Mittwoch, 16. November 2011

Unsichtbar ...

… das bin ich !!!



Also, ich glaube, dass ich schon immer ein klein wenig unsichtbar war. Naja, vielleicht nicht ganz so unsichtbar, aber schwer zu sehen, evtl. auch leicht zu übersehen. Oder so.
Mir scheint, als wäre das schon immer so gewesen. Zumindest kommt es mir so vor, als sei es schon immer so gewesen. Gerade unlängst sagte mir ein Freund, den ich schon eine halbe Ewigkeit kenne, aber schon ewig nicht mehr gesehen habe, er habe mich damals (vor 21 !!!) nicht so gross wahrgenommen. Ein bisschen grösser dürfte ich heute wohl sein und dennoch – ich werde übersehen.

Wie komme ich darauf, unsichtbar zu sein?
Ganz einfach. Seit Wochen – ach, was sage ich – seit Monaten beobachte ich die Menschen, die mir tagtäglich auf dem Weg zur Arbeit und von der Arbeit begegnen. Sie begegnen mir auf dem Gehweg, auf der Strasse, an der Bushaltestelle, im Büro, im Fahrstuhl, im Supermarkt … Kurzum: Überall!

Der Gehweg.
Eine Strassenverkehrsordnung gibt es hier wohl nicht. Doch der Macht meiner Gewohnheit folgend – und schliesslich verkehrt man in St. Pauli auch rechterhand – halte auch mich eben auch immer an die rechte Seite des Gehwegs. Demzufolge sind meine Ausweichmöglichkeiten extrem limitiert. Ich kann halt mal nicht gerade eben auf die Hausmauer hüpfen, oder ein Teil der Hausfassade werden. Nein, das kann ich nicht. Und dennoch – der Brasilianer scheint zu erwarten, dass ich ich Platz mache. Mir ist bislang nur noch nicht klar geworden, wohin. Oft beobachte ich aber auch, dass meine Entgegenläufer Mitaufdemhandytippen beschäftigt sind und ihr Blick starr auf dem Bildschirmchen des Smartphone klebt, während sie mit einer Seelenruhe frontal in mich hineinlaufen.
Inzwischen habe ich mir angewöhnt, mich kurzzeitig einzufrieren und wie in Stein gemeisselt stehen zu bleiben. Was ich dafür ernte ich ein böser Blick und ein Grummeln.
Na dann obrigada.

Der Fahrstuhl.
Allein in dieser Woche sind mindestens, wenn nicht sogar noch mehr Leute entweder direkt vorwärts in mich hinein- und auf meinen grossen Onkel hinaufgelaufen. Tritt einem einer mit seinen Zehen auf den eigenen Zeh, ist das nicht soooo dramatisch. Tut zwar ein bisschen mehr aus, weil man trägt ja zuweilen offenes Schuhwerk. Richtig weh – also so richtig weh, dass man wirklich grosse Mühe hat, den Schemerzensschrei zu unterdrücken – tut es dann, wenn der Fahrstuhlmitfahrer oder auch -in rückwärts auf den Zeh trampelt.
Leichte Schürfwunden habe ich am linken Zeh bereits davon getragen.

Der Supermarkt.
Passend zum verschammarierten Zeh, wurden mir inzwischen die Versen „verschönert“. Schliesslich muss das eine zum anderen passen. Wie bitte schön kann man mich an der Kasse übersehen???? Ich stehe vor dem Menschen der nach mir bezahlen möchte und dennoch habe ich, wenn ich den Supermarkt verlasse, in mindestens einer Verse, meistens aber in beiden, den Abdruck des Einkaufswagens. Ich verstehe das einfach nicht.

Der Park.
Ich laufe schon Slalom, da ich den Walkern, die in die gleiche Richtung walken, in die ich jogge, und dennoch gibt Menschen, die von hinten in mich hineinlaufen oder mich einfach nur anrempeln. Entgegenkommende tun das nicht anders.

Im Büro.
Manch ein Zeitgenosse nimmt mich nur wahr, wenn ich Begleitung einer anderen Zeitgenossin bin oder aber ich im Besitz einer wichtigen Information bin, die u. U. Geteilt werden muss.

Die Bank.
Mein Cadastro ist noch immer nicht eröffnet und die Kohle auch noch nicht gutgeschrieben. Und warum? Weil ich ohne meine CPF noch unsichtbarer bin.

Und so laufen tagtäglich Menschen in und auf mich, ohne es wirklich wahrzunehmen ….
Doch dann war da der (Voll)Pfosten, in den ich heute gelaufen bin auch unsichtbar, weil ich damit beschäftgt war auf dem iPos rumzuklimpern …

Zum Glück sieht mich keiner … Dann stört der Blinker auf der Stirn dann auch nicht so sehr …

Gehabt euch wohl.
Eure Jana

Sonntag, 13. November 2011

Es ist mal wieder soweit ...

… arm wie ne Kirchenmaus!


„Über Geld spricht man nicht, man hat es!“
Und da ich nun mal keines habe, kann ich nun auch völlig und ungeniert darüber sprechen. Oder auch schreiben.

Meine Bank und ich – und gerade überlege ich, ob ich nicht den Blogtitel umbenennen soll. Nun gut. Ich geb mal einen kurzen Abriss darüber, wie ich hier meine Bankgeschichten zu erledigen pflege.

Nach der letzten „Fehlüberweisung“ - es wurden statt der transferierten Real, Euronen gutgeschrieben – war mein brasilenien-Konto ziemlich satt gefüllt. Ne ganze Weile konnte ich so richtig aus den Vollen schöpfen, hier das Kärtchen zücken, dort mal bar bezahlen und hier und dort mal ne Überweisung tätigen. Fairerweise muss ich gestehen, dass ich mir eben von mir selbst nur etwas Geld geliehen hatte und dieses natürlich wieder irgendwie von meinem deutschen Konto auf das brasilianische schaffen musste.

Und das geht in der Regel so.
Über e-Banking überweise ich mir Geld von einem dt. Konto auf ein anderes dt. Konto. Von diesem anderen dt. Konto kann ich überall auf der Welt – also auch hier in Brasilien – Real am Automaten ziehen, ohne dafür Gebühren zu zahlen. Und der Umrechnungskurs ist auch noch ziemlich gut.
Da ich allerdings mit jedem Zug am Automaten nur 800 Real bekomme, wiederhole ich den Vorgang entsprechend oft und stapfe dann mit 2,5 kg Real in der Hand zur Geldeinzahlundaufskontogutschreibstelle. Selbstverständlich tu ich das nicht an jedem x-beliebigen Geldautomaten, sondern direkt in der Bank, da man sich ja hier nicht mit viel Geld auf der Strasse bewegen sollte.
So habe ich nun wieder nach und meine Schulden bei mir selbst bezahlt und konnte die laufenden Zahlungen hier in Sampa auch wieder per Online-Banking erledigen.

Leider produziert mein Konto kein Geld automatisch nach, wenn der Sicherheitsbestand angebrochen wird und so musste ich wieder Antrag auf Nachschub stellen. Diesmal wollten wir einen neuen Versuch wagen, Real aus D nach BR zu bringen. Und die Gebühren sollte dann allerdings auch zu Lasten des Geldübersenders gehen, damit ich den sauberen Betrag bekomme, den ich hier brauche. Der Prozess läuft an und ich warte.

In der Zwischenzeit werden allerdings noch weitere Zahlungen fällig. Es sind Arztrechnungen. Und das ist hier irgendwie alles andere als billig. Und so bezahle ich die Zahnärztin, die mir den provisorischen Zahn mit einem weiteren Provisorium füllte. Der Allgemeinmediziner, bei dem ich vorstellig wurde, nachdem nach 10 Tagen Antibiotikum der Husten noch immer nicht besser wurde, musste auch bezahlt werden. Hinzu kommt, dass wir noch ein grosses Blutbild haben machen lassen und somit habe ich direkt am Tag der Blutentnahme unzählige Real im Labor liegen lassen.
Jetzt bin ich nur noch gespannt, ob mein Doc in Deutschland nun auch noch Geld für die telefonische Konsultation verlangt …

Lange Rede kurz. Ich hab für die Vorlagenausgaben mein Konto geplündert … Letzte Woche dann die Info, die Real seien auf dem Weg, wäre auch schon bei der Bank angekommen, doch es gäbe Probleme bei der Gutschrift, ich solle mich mal wieder mit der Bank in Verbindung setzen.
Gesagt, getan. Ich schreibe Pamela eine Mail. In Portugiesisch (!!!) Ich bin soooo stolz auf mich. Pamela allerdings antwortet nicht, sondern steht 1 Tag später bei uns im Büro. Sie hatte was zu erledigen und informiert bei dieser Gelegenheit, dass bei der Überweisung ein Vermerk dabei sei, den sie selbst nicht kenne und sie sich jetzt erst mal erkundigen muss und sie mir dann bescheid geben wird.
So ist es und wir können es nicht ändern. Vorsichtig frage ich an, ob wir das bis zum 21.11. gelöst kriegen, denn am 22.11. fliege ich nach D. Bis dahin sollte die Kohle auf dem Konto sein, denn am 01.12. muss ich die Miete bezahlen (wenn ich sie später bezahlen, muss ich Strafe zahlen) und da ich nach dem 21.11. keine Gelegenheit mehr habe, die Autorisierung zu unterschreiben, müssten wir das vorher machen, denn wenn wir das nicht tun, dann ist kein Geld da, ich kann keine Miete zahlen und stehe vermutlich dann schon mit einem Bein im Gefängnis.

Calma. Alles wird gut. Sie klingt zuversichtlich.
Ich lehne mich entspannt zurück und arbeite weiter.

Vergangenen Donnerstag ruft Priscilla an. Jetzt redet sie in Lichtgeschwindigkeit mit mir, was mich wieder ganz nervös macht. Die Bruchteile, die ich meine zu verstehen, gefallen mir gar nicht.
Nach einer Weile pendeln wir uns auf ein Sprachtempo ein, mit welchem wir beide können und ich bin endlich soweit, die Lücken zu schliessen, die sich beim ersten Informationsaustausch ergeben haben.
Priscilla erklärt mir, dass ein neues „Cadastro“ eröffnet werden muss, da ich eine Überweisung in einer Währung erhalten hätte, die ich bislang noch nicht erhalten hätte. Und damit die Gutschrift erfolgen kann, soll ich zunächst per Mail folgende Dokumente liefern:

  • CPF (meine brasilianische Steuernummer)
  • RNE (meine brasilianische Ausländernummer)
  • einen Gehaltsnachweis meiner Firma
  • Mietvertrag
  • Rechnung Strom/Wasser/Gas

Erst dann könne das „Cadastro“ eröffnet werden und die Real gutgeschrieben werden.
Und dann erfahre ich, dass es gar nicht möglich ist, Real zu überweisen bzw. Real direkt zu empfangen.
Und das geht wiederum so:
Real werden zunächst in Dollares konvertiert (selbstverständlich nicht, ohne Gebühren vom überwiesenen Betrag abzuziehen). Danach werden die Dollares in Reales umgerechnet und wieder fallen Gebühren an.

Das hätte uns mal jemand sagen können. Dann hätte ich mir den ganzen Real Überweisungs-Quatsch sparen können …
Jetzt ist die Sache noch immer nicht durch. Ich warte, bis ich endlich autorisieren darf und dann sehe ich weiter …

Bis dahin hoffe ich, dass man mir nicht wieder ne Kreditkarte oder so sperrt, damit ich wenigstens das Plastikgeld weiter nutzen kann …

Ein paar Monate bleiben mir ja hier noch … Mal sehen, was sich die Bank noch so einfallen lassen wird …

Gehabt euch wohl,
Eure Jana

Montag, 7. November 2011

Die Lebensgeister ...

… kehren zurück!



Von richtig gut ist mein Gesundheitszustand an diesem Morgen noch ca. 47,5 Meilen entfernt, doch zumindest geht es mir so gut, dass ich wieder schmerzfrei aufstehen und wieder reden kann. Im Miniaturbadezimmer machen wir uns nacheinander fertig und dann gehen wir erst mal frühstücken. Schinken, Käse, Toastbrot, Media Lunas …

Während des Frühstücks fragt die Freundin, ob wir denn für den Tag einen Plan haben. Einen was bitte? Ne, ne, einen Plan haben wir nicht. Zumindest noch nicht. Damit wir aber einen haben, brainstormen wir mal schnell und schon haben wir diverse Museen, einen Gletscher und dann noch weitere Museen auf dem neuen Programm.

Der Magen ist zufrieden, die Tasche schnell gepackt und schon geht’s raus in den Wind auf die Strasse. Wir stellen fest, dass Ushuaia um 1030 noch immer recht verschlafen ist und so grätschen wir erst mal beim Touristenzentrum ein, um a) noch den Ende der Welt Stempel für meinen Pass abzuholen und uns b) zu erkundigen, wo denn der Bus abfährt, mit welchem wir zum Gletscher Martial fahren wollen. Das war nämlich der Plan – oder zumindest ein Teil des Planes.
Die Dame von dem Touristen-Dingens breitet einen kleinen Stadtplan vor mir aus, dreht ihn so, dass er bei ihr Kopf steht und schon hat sie das Kreuzlein gesetzt, wo wir uns gerade befinden. Blitzschnell zieht sie ne Line von rechts nach links, dann von oben nach unten und dort, wo der weisse Platz ist, macht sie nen Kringel drum. Da steht nämlich der Bus. Auf dem weissen Platz. So schnell hätte ich das nicht malen können, denn ich hatte ja so schon Schwierigkeiten links von rechts zu unterscheiden, doch wo das Meer war bzw. ist, das wusste ich … Immer links.

Am weissen Platz angekommen fragen wir uns durch und ein teilweise zahnloser, etwas kräftiger Kleinbusfahrer meint, wir seien bei ihm GENAU richtig. Aha.
Und so klärt er uns darüber auf, dass wir zwar zum Gletscher fahren können, dort jedoch der Sessellift zu ist, es noch immer Schnee und Eis auf dem Wanderweg gibt und wir gut und gerne 4 km (!!!) bergauf laufen müssen. Also nicht nur bergauf, sondern auch noch steil dazu.
Ich beschliesse, für meinen angekratzten Gesundheitszustand ist das nichts. Piano wäre mir lieber. Und was sagt die Freundin? Bevor sie jedoch was sagen kann, brabbelt der Busfahrer aber weiter. Er, so meint er, würde uns ja die Laguna Esmeralda empfehlen. Jetzt kann ich mich nun wirklich nicht mehr daran erinnern, ob die Laguna auch Esmeralda heisst, doch es ging darum, dass das Wasser in dieser Laguna esmeraldafarben ist. Auf dem weissen Platz ist ein grosses Poster mit all den Bergen und Seen und Buchten und Canale Beagels zu sehen und er zeigt uns, wohin seine empfohlene Reise gehen sollte.
Selbstverständlich erwähnt er auch „Vale de Lobos“, wo Gato seine Schlittenhunde auf Privatgelände züchtet und wir über sein Privatgelände marschieren sollen.
Ausserdem, so fährt er fort, sei das alles „Tranqui-Tranqui“ in ca. 3 Stunden hin und retour zu erreichen. Mehrfach lasse ich mir versichern, dass das alles eben ist und nicht durch Schnee und Eis steil bergauf geht. Doch er beruhigt nur und beharrt eisern auf „Tranqui-Tranqui“.

Ganz tranqui-tranqui nehmen die Freundin und ich die Verhandlungen auf. Wir wägen das eine gegen das andere und nachdem die Essensfrage auch geklärt ist und wir noch Zeit haben, einen Abstecher in die kürzliche Entdecke Café-Museums-Bäckerei zu machen, stimmen wir der Lagune zu. Ein bisschen Bewegung, wenn auch an diesem wolkenverhangenen Tag, tut uns schliesslich auch gut und warm angezogen sind wir auch.

Ca. 20 km – vielleicht auch mehr oder auch weniger – vor den Toren Ushuaias biegen wir ein ein Waldstück ein. Nein, unheimlich ist mir nicht. Ich will gar nicht erst darüber nachdenken und schon steigen wir aus. Gato (dass er so heisst, erfahren wir erst später) sucht den Mini-Plan zur Lagune, wir müssen uns mit Namen und Telefonnummer etc. ins Buch eintragen – die Uhrzeit schreibt er auch mit auf – und unterschreiben. Nach einer kurze Einweisung, wie, was und wo, fällt sein Blick auf unser Schuhwerk. Was er wohl hat? Trekkingschuhe vom Allerfeinsten. Doch er verzieht leicht das Gesischt, meint, es könne unter Umständen etwas matschig werden, da der Schnee erst vor kurzem weggeschmolzen sei. Doch wenn wir im Slalom durch die Prärie laufen, müsste das schon gehen und wir sollten trockenen Fusses bei der Lagune ankommen.

Wir gehen los. Patagonische Steppe. Eine weitläufige karge und recht kahle Landschaft. Es nimmt kein Ende. Das ist ein bisschen wie Sao Paulo, nur ganz ohne Beton. Wohin man auch schaut, Steppe, Bäume, Patagonien. Die frische Luft tut gut. Mein Husten quängelt zwar noch, doch so tranqui-tranqui gehen ohne Steigung kann auch ich gut bewältigen. 






 
Allzuweit kommen wir nicht. Gerade noch springen wir über ein kleines Bächlein, was unseren Weg kreuzt und dann stehen wir da vor einem unglaublich grossen überfluteten, moosartigen, schwammigen Areal. Schon das Tippen mit der Fussspitze reicht aus, um festzustellen, dass man locker bis zum Knie in diesem Schlamassel versinken würde, würde man sich mit dem ganzen Körpergewicht draufstellen. Wir versuchen noch, uns am Rand dieses Moossumpfes entlangzuhangeln, doch das Gestrüpp und ein freies Feld an Überflutung hindern uns daran.

Schade. Etwas traurig ob des kurzen Ausflugs treten wir den Rückzug an, wohlwissend, wir haben alles versucht, doch es führte nun mal kein Weg daran vorbei.

Gato und sein Freund und Helfer sitzen gerade beim Mittagessen, als sie uns schon von Weitem kommen sehen. Die Fragezeichen auf ihren Gesichtern sind selbst auf die Entfernung zu erkennen. In lückenhaften Spanisch, mit Gebrauch der internationalen Gebärdensprache, erkläre ich, warum unsere Wanderung ein jähes Ende genommen hat. Wir schauen in zwei betroffene Gesichter und es ist ihnen anzusehen, wie leid es ihnen tut.
Plötzlich Aufruhr. Der Freund lässt Löffel, Gabel und Messer fallen, spritzt auf und rennt raus. Und ich sag noch zur Freundin: „Der geht jetzt Gummistiefel suchen!“ Irgendwie ist es uns unangenehmen, dass wir die Jungs beim Essen stören, doch das ist schnell vergessen, denn dann macht sich Gato auch noch auf den Weg. Kurze Zeit später stehen die Männers mit 2 Paar Gummistiefeln vor uns.
Gundula ist ne 37 und ich bin 39 (manchmal auch 40). Man überreicht uns ein Paar in 42 und eines in 44.
Was nicht passt, wird eben passend gemacht. Ich verlange nach Zeitungspapier und wir beginnen die Stiefel mit Papier auszustopfen. Zu diesem Zeitpunkt wollen wir uns über die Stiefel keine Gedanken machen. Wir wollen die Lagune sehen und dazu soll und das nun ausnahmsweise auch mal recht sein. Nur nicht weiterfragen … Das Zeitungspapier erfüllt nun auch 3 Zwecke:
a) da ist was Neutrales zwischen meinem Strumpf und dem Stiefel
b) das Zeitungspapier hält den Fuss warm
c) der Stiefel passt besser, da das Papier wie ne Einlage ist.
Tschakka. Wir stiefeln wieder los.

Das Aus kommt fast wieder an der gleichen Stelle. Wie die Freundin das gemacht weiss ich nicht, doch sie enttdeckt das Loch in meinem Stiefel. Direkt in dem Knick am Fussrücken. Dort prangt ein Loch. Ein Loch, was mich ganz schön nass hätte aussehen lassen … Ja so macht das natürlich keinen Sinn. Wir brauchen das noch nicht mal versuchen, denn dann hätte ich ja auch mit meinem Halbschuh durch die schwimmende Prärie laufen können.
Ein zweites Mal an diesem Tag treten wir den Rückzug an.
Die Jungs sind noch immer am Essen und die Fragezeichen sind nun noch grösser, als beim ersten Mal. Bevor wir jedoch die gute Stube betreten, bleib ich draussen stehen, denn Gesten sagen mehr als 1.000 Worte. Ich zieh den Stiefel aus, steck den Finger von innen nach aussen … Das Gelächter ist gross.

Gato und der Kumpel kommen nach draussen gelaufen. So schnell, wie der Kollege seine Stiefel aus hat, kann ich gar nicht schauen. Die Zeitung ist auch gleich wieder parat, im Ausstopfen bin ich ja jetzt geübt und wir machen uns ein drittes Mal auf den Weg.
Man höre und staune. Wir schaffen es, die erste Hürde zu nehmen und überqueren in den übergrossen Gummistiefeln die überflutete Mooslandschaft. Hier ne kleine Brücke, dort ein kleines Bächlein. Die Steppe wird noch steppenhafter, die Bäume werden teilweise grösser und wir treten in einen kleinen Wald ein. Die Zeichen an den Bäumen, die uns den Weg weisen sollen, sind gut angebracht und so geht es zügig weiter. 
 
Gundula hat ja auch immer ganz lustige und spontane Ideen und so entfährt ihr: „Ganz schön leichtsinning von uns. Jetzt haben wir unsere Schuhe zurückgelassen. Vielleicht sind die beiden Schuhsammelmörder!“ Schön, dass sie uns dann doch erst mal haben davontraben lassen. Sie sprach es und währen wir so so weiter gehen ertönt von Weitem das Geräusch einer Kettensäge. Jungejunge, jetzt schiessen einem erst recht verrückte Gedanken durch den Kopf, wenn weit und breit so rein gar nichts mehr ist. Und wenn man so überhaupt keinen Handyempfang hat. Und vor allem wenn man so leise bei sich denkt, dass man hier in der Gegend noch nicht mal tot über'm Gartenzaun hängen würde wollen. Der Gedanke, dass uns nach einer Weile dann doch vielleicht mal jemand vermissen und man uns hier finden würde, tröstet mich ein klein wenig.
Wir wandern weiter durch den Wald. Immer wieder bleiben wir stehen und geniessen den Blick auf die Weite dieses Landes. Doch ab und an müssen wir auch das Gelände erkunden, denn leider geht es durch den Schlamm und Matsch nicht immer geradeaus und wir müssen uns den bestmöglichen Weg durch Schlammlandschaft suchen. 


 

Der Typ mit der Kettensäge begegnet uns kurze Zeit darauf. Nach einem „Buenos Dias“ folgt Small-Talk. Wir berichten, dass wir zur Lagune wollen, er teilt uns mit, dass er den Weg zur Lagune freigesägt hat. Bingo … ! Jetzt haben wir freien Gang und können bald ins Esmeralda-Wasser blicken. Wir machen uns weiter auf den Weg, der langsam aber sicher immer beschwerlicher wird. Inzwischen ist es aus mit „nur eben weitergehen“. Nein, es geht steil nach oben. Welch ein Glück, dass wir uns nicht zur Gletscher-Besteigung aufgemacht haben!
Wer hat eigentlich diesen Scheiss-Trip gebucht?
Es geht immer nur noch bergauf. Ich pfeif schon aus dem letzten Loch und Gundula meint nur: „Lass mich zurück, allein kannst Du es schaffen!“ Dieser Satz sollte beiden von noch mehrfach über die Lippen kommen. Wir quälen uns nach oben und irgendwann stehen wir wieder auf geradem Boden. Das Ende des Waldes ist erreicht – zumindest wenn man rechts rum schaut. Schaut man links rum, geht der Wald weiter. Anstatt mal auf den Plan zu schauen, vermuten wir einfach mal, dass hinter dem vor uns liegenden Anstieg dann auch die Lagune sein muss. Der Wind wird immer rauher, das zu überquerende Feld ist genauso schwammig und moosig, wie das erste. Und es geht steil nach oben. Wollen wir umkehren? Nichts da. Zähne hoch und den Kopf zusammenbeissen !!! Das schaffen wir! Check.
Hinter dem Hügel ist sie bestimmt, die Lagune. 
 
Wir kommen oben an und was sich uns bietet, ist ein Anblick des Grauens. Die Steppe geht weiter … Sack und Asche. Die haben uns doch verdingst. Die veräppeln die Touris die ganze Zeit. Von wegen, das gibt’s ne Lagune. Gundula war der Meinung, dass die grosse Pfütze im Wald schon die Lagune gewesen sei. Nur das mit Esmeralda, das passte nicht ganz.
Es geht wirklich nicht mehr weiter. Einfach so über's freie Feld zu laufen wäre verantwortungslos, gefährlich, nicht einschätzbar gewesen. Dieses Risiko wollten wir nicht auf uns nehmen und so drehen wir um und stochern wieder zurück. Das Ende unserer Kräfte ist erreicht. Wir können nicht mehr. Mal ganz davon abgesehen, dass ich noch immer belle wie ein grosser Schäferhund, nein, meine Klamotten sind unter meiner Funktionswäsche schweissdurchtränkt. Der peitscht inzwischen kräftig gegen meinen Windbreaker. Die Mütze fest über'n Kopf gezogen geht’s wieder zurück durch den Wald. Immer schön den Zeichen nach.

Das Waldstück hat was von Blair Witch Project. Unheimlich isses …

Es ärgert mich, dass wir die Lagune nicht gesehen haben. Tranqui-Tranqui sind wir gut und gerne 4 Stunden unterwegs gewesen, hatten Mordsspass, allerdings ohne Lagune.
Wir überlegen, ob wir „beichten“ sollen, oder ob wir vorgeben sollen, sie gesehen zu haben. Doch stellt euch mal vor, wie das ausgesehen hätte, wir hätten gesagt, wir haben sie gesehen, dabei wissen die, dass es die Lagune gar nicht gibt. Nein, das wollten wir auch nicht. Und so geben wir vor Gato und dem Freund zu, dass wir die Lagune nicht haben finden können. Wir schildern nochmal wie wir gelaufen sind und dabei entdecken wir auch den Fehler im System. Dort, wo der Wald linksrum weiter ging, sind wir rechts gelaufen. Wir hätten links bleiben müssen und wären dann ans Ziel gekommen.

Nichts desto weniger, wir hatten Spass, haben die Wanderung genossen und haben uns zur Feier des Tages dann erst mal ein Bier gegönnt. Der Busfahrer hat uns dann auch wieder abgeholt und sogar am Hotel abgesetzt. Jetzt erst mal duschen und fein machen. Die Strümpfe dieses Tages jedoch sind am Ende ihrer Reise angekommen. Sie wanderten in den Mülleimer.

So verging der letzte Tag am Ende der Welt. Ein Feierabendbier bevor es am nächsten Tag nach dem Schinken-Käse-Media Luna-Frühstück nach Buenos Aires gehen sollte …

Und Gundula packt ihren Koffer wieder aus und wieder neu ein …

Gehabt euch wohl,
Eure Jana.

Donnerstag, 3. November 2011

Am Ende ...

… am Ende der Welt !



Selbstverständlich nehmen wir nicht Abschied von El Calafate, ohne dass Gundula ihren Koffer komplett wieder neu gepackt hat und zu diesem Zeitpunkt noch immer Bedenken äusserte, dass ihre Klamotten nicht reichen würden …
Auch erwähnte ich nicht, dass in El Calafate echte Flamingos leben, also jene, die ich bislang immer nur aus dem Zoo kannte … Die standen da einfach im kniehohen Wasser. Was sie taten, weiss ich nicht, doch schön anzusehen war's.

Schade. Der 16.10. kam viel zu schnell. Ich glaube, wir wären beide gerne noch länger geblieben und hätten sicher gerne noch mal die ein oder andere CD gekauft. Doch dazu war nun wirklich keine Zeit mehr, denn wir mussten zum Flughafen.

Irgendwie scheint Aerolineas sich verbessert zu haben oder es lag schlicht und ergreifend daran, dass wir uns in kleinen Käffern irgendwo in der Prärie befanden und somit war es ohne grössere Probleme möglich, die Abfertigung beim Check-In durchzuführen. Wir beziehen unsere Plätze und freuen uns, dass es diesmal nur ein sehr kurzer Flug von nur einer Stunde ist. Dass es die schlimmst Stunde unseres Lebens werden sollte, sollten wir bald am eigenen Leib erfahren, Gundula sogar in doppelter Hinsicht.

Selbst auf diesem kurzen Flug reicht uns die Fluggesellschaft Essen und trinken. Diesmal keine Box, sondern ein Plastikbeutel, der einen Müsliriegel, einen Saft und das Karamellbonbon beherbergt. Ich trinke nur, denn mein Husten macht mir noch immer sehr zu schaffen, das Essen packe ich für schlechte Zeiten ein. Kaum ist alles verteilt, erklingt auch schon der Bing, dass wir uns wieder anschnallen sollen. Und just in diesem Moment fangen die Turbulenzen an. Der Pilot scheint spiralförmig zur Landung anzusetzen. Es scheppert. Es wackelt. Es hat Luftlöcher. Wir werden zusehends blasser und die Turbulenzen zusehends stärker. Irgendwie scheint der Flieger auch nicht langsamer zu werden, sondern schneller. Es ist verwirrend, es ist verquer.
Gundula und ich schauen uns an und ich selbst weiss nicht so recht, was tun, was denken. Mein Magen dreht sich mehrfach von oben nach unten, von innen nach aussen und dann reicht mir Gundula ihre Hand. Ich glaube, wir dachten beide, dass es das jetzt gewesen sei … Dass wir zwar unten ankommen, das Ende der Welt jedoch nicht mehr erleben werden. Nach einer gefühlten Ewigkeit hat die Horrorlandung endlich ein Ende, ich gebe Gundula ihre Hand zurück, allerdings nicht, ohne mich für die Ewigkeit darin verewigt zu haben. Offensichtlich war hier höhere Gewalt im Spiel, ich konnte mich nicht kontrollieren und habe ihr meine Fingernägel so dermassen ins Fleisch gerammt, dass die Spuren noch Stunden später zu sehen waren.
Glücklicherweise hat's auch am Ende der Welt Boden unter den Füssen und unabhängig voneinander haben wir uns wohl gefragt, wer eigentlich diesen Scheiss-Trip gebucht hat. Doch jetzt waren wir da und so schnell konnte wir nicht weg, denn ziemlich zeitgleich, als die Farbe wieder in unsere Gesichter zurückkehrte, verkündete ein Flughafenangestellter, dass unsere Maschine die letzte war, die heute landete. Alle weiteren Starts wurden ebenfalls gestrichen.
Und da sassen wir nun.

Irgendjemand – ich weiss nicht mehr, ob es Männlein oder Weiblein war – wartete wieder auf uns und brachte uns zum Hotel. Von aussen ganz fein anzusehen, innen auch und dann war wohl das Ende der Welt auch im Zimmer 403 angekommen. Offensichtlich gibt es dort nicht so viel Platz und davon kann man besonders viel im Bad (ohne Fenster) einsparen. Der Rest des Zimmers war auch nicht grösser, es war total überhitzt, doch die Betten waren bequem. Ich glaube, es muss auch in Ushuaia passiert sein. Ich kaue – vermutlich auf nem Kaugummi – und merke, dass irgendwas knirscht. Mir schwant übles. Der Blick in den Spiegel bestätigt, was ich vermutete. Ein Stück meines in Brasilien wurzelbehandelten und aufbaugefüllten Zahns ist abgebrochen. Die Aufbaufüllung selbst lässt sich mit dem Fingernagel anheben und wenn ich weiter daran rumgespielt hätte, dann hätte ich das alles rausnehmen können. Das hab ich aber mal besser gelassen und überlegte, was ich denn nun tun solle. Da sitzt man nun mit einem abgebrochenen Zahn und einer nicht besser werden wollenden Erkältung am Ende der Welt und die Flieger gehen gerade mal so gar nicht.
Natürlich hab ich die SOS Nummer nicht dabei und rufe in meiner Verzweiflung erst mal bei der Ambulanz in LU an, schliesslich sind auch die 24/7 zur Stelle. Dort werde ich weitergeholfen und schildere meine Problem der SOS Hotline. Ich kürze an dieser Stelle ab: Innerhalb von 48 Stunden habe ich die Rückmeldung erhalten, dass ich bei 2 deutschsprachigen Zahnärzten in Buenos Aires einen Termin habe und mich dort melden kann. Welch ein Service … Jetzt gilt es nur noch zu hoffen, dass das Ding nicht vollends rausbricht.

Ushuaia. 
Wer hat eigentlich diesen Scheiss-Trip gebucht? Ja nun, was wollen wir eigentlich hier? Ohne darüber gesprochen zu haben, wir wollten beide weg. Wir wollten beide nicht da bleiben, zumal wir nichts, aber auch gar nichts damit anfangen konnten. Meine Erkältung auch nicht, denn die hatte beschlossen, schlimmer zu werden. So beschlossen wir, zunächst mal eine Siesta einzulegen, bevor wir den Ort erkunden gehen.

Da mir beim Schlafen immer irgendwie kalt wird und das Bett nur mit einem dünnen Laken bestückt ist, suche ich im Schrank nach einer weiteren Decke, welche ich auch finde. Es ist aber nur eine da und wir haben 2 Betten. Und so bleibt mir nichts anderes übrig, als für die Freundin noch eine Decke zu bestellen. Doch was heisst Decke auf Spanisch???
Schavier ist per Blackberry Messenger nicht mehr erreichbar und so bleibt nur noch das Smartphone, WiFi und Herr Google. Ich suche. Ich finde. Ich rufe bei der Rezeption an. Der nette Mann fragt, was er tun kann, ich nenne Namen und Zimmernummer und dann verwechsle ich Cojin und Colchon. Ersteres wäre das Kissen, zweiteres die Matratze. Und so bestelle ich für Gundula ganz selbstverständlich eine Matratze. Der Mann fragt 4 mal nach, was ich denn haben will und ich bestätige immer wieder, dass ich ein colchon haben möchte. Nach endlosen Minuten klärt sich das Missverständnis, wir lachen und Gundula bekommt in der Tat eine Decke und keine Matratze.

Der Ort ist schnell erkundet. Wir finden den Supermarkt, decken uns mit Essen und Trinken ein und begeben uns langsam wieder zurück ins Hotel. Vorher jedoch stoppen wir noch und trinken erst mal was Warmes und während Gundula ein lekkeres Sandwich isst, fröne ich meiner Lust und esse ein Eis, welches ich allerdings nicht schmecke, da sich meine Geschmacksnerven verabschiedet haben.

Man höre und staune, am nächsten Morgen gibt es zum Frühstück: Käse, Schinken, Media Lunas, kein Ei, Toastbrot! Wer meckert, kommt ins Heim und somit lassen wir's und freuen uns auf unseren Guide, der lt. Gundula Daniel heisst und uns ein bisschen was über das Ende der Welt erzählen wird. Wenige Minuten später entpuppt sich Daniel als „Sabbel-Leni“, deren jedes zweite Wort: Canale Beagel ist. Gundula meint, wenn Sabbel-Leni mal stirbt, müsse sie nochmal erschlagen werden, damit sie aufhört zu sabbeln. Böse ist das, aber sie hat recht.

Wir erreichen den Nationalpark. Der Tag scheint nicht wirklich unser beider Freund zu werden, doch wir machen gute Miene zum lustlosen Spiel. An der Bahnstation am Ende der Welt, kann die Freundin noch nicht mal ein Zugticket für den „End-of-The-World-Train“ kaufen. Das übernehme kurzerhand ich, wir pflanzen uns in einen der freien Waggons und schon geht’s los. 
Leni ist zum Glück nicht dabei, dafür schreit ne andere ins Mikro, kurz danach tönt ein anderer in gefühlten 8 Fremdsprachen aus dem Lautsprecher und überhaupt ist alles schrecklich laut.

Ich sehe Steppe. Patagonische Steppe. Dort, wo früher mal ein Wald war, ist jetzt nur noch ein Waldfriedhof. 
Wenn doch wenigstens die Sonne scheinen würde, würde dies nicht nur diese Einöde etwas freundlicher erstrahlen lassen, nein, vielleicht wäre auch meine Laune irgendwie ein bisschen besser.
Wir machen halt an der ersten Station. Plötzlich ist die Freundin weg. Ich schau nach links, dann nach rechts und entdecke sie im Abseits. Während ich noch immer nach der optimalen Einstellung meiner Kamera suche, ist sie schon wieder ein paar Schritte weiter. Wir schauen uns um, schauen uns an, schauen die anderen an und gehen wieder zurück zum Zug. Wir sollten wieder die gleichen Plätze einnehmen, die wir vorher schon hatten. Gerade, als ich motzen wollte, dass da fremde Menschen in „meinem“ Abteil sitzen, macht sich die Freundin bemerkbar und signalisiert mir, dass ich auf dem falschen Dampfer bin.
Wir setzen uns sie meint: „Heute ist der Tag, an dem ich Menschen nicht mag!“

Es ist offensichtlich. Es geht uns nicht gut. Wir wollen raus hier. Jetzt. Gleich. Sofort. Doch erst müssen wir noch die Fahrt bis zum Ende durchhalten, dann noch eine Mini-Wanderung durch Wiesen und Felder überstehen und dann endlich dürfen wir wieder im Mini-Bus zurück zum Hotel fahren.
Weder über Los gehen, noch ziehen wir irgendwo 4.000 nochwas Peso ein. Nein, ohne Umwege steigen wir in den Fahrstuhl, fahren ins 4. OG und brechen dort trotz allen Unwohlseins vor Lachen fast zusammen. Lehnt da nicht fast direkt vor unserem Zimmer ein COLCHON???
Ich bin nur noch fähig, die Klamotten gegen den Schlafanzug zu tauschen und schon sind wir beiden eingeschlafen und wachen erst 4 Stunden später wieder auf …

Viel zu tun gibt es nicht mehr, denn Ushuaia geht fast schon wieder schlafen. Wir hingegen gönnen uns in der „Banane“ noch ein Aufwachbier, welches uns allerdings wieder so müde macht, dass wir fast schon hinterm Tresen wieder einschlafen …
Schlussendlich träumen wir uns in den neuen Tag und rückblickend betrachtet ist es manchmal gar nicht so schlecht, wenn man nicht weiss, was einen so alles erwartet …

Am 18.10.2011 erwacht ein neuer Tag und das Abenteuer am Ende der Welt geht weiter …

Gehabt euch wohl,
Eure Jana

Mittwoch, 2. November 2011

Die Reise ...

… geht weiter !



So, wo war ich stehen geblieben?
Ach ja, die Tage in Puerto Madryn vergingen völlig unaufgeregt. Gundula machte sich am Regenurlaubstag, als es dann doch noch aufhörte zu regnen auf den Weg zum Eco-Centro, während ich dachte, meine Erkältung sei soweit überstanden, dass ich wieder joggen gehen kann. Das hab ich dann auch getan. Und zwar gleiche ne ganze Stunde lang und dann auch noch am Meer. Kalt war's aber schön.

Schon in Puerto Madryn war meine Freundin besessen vom Kofferpacken. Vielleicht nicht gerade besessen, doch es beschäftigte sie. Einerseits war sie der Meinung, sie hätte nicht genug Klamotten dabei (dabei war ihr Koffer auch schwerer als 20 kg) und dann war ihr irgendwie nie so klar, wie sie alles wieder in den Koffer kriegen soll. Und so begann in Puerto Madryn ihr Ritual. Erst den Koffer auspacken, um ihn dann wieder neu zu packen. Ich kann an dieser Stelle schon vorwegnehmen, sie hat nirgendwo was liegen lassen müssen …

Und so werden wir am 13.10. gegen 1000 h im Hotel abgeholt. Wir staunen nicht schlecht, als da ein kleiner PKW vor der Tür steht, der neben uns beiden noch 2 weitere Hotelgäste zum Flughafen befördern soll. Völlig überrascht bin ich, als es der Fahrer schafft, alles bis auf einen kleinen Trolley im Kofferraum zu verstauen. Und los geht die Fahrt.

Diesmal klappt das mit dem Check-In viel besser und Verspätungen gibt es keine. Auf dem Flug nach El Calafate werden uns wieder Lunch-Boxen mit den gleichen Knatsch-Sandwiches, diesmal ein anderes süsses Teilchen, dafür aber wieder das gleiche Karamellbonbon serviert.
Grandioser Sonnenschein – allerdings auch ein wenig Wind – empfangen uns in El Calafate. Noch habe ich nicht viel gesehen, doch es gefällt mir jetzt schon. Hier will ich bleiben. Hier will ich so schnell nicht mehr weg.
Das Hotel ist ebenfalls schön gelegen, direkt am Lago Argentino, das Zimmer gemütlich, irgendwie süss und ein sensationeller Ausbilck vom Balkon.

Schnell ist wieder klar, wer welche Schlafstätte bezieht und so widmen wir uns wieder dem Auspacken. Nach getaner Arbeit machen wir uns auf den Weg ins Stadtzentrum. Der Planet brennt, wir haben einfach nur gute Laune und freuen uns auf die bevorstehenden Erlebnisse. Auf den Perito Moreno freuen wir uns schon seit Beginn der Reise. Doch dazu später mehr.
Verlaufen können wir uns nicht in El Calafate, da es nur eine Strasse gibt, die ins Zentrum führt. Und auf dem Weg dahin kommen wir an einem kleinen Musikladen vorbei. Spontan grätschen wir ein, denn ich weiss schon, was ich kaufen möchte. In Puerto Madryn hab ich nämlich Bekanntschaft mit El Dragon gemacht und von dem wollte ich mir unbedingt die CD kaufen. Der hat nämlich den Rhythmus, bei dem man mit muss …
Auch nach 4 Tagen fällt es mir noch immer schwer, meine Spanischkenntnisse zu reaktivieren, doch ich geb alles und trau' mich einfach und spreche den Verkäufer einfach mal an. Schon als wir ihn gesehen haben, waren Gundula und ich uns einig, dass er gut neben Nestor auf's Sofa passen würde. Argentinier sehen einfach nur gut aus … Soviel ist sicher !
Wie dem auch sei, während ich mir Musiktipps von dem hübschen Verkäufer geben lasse, naja, vielleicht haben wir auch ein wenig geflirtet, beobachtet Gundula von der Seite das Geschehen und grinst sich nen Wolf. Wir hören in verschiedene Musikstücke und am Ende erstehen wir beide je 3 CDs. Wir verabschieden uns nach einer gefühlten Ewigkeit von dem Verkäufer. Ach, das war schön. Wir kommen wieder. So der Plan.

Das Zentrum von El Calafate erinnert ein wenig an einen schweizer Skiort. Holzhütten, Cafés, Bars, Restaurant und mörder viele Touristen. Ja, es war schon sehr überlaufen, doch irgendwie auch recht angenehm. In der Librobar gönnen wir uns unser Willkommensbier und auf dem Weg nach Hause gönnen wir uns mal ne Pizza. Im Supermarkt sind danach schnell die Kleinigkeiten eingekauft, die man so zum Leben braucht und mit den Hühnern gehen wir dann auch schon schlafen.

Das Frühstücksbuffet ist ordentlich. Käse, Schinken, die Eier fehlen, ein bisschen Obst, der Kaffee ist trinkbar, Brot und Media Lunas. Wir schlagen zu, wer weiss, wann wir wieder was bekommen und dann stehen wir auch schon parat, denn wir sollten abgeholt werden, damit wir in den Nationalpark kommen. Der Perito Moreno wartet schliesslich. Im Park selbst tauschen wir irgendwann den Bus gegen ein Boot und schon schippern wir auf dem Lago Argentino los.
Plötzlich ist er da. Der Gletscher erstrahlt in gewaltiger Pracht vor uns. Einmal mehr scheitere ich beim Versuch auch nur im Ansatz beschreiben zu wollen, wie und was das war.
Gewaltig. Gewaltiger. Gletscher. Ich so klein, er so gross. So blau. So mächtig. Aus der Ferne betrachtet meint man fast, man könne auf ihm laufen. Doch schaut man genauer hin, öffnen sich Gletscherspalten die wohl grösser kaum sein können.
 Die Kamera halte ich nur drauf und schiesse ein Foto nach dem anderen. Vorher noch erzählt mir Gundula, sie würde gerne mal den Gletscher kalben sehen und dann passiert es. Es kracht, es ist laut, es hallt. Und dann bricht der Gletscherbrocken ab und rauscht mit voller Wucht in den See. Sensationell und ich hab's im Kasten … Check.
 Nach der Bootsfahrt haben wir noch die Möglichkeit, einen Wanderweg durch den Wald und entlang des Gletschers zu laufen. 
Einmal mehr bin ich überwältigt von dem Anblick, der sich mir bietet. Und nicht nur das. Der Gletscher spricht mit uns. Immer wieder kracht und hallt es. Doch es ist nicht zu erkennen, woher es kommt.
Nach diesem Ausflug wissen wir, dass wir uns in jedem Fall noch die Nordseite des Perito Moreno, den Spegazzini und den Upsala Gletscher anschauen wollen. Und so ist die Bootstour für den nächsten Tag schon gebucht.

Unsere Enttäuschung am nächsten Tag ist nicht zu übersehen, als wir am Hafen ankommen und erfahren, dass es kein kleines Boot, sondern ein Katamaran mit einer kleinen Million Menschen darauf sein wird. Wär der Trip nicht verhältnismässig teuer gewesen, wären wir bestimmt wieder umgekehrt und nicht mitgefahren. Naja, man soll ja nicht schon vor den Schlägen schreien und somit lassen wir es doch mal mehr oder minder gelassen auf uns zukommen. Wir beobachten Menschen und schon wieder haben wir jemanden gefunden, der auch auf's Sofa passen würde. Wir erfahren, dass es Federico ist und dass er der Boardfotograf ist.
Die Landschaft, die sich da so offenbart, ist sensationell. Berge. Schnee. Eis. Alles ist so gewaltig gross. Beim Spegazzini hat man das Gefühl, dass er sich einfach so in den See ergiesst … 
Den Mund krieg ich vor Staunen schon wieder nicht zu. Auf Federico's Tipp hin, bleiben wir auf der hinteren Seite des Katamaran's stehen, denn da sind wir windgeschützt und können zu gegebener Zeit dann doch alles sehen, was wir sehen müssen. Unsere Position ist strategisch gar nicht so ungeschickt, denn da wir auf dem oberen Deck sind, können wir die Menschen auf dem unteren beobachten. Schon da fängt mein „Fotoduell“ mit einem jungen Mann auf dem unteren Deck an.

Nach einer Weile findet sich der junge Mann dann auch auf dem oberen Deck ein und fragt einen weiteren Mitreisenden, ob dieser nicht ein Foto von ihm und dem Gletscher im Hintergrund machen könne. Allerdings nicht mit der Kamera, sondern mit dem iPhone. Der Gefragte bekommt noch eine kurze Einweisung von David (das haben wir dann später erfahren) und dann sollte das Foto geschossen werden. Ich stehe in unmittelbarer Nähe und kann vor Lachen kaum noch an mich halten, da der Gefragte ein etwas älterer Herr war, der versuchte mit aller Macht, den Auslöser auf dem Touchscreen zu drücken und total überfordert war mit der Technik.
David verstand meinen Hinweis, überreichte mir das Telefon und dann hab ich das Foto gemacht.

So ne Seefahrt ist nicht nur lustig, sondern sie macht auch durstig und wir organisieren uns mal wieder unser Lieblingsgetränk, welches wir draussen zu uns nehmen. David reist mit seinem Freund Hector und die beiden gönnen sich einen Whiskey on the rocks – selbstverständlich Gletscher-Rocks. Ich stelle fest, die Kamera um den Hals ist ein guter Kommunikator und schon bin ich im Gespräch mit Hector, der sich auch gleich mal die Fotos anschauen möchte. Schnell sind wir alle vier im Gespräch und versuchen eine uns allen entgegenkommende Sprache zu finden. Es ist lustig, denn wir erfahren, dass die beiden aus Madrid und Arbeitskollegen sind. Spanische Krankenschwestern oder -brüder. Also die beiden betreuen Säuglinge auf der Intensivstation. David verschwindet kurz, kommt dann aber mit vier mal Nachschub zurück und so stehen wir da, reden und trinken unser Bier. Gundula und ich hatten ein paar Kräcker eingepackt und diese steuere ich als Erdnussersatz einfach mal bei. Wie auf Kommando legen Hector und David, Brot, Wurst, Käse dazu. Wir packen noch einen Apfel und ein paar Kekse aus und ratz-fatz ist das Picknick fertig.
 Als wir beim Upsala Gletscher ankommen, sind wir fertig mit essen und können uns wieder voll und ganz der Fotografie widmen. Und dann steht Federico da und überreicht mir einen Gletscherbrocken. Er hätte ihn unter Einsatz seines Lebens für mich geholt … Ja, ja, schon klar.
Gundula mutiert mal zur Fotografin und hält fest, wir wir beide am Gletscher schlotzen …
Federico erzählt mir, dass er eigentlich aus Buenos Aires ist, jedoch schon seit 7 Jahren fast am Ende der Welt lebt und dort munter Touristen fotografiert, die sich fotografieren lassen möchten.

David und Hector begegnen uns am Ausgang wieder und so verabreden wir uns zum Abendessen. Wir essen und trinken und reden über Gott und die Welt und landen am Ende in der „Loca Marimbabar“, die Gundula und ich bereits am Vorabend entdeckt haben. Picadas und Getränke zu Spottpreisen. Es läuft lässige Reggea Musik, wir machen's uns auf Sitzkissen gemütlich und lassen den Tag einfach ausklingen.
 Für uns heisst es am nächsten Tag Abschied von El Calafate und den Gletschern zu nehmen …
Schade, schön war's hier …

Am 16.10.2011 geht die Reise weiter.

Gehabt euch wohl,
Eure Jana

Wenn einer ...

… eine Reise tut !



Long time – no write …
Bevor ich mich selbst nicht mehr daran erinnere, wie und was ich die letzten drei Wochen – oder gar vier – gemacht habe, nutze ich heute mal die Gelegenheit, um all das Erlebte und Nichterlebte niederzuschreiben.

Nach 6 Monaten in der Ferne, nehme ich am 09.10.2011 meinen dritten Besucher, der eigentlich eine Besucherin ist, am Flughafen Guarulhos in Empfang. Während mir Tuti's Ankunft seinerzeit eine schlaflose Nacht bescherte, da ich nicht wusste, ob ich den Weg zum Flughafen finde werde, bin ich nun bei Gundula's Ankuft ziemlich gelassen. Vermutlich lag es aber auch daran, dass mich die Erkältung noch immer plagte und ich aus diesem Grund ganz ohne Umwege in den Tiefschlaf sinken konnte. Allerdings war die Nacht schon vor dem Aufstehen zu Ende, da ich mich bereits um 0400 (!!!) auf den Weg zum Flughafen begeben musste ...

Morgens, kurz vor 0600 in Sao Paulo. Wir fallen uns um den Hals und freuen uns erst mal, dass alles soweit ganz gut geklappt hat, denn später sollten wir noch vom Gegenteil überzeugt werden. Gut nur, dass wir zu diesem Zeitpunkt noch nichts davon wussten.
Damit Gundula zunächst mal ankommen kann, also zumindest soweit, wie es die Zeit zulässt, fahren wir in die internationale Brasilenien-Casa, um uns dort erst mal wieder auf Stand bringen. Zu Hause angekommen, packt Gundula zunächst mal die virtuelle Mitteilungsliste aus: Hier ein Gruß vom Griechen, dazu muss dann auch standesgemäss umarmt werden, Christof lässt schön grüssen, Benedikt hat sich erkundigt, wie und ob alles gut sei, Kerstin bestellt auch schöne Grüße. Kurzum, eigentlich wünschen sie uns nur das Beste und vor allem ganz viel Spass …

Murphy sagt, immer wenn Besuch kommt – also mein Besuch – dann muss es in Sao Paulo regnen. Überraschenderweise bleibt der Regen an diesem Tag aus (wenn Engel reisen) und ich hege die leise Hoffnung, dass wir noch ein paar Sonnenstrahlen ergattern können. Nach dem Kaffee und ausführlichem Update über die Heimat, schwingen wir die Luxuskörper in das Badeoutfit und begeben uns mit Sonnencreme, Wasser und Buch by the Pool. Immer wieder zieht es sich zu, dann reisst es wieder auf, doch schlussendlich tut das nichts zur Sache, wir liegen am Pool und ruhen uns erst mal aus. Gundula von ihrer langen Reise und ich mich vom frühe Aufstehen und von der vermeintlich überstandenen Grippe.

Murphy ist doof.
Gerade als ich eine gemütliche Chilling-Position gefunden habe, treffen mich die ersten Regentropfen aus heiterem Himmel direkt auf den Bauch, die Beine, die Schulter, den Kopf.
Mist. Wir packen zusammen und gehen wieder nach oben und überlegen, was wir mit dem angebrochenen Tag anfangen können. Die Stunden vergehen, wir tun dies und das und jenes und am Abend sind wir mit Dada und Fran beim Mexikaner zum Essen verabredet.

Es ist Montag Morgen (10.10.) und der Wecker klingt am ersten Urlaubstag zu einer unchristlichen Zeit. Die Koffer sind gepackt (meiner hat mehr als der erlaubten 20 kg) und wir begeben wieder auf den Weg zum Flughafen, an welchem wir in Rekordzeit ankommen (ich glaube, es waren gerade mal knappe 40 Minuten bis zur Mietwagenrückbringstation). Am Terminal sind wir auch recht schnell und dann beginnt auch schon der Horror und wir beide stellen uns einstimmig die Frage: „Wer hat eigentlich diesen Scheiss-Trip gebucht?“
Mehrere Stunden verbringen wir in der Check-In Schlange der Fluggesellschaft Aerolineas Argentina und warten darauf, dass wir endlich unseren Boarding Pass bekommen, das Gepäck aufgeben und endlich losfliegen können. Doch das geht nicht, da die Maschine, die uns zunächst nach Buenos Aires bringen soll, noch immer in Buenos Aires steht und sich noch nicht mal auf den Weg nach Sao Paulo gemacht hat. Etwas mehr als 2 Stunden ist der Flieger verspätet. Grundsätzlich wäre das kein Problem, wenn wir nicht um 1900 auf den Anschlussflug nach Trelew gebucht gewesen wären.

Wir sind froh, als wir dann doch pünktlich verspätet im Flieger nach Buenos Aires sitzen – wohlgemerkt noch immer guter Dinge, dass wir den Anschlussflieger erwischen können.

Es dauert nicht lange, da serviert uns Aerolineas dann auch unser Mittagessen … Eine Lunchbox mit Knatsch-Sandwich, etwas Süssem und ein Karamellbonbon.  
Nach 2,5 Stunden kommen wir gestärkt in Buenos Aires an, hechten zur Gepäckausgabe, schnappen unsere Koffer und springen damit weiter zum nächsten Check-In, denn noch besteht die Chance, den Flug zu kriegen. Die Schlange ist kurz, es geht verhältnismässig schnell vorwärts und dann, gerade als wir alles aufgegeben haben, erfahren wir, dass auch der Weiterflug 2 Stunden verspätet ist. Einmal mehr stellen wir uns an diesem Tag die Frage, wer eigentlich für die Buchung dieses blöden Trips zuständig ist.
ICH war's nicht !!! ;-)

Da alles Jammern, Motzen und Ärgern nichts nutzt, gönnen wir uns unser erstes argentinisches Bier, während wir warten. Langsam wird es dunkel und langsam aber sicher nervt die Warterei dann doch. Im Ansatz kann ich jetzt mal nachempfinden, wie es sich denn anfühlen muss, wenn man am Flughafen „gefangen“ ist, weil nichts mehr geht …

Lange Rede kurz: Gegen Mitternacht kommen wir endlich inmitten der patagonischen Steppe – in Puerto Madryn – an. Entschädigt werden wir durch ein sensationell schönes und sehr modernes Hotel, ein grosses Zimmer, ein super gemütliches Bett (das gemüchtlichste auf der ganzen Reise) und überhaupt – wir sind erst mal da.

Puerto Madryn macht so ziemlich alles wett, was in den letzten Stunden schief gelaufen ist. Nach einem ausgiebigen Frühstück am nächsten Morgen, warten wir geschniegelt und gestriegelt auf unsere Abholung, denn es ist ein Ausflug zur Peninsula Valdes geplant. Im Ausflugsbus sitzen wir in der letzten Reihe, was uns einen unverbauten Blick auf den Guide beschert.
Nestor. Lange lockige Haare, schöne braune Augen, weiche – vielleicht sogar leicht feminine – Gesichtszüge, ein schöner, voller Mund, schöne Zähne. Irgendwie war alles schön an ihm. An diesem Tag wollte ich einfach nur sitzen bleiben, und ihn anschauen, ihm beim Reden zuhören. Ich wollte noch nicht mal alles verstehen, was er zu sagen hatte – einfach nur schauen und zuhören ohne zu verstehen.
Gundula kann den Blick auch kaum von ihm lassen und mir entfährt es: „Weisst Du, ihn würde ich mir gerne auf meine Couch setzten. Er sollte einfach nur da sitzen, ich würde ihn anschauen können und ihm ab und an mal eine Locke aus dem Gesicht streichen.“ Zum ersten Mal bin ich allerdings auch froh, dass man meine Sprache nicht versteht und ich zwinge mich weiterhin immer wieder dazu, ihn nicht anzustarren.
Nestor weiss viel über die Patagonische Steppe, die angeschmuddelten Schafe, die Wale, die See-Elefanten und die Pinguine zu berichten. Er tut dies mit einer Begeisterungs, dass jedem seiner Wörter pure Begeisterung und Liebe zu seinem Beruf zu spüren ist.
Auf unserer kleine Expedition begegnen wir unzähligen Magellan-Pinguinen, die sich teilweise am Wasser tummeln, oder in ihren Nestern brüten oder auch gerade dabei sind, sich zu vermehren. Nestor kommentierte nur: „Pinguinos Pornograficos“.
Die See-Elefanten beeindrucken mich schon sehr. Sie liegen einfach so reglos am „Strand“, sehen schmutzig aus und irgendwie fällt es mir schwer zu glauben, dass diese Tiere noch leben. Gerne hätte ich einen See-Elefanten angefasst, doch leider durfte ich dies nicht. 
 

Ein wunderbarer Tag mit Nestor und den Pinguinen geht zu Ende und wir gönnen uns ein lekkeres Abendessen in einem super gemütlichen Restaurant in der Stadt.

Die restlichen Tage in Puerto Madryn wollten wir ganz gemütlich gestalten, uns die kleine Stadt anschauen, ein bisschen die Seele baumeln lassen usw. Damit konnten wir direkt am nächsten Tag beginnen, denn der Tag erwacht grau in grau und es regnet und so gönnen wir uns zur Feier des Regenurlaubstages ein Sektfrühstück …

Am 13.10.2011 ging die Reise weiter …

Gehabt euch,
Eure Jana