… geht weiter !
So, wo war ich stehen geblieben?
Ach ja, die Tage in Puerto Madryn vergingen völlig unaufgeregt. Gundula machte sich am Regenurlaubstag, als es dann doch noch aufhörte zu regnen auf den Weg zum Eco-Centro, während ich dachte, meine Erkältung sei soweit überstanden, dass ich wieder joggen gehen kann. Das hab ich dann auch getan. Und zwar gleiche ne ganze Stunde lang und dann auch noch am Meer. Kalt war's aber schön.
Schon in Puerto Madryn war meine Freundin besessen vom Kofferpacken. Vielleicht nicht gerade besessen, doch es beschäftigte sie. Einerseits war sie der Meinung, sie hätte nicht genug Klamotten dabei (dabei war ihr Koffer auch schwerer als 20 kg) und dann war ihr irgendwie nie so klar, wie sie alles wieder in den Koffer kriegen soll. Und so begann in Puerto Madryn ihr Ritual. Erst den Koffer auspacken, um ihn dann wieder neu zu packen. Ich kann an dieser Stelle schon vorwegnehmen, sie hat nirgendwo was liegen lassen müssen …
Und so werden wir am 13.10. gegen 1000 h im Hotel abgeholt. Wir staunen nicht schlecht, als da ein kleiner PKW vor der Tür steht, der neben uns beiden noch 2 weitere Hotelgäste zum Flughafen befördern soll. Völlig überrascht bin ich, als es der Fahrer schafft, alles bis auf einen kleinen Trolley im Kofferraum zu verstauen. Und los geht die Fahrt.
Diesmal klappt das mit dem Check-In viel besser und Verspätungen gibt es keine. Auf dem Flug nach El Calafate werden uns wieder Lunch-Boxen mit den gleichen Knatsch-Sandwiches, diesmal ein anderes süsses Teilchen, dafür aber wieder das gleiche Karamellbonbon serviert.
Grandioser Sonnenschein – allerdings auch ein wenig Wind – empfangen uns in El Calafate. Noch habe ich nicht viel gesehen, doch es gefällt mir jetzt schon. Hier will ich bleiben. Hier will ich so schnell nicht mehr weg.
Das Hotel ist ebenfalls schön gelegen, direkt am Lago Argentino, das Zimmer gemütlich, irgendwie süss und ein sensationeller Ausbilck vom Balkon.
Schnell ist wieder klar, wer welche Schlafstätte bezieht und so widmen wir uns wieder dem Auspacken. Nach getaner Arbeit machen wir uns auf den Weg ins Stadtzentrum. Der Planet brennt, wir haben einfach nur gute Laune und freuen uns auf die bevorstehenden Erlebnisse. Auf den Perito Moreno freuen wir uns schon seit Beginn der Reise. Doch dazu später mehr.
Verlaufen können wir uns nicht in El Calafate, da es nur eine Strasse gibt, die ins Zentrum führt. Und auf dem Weg dahin kommen wir an einem kleinen Musikladen vorbei. Spontan grätschen wir ein, denn ich weiss schon, was ich kaufen möchte. In Puerto Madryn hab ich nämlich Bekanntschaft mit El Dragon gemacht und von dem wollte ich mir unbedingt die CD kaufen. Der hat nämlich den Rhythmus, bei dem man mit muss …
Auch nach 4 Tagen fällt es mir noch immer schwer, meine Spanischkenntnisse zu reaktivieren, doch ich geb alles und trau' mich einfach und spreche den Verkäufer einfach mal an. Schon als wir ihn gesehen haben, waren Gundula und ich uns einig, dass er gut neben Nestor auf's Sofa passen würde. Argentinier sehen einfach nur gut aus … Soviel ist sicher !
Wie dem auch sei, während ich mir Musiktipps von dem hübschen Verkäufer geben lasse, naja, vielleicht haben wir auch ein wenig geflirtet, beobachtet Gundula von der Seite das Geschehen und grinst sich nen Wolf. Wir hören in verschiedene Musikstücke und am Ende erstehen wir beide je 3 CDs. Wir verabschieden uns nach einer gefühlten Ewigkeit von dem Verkäufer. Ach, das war schön. Wir kommen wieder. So der Plan.
Das Zentrum von El Calafate erinnert ein wenig an einen schweizer Skiort. Holzhütten, Cafés, Bars, Restaurant und mörder viele Touristen. Ja, es war schon sehr überlaufen, doch irgendwie auch recht angenehm. In der Librobar gönnen wir uns unser Willkommensbier und auf dem Weg nach Hause gönnen wir uns mal ne Pizza. Im Supermarkt sind danach schnell die Kleinigkeiten eingekauft, die man so zum Leben braucht und mit den Hühnern gehen wir dann auch schon schlafen.
Das Frühstücksbuffet ist ordentlich. Käse, Schinken, die Eier fehlen, ein bisschen Obst, der Kaffee ist trinkbar, Brot und Media Lunas. Wir schlagen zu, wer weiss, wann wir wieder was bekommen und dann stehen wir auch schon parat, denn wir sollten abgeholt werden, damit wir in den Nationalpark kommen. Der Perito Moreno wartet schliesslich. Im Park selbst tauschen wir irgendwann den Bus gegen ein Boot und schon schippern wir auf dem Lago Argentino los.
Plötzlich ist er da. Der Gletscher erstrahlt in gewaltiger Pracht vor uns. Einmal mehr scheitere ich beim Versuch auch nur im Ansatz beschreiben zu wollen, wie und was das war.
Gewaltig. Gewaltiger. Gletscher. Ich so klein, er so gross. So blau. So mächtig. Aus der Ferne betrachtet meint man fast, man könne auf ihm laufen. Doch schaut man genauer hin, öffnen sich Gletscherspalten die wohl grösser kaum sein können.
Die Kamera halte ich nur drauf und schiesse ein Foto nach dem anderen. Vorher noch erzählt mir Gundula, sie würde gerne mal den Gletscher kalben sehen und dann passiert es. Es kracht, es ist laut, es hallt. Und dann bricht der Gletscherbrocken ab und rauscht mit voller Wucht in den See. Sensationell und ich hab's im Kasten … Check.
Nach der Bootsfahrt haben wir noch die Möglichkeit, einen Wanderweg durch den Wald und entlang des Gletschers zu laufen.
Einmal mehr bin ich überwältigt von dem Anblick, der sich mir bietet. Und nicht nur das. Der Gletscher spricht mit uns. Immer wieder kracht und hallt es. Doch es ist nicht zu erkennen, woher es kommt.
Nach diesem Ausflug wissen wir, dass wir uns in jedem Fall noch die Nordseite des Perito Moreno, den Spegazzini und den Upsala Gletscher anschauen wollen. Und so ist die Bootstour für den nächsten Tag schon gebucht.
Unsere Enttäuschung am nächsten Tag ist nicht zu übersehen, als wir am Hafen ankommen und erfahren, dass es kein kleines Boot, sondern ein Katamaran mit einer kleinen Million Menschen darauf sein wird. Wär der Trip nicht verhältnismässig teuer gewesen, wären wir bestimmt wieder umgekehrt und nicht mitgefahren. Naja, man soll ja nicht schon vor den Schlägen schreien und somit lassen wir es doch mal mehr oder minder gelassen auf uns zukommen. Wir beobachten Menschen und schon wieder haben wir jemanden gefunden, der auch auf's Sofa passen würde. Wir erfahren, dass es Federico ist und dass er der Boardfotograf ist.
Die Landschaft, die sich da so offenbart, ist sensationell. Berge. Schnee. Eis. Alles ist so gewaltig gross. Beim Spegazzini hat man das Gefühl, dass er sich einfach so in den See ergiesst …
Den Mund krieg ich vor Staunen schon wieder nicht zu. Auf Federico's Tipp hin, bleiben wir auf der hinteren Seite des Katamaran's stehen, denn da sind wir windgeschützt und können zu gegebener Zeit dann doch alles sehen, was wir sehen müssen. Unsere Position ist strategisch gar nicht so ungeschickt, denn da wir auf dem oberen Deck sind, können wir die Menschen auf dem unteren beobachten. Schon da fängt mein „Fotoduell“ mit einem jungen Mann auf dem unteren Deck an.
Nach einer Weile findet sich der junge Mann dann auch auf dem oberen Deck ein und fragt einen weiteren Mitreisenden, ob dieser nicht ein Foto von ihm und dem Gletscher im Hintergrund machen könne. Allerdings nicht mit der Kamera, sondern mit dem iPhone. Der Gefragte bekommt noch eine kurze Einweisung von David (das haben wir dann später erfahren) und dann sollte das Foto geschossen werden. Ich stehe in unmittelbarer Nähe und kann vor Lachen kaum noch an mich halten, da der Gefragte ein etwas älterer Herr war, der versuchte mit aller Macht, den Auslöser auf dem Touchscreen zu drücken und total überfordert war mit der Technik.
David verstand meinen Hinweis, überreichte mir das Telefon und dann hab ich das Foto gemacht.
So ne Seefahrt ist nicht nur lustig, sondern sie macht auch durstig und wir organisieren uns mal wieder unser Lieblingsgetränk, welches wir draussen zu uns nehmen. David reist mit seinem Freund Hector und die beiden gönnen sich einen Whiskey on the rocks – selbstverständlich Gletscher-Rocks. Ich stelle fest, die Kamera um den Hals ist ein guter Kommunikator und schon bin ich im Gespräch mit Hector, der sich auch gleich mal die Fotos anschauen möchte. Schnell sind wir alle vier im Gespräch und versuchen eine uns allen entgegenkommende Sprache zu finden. Es ist lustig, denn wir erfahren, dass die beiden aus Madrid und Arbeitskollegen sind. Spanische Krankenschwestern oder -brüder. Also die beiden betreuen Säuglinge auf der Intensivstation. David verschwindet kurz, kommt dann aber mit vier mal Nachschub zurück und so stehen wir da, reden und trinken unser Bier. Gundula und ich hatten ein paar Kräcker eingepackt und diese steuere ich als Erdnussersatz einfach mal bei. Wie auf Kommando legen Hector und David, Brot, Wurst, Käse dazu. Wir packen noch einen Apfel und ein paar Kekse aus und ratz-fatz ist das Picknick fertig.
Als wir beim Upsala Gletscher ankommen, sind wir fertig mit essen und können uns wieder voll und ganz der Fotografie widmen. Und dann steht Federico da und überreicht mir einen Gletscherbrocken. Er hätte ihn unter Einsatz seines Lebens für mich geholt … Ja, ja, schon klar.
Gundula mutiert mal zur Fotografin und hält fest, wir wir beide am Gletscher schlotzen …
Federico erzählt mir, dass er eigentlich aus Buenos Aires ist, jedoch schon seit 7 Jahren fast am Ende der Welt lebt und dort munter Touristen fotografiert, die sich fotografieren lassen möchten.
David und Hector begegnen uns am Ausgang wieder und so verabreden wir uns zum Abendessen. Wir essen und trinken und reden über Gott und die Welt und landen am Ende in der „Loca Marimbabar“, die Gundula und ich bereits am Vorabend entdeckt haben. Picadas und Getränke zu Spottpreisen. Es läuft lässige Reggea Musik, wir machen's uns auf Sitzkissen gemütlich und lassen den Tag einfach ausklingen.
Für uns heisst es am nächsten Tag Abschied von El Calafate und den Gletschern zu nehmen …
Schade, schön war's hier …
Am 16.10.2011 geht die Reise weiter.
Gehabt euch wohl,
Eure Jana
Man hätte dabei sein wollen, so lebendig ist das erzählt. Obwohl, unter all den Hectors, Nestors, Davids, Federicos und CD-Verkaufsargentinos bekäme man(n) totsicher einen Komplex.
AntwortenLöschen