… Abfahrt 0800 !
Wer nicht pünktlich ist, muss da bleiben.
Um 0830 legt das Boot dann endlich ab und ich frage mich, ob damit die brasilianische Pünktlichkeit zur Unpünktlichkeit gemeint ist. Wie auch immer es sich gestaltet, am Ende sitzen wir draussen auf dem Bug des kleinen Bootes und lassen uns den recht kühlen morgendlichen Wind um die Nasen wehen. Die Landschaft links und rechts vom Rio Negro ist beeindruckend. Wohin man auch blickt, überall erstrecken sich saftig grüne Regenwald-Berge. Es will einfach nicht enden …
Nach fast 2 Stunden erreichen wir die Ariau Amazon Towers und bestauenen zunächst mal alles.
Während Claudia sich darüber auslässt, wie toll doch alles ist hier, weiss ich noch nicht so recht, was ich von dem Hotel und vom Amazonas und überhaupt von dem ganzen Grün so wirklich halten soll. Ich weiss allerdings auch nicht so recht, was ich erwartet habe. Vielleicht ein 5 Sterne Hotel? Goldene Wasserhähne? Tja, da hat mir Claudia eines voraus, denn die wusste die Kategorie des Hotels gleich richtig einzuordnen und so informiert sie mich, dass wir wohl einem recht luxuriösen Dingens gelandet sind. Sie hätte, als sie Teile von Südamerika bereiste, wesentlich Schlimmeres gesehen.
Das Zimmer welches wir beziehen, ist mit einer A/C ausgestattet und können somit einem auf angenehme 23 Grad heruntergekühlten Zimmer den erholsamen Schlaf finden. Meistens jedenfalls, doch dazu später mehr.
Das Hotel scheint recht leer zu sein. Sehr angenehm, wie wir finden, denn so können wir uns in Ruhe umschauen und die Landschaft und Gegend geniessen. Ausser uns befindet sich noch ein russisches Mädel, welches allerdings in Rio de Janeiro lebt. Um 1200 treffen wir dann unseren Guide und besprechen die gebuchten Aktivitäten, wann wir was wo und vor allem wie machen. Am gleichen Nachmittag soll es schon losgehen. Piranha-Fischen steht zuerst auf dem Programm. Pünktlich um 1530 treffen wir uns am Steg und besteigen mit dem russischen Mädel, dem Guide und 2 weiteren Personen, die zur Hotelbelegschaft gehören, das kleine Boot. Da wir ausserhalb der Trockenzeit im Gebiet sind, müssen wir uns mit Booten durch die Baumwipfel navigieren.
Die Piranhas sind bald gefunden und die Angeln hat man uns auch recht schnell erklärt. Das Fleisch wird bereits aufgeschnitten und schon bald ist das Fischfutter angerichtet. Ich bin noch immer damit beschäftigt, die Umgebung zu erkunden und mit der Bambusangel zurecht zu finden, während an einer anderen Angel bereits die Zähne des Fischleins klappern. Zum Beweis, wie scharf die Zähne des Piranha's sind, hält Toninho dem kleinen Fisch ein dünnes Stöckchen zwischen die Beisserchen und schnipp-schnapp, Stock ab … Ich beschliesse, meine Finger ausserhalb der Zahnreichweite zu lassen und schleudere mein erstes Stück Fleisch ins Wasser.
Beim nächsten Ton klappern an Claudia's Angel die Zähnchen. Witzig.
Angeln macht Spass und die Fische sind mal gross und klein. Ich schaffe es, 2 Fische an Land zu ziehen.
Zum Abendessen gibt es eine Fischsuppe und der Piranha gibt der Suppe den entsprechenden Geschmack. Ich lerne, was Piranha bedeuted: Pira = Fisch; Nha = beissen. Fischbeiss also.
Gestärkt und gesättigt begeben wir uns zum 2. Ausflug des Tages. Alligator-Spotting. Spotting ist lustig, denn am Ende befand sich ein kleiner Alligator dann auch in unserem Boot … Irgendwie tat mir der Kleine schon leid, denn mir war nicht so klar, ob er sich wirklich so wohl fühlte oder nicht … Spannend war es jedoch, den Alligator mal zu berühren und zu wissen, wie sich seine Haut so anfühlt.
Ein aufregender erster Tag geht bei einem SKOL auf der Terrasse zu Ende. Kleine Äffchen leisten uns Gesellschaft und springen am Geländer des Stegs entlang und versuchen immer wieder hinter dem Tresen der offenen Bar Zucker zu klauen. Das allerdings gelingt ihnen meistens.
Der nächste Tag beginnt bereits um 0700 mit Frühstück. Die erste Aktivität am Dienstag ist ein Jungle Walk mit dem Guide und seinem Gehilfen. Zwar sind einige Besucher mehr im Hotel, dennoch sind Claudia und ich die einzigen, die zur Dschungel-Erkundung antreten. Auch sehr angenehm, zumal diese Touren schon ein wenig an Privattouren erinnern, da wir immer allein sind. Uns soll's recht sein, denn so kriegen wir alles mit, können alles anfassen und probieren und kriegen alles erklärt, wie wir das wollen. Auf der Fahrt zum Dschungel begegnen uns wieder viele Tiere. Diesmal sehr viele Vögel. Einen Alligator hab ich schwimmen sehen, doch der Motor unseres Bootes hat ihn verscheucht … Schade, zu gerne hätte ich ein Bild gemacht.
Beim Jungle-Walk erfahren wir vieles über die Bäume, Termiten, Riesenameisen, Blätter und und und. Das waren so viele Informationen, dass ich mir das alles gar nicht merken konnte, da unser Guide auch immer wieder die Einheimischen-Ausdrücke verwendet hat. Spannend war das allerdings auch und während unserer Wanderung wurden wir von Toninho zur Jungle-Princess und Jungle-Queen gekrönt … Die Bambusblätterkronen haben wir erst zur Heimfahrt wieder vom Kopf genommen.
Nach dem Mittagessen stand dann das sogenannte „Native's House“ auf dem Programm. Einheimische, die beschlossen haben, ganz allein und für sich auf einem kleinen Fleckchen Erde zu leben. Kleine Maniok Plantagen und der Verkauf von Früchten sichern ihr Einkommen. Eine weitere Einnahmequelle sind ganz bestimmt auch die Besucher, denn die kaufen immer wieder etwas im Souvenier-Shop (ich auch). Die Frau des Einheimischen Mannes hat irgendwann mal Tapioka-Pancakes gemacht. Tapioka scheint die extrahierte Stärke des Maniok zu sein, aber das weiss die Claudia besser als ich. Ich hab das nicht so ganz verstanden. Jedenfalls haben die Pfannkuchen richtig richtig gut geschmeckt, dass ich mir, als ich wieder zurück in Sao Paulo war, gleich mal dieses Mehl habe kaufen müssen.
Das Abendessen war mal wieder super lekker und frisch gestärkt haben wir uns auf eine kleine ausserplanmässige Paddeltour begeben, die uns unser Guide unter der Hand angedreht hat. Einmal mehr wusste ich nicht so recht, was ich erwartet hab und so laut ich zu Beginn geschrien hab, ich will die Tour machen, so hatte ich am Ende die Hosen aber auch gestrichen voll. Warum? Zunächst einmal, weil wir zu viert in einer Nussschale gesessen sind. Gewackelt hat das Ding, wie ein Kuhschwanz und im Wechsel hab ich mich auf's Paddeln und darauf nicht aus dem Boot zu fallen konzentrieren müssen. Erschwerend hinzu kam, dass ich zuerst ins Boot gestiegen bin und am Ende dann das Schlusslicht hab bilden müssen. Völlig „Polaroid“ hab ich immer nur nach hinten gehorcht, ob mir nicht gleich ein „Geist“ von hinten in den Po beisst … Dauerhaft war ich überzeugt davon, dass ein Alligator hinter uns her ist oder aber, dass mit meiner Paddel dem Kroko eins auf's Dach gebe. Claudia, die vor mir sass, hat sich vor Lachen kaum noch eingekriegt. Ja nu, so hab ich wenigstens zur Belustigung aller beigetragen :-) Schön und vor allem spannend war's dennoch …
Vier Tage – drei Nächte. So die Buchung. Also stand nun noch Tag 3 aus. Nach dem Frühstück – auch wieder um 0700 – ging es dann auf zum Natives Village. Einheimische, die nicht allein, sondern in einer Community leben. Schöne bunte Häuser, eine Schule, ein Fussballplatz, ein kleiner Supermarkt erwarten uns am Ende der Welt. Hier scheint die Zeit fast stehen geblieben zu sein. Es gibt eine Bar mit Digital-TV Anschluss. Die Kinder in der Schule versammeln sich und singen uns ein Lied. Nun weiss ich auch, wie Cashew Nüsse „hergestellt“ werden und dass die Frucht, an der sie hängen essbar ist. Sie schmeckt gut, doch ein Apfel schmeckt noch immer besser ;-) „My friend Mister Aligator“ (das hat der Guide immer gesagt) hat eine kleine Pousada da, in welcher man auch weit ab jeglicher Zivilisation auch übernachten kann. Klimaanlage haben die Zimmer nicht zu bieten, dafür aber ein Moskitonetz und ganz tolle Hängematten. Sogar einen Kontakt zur Aussenwelt kann man im Internet-Room herstellen. Spannend.
Der Nachmittag wäre eigentlich frei gewesen, doch unseres Guide sei Dank, kommen wir zu einer weiteren Paddeltour. Diesmal ein grösseres Boot und ich sitze diesmal in der Mitte. Es ist toll, als wir durch die Baumwipfel paddeln. Kein Motorbrummen, welches die Tiere verscheucht und so sehen wir viel mehr Vögel und hören vor allem viel mehr der für diesen Bereich typischen Geräusche. Einen Tukan hab ich leider nicht vor die Linse bekommen, dafür aber unzählige Landschaftsaufnahmen. So schön, dieses Fleckchen Erde … So so schön …
Tag 4 bricht an und wir beschliessen den Sonnenaufgang mitzuerleben. Das wollten wir bereits am Morgen zuvor tun und dafür hätten wir bereits um 0530 aufstehen müssen. Um 0530 hat am Vortag allerdings auch mein Wecker geklingelt, doch nachdem ich dem Rat meiner Freundin nicht folgen wollte und den Wecker um eine Stunde zurückzustellen, hat unser Wecker dann bereits um 0430 geklingelt. Das jedoch haben wir erst gemerkt, als der Wecker dann regulär zum Frühstück um 0630 geklingelt hat, es aber in echt dann Sonnenaufgangszeit war. Es war noch dunkel im Zimmer doch an Claudia's Gebrumme konnte ich merken, dass sie mich wohl innerlich verfluchte, da ich sie um den wertvollen Schlaf brachte … Tja, so ist das nun mal …
An Tag 4 jedoch begeben wir uns zur richtigen Uhrzeit nach draussen und sind uns mal wieder einig, dass das sich uns bietende Sonnenaufgangsspektakel das frühe Aufstehen wirklich rechtfertigt. Äffchen, Vögel, Delfine … Alles ist so früh schon unterwegs. So viele Tiere haben wir sonst nicht zu sehen bekommen …
To be continued.
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