Dienstag, 7. Februar 2012

Wer rastet ...

… der rostet !


Und mein kleines beschissenes Leben wäre nicht meines, wenn die Dinge mal normal und ohne Zwischenfälle laufen würden.
Zumindest komm ich in der Zwischenzeit endlich mal wieder an meine Melonen auf der Bank ran und brauch mir über Klimmzüge an der Brotschublade keine Gedanken machen. Angeblich aber sollte ich mir, da ich ja jetzt wieder an Geld komme, über Geschenke, die ich mitzubringen habe, Gedanken machen.
Pah, das werden wir noch sehen …

… und nicht nur das, sondern da flattert dann auch noch die Grossbestellung an „Doce de Leite“ ins Haus, die, so dies mein Gepäckzustand überhaupt zulässt, auszuführen ist.

Doch zurück zum Thema. Mein Leben und ich. Uns wird irgendwie nicht langweilig. Ich versuch das ja immer wieder, doch es will mir einfach nicht gelingen.

Heute früh beispielsweise musste ich mein Büro mal kurzzeitig ins Wohnzimmer auf’s Brasiliotensofa verlagern. Asien bat zur Telefonkonferenz und meist ist es so, dass wir diese im Schlafanzug abhalten können. Ich, weil ich gerade aufgestanden bin und die Asiaten, weil sie fast schon wieder ins Bett gehen. Nur die Europäer haben den Schlips an.
Doch wie gesagt, ich hab den Schlafi, bzw. den Hauch von nichts an, während ich mich im Liegen sitzend mit einer Tasse Kaffee auf die Telco vorbereite. Es kam, wie es kommen musste. Kaffeeflecken sind mindestens genauso lästig, wie Rotweinflecken, aber sie sind definitiv heisser …
Mein Rechner geht noch, mein rechter Oberschenkel hat nen Brandfleck und ich bin völlig durch den Wind.

Völlig aus dem Konzept und total ausserhalb meines üblichen Zeitplanes schiebe ich mich nach der Konferenz in die Dusche. Viel, viel später als üblich mache ich mich auf den Weg zur Arbeit. In meiner Linken halte ich einen Stapel Dinge geformt aus Portemonnaie, Mobiltelefonen, Crackern und Autoschlüssel, die Rechte bleibt frei und über der Schulter baumelt der Rucksack. Ich verlasse die Brasiliotencasa und rufe mir den Fahrstuhl. Unterwegs forme ich schon mal die Sätze des Besprechungsprotokolls, die ich, sobald ich den Schreibtisch erreiche, niederschreiben und verteilen möchte. Auf Niveau -2 steht mein Wagen. Ich verstaue alles ordentlich und bevor ich mich in Versuchung führe, meinen Hausschlüssel zu verlieren, beschliesse ich, diesen gleich im Rucksack am Karabinerhaken zu befestigen. Bei dieser Gelegenheit fällt mir auf, dass ich den Rechner in der Wohnung vergessen habe und so bleibt mir nichts anderes übrig, als den Weg nach oben wieder anzutreten.

19 Stockwerke später stehe ich vor meiner Wohnungstür, komme aber nicht rein, da ich in der Hand nur den Autoschlüssel halte. Ist auch klar, denn der Wohnungsschlüssel hängt am Karabiner im Rucksack unten im Auto. In der Zwischenzeit sind auch andere Mi(e)tbewohner auf dem Weg zur Arbeit und somit dauert es doppelt so lange, bis der Fahrstuhl wieder da ist. Während ich so warte, versuche ich zu rekonstruieren, was ich mir für mein Protokoll zurechtgelegt habe, doch die tollen Sätze wollen mir nun nicht mehr einfallen und so überlege ich von vorne, wie ich das schreiben will, damit der Chef auch versteht, um was es geht.

Völlig verloren in Raum und Zeit erreiche ich den Wagen wieder, steige ein, starte und fahre los. Der nette Mann von der Security winkt freundlich, lächelt mich an und schiebe mich mit dem Celta in den Verkehr. Doch war da nicht noch was? Warum bin ich nochmal mit dem Fahrstuhl gefahren? Sack und Asche … Das Notebook !!!
Und so schiebe ich mich weiter durch den Verkehr bis zur Ampel um die Ecke ums Quadrat zurück auf meinen Parkplatz. Zur Abwechslung mal denke ich an den Wohnungsschlüssel BEVOR ich hoch fahre. Schnell isses geschnappt das Notebook, der Fahrstuhl wartet sogar noch auf meinem Stockwerk und ganz fix bin ich wieder am Wagen. Den Rechner verstaue ich im Rucksack und befestige den Schlüssel wieder am Karabiner.

Als der Schlüssel plötzlich nicht mehr ins Schloss passt und folglich das Auto auch nicht mehr starten möchte, wundert mich nichts mehr. Im ersten Moment bin ich total von der Rolle, denn wo kann ich auf diesem kurzen Weg denn jetzt noch den Autoschlüssel verloren haben, zumal ich ihn kurz vorher noch gehabt haben muss, denn ansonsten hätte ich das Gefährt ja gar nicht erst aufschliessen können. Geradeaus denken kann ich schon gar nicht mehr und so dauert es eine Ewigkeit, bis mir der Karabinerhaken im Rucksack einfällt.

Irgendwann bin ich dann endlich auf dem Weg. Der Verkehr ist wieder dichter, denn es geht auf 1000 zu und so langsam dürfen jene Nummernschilder, die auf 3 und 4 enden auch wieder fahren. Ich erreiche die Kreuzung, an welcher ich nach links abbiegen muss. Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt, dass die Brasilioten von der Linksabbiegerspur dann erst mal noch komplett nach rechts abbiegen oder umgekehrt oder sie wollen einfach nur geradeaus fahren und dann bleibt mir, als ordentlichem Linksabbieger erst mal nichts anderes übrig, als die Lage sorgfältig zu sondieren.
Das Auto links macht den Anschein, als wolle es geradeausfahren wollen, während sich der Hintermann auf die nicht vorhandene Zwischenspur zum Linksabbiegen drängt. Das Motorrad hinten kommt mit einem Affenzahn zwischen den stehenden Autos durchgeschossen. Noch erschliesst es sich mir nicht ganz, wohin es will. Während ich das herauszufinden versuche, bewege ich mich ganz langsam, mit leichtem Linksdrall auf die Kreuzung zu. Ich schaffe es, ohne mit irgendeinem Fahrzeug zu kollidieren, mich mehr schlecht als recht einzuordnen und nun stehe ich in einem Zwischenstück der Kreuzung.  Ich hab das mal aufgemalt, damit ihr euch das auch vorstellen könnt.









Also, da steh ich nun in oder auf diesem Zwischenstück. Der Wagen links neben mir will auch geradeaus. Doch die Ampelphase ist inzwischen wieder rot, bei den anderen grün und ich kann mich nicht von der Stelle bewegen. Bin eingekesselt von falschfahrenden Brasilienautos und schwitze Blut und Wasser, ob ich hier jemals wieder lebend rauskomme. Zugegeben, etwas bedroht fühle ich mich schon …
Jeder will raus aus der Kreuzung, denn die Rot-Grün-Phase hat grad wieder gewechselt. Mit wildem Rumgefuchtel gebe ich den anderen um mich herum zu verstehen, dass ich „nur“ geradeaus fahren will. Kurzzeitig bin ich aber auch geneigt, mir einfach nur die Augen zuzuhalten und ganz laut zu singen anzufangen …

Lange Rede kurz: Ich liebe Tage wie diese …

Doch das war für heute mal noch nicht alles … Es geht um meinen Aufenthalt in Südamerika …
Doch bevor ich hier nun das zum Besten gebe, wie der Stand der Dinge ist, warte ich mal besser noch, denn das, was ich heute schreibe, mag morgen vermutlich nicht mehr gültig sein … Daher warte ich mal noch ein wenig, bevor ich mich dazu äussere …

Nichts ist so beständig wie der Wechsel …
… oder war’s der Wandel?

Ach mir doch egal, ich leg mich hin und lass die Welt sich allein weiterdrehen … ;)

Gehabt euch wohl,
Ich.

3 Kommentare:

  1. Doce de Leite? Ich hätte da auch noch so 'ne klitzekleine Bestellung aufzugeben... Passt bestimmt in die Handtasch. ;-)
    Ach MJ, einfach herrlich und herzlich wieder geschrieben.
    Vielen Dank für diese Anekdoten aus dem brasilianischen Alltag.
    Die Supercoco... *grins*

    AntwortenLöschen
  2. *kicher* - Danke...datt Jana....Du schaffst es jedesmal meinen Arbeitsalltag aufzuhellen :) - und die Zeichnung erst GE-NIA-L... :DDD

    AntwortenLöschen
  3. die zeichnung ist zu gut ! schacka,alles wird gut !!

    lg vanessa

    AntwortenLöschen