Dienstag, 17. April 2012

Hallo Freunde ...


… der Finanzkrise !



Raus aus Brasilenien, bedeutet nicht zwingend auch: Raus aus der Finanzkrise. Nein, das wär viel zu einfach. Viel zu schön. Viel zu unaufgeregt.
Mein Adrenalinspiegel lebt auf hohem Nivea … Und damit das so bleibt, tja, dafür sorgen meine Banken und andere Finanzdienstleister.

Eine Pamela-Bänkerin gibt es in Argentina nicht. Zumindest keine, die die Verwaltung meiner „Grana“ (wie man das hier so nennt) übernimmt. Hier verwalte ich ganz allein meinen Schotter. Jawoll ja. Und wie tu ich das? Jawoll. Mit der selbst reparierten Kreditkarte, mit welcher ich mich weltweit völlig gebührenfrei mit Barem versorgen kann. Einziges Manko: weltweit ja, allerdings nicht an jedem Automaten. Und so ist Kohle ziehen jedes mal ein Spiessroutenlauf, bis ich endlich den ATM gefunden habe, der akzeptiert, dass meine Karte in alter Mac Gyver Manier repariert wurde.

Im Bestand allerdings noch 2 mal Plastikgeld. Noch vor 2 Wochen zahle ich mit Silber. Letzte Woche dann das Aus. Es geht nichts mehr. Diverse Maschinchen dieser Stadt verweigern den Zugriff auf’s virtuelle Geld. Weder Ping noch Pong noch meine werte Unterschrift ändern was. Der Anruf beim Kreditinstitut bringt Licht ins Dunkel: Die Karte wurde gekündigt !!! Und die Dame am Telefon meint noch: „Wissen Sie, jetzt können Sie die Karte nur zerschneiden und somit entwerten. Zu mehr ist die nicht mehr zu gebrauchen.“ Gut. Danke für den Hinweis Frau Kreditkarteninstitut.

Einmal Plastikgeld bleibt noch. Der Kreditrahmen im Normalbereich. Und dann die Info: „Frau Z., es würde uns sehr entgegen kommen, wenn Sie den Flug von A nach B zunächst selbst bezahlen würden, da … bla … bla … bla!“ Ja gut, ich mach ja fast alles. Doch bevor ich den Flug auf meine Kappe nehme, checke ich doch lieber erst mal den Kreditrahmen – mir ist nämlich, als reiche das, was mir noch zur Verfügung steht, nicht mehr zu Zahlung des Fluges aus.
Und so wähle ich die Nummer, die auf der Rückseite meiner Karte prangt: „Welcome bei …. Cards. For English, please press one. Para Espanol, por favor toca dos. Für Deutsch, bitte die drei drücken.“ Einen Moment halte ich inne und überlege mir, für welche der drei Sprachen ich mich jetzt entscheiden soll, drücke dann völlig spontan die drei, weil mir auf die Schnelle nicht das spanische Wort für Kreditlimiterhöhung einfallen will.
Das Band labert mir mein Ohr blutig: „Bitte geben Sie Ihre 16stellige Kreditkartennummer ein.“ „Bitte geben Sie jetzt Ihren 4stelligen Telefon-PIN ein.“ Leute, ich kenn die Ansage auswendig, da ich heute mindestens 5 mal angerufen habe, weil ich zuvor immer wieder aus der Leitung flog, oder einer dieser Angestellten dort „I’m sorry Mam, I cannot open your screen. You have to contact your Admin guys!“ in den Gehörgang säuselt. “I am really sorry, but there is nothing I could do for you!”
Eine mittelschwere Krise scheint aufzuziehen.

Endlich jemand am Telefon, der meinen Screen öffnen und mich über sämtliche Daten in Kenntnis setzen kann. Dann der virtuelle Schlag ins Gesicht: Der verfügbare Kreditrahmen reicht mal gerade dazu, um mir am Kiosk ein Päckchen Kaugummi zu kaufen. Von einem Flugticket bin ich mindestens genauso weit entfernt, wie die Destination für die es bestimmt ist. Aaaaarrrrgh !!! Ich könnt mal wieder in die Tischplatte beissen.
Doch der Herr am Telefon scheint meine Not zu bemerken, lässt mich kurz in der Leitung warten und offeriert mir dann eine Möglichkeit, wie ich mein Ticket doch noch kaufen kann, wenn ich es nicht schaffen sollte, den Kreditrahmen rechtzeitig zu erhöhen. Und das geht so.
Ich solle versuchen, das Ticket mit der Karte zu zahlen. Vermutlich wird die Zahlung nicht durchgehen, weil ja kein „Guthaben“ mehr da ist. Dann soll ich nochmal anrufen, die Sachlage wieder erklären und dann würde man den Kreditrahmen entsprechend erhöhen.
Gut, so machen wir’s. Ich bedanke mich, lege auf und …

… ich weiss grad mal wieder gar nichts.
Werden mein Plastikgeld und ich es jemals schaffen, in Frieden zu leben? Wird diese Finanzkrise jemals enden? Wann werde ich wieder an Bargeld kommen?

Letztere Frage ist insofern berechtigt, als dass ich heute früh Geld ziehen wollte, mich dann allerdings nicht in die Bank traute, weil sich dort jemand direkt vor „meinem“ ATM sein Nachtlager aufbaute …

Meine letzten 20 Pesos gingen für: „Buenas Mari ! Cappuccino grande con leche soja?“ drauf !!!!

Gehabt euch wohl !

Eure Jana

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