Dienstag, 13. März 2012

Sie geht weiter ...

… die hausgemachte Finanzkrise der Frau Z.



In aller Kürze, Neues aus dem Bankwesen.
Das Brasilienkonto ist noch gut gefüllt, dennoch hab muss ich mir selbst wieder Geld zurückzahlen, welches ich mir kurzzeitig geliehen habe. Wie tu ich das?
Ist doch klar, mit der anderen Karte gebührenfrei Geld abheben, den Umschlag beschriften und in den Laufbandschlitz stecken, damit der Gegenwert dem Brasilienkonto gutgeschrieben werden kann.

6 Automaten.
6 mal der Hinweis, dass die Karte gesperrt sei.
6 mal wiederhole ich den Vorgang.
Das kann doch gar nicht sein. Vorgestern noch hab ich im Supermercado mit DIESER Karte bezahlt.

Und so drehe ich die Karte um, wähle die darauf vermerkte „aus dem Ausland“ Nummer. Alexander König (Name v. d. Redaktion geändert) begrüsst mich freundlich und ich schildere ebenso freundlich mein Problem.
Datenabgleich: Kontonummer, Schuhgrösse, Augenfarbe, Name der Mutter und Geburtsdatum der Kassiererin bei Aldi in LU. Alles wunderbar. Alexander König checkt, findet nichts, entschuldigt sich mit den Worten, er werde mal bei Visa direkt nachfragen. Einen kurzen Moment warte ich, Alex ist zurück und bedankt sich für das geduldige Warten in der Leitung.
Fehlanzeige. Auch Visa hat nix gesperrt.

Na super.
Da liegt das Bare, was ich eigentlich auf dem anderen Konto brauche. Auf das Girokonto kann er’s umbuchen, doch da nützt es mir genauso wenig, da die TAN Liste in LU liegt. Dummerweise kann man bei DKB nicht auf Telefon-TAN umstellen.

Da steh ich nun, ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor.
Er zählt mir die Möglichkeiten auf:

Notfall-Karte:
Mit dieser kann ich nur gegen Gebühr am Schalter Geld abheben, nicht aber am Automaten und schon gar nicht damit bargeldlos bezahlen.
Ich stelle fest, dass ich soweit auch mit meiner jetzigen komme und somit scheidet diese Möglichkeit aus.

Notfall-Bargeld:
Voraussetzung ist, ich muss 48 Stunden per Telefon an einem Ort erreichbar sein. Das kann ich bieten. Jetzt weiss ich nur nicht, ob ich bei meiner Bank Euronen einzahlen und Brasiliotische Real auf dem Konto gutschreiben lassen kann.
Diese Möglichkeit ziehe ich in die engere Auswahl.

Ersatzkarte wegen Beschädigung:
Nach dem Notfall-Geld die Lösung, welche ich anstreben werde, denn mir fällt ein, dass ich bereits letzte Woche mit dieser Karte kein Geld abheben konnte, schob es allerdings auf den Automaten und nicht auf einen beschädigten Magnetstreifen.

Es wird Zeit, dass wieder Normalität einkehrt … So langsam verliere ich den Überblick …
Ich glaub, ich melde Konkurs an …
Private Insolvenz.

Warten wir nun mal auf die nächste Krise …

Gehabt euch wohl.
Eure Jana

Montag, 12. März 2012

Slapstick.

 

Seit nunmehr einer Woche schleiche wie ein Schatten meiner selbst durch mein kleines beschissenes Leben. Die Dinge nehme ich – falls ich sie überhaupt wahrnehme – nur gedämpft, nebelig und unscharf wahr. Das einzige, was mir dieser Tage enorme Freude bereitet ist: Schlafen.
Schlafen – ich will einfach nur schlafen.
Zum Frühstück. Zum Mittagessen. Zum Abendessen. Auch zu den Zwischenmahlzeiten.
Schon beim Aufstehen freu ich mich wie sich ein kleines Kind auf Weihnachten und Geburtstag freut auf den Abend. Auf den ganz frühen Abend, denn man kann ja auch mal früh schlafen gehen.
Dabei ist es ja gar nicht so, dass ich nicht genug schlafen würde.

Nein. Ganz und gar nicht.
Wann das zuletzt der Fall war, weiss ich nicht mehr, doch seit nunmehr 7 oder 8 Tagen schlafe ich nicht weniger als 9 (!!!) Stunden je Nacht. In der Nacht von Samstag auf Sonntag hab ich sogar 10,5 Stunden geschlafen und nachdem ich 2 Stunden wach war, war ich wieder so müde, dass ich mich direkt nochmal für 3 Stunden auf’s Ohr gelegt hab.

Noch nicht mal mehr zu Laufen im Park habe ich mich aufraffen können. Ich war schlicht und ergreifend zu müde. Zu antriebs-, zu lustlos. Meine innere MJ würde am liebsten durch Wald und Wiesen hüpfen, sich am Abend nen lekkeren Cocktail gönnen oder mit Freunden die letzten Tage in St. Pauli geniessen … Doch nein, ich Spassbremse mach mir selbst einen Strich durch die Rechnung.

Doch im Ernst. Irgendwas scheint da nicht in Ordnung. Schlafen – schön und gut. Der Körper holt sich, was er braucht – auch fein. Doch DAS hier übersteigt ein gewisses Mass an „normal“. Und es ist auch nicht nur das schlafen. Zuweilen schwanke ich ganz schön über den Flur, wenn ich mal zum Wasserspender muss. Hin und wieder dreht sich auch mal kurzzeitig alle, wenn ich auch nur ganz ruhig auf meinem Stuhl sitze.

Da ich mich selbst in dieser komischen Lage nicht mehr leiden mag und ich mir mit dieser meinen Lust- und Antriebslosigkeit selbst ziemlich auf den Zeiger gehe, begebe ich mich heute in aller Herrgotssfrühe zum Werksarzt. Der stellt mir ein paar Fragen (zur Sicherheit hab ich den brasilianischen Kollegen dabei, der übersetzten kann, falls von Nöten) und legt dann das Blutdruckmessgerät an.
Hm. Ich ahnte es schon … Der Blutdruck war nur noch Blut statt Druck. Kein Wunder, dass mir dauerhaft schwindlig war. Der Werksarzt meinte aus meinem niedrigen Blutdruck schliessen zu können, dass mit meiner Ernährung was nicht stimmen könnte. Mir quasi irgendwelche Vitamine, Mineralien etc. fehlen würden und quasi kurz vorm dehydrieren wäre. Ich bin zwar kein Mediziner, will das aber auch so nicht hinnehmen, schlucke zwar die widerliche Elektrolytplörre, habe jedoch schon in Gedanken die Nummer vom weltbesten Doc gewählt, um mir seine fachmännische Ferndiagnose mal anzuhören.

Zwei Stunden später stehe ich wieder beim Werksarzt und lass mir ne Überweisung ins „Fleury“ schreiben, denn die sollen morgen mal ein grosses Blutbild machen, damit mein Doc sehen kann, was mir wirklich fehlt und wenn das keinen Aufschluss gibt, dann werde ich mich wohl doch mal – sofern keine Besserung eintritt – ins Albert Einstein zum Check begeben müssen. Doch soweit sind wir ja noch lange nicht.
Leider kann ich den Schwindel, so sehr ich mich auch bemühe, nicht aus der Birne treiben und irgendwann geht gar nichts mehr und begebe mich nach Hause. Ich hab Glück, denn ein Kollege fragt, ob ich ihn mitnehmen kann – was mir nicht ganz unrecht ist mit meiner Matschbirne.

Und dann erleben wir beide etwas, was ich in St. Pauli nie für möglich gehalten hätte. Gut, der vorausgegangene sintflutartige Regenfall war’s nicht, vielmehr war es der kurz darauf einsetzende Hagelsturm, der golfballgrosse Eisgolfbälle auf mein Auto niederprasseln liess. Es hörte sich an, als seien wir unter Dauerbeschuss eines MG (nicht dass ich das schon mal gehört hätte, aber so stell ich mir das vor). Gute 10 Minuten dauerte der Hagelregen, der nahtlos von einem Platzregen abgelöst wurde. Zumindest kurzzeitig hatte das Ganze was Gutes: Mein Bluttdruck war nicht mehr niedrig und der Schwindel hat mal ausgesetzt.
Zuhause hab ich den Schrecken erst mal verdauen müssen und hab die Beine mal hochgelegt. Aber vom Liegen hatte und habe ich echt die Schnauze voll. Das reicht jetzt. In der Waagerechten mag ja so manch ein Kreislauf mal in Gang kommen, doch meiner SO ganz sicher nicht, wenn man wie Sid das Faultier, alle Viere von sich streckt und auf Besserung des allgemeinen Wohlbefindens wartet. Mit mir nicht. Ich beschliesse, etwas dagegen zu tun.

Da mir der Park zu weit weg und vor allem in meiner körperlichen Unverfassung zu gefährlich ist, beschliesse ich, eine kleine Walkingeinheit auf dem hauseigenen Laufband einzulegen. Ordnungsgemäss gekleidet erreiche ich den vollen Fitnessraum. Ein Laufband ist noch frei, welches ich sogleich als: MEIN erkläre. Normale Schrittgeschwindigkeit, alles sitzt, alles passt. Den Kindle (mein neuestes Spielzeug) nehme ich in die Hand und lese indes weiter. Offensichtlich bin ich so vertieft in mein Buch, dass ich unbemerkt einen leichten Rechtsdrall entwickle und mich unbemerkt auf die unbewegliche Seitenleiste des Laufbandes zubewege. Das Buch hat meine volle Aufmerksamkeit, während mein rechter Fuss bereits mit der steifen Leiste Bekanntschaft macht. Der linke kann allein nicht mehr laufen, sondern lässt sich vom Laufband nach hinten befördern. Bis meine Hirnwindungen in Gang kommen, klebe ich schon mit meinem Hintern am Laufband, welches hinter mir von einem Läufer betrieben wird.
Mein Kreislauf kommt nun richtig in Wallung. Meine Gesichtsfarbe, die sich seit einer Woche in unterschiedlichen Weiss-Nuancen zeigte, verändert sich bis hin zu Puterrot. Die gefühlte Körpertemperatur steigt auf 39,8 °C.
Mir bleibt aber auch wirklich nichts erspart.

Ich rappel mich wieder auf – selbstverständlich sind mir die anderen zur Hilfe geeilt – doch da’s dann auch schon passiert war, hab ich meine Walkingsession ordentlich beendet, hab mich von allen verabschiedet und bin wieder nach Hause …

Leider hat’s dem Kreislauf doch nicht gefallen und darum hat dieser sich für heute mal wieder schlafen gelegt … Ich glaub, ich tu ihm gleich und lass die Welt sich mal weiter allein drehen.

Gehabt euch wohl!

Eure Jana

Samstag, 18. Februar 2012

Pfälzer Füsse, Pariser Schuhe ...

… Buenos Airische Strassen !




Das ging aber auch wirklich furchtbar schnell. Eben noch beim Arbeiten und im nächsten Moment bin ich schon wieder an dem mir ach so bekannten Flughafen. Den Wagen hab ich ordentlich geparkt und wie es sich für einen ordentlichen Autofahrer gehört, habe ich inzwischen auch die Nummer des Platzes vergessen, auf welchem mein Wagen steht.
Na, dann kann ich mir ja jetzt schon mal viel Spass beim Suchen wünschen.

Sehr viel Zeit habe ich diesmal einkalkulieren müssen, da ich aus ner ganz anderen Richtung eingrätschen musste und man warnte mich eindringlich vor dem vorherrschenden Verkehr zur besten Rush-Hour-Zeit. Ausserdem war zu bedenken, dass ich diese Strecke noch gar nicht kannte und somit das Risiko, mich gnadenlos zu verfahren nicht ganz zu vernachlässigen war.
Bestens ausgerüstet mach ich mich also auf den Weg.

Unterwegs erwische ich mich jedoch schon das ein oder andere mal beim Gedanken, ob ich hier wirklich so richtig sein kann. LKW an LKW reihen sich, ich mit meinem kleinen Hüpfer dazwischen und insgeheim hab ich nur eine Sorge, nämlich die, ob ich hier jemals lebend rausfinden werde. All meine Hoffnung, ich könnte noch auf dem rechten Weg sein schwindet, je öfter sich die Werkstätten, die mit an der Hauswand hängenden Auspuffen (wie heisst eigentlich der Plural von Auspuff?), LKW Reifen, Innen- und Aussenspiegeln und diversen anderen Autoteilen ihr Geschäft bewerben. Beängstigend finde ich dies nicht wirklich, vielmehr sind es die Michelin-Männer, die mit ölverschmierten Shirts, rabenschwarzen Shorts und nicht minder dunkler Gesichtsbemalung mit verschränkten Armen am Strassenrand stehen.
Der Verkehr stockt – mir der Atem – als es nur im Schritttempo voran geht und mir jeder dieser Hulks in schwarz ins Auto und Ausschnitt sehen kann. Ich wünsche mir verdunkelte Scheiben. Offensichtlich werden meine Stossgebete erhört und ich lande auf einem anderen Streckenabschnitt, auf welchem es zwar auch stockt, doch ich bin umgeben von Kleinwagen, die sich mühevoll ihren Weg durch die verstopften Strassen bahnen.

Nach 2 Stunden erreiche ich den Flughafen. Der Check-In ist gleich erledigt und ich eile zur Lounge, denn ich hätte da noch eine Kleinigkeit zu arbeiten. Und genau dazu sollte ich nicht mehr kommen, wie ich bald erfahren sollte.
Die Dame verwehrt mir den Zugang zur Lounge. Warum das so ist, ist gleich erklärt. Ich fliege nicht viel und nicht weit genug in der Weltgeschichte rum, als dass ich die entsprechende Karte hätte, die mir den Zugang zur Lounge verschafft hätte. Meine ist nur Silber und sie müsste Gold sein. Und der Flug ist diesmal Economy, denn kein Mensch kauft ne teure Business Karte für nen 2,5 Stunden Flug. Na gut, manche schon – ich nicht.
Ja nu, wenn das nicht ist, dann such ich mir eben ne Ecke mit WiFi und mach dann das, was ich zu tun habe. Doch der Flughafen scheint WiFilos zu sein. Weit und breit keine Möglichkeit, mich ans Web zu hängen.

Ich bin frustriert und entnervt und das einzige, was jetzt noch helfen könnte, ist ein eiskaltes Bier. Und so kehre ich bei der „Eisenbahn“ ein und trinke ein Eisenbahn-Bier. Ein bisschen Erdung ist auch nicht verkehrt und so folgt ein Telefonat mit Tuti. Schnell bin ich wieder auf dem Boden der Tatsachen und muss auch noch herzlich lachen, als sie mir erzählt, dass sie ihren Göttergatten am Valentinstag erst mal ordentlich runtergeputzt hat und dann auch noch einen ordentlichen Hundehaufen reingetreten ist und diesen dann auch noch – sorgfältig, wie sie nun mal ist – schön im Auto verteilt hat. Ich stelle beruhigt fest – es kann auch noch schlimmer kommen …

In Buenos Aires glüht der Planet. Mitternacht ist es, als ich dort ankomme und es herrscht noch immer eine Hitze, die mich auf der Stelle sterben lässt. Im Hotel dann erfrischende klimatisierte Luft und dann will ich eigentlich nur noch ins Zimmer. Das Hotel – total stylisch – liegt mitten in der Innenstadt, in Laufweite zur Arbeitsstelle.  Das Zimmer, ebenfalls stylisch und verdammt kalt. Ja so geht das nun auch nicht. Also suche ich die Fernbedienung für die A/C, die nicht nur kalt, sondern auch verdammt laut ist. Allerdings kann ich sie nicht finden, was mich wieder dazu bewegt, den Weg zur Rezeption anzutreten, um dort mal nachzufragen (das Telefon funktionierte nicht).
Als ich dem Mann an der Dingens erzähle, was ich will, schaut er mich total entsetzt an und meint, er müsse dann aber die Anlage für’s ganze Stockwerk abstellen und wie ich mir das überhaupt vorstellen würde, wo es doch draussen gefühlte 50 Grad hätte.
Na gut, wenn Abstellen schon nicht geht, geht dann wenigstens ein anderes Zimmer, also kein so hysterisches, eines das nicht so einen Krach macht?
Ja, das geht und es ist in der Tat leiser, was allerdings kein Wunder ist, denn das erste Zimmer lag direkt neben dem Klimaanlagen-Maschinenraum …
Ausschalten lässt sich allerdings auch da nichts und mein Bett steht dummerweise so, dass ich genau im Zug liege. Was nun? Ich bin müde, ich will schlafen und eigentlich ist mir grad alles egal und so leg ich mich um. Doch es zieht, es ist kalt. Nein, so kann ich nicht schlafen. Und wenn ich nichts unter nehme, bin ich am nächsten Tag krank. So ziehe ich mir das einzige Longsleeve über, welches ich mitgenommen habe – doch sind wir mal ehrlich, wer braucht bei 40 Grad ein Longsleeve? – und leg mir noch ein Duschhandtuch über mich drüber, denn ich bin zu müde, um nun noch nach ner Decke zu verlagen. Buenas noches Argentina.

Der grosse Regen, der für Abkühlung ausserhalb meines Hotelzimmers sorgen soll, stellt sich am Donnerstag ab ein und zwar mit einer Heftigkeit, wie sie meine Welt noch nicht gesehen hat. Von St. Pauli bin ich ja schon einiges gewohnt, doch das, was sich mir dort bietet, übertrifft alles Dagewesene. Wie soll es auch anders sein. Frau Z. ist mittendrin statt nur dabei. Warum?
Weil darum.
Die Kollegen haben zum Get-Together eingeladen und damit wir wissen, wohin wir müssen, googeln wir uns die Richtung. Bill und ich inspizieren alles, alles ist klar und ich sag ihm nochmal, damit er es nicht vergisst, dass die Bar „Cooper“ (mit C) heisst. Es stürmt und windet, als ich das Hotel verlasse (selbstverständlich ohne Regenschirm) und laufe in die Richtung, die wir uns ergoogelt haben. Final destination: „Scooter“ in der Calle San Martin – Hausnummern finde ich, werden in der Regel überbewertet. Also, ich verlasse das Hotel, laufe nach links bis zur Kreuzung, dann 2 Blocks nach rechts und dann links einbiegen und da sollte es sein. Aber da war es nicht das „Scooter“. Es hiess doch Scooter? Wird schon stimmen, denke ich bei mir und laufe weiter. Auf Google sah das gar nicht so weit aus, und dass ich weitere Strassen zu überqueren hätte, war mir so klar nun auch wieder nicht. Also laufe ich gute 2 Blocks nach links und stehe vor einem Hotel und alles was danach kommt, ist mir zu dunkel. Der Mann an der Rezeption bietet mir an, mir die Adresse nochmal zu googeln. Ich tippe „Scooter Buenos Aires San Martin“ und kriege irgendwie nix Passendes. Ich tippe nur Scooter Buenos Aires. Das passt aber noch immer nicht und dann kommt der Regen und ich hänge fest.
Das ist mal wieder so typisch ich.

Ich stehe inzwischen unter dem Vordach des Hotels und warte darauf, dass die Sintflut nach mir kommt und versuche währenddessen dem Kollegen zu erklären, warum ich noch nicht im Scooter angekommen bin. Die Wahrheit kommt ans Licht, ich zurück zu Google und weiss dann endlich auch, welche Hausnummer das „Cooper“ hat … In der richtigen Strasse bin ich ja schon mal …

Es ist Freitag, ich checke aus, der Regen hat aufgehört und ich begebe mich mit Sack und Pack (zu Fuss) zur Arbeit. Es ist kompliziert, mit dem Trolley den Randsteinen, Schlaglöchern und fehlenden Bodenplatten auszuweichen. Doch ich schaff das, ich bin schon gross.
Unterwegs begegnen mir viele Menschen. Manche gehen zur Arbeit, andere tun es bereits. Sie fegen die Bürgersteige, sie bewässern sie. Wasserlieferanten beliefern mit Wasser, Gemüsehändler mit Gemüse und überhaupt bin ich total begeistert (mal wieder), wie viele gutaussehende Argentinier es doch gibt (und ich würde sie am liebsten alle mitnehmen und auf meine Couch setzen wollen).
Und plötzlich ist es da, diese kleine abschüssige Stück. Und gerade da hat kurz vorher ein Mensch den Gehweg gewaschen. Am Strassenrand stehen zwei dieser Männer, die ich am liebsten mitnehmen würde wollen, und unterhalten sich. Die Anzüge sitzen perfekt und alles passt wunderbar zu deren gebräunter Haut, den dunklen grossen Augen und den rabenschwarzen Haaren.
Ach …

Ach … Und ich? Ich verliere die Bodenhaftung auf dem abschüssigen Stück Strasse, mein rechtes Bein mag mich nicht mehr halten und versucht einstweilen Wasserschuh zu laufen … Ich habe keine Kontrolle mehr über meine Gliedmassen. Und das geht so: Mein rechtes Bein / rechter Fuss – was auch immer, wie auch immer – entgleitet nach hinten, der linke rutscht weiter nach vorne, der Rucksack, den ich auf dem Rücken trage, sorgt dafür, dass ich erst recht nach unten gezogen werde und der Trolley, den ich mit der Rechten hinter mir herziehe, vermag mich bergab zu überholen. Dies allerdings gelingt ihm nicht, denn während ich – ganz und gar nicht elfenhaft – zu Boden gehe, bohrt sich der lange Hebel in meine rechte Achselhöhle. Die Handtasche rutscht mir von der linken Schulter.

Pflicht und Kür habe ich mit Bravour gemeistert. A und B Note geben keinen Grund zur Beanstandung. Die beiden Herren sehen mich bestürzt an. Während ich im Spagat zu deren Füssen sitze, schaue ich – nicht minder bestürzt – nach oben. Ich will aufstehen, aber ich kann es nicht. Wie gelähmt sitze ich da unfähig, mich zu bewegen. Sie eilen mir zur Hilfe und beim Versuch, mich aus meiner verqueren Haltung zu befreien und mir aufzuhelfen, fällt einer der beiden vor mir auf die Knie.
Das ist aber auch verdammt glatt auf dieser Strasse.

Mir ist das alles mal wieder verdammt peinlich und ich muss an Carrie Bradshaw denken: „I fell. I fell in Dior. So I decided the more I purchased the less they'd think of me as the American who fell in Dior!“

I fell. I fell in Buenos Aires …
 Don’t cry for me Argentina … Wir werden bestimmt nochmal das Vergnügen haben …

Jetzt flieg ich mal nach Hause und lass die Welt sich allein weiterdrehen.

Gehabt euch wohl,
Eure Jana.

Sonntag, 12. Februar 2012

It hit me ...

… like a hammer !



Am Anfang mag man gar nicht von zu Hause weg. Man mag die liebgewonnen Freunde nicht zurück lassen oder gar die gewohnte Umgebung. Man kennt sich aus, man fühlt sich geborgen. Der ureigene Kokoon bietet Schutz vor der kalten, gemeinen und vor allem unbekannten Welt.
Doch die Weichen sind gestellt und schlussendlich muss ich mir eingestehen, dass mich niemand dazu geprügelt hat, mich ans andere Ende der Welt befördern zu lassen.

Und da bin ich nun. Auch fast ein ganzes Jahr später noch und nichts ist mehr so fremd, so gemein, so gefährlich. Auch wenn das Heimweh anfangs noch sehr plagte, weiss ich heute damit besser umzugehen. Es ist ja abzusehen, wann es wieder nach Hause, in die offenen Arme der Daheimgebliebenen geht. Und so vergehen und vergingen, Tag um Tag, Woche um Woche, Monat um Monat. Der Gedanke, hier in St. Pauli die Zelte abbrechen zu müssen, noch weit, weit weg. Ist ja noch Zeit, bis ich packen muss. Also, so final packen muss.

Doch da war dann dieser komische vergangene Freitag. Der Freitag, an dem ich mich mit dem kolumbianischen Freund und einem Kollegen in der Kneipe ums Eck verabredet habe. Ich bin die erste, die da ist, bestelle mir ein kühles Blondes und denke nach.
Denke darüber nach, dass schon am nächsten Wochenende dieser sagenumwobene Karneval im Land stattfinden wird. Denke darüber nach, wie wohl die ganze Organisation hinsichtlich meine Aufenthalts weiter- und vor allem ausgehen wird. Denke darüber nach, dass ich vor dem kommenden Deutschlandbesuch in der Brasileniencasa klar Schiff machen muss.

Klar Schiff.
Das bedeutet, unnötigen Ballast mitnehmen. Das Brasiliengut auf das Notwendigste reduzieren, was im Klartext heisst, nur noch die Klamotten hier zu behalten, die ich mehr oder minder am Leib trage. Die Aussteuer muss mit in den Koffer, in den Flieger, nach Hause. Vorbereitung für den Fall der Fälle …

Und dann trifft es mich mit voller Wucht.
Mir bleiben jetzt gerade mal noch 2 Wochen, bis ich nach D fliege. Wenn ich zurück komme, bleiben mir gerade mal noch gute drei Wochen, bis ich das Land, die Leute verlassen werde. Und dann wird mir plötzlich ganz schwer ums Herz, denn auch wenn ich hier an mancher Front habe kämpfen müssen, die ein oder andere persönliche Niederlage habe einstecken müssen, mir hier nicht immer alles ganz grün und koscher war, so realisiere ich in einem Bruchteil einer Sekunde, dass meine Stunden hier gezählt sind. Auf einmal tut mir das Herz weh, denn ich fange sofort an, den besten kolumbianischen Freund ever zu vermissen, seine frisch angetraute auch und Dani, die mir immer wieder eine Hilfe war. Kein Joggen mehr im Parque do Povo, keine Spontantreffen in der Bar ums Eck …

Das Gefühl, welches sich in mir breit macht, ist das gleiche, wie damals bevor ich aus meiner gewohnten Umgebung weg bin. Ja klar, ich freu mich wieder auf's Nachhausekommen, doch am Liebsten würde ich so manches / manchen doch mitnehmen wollen.
Gerade als ich versuche, diese Monsterkröte zu schlucken, trifft Schavier ein.

Wie so oft schon, teile ich auch diesmal meine Gedanken mit ihm und lass ihn daran teilhaben. Auf die Idee, dass ihn das genauso treffen könnte, wie mich, komme ich nicht. Ist ja klar, dass es nur mir irgendwie weh tut, gehen zu müssen …

Der andere Kollege kommt und wir wechseln das Thema. Ist auch gut, denn so denke ich mal noch ein paar Stunden nicht darüber nach …
Zu Hause angekommen, ereilt mich eine Nachricht des kolumbianischen Freundes, in welcher er mir mitteilt, dass er das jetzt mal so gar nicht glauben kann und will, dass es jetzt schon soweit sein soll … und dann klingelt das Telefon …

Es ist vorbei mit meiner Fassung, als der „Boyfriend“ dann sagt: „I will cry in the airport when you will leave!“

Ich glaub ich auch ...

Donnerstag, 9. Februar 2012

Bleiben Sie ruhig ...

… ich hole Hilfe !



Das glaubt mir mal wieder keiner, wenn ich jetzt berichte, was mir schon wieder passiert ist … Wie denn auch – ich glaub es selbst kaum.
Doch erst mal schön der Reihe nach, damit all das, was jetzt kommt auch eine (Un)Sinn ergibt.

Schon heute früh hatte ich das Gefühl, dass dieser Tag wohl nicht mein Freund werden wird. Jetzt ist es kurz vor 2100 und ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass dieser Tag wirklich nicht zu meinem Freund wurde.

Es war der Tag meines temporären Fahrverbotes und somit beschloss ich, den heutigen Vormittag dazu zu nutzen, endlich mal meine brasilianischen Geldgeschäfte wieder in Ordnung zu bringen (es ist ja nicht so, dass ich hier nicht auch im Minus war). Für mich die weltallerbeste Gelegenheit, endlich mal das „Automaten-Deposit“ auszuprobieren. Fabio, der Bankangestellte, wollte mir das vor grauer Urzeit mal gezeigt haben, doch seinerzeit scheiterte es daran, dass ich meine CPF (das ist die Nummer, ohne die man hier ein Niemand ist und vor allem auch ein Niemand bleibt) nicht dabei hatte. Heute früh hatte ich sie allerdings im Gepäck. Wild entschlossen stehe ich am ATM, ziehe die ersten 800 erlaubten Real. Danach schnappe ich mir einen Umschlag und vervollständige die Daten, die gefordert werden und meistere dies wie kaum eine Andere. Ich bin stolz auf mich.

Das allerdings hält nicht lange an, denn ich scheitere daran, den Umschlag ordnungsgemäss zu verschliessen. Da ist zunächst mal die portugiesische Anweisung, WIE ich das Ding zu schliessen haben. Dummerweise besteht diese Anweisung aus Vokabeln, die ich bislang nicht gelernt habe und ableiten kann ich sowieso nix. Bis heute glaubte ich allerdings auch, von 12 bis Mittag denken zu können und versuchte mich glauben zu machen, dass es doch nicht so schwer sein kann, die Zeichnung und die Zacken und und und so zusammenzubauen, dass der Umschlag so verschlossen ist, dass das Geld, welches ich bis dahin glaubte in einen Geldbriefkasten stecken zu müssen, nicht herausfallen kann. Ich scheitere kläglich. Stolz bin ich auch nicht mehr auf mich.
Stattdessen frage ich eine junge Dame (absichtlich in noch falscherem Portugiesisch), ob sie mir denn sagen kann, wie das geht. Es reicht völlig, wenn ich als dumme Gringa durchgehe, nicht aber als dumme und fehlerfrei portugiesisch sprechende Gringa.

Mit einer Engelsgeduld erklärt sie mir alles und am Ende der Prozesskette erfahre ich dann auch, dass es keinen Geldbriefkasten gibt, sondern der ATM einen Extraschlitz mit einem integrierten Laufband hat. Ähnlich wie beim Supermarkt an der Kasse, nur mit dem Unterschied, dass der Schlitz den Umschlag quasi „frisst“, wenn man ihm den Auftrag dazu gibt.
Irgendwie bin ich restlos begeistert und wünsche mir sowas auch bei meiner Bank in Deutschland, denn das Gute daran ist nicht nur das Gute darin, sondern schlicht und ergreifend die Tatsache, dass ich dazu KEINE Karte brauche.
Den zweiten Durchlauf schaffe ich allein und am Ende stellt sich wieder so ein klitzekleines Gefühl von Jetzt-darf-ich-aber-doch-ein-bisschen-stolz-auf-mich-sein ein.

Seit nunmehr 2 Wochen arbeite ich in einer Art „Aussenstelle“ meiner Firma und habe somit meine Kollegen, die weiterhin im – ich nenne es mal Stadtoffice – arbeiten, schon eine halbe Ewigkeit nicht gesehen. Da ich noch immer Zeit habe – ich darf noch immer nicht fahren – mach ich einen Abstecher in der Firma und betreibe ein bisschen „Fofoka“ (Gossiping auf portugiesisch). Ein Kaffee und noch einer und noch einer und dann packe ich noch ein bisschen Schokolade, die ich aus Deutschland für das Team in der „Aussenstelle“ zusammen. Schliessen wollen unsere strapazierten Nerven immer schön beruhigt werden.

Es ist verdammt heiss, als ich den Weg nach Hause antrete, um dort meinen Wagen und meine Arbeitsutensilien zu holen. Der Hunger lässt mich den Umweg über die Bäckerei an der Ecke machen und dann bin ich auch schon fast auf dem Weg nach Sao Bernardo de Campo (ca. 30 km einfache Fahrt). Während ich mich durch wieder dichter werdenden Verkehr schlängele, trinke ich meinen frisch gepressten O-Saft und esse das noch warme Butterbrötchen.

Mein Arbeitstag verläuft mehr oder minder ohne grössere Zwischenfälle und gegen 1800 beschliesse ich, den Strafzettel doch zu riskieren, denn seit 1700 dauerte mein zweites temporäres Fahrverbot des heutigen Tages an und sollte bis 2000 anhalten. Ich geb Gas und bin in Rekordzeit zu Hause. Ein gemütlicher Abend – man höre und staune OHNE Laufen – ein kühles Blondes und ein paar Sitcoms im TV. Früh schlafen gehen. So der Plan.

Zu Hause angekommen, erst mal was Gemütliches anziehen, was Kaltes trinken, noch 148713  Mails checken und dann auf dem Brasiliotensofa umlegen … Zuvor auf dem Tisch Schokolade und anderes Gesundes Zeug bereitstellen und dann kann’s losgehen.

Was ist da los?
Das MoiPäd hat mal wieder kein Signal. Sicher hat sich das Modem mal wieder verabschiedet. Ich sehe nach. Ui, es ist dunkel. Da blinkt noch nicht mal kleines grünes LED Lämplein. Doch nicht nur das. Der TV Receiver scheint auch aus zu sein. Hm, scheint wohl wieder der Strom ausgefallen zu sein – wird auch nur einen Moment dauern, dann kommt er wieder. So ist das immer. Ich warte einen Moment, doch nichts passiert. Hm, komisch ist das. Sehr komisch sogar. Um mir Klarheit zu verschaffen, wähle ich am Interfon die 100 und habe die Dame von der Eingangskontrolle am Ohr. Ich sage: „Ola, boa noite. Marijana de apartamento 1X4 – bloco 3 fala.” Die Dame sagt auch tudo bem und fragt, wie sie helfen kann. Ich sage dann: „Eu nao sei (also ich weiss nicht), mas aqui no apartamento nao tem electricidad (aber hier im Apartment gibt’s keinen Strom).“ Da sagt sie „eu sei“ (ich weiss). Schade, meine entglittenen Gesichtszüge kann sie nicht sehen. Ich frage: „Porque?“ Und dann erzählt sie mir, dass Elektropaulo (die heissen wirklich so) heute hier waren und mir den Strom abgedreht haben, da ich angeblich meine Rechnungen nicht bezahlt hätte.

Was bitte????
Ich fall fast vom Stuhl, auf dem ich grad mal nicht sitze. Gut, ich hatte zwar nicht immer Geld auf dem Konto und es gab ein paar Problemchen, doch ich habe IMMER pünktlich bezahlt. Jawoll ja, das hab ich. Und jetzt erzählen die mir was von ich hätte das nicht getan. Die Frau ist so nett und sucht mir irgendwelche Servicenummern von Eletropaulo raus und überlässt mich meinem Schicksal. Nun denn, ich glaube schon, das ein oder andere allein zu können, doch der Elektroschuh ist mir wohl doch ne Nummer zu gross. Ich schnappe mir Pass, CFP, RNE das Händie und mach mich auf den Weg zur Cristina – meine Condominio Administratorin. Ich werde sie bitten, ob sie mir nicht helfen kann beim Gespräch mit der Elektrizität.

Schon beim Betreten des Büros wird mir klar, dass die Gute schon längst bescheid weiss. Verdammt, wie peinlich ist das denn? Fast schon komm ich mir vor, wie wenn ich mit einem Bein im Gefängnis stehe. 15 Minuten später ist Cristina überzeugt, dass ich wirklich alles bezahlt hab, denn ich hab ihr meine Bankauszüge gezeigt und da war zu erkennen, dass in jedem Monat der Betrag überwiesen wurde. Cris ruft bei Elektropaulo an und erklärt, was passiert ist und dass ich eine Gringa bin und gaaaaanz wenig portufiesisch spreche und sie das nun in meinem Auftrag tut.

Mühsam wie Eichhörnchen arbeiten wir uns in meinem Fall nach vorne. Es gibt ja kein sogenanntes „Cadastro“ für mich, denn die Rechnungen, die ich allmonatlich bezahle laufen bzw. liefen noch immer auf den Namen der Vor-Vormieterin. Anfangs wunderte mich das auch, doch ich liess mir sagen, dass das wohl so in Ordnung sei. Auch gut. Cris macht das toll. Sie lässt sich nicht abwimmeln und bohrt so lange weiter, bis die Dame am anderen Ende, dann meine CPF, meine RNE und meinen Namen habwn will. Das, was normalerweise 2 Tage dauert, schafft ‚Cris in 40 Minuten. Ich hab mein eigenes Elektropaulo-Cadastro und bin total stolz auf Cris, die mir noch, während sie telefoniert, ein Glas Prosecco einschenkt und mir den Ventilator anmacht …

Im Laufe des Gespräches haben wir dann allerdings herausgefunden, dass die Vor-Vormieterin den Auftrag bei Elektropaulo gegeben hat, dass das alles gelöscht wird und da die Stromversorger davon ausgingen, dass die Brasileniencasa leer steht, haben sie kurzerhand den Strom abgedreht ohne Bescheid zu geben.

Tja, und nun sitze ich unten am Pool und lass mich fremdstromversorgen. Zumindest habe ich hier unten „Piscina-WiFi“, kann surfen und mir die Zeit vertreiben.
Meine Butterstulle (die ich mir im Dunkeln geschmiert hab)

hab ich inzwischen schon gegessen und trinke gerade noch mein eiskaltes Skol,

denn schlau, wie ich bin, habe ich das Bier bevor ich zu Cristina bin, im Gefrierfach verstaut, damit es auch wirklich kalt bleibt.

Und so geht wieder ein aufregender und ungewöhnlicher Tag zu Ende … und ich bin müde genug und leg mich gleich und lass die Welt sich allein drehen …

Gehabt Euch wohl,
Ich.

Dienstag, 7. Februar 2012

Wer rastet ...

… der rostet !


Und mein kleines beschissenes Leben wäre nicht meines, wenn die Dinge mal normal und ohne Zwischenfälle laufen würden.
Zumindest komm ich in der Zwischenzeit endlich mal wieder an meine Melonen auf der Bank ran und brauch mir über Klimmzüge an der Brotschublade keine Gedanken machen. Angeblich aber sollte ich mir, da ich ja jetzt wieder an Geld komme, über Geschenke, die ich mitzubringen habe, Gedanken machen.
Pah, das werden wir noch sehen …

… und nicht nur das, sondern da flattert dann auch noch die Grossbestellung an „Doce de Leite“ ins Haus, die, so dies mein Gepäckzustand überhaupt zulässt, auszuführen ist.

Doch zurück zum Thema. Mein Leben und ich. Uns wird irgendwie nicht langweilig. Ich versuch das ja immer wieder, doch es will mir einfach nicht gelingen.

Heute früh beispielsweise musste ich mein Büro mal kurzzeitig ins Wohnzimmer auf’s Brasiliotensofa verlagern. Asien bat zur Telefonkonferenz und meist ist es so, dass wir diese im Schlafanzug abhalten können. Ich, weil ich gerade aufgestanden bin und die Asiaten, weil sie fast schon wieder ins Bett gehen. Nur die Europäer haben den Schlips an.
Doch wie gesagt, ich hab den Schlafi, bzw. den Hauch von nichts an, während ich mich im Liegen sitzend mit einer Tasse Kaffee auf die Telco vorbereite. Es kam, wie es kommen musste. Kaffeeflecken sind mindestens genauso lästig, wie Rotweinflecken, aber sie sind definitiv heisser …
Mein Rechner geht noch, mein rechter Oberschenkel hat nen Brandfleck und ich bin völlig durch den Wind.

Völlig aus dem Konzept und total ausserhalb meines üblichen Zeitplanes schiebe ich mich nach der Konferenz in die Dusche. Viel, viel später als üblich mache ich mich auf den Weg zur Arbeit. In meiner Linken halte ich einen Stapel Dinge geformt aus Portemonnaie, Mobiltelefonen, Crackern und Autoschlüssel, die Rechte bleibt frei und über der Schulter baumelt der Rucksack. Ich verlasse die Brasiliotencasa und rufe mir den Fahrstuhl. Unterwegs forme ich schon mal die Sätze des Besprechungsprotokolls, die ich, sobald ich den Schreibtisch erreiche, niederschreiben und verteilen möchte. Auf Niveau -2 steht mein Wagen. Ich verstaue alles ordentlich und bevor ich mich in Versuchung führe, meinen Hausschlüssel zu verlieren, beschliesse ich, diesen gleich im Rucksack am Karabinerhaken zu befestigen. Bei dieser Gelegenheit fällt mir auf, dass ich den Rechner in der Wohnung vergessen habe und so bleibt mir nichts anderes übrig, als den Weg nach oben wieder anzutreten.

19 Stockwerke später stehe ich vor meiner Wohnungstür, komme aber nicht rein, da ich in der Hand nur den Autoschlüssel halte. Ist auch klar, denn der Wohnungsschlüssel hängt am Karabiner im Rucksack unten im Auto. In der Zwischenzeit sind auch andere Mi(e)tbewohner auf dem Weg zur Arbeit und somit dauert es doppelt so lange, bis der Fahrstuhl wieder da ist. Während ich so warte, versuche ich zu rekonstruieren, was ich mir für mein Protokoll zurechtgelegt habe, doch die tollen Sätze wollen mir nun nicht mehr einfallen und so überlege ich von vorne, wie ich das schreiben will, damit der Chef auch versteht, um was es geht.

Völlig verloren in Raum und Zeit erreiche ich den Wagen wieder, steige ein, starte und fahre los. Der nette Mann von der Security winkt freundlich, lächelt mich an und schiebe mich mit dem Celta in den Verkehr. Doch war da nicht noch was? Warum bin ich nochmal mit dem Fahrstuhl gefahren? Sack und Asche … Das Notebook !!!
Und so schiebe ich mich weiter durch den Verkehr bis zur Ampel um die Ecke ums Quadrat zurück auf meinen Parkplatz. Zur Abwechslung mal denke ich an den Wohnungsschlüssel BEVOR ich hoch fahre. Schnell isses geschnappt das Notebook, der Fahrstuhl wartet sogar noch auf meinem Stockwerk und ganz fix bin ich wieder am Wagen. Den Rechner verstaue ich im Rucksack und befestige den Schlüssel wieder am Karabiner.

Als der Schlüssel plötzlich nicht mehr ins Schloss passt und folglich das Auto auch nicht mehr starten möchte, wundert mich nichts mehr. Im ersten Moment bin ich total von der Rolle, denn wo kann ich auf diesem kurzen Weg denn jetzt noch den Autoschlüssel verloren haben, zumal ich ihn kurz vorher noch gehabt haben muss, denn ansonsten hätte ich das Gefährt ja gar nicht erst aufschliessen können. Geradeaus denken kann ich schon gar nicht mehr und so dauert es eine Ewigkeit, bis mir der Karabinerhaken im Rucksack einfällt.

Irgendwann bin ich dann endlich auf dem Weg. Der Verkehr ist wieder dichter, denn es geht auf 1000 zu und so langsam dürfen jene Nummernschilder, die auf 3 und 4 enden auch wieder fahren. Ich erreiche die Kreuzung, an welcher ich nach links abbiegen muss. Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt, dass die Brasilioten von der Linksabbiegerspur dann erst mal noch komplett nach rechts abbiegen oder umgekehrt oder sie wollen einfach nur geradeaus fahren und dann bleibt mir, als ordentlichem Linksabbieger erst mal nichts anderes übrig, als die Lage sorgfältig zu sondieren.
Das Auto links macht den Anschein, als wolle es geradeausfahren wollen, während sich der Hintermann auf die nicht vorhandene Zwischenspur zum Linksabbiegen drängt. Das Motorrad hinten kommt mit einem Affenzahn zwischen den stehenden Autos durchgeschossen. Noch erschliesst es sich mir nicht ganz, wohin es will. Während ich das herauszufinden versuche, bewege ich mich ganz langsam, mit leichtem Linksdrall auf die Kreuzung zu. Ich schaffe es, ohne mit irgendeinem Fahrzeug zu kollidieren, mich mehr schlecht als recht einzuordnen und nun stehe ich in einem Zwischenstück der Kreuzung.  Ich hab das mal aufgemalt, damit ihr euch das auch vorstellen könnt.









Also, da steh ich nun in oder auf diesem Zwischenstück. Der Wagen links neben mir will auch geradeaus. Doch die Ampelphase ist inzwischen wieder rot, bei den anderen grün und ich kann mich nicht von der Stelle bewegen. Bin eingekesselt von falschfahrenden Brasilienautos und schwitze Blut und Wasser, ob ich hier jemals wieder lebend rauskomme. Zugegeben, etwas bedroht fühle ich mich schon …
Jeder will raus aus der Kreuzung, denn die Rot-Grün-Phase hat grad wieder gewechselt. Mit wildem Rumgefuchtel gebe ich den anderen um mich herum zu verstehen, dass ich „nur“ geradeaus fahren will. Kurzzeitig bin ich aber auch geneigt, mir einfach nur die Augen zuzuhalten und ganz laut zu singen anzufangen …

Lange Rede kurz: Ich liebe Tage wie diese …

Doch das war für heute mal noch nicht alles … Es geht um meinen Aufenthalt in Südamerika …
Doch bevor ich hier nun das zum Besten gebe, wie der Stand der Dinge ist, warte ich mal besser noch, denn das, was ich heute schreibe, mag morgen vermutlich nicht mehr gültig sein … Daher warte ich mal noch ein wenig, bevor ich mich dazu äussere …

Nichts ist so beständig wie der Wechsel …
… oder war’s der Wandel?

Ach mir doch egal, ich leg mich hin und lass die Welt sich allein weiterdrehen … ;)

Gehabt euch wohl,
Ich.

Donnerstag, 2. Februar 2012

Finanzkrise ...

… deluxe !


Brasilenien hatte bislang wirklich viel zu bieten, doch dass Bankangelegenheiten so unerschöpflich sind, hätte ich nun wirklich nicht zu glauben vermocht. Doch es sei wie es ist und da ich euch bisher immer über meine Bankgeschäfte im Bilde gehalten habe, möchte ich euch nun die neuesten Entwicklungen an dieser Front nicht vorenthalten.

Das wirklich kleinere Übel diesmal war die Firmenkreditkarte. Diese musste nämlich gegen die eines anderen Anbieters gewechselt werden. Da ich den Antrag rechtzeitig beim letzten Besuch in Deutschland stellte, wurde diese auch pünktlich zugestellt. Samt Geheimnummer, versteht sich.
Erfolgreich konnte ich die Karte aktivieren und auch schon erfolgreich einsetzen. Die einzige Einbusse: ich habe einen kleineren Kreditrahmen, als mit der alten noch, doch das ist nicht mehr ganz so tragisch, da ja auch die Ausgaben ein klein wenig geschrumpft sind.
Also davon geh ich jetzt ganz einfach mal aus, dass das der Fall ist … bzw. sein wird.

Ach, und benutzt habe ich die neue Karte inzwischen auch.

Anders jedoch gestaltete es sich mit meiner EC Karte in Deutschland. Bargeldloser Mensch, der ich nun mal bin, ist mein Plastikgeld dauerhaft im Einsatz. Im Dezember habe ich noch die letzte Onlineüberweisung von meinem Gehaltskonto auf das Schwarzgeldkonto vorgenommen und gut war. Aus den Vollen hab ich dann von dem anderen Konto geschöpft und mich nicht weiter um den Rest gekümmert. Begeistert bin ich noch immer, dass ich selbst nicht den Überblick über all meine Konten, nicht Konten, Schwarzkonten, Tagesgeldkonten, Girokonten, Gehaltskonten und was weiss ich nicht noch alles, verloren habe.

Kurz nach meiner Ankunft in Good Old begebe ich mich zum Supermarkt, denn der Kühlschrank will zumindest ein klein wenig gefüllt werden. Auch hatte ich mir im Vorfeld schon mal Gedanken darüber gemacht, was ich alles für meinen Nichtgeburtstag einzukaufen habe und somit blieb es nicht aus, dass ich den Einkaufswagen schon mal mit jenen Dingen vollud, die mir so in den Sinn kamen. Ich weiss auch nicht wie, doch es wanderten immer mehr Dinge in den Einkaufswagen und als es eine halbe Ewigkeit dauerte, bis ich alles auf’s Band gelegt habe, war mir auch schlagartig klar, dass es sicher nicht billig werden würde …

An der Kasse, nach erfolgreichem Scannen der Waren, dann die Frage, ob ich bar oder mit Karte würde zahlen wollen. Mit Karte selbstverständlich.
Was folgt, ist ein Automatismus, über den ich gar nicht mehr nachdenke. Portemonnaie auf, Karte raus, in die richtige Richtung drehen (Magnetstreifen hinten links), einrasten lassen, kurz warten, Geheimzahl eintippen, grüne Bestätigungstaste drücken, Zahlung erfolgt, Bitte Karte entnehmen.
Mein erster Fehler unterläuft mir, als ich nicht die Geheimnummer der EC Karte, sondern die Geheimnummer des Brasiliotenkontos eingebe. Mööööp. Verloren. Ein neuer Versuch. Ich halte kurz inne, versuche mich an die richtige Nummer zu erinnern. Mein Finger tippt und tippt richtig. Doch nix war’s mit Zahlung erfolgt und so. Karte abgelaufen.

Wie jetzt? Seit wann das denn? Ich hab doch erst vor ein paar Tagen ne Überweisung gemacht … „Vor ein paar Tagen“ war noch Anfang Dezember und ein Blick auf die EC Karte gibt bekannt, dass die Karte auch nur bis Dezember gültig war. Hier war’s also, des Rätsels Lösung. Mit der anderen EC Karte kann ich mir behelfen, rutsche aber ins Minus, weil auf dem Konto mal so gar kein Guthaben drauf ist. Wie schlecht ist das eigentlich? Da hat man Geld und macht bei der Bank Schulden, nur weil man da, wo Geld ist, nicht rankommt.

Böse, böse Bank. Haben die mir einfach keine neue Karte rechtzeitig zugeschickt. In der Post war bei den letzten elfundachtzig Besuchen nichts und ich war ja bestimmt 2 mal in Deutschland seit Oktober!
Am nächsten Morgen rufe ich bei meiner Bankfrau an, wild entschlossen, bitter-bitterböse zu klingen und mich zu beschweren, dass …
Und dann small-talken wir zuerst und ich beschliesse, dass Wut nicht gut ist und so bestelle ich einfach eine neue Karte und hoffe, dass diese noch in der Woche, in der ich zu Hause bin, auch ankommt. Und schlau war ich noch dazu, denn ich habe direkt Tuti’s Adresse angegeben, so dass der Nachsendeantrag nicht greifen muss. 8-10 Tage sagte mir die Frau am Telefon, meist geht’s aber schneller.

Schnell ist anders und in der Zwischenzeit bin ich wieder in Brasilenien gelandet – natürlich ohne Karte. Neues Geld kam inzwischen auf das Konto, auf das ich nicht zugreifen kann, beim anderen kann ich nur aus dem Leeren schöpfen. Doch irgendwann muss ich die Löcher auf dem Plastikgeldkärtchen auch stopfen und so wäre es gar nicht ungeschickt, wenn ich zumindest in absehbarer Bälde wieder im Besitz der Karte wäre und somit eine Onlinebanking Session einlegen könnte.

Diese Woche Dienstag dann rufe ich wieder bei der Bankfrau an. Ratlosigkeit am anderen Ende. Frau Z., sagt sie, ich kann das gar nicht verstehen und überhaupt und sowieso und lassen Sie mich bitte prüfen und ich rufe Sie wieder zurück.
Genau das tat sie auch und dann stellte sich heraus, dass der Fehler nicht im System war, sondern schlicht und ergreifend davor sass. Die Gute hat vergessen, nach unserem Telefonat in Deutschland, die Bestellung abzuschicken und somit dümpelte die Anfrage unbearbeitet im System der Bank. Tja, so kann das natürlich nichts werden.

Wenn ich so drüber nachdenke, muss ich lachen, denn sie entschuldigte sich per Mail nochmals für das Versäumnis mit dem kleinen Hinweis, sie hätte nun wirklich keine internationale Finanzkrise lostreten wollen.

Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass das Kärtlein bald ankommt, die Pipeline in Good Old gut funktioniert und ich nächste Woche dann endlich meinen Finanzhaushalt wieder in Ordnung bringen und nicht noch drastische Sparmassnahmen ansetzen muss …

Gehabt euch wohl,

Eure Jana