Mittwoch, 14. Dezember 2011

Brasilenien ...

... und was mich sonst noch anstrengt!





Dinge passieren, ohne dass man wirklich Einfluss darauf nehmen kann. So kam mir mein letzter Good-Old Aufenthalt extrem kurz vor, die Rückkehr nach St. Pauli fühlte sich allerdings eher danach an, als sei ich eine halbe Ewigkeit weg gewesen.
Vielleicht lag es aber auch einfach nur am immensen Temperaturunterschied. Meine Schneefallgrenze ist um mindestens 30 Grad gesunken, das Atmen fällt am Nachmittag unter freiem Himmel zunehmend schwerer und diese dauerhafte Schwüle trägt nicht unbedingt zum allgemeinen Superwohlbefinden bei.

Doch wer jammert, kommt ins Heim und so schleppe ich meinen Körper direkt nach Landung vergangene Woche zum Lauftraining in den Park. Alles ist unverändert, bis auf die Tatsache, dass selbst im Park Weihnachten Einzug gehalten hat. Wie alles in St. Pauli, sind auch hier die Weinnachtsglocken, -kugeln und –lichter überdimensioniert. Während ich so meine Runden drehe, begutachte ich die Parkdeko und erwische mich dabei, wie ich mich schon darauf freue, demnächst mal bei Nacht laufen zu gehen, damit ich das Spektakel dann auch mal in Betrieb ansehen kann.

Ich schnaufe wie ein Walross, als ich den Park in Richtung Wohnung verlasse, als mich mitten auf der Strasse jemand „anhaut“. Zweimal musste ich hinsehen, bis ich kapiere, dass es sich um meinen Mitläufer im Park handelt, mit welchem ich bislang immer nur Blicke tauschen konnte und der mein heimlicher Motivator war, immer noch eine Runde mehr zu laufen. Wow, 18 Melonen Menschen in dieser Stadt und ich werde auf der Strasse erkannt bzw. kenne selbst jemanden. Marcio lässt mich wissen, er hätte mich in den letzten Wochen „vermisst“ und ein Blick auf seine Uhr entlockt ihm, dass ich an jenem Tag wohl viel zu früh zum Laufen dran war.
Wir verabschieden uns, denn schliesslich muss ich in Bewegung bleiben und er will auch noch loslaufen. Allerdings steht der Plan, dass wir uns freitags (zur gewohnten Uhrzeit) im Park zum Laufen treffen wollen.

Lange Rede kurz. Wir kommen an jenem Freitag nicht zusammen. Gestern erst hat es wieder geklappt. Eine Stunde lang drehen wir gemeinsam unsere Runden, sprechen eine lustige Sprache, die wir selbst nicht so recht definieren können und dann geht wieder jeder seiner Wege ...


Dieses Klima ist im wahrsten Sinne des Wortes anstrengend. Auf auf die Gefahr hin, dass ich meinen Lauffreund im Park nicht mehr sehen werde, testete ich diese Woche mal aus, wie es denn ist, am Morgen zu laufen. Schwül isses am Morgen auch, vielleicht sogar noch mehr, als am Abend, doch es ist nicht ganz so drückend heiss. Ich verspreche mir davon, meine allmorgendliche Schwitzkur während des Laufens hinter mich zu bringen, um mich nach dem Duschen damit rumärgern zu müssen.
Doch weit gefehlt. Ich lasse mir Zeit, führe all meine Bewegungen in Slow-Mo aus und dennoch, jede noch so kleine Bewegung treibt mir die Schweissperlen auf die Stirn. Inzwischen bin ich schon soweit, dass ich morgens mindestens 30 Minuten einplanen muss, denn zwischen den einzelnen Arbeitsschritten muss ich weitere Ruhepausen einplanen ...

Leider bewahrte mich das vorgestern Morgen nicht davor, nachdem ich schon fix und fertig angezogen und mit dem Fahrstuhl nach unten gefahren war, mich nach einer weiteren Ruhepause von der Ruhepause doch wieder nach oben zu begeben, um mir wieder trockene Klamotten anzuziehen. Unglaublich dieses Klima hier (und ich bin mir sicher, es ist das Klima und nicht ich!!!). Wissentlich, dass ein 1,5 km Fussmarsch vor mir liegt, packe ich vorsorglich noch ein frisches T-Shirt ein und begebe mich auf die Strasse ...
Keiner will wissen, in welchem Zustand ich bei der Arbeit ankam. Ich ehrlich gesagt auch nicht mehr ...
Einmal mehr denke ich mir, wie schön es doch in Deutschland wäre. Wenn es kalt ist, ist es kalt und wenn es warm ist (bzw. sein sollte), ist es auch kalt. Da weiss man, was man hat und man weiss auch immer, wie man sich richtig anzuziehen hat ...

... und es war noch nicht mal richtig Sommer ...


Inzwischen treibt mir noch eine weitere Tatsache (Angst)Schweissperlen auf die Stirn. Es ist das 17. Stockwerk, auf oder in welchem ich lebe. Also, nicht das Stockwerk selbst, vielmehr die Tatsache, dass dieses Stockwerk ohne Fahrstuhl nur unter Aufbietung der letzten Kräfte erreichbar wäre. Kurzum, ich glaub, ich bin in 120 % aller Fälle auf das mobile Gefährt angewiesen.
An dieser Stelle sollte ich erwähnen, dass ich mich in kleinen, engen Räumen generell nicht so wohl fühle, in kleinen, engen Räumen mit vielen Menschen noch viel weniger. Auch ist mir immer wieder blümerant, wenn ich mit dem Fahrstuhl fahren muss und jedesmal bin ich erleichtert, wenn das Ziel erreicht ist und ich endlich wieder aussteigen darf.

Es war Montag. Diese Woche. Ich beschliesse noch vor dem Aufstehen joggen zu gehen. Meine Nachbarin dachte sich das gleiche und so standen wir kurz nach 0600 gemeinsam im Fahrstuhl. In „Null“ wollen wir aussteigen, doch kurz vorher bleibt der Fahrstuhl stehen. Oder stecken. Oder was auch immer.
Normalerweise zeigt meine Pulsuhr im Ruhezustand noch nicht mal die 50 an und jetzt schnellt der Pulsschlag binnen weniger Sekunden auf über 100 ... Shit. Ich – wir – stecken fest. Auf das Klingeln reagiert keiner und dann geht das Licht ein weiteres mal aus. Als es wieder angeht, zeigt das Display des Fahrstuhls die 28 an und die Kabine setzt die Fahrt in entgegengesetzer Richtung fort. In -3 dürfen wir aussteigen. Die Treppe nehmen können wir nicht, da das Treppenhaus stockdunkel ist und so arbeiten wir uns die Tiefgaragenausfahrt nach oben, bis wir endlich wieder Tageslicht sehen.
Mit meinem Puls bin ich längst schon „out of Comfortzone“ und ich überlege, ob ich überhaupt noch laufen soll, denn in den letzten 20 Minuten habe ich vermutlich schon 7,8 g Fett und 1.334 kcal verbrannt ...

Schlussendlich entscheide ich mich dann doch für den Parklauf und als ich zurück bin, verdonnere ich einen meiner Türwächter, mich mit dem Fahrstuhl nach oben zu fahren, denn jetzt trau ich mich nicht mehr allein ...


So, und zu allem „Elend“ gibt’s dann morgen abend noch: „Amigo Secreto“. Den Krabbelsack oder das Wichteln kenn ich schon, doch einen „geheimen Freund“ kenn ich nicht. Während man mir Gringa erklärt, dass es noch einen Subnamen gibt, sowas wie: „Ich klau mir mein Geschenk“, bin ich etwas schlauer.
Und das geht so:
Der Betrag von BRL 30,00 wurde festgelegt. Man sollte sich daran halten. Eingeladen werden ALLE. Männlein und Weiblein. Kreativ soll das Geschenk sein.
Soviel zu den Rahmenbedingungen.
Wenn wir uns morgen dann in der Location einfinden, warten wir erst mal ab, essen, trinken und erzählen und wenn dann klar ist, dass keiner mehr kommt, werden die Namen der Anwesenden auf Zettel geschrieben.
Derjenige, der sein Geschenk verschenken soll, muss einen Zettel ziehen und demjenigen sein Geschenk schenken. Der Beschenkte kann dann, wenn ihm sein Geschenk nicht gefällt, einem anderen das Geschenk „klauen“ (also tauschen). Der, der zuerst dran ist, wird dazu wenig Möglichkeiten haben, doch je später man beschenkt wird, umso grösser die Auswahl, sich ein schöneres Geschenk auszusuchen.

Da ich jetzt allerdings nicht weiss, ob jemand meiner „geheimen Freunde“ hier mitliest, werde ich nicht veröffentlichen, was ich mir habe einfallen lassen ... Das mach ich zu einem späteren Zeitpunkt ...

Und hier noch mein Elf für dieses Jahr (auch eine ziemlich anstrengende Performance :-))


Gehabt euch wohl,
Eure Ma

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