… gepaart mit Umzugsstress !
Als ich noch nicht hier war, sondern eben noch zu Hause, konnte ich mir ganz und gar nicht vorstellen, wie das so ablaufen wird, mit Leute kennenlernen, soziales Netzwerk aufbauen, Freizeitaktivitäten planen etc. Alles schien so unerreicht, so weit weg und vor allem – ich hatte so gar keine Idee …
Inzwischen habe ich mich eines besseren belehren lassen.
So schaut's nämlich diese Woche aus:
Montag:
Sprachkurs
Dienstag:
Ruhetag
Mittwoch:
Happy Hour mit der Kollegin vom Interkulturellen Training
Donnerstag:
Entweder Salsa-Tanzen mit ein paar Leuten vom Wochenende oder aber mit Daniel, dem Peruaner was trinken gehen
Freitag:
Happy Hour mit Kollegen, noch später am Abend Einladung zu einer Geburtstagsfeier.
Samstag:
Besichtigung eines Marktes am Vormittag, Mittagessen und um 1500 Kindergeburtstag
Sonntag:
Mittagessen
Dazwischen sollte irgendwann dann auch mal mein Mietvertrag unterschriftsbereit sein und ich sollte dann mal noch zwischendrin umgezogen sein. Doch nicht nur das, ich muss dann auch noch meinen Hausstand kaufen gehen … Mir fehlt nämlich so ziemlich alles … Von der Tupper bis zur Ware …
Alles einfach.
Zum Glück lebe ich hier und hier kennt man weder Sonn- noch Feiertag, weder Tages- noch Nachtzeit. Hier ist immer offen. 24/7 !
Ja nu, bis zum kommenden Montag bin ich ja hier im Hotel noch sicher …
Zu all dem genannten Stress gesellt sich dann auch noch mein Stress mit dem Essen. Damit habe ich hier noch so meine Probleme. Jetzt weniger mit dem Akt des Essens, vielmehr mit der Auswahl des selbigen.
Fleisch kann eben nicht immer mein Gemüse sein und es wird Zeit, dass ich mal die grundlegenden Dinge in der Fremdsprache erlerne.
Im folgenden – mal wieder zur Erheiterung – die Geschichte vom Wochenende und wie es sich zugetragen hat.
Am Samstag verabredet sich Javier spontan mit mir zum Kaffee, was darin endet, dass wir dann doch wieder ein spätes Mittagessen zu uns nehmen. Er stellt mir die obligatorische Frage, worauf ich denn Hunger hätte und da Fleisch, wie gesagt, das einzige mir bekannte Gemüse ist, äussere ich den Wunsch nach einem guten Stück totem Tier.
Da wir uns gerade im kulinarischen Zentrum von SP befinden, steuern wir den Foodcourt an. Vor lauter Auswahl kann ich mich schon wieder nicht entscheiden …
Und dann fallen da so Äusserungen, lass uns Mexikanisch essen, irgendwann dann doch lieber Asiatisch und am Ende reiht sich mein Begleiter bei der brasilianischen Vapiano Version ein.
Hm, wie war das noch mit Fleisch? Mexikaner? Asiate?
Na gut, nehmen wir den Italiener. Nichts desto weniger wage ich noch einen Blick auf die Speisekarte des Burger-Manns und reihe mich, in Ermangelung entsprechender Auswahlmöglichkeiten, auch beim Italiener ein. Vor mir eine Dame, die ihre Pasta bestellt und munter auswählt, welche Zutaten sie in ihre Pastasosse haben will. Hier ein paar Champignons, da ein bisschen Schinken, ein bisschen was Grünes usw.
Die Karte habe ich noch längst nicht verinnerlicht, als ich auch schon dran bin.
Ich stehe unter Stress. Irgendwie unter Druck. Wie um Himmels Willen, soll ich erklären, was ich will, wenn die Gemüsedöschen nicht so stehen, als dass ich hätte zeigen können, was ich will.
Das einzig sichere, das ich in dieser Situation zu bestellen vermag ist:
„Penne Arrabiata, por favor!“
Die Fragezeichen auf der Stirn des Pastakoches kann ich erkennen.
Ich wiederhole: „Penne Arrabiata, por favor!“
Er: „Aaaah, Penni?“
Ich: „Sim, Penni.“ (ich bin aber auch ein Penni, dass ich das noch nicht weiss)
Jetzt nur noch das mit der Arrabiata klären.
Ich wiederhole: „Arrabiata! (und dann fällt mir ganz spontan doch das Wort für Sosse ein) Molho Arrabiata!“
Der Mann hinter der Glasscheibe scheint mich nicht zu verstehen und so sage ich nur: „Molho Tomate.“ Diesmal scheint er zu verstehen und schmettert mir durch die Glasscheibe wohl die Frage entgegen: „Und was soll da bitte rein?“
Am liebsten wäre ich durch die Glasscheibe durch (der geneigte Leser weiss allerdings, dass ich damit so meine Schwierigkeiten habe) und so winke ich nur ab und gebe ihm zu verstehen, dass ich da nichts rein haben will von dem ach so lekkeren Gemüsezeug, von dem Schinken und Bacon und von den lekkeren Peperoni, die aus meiner Molho Tomate dann ansatzweise sowas wie ne Arrabiata gemacht hätten.
Mein Gesicht spricht Bände und gibt zu verstehen, dass ich mit meiner Wahl des Essens ganz und gar nicht glücklich bin. Bin ich auch nicht … Da sitz ich nun mit meiner Penni mit Tomatensosse und krieg mit nichts auch nur im Ansatz Pepp in den Dipp.
Javier hat sich seine Sosse allerdings mit den Chiliflocken ziemlich verschärft. Dass er nicht Feuer speit, ist grad alles … Er hat schon fertig, während ich noch immer lustlos in meiner Penni stocher. Ich geb dem ganzen noch einen letzten Versuch und vermische den Rest seiner feurig-scharfen Sosse mit meiner geschmacksneutralen Plörre und heraus kommt etwas, das im Ansatz nach etwas schmeckt, was gewürzt ist …
Mir scheint, als müsse ich am Essen noch arbeiten …
Fehlerfrei und ziemlich sicher kann ich „Sorvetschi Tschokolatschi“ bestellen …
Und das ist die Hauptsache …
Schlaft gut und gehabt Euch wohl,
Eure Jana