… der Medaille !
Auch am anderen Ende der Welt ist nicht immer alles Gold was glänzt. Auch hier gibt es die ganz üblen, ganz miesen Tage. Jene, die man auch auf dieser Seite der Erdhalbkugel aus dem brasilienischen Kalender streichen möchte.
Ja genau, so schaut's nämlich aus.
Mein persönlicher Kalender weist schon einige dieser „ich-würde-dich-gerne-aus-meinem-Leben-streichen-wollen“-Tage auf, doch damit habe ich euch bislang verschont bzw. verschonen können. Doch wie heisst es so schön: Steter Tropfen ölt den Stein und so passiert es heute, dass mein Fässlein überläuft …
Die Sache an sich ist ja gar nicht so gross, doch das muss sie auch nicht immer sein, oder? Gerade die kleinen Dinge werfen einen komplett aus der Bahn … Und nun kummuliere ich all jende Dinge der letzten Tage und das Ergebnis habe ich heute …
Da waren zunächst die Zahnschmerzen … Übel waren die. Der ganze Kopf tat weh und nach insgesamt 5 Behandlungsstunden brummt mir der Schädel noch immer, der Unterkiefer tut weh und kauen kann ich noch immer nicht richtig. Ein kleiner Trost ist, dass ich zumindest jetzt Zahnschmerzfrei bin, jedoch der Kopf wohl noch eine kleine Weile braucht.
Dann heute ein Anruf, der mich ein klein wenig aus der Bahn schleudert. Das hätte nun wirklich nicht sein müssen und mein Telefon zeigt nur eine verschlüsselte Nummer an … Zu spät, es war nun schon geschehen und so telefoniere ich und versuche ruhig zu bleiben … Es gelingt mir auch und nach einer kurzen Weile ist auch das dann beendet … Innerlich bin ich allerdings schon ein wenig aufgewühlt, versuche jedoch, mir nichts anmerken zu lassen.
In der Wohnung findet sich eine Dusche, auf welcher kein Druck ist und ein Waschbecken, welches leckt … Wasser rinnt die Wand entlang und ich warte auf die Terminbestätigung des Vermieters. Auch das hat mir jetzt noch gefehlt, hatte ich nicht zu Hause schon die Sache mit einem undichten Badezimmer und nassen Wänden und Decken? Nö, bis ans andere Ende der Welt muss mich nun auch das noch verfolgen … Gut, wenn ich bis hierhin gekommen, dann geht’s auch noch weiter. Wär doch gelacht, wenn wir nicht auch das noch gelöst bekämen …
So, und dann funktioniert die Kreditkarte nicht mehr. Gerade hatte ich noch bezahlt und jetzt geht’s nicht mehr … Verschiedene Möglichkeiten ziehe ich in Betracht und diagnostiziere, dass es vermutlich daran liegt, dass ich meinen täglichen Verfügungsrahmen im Anflug einer spontanen Kaufwut völlig überstrapaziert habe. Bevor ich dies jedoch unterschreibe, überprüfe ich den Kontostand … Sack und Asche, da ist noch mehr drauf, als ich vermutet habe und ärgere mich ob der Tatsache, dass ich mehr hätte konsumieren können, hätte die Karte genau dieses Mehr hergegeben.
Und so trete ich zum ultimativen Kontenvergleich mit der Bank, deren Namen ich hier nun nicht möchte, an. Guten Tag. Guten Tag. Ich hätte da gerne mal ein Problem. Meine Karte ist kaputt. Da ist Geld drauf, aber ich darf es nicht ausgeben.
Nachdem ich von A nach B und von F nach K gereicht werde, erfahre ich nach einer gefühlten Ewigkeit, dass ich am 18.05. (!!!) mit der Karte Geld abheben wollte, ich dieses jedoch nicht ausgezahlt bekam, die Bank aber, der der ATM gehört, eine Reservierung auf den Betrag setzte, den ich abheben wollte. Diese Reservierung reduziert virtuell den aktuellen Verfügungsrahmen und setzt mich somit, ohne dass es für mich ersichtlich ist (der Online Kontoauszug zeigt den tatsächlichen Stand) in ein sattes MINUS !!!
Verdammt. Ich hab Geld und hab doch keins …
Und die Reservierung kann nur von Pamela, die eigentlich Priscilla heisst, gelöscht werden.
Ich wage das schier Unmögliche und rufe die brasilienische Bank an und verlange nach einer der vorgenannten Damen. In fliessend gebrochenem Portugiesisch erkläre ich, was ich so habe in Erfahrung bringen können und bitte um Löschung der Reservierung, damit ich morgen Schuhe kaufen gehen kann (jetzt, da ich mich endlich mal habe durchringen können, mir auch mal 25,3 cm Absatzschuhe zu kaufen). Mein Kollege, der am Schreibtisch neben mir sitzt, zeigt immer mal wieder „Daumen hoch“, dass das, was ich da so von mir gebe, durchaus verständlich zu sein scheint.
Man will mich zurückrufen, was auch nach einigen Stunden geschieht. Fakt ist nur, dass keiner verstanden hat, um was es geht. Nachdem jeder von uns in weiteren 3 Telefonaten seinen Standpunkt klar gemacht hat und sich Pamela und Priscilla immer Wechsel meldeten, mach Pam den Abschluss. Wir erklären uns nochmal alles und nachdem ich sie bestimmt 5 mal gebeten habe, doch etwas langsamer zu sprechen, da ich sie nicht verstehen könne, gehen dann doch sämtliche Gäule mit mir durch. Sie ignoriert meine Bitte einfach und müllt mich mit ihrem Bank-Brasilianisch zu.
Ich kann nicht anders und entgegne ihr sehr bestimmt in English und lass sie wissen, dass auch ich anders kann und dass ich ganz und gar nicht lustig finde, dass ich mir hier was abmühe, nur um den Sachverhalt in P darzustellen und sie hielt es noch nicht mal für nötig, etwas langsamer zu sprechen.
Mein Monolog dauert fast genauso lange, wir ihr vorheriger und am Ende sagt sie nur, sie hätte nichts verstanden.
So, dann weiss sie ja, wie es mir die ganze Zeit mit ihr ging.
Lange Rede kurz.
Die Reservierung ist noch immer drin, ich krieg bis zum 01.06. mit dieser Karte keine Kohle und ansonsten kann mir auch keiner mehr helfen …
Ich ärgere mich und bin froh, dass mir ein deutscher Kollege nach Feierabend begegnet und wir ein Stück gemeinsam gehen können. Wir kotzen uns gelegentlich beim Mittagessen mal aus und so ist er heute mein Entfruster und ich echauffiere mich über die Rücksichtslosigkeit der Dame bei der Bank und drehe ein noch grösseres Rad, denn ich ärgere mich schon lange darüber, dass auf dem Gehweg andere Passanten keinen Platz machen, sondern regelmässig in mich reinlaufen oder dass an Bushaltestellen die Traube an Menschen so steht, dass man nicht vorbei kommt oder oder oder …
Eine kleine Million solcher Dinge könnte ich aufzählen …
Und dann macht mir am Ende die Frau im Kosmetiksalon noch weh, zu Hause isses kalt und die Stadt ist laut, laut und einfach nur laut …Heute mag ich Sao Paulo ganz und gar nicht leiden …
Überhaupt gar nicht.
Ich will nach Hause. In die Casa …
Doch bevor ich nun dahin gehe, geh ich erst mal schlafen, in der Hoffnung, dass der morgige Tag etwas besser wird …
Gehabt euch wohl,
Eure Jana
PS: Und zu allem Elend ist Javier nicht da ...
Arme Jana! Hilft es, wenn ich versuche ein paar tröstende Gedanken über den großen Ozean zu pusten? Alles wird gut!
AntwortenLöschenLieber "Anonym" :-) Vielen Dank für die tröstenden Gedanken ... Bitte noch ein paar mehr über's Meer ;-)
AntwortenLöschenLiebe Jana,
AntwortenLöschenvon mir kommen auch ein paar Trösties!
Liebe Grüße
Coco