Samstag, 16. April 2011

Francisco ...


… und Rossana Hair !



Der Freitag steht ganz im Zeichen der interkulturellen Interaktion.
Punkt 0900 finde ich mich bei „Goingplaces“ ein und Irene empfängt mich schon an der Rezeption. Wir starten sofort mit der Konversation und im Trainingsraum erfahre ich mehr und mehr über des Brasilianers Vorlieben, über die Dinge, die ihm wichtig sind und wie das so in Sao Paulo zu laufen hat.
Es geht, wie ich schon richtig vermutete, sehr viel über Kommunikation und über das Sozializing. Immer schön bei den Happy Hours teilnehmen, immer schön zum Kaffee mitgehen und dann bekommt man auch die Informationen, die einem lieb und wichtig sind.

Zu sehr ins Detail möchte ich hier gar nicht gehen, denn das würde den Rahmen sprengen und ich mach lieber meine eigenen Erfahrungen, die sich bis jetzt ganz gut angehen lassen.

Seit Freitag gibt es allerdings einen neuen Mann in meinem Leben: Francisco! F, ein nicht, wie ich vermutete homosexueller, dennoch Haare schneidender Mann. Einmal mehr bin ich erstaunt darüber, wie Kommunikation funktioniert. Ob ich die Kollegin von Marina sei. „Du hast die Haare schön!“, sagt er zu mir und schon fährt er mit seinen Händen durch selbige, um deren Konsistenz beurteilen zu können. Diesmal nur mit Händen, beantworte ich seine Frage und wir meinen der gleichen Auffassung zu sein, wie er seine Arbeit zu erledigen hat.
Wie Deutschland auch werde ich ans Haarwaschbecken gesetzt und F. Setzt zur Shampoo-Massage an. Eine gefühlte Ewigkeit sitze ich da auf meinem Stuhl und geniesse die Kopfmassage. Um mich herum viele Frauen, um welche herum weitere Frauen sitzen, die sich vorzugsweise um deren Fingernägel oder andere Nägel kümmern.
F. begleitet mich zurück an meinen Platz, kämmt, schiebt von hier nach da und fragt mich, wie ich so meine Haare denn frisiere. Und schon schnibbelt er los. Irgendwie erinnert mich der Scheren-Virtuose an Edward mit den Scherenhänden – eine gewisse Ähnlichkeit zu Johnny lässt sich halt doch nicht ausschliessen.
F. ist fertig, föhnt, tut und macht und ich bin begeistert ob des sich mir präsentierenden Ergebnisses.

Während F. sich der Trocknung meiner Kopfbehaarung widmete, kümmerte sich nun eine Dame um die Verschönerung meiner Fingernägel. Wenn ich schon mal hier bin dann muss ich das auch mal ausprobieren, zumal hier KEINE Frau ohne manikürte Hände rumläuft. Auch wenn ich so gar nicht der Typ für die Farbe auf dem Fingerhorn bin, so gefällt es mir doch, die Hand schaut gepflegt aus und soooo fremd fühlt sich's auch gar nicht aus.
Zu guter letzt kommen dann noch die Augenbrauen dran. Nach fast 2 Stunden bin ich dann endlich fertig und kann mich ins Wochenende begeben.

Noch stehe ich vor dem Salon und überlege, ob ich nicht schnell noch im „Extra“ (der brasilianische Globus oder so) eingrätschen soll, um dort noch ein paar Besorgungen zu machen, als mein Telefon klingelt. Unverhofft kommt oft: Javier sitzt mit seinen Kunden in einem Restaurant ganz in der Nähe und er möchte wissen, ob ich mich nicht dazu gesellen möchte. Es liegt auf dem Weg und beschliesse kurzfristig, dass ich das tun werde.
Und so finde ich mich ca. 15 Minuten später inmitten dreier Kolumbianer und praktiziere anstatt meines Portugiesisch lieber Spanisch. Da die Herren Hunger haben, wird kurzerhand nach dem zweiten Chopp eine Art „Hot Stone“ bestellt: Picanha (auch hier weiss ich nicht, ob man das so schreibt). Eine Art Tischgrill wird mitten auf dem Tisch aufgestellt, kleinere Schälchen mit diversem Gemüse und anderen Spezialitäten und ein Tablett mit gut und gerne 3 kg Fleisch in ganz dünne Scheiben geschnitten. Und so grillen wir unsere Fleischteilchen, picken und essen und trinken und lassen es uns einfach nur gutgehen.

Eine gelungene Woche geht zu Ende …
Auch wenn mich gestern das Heimweh wieder brutal plagte so geht es dennoch immer besser weiter. Langsam aber sicher komme ich an … Ich habe Pläne, ich schmiede Pläne ich trau mich weiter raus …
Gelernt habe ich, dass ich etwas mehr Geduld mit mir haben muss. Sao Paulo und ich – wir brauchen noch ein wenig Zeit. Doch ich denke schon, dass wir uns bald anfreunden werden und bestimmt innerhalb der nächsten 12 Monate gute, wenn nicht sogar sehr gute, Freunde werden …

Gehabt euch wohl und habt ein schönes Wochenende.

Eure Jana

PS: Da ich gerade erst aufgestanden bin, kann das Haarfoto noch nicht folgen … Das kommt aber noch … Versprochen.

Donnerstag, 14. April 2011

Spanisch ...

... das andere Portugiesisch.



Fernanda und ich treffen heute zum ersten mal aufeinander. Wir verstehen uns auf Anhieb und schnell ist eine gemeinsame Sprache gefunden. Portunol … 2 Stunden am Stück reden wir, verstehen alles, und bedienen uns nicht ein einziges mal einer anderen Fremdsprache. Zumindest nicht, um miteinander zu kommunizieren.
Heute klären wir nur die Basisdinge. Welches Buch ich besorgen soll, wie ihre Lehrmethoden sind, woher ich komme, woher sie kommt, wie lange ich schon bei BASF arbeite … Ach, all jene Dinge, die so interessant sind …

Und jetzt?
Jetzt kann ich noch immer kein Portugiesisch. Ich glaub, das kommt noch … Es wäre wohl auch zuviel verlangt, wenn es das jetzt wohl schon gewesen wäre … Und jetzt? Jetzt lieg, bzw. sitze ich im Bett, höre Webradio und esse Chips. Ja, ich esse Chips im Bett. Das hab ich mir heute verdient …

Heute war ich nämlich erfolgreich. Ich habe meine Passbilder. 3 x 4 cm. Weisser Hintergrund. Die Dame hat die handschriftliche Anweisung gelesen, und als sie mich fragend anschaut, ergänze ich ganz wichtig: „Por passaportschi.“ Sie nickt und schickt mich wieder nach draussen, ich solle doch den nächsten Eingang benutzen. Einmal mehr: Andere Länder, andere Sitten. Während wir uns im wohlbehüteten Ludwigshafen beispielsweise im „Backofen“ ablichten lassen, setzt man sich in Sao Paulo zwischen Kopierern, Faxgeräten und diversen anderen Elektrogeräten auf einen etwas abgelebten Barhocker. Dahinter an der Wand hängt ein an weiss erinnerndes Flipchart. Etwas zerknittert isses auch schon, aber das sieht man später nicht mehr, weil ja die Zuvielzentimeter abgeschnitten werden müssen.
An einem extrem grossen und recht gefährlich aussehenden Stativ ist dann eine kleine Digitalkamera befestigt. Könnte ne Sony Cybershot gewesen sein, ich weiss es allerdings nicht. Der junge Mann zielt, drückt ab und schreibt fast im gleichen Atemzug die Kamera wieder ab. RatzFatz habe ich das Display vor der Nase. Ich verstehe sowas wie: „Ta bo?“ (ich weiss noch nicht, wie man das richtig schreibt) und ich er widere: „Ta bo!“ (das ist auch gleichzeitig die Antwort).
Ich schiebe mich durch den Hintereingang zum Vordereingang, er folgt, bleibt allerdings am Fotodrucker stehen. Indes beobachte ich das Klientel, welches sich hier im Laden tummelt. Da wäre dann eine etwas betagtere Dame, die etwas faxen möchte, jedoch unverrichteter Dinge wieder gehen muss, da sie die Nummer falsch notiert hat. Die Ladeninhaberin – so vermute ich – äfft die Faxstimme nach und versucht die Dame davon zu überzeugen, dass da wohl etwas nicht stimmt.
Ein jüngerer Mann legt seine grosse Mappe auf dem Tresen ab. Diverse Pläne, Zeichnungen etc. zaubert er daraus hervor und die Dame hinter dem Tresen hat ihre Mühe, die geforderten Kopien anzufertigen. Dummerweise ist das A3 Papier all-all. Aus dem anderen Augenwinkel beobachte ich, wie der Fotograf meine Fotos stanzt und sie fein säuberlich im Plastikbeutelchen verstaut. Ich zahle wenig Geld und gehe noch einkaufen.
Also Essen einkaufen.

Zurück im Büro befrage ich Marina, ob wir denn mal beim Frisör anrufen können. Ziemlich verzottelt sehe ich aus – ich glaub, meine Haare wachsen hier sehr viel schneller, als zu Hause. Sie ruft an und verlangt Francisco ans Telefon. Lustigerweise übersetzt sie gleichzeitig simultan in eine Art Gebärdensprache. Sie erzählt ihm, ich hätte kurze Haare, welche geschnitten werden sollen. Zwischendurch fragt sie immer mal wieder wann, wie und wo ich vorbeikommen will und ob ausser Schneiden noch was anderes ansteht.
Morgen um 1830 bin ich dann mal dran, bei Francisco.
Ui, und ich bin gespannt, denn er scheint weder noch zu sprechen und ich kann ausser „Tudo bem“ auch nicht viel mehr fehlerfrei sagen. Vielleicht halte ich ihm einfach den Passbilderfoto-Portugiesisch-Satz unter die Nase und ergänze noch was, was ich zumindest gut aussprechen, aber nicht schreiben kann :-)
Wird schon werden …

Und wenn nicht, dann tröstet es mich, dass mich hier sowieso keiner kennt und ich kauf mir einfach ein paar auffällige neue Schuhe und lenke alle Aufmerksamkeit auf sie …
So mach ich das … Und nicht anders …

Gehabt euch wohl,
Eure Jana

Mittwoch, 13. April 2011

Jana entdeckt ...


… die Welt !



Nennt mich Kolumbus. Oder Kolumbine. Ganz wie ihr wollt.
Heute habe ich herausgefunden, dass es gar nicht so einfach ist, ein brasilianischer Faststaatsbürger zu werden. Fast wäre meine Integration an den falschen Passbildabmessungen gescheitert.
Die „Policia Federal“ (das Federal wird „Federau“ gesprochen) hat meine wunderschönen, biometrischen Passbilder abgelehnt. Einfach so abgelehnt, obwohl der brasilianische Arbeitsminister sie schon akzeptiert hatte. Der Policia Federau sind sie schlicht und ergreifend zu gross und ich darf sie nicht auf die gewünschte Grösse von 3 x 4 cm zuschneiden. Nein, denn tu ich das, werde ich sofort wieder nach Hause geschickt.
Desweiteren steht in der Einladung ausdrücklich geschrieben, dass ich nicht zu spät kommen darf, da sich ansonsten die Policia Federau das Recht heraus nimmt, mich abzuweisen. Ob ich dann nochmal einen Termin bekomme, ist fraglich.
Tja, so ist das …

Ein klein wenig beschnitten fühle ich mich schon in meiner Freiheit. So lass ich mir, da ich des Portugiesischen noch immer nicht mächtig bin, von einer Kollegin folgenden Satz aufschreiben: „Ich benötige 2 Passfotos, mit weissem Hintergrund in der Grösse 3x4 cm für die Policia Federau.“
2 Stunden übe ich die perfekte Aussprache des folgenden Satzes: „Preciso de duas fotos, tamanho 3x4 (por) com fundo branco.“
Zugegeben, ein wenig blümerant ist's mir schon, da ich ja so gar keine Ahnung habe, ob das das bedeutet, was es für mich bedeuten soll. Wenige Stunden später im Shoppingcenter „Vila Olimpia“ versuche ich mein Glück in allen Geschäften, die auch nur ansatzweise nach Fotodingens aussehen.
Die Ausbeute heute: Keine Fotos! Zum Glück hab ich noch ein paar Tage, um das auf die Reihe zu kriegen.

Hier entdecke ich allerdings auch, dass es immer jemanden gibt, der für jemand anderen etwas ganz anderes tut. Ich weiss, es klingt kompliziert, ist aber so. Nehmen wir die Gesellschaft, die mir eine Wohnung gesucht bzw. vermittelt hat. Da gibt es ja die Karin (Nummer 3). Diese Karin hatte dann Karin Nummer 2 beauftragt, mich zu Hause abzuholen. Karin ist, und das habe ich jetzt erst erfahren, meine Patin. Mit ihr sollte ich solche Dinge erledigen, wie z.B. Passbilder machen. Doch da Karin wohl noch immer kein Navi hat und bevor wir uns auf 1,5 km in Sao Paulo verfahren, ziehe ich es vor, das allein zu machen. Doch was ich sagen wollte: Karin 3 hat noch eine Bruna im Sortiment. Bruna ist für meinen Telefon-TV- und Internetanschluss zuständig und hat mir heute eine Liste mit diversen „Paketen“, sog. Pacotes zukommen lassen, mit der Bitte, mir das Passende auszusuchen.

So ungefähr lauteten die Paket-Namen:

10 MB = 800 Kbps Upload
Name of Packages:
Total HD = R$ 145,00 140 Channels
Totla Tele Cine HD = R$ 287,80 + 5 Channels

oder

5 MB = 600 kbps Upload
Name of Packages:
Atualidade: R$ 129,90 for 6 months apart the 7th month and cost you a R$ 187,89 (U.S. S 37,90 for Links), 18 Channels and the rest of open / closed

etc.

In diesem Stil setzt sich die Paket-Namen Mail fort.
Ich rufe Karin 3 an. Ein Mann meldet sich, der sich vermutlich total erschreckt, als ich auf englisch nach Karin 3 frage. „Momentschi“ höre ich ihn sagen. Geraschel. Bruna meldet sich. Sie kichert. Ich gebe zu verstehen, dass mir die Paket-Namen reichlich wenig sagen und sie möge mir doch bitte eine ausführlichere Beschreibung zukommen lassen. „Karin not in office now.“ Danke Bruna. Ob ich das denn im „Internetschi“ (so sprechen die Brasilianer das aus) nachsehen kann. Bruna: „Karin 2-3 clock will back.“ Ich „back“ so langsam pardon und verabschiede mich höflich, lass sie aber wissen, ich würde mich wieder melden. Wie gut, dass ich nicht weiss, was sie verstanden hat …
Paket-Namen-Beschreibung habe ich bis jetzt noch keine, dafür aber am kommenden Freitag Interkulturelles Training und dann kann ich das alles vermutlich viel besser verstehen.

Zurück ins Shoppingcenter „Vila Olimpia“. Ich habe genug von meiner Entdeckungsreise. Es ist bereits der zweite Abend in Folge, an dem ich mich ganz allein und ohne Aufsicht eines Erziehungsberechtigten auf Erkundungstour begebe. Bereits gestern wage ich mich allein in die unergründbaren Weiten der Strassen von St. Pauli. Es regnet in Strömen, als ich ins Taxi steige. Der Kerl hinter dem Lenkrad ist im Sitzen schon riesengross. Allerdings sitzt er ziemlich verzwirbelt hinterm Steuer, da die Belüftungsanlage des Wagens wohl nicht so recht funktioniert und durch den Regen, die Schwüle etc. sind die Scheiben von innen total angelaufen. Wie der Riese überhaupt was sehen kann, ist mir bis heute noch ein Rätsel. Wir reden. Irgendeine undefinierbare Sprache, doch er erfährt, dass auch aus Alemanha bin, aber in Croatia geboren bin und im Gegenzug erzählt er mir, dass sein Grossvater Deutscher ist und er selbst Schuler mit Nachnamen heisst. Auch das ist mir immer wieder ein Rätsel, wie Verständigung einfach so funktionieren kann …
So, wo war ich? Ach ja, shoppen. Gestern war's das Shoppingcenter „Eldorado“ … Dieses erinnert allerdings an vieles, aber nicht an „Eldorado“. Ich möchte nach Hause. Eine gefühlte Ewigkeit später sitze ich im Taxi und fahre nach Hause.

So auch heute. Ich möchte nicht laufen. Es ist schon dunkel und irgendwie hab ich die Orientierung verloren. Links? Rechts? Ich weiss es nicht mehr. Schnurstraks geh ich dorthin, wo auf dem Boden gross „TAXI“ geschrieben steht. Plötzlich tippt mir jemand von hinten auf die Schulter. Der Security-Mann sagt was, ich versteh's nicht und dann packt er Hände und Füsse aus und zeigt auf die kilometerlange Schlange, die für's Taxi ansteht. Ich solle mich gefälligst hinten anstellen.
Fuchs, der ich bin, gehe ich schnell zur „SAIDA B“. Da gibt’s bestimmt auch Taxi auf dem Boden. Mist, das ist ne Seitenstrasse. Also geh ich wieder zur „SAIDA A“. Ich meine mich zu erinnern, ich sei von links gekommen. Also lauf ich da die Strasse lang und beschliesse, mir ein Taxi von der Strasse herzuwinken. Geht bestimmt schneller. Es fahren bestimmt 5 an mir vorbei, als ich ein zartes Stimmlein vernehme. Mit einem jungen Mädel komm ich ins Gespräch. Sie will wissen, woher ich komm. Wir reden kurz und ich bitte sie, ob sie mir nicht behilflich sein könnte, mir ein Taxi per Telefon zu rufen. Ich pack mein „Telefoni“ aus, doch sie benutzt schon ihres. Sie organisiert alles, ich erfahre, dass auch sie Mariana heisst und dann ist auch schon mein Taxi da. Ihr Vater, Onkel oder wer auch immer und sie verfrachten mich ins Taxi, aber nicht ohne, dass sich Mariana mit einem „Beijo“ von mir verabschiedet und mir alles Gute wünscht …
Der Mann ruft noch durch's offene Fenster, ob ich denn wisse, wohin ich muss oder ob er dem Taxifahrer die Adresse geben solle … Ich bin mal wieder restlos begeistert und spreche in fliessendem Portugiesisch meine Adresse aus.

Sao Paulo ist verstopft. Wagen an Wagen. Nur Bremslichter vor mir. Alles rot, weit und breit. Und dann die nächste Entdeckung: Bono ist in Town! Heute das dritte U2 Konzert … Seit Wochen schon herrscht hier Ausnahmezustand. Helikopter an Helikopter erheben sich von den Dächern, der Verkehr auf der Strasse kommt zum erliegen. 1 km = 45 Minuten. Aber, ich kenn mich wieder aus. Höflich frage ich den Fahrer, ob ich denn hier aussteigen könne, ich würde dann doch besser laufen. Er nickt, nimmt statt der 12 R$ nur 10 R$ und ich steige aus. 5 Minuten später komm ich im Hotel an und lass den auf der Strasse stehenden Verkehr hinter mir.

Morgen starte ich einen neuen 3 x 4 cm Versuch … und die Dusche war heute mal offen … ;-)

Gehabt euch wohl,
Eure Jana

Dienstag, 12. April 2011

Einmal um die ganze Welt ...

... und in den Taschen gar kein Geld.




Die Betreffzeile der gestrigen Mail lässt mich inne halten und erst mal schlucken. Weniger als 15 % meines Kreditrahmens seien noch übrig. Dabei hat der Monat erst angefangen und die nächste Abrechnung ist er Ende Mai fällig. Der Kreditrahmen der zweiten Karte ist eigentlich gar kein richtiger, denn dieser ist hier quasi mein Girokonto, auf welches ich zu jeder Tages- und Nachtzeit zugreifen kann.
So sitze ich gestern abend im Hotel und schreibe die Kollegen in good old Germany an, mit der Bitte, mir zu helfen und den Kreditrahmen entsprechend höher setzen zu lassen, damit ich hier nicht elend vor die Hunde gehen muss.
Es kommt halt doch einiges zusammen, wenn man in manch teurer Angelegenheit in Vorlage treten muss.
Gefahr erkannt – Gefahr gebannt und in den nächsten 48 Stunden sollte das Problem wohl gelöst sein und ich muss nicht mehr um meine Existenz bangen.

Womöglich muss ich um meine Gesundheit viel mehr bangen. Zur Erklärung. Meine  Dusche – innen Marmor, aussen Glas – wird täglich gereinigt. Und zwar so gut gereinigt, dass ich mit zunehmender Regelmässigkeit nur Marmor sehe, aber kein Glas mehr. Will heissen, zum x-ten Mal in Folge, versuche ich meine Dusche zu betreten, ohne vorher das Glas beiseite geschoben zu haben. Inzwischen variiert nur noch die Intensität des Aufpralls meines Kopfes gegen die geschlossene Glastür. Schwinge ich meinen Astralkörper mit ordentlich Schmackes um die Kurve, kann ich von Glück reden, dass das Glas noch nicht in tausend Scherben zerbrochen ist. Immer wieder drehe ich mich in Richtung Spiegel, um eine Platzwunde über der rechten Augebraue ausschliessen zu können. Manchmal ist der Aufprall sanfter und was folgt ist ein Ditsch mit der rechten Hand gegen die Stirn, nur um mich selbst wieder zu ermahnen, ich solle beim nächsten Mal doch einfach mal daran denken, die Tür vorher zu öffnen … Ein blaues Auge habe ich noch nicht davon getragen und jetzt hoffe ich nur, dass die Dusche das noch die nächsten 2,5 Wochen überleben wird, denn dann werde ich womöglich in meine neue Bleibe umziehen …
Dann allerdings auch mit Glasdusche !!!

Sagt man nicht, dass gelegentliche kleinere Schläge auf den Hinterkopf das Denkvermögen erhöhen? Bei mir trifft das offensichtlich nicht zu. Vielmehr trifft zu: Andere Länder, andere Sitten, andere Fahrstühle. Unserer hier hat beispielsweise innen einen wunderschönen grossen Spiegel aufzuweisen, einen Flachbild-TV, auf welchem 24 Stunden lang Nachrichten in portugiesisch laufen, einen Handlauf und ganz genau 3 Knöpfe. Einer davon ist ein Notrufknopf. Die anderen beiden dienen nur dazu, entweder die Tür offen zu halten oder aber sie ganz schnell zu schliessen. Immer wieder stehe ich im Fahrstuhl und frage mich, warum sich nichts bewegt und immer wieder bin ich überrascht, dass ich keine Stockwerksknöpfe finden kann. So muss ich wieder aussteigen, mich zum nächsten „Touchpad“  begeben, mein gewünschtes Stockwerk, vorzugsweise das 12., auswählen und im Display ablesen, zu welchem Fahrstuhl ich mich begeben soll. Die Nummer kann ich noch eintippen, doch dann dreh ich mich auch schon um und sehe somit nicht, welcher Fahrstuhl zur 12 fährt. Also wiederhole ich den Vorgang.

Solange ich alleine fahre, ist alles wunderbar. Befinden sich jedoch noch weitere Personen im Fahrstuhl, kann es jedoch problematisch werden. Nicht selten steige ich, dem Herdentrieb folgend, im falschen Stockwerk aus. Wenn ich in 12 will und jemand nach mir drückt und in die 7 will, dann fahren wir im gleichen Fahrstuhl. Ich allerdings hab nur meine 12 im Kopf und sobald der Fahrstuhl hält, steig ich mit aus – logisch, im falschen Stockwerk. Und dann beginnt das gleiche Spiel von vorne …

Vor einiger Zeit, als ich mal zu Besuch hier war, dachte ich, ich könnte die Treppe für 2 Stockwerke nehmen. Was ich allerdings nicht wusste ist, dass ich die Treppe eigentlich nicht hätte nehmen dürfen. Die Türen liessen sich nämlich nur ZUM Treppenhaus öffnen, jedoch nicht aus dem Treppenhaus. Und so stand ich da im Treppenhaus für ca. 1 Stunde, bis man mich endlich gefunden hat …
Offensichtlich stimmte mit meinem Kopf damals schon was nicht, denn da hatte ich keine Glasdusche, gegen die ich dauerhaft gerannt bin …

Lustig ist allerdings auch, dass ich fast jeden Tag ein Handtuch „vermisse“. Manchmal hab ich 4 Duschhandtücher, aber keine kleinen am Waschbecken. Manchmal hat’s nur kleine, aber keinen grossen. Am besten war’s jedoch, als ich nur ein kleines hatte, dafür aber insgesamt 4 Badvorleger. Ja nu, bei den kleinen und grossen Handtüchern ist es mir egal, da ich aber nicht weiss, ob die Vorleger wirklich frisch gewaschen sind, organisiere ich mir in solchen Fällen dann doch lieber ein frisches Handtuch.
Um der Dame, die sich um mein Zimmer kümmert, ein wenig unter die Arme zu greifen, beschliesse ich, Trinkgeld hinzulegen. Ein paar Real lege ich bereit und schreibe auf einen Zettel „Obrigada“, was soviel wie DANKE heisst. Am abend war das Geld weg, der Zettel auch. Stattdessen finde ich einen Berg von Schokodrops vor, 1 Duschhandtuch, 2 Badvorleger und 2 neue Handseifen.  Auch nicht schlecht ….

Inzwischen gehe ich regelmässig auf’s Laufband unter’s Dach und nehme mir dann dort ein frisches Handtuch mit, so ich eines brauche …

So, und beim nächsten Gong ist es dann heute abend und ich hab die Tür zur Dusche wieder nicht aufgemacht.

Gehabt euch wohl,
Eure Jana

Montag, 11. April 2011

Beobachtungen ...



… Teil 2.




Der Brasilianer und seine Zähne.
Diese scheinen des Brasilianers grösstes Gut zu sein. Jeder, aber auch wirklich JEDER, hat entweder einen kleinen oder einen grösseren Kultubeutel in seiner Schreibtisschublade. Sobald der Brasilianer aus der Pause kommt, schnappt er sein Täschlein und verschwindet im „Sanitario“. Jetzt kann ich nur für die Brasilianerinnen sprechen, denn diese konnte ich beobachten: Sie breitet 2-3 Tücher direkt neben dem Waschbecken aus und legt ihren Kulturbeutel darauf ab. Die Zahnbürste samt Zahnpasta wird ausgepackt und die Zahnreihen werden ganz ordentlich in kreisenden Bewegungen und immer schön von oben nach unten geputzt. Den krönenden Abschluss bildet das Bearbeiten der Zahnwischenräume mit Zahnseide. Ein prüfender, wohlgemerkt sehr kritischer, Blick in den Spiegel, erteilt die finale Abnahme. Das Make-Up der Damen wird nachgebessert, die T-Zone wird mit Tüchlein bearbeitet und das Haar wird gebürstet.
Bevor die Brasilianerin das Bad verlässt, dreht sie sich noch ein bis zwei mal um ihre eigene Achse, um sich ein Komplettbild zu machen und dann verschwindet sie wieder an ihren Schreibtisch.

Allein das Beobachten dieses Rituals veranlasst mich am Wochenende dazu, mir selbst ein kleines Kulturbeutelchen samt neuer Zahnbürste und Zahnpasta zu besorgen. Schliesslich möchte ich hier nicht Gespött der Menschen werden, dass sich der Deutsche nicht die Zähne nach dem Essen putzen würde.

Der Brasilianer und seine Beobachtungen.
Neulich beim Mittagessen berichtet ein Brasilianer über seine Beobachtungen der Deutschen. Auch das war sehr lustig. So konnte sich der Brasilianer köstlich darüber amüsieren, dass der Deutsche an sich, seine Mahlzeiten selektiert. Will heissen, der Deutsche hat nur eine warme Mahlzeit am Tag. Entweder nimmt er diese zu Mittag zu sich und weicht am Abend auf ein Belegtes aus oder aber er isst des Mittag einen Salat, da er abends noch eine warme Mahlzeit verspeisen muss.

Der Brasilianer ist sehr geduldig.
Vor allem ist er dies, wenn es darum geht, in seinem Lieblingsrestaurant einen Tisch zu ergattern. Selbst wenn er von aussen sieht, dass sich weitere Brasilianer um die Bar versammelt haben, da sie selbst auf einen Tisch warten, so steigt er aus seinem Wagen und lässt sich selbst auf die Warteliste setzen. Während er wartet, bestellt er sich entweder einen Caipi oder einen Chopp, etwas kleines zum Picken und wartet. Während er wartet, hat er jede Menge zu erzählen und auch als Nichtbrasilianer ist man oftmals im Stande zu verstehen, um was es geht.
Meist wird ihm nach etwas mehr als einer Stunde dann ein Tisch zugewiesen und wenn der Garcon ihm dann nach weiteren Minuten des Wartens sein Steak serviert, quittiert er dies mit einem lauten „OOOOOOOOOooooooohhhhhhhhh“ und bringt damit unmissverständlich zum Ausdruck, wie sehr er sich über dieses Stück totes Tier auf seinem Teller freut.
Nicht selten vernimmt man keinen Laut von ihm, während er sein Steak verspeist.

Fortsetzung folgt.

Sonntag, 10. April 2011

Eine Woche ...


… 7 Tage.


Kinder, wie die Zeit vergeht.
Eine Woche ist schon um und ich kann es kaum glauben. Eine Woche, voller neuer Eindrücke, Erlebnisse und Entscheidungen.
Doch es geht voran. Langsam aber sicher komme ich an. Die Wohnung war schnell gefunden, bei der Arbeit habe ich mich schnell eingefunden und in der neuen Heimat finde ich mich immer besser zurecht. Zwar ist noch immer alles fremd, doch es fühlt sich gut an.
Das allerwichtigste habe ich in trockenen Tüchern: Die Wohnung. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis ich endlich aufhören kann, mit all meinen Klamotten duschen zu gehen. Dann nämlich werde ich eine eigene Waschmaschine haben und kann dann meine Wäsche selbst waschen lassen. Dann werde ich auch anfangen können, es mir gemütlich und heimelig zu machen – so gut das mit den rustikalen Möbeln eben geht …
Bei der Polizei werde ich mich wohl in der laufenden Woche registrieren können und dann wäre auch das Bürokratische endlich erledigt. Bestimmt bekomme ich dann auch meinen Führerschein wieder – der internationale musste auch beglaubigt werden – und dann kann ich mir einen Wagen mieten und die Gegend erkunden.

Was stand an am Wochenende?
Eigentlich nicht viel. Am Freitag habe ich mir meinen Plan für Samstag zurecht gelegt, was ich alles sehen und erledigen möchte. Ganz oben auf meiner Liste stand der Besuch des Reisebüros, um mich über Wegfahrmöglichkeiten über Ostern zu informieren. Noch am gleichen Abend kündigt sich Javier als mein Begleiter an.
Wir starten gegen 1000 und grätschen im Reisebüro um die Ecke ein. Eine gute Adresse, wie man ihm verraten hat und wir erkunden die Möglichkeiten. Leider lässt sich für die Wasserfälle nichts mehr organisieren. Der Norden Brasiliens wäre eine schöne Option, da es dort sehr warm ist und die Strände super schön sind. Das Problem ist nur, dass es freie Hotels wie Sand am Meer gibt, aber alle Flüge ausgebucht sind. Ganz Brasilien scheint über Ostern auf den Beinen, bzw. im Flieger unterwegs zu sein.
Die Dame von der Reiseagentur bietet uns Florianopolis an. Ein akzeptabler Preis für den Süden Brasiliens, doch wir wollen noch ein anderes Reisebüro befragen. Und so rufen wir uns ein Taxi und fahren zum Shoppingcenter Ibirapuera. Der Weg führt uns direkt zum TAM Reisebüro. Zunächst schaut alles gut aus und schlussendlich scheitert's dann doch wieder an nicht verfügbaren Flügen. So ein Mist aber auch …
Nach diversen anderen Anläufen, entschliessen wir uns, bei CVC die Reise nach Florianopolis zu buchen und die Wasserfälle auf Juni zu verschieben, denn dann hat der Brasilianer wieder 4 Tage frei. Ich mach's kurz: Als wir Florianopolis buchen wollten, war das Hotel ausgebucht. Somit hat sich auch das erledigt. Damit uns Gleiches im Juni erspart bleibt, haben wir direkt die Wasserfälle für Juni gebucht. DAS ist jetzt unter Dach und Fach, allerdings war's auch nicht mehr ganz einfach, da Vieles nicht mehr verfügbar war. Ostern ist jetzt noch offen, aber auch das fällt mir noch was ein …

Nach getaner Arbeit beschliessen wir, uns einen Grobüberlick über die bevorstehenden Haushaltsanschaffungen zu machen. Was kosten Kühlschränke, Waschmaschinen, Teller, Tassen, Gläser, Bettwäsche? Ooooh ja, das kann Mann, aber auch Frau, ein kleines Vermögen loswerden.
Zum Glück gibt es auch hier mehrere Möglichkeiten und wir finden heraus, dass „Extra“ viele, viele dieser Dinge extra günstig anbietet.

Heute, am Sonntag, treten wir (wieder gemeinsam) den Weg zum brasilianischen IKEA, der hier ETNA heisst, an. Ein paar Dekoartikel brauch ich schon, wie ich finde. Schliesslich will ich mich auch in Eiche rustikal wohl fühlen … Ausserdem veranstalte ich diese Übung auch, um den ultimativen Preisüberblick zu haben … Doch wir kommen nicht weit. Irgendwo zwischen Büro- und Küchenmöbel ereilt Javier ein Anruf seiner Freunde (Juan und Alejandra). Es ist Juan's Geburtstag und die beiden wollten essen gehen. Schnell war beschlossen, dass sie uns in Brooklin (so der Stadtteil, in welchem wir uns befanden) abholen kommen und wir gemeinsam ein Restaurant ausprobieren, in welchem auch sie noch nicht waren. „Pobre Juan“ heisst die Location und ist ziemlich gefragt, denn sowohl auf der Strasse, als auch drinnen tummeln sich viele, viele Menschen. Ich lasse mich belehren, dass dies in Sao Paulo normal ist und ich mich direkt damit abfinden kann. Und so lassen wir uns auf die Warteliste setzen. Während wir warten, bestellen wir uns nen Chopp und etwas zu Picken und reden und lachen und warten … Nach ca. 1,5 Stunden ist dann auch mal unser Tisch frei. Das Steak ist lekker und die Stimmung gut. Ich glaub, nach gut und gerne 4 Stunden war dann auch das Mittagessen beendet und wir hätte nahtlos zum Abendessen übergehen können …

Und so geht mein Shoppingsonntag zu Ende, ohne dass ich auch nur einen Shoppingcenter von innen gesehen hätte … Dafür spannt mir nun der Ranzen und ich bin satt für die ganze kommende Woche …

Nun bin ich gespannt, was mich nächste Woche alles erwartet …
Hoffe, euch geht’s allen gut und ihr lasst es euch mindestens genauso gut gehen …

Gehabt euch wohl,
Eure Jana

Freitag, 8. April 2011

Der Sao Paulo Knigge ...


… oder einfach nur Sicherheitstraining.



Heute hat mich der Sicherheitsbeauftragte der Firma zum Sicherheitstraining gebeten. Pünktlich um 1400 – hier gibt es keine Verspätungen – finde ich mich in seinem Büro ein. Er stellt sich mir vor, ich mich ihm, wir reden darüber, wer in welcher Funktion tätig ist, stecken kurz und knapp die Rahmenbedingungen ab und tauchen sofort in die Materie ein.

Marcello, so der Name des eingewanderten Italieners, hat eine Präsentation vorbereitet, durch deren einzelne Punkte wir uns durcharbeiten.

Wir starten bei den allgemeinen Daten über Sao Paulo und ich erfahre, dass ich mir diese Stadt (und den Umkreis) derzeit mit weiteren 18 Millionen Menschen teile (die Dunkelzimmer dürfte geringfügig höher sein). Wo viele Menschen, da viel Gefahr, weil eben nicht alle 18 Millionen einen so guten Job wie wir haben (wenn sie überhaupt einen haben). Tja, uns ist die Kriminalität ungleich höher als in anderen deutschen Metropolen, die nur einen Bruchteil der Einwohnerzahl aufweisen. Und so erfahre ich, dass Überfälle auf Auto, sog. Express-Kidnapping sowie Strassendiebstähle an der Tagesordnung stehen. Wenn in den Nachrichten jedoch von Raubüberfällen etc. gesprochen wird, so passieren diese Dinge meist in Sao Paulo's Umkreis oder eben im Süden oder Osten der Stadt, wo sich komische Gangs ihre Ghettos erschaffen haben.

Schockiert hat mich Marcello mit dieser Ausführung nun nicht, denn das war mir vorher schon bekannt. Schliesslich haben mich meine Kollegen, die bereits in der Stadt lebten, genauestens darüber informiert.

Das Thema Housing war sehr viel interessanter. Apartments in einem Condominio seien wohl die sicherste Version des Wohnens. Einerseits, weil gerade die neueren Gebäude dem Sicherheitsstandard entsprechen und weil eben diese Gebäude immer einen 24 h Security Service haben. Unbefugten ist das Betreten des Condo's nicht gestattet. Marcello war mit meiner Wahl des Apartments sehr zufrieden, hob jedoch hervor, dass es noch diverse Sicherheitsmassen zu treffen gäbe, bevor ich einzöge. Da wäre die Sache mit dem Schlüssel. Zu allererst sollte ich das Schloss auswechseln. Niemals nicht solle ich mit dem mir ausgehändigten Schlüssel mit all meinem Hab und Gut einziehen. Man wisse ja nie, wer eine Kopie des Schlüssels hätte. Und dann wäre da noch die Tür. Wenn kein Spion drin ist, dann sollte ich auch die Tür komplett auswechseln. Na super, daran hab ich ja gar nicht gedacht, aber dafür mach ich ja das Sicherheitstraining.
Zum Glück ist das eine Dienstleistung der Firma, die uns die Wohnungen vermittelt und somit ist dieser Punkt von vornherein geklärt. Auch wird sich die Agentur um die Installation des Internet etc. kümmern, so dass ich erst dann einziehen werde, wenn all die Dinge bereits vorhanden sind ...

Es folgen Ratschläge, wie ich mich zu verhalten habe, wenn ich denn dann mal einen Wagen miete. Ich solle in jedem Fall darauf achten, dass dieser Wagen den Sicherheitsaspekten der Firma entspricht: getönte Scheiben, unauffällig, GPS. Niemals nicht von Strassenverkäufern etwas kaufen, keine Taschen, Geldbörsen etc. auf dem Beifahrer- oder Rücksitz befördern. Immer aufmerksam sein und sich umschauen. Fenster immer geschlossen halten und direkt beim Einsteigen die Türen verriegeln. Des nachts langsam an rote Ampeln heranfahren, in die Kreuzung einsehen und wenn kein Wagen kommt, die Ampel auch bei rot überqueren.

So ich mich zu Fuss fortbewege, immer darauf achten, unauffällig zu bleiben. Ich sollte jetzt nicht mit meinen Brillianten auf die Strasse gehen und diese zur Schau stellen. Auch empfehle er mir nicht, mit dem iPad unter dem Arm durch die Strassen zu marschieren. Solange ich mich an diese Regeln halte, passiere mir wohl auch nichts.
Da auch er dies nicht zu 100 % ausschliessen kann, dass es nicht doch mal passiert, empfiehlt er, ohne Widerstand, alles auszuhändigen, was die Räuber verlangen. Dabei ist es wichtig, eben nicht alles mit sich rumzuschleppen und bei sich zu tragen …
Als ich wissen wollte, ob ich denn den Räuber verärgern könnte, nur weil ich seine Sprache nicht verstehe, musste Marcello dann doch Schmunzeln. Natürlich hoffen wir alle nicht überfallen zu werden, doch wenn ich ihn nicht verstehen sollte, dann solle ich ihm einfach das anbieten, was ich habe.

Von der Fortbewegung mit dem Bus hat er mir abgeraten. Ebenso von auf der Strasse herbeigerufenen Taxen. Die Metro hingegen sei recht sicher und kann bedenkenlos genutzt werden – AUSSERHALB der Rush Hour.

Niemals nicht, soll ich Geldautomaten auf der Strasse nutzen oder bei Banken, die sich hier überall befinden. Das wäre gefundenes Fressen für die Räubernasen. Entweder ich ziehe Geld in der Tiefgarage unserer Firma oder aber in einem Einkaufzentrum.

Die wichtigen Nummern habe ich nun alle und diese habe ich sowohl auf Papier in meinem Zimmer deponiert, sowie im Telefon eingespeichert – für den Fall der Fälle … Doch alles wird gut und ich werde ganz arg doll auf mich aufpassen … VERSPROCHEN !!!
Und wenn ich dann in meiner Wohnung bin, werde ich mich vom Pool nicht mehr wegbewegen … ;-)

Tja, ein ganz heisses Pflaster, dieses St. Pauli.
Doch wenn man sich an die Spielregeln hält, ist man einigermassen sicher … Doch sind wir mal ehrlich, passieren kann überall was …

Eins ist klar: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste!

Gehabt euch wohl,

Eure Jana

PS: Zur Rush Hour mach ich dann lieber Happy Hour.