… unter all den Paulistas.
Heute durfte ich mich persönlich davon überzeugen, welches Pünktlichkeitsverständnis der Durchschnittsbrasilienier hat. Europäischer Taktung – genauer gesagt, Deutscher Taktung – entsprechend stehe ich pünktlich zur Abholung bereit. Es vergehen 20 min. ehe ich dann doch mal zum Telefon greife und meiner Cheffin anbiete, ein Taxi zum Büro zu nehmen, nur um ihr nicht weiter Unannehmlichkeiten zu bereiten. Sie nimmt dankend an, besteht jedoch darauf, mich in der Firma aufzugabeln, um mich zum Frühstücksort mitzunehmen.
Ich treffe auf neue und auch alte Kollegen. Was folgt, ist ein grosses „Hallo“ und „Bom dia“ und „Tudo bem“ und so … Wir bestellen Kaffee und Kleingebäck und reden und reden und reden.
Die neue BASF Familie räumt mir eine Woche Englisch-sprechen ein. Danach werden wir nahtlos zu Portunol übergehen … oder zumindest in das, was ich dafür halte. Michel besteht seit heute schon darauf, dass ich nur spanisch mit ihm und er nur deutsch mit mir …
Alles in allem, die Portugiesischlehrerin ist für nächsten Montag bestellt, da werden die Details klar gemacht und dann geht’s direkt in den Einsteigerkurs … Eine Woche JEDEN TAG ca. 2 Stunden … Powerlernen neben dem Beruf. Danach werden wir drosseln und treffen uns nur noch 3 mal die Woche … Ich bin gespannt …
Was war noch? Ach ja, der Termin mit dem Notar ist morgen. Ich muss eine Unterschrift leisten und das war's dann. Dann kommen die Jungs wieder ins Spiel, die sich hier um meine Arbeitserlaubnis gekümmert haben, die müssen mit mir zur Polizei gehen, damit ich mich innerhalb der nächsten 30 Tage hier registrieren kann und meinen vorübergehenden brasilianischen Personalausweis bekomme. Diesen brauch ich wohl, um dann auch eine Wohnung mieten zu können.
Apropos Wohnung. Am Mittwoch und am Donnerstag sind schon die ersten Besichtigungstermine. Ich bin gespannt, wie ein Flitzebogen, was da so auf mich zukommt und ob überhaupt was für mich dabei ist …
Die Mittagspause verbrachte ich mit den Kollegen und wunderte mich zunächst, warum wir vor dem Essen in eine sog. „Pharmacie“ (hierzulande eher eine Drogerie, als irgendwas anderes) gehen sollten. Ich sollte mich belehren lassen, dass derzeit ein Wettbewerb läuft. Sie sind zu fünft. Sie wollen abnehmen. Das Gesamtendergebnis soll minus 7 % des Startgewichtes sein. Jede Woche steuert jeder einen bestimmten Betrag bei und jener, der innerhalb der Woche am meisten an Gewicht verloren hat, bekommt den Wocheneinsatz. Heute hat Michel das Rennen gemacht. Das ganze geht nun noch 7 Wochen und jeden Montag ist Wiegetag … Ich bin gespannt, wie das ausgehen wird …
Viel mehr war heute nicht. Zumindest nicht bei der Arbeit.
Nach der Arbeit habe ich mich dem Abenteuer: Nach Hause laufen hingegeben. War ganz o.k. Also, ich wohne derzeit wirklich sehr, sehr nah bei der Arbeit … Es sind ca. 8 min zu Fuss … Das geht ganz gut und sollte ich dann doch mal den Rechner dabei haben, dann setz ich mich eben ins Taxi und fahr dann 20 Min. So läuft das nämlich im St. Pauli-Verkehr …
Ein weiteres Abenteuer war auch, einen Waschsalon ausfindig zu machen. Die vom Hotel wollen für jedes T-Shirt ca. 4 Eur, für ne Bluse sogar ca. 6 Eur und jede meiner Unterbuxen soll mich ca 3 Eur kosten. Wenn ich jetzt noch Woche warte, dann werde ich arm dabei, nur um meine Sachen gewaschen zu bekommen …
Unsere Sekretärin hat mir dann aber noch eine Adresse von einem Externen Laundry Service ausgesucht und da bin ich nach der Arbeit dann mal hin, um die Waschlage zu checken … Leider sprach niemand eine Sprache, der ich mächtig war und so blieb mir nichts anderes übrig, als mich mit Händen und Füssen zu verständigen. Am Ende habe ich herausfinden können, dass dieser Laundry Service genauso teuer ist, wie der vom Hotel offerierte.
Da mir aus dem Supermarkt noch das ein oder andere fehlte, beschloss ich, mir dort Waschmittel zu kaufen und die 5 Sachen, die sich bis jetzt angesammelt haben, per Hand zu waschen. Gesagt, getan und in meiner überdimensionierten Dusche hab ich sogar ein Plätzlein gefunden, um all das Gewaschene aufzuhängen und zu trocknen …
So, und jetzt warte ich mal ab, was in den nächsten Tagen so passieren wird und dann komm ich wieder und berichte euch davon …
Gehabt euch wohl,
Eure Jana
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen