Mittwoch, 16. November 2011

Unsichtbar ...

… das bin ich !!!



Also, ich glaube, dass ich schon immer ein klein wenig unsichtbar war. Naja, vielleicht nicht ganz so unsichtbar, aber schwer zu sehen, evtl. auch leicht zu übersehen. Oder so.
Mir scheint, als wäre das schon immer so gewesen. Zumindest kommt es mir so vor, als sei es schon immer so gewesen. Gerade unlängst sagte mir ein Freund, den ich schon eine halbe Ewigkeit kenne, aber schon ewig nicht mehr gesehen habe, er habe mich damals (vor 21 !!!) nicht so gross wahrgenommen. Ein bisschen grösser dürfte ich heute wohl sein und dennoch – ich werde übersehen.

Wie komme ich darauf, unsichtbar zu sein?
Ganz einfach. Seit Wochen – ach, was sage ich – seit Monaten beobachte ich die Menschen, die mir tagtäglich auf dem Weg zur Arbeit und von der Arbeit begegnen. Sie begegnen mir auf dem Gehweg, auf der Strasse, an der Bushaltestelle, im Büro, im Fahrstuhl, im Supermarkt … Kurzum: Überall!

Der Gehweg.
Eine Strassenverkehrsordnung gibt es hier wohl nicht. Doch der Macht meiner Gewohnheit folgend – und schliesslich verkehrt man in St. Pauli auch rechterhand – halte auch mich eben auch immer an die rechte Seite des Gehwegs. Demzufolge sind meine Ausweichmöglichkeiten extrem limitiert. Ich kann halt mal nicht gerade eben auf die Hausmauer hüpfen, oder ein Teil der Hausfassade werden. Nein, das kann ich nicht. Und dennoch – der Brasilianer scheint zu erwarten, dass ich ich Platz mache. Mir ist bislang nur noch nicht klar geworden, wohin. Oft beobachte ich aber auch, dass meine Entgegenläufer Mitaufdemhandytippen beschäftigt sind und ihr Blick starr auf dem Bildschirmchen des Smartphone klebt, während sie mit einer Seelenruhe frontal in mich hineinlaufen.
Inzwischen habe ich mir angewöhnt, mich kurzzeitig einzufrieren und wie in Stein gemeisselt stehen zu bleiben. Was ich dafür ernte ich ein böser Blick und ein Grummeln.
Na dann obrigada.

Der Fahrstuhl.
Allein in dieser Woche sind mindestens, wenn nicht sogar noch mehr Leute entweder direkt vorwärts in mich hinein- und auf meinen grossen Onkel hinaufgelaufen. Tritt einem einer mit seinen Zehen auf den eigenen Zeh, ist das nicht soooo dramatisch. Tut zwar ein bisschen mehr aus, weil man trägt ja zuweilen offenes Schuhwerk. Richtig weh – also so richtig weh, dass man wirklich grosse Mühe hat, den Schemerzensschrei zu unterdrücken – tut es dann, wenn der Fahrstuhlmitfahrer oder auch -in rückwärts auf den Zeh trampelt.
Leichte Schürfwunden habe ich am linken Zeh bereits davon getragen.

Der Supermarkt.
Passend zum verschammarierten Zeh, wurden mir inzwischen die Versen „verschönert“. Schliesslich muss das eine zum anderen passen. Wie bitte schön kann man mich an der Kasse übersehen???? Ich stehe vor dem Menschen der nach mir bezahlen möchte und dennoch habe ich, wenn ich den Supermarkt verlasse, in mindestens einer Verse, meistens aber in beiden, den Abdruck des Einkaufswagens. Ich verstehe das einfach nicht.

Der Park.
Ich laufe schon Slalom, da ich den Walkern, die in die gleiche Richtung walken, in die ich jogge, und dennoch gibt Menschen, die von hinten in mich hineinlaufen oder mich einfach nur anrempeln. Entgegenkommende tun das nicht anders.

Im Büro.
Manch ein Zeitgenosse nimmt mich nur wahr, wenn ich Begleitung einer anderen Zeitgenossin bin oder aber ich im Besitz einer wichtigen Information bin, die u. U. Geteilt werden muss.

Die Bank.
Mein Cadastro ist noch immer nicht eröffnet und die Kohle auch noch nicht gutgeschrieben. Und warum? Weil ich ohne meine CPF noch unsichtbarer bin.

Und so laufen tagtäglich Menschen in und auf mich, ohne es wirklich wahrzunehmen ….
Doch dann war da der (Voll)Pfosten, in den ich heute gelaufen bin auch unsichtbar, weil ich damit beschäftgt war auf dem iPos rumzuklimpern …

Zum Glück sieht mich keiner … Dann stört der Blinker auf der Stirn dann auch nicht so sehr …

Gehabt euch wohl.
Eure Jana

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