… Neben dem Wohnen lebe ich nun auch wieder !
So.
Es ist genau 1959 und ich hab es mir auf dem Sofa (es ist wirklich selten schön) gemütlich gemacht. Feierabend fühlt sich schon irgendwie gut an, wenn man ordentlich nach Hause kommen kann. Allzuweit von der fast perfekten Gemütlichkeit scheine ich nicht mehr entfernt zu sein, doch alles zu seiner Zeit. Erst einmal bin ich froh, dass man mich im Condo erkennt, mir die Tür immer schön geöffnet wird und der Herr, der die Garageneinfahrt betreut begrüsst mich auch immer schön auf Spanisch, seit er weiss, dass mein Portugiesisch nicht wirklich perfekt ist.
So.
Meinen innigen Wunsch nach selbstgemachter Hausarbeit habe ich mir somit am gestrigen Sonntag erfüllt. Es ist unglaublich, wie gut sich das doch anfühlt, den Staubsauger über's Parkett zu wirbeln, mit dem Staublappen über die selten schönen Möbel zu gleiten oder aber das Geschirr eigenhändig zu spülen und auch abzutrocknen … Allerfeinst kann ich nur sagen …
Während ich so vor mich hinputze läuft laute Musik – was kümmern mich die Nachbarn – singe mit und irgendwie tut das schöne Wetter alles Übrige dazu …
Schön ist, dass man hier die Möglichkeit hat, zu jeder Tages- und Nachtzeit einkaufen gehen zu können und so werfe ich mich nach getaner Arbeit in Schale, schnappe mir meinen kleinen GM und fahre zum Supermercado. Viele lekkere Dinge erstehe ich. Mango. Seit ich hier bin stehe ich total auf Mango. Mango ist meine Frucht und inzwischen habe ich das Zerkleinern selbiger so perfektioniert, dass das Ratz-Fatz geht. Und seit ich am vergangenen Samstag auf dem Mercadao war (dazu später mehr), gibt es noch ganz viele andere exotische Früchte, die seit Neustem bei mir Einzug gehalten haben.
So.
Ich komme an.
Ein kleines, aber feines, gut funktionierendes soziales Netzwerk hab ich mir inzwischen aufgebaut. Das ist gut, denn so ist immer irgendwas los. Immer ruft irgendwer an. Immer hat man was zu tun und immer hat man die gleichen Probleme, dass man sich nicht aufteilen kann …
Doch so ist das nun mal und schliesslich ist es so besser, als anders.
So.
Und so war ich am Samstag mit einem Teil des gut funktionierenden sozialen Netzwerks den ganzen Tag auf Erkundungstour. Der ein oder andere „geneigte Leser“ wird sich bereits die Fotos, des gestrigen Events angeschaut haben und weiss somit, dass ich mich vom Frühstück in der Markthalle, über den Park bis hin zum Feijoda-Essen durch die brasilianische Galaxie geschlagen habe.
Um 0830 – pünktliche 30minütige Verspätung – starten wir in Richtung Mercadao im Herzen der Stadt. Traditionell – mit einem Mortadella-Sandwich wollen wir in den Tag starten und so schlagen wir uns den Weg frei durch die Marktstände. Recht schnell ist die beste Sandwich-Location gefunden und die brasilianische Gemeinde empfiehlt uns „Gringos“ entweder das legendäre Mortadella-Sandwich oder aber Pastel Bachalhau. Für mich ist weder das eine noch das andere was und so entschliesse ich mich für ein Pastel Carne do Sol (gesalzenes Trockenfleisch). Sehr lekker war das und da sich die Einheimischen auskennen, gab es dazu statt Kaffee, ein gut gekühltes Bier ;-)
Soviel zum „Café da manha“ (Frühstück).
Mit vollem Magen begeben wir uns ins Marktgetümmel. Das Obst ist wunderschön auf den Tischen angerichtet. Alles super frisch, super bunt und super gut duftend und überall kann man all diese exotischen Früchte probieren. Ich fühle mich wie im Paradies … Endlich habe ich Gelegenheit, all das zu probieren, was ich mich bisher nicht zu kaufen wagte oder aber nicht kaufte, weil ich nicht wusste, wie man es aufmacht, aufschneidet oder überhaupt isst. Jetzt war der Tag der Wahrheit gekommen und ich komm aus dem Staunen nicht mehr raus … Die Namen all jener Früchte habe ich inzwischen vergessen, doch kann ich noch immer nach Aussehen der Frucht entscheiden, wie diese zu öffnen und vor allem zu essen ist … Nach der 10. Frucht bin ich wohl bei ein Reizüberflutung meiner Geschmacksnerven angelangt und verlange nach einer kurzen Pause. Es fällt jedoch schwer zu widerstehen und so begeben wir uns, bevor uns weiteren Köstlichkeiten widmen, in die Fleisch- und Fisch Sektion des Marktes … Hier kann man wenigstens nichts probieren, doch man kann sich teilweise noch zuckende Tiere anschauen …
Das Ende des Marktes bildet für mich der Kauf übergrosser, super-lekkerer Cashew-Kerne (Caju). Ihr werdet es nicht glauben, doch seit ich hier bin, habe ich eine solche Lust auf Cashews, dass ich das gar nicht beschreiben kann. Und das Zeug ist im Laden sooooo teuer, dass mich wirklich der Preis vom Kauf abgehalten hat. Eine kleine Dose gemischter Nüsse, nicht mehr als 150 g, kostet ungelogen knappe 10 Euro !!!! Nein, das geht gar nicht !!! Und so übe ich mich in Enthaltsamkeit … Doch damit ist's vorbei, als ich diese Caju dort liegen sehe. Ich darf probieren und entscheide mich für jene, die mir am besten schmecken und nehme mir direkt ein halbes Kilo für ca. 10 EUR mit … Das nenn ich mal ein Schnäppchen. Am Abend ist allerdings kaum noch was übrig, da wir zu 6. unterwegs waren und bis da jeder mal reingelangt hat, war die Tüte auch schon fast leer …
Macht nix, ich komm da wieder hin … ;-)
So.
Der Besuch auf dem Markt ist beendet und wir begeben uns in Richtung „Horto Florestal“ - ein Park in der „Serra da Cantareira“. Die Gebirgskette befindet sich im Norden der Stadt und hier gibt es noch grosse Bestände der ursprünglichen atlantischen Regenwald Vegetation …
Wir erkunden den Park und finden neben Wasserschildkröten und Capybaras (Danke, Coco), die aussehen, wie Riesenratten (man sagte mir, es sei wohl auch eine Art Ratte). Affen haben wir leider keine mehr sehen können, denn dazu waren wir viel zu spät dran.
Es ist schön zu wissen, dass Sao Paulo neben dem Betonüberschuss auch noch eine sehr viel schönere, grüne, Seite hat.
So.
Und den Abschluss an diesem perfekten Samstag macht dann der Besuch eines sehr antiken, ursprünglichen Restaurants, in welchem wir uns gegen 1430 zum Feijoada-Essen einfinden. Wir sitzen, essen, trinken, erzählen, lachen und geniessen einfach nur …
Gegen 1900 bin ich dann auch wieder in meiner neuen Casa angekommen und ruhe erst mal ein wenig.
So.
Neue Freunde, neue Verpflichtungen und wieder voller Terminkalender … Für den Samstag abend stand dann noch eine Geburtstagsparty an …
Ich war zwar stehend KO, doch da ich bereits zusagte, ich würde kommen, habe ich mich dann doch noch in den Paulistanischen Verkehr begeben. Nachdem ich das Fahren inzwischen am Wochenende zur Tageszeit recht gut im Griff habe, war am Samstag dann der Tag bzw. Abend gekommen, an welchem ich mich ganz allein mit meinem GM Corsa und dem GPS durch die Stadt navigieren musste. Zugegeben, ein wenig blümerant war mir schon zumute, doch alles Jammern nutzt nichts – da musste ich durch … Es wird ja nicht immer jemand da sein, der mich durch die Gegend fährt …
Und so starte ich das Abenteuer …
Damit ich so kleine Idee habe, wohin ich überhaupt muss, schau ich mir das ganze mal im Google Maps an. So ungefähr weiss ich, wo's lang geht, verlass mich dennoch erst mal auf's Navi und das schlägt direkt an der Haustür eine ganz andere Route ein … Na gut, ich versuch's und dann kommt's, wie es kommen muss: Ich verfahre mich. Nehme im Tunnel die falsche Ausfahrt, es ist dunkel, ich weiss nun gar nicht mehr wo ich bin und das GPS rekalkuliert die Route … Na super … Zum Glück hab ich Daniel informiert, denn den kann ich anrufen, wenn ich wirklich verloren gehen sollte … Doch noch hab ich alles im Griff … und nach gefühlten 20 km Umweg und 10 Stunden später komm ich dann endlich im Pub an und freu mich, dass auch diese Hürde allein genommen habe …
Allerdings halte ich nicht so lange durch und mach mich 2 Stunden später, als die anderen noch in einen Club aufbrechen, auf den Weg nach Hause. Diesmal halte ich mich an meine Route, ungeachtet dessen, was das GPS empfiehlt und finde mich wenige Minuten später in meiner Tiefgarage wieder ein und liege kurze Zeit später auch schon im Bett und schlafe meinen Schlaf der Gerechten …
So.
Sonntag. Kaffee. Weltweit. Eine kurze Mail ins SWR3 Studio, ich werde angerufen und einmal mehr bin ich im Radio zu hören …
Und mein WE lass ich mit Henrique in Vila Madalena bei einem lekkeren Caipi ausklingen …
So.
Und morgen ist schon Dienstag und ich hab eine Verabredung mit meinem neuen Zahnarzt, denn mein Zahn tut weh … Und zwar so weh, dass ich das nicht mehr länger anstehen lassen kann. Auch hier ist mir blümerant, doch es wird schon schief gehen … Wenn unser Vice President zum Dr. Jürgen gehen kann, dann kann ich das auch …
Ich werde es euch wissen lassen …
Gehabt euch wohl und passt auf euch auf.
Eure Jana
PS: Viagra ist grün in Brasilien :D
Toller Bericht mal wieder, Jana! Danke, danke, danke, dass du uns an deinem bunten Leben teilhaben lässt. ♥
AntwortenLöschenLiebe Grüße
Coco
Na wenn das nicht mal ne Geschäftsidee ist, nen Kilo grünes Viagra für schlappe zehnnochwas, wobei schlapp hier wohl das falsche Wort ist ;). Feiner Bericht Sissi, les Dich immer wieder gern :)
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