… deluxe !
Brasilenien hatte bislang wirklich viel zu bieten, doch dass Bankangelegenheiten so unerschöpflich sind, hätte ich nun wirklich nicht zu glauben vermocht. Doch es sei wie es ist und da ich euch bisher immer über meine Bankgeschäfte im Bilde gehalten habe, möchte ich euch nun die neuesten Entwicklungen an dieser Front nicht vorenthalten.
Das wirklich kleinere Übel diesmal war die Firmenkreditkarte. Diese musste nämlich gegen die eines anderen Anbieters gewechselt werden. Da ich den Antrag rechtzeitig beim letzten Besuch in Deutschland stellte, wurde diese auch pünktlich zugestellt. Samt Geheimnummer, versteht sich.
Erfolgreich konnte ich die Karte aktivieren und auch schon erfolgreich einsetzen. Die einzige Einbusse: ich habe einen kleineren Kreditrahmen, als mit der alten noch, doch das ist nicht mehr ganz so tragisch, da ja auch die Ausgaben ein klein wenig geschrumpft sind.
Also davon geh ich jetzt ganz einfach mal aus, dass das der Fall ist … bzw. sein wird.
Ach, und benutzt habe ich die neue Karte inzwischen auch.
Anders jedoch gestaltete es sich mit meiner EC Karte in Deutschland. Bargeldloser Mensch, der ich nun mal bin, ist mein Plastikgeld dauerhaft im Einsatz. Im Dezember habe ich noch die letzte Onlineüberweisung von meinem Gehaltskonto auf das Schwarzgeldkonto vorgenommen und gut war. Aus den Vollen hab ich dann von dem anderen Konto geschöpft und mich nicht weiter um den Rest gekümmert. Begeistert bin ich noch immer, dass ich selbst nicht den Überblick über all meine Konten, nicht Konten, Schwarzkonten, Tagesgeldkonten, Girokonten, Gehaltskonten und was weiss ich nicht noch alles, verloren habe.
Kurz nach meiner Ankunft in Good Old begebe ich mich zum Supermarkt, denn der Kühlschrank will zumindest ein klein wenig gefüllt werden. Auch hatte ich mir im Vorfeld schon mal Gedanken darüber gemacht, was ich alles für meinen Nichtgeburtstag einzukaufen habe und somit blieb es nicht aus, dass ich den Einkaufswagen schon mal mit jenen Dingen vollud, die mir so in den Sinn kamen. Ich weiss auch nicht wie, doch es wanderten immer mehr Dinge in den Einkaufswagen und als es eine halbe Ewigkeit dauerte, bis ich alles auf’s Band gelegt habe, war mir auch schlagartig klar, dass es sicher nicht billig werden würde …
An der Kasse, nach erfolgreichem Scannen der Waren, dann die Frage, ob ich bar oder mit Karte würde zahlen wollen. Mit Karte selbstverständlich.
Was folgt, ist ein Automatismus, über den ich gar nicht mehr nachdenke. Portemonnaie auf, Karte raus, in die richtige Richtung drehen (Magnetstreifen hinten links), einrasten lassen, kurz warten, Geheimzahl eintippen, grüne Bestätigungstaste drücken, Zahlung erfolgt, Bitte Karte entnehmen.
Mein erster Fehler unterläuft mir, als ich nicht die Geheimnummer der EC Karte, sondern die Geheimnummer des Brasiliotenkontos eingebe. Mööööp. Verloren. Ein neuer Versuch. Ich halte kurz inne, versuche mich an die richtige Nummer zu erinnern. Mein Finger tippt und tippt richtig. Doch nix war’s mit Zahlung erfolgt und so. Karte abgelaufen.
Wie jetzt? Seit wann das denn? Ich hab doch erst vor ein paar Tagen ne Überweisung gemacht … „Vor ein paar Tagen“ war noch Anfang Dezember und ein Blick auf die EC Karte gibt bekannt, dass die Karte auch nur bis Dezember gültig war. Hier war’s also, des Rätsels Lösung. Mit der anderen EC Karte kann ich mir behelfen, rutsche aber ins Minus, weil auf dem Konto mal so gar kein Guthaben drauf ist. Wie schlecht ist das eigentlich? Da hat man Geld und macht bei der Bank Schulden, nur weil man da, wo Geld ist, nicht rankommt.
Böse, böse Bank. Haben die mir einfach keine neue Karte rechtzeitig zugeschickt. In der Post war bei den letzten elfundachtzig Besuchen nichts und ich war ja bestimmt 2 mal in Deutschland seit Oktober!
Am nächsten Morgen rufe ich bei meiner Bankfrau an, wild entschlossen, bitter-bitterböse zu klingen und mich zu beschweren, dass …
Und dann small-talken wir zuerst und ich beschliesse, dass Wut nicht gut ist und so bestelle ich einfach eine neue Karte und hoffe, dass diese noch in der Woche, in der ich zu Hause bin, auch ankommt. Und schlau war ich noch dazu, denn ich habe direkt Tuti’s Adresse angegeben, so dass der Nachsendeantrag nicht greifen muss. 8-10 Tage sagte mir die Frau am Telefon, meist geht’s aber schneller.
Schnell ist anders und in der Zwischenzeit bin ich wieder in Brasilenien gelandet – natürlich ohne Karte. Neues Geld kam inzwischen auf das Konto, auf das ich nicht zugreifen kann, beim anderen kann ich nur aus dem Leeren schöpfen. Doch irgendwann muss ich die Löcher auf dem Plastikgeldkärtchen auch stopfen und so wäre es gar nicht ungeschickt, wenn ich zumindest in absehbarer Bälde wieder im Besitz der Karte wäre und somit eine Onlinebanking Session einlegen könnte.
Diese Woche Dienstag dann rufe ich wieder bei der Bankfrau an. Ratlosigkeit am anderen Ende. Frau Z., sagt sie, ich kann das gar nicht verstehen und überhaupt und sowieso und lassen Sie mich bitte prüfen und ich rufe Sie wieder zurück.
Genau das tat sie auch und dann stellte sich heraus, dass der Fehler nicht im System war, sondern schlicht und ergreifend davor sass. Die Gute hat vergessen, nach unserem Telefonat in Deutschland, die Bestellung abzuschicken und somit dümpelte die Anfrage unbearbeitet im System der Bank. Tja, so kann das natürlich nichts werden.
Wenn ich so drüber nachdenke, muss ich lachen, denn sie entschuldigte sich per Mail nochmals für das Versäumnis mit dem kleinen Hinweis, sie hätte nun wirklich keine internationale Finanzkrise lostreten wollen.
Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass das Kärtlein bald ankommt, die Pipeline in Good Old gut funktioniert und ich nächste Woche dann endlich meinen Finanzhaushalt wieder in Ordnung bringen und nicht noch drastische Sparmassnahmen ansetzen muss …
Gehabt euch wohl,
Eure Jana
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Sehr unterhaltsam ist sie, die kleine, never ending und ganz persönliche Finanzkrise der Frau Jana in der großen weiten Welt. Zum Glück ist das bei ihr ja eher ein Luxusproblemchen, denn letztendlich hat sie auf den diversen Konten ja gefühlte Melonen in welcher Währung auch immer. So ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Schreiberin (die das wieder phantastisch geschildert hat) in der Lage ist, das (Plastik-) Geld mit vollen Händen unters Volk zu bringen, egal ob dies das brasilienische oder teutonische sein wird.
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