Donnerstag, 8. Dezember 2011

Fast Forward ...

… Wo ist die „Pause-Taste“?



Kann mal bitte jemand mein kleines beschissenes Leben kurz anhalten? Ich kann's offensichtlich nicht … Die Zeit rinnt mir durch die Finger, es scheint, als erlebe ich Dinge in 14 Tagen, für die andere mal lokker, wenn nicht sogar noch mehr Zeit brauchen …
Ich komm selbst nicht mehr nach … Überrolle mich selbst und schau dem vorbeirauschenden Zug einfach nur noch nach und weiss gar nicht so recht, was da gerade so passiert ist.

Wie gut, dass ich's aufschreiben kann, denn dann kann ich's irgendwann, wenn ich mal raste, nachlesen und mich selbst wieder aufgleisen und abholen.

Das Ende meines Abschlussberichtes macht nun hier den Anfang, denn das ist das, was mich schon recht beschäftigt hielt …
Unverhofft fragte ER, ob er mich denn am Tag meiner Ankunft in Frankfurt am Flughafen abholen solle. Ich lehne ab, wobei ich mich heute schon frage, ob es nicht vielleicht besser gewesen wäre, das Angebot anzunehmen …
Warum hab ich eigentlich abgelehnt? Ganz einfach. Wir haben uns sage und schreibe 21 Jahre nicht mehr gesehen. Es ist viel passiert in diesen Jahren und in knapp 2 Wochen lässt sich das weder per Mail, noch per Telefon nach- und aufholen.
Die Vorfreude ist gross. Erwartungen habe ich keine. Es ist einfach nur schön, einen „alten“ Bekannten nach einer halben Ewigkeit wieder zu treffen.
Während wir uns auf unser Wiedersehen warten, vertreiben wir uns die Zeit mit Reden und Schreiben. Ich bin gespannt. Weiss nicht so recht, was mich erwarten wird.

Er bestimmt das Tempo. Er bestimmte es die ganze Zeit. Pläne hat er gemacht. Termine hat er umgelegt. Zeit hat er sich genommen.
Dann das erste Treffen nach gefühlten 100 Jahren. Schön war's. So fremd und doch so vertraut. Er hat sich verändert. Ich mich wohl auch. Wir reden. Wir lachen. Noch immer bestimmt er das Tempo. Alles ist fein und ich? Ich mag gar nicht denken … Ich lass es einfach und verlass mich auf meinen Kopfbauch.
Und nach dem Treffen fragt er mich, ob ich nicht zu einem seiner Termine mitkommen möchte. Er würde sich freuen, täte ich ihn begleiten. Zugegeben, wohl war mir dabei nicht. So ne halbe Familiensache, die mir schon recht schwer im Magen lag … Ich zeige mich solidarisch, zumal er mich ja auch zu einem Geburtstag begleiten wollte. Augen zu und durch. Wird schon werden. Alles ist fein. So auch der Abend. Wir lachen. Wir reden.

Der Geburtstagssamstag beginnt entspannt. Ich tu das, was ich tun muss und selbstverständlich will ich wieder alles und das am besten auf einmal. Und so hat dann auch noch Tuti Zeit. Cool. Nach einer halben Ewigkeit will ich sie auch noch in den Arm nehmen und nicht noch einen Tag länger warten. Es muss noch vor dem Geburtstag sein. In der Zwischenzeit vermeldet er, er würde sich verspäten. Mein Vorschlag lautet: Er solle sich Zeit lassen, ich führe unterdessen zur Tuti und wir könnten uns ja dann völlig entspannt eine Stunde später treffen, um auf den Geburtstag zu gehen.
Doch dann kommt es doch ganz anders. Er möchte mit und bittet mich, zu warten. Ich tu, wie ich gebeten.

Noch immer ist alles furchtbar entspannt. Bei Tuti gibt es viel zu reden, viel zu sehen und vor allem viel zu berichten. Schön isses und dann müssen wir aber auch schon los, da das Geburtstagskind eben auch noch wartet.
Auf der Party angekommen, begrüssen wir hier, reden dort und überhaupt ist alles ziemlich tippi-toppi.
Ca. 2 Stunden später lässt er mich wissen, dass ihm alles zu schnell ginge.
Hääää?
Wie jetzt?
Ja, es ginge ihm zu schnell. Wir hätten uns keine Zeit gelassen … bla bla bla …
Aha.
Zum Glück war ich diesmal nicht diejenige, die das Gaspedal mit dem Bremspedal verwechselt hat …
Ich versteh' mal wieder so rein gar nichts … Muss ich aber auch nicht.

Dennoch kann ich es nicht unterlassen, meiner Enttäuschung Luft zu machen und halte mit keinem meiner Worte hinterm Berg. Bedrückendes Schweigen. Ich steige aus dem Auto, wünsche eine angenehme Heimfahrt und suche Schutz in der Casa.
Ich denke nach. Sicher bin ich mir nicht mehr, ob es immer so geschickt ist, die Wahrheit und das, was man so denkt, frei auszusprechen. Das geschnalzte Wort eben. Doch der verletzte Stolz, die Enttäsuchung liessen einfach keine andere Wahl. Was folgt, ist ein Treffen auf dem Glühmarkt, eine Erklärung dessen, warum es war, wie es war und vor allem aber das zum Ausdruckbringen, dass das, was er vorher tat, sagte und unternahm, so gar nicht zum Zuschnellgehen passten.
Und einmal mehr lasse ich mich von ihm auf's Glatteis führen … Der Abschied sprach eine andere Sprache.

2 Tage später dann die Offenbarung, er müsse nun doch ehrlich sein …
Er wählt die non-verbale Kommunikation.
Feige ist das. Ein Griff zum Telefon wäre das Mindeste gewesen.
Doch das ist eben nicht Jedermann's Sache.
Ich wünsche noch „ein schönes Leben“ und hake die Sache für mich ab.

Was ist nur los?
Ist es zuviel verlangt, von zwölf bis Mittag zu denken?
Stimmt mit mir was nicht?

So, das Abholen vom Flughafen überlasse ich zukünftig auch nur noch denen, die sich damit auskennen …

Gehabt euch mal wohl.

2 Kommentare:

  1. Hallo Jana,
    jetzt habe ich mich mal durch deinen Blog gelesen und hatte doch des öfteren zu schmunzeln, zu beneiden und zu bedauern. Auf jeden Fall hat es mir schöne Stunden beschert (ich les nicht sooo schnell ;) )

    Jetzt wollte ich dir noch einen Link zu einem sehr schönen portugiesischen Liedchen schicken. Es ist aber glaube ich ein Liebeslied und das wäre gerade wohl unpassend. Sicher bin ich aber nicht, ich spreche nur deutsch und schwäbisch......

    Entscheide selbst:
    http://www.youtube.com/watch?v=FHh80clBQp8

    Eine schöne Vorweihnachtszeit für Dich und wer weiß, vielleicht klappt es sogar mal mit einem Treffen.

    LG Frank

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