… oder einfach nur Sicherheitstraining.
Heute hat mich der Sicherheitsbeauftragte der Firma zum Sicherheitstraining gebeten. Pünktlich um 1400 – hier gibt es keine Verspätungen – finde ich mich in seinem Büro ein. Er stellt sich mir vor, ich mich ihm, wir reden darüber, wer in welcher Funktion tätig ist, stecken kurz und knapp die Rahmenbedingungen ab und tauchen sofort in die Materie ein.
Marcello, so der Name des eingewanderten Italieners, hat eine Präsentation vorbereitet, durch deren einzelne Punkte wir uns durcharbeiten.
Wir starten bei den allgemeinen Daten über Sao Paulo und ich erfahre, dass ich mir diese Stadt (und den Umkreis) derzeit mit weiteren 18 Millionen Menschen teile (die Dunkelzimmer dürfte geringfügig höher sein). Wo viele Menschen, da viel Gefahr, weil eben nicht alle 18 Millionen einen so guten Job wie wir haben (wenn sie überhaupt einen haben). Tja, uns ist die Kriminalität ungleich höher als in anderen deutschen Metropolen, die nur einen Bruchteil der Einwohnerzahl aufweisen. Und so erfahre ich, dass Überfälle auf Auto, sog. Express-Kidnapping sowie Strassendiebstähle an der Tagesordnung stehen. Wenn in den Nachrichten jedoch von Raubüberfällen etc. gesprochen wird, so passieren diese Dinge meist in Sao Paulo's Umkreis oder eben im Süden oder Osten der Stadt, wo sich komische Gangs ihre Ghettos erschaffen haben.
Schockiert hat mich Marcello mit dieser Ausführung nun nicht, denn das war mir vorher schon bekannt. Schliesslich haben mich meine Kollegen, die bereits in der Stadt lebten, genauestens darüber informiert.
Das Thema Housing war sehr viel interessanter. Apartments in einem Condominio seien wohl die sicherste Version des Wohnens. Einerseits, weil gerade die neueren Gebäude dem Sicherheitsstandard entsprechen und weil eben diese Gebäude immer einen 24 h Security Service haben. Unbefugten ist das Betreten des Condo's nicht gestattet. Marcello war mit meiner Wahl des Apartments sehr zufrieden, hob jedoch hervor, dass es noch diverse Sicherheitsmassen zu treffen gäbe, bevor ich einzöge. Da wäre die Sache mit dem Schlüssel. Zu allererst sollte ich das Schloss auswechseln. Niemals nicht solle ich mit dem mir ausgehändigten Schlüssel mit all meinem Hab und Gut einziehen. Man wisse ja nie, wer eine Kopie des Schlüssels hätte. Und dann wäre da noch die Tür. Wenn kein Spion drin ist, dann sollte ich auch die Tür komplett auswechseln. Na super, daran hab ich ja gar nicht gedacht, aber dafür mach ich ja das Sicherheitstraining.
Zum Glück ist das eine Dienstleistung der Firma, die uns die Wohnungen vermittelt und somit ist dieser Punkt von vornherein geklärt. Auch wird sich die Agentur um die Installation des Internet etc. kümmern, so dass ich erst dann einziehen werde, wenn all die Dinge bereits vorhanden sind ...
Es folgen Ratschläge, wie ich mich zu verhalten habe, wenn ich denn dann mal einen Wagen miete. Ich solle in jedem Fall darauf achten, dass dieser Wagen den Sicherheitsaspekten der Firma entspricht: getönte Scheiben, unauffällig, GPS. Niemals nicht von Strassenverkäufern etwas kaufen, keine Taschen, Geldbörsen etc. auf dem Beifahrer- oder Rücksitz befördern. Immer aufmerksam sein und sich umschauen. Fenster immer geschlossen halten und direkt beim Einsteigen die Türen verriegeln. Des nachts langsam an rote Ampeln heranfahren, in die Kreuzung einsehen und wenn kein Wagen kommt, die Ampel auch bei rot überqueren.
So ich mich zu Fuss fortbewege, immer darauf achten, unauffällig zu bleiben. Ich sollte jetzt nicht mit meinen Brillianten auf die Strasse gehen und diese zur Schau stellen. Auch empfehle er mir nicht, mit dem iPad unter dem Arm durch die Strassen zu marschieren. Solange ich mich an diese Regeln halte, passiere mir wohl auch nichts.
Da auch er dies nicht zu 100 % ausschliessen kann, dass es nicht doch mal passiert, empfiehlt er, ohne Widerstand, alles auszuhändigen, was die Räuber verlangen. Dabei ist es wichtig, eben nicht alles mit sich rumzuschleppen und bei sich zu tragen …
Als ich wissen wollte, ob ich denn den Räuber verärgern könnte, nur weil ich seine Sprache nicht verstehe, musste Marcello dann doch Schmunzeln. Natürlich hoffen wir alle nicht überfallen zu werden, doch wenn ich ihn nicht verstehen sollte, dann solle ich ihm einfach das anbieten, was ich habe.
Von der Fortbewegung mit dem Bus hat er mir abgeraten. Ebenso von auf der Strasse herbeigerufenen Taxen. Die Metro hingegen sei recht sicher und kann bedenkenlos genutzt werden – AUSSERHALB der Rush Hour.
Niemals nicht, soll ich Geldautomaten auf der Strasse nutzen oder bei Banken, die sich hier überall befinden. Das wäre gefundenes Fressen für die Räubernasen. Entweder ich ziehe Geld in der Tiefgarage unserer Firma oder aber in einem Einkaufzentrum.
Die wichtigen Nummern habe ich nun alle und diese habe ich sowohl auf Papier in meinem Zimmer deponiert, sowie im Telefon eingespeichert – für den Fall der Fälle … Doch alles wird gut und ich werde ganz arg doll auf mich aufpassen … VERSPROCHEN !!!
Und wenn ich dann in meiner Wohnung bin, werde ich mich vom Pool nicht mehr wegbewegen … ;-)
Tja, ein ganz heisses Pflaster, dieses St. Pauli.
Doch wenn man sich an die Spielregeln hält, ist man einigermassen sicher … Doch sind wir mal ehrlich, passieren kann überall was …
Eins ist klar: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste!
Gehabt euch wohl,
Eure Jana
PS: Zur Rush Hour mach ich dann lieber Happy Hour.
Da fällt mir die Geschichte meines Bruders ein, als er beruflich in Kapstadt verweilte... Vielleicht solltest du noch Pfefferspray kaufen?
AntwortenLöschenUnd auf den Pool bin ich wirklich, wirklich neidisch! :o)