Long time – no write …
Bevor ich mich selbst nicht mehr daran erinnere, wie und was ich die letzten drei Wochen – oder gar vier – gemacht habe, nutze ich heute mal die Gelegenheit, um all das Erlebte und Nichterlebte niederzuschreiben.
Nach 6 Monaten in der Ferne, nehme ich am 09.10.2011 meinen dritten Besucher, der eigentlich eine Besucherin ist, am Flughafen Guarulhos in Empfang. Während mir Tuti's Ankunft seinerzeit eine schlaflose Nacht bescherte, da ich nicht wusste, ob ich den Weg zum Flughafen finde werde, bin ich nun bei Gundula's Ankuft ziemlich gelassen. Vermutlich lag es aber auch daran, dass mich die Erkältung noch immer plagte und ich aus diesem Grund ganz ohne Umwege in den Tiefschlaf sinken konnte. Allerdings war die Nacht schon vor dem Aufstehen zu Ende, da ich mich bereits um 0400 (!!!) auf den Weg zum Flughafen begeben musste ...
Morgens, kurz vor 0600 in Sao Paulo. Wir fallen uns um den Hals und freuen uns erst mal, dass alles soweit ganz gut geklappt hat, denn später sollten wir noch vom Gegenteil überzeugt werden. Gut nur, dass wir zu diesem Zeitpunkt noch nichts davon wussten.
Damit Gundula zunächst mal ankommen kann, also zumindest soweit, wie es die Zeit zulässt, fahren wir in die internationale Brasilenien-Casa, um uns dort erst mal wieder auf Stand bringen. Zu Hause angekommen, packt Gundula zunächst mal die virtuelle Mitteilungsliste aus: Hier ein Gruß vom Griechen, dazu muss dann auch standesgemäss umarmt werden, Christof lässt schön grüssen, Benedikt hat sich erkundigt, wie und ob alles gut sei, Kerstin bestellt auch schöne Grüße. Kurzum, eigentlich wünschen sie uns nur das Beste und vor allem ganz viel Spass …
Murphy sagt, immer wenn Besuch kommt – also mein Besuch – dann muss es in Sao Paulo regnen. Überraschenderweise bleibt der Regen an diesem Tag aus (wenn Engel reisen) und ich hege die leise Hoffnung, dass wir noch ein paar Sonnenstrahlen ergattern können. Nach dem Kaffee und ausführlichem Update über die Heimat, schwingen wir die Luxuskörper in das Badeoutfit und begeben uns mit Sonnencreme, Wasser und Buch by the Pool. Immer wieder zieht es sich zu, dann reisst es wieder auf, doch schlussendlich tut das nichts zur Sache, wir liegen am Pool und ruhen uns erst mal aus. Gundula von ihrer langen Reise und ich mich vom frühe Aufstehen und von der vermeintlich überstandenen Grippe.
Murphy ist doof.
Gerade als ich eine gemütliche Chilling-Position gefunden habe, treffen mich die ersten Regentropfen aus heiterem Himmel direkt auf den Bauch, die Beine, die Schulter, den Kopf.
Mist. Wir packen zusammen und gehen wieder nach oben und überlegen, was wir mit dem angebrochenen Tag anfangen können. Die Stunden vergehen, wir tun dies und das und jenes und am Abend sind wir mit Dada und Fran beim Mexikaner zum Essen verabredet.
Es ist Montag Morgen (10.10.) und der Wecker klingt am ersten Urlaubstag zu einer unchristlichen Zeit. Die Koffer sind gepackt (meiner hat mehr als der erlaubten 20 kg) und wir begeben wieder auf den Weg zum Flughafen, an welchem wir in Rekordzeit ankommen (ich glaube, es waren gerade mal knappe 40 Minuten bis zur Mietwagenrückbringstation). Am Terminal sind wir auch recht schnell und dann beginnt auch schon der Horror und wir beide stellen uns einstimmig die Frage: „Wer hat eigentlich diesen Scheiss-Trip gebucht?“
Mehrere Stunden verbringen wir in der Check-In Schlange der Fluggesellschaft Aerolineas Argentina und warten darauf, dass wir endlich unseren Boarding Pass bekommen, das Gepäck aufgeben und endlich losfliegen können. Doch das geht nicht, da die Maschine, die uns zunächst nach Buenos Aires bringen soll, noch immer in Buenos Aires steht und sich noch nicht mal auf den Weg nach Sao Paulo gemacht hat. Etwas mehr als 2 Stunden ist der Flieger verspätet. Grundsätzlich wäre das kein Problem, wenn wir nicht um 1900 auf den Anschlussflug nach Trelew gebucht gewesen wären.
Wir sind froh, als wir dann doch pünktlich verspätet im Flieger nach Buenos Aires sitzen – wohlgemerkt noch immer guter Dinge, dass wir den Anschlussflieger erwischen können.
Es dauert nicht lange, da serviert uns Aerolineas dann auch unser Mittagessen … Eine Lunchbox mit Knatsch-Sandwich, etwas Süssem und ein Karamellbonbon.
Nach 2,5 Stunden kommen wir gestärkt in Buenos Aires an, hechten zur Gepäckausgabe, schnappen unsere Koffer und springen damit weiter zum nächsten Check-In, denn noch besteht die Chance, den Flug zu kriegen. Die Schlange ist kurz, es geht verhältnismässig schnell vorwärts und dann, gerade als wir alles aufgegeben haben, erfahren wir, dass auch der Weiterflug 2 Stunden verspätet ist. Einmal mehr stellen wir uns an diesem Tag die Frage, wer eigentlich für die Buchung dieses blöden Trips zuständig ist.
ICH war's nicht !!! ;-)
Da alles Jammern, Motzen und Ärgern nichts nutzt, gönnen wir uns unser erstes argentinisches Bier, während wir warten. Langsam wird es dunkel und langsam aber sicher nervt die Warterei dann doch. Im Ansatz kann ich jetzt mal nachempfinden, wie es sich denn anfühlen muss, wenn man am Flughafen „gefangen“ ist, weil nichts mehr geht …
Lange Rede kurz: Gegen Mitternacht kommen wir endlich inmitten der patagonischen Steppe – in Puerto Madryn – an. Entschädigt werden wir durch ein sensationell schönes und sehr modernes Hotel, ein grosses Zimmer, ein super gemütliches Bett (das gemüchtlichste auf der ganzen Reise) und überhaupt – wir sind erst mal da.
Puerto Madryn macht so ziemlich alles wett, was in den letzten Stunden schief gelaufen ist. Nach einem ausgiebigen Frühstück am nächsten Morgen, warten wir geschniegelt und gestriegelt auf unsere Abholung, denn es ist ein Ausflug zur Peninsula Valdes geplant. Im Ausflugsbus sitzen wir in der letzten Reihe, was uns einen unverbauten Blick auf den Guide beschert.
Nestor. Lange lockige Haare, schöne braune Augen, weiche – vielleicht sogar leicht feminine – Gesichtszüge, ein schöner, voller Mund, schöne Zähne. Irgendwie war alles schön an ihm. An diesem Tag wollte ich einfach nur sitzen bleiben, und ihn anschauen, ihm beim Reden zuhören. Ich wollte noch nicht mal alles verstehen, was er zu sagen hatte – einfach nur schauen und zuhören ohne zu verstehen.
Gundula kann den Blick auch kaum von ihm lassen und mir entfährt es: „Weisst Du, ihn würde ich mir gerne auf meine Couch setzten. Er sollte einfach nur da sitzen, ich würde ihn anschauen können und ihm ab und an mal eine Locke aus dem Gesicht streichen.“ Zum ersten Mal bin ich allerdings auch froh, dass man meine Sprache nicht versteht und ich zwinge mich weiterhin immer wieder dazu, ihn nicht anzustarren.
Nestor weiss viel über die Patagonische Steppe, die angeschmuddelten Schafe, die Wale, die See-Elefanten und die Pinguine zu berichten. Er tut dies mit einer Begeisterungs, dass jedem seiner Wörter pure Begeisterung und Liebe zu seinem Beruf zu spüren ist.
Auf unserer kleine Expedition begegnen wir unzähligen Magellan-Pinguinen, die sich teilweise am Wasser tummeln, oder in ihren Nestern brüten oder auch gerade dabei sind, sich zu vermehren. Nestor kommentierte nur: „Pinguinos Pornograficos“.
Die See-Elefanten beeindrucken mich schon sehr. Sie liegen einfach so reglos am „Strand“, sehen schmutzig aus und irgendwie fällt es mir schwer zu glauben, dass diese Tiere noch leben. Gerne hätte ich einen See-Elefanten angefasst, doch leider durfte ich dies nicht.
Ein wunderbarer Tag mit Nestor und den Pinguinen geht zu Ende und wir gönnen uns ein lekkeres Abendessen in einem super gemütlichen Restaurant in der Stadt.
Die restlichen Tage in Puerto Madryn wollten wir ganz gemütlich gestalten, uns die kleine Stadt anschauen, ein bisschen die Seele baumeln lassen usw. Damit konnten wir direkt am nächsten Tag beginnen, denn der Tag erwacht grau in grau und es regnet und so gönnen wir uns zur Feier des Regenurlaubstages ein Sektfrühstück …
Am 13.10.2011 ging die Reise weiter …
Gehabt euch,
Eure Jana
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