Dienstag, 14. Juni 2011

Wieder da ...

… Besuch weg !



Kinder, wie die Zeit vergeht.
Gerade war’s noch der 1. April, ich stand heulend am Gate und wollte nicht in die grosse, weite Welt und jetzt war auch schon nach fast 2,5 Monaten der erste Besucher da. Nun ja, die erste Besucherin, um ganz genau zu sein.

Die Tuti hat den weiten Weg auf sich genommen, nur um mich in der neuen Heimat zu besuchen. Ach, und was war ich aufgeregt, bevor sie kam. Warum? Nun, Zahnschmerzen und ein Besuch bei Jürgen, war einer meiner Alpträume, als ich noch in der Casa in meinem Bett schlummern konnte. Ein weiterer Alptraum jedoch war, meinen Besuch allein mit dem Auto am Flughafen abholen zu müssen … Es wollte mir einfach nicht einleuchten, wie ich das bewerkstelligen sollte. Vermutlich war dies der Grund, weshalb ich vor Tuti’s Ankunft selbst kaum ein Auge zugetan habe und deshalb die halbe Nacht mit Daniel unterwegs war und somit nur zu 2 Stunden Schlaf kam.

Und so habe ich mich am 03. Juni vor dem Aufstehen auf den Weg zum Flughafen gemacht. Die Frau im GPS hat immer wieder gesagt, wo es lang geht, doch das hat mich leider nicht davon abgehalten, mich doch immer wieder auf’s Neue zu verfahren. Nach insgesamt 45 Minuten habe ich dann doch noch den Flughafen erreicht und stand jetzt nur noch vor der Herausforderung, den entsprechenden Ausgang zu finden. Dies war jedoch gar nicht so schwer, denn für internationale Ankünfte gibt es hier in Guarulhos eben nur einen Ausgang.

2 Kaffee später sehe ich die Tuti dann auch schon durch’s Gate kommen – ziemlich fertig, aber glücklich und in einem Stück. Und so trinken wir erst mal einen Kaffee, bevor wir uns durch den Grossstadtdschungel nach Hause kämpfen. Für die zuvor benötigten 45 Minuten benötigen wir geschlagene 3 Stunden, wobei ich an dieser Stelle ganz und gar nicht erwähnen möchte, dass wir uns auf dem Rückweg dann auch noch einen Teil der Strecke über einen Umweg zu meiner Wohnung durchkämpfen mussten …
Wir kommen an und das ist die Hauptsache.

Nach dem Auspacken folgt ein Bummel durchs Viertel, Mittagessen und ein Chopp in der „alten Kuh“, Shopping in der Joao Cachoeira und am Abend eine lekkere Picanha in der „Bar do Juarez“. Dazu fliessen selbstverständlich noch einige Choppi und am Ende fallen wir einfach nur noch müde zu Hause ins Bett.

Ausschlafen war dann um 0700 h für mich beendet, denn meiner Freundin scheint entfallen zu sein, dass ich vor 0900 nicht geweckt werden wollte. Und da sie den Rechner mit dem Gast-Account nicht zum Laufen bringen wollte und der Kaffee durch und ihr langweilig war, blicke ich, nachdem sie mich geweckt hat, in ein grosses Augenpaar und werde mit einem: „Guten Morgen, es ist schon sieben Uhr und mir ist langweilig!“, begrüsst. Mir bleibt also nichts anderes übrig, als mich der höheren Gewalt zu beugen, ein guter Gastgeber zu sein und mich aus dem Bett zu schieben.


Schnell steht der Plan für den Tag fest und so begeben wir uns mit dem kleinen Auto nach ausserhalb von Sao Paulo. Tuti sollte doch auch einen Teil meines Sightseeing-Samstags sehen und so schleppe ich sie in die „Serra Cantareira“, ins „O Velhao“, das Restaurant und den Park. Es gefällt ihr, wir machen viele Bilder und reden und schauen und reden und überhaupt ist alles ganz fein.

Zeitig sind wir wieder zu Hause und machen uns daran, unsere Taschen zu packen. Auf dem Flugticket nach Manaus steht nämlich, dass bereits um 0955 Abflug ist und wir um 0755 am Check-In sein sollen. Doch was nimmt man mit, wenn man in den Norden Brasiliens fliegt und es dort gefühlte 48 Grad bei einer durchschnittlichen Luftfeuchte von 99 % hat? Wie gut, dass ich mir darüber schon vorher Gedanken gemacht habe und so ist der Koffer relativ schnell gepackt. Baumwollschlafsack, Regencape, Trekkinghose, kurze Hosen, Shirts, Tops, Longsleeves, Mütze, Trekkingschuhe und jede Menge NoBite … Nur keine Moskito-Stiche riskieren … NoBite für die Klamotten, NoBite Spray, NoBite Gel … Tuti hatte sich vorher schon darüber ausgelassen, wie bekloppt ich doch sei … Doch das war nun sekundär, denn all das musste mit … Sicher ist sicher …

Ein Bier geht noch nach dem Packen und dann ab ins Bett, denn um 0530 h ist die Nacht um. 
Fehlerfrei ordere ich ein Taxi zum Flughafen und wir sind bester Laune und schon total gespannt darauf, was uns so erwarten wird, wenn wir im „Tropical Manaus“ ankommen werden. Der Transfer vom Flughafen zum Hotel war bereits organisiert und als wir landen und den brütend heissen Boden betreten, lächelt uns auch schon ein Agentur-Mitarbeiter an. Kaum sind wir draussen vor der Tür erschlägt mich die Hitze fast. Dass es in Sao Paulo wirklich richtig, richtig kalt ist, fällt mir jetzt erst auf. Während ich noch auf dem Flug mit eiskalten Händen und Füssen im Sitz zitterte, ist mir just in diesem Moment danach, mir sämtliche Klamotten vom Leib zu reissen. Ich kann mich gerade noch zurück halten und entledige mich nur meines Langarmshirts.

Der Bus, in den wir steigen, ist klimatisiert. Die Polster haben zwar auch schon bessere Zeiten gesehen, doch das tut hier und jetzt nichts zur Sache. Tuti und ich – naja, vielmehr ich – betätigen wiederholt den Auslöser der Kamera, denn das obligatorische Selbstauslöserfoto muss auch im Bus gemacht, damit wir alles haarklein dokumentieren können. Wenige Minuten später sind wir im Hotel und beziehen auch kurz danach unser Zimmer.
Leider handelt sich um ein Raucherzimmer und da wir das beide ja nicht mehr sind, wollen wir folglich auch das Zimmer nicht. Die Rezeption ist gleich verständigt und in meinem schlechten Portugiesisch mache ich klar, dass wir gern ein anderes Zimmer hätten. Auch das klappt ohne Problem und schon ziehen wir um.

Das Hotel hat einiges zu bieten. Wir schauen uns um und befinden einstimmt, dass es für hiesige Verhältnisse ein ziemlich luxuriöses Teil ist. Wichtig ist, dass wir die Gummischuhe dabei haben und dass die Klimaanlage voll funktionsfähig ist. Der Swimmingpool ist wenig bewohnt und einige der Hotelbewohner sonnen sich by the pool.  Wir irren indes umher und versuchen den oft ausgeschilderten Zoo zu finden. Irgendwann gelingt uns auch das und neben diversen Affenarten, einem Tiger, Vögeln und anderen Tieren gibt es natürlich auch viel Flora zu sehen. Die Affen haben es uns schon angetan und so lachen wir uns einen Ast über die Witzigkeit dieser Tiere. Als der Zoo um 1900 schliesst, beschliessen wir, uns nun doch noch ein Taxi in die Stadt zu nehmen, dort zu Abend zu essen und uns das viel umworbene „Teatro Amazonas“ anzusehen.

58 Real später steigen wir direkt an der Oper aus und stehen mitten auf dem im Kolonialstil umbauten Platz. Aus der Oper ertönt es opernhaft, direkt davor ein Freiluftmusical mit ganz tollen Ballett-Tänzerinnen, die umliegenden Kneipen und Restaurants voll mit Menschen. Überall riecht es nach Gegrilltem, Gebratenem, Gebackenem und hier und da zischt mal ein kühles Bier …
Wir haben Hunger und lassen uns mitten im Geschehen in einem Restaurant nieder. Es gibt Pizza, dazu ein Bier und viele Gespräche über Gott und die Welt, vor allem aber über Dies, Das und Jenes. Gesättigt verlassen wir das Lokal und ein Taxi ist auch schnell gefunden, um den doch recht weiten Rückweg zum Hotel anzutreten.

Die Nacht ist kurz, denn am nächsten Morgen steht bereits um 0800 Uhr das Boot zur nächsten Destination bereit …


To be contiued.

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