe Stunde nur damit beschäftigt, die roten Früchte von meinem weissen Top fern zu halten. Beim nächsten Mal, beschliesse ich schlauer zu sein und mich für ein farbloses Getränk zu entscheiden oder zumindest eines, dessen Hinterbleibsel auch wieder wegwaschbar sind …
Wohin ich auch blicke, ich sehe tief ausgeschnittene Dekolletés, kurze und noch kürzere Röcke. Die Damenwelt erscheint mir, als sei sie gerade einem Hochglanzmagazin entsprungen.

Stunde um Stunde vergeht und meine Beobachtungen gehen in die nächste Runde. Der Brasilianer jagt einfach nach allem. Hier schnappt er im Vorbeigehen eine Hand und so schnell kann die Geschnappte sich gar nicht wehren, wie er seine Lippen auf ihren Mund presst. Vermutlich kann sie noch nicht mal den Versuch einen Laut von sich zu geben unternehmen, da seine Zunge wohl tief in ihrem Hals steckt. Mehrfach ist die gleiche Szene zu beobachten.

Hartnäckige Exemplare gibt es jedoch auch auch. Eine Abfuhr zu kassieren ist schon hart genug, doch diese auch zu akzeptieren, ist eine ganz andere Sache. Und sehe ich Mädels, die wahrlich ihre Mühe haben, sich die Herren der Schöpfung aus dem Hals und auch vom Hals zu halten.
Ein klein wenig fassungslos bin ich schon ob der Szenen, die sich da so freizügig vor meinem Auge abspielen. Es gibt einfach Dinge, die muss ich nicht sehen … Die will ich einfach nicht sehen … Doch danach fragt keiner und der Brasilianer an sich, der stört sich daran gar nicht.
Ergo: Leben und leben lassen.

Abschliessend kann ich wohl sagen, dass das Küssen für den Brasilianer wie Händeschütteln ist …

Bis zur nächsten Balada wird’s wohl noch ne ganze Weile dauern …

Gehabt Euch wohl.
Ich.