… zumindest ein vorläufiger !
Heute (!) habe ich den Vertrag unterschreiben können, den mir meine Bank zur Eröffnung eines „Cadastro“ zugeschickt hat. Damit ich das auch alles formvollendet hinbekomme, schickte man mir in einer separaten Mail noch eine Anweisung mit. Selbstverständlich in Portugiesisch.
Das, und das weiss der geneigte Leser inzwischen, stellt zuweilen nur noch eine mittelschwere Herausforderung dar und so hangelte ich durch die einzelnen Punkte, bis ich zu dem Punkt gelangte, als ich Herrn Microsoft, also eigentlich Herrn Word, den Befehl zum Drucken geben sollte.
Drucken will nämlich auch gelernt sein. Jawoll ja. Und so erteile ich den Druckauftrag, welcher jedoch im Jenseits verschwindet, da der einzige, mir zugängliche Drucker, für den Moment das Zeitliche segnete.
Meine Suche nach einem weiteren druckfähigen Gerät blieb zunächst erfolglos, als ich die freudige Botschaft vernahm, dass das mir vertraute Gerät nun wieder funktioniere.
Es sind 4 Seite, ich schalte den Beidseitigdruck aus, und schiesse den Auftrag ab. Was ich erhalte, sind 8 Seiten, auf jeder jeweils eine Hälfte dessen, was eigentlich auf einer Seite hätte sein sollen …
Ich mag ja masslos im Verzehr von M&Ms sein, doch ich bin sicherlich nicht verschwenderisch, wenn es um Papier geht. Fast schon schäme ich mich, weil ich einen gefühlten Regenwald verdruckt habe und nach 2 Stunden noch immer nicht im Besitz von vier ordentlich gedruckten Kontraktseiten war.
In meiner Verzweiflung schreibe ich Pamela, die dann doch wieder lieber nur Priscila genannte werden wollte, eine Mail. Ich berichte von meiner Misere und dem abgedruckten brasilianischen Urwald und dass ich nicht weiss, wie ich die mir aufgetragene Aufgabe erfüllen soll.
Kurzerhand wird Senhora Marijana (das bin ich) in die Bank zitiert, dort unterbreitet mir dann mein (fast) Namesvetterin Mariana den Vertrag und ich unterschreibe nur mit meinem guten Namen.
Noch jetzt frage ich mich, wieso sie immer wieder betont hat, dass die Gutschrift auf meinem Konto ERST am 23.12. erfolgen wird. Vermutlich werde ich dahinter kommen, wenn ich 12 ungrad tausend Kilometer im kalten Deutschland sitze und sich die Priscilas, Pamelas und Marianas bei einer Caipi über die Gringa lustig machen …
Warten wir’s mal … Bestenfalls hab ich genug Knete, um meine Miete zu bezahlen und um die im September vergessene Stromrechnung zu begleichen.
Was war noch in dieser Woche?
Ach ja, das Brasilieninsekt, welches mich in Dekolletee gestochen hat. Zugegeben, das hat mich schon ganz schön beunruhigt. Das sah aber auch ganz wild aus. Rot, ein Hubbel so gross und hoch, wie der Mount Everest und in der Mitte ein Ding, was aussah, wie ein Loch oder so … So als Nichtmediziner hätte ich mal auf Brasilienbienenstich getippt, doch so genau weiss man es nicht. Nachdem ich eine schlaflose Nacht hinter mich brachte, wagte ich es, am nächsten Tag mein Insektenaua einigen Kolleginnen zu zeigen. Von grossen Augen, Ausrufen, wie: „Nooossssaaaa!“, bis hin zu, ob ich denn wisse, welche gefährlichen Insekten hier zu Hause wären. Malaria, Gelbfieber, Dengue !!!
Ja, rein theoretisch könnte ich ja alles haben.
Eine Kollegin versucht mich zu beruhigen und meint, zumindest sei es ein langsam wirkendes Gift, ich wäre ja noch am Leben.
Irgendwann zu Beginn dieser Konversation habe ich beschlossen, dass mich dieser Stich das Leben kosten wird, doch nachdem die Kolleginnen sooooo nett zu mir sind, beschliesse ich, den herannahenden Tod durch Insektenstich noch eine Weile zu verschieben und damit einen günstigen Zeitpunkt abzuwarten … Vielleicht dann, wenn die Corinthians spielen, oder wenn es zum Mittagessen geht, vielleicht aber auch so kurz bevor die ins Wochenende wollen …
Ich bin mir sicher, es ist ein extrem langsam wirkendes Gift ist und so fasse ich mir ein Herz und begebe mich in das „Badezimmer“ der Firma und lege selber mal chirurgische Hand an. Mit meinem nichtgeschulten Blick meine ich zu erkennen, dass der Giftstachel noch immer in meiner Brust steckt. In Ermangelung verfügbarer Utensilien verzichte ich diesmal auf gründliche Desinfektion, bewaffne mit Kleenex und drücke an dem Stich rum, als ob es kein Morgen gäbe. Und tatsächlich, ich halte den Stachel in Händen. Gut, ich gebe zu, er ist viel zu klein zum Halten, aber er ruht da auf meinem Finger.
Die Wunde ist nun abgeheilt, offensichtlich das das versprühte Gift nicht zum Sterben gereicht und brauche nicht mehr in meine medizinischen Fähigkeiten zu zweifeln … Kleinere Operationen ab jetzt nur noch selbst.
Ach, und heute früh hat mich die liebe Petra ja wirklich so herzlich zum Lachen gebracht … Mit einer ausführlichen Mail bedankt sie sich für die Karten, die sie bekommen hat und berichtet dann – und lustigerweise kann ich mir das so richtig gut in echt vorstellen – dass sie die Karte mit ins Büro genommen, um dort zu zeigen, dass sie jemanden kennt, der sogar da wohnt !!!
Petra, sensationell !
Den Abschluss macht „ER“. Er fragt mich völlig unverhofft: „Du Jana, soll ich Dich am Mittwoch vom Flughafen abholen?“
Ich lehne zunächst mal ab, hebe es mir aber für ein anderes mal gerne auf … :-)
Jetzt wartet erstmal Winterwonderland Germany auf mich und wie mir scheint, hält es diesmal einige vorweihnachtlichen Überraschungen bereit …
Wir dürfen gespannt sein und euch halte ich auf dem Laufenden !!!
Gehabt Euch wohl,
Eure Jana
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