Tudo bem? …
… Obrigada.
Was lange währt, wird endlich gut.
1 x 32,1 kg, 1 x 31 kg, 1 x 22,3 kg, 1 x 8,3 kg, 1 x 7,4 kg, diverse Kleinteile und ich, landen heute, 2. April 2011, ziemlich sachte auf brasilienischem Boden. Just in diesem Moment starte ich das Froschpokerspiel und beschliesse innerhalb von Bruchteilen von Sekunden, aus diesem Vogel nicht auszusteigen, sondern sitzen zu bleiben, damit ich direkt wieder mit zurück fliegen kann.
Schlagartig weiss ich nicht mehr, wer oder was mich geritten hat, überhaupt zuzusagen. Vergessen auch all die Gründe, weshalb ich mich dafür beworben hatte … Es hämmert nur in meinem Kopf: „Ich will zurück. JETZT.“ - „Was hab ich mir nur dabei gedacht?“ Meine Zweifel sind so gross – all die Vorfreude vergessen …
Nix da … Da muss jemand jetzt halt mal durch … Es hat mich ja nun auch keiner dazu geprügelt …
Und so schiebe ich mich, samt meinem Handgepäck, durch den Gang in Richtung Ausgang. Die Flugbegleiter haben ihr Dauerlächeln noch nicht abgelegt und wünschen mir, ein wenig über-überschwenglich wie ich finde, einen angenehmen Aufenthalt in Sao Paulo. „Na gut!“, denke ich bei mir während ich einen Fuss vor den anderen setze, um den nicht enden wollenden Gang zur Passkontrolle zu beschreiten. Meine Schulter tut mir weh, denn da hängen neben den gefühlten 100 kg Handtascheninhalt, noch genau 8 Komma ungrad Kilo Handgepäck dran. Mit der zweiten freien Hand ziehe ich den nicht minder schweren Trolley hinter mir her, der am Flughafen nochmals ordentlich an Gewicht zulegte, da mir meine lieben Freunde noch einen kleinen Survival Koffer geschnürt haben. Der Koffer im Koffer … und so stehen wir in der Schlange und warten auf die Passkontrolle.
Währenddessen setze ich, so sich die Gelegenheit bietet, das Gespräch mit den beiden Jungs fort, mit denen ich mich auf unseren Flughzeugspaziergängen unterhalten habe. Die beiden sind auf dem Weg zum Meer und werden sich per Schiff zurück nach Europa befördern lassen … Lustigerweise wohnen sie auch ganz in meiner Nähe und … Naja, was folgt ist: „Wir könnten ja mal nen Kaffee trinken gehen, wenn ...“, doch ich nicke nur brav, schiebe den Gedanken beiseite und versuche mich auf das Bevorstehende zu konzentrieren und nicht schon Pläne für nach meiner Rückkehr zu schmieden …
Dann endlich bin ich dran. Auf sämtliche Komplikationen vorbereitet harre ich jener Dinge, die da auf mich zukommen mögen. Doch oh, welch Wunder, der Stempel landet ohne Knurren und ohne Murren in meinem Pass. Was folgt ist allerdings eine grosse Herausforderung. Mein Gepäck. Ich sehe von weitem schon, dass vor lauter Menschen (der Flieger war ausgebucht) das Kofferband nicht zu erkennen ist. Kofferwagen an Kofferwagen reihen sich aneinander. Dazu jede Menge Menschen, die wild gestikulierend telefonieren, weinen, lachen oder sich die Nase schnäuzen. Ich ergebe mich ein zweites Mal an diesem Tag meinem Schicksal und beschliesse zu warten, bis sich die Reihen etwas gelichtet haben … Ich schiebe meinen Wagen um die Kurve – will ja wissen, ob hinter dem Pfosten genauso viel los ist – und was sehe ich da??? Eine Hand voll Gepäckstücke stehen fein säuberlich aufgereiht etwas abseits. Einen meiner Koffer glaube ich zu erkennen. Strike! Gerade als ich das schwere Ding auf den Wagen hieven möchte, eilt schon ein fleissiges Helferlein herbei und stapelt alles fein säuberlich. Noch bevor ich „tippen“ kann, ist er schon wieder weg und ich auf dem Weg nach draussen.
Insgesamt 1 Stunde später sitze ich bereits im Taxi in Richtung Sao Paulo City.
Da ich gerade von Komplikationen sprach. Noch steht der Flieger in Frankfurt, als mir nach tränenreichem Abschied einfällt, dass ich noch ein Versprechen einzulösen habe. Ich ziehe das Mobiltelefon aus meiner Tasche, setze die versprochene SMS ab und schalte das kleine Telefon aus. Just in dem Moment, als die Herunterfahrmeldodie erklingt, wird mir klar, dass ich die PIN nicht mehr weiss. Und warum weiss ich die nicht mehr? Weil ich die Nummer von Tuti übernommen, aber nicht mehr die PIN geändert habe. Ich meine mich erinnern. Nach 2 Versuchen und keinem entsperrten Telefon, greife ich zum anderen und rufe Tuti an. Die kennt nur noch ihre aktuelle PIN, nicht aber die alte … Und nun? Keine PIN, keine PUK, nichts greifbar … Was soll's, ich schalte noch das zweite Fon ab und hoffe insgeheim, dass mir auf dem 12 Stunden Flug jemand die richtige Nummer nennen wird …
Zurück in die Stadt. Der Fahrer betreibt Konversation mit mir … Hier ein bisschen mit die Hände, da ein wenig mit die Füsse, grösstenteils aber: ich spanisch, er portugiesisch. Es geht – irgendwie … Immerhin kann ich mich einigermassen verständigen. Im Laufe des Gesprächs lerne ich dann doch ein paar portugiesische Vokabeln und perfektioniere deren Gebrauch in meinen Sätzen, bis ich am Hotel angekommen bin. Sofort ist jemand da, der sich um mein schweres Gepäck kümmert und mir dieses in den 9. Stock in mein Zimmer transportiert. Indes erhalte ich die wichtigen Zugangsdaten für's Internet und frage mich durch, wo ich den nächsten Geldautomaten und die nächste Shopping Mall finden kann …
Das Zimmer ist nett. Es ist zwar klein, aber sehr sauber. Die Küche ist winzig und bietet neben einem Kühlschrank nur eine Mikrowelle. Somit ist klar, dass ich im ersten Monat sicher nicht kochen werde. Der Stauraum ist begrenzt und so beschliesse ich, mich vorrübergehend aus dem Koffer anzukleiden. Auch das muss gehen. Doch bevor ich mich irgendeiner anderen Aufgabe annehme, krame ich den Rechner aus der Tasche, damit ich gleich mal mit der Aussenwelt in Verbindung treten kann. Und da war es schon, mein erstes Problem: ich hab den falschen Adapter dabei und meinen Schukostecker krieg ich nicht in die Steckdose … An der Rezeption kann man mir mit einem Teil aushelfen … Endlich läuft auch mein Rechner und ich kann den Akku aufladen, für den Fall der Fälle. Zuerst kümmere ich mich darum, dass meine SIM wieder entsperrt wird und danach überlege ich, wie ich weiter verfahren möchte. Dem Internet sei Dank, stelle ich den ersten Kontakt nach Hause her. Sogar in Farbe und Bunt. Und so ist S. die erste, die einen Eindruck meiner neuen Bleibe erhält. Skype wird am ersten Tag in der neuen Heimat zumindest am ersten Tag mein neuer Begleiter, denn ich erreiche alle mir wichtigen Personen …
Ein paar Stunden später wage ich mich sogar allein auf die Strasse und erkunde vorsichtig und etwas unbeholfen die neue Umgebung. Das Shopping Center schaut ziemlich edel aus auf den ersten Blick und auf den Zweiten erst recht. Nur die ganz Grossen und ganz Teuren sind vertreten, selbst der C&A schaut hier exklusiver aus, als zu Hause … Aus jedem Laden strömt ein anderer Geruch und ich laufe – noch immer etwas verloren – die Gänge entlang. Bei McCafé mach ich nen kurzen Stopp, da ich bislang noch keinen Kaffee getrunken hatte. Warum ausgerechnet McCafé? Einerseits aus sentimentalen Gründen und andererseits, weil ich dachte, dass die Chance, auf englisch-sprechende Mitarbeiter zu treffen, hier etwas grösser ist … Doch weit gefehlt. Sie versteht mich nicht, ich verstehe sie nicht und in meiner Not tippe ich auf das Schild vor mir, auf welchem in grossen Lettern: Smoothie steht und weiter unten irgendwas mit Banana. Wenn schon kein Kaffee, dann wenigstens Vitamine und was Kaltes … Und wenn's auch nur im Ansatz nach Banane schmeckt, dann passt das schon … Den Kaffee organisiere ich mir halt etwas später.
Der Supermarkt ist auch schnell gefunden und so kaufe ich ein paar Kleinigkeiten, da mir für's erste über die Runden helfen sollen. Den Nachmittag lass ich ruhig ausklingen … Gegen 1900 CET noch ein letztes Skyponat mit good old Germany und dann lässt man mich allein in der grossen weiten Welt … Ich selbst quäle mich noch bis 2030 brasilenien Zeit, bin aber dann sowas von erschlagen, dass ich das Licht lösche und einschlafe. Um 0400 Ortszeit werde ich wieder wach und bin eigentlich recht fit, schaffe es dennoch, ca. 30 min. später wieder einzuschlafen … Gegen 0900 Ortszeit werde ich wach …
Wenn das so weiter geht, dann hab ich das mit der Zeitumstellung bald im Griff …
Gehabt euch wohl,
Eure Jana
PS: Inzwischen habe ich die SIM auch wieder entsperren können :-)
Ganz schön viel Beton da um dich rum... :)
AntwortenLöschenConcrete ... überall nur concrete ... ;-)
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