… Ohne Worte !
An fliessendes Portugiesisch war Anfang April noch gar nicht zu denken, als ich seinerzeit – ja, es ist schon laaaaange her – meine erste Reise fast ganz allein, nur mit meinem kolumbianischen „Boyfriend“ (das behauptet er seit Kurzem) bewaffnet, buchte.
Eigentlich sollte die Reise ans Meer gehen – und zwar über Ostern. Doch da absolut ALLES ausgebucht war, haben wir uns direkt entschieden, die Juni-Feiertage unter Dach und Fach zu bringen. Und so buchten wir uns 4 Tage Foz do Iguacu … Flug, Übernachtung, Frühstück.
Schon in der ersten Woche wurde meine Kreditkarte überstrapaziert … Sanftes Eingewöhnen :-)
Gebucht war. Bezahlt war auch. Und vergessen war’s auch fast. Also, so Anfang Juni kam dann das Bewusstsein, dass da noch eine Reise schlummert … Und während ich mir mit Tuti im Urwald den Weg frei schaufle, kümmert sich mein „Boyfriend“ um die Tickets. Da dies diesmal nicht in meinen Zuständigkeitsbereich fällt, fällt es mir noch nicht mal im Traum ein, mich um Flugzeiten, Flugdaten oder Ähnliches zu kümmern. Wichtig ist nur, dass ich weiss, dass es am Donnerstag, 23.06. losgeht – und zwar nach Foz – und am 26.06. alles wieder retour geht – und zwar nach Sao Paulo. Mehr muss ich nicht wissen.
Javier (oder Schavjer, wie ihn die Brasilianer nennen) und ich beschliessen, mit dem eigenen Mietwagen zum Flughafen Guarulhos zu fahren. Das Parken dort ist nicht teuer und ausserdem gefällt uns der Gedanke, flexibel zu sein.
0800 am Donnerstag Morgen – Abfahrtszeit in Vila Olimpia!
Soviel zur Vorgeschichte.
Der Abreisetag fängt schon mal gut an …
Ich hab nen Hals wie ne Keksdose, da mich mein Abholer warten lässt. Fast 45 Minuten zu spät kommt er an und dann muss er noch im Koffer was suchen. Das kann ich ja leiden, wie Halsschmerzen. Doch was soll’s, jetzt scheint der Kolumbianer dann doch noch Brasilianer zu werden … Nicht ärgern MJ, alles wird gut …
Um die Sache nicht schlimmer zu machen, beschliesse ich, zunächst mal die Klappe zu halten und nichts zu sagen. Genervt bin ich dennoch …
Wir fahren und reden nicht. Ich kenne allerdings den Weg zum Flughafen … So glaube ich zumindest …
Wenige Kilometer, nachdem wir Vila Olimpia verlassen haben, lotse ich Javier auf die falsche Spur und wir verfahren uns. Es wird immer später, wir sind auf der falschen Autobahn und jetzt müssen wir auch noch Maut bezahlen … Nicht nur einmal, nein zwei mal, denn nach dem „Retorno“ blechen wir grad noch mal … Ich nehm’s auf meine Kappe, nuschel ein „Tschuldigung“ in meinen Bart und schweige weiter.
Im weiteren Verlauf keine weiteren Probleme mehr. Wir erreichen den Flughafen, parken und gehen zum Check-In. In der Schlange zum Security Check dann Javier’s böses Erwachen: Er hat den falschen Pass dabei. Einen Pass, der ein gültiges US Visum enthält, jedoch als Reisedokument nicht mehr gültig ist. Na super ! Reisen kann er zwar, aber auch nur, weil er die kolumbianische ID dabei hat, doch für Argentinien ist die unbrauchbar … Nein, ich sage nichts. Schweige in mich hinein und denk mir meinen Teil …
Langsam aber sicher komm ich in Urlaubsstimmung. Neugierig bin ich, was mich alles erwarten soll und erwarten wird.
Wir landen, finden das Gepäck und begeben uns nach draussen. Wir werden erwartet und zum Bus begleitet. Kaum sitzen wir, beginnt der Guide mit seinem Monolog. Ein weiteres mal an diesem Tag krieg ich nen dicken Hals, nicht dass dieser nicht schon weil wegen der Erkältung dick gewesen wäre. Der Guide redet wie Pamela. In einem Rutsch. Ohne Luft zu holen. Und nur Portugiesisch. Man sollte meinen, ich sei der Sprache nach nunmehr drei Monaten mächtig. Doch das bin ich eben nicht. Zumindest nicht in Lichtgeschwindigkeit. Die nette Familie aus Sao Paulo erbarmt sich und übersetzt und ich bin im Bilde.
Am Abend versuchen wir es, mit der Meute nach Argentinien zu kommen, um dem Duty Free Shopping zu frönen. Lange Rede kurz: Javier wird der Eintritt nach Argentinien verweigert und somit steigen wir aus dem Bus aus, fahren mit dem Taxi zurück ins Hotel und spielen Minigolf, während wir uns das ein oder andere Bier gönnen.
Am Freitag schau ich mir die argentinischen Wasserfälle an, während sich mein „Boyfriend“ Itaipu, der Welt zweit grösstes Wasserkraftwerk, anschaut. Überwältigt bin ich von den Wassermassen. Reizüberflutung an allen Fronten. Den Dschungel hab ich noch nicht richtig verarbeitet und jetzt das hier … Ich versuche alles in Bild festzuhalten und gebe mich voll und ganz der Natur und dem sich mir bietenden Wasserschauspiel hin.
Einige Stunden später treffe ich Javier wieder und wir begeben uns gemeinsam auf die „Iguacu-Explorer“ Tour. Ein bisschen schippern auf dem Paraná. Ein bisschen schippern auf dem Iguacu. Rechts ein wenig Brasilenien, links ein wenig Argentinien und direkt am Paraná gelegen, Paraguay … Spannend, solch ein Dreiländereck … Unweigerlich muss ich ans Deutsche Eck Koblenz denken …
Alles verläuft ohne Zwischenfälle.
Samstags schauen wir uns die brasilianische Seite der Wasserfälle an. Javier darf mit, weil wir ja die Grenze nicht überschreiten. Auch hier ist es beeindruckt, wenngleich nicht ganz so sehr, wie es das auf der anderen Seite des Iguacu war. Und dann folgt die Fahrt mit dem Speedboat und dem Eintauchen bis fast unter den Wasserfall … Nass bis auf die Haut – so stand ich nicht da, aber der Javier … Der war ganz arg nass und mein Cape hat alles gut fern gehalten.
Sonntags dann noch der Besuch im Parque das Aves. Vögel schauen, viele Fotos machen und am Nachmittag dann der Aufbruch wieder in Richtung Flughafen. Um 1700 der Transfer zu Flughafen.
Wir checken ein.
Javier hat kein gültiges Reisedokument. Fast schon will ich lachen, dass er gar nicht mit kann, als die Dame am Schalter ihn irgendwie ermahnt, er aber doch mitfliegen kann. Doch nach Sao Paulo Congonhas wollen wir nicht. Wir wollen nach SP Guarulhos. Aber das geht nicht, weil wir sind auf Sao Paulo Congonhas gebucht.
Wer hat denn den Schrott gebucht????
Im gleichen Moment brechen wir in Gelächter aus. Wir wollten flexibel sein und darum sind wir mit dem Auto zum Flughafen gefahren.
Der aufmerksame Leser wird nun den Fehler im System erkennen … Wir sollen dort ankommen, wo unser Auto gerade mal nicht wohnt …
Doch damit nicht genug. Weil Fliegen ja so toll ist und weil wir aus 1,5 Flugstunden unbedingt 3 plus machen wollen, haben wir einen Stop-over in Curritiba gebucht. 45 Minuten nach Take-off, landen wir wieder, warten und starten dann wieder, damit wir weitere 45 Minuten über Congonhas kreisen, weil der Flughafen wegen starkem Regen gesperrt ist.
Als wir gefühlte 34 Stunden später landen, beschliessen wir, das Fahrzeug erst am nächsten Tag zu holen, denn wir haben keine Lust, uns durch den paulistanischen Regenverkehr zu quälen …
Wenn einer eine Reise tut …
… in 14 Tagen ist es wieder soweit …
Gehabt Euch wohl …
Ich …
Das hat Bestseller-Charakter. Wer war nochmal der Master of Desaster, der sich ums Feintuning der Reise gekümmert hat?
AntwortenLöschenDer Master of Desaster war diesmal der "Boyfriend" ... eigentlich ist es immer der "Boyfriend" ... Egal welcher ...
AntwortenLöschenIch glaube an dieser Stelle wäre ein fettes *LOL* angebracht
AntwortenLöschenIch sehe, "Anonym" versteht ... *LOL*
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