… Buenos Airische Strassen !
Das ging aber auch wirklich furchtbar schnell. Eben noch beim Arbeiten und im nächsten Moment bin ich schon wieder an dem mir ach so bekannten Flughafen. Den Wagen hab ich ordentlich geparkt und wie es sich für einen ordentlichen Autofahrer gehört, habe ich inzwischen auch die Nummer des Platzes vergessen, auf welchem mein Wagen steht.
Na, dann kann ich mir ja jetzt schon mal viel Spass beim Suchen wünschen.
Sehr viel Zeit habe ich diesmal einkalkulieren müssen, da ich aus ner ganz anderen Richtung eingrätschen musste und man warnte mich eindringlich vor dem vorherrschenden Verkehr zur besten Rush-Hour-Zeit. Ausserdem war zu bedenken, dass ich diese Strecke noch gar nicht kannte und somit das Risiko, mich gnadenlos zu verfahren nicht ganz zu vernachlässigen war.
Bestens ausgerüstet mach ich mich also auf den Weg.
Unterwegs erwische ich mich jedoch schon das ein oder andere mal beim Gedanken, ob ich hier wirklich so richtig sein kann. LKW an LKW reihen sich, ich mit meinem kleinen Hüpfer dazwischen und insgeheim hab ich nur eine Sorge, nämlich die, ob ich hier jemals lebend rausfinden werde. All meine Hoffnung, ich könnte noch auf dem rechten Weg sein schwindet, je öfter sich die Werkstätten, die mit an der Hauswand hängenden Auspuffen (wie heisst eigentlich der Plural von Auspuff?), LKW Reifen, Innen- und Aussenspiegeln und diversen anderen Autoteilen ihr Geschäft bewerben. Beängstigend finde ich dies nicht wirklich, vielmehr sind es die Michelin-Männer, die mit ölverschmierten Shirts, rabenschwarzen Shorts und nicht minder dunkler Gesichtsbemalung mit verschränkten Armen am Strassenrand stehen.
Der Verkehr stockt – mir der Atem – als es nur im Schritttempo voran geht und mir jeder dieser Hulks in schwarz ins Auto und Ausschnitt sehen kann. Ich wünsche mir verdunkelte Scheiben. Offensichtlich werden meine Stossgebete erhört und ich lande auf einem anderen Streckenabschnitt, auf welchem es zwar auch stockt, doch ich bin umgeben von Kleinwagen, die sich mühevoll ihren Weg durch die verstopften Strassen bahnen.
Nach 2 Stunden erreiche ich den Flughafen. Der Check-In ist gleich erledigt und ich eile zur Lounge, denn ich hätte da noch eine Kleinigkeit zu arbeiten. Und genau dazu sollte ich nicht mehr kommen, wie ich bald erfahren sollte.
Die Dame verwehrt mir den Zugang zur Lounge. Warum das so ist, ist gleich erklärt. Ich fliege nicht viel und nicht weit genug in der Weltgeschichte rum, als dass ich die entsprechende Karte hätte, die mir den Zugang zur Lounge verschafft hätte. Meine ist nur Silber und sie müsste Gold sein. Und der Flug ist diesmal Economy, denn kein Mensch kauft ne teure Business Karte für nen 2,5 Stunden Flug. Na gut, manche schon – ich nicht.
Ja nu, wenn das nicht ist, dann such ich mir eben ne Ecke mit WiFi und mach dann das, was ich zu tun habe. Doch der Flughafen scheint WiFilos zu sein. Weit und breit keine Möglichkeit, mich ans Web zu hängen.
Ich bin frustriert und entnervt und das einzige, was jetzt noch helfen könnte, ist ein eiskaltes Bier. Und so kehre ich bei der „Eisenbahn“ ein und trinke ein Eisenbahn-Bier. Ein bisschen Erdung ist auch nicht verkehrt und so folgt ein Telefonat mit Tuti. Schnell bin ich wieder auf dem Boden der Tatsachen und muss auch noch herzlich lachen, als sie mir erzählt, dass sie ihren Göttergatten am Valentinstag erst mal ordentlich runtergeputzt hat und dann auch noch einen ordentlichen Hundehaufen reingetreten ist und diesen dann auch noch – sorgfältig, wie sie nun mal ist – schön im Auto verteilt hat. Ich stelle beruhigt fest – es kann auch noch schlimmer kommen …
In Buenos Aires glüht der Planet. Mitternacht ist es, als ich dort ankomme und es herrscht noch immer eine Hitze, die mich auf der Stelle sterben lässt. Im Hotel dann erfrischende klimatisierte Luft und dann will ich eigentlich nur noch ins Zimmer. Das Hotel – total stylisch – liegt mitten in der Innenstadt, in Laufweite zur Arbeitsstelle. Das Zimmer, ebenfalls stylisch und verdammt kalt. Ja so geht das nun auch nicht. Also suche ich die Fernbedienung für die A/C, die nicht nur kalt, sondern auch verdammt laut ist. Allerdings kann ich sie nicht finden, was mich wieder dazu bewegt, den Weg zur Rezeption anzutreten, um dort mal nachzufragen (das Telefon funktionierte nicht).
Als ich dem Mann an der Dingens erzähle, was ich will, schaut er mich total entsetzt an und meint, er müsse dann aber die Anlage für’s ganze Stockwerk abstellen und wie ich mir das überhaupt vorstellen würde, wo es doch draussen gefühlte 50 Grad hätte.
Na gut, wenn Abstellen schon nicht geht, geht dann wenigstens ein anderes Zimmer, also kein so hysterisches, eines das nicht so einen Krach macht?
Ja, das geht und es ist in der Tat leiser, was allerdings kein Wunder ist, denn das erste Zimmer lag direkt neben dem Klimaanlagen-Maschinenraum …
Ausschalten lässt sich allerdings auch da nichts und mein Bett steht dummerweise so, dass ich genau im Zug liege. Was nun? Ich bin müde, ich will schlafen und eigentlich ist mir grad alles egal und so leg ich mich um. Doch es zieht, es ist kalt. Nein, so kann ich nicht schlafen. Und wenn ich nichts unter nehme, bin ich am nächsten Tag krank. So ziehe ich mir das einzige Longsleeve über, welches ich mitgenommen habe – doch sind wir mal ehrlich, wer braucht bei 40 Grad ein Longsleeve? – und leg mir noch ein Duschhandtuch über mich drüber, denn ich bin zu müde, um nun noch nach ner Decke zu verlagen. Buenas noches Argentina.
Der grosse Regen, der für Abkühlung ausserhalb meines Hotelzimmers sorgen soll, stellt sich am Donnerstag ab ein und zwar mit einer Heftigkeit, wie sie meine Welt noch nicht gesehen hat. Von St. Pauli bin ich ja schon einiges gewohnt, doch das, was sich mir dort bietet, übertrifft alles Dagewesene. Wie soll es auch anders sein. Frau Z. ist mittendrin statt nur dabei. Warum?
Weil darum.
Die Kollegen haben zum Get-Together eingeladen und damit wir wissen, wohin wir müssen, googeln wir uns die Richtung. Bill und ich inspizieren alles, alles ist klar und ich sag ihm nochmal, damit er es nicht vergisst, dass die Bar „Cooper“ (mit C) heisst. Es stürmt und windet, als ich das Hotel verlasse (selbstverständlich ohne Regenschirm) und laufe in die Richtung, die wir uns ergoogelt haben. Final destination: „Scooter“ in der Calle San Martin – Hausnummern finde ich, werden in der Regel überbewertet. Also, ich verlasse das Hotel, laufe nach links bis zur Kreuzung, dann 2 Blocks nach rechts und dann links einbiegen und da sollte es sein. Aber da war es nicht das „Scooter“. Es hiess doch Scooter? Wird schon stimmen, denke ich bei mir und laufe weiter. Auf Google sah das gar nicht so weit aus, und dass ich weitere Strassen zu überqueren hätte, war mir so klar nun auch wieder nicht. Also laufe ich gute 2 Blocks nach links und stehe vor einem Hotel und alles was danach kommt, ist mir zu dunkel. Der Mann an der Rezeption bietet mir an, mir die Adresse nochmal zu googeln. Ich tippe „Scooter Buenos Aires San Martin“ und kriege irgendwie nix Passendes. Ich tippe nur Scooter Buenos Aires. Das passt aber noch immer nicht und dann kommt der Regen und ich hänge fest.
Das ist mal wieder so typisch ich.
Ich stehe inzwischen unter dem Vordach des Hotels und warte darauf, dass die Sintflut nach mir kommt und versuche währenddessen dem Kollegen zu erklären, warum ich noch nicht im Scooter angekommen bin. Die Wahrheit kommt ans Licht, ich zurück zu Google und weiss dann endlich auch, welche Hausnummer das „Cooper“ hat … In der richtigen Strasse bin ich ja schon mal …
Es ist Freitag, ich checke aus, der Regen hat aufgehört und ich begebe mich mit Sack und Pack (zu Fuss) zur Arbeit. Es ist kompliziert, mit dem Trolley den Randsteinen, Schlaglöchern und fehlenden Bodenplatten auszuweichen. Doch ich schaff das, ich bin schon gross.
Unterwegs begegnen mir viele Menschen. Manche gehen zur Arbeit, andere tun es bereits. Sie fegen die Bürgersteige, sie bewässern sie. Wasserlieferanten beliefern mit Wasser, Gemüsehändler mit Gemüse und überhaupt bin ich total begeistert (mal wieder), wie viele gutaussehende Argentinier es doch gibt (und ich würde sie am liebsten alle mitnehmen und auf meine Couch setzen wollen).
Und plötzlich ist es da, diese kleine abschüssige Stück. Und gerade da hat kurz vorher ein Mensch den Gehweg gewaschen. Am Strassenrand stehen zwei dieser Männer, die ich am liebsten mitnehmen würde wollen, und unterhalten sich. Die Anzüge sitzen perfekt und alles passt wunderbar zu deren gebräunter Haut, den dunklen grossen Augen und den rabenschwarzen Haaren.
Ach …
Ach … Und ich? Ich verliere die Bodenhaftung auf dem abschüssigen Stück Strasse, mein rechtes Bein mag mich nicht mehr halten und versucht einstweilen Wasserschuh zu laufen … Ich habe keine Kontrolle mehr über meine Gliedmassen. Und das geht so: Mein rechtes Bein / rechter Fuss – was auch immer, wie auch immer – entgleitet nach hinten, der linke rutscht weiter nach vorne, der Rucksack, den ich auf dem Rücken trage, sorgt dafür, dass ich erst recht nach unten gezogen werde und der Trolley, den ich mit der Rechten hinter mir herziehe, vermag mich bergab zu überholen. Dies allerdings gelingt ihm nicht, denn während ich – ganz und gar nicht elfenhaft – zu Boden gehe, bohrt sich der lange Hebel in meine rechte Achselhöhle. Die Handtasche rutscht mir von der linken Schulter.
Pflicht und Kür habe ich mit Bravour gemeistert. A und B Note geben keinen Grund zur Beanstandung. Die beiden Herren sehen mich bestürzt an. Während ich im Spagat zu deren Füssen sitze, schaue ich – nicht minder bestürzt – nach oben. Ich will aufstehen, aber ich kann es nicht. Wie gelähmt sitze ich da unfähig, mich zu bewegen. Sie eilen mir zur Hilfe und beim Versuch, mich aus meiner verqueren Haltung zu befreien und mir aufzuhelfen, fällt einer der beiden vor mir auf die Knie.
Das ist aber auch verdammt glatt auf dieser Strasse.
Mir ist das alles mal wieder verdammt peinlich und ich muss an Carrie Bradshaw denken: „I fell. I fell in Dior. So I decided the more I purchased the less they'd think of me as the American who fell in Dior!“
I fell. I fell in Buenos Aires …
Don’t cry for me Argentina … Wir werden bestimmt nochmal das Vergnügen haben …
Jetzt flieg ich mal nach Hause und lass die Welt sich allein weiterdrehen.
Gehabt euch wohl,
Eure Jana.
Samstag, 18. Februar 2012
Sonntag, 12. Februar 2012
It hit me ...
… like a hammer !
Am Anfang mag man gar nicht von zu Hause weg. Man mag die liebgewonnen Freunde nicht zurück lassen oder gar die gewohnte Umgebung. Man kennt sich aus, man fühlt sich geborgen. Der ureigene Kokoon bietet Schutz vor der kalten, gemeinen und vor allem unbekannten Welt.
Doch die Weichen sind gestellt und schlussendlich muss ich mir eingestehen, dass mich niemand dazu geprügelt hat, mich ans andere Ende der Welt befördern zu lassen.
Und da bin ich nun. Auch fast ein ganzes Jahr später noch und nichts ist mehr so fremd, so gemein, so gefährlich. Auch wenn das Heimweh anfangs noch sehr plagte, weiss ich heute damit besser umzugehen. Es ist ja abzusehen, wann es wieder nach Hause, in die offenen Arme der Daheimgebliebenen geht. Und so vergehen und vergingen, Tag um Tag, Woche um Woche, Monat um Monat. Der Gedanke, hier in St. Pauli die Zelte abbrechen zu müssen, noch weit, weit weg. Ist ja noch Zeit, bis ich packen muss. Also, so final packen muss.
Doch da war dann dieser komische vergangene Freitag. Der Freitag, an dem ich mich mit dem kolumbianischen Freund und einem Kollegen in der Kneipe ums Eck verabredet habe. Ich bin die erste, die da ist, bestelle mir ein kühles Blondes und denke nach.
Denke darüber nach, dass schon am nächsten Wochenende dieser sagenumwobene Karneval im Land stattfinden wird. Denke darüber nach, wie wohl die ganze Organisation hinsichtlich meine Aufenthalts weiter- und vor allem ausgehen wird. Denke darüber nach, dass ich vor dem kommenden Deutschlandbesuch in der Brasileniencasa klar Schiff machen muss.
Klar Schiff.
Das bedeutet, unnötigen Ballast mitnehmen. Das Brasiliengut auf das Notwendigste reduzieren, was im Klartext heisst, nur noch die Klamotten hier zu behalten, die ich mehr oder minder am Leib trage. Die Aussteuer muss mit in den Koffer, in den Flieger, nach Hause. Vorbereitung für den Fall der Fälle …
Und dann trifft es mich mit voller Wucht.
Mir bleiben jetzt gerade mal noch 2 Wochen, bis ich nach D fliege. Wenn ich zurück komme, bleiben mir gerade mal noch gute drei Wochen, bis ich das Land, die Leute verlassen werde. Und dann wird mir plötzlich ganz schwer ums Herz, denn auch wenn ich hier an mancher Front habe kämpfen müssen, die ein oder andere persönliche Niederlage habe einstecken müssen, mir hier nicht immer alles ganz grün und koscher war, so realisiere ich in einem Bruchteil einer Sekunde, dass meine Stunden hier gezählt sind. Auf einmal tut mir das Herz weh, denn ich fange sofort an, den besten kolumbianischen Freund ever zu vermissen, seine frisch angetraute auch und Dani, die mir immer wieder eine Hilfe war. Kein Joggen mehr im Parque do Povo, keine Spontantreffen in der Bar ums Eck …
Das Gefühl, welches sich in mir breit macht, ist das gleiche, wie damals bevor ich aus meiner gewohnten Umgebung weg bin. Ja klar, ich freu mich wieder auf's Nachhausekommen, doch am Liebsten würde ich so manches / manchen doch mitnehmen wollen.
Gerade als ich versuche, diese Monsterkröte zu schlucken, trifft Schavier ein.
Wie so oft schon, teile ich auch diesmal meine Gedanken mit ihm und lass ihn daran teilhaben. Auf die Idee, dass ihn das genauso treffen könnte, wie mich, komme ich nicht. Ist ja klar, dass es nur mir irgendwie weh tut, gehen zu müssen …
Der andere Kollege kommt und wir wechseln das Thema. Ist auch gut, denn so denke ich mal noch ein paar Stunden nicht darüber nach …
Zu Hause angekommen, ereilt mich eine Nachricht des kolumbianischen Freundes, in welcher er mir mitteilt, dass er das jetzt mal so gar nicht glauben kann und will, dass es jetzt schon soweit sein soll … und dann klingelt das Telefon …
Es ist vorbei mit meiner Fassung, als der „Boyfriend“ dann sagt: „I will cry in the airport when you will leave!“
Ich glaub ich auch ...
Am Anfang mag man gar nicht von zu Hause weg. Man mag die liebgewonnen Freunde nicht zurück lassen oder gar die gewohnte Umgebung. Man kennt sich aus, man fühlt sich geborgen. Der ureigene Kokoon bietet Schutz vor der kalten, gemeinen und vor allem unbekannten Welt.
Doch die Weichen sind gestellt und schlussendlich muss ich mir eingestehen, dass mich niemand dazu geprügelt hat, mich ans andere Ende der Welt befördern zu lassen.
Und da bin ich nun. Auch fast ein ganzes Jahr später noch und nichts ist mehr so fremd, so gemein, so gefährlich. Auch wenn das Heimweh anfangs noch sehr plagte, weiss ich heute damit besser umzugehen. Es ist ja abzusehen, wann es wieder nach Hause, in die offenen Arme der Daheimgebliebenen geht. Und so vergehen und vergingen, Tag um Tag, Woche um Woche, Monat um Monat. Der Gedanke, hier in St. Pauli die Zelte abbrechen zu müssen, noch weit, weit weg. Ist ja noch Zeit, bis ich packen muss. Also, so final packen muss.
Doch da war dann dieser komische vergangene Freitag. Der Freitag, an dem ich mich mit dem kolumbianischen Freund und einem Kollegen in der Kneipe ums Eck verabredet habe. Ich bin die erste, die da ist, bestelle mir ein kühles Blondes und denke nach.
Denke darüber nach, dass schon am nächsten Wochenende dieser sagenumwobene Karneval im Land stattfinden wird. Denke darüber nach, wie wohl die ganze Organisation hinsichtlich meine Aufenthalts weiter- und vor allem ausgehen wird. Denke darüber nach, dass ich vor dem kommenden Deutschlandbesuch in der Brasileniencasa klar Schiff machen muss.
Klar Schiff.
Das bedeutet, unnötigen Ballast mitnehmen. Das Brasiliengut auf das Notwendigste reduzieren, was im Klartext heisst, nur noch die Klamotten hier zu behalten, die ich mehr oder minder am Leib trage. Die Aussteuer muss mit in den Koffer, in den Flieger, nach Hause. Vorbereitung für den Fall der Fälle …
Und dann trifft es mich mit voller Wucht.
Mir bleiben jetzt gerade mal noch 2 Wochen, bis ich nach D fliege. Wenn ich zurück komme, bleiben mir gerade mal noch gute drei Wochen, bis ich das Land, die Leute verlassen werde. Und dann wird mir plötzlich ganz schwer ums Herz, denn auch wenn ich hier an mancher Front habe kämpfen müssen, die ein oder andere persönliche Niederlage habe einstecken müssen, mir hier nicht immer alles ganz grün und koscher war, so realisiere ich in einem Bruchteil einer Sekunde, dass meine Stunden hier gezählt sind. Auf einmal tut mir das Herz weh, denn ich fange sofort an, den besten kolumbianischen Freund ever zu vermissen, seine frisch angetraute auch und Dani, die mir immer wieder eine Hilfe war. Kein Joggen mehr im Parque do Povo, keine Spontantreffen in der Bar ums Eck …
Das Gefühl, welches sich in mir breit macht, ist das gleiche, wie damals bevor ich aus meiner gewohnten Umgebung weg bin. Ja klar, ich freu mich wieder auf's Nachhausekommen, doch am Liebsten würde ich so manches / manchen doch mitnehmen wollen.
Gerade als ich versuche, diese Monsterkröte zu schlucken, trifft Schavier ein.
Wie so oft schon, teile ich auch diesmal meine Gedanken mit ihm und lass ihn daran teilhaben. Auf die Idee, dass ihn das genauso treffen könnte, wie mich, komme ich nicht. Ist ja klar, dass es nur mir irgendwie weh tut, gehen zu müssen …
Der andere Kollege kommt und wir wechseln das Thema. Ist auch gut, denn so denke ich mal noch ein paar Stunden nicht darüber nach …
Zu Hause angekommen, ereilt mich eine Nachricht des kolumbianischen Freundes, in welcher er mir mitteilt, dass er das jetzt mal so gar nicht glauben kann und will, dass es jetzt schon soweit sein soll … und dann klingelt das Telefon …
Es ist vorbei mit meiner Fassung, als der „Boyfriend“ dann sagt: „I will cry in the airport when you will leave!“
Ich glaub ich auch ...
Donnerstag, 9. Februar 2012
Bleiben Sie ruhig ...
… ich hole Hilfe !
Das glaubt mir mal wieder keiner, wenn ich jetzt berichte, was mir schon wieder passiert ist … Wie denn auch – ich glaub es selbst kaum.
Doch erst mal schön der Reihe nach, damit all das, was jetzt kommt auch eine (Un)Sinn ergibt.
Schon heute früh hatte ich das Gefühl, dass dieser Tag wohl nicht mein Freund werden wird. Jetzt ist es kurz vor 2100 und ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass dieser Tag wirklich nicht zu meinem Freund wurde.
Es war der Tag meines temporären Fahrverbotes und somit beschloss ich, den heutigen Vormittag dazu zu nutzen, endlich mal meine brasilianischen Geldgeschäfte wieder in Ordnung zu bringen (es ist ja nicht so, dass ich hier nicht auch im Minus war). Für mich die weltallerbeste Gelegenheit, endlich mal das „Automaten-Deposit“ auszuprobieren. Fabio, der Bankangestellte, wollte mir das vor grauer Urzeit mal gezeigt haben, doch seinerzeit scheiterte es daran, dass ich meine CPF (das ist die Nummer, ohne die man hier ein Niemand ist und vor allem auch ein Niemand bleibt) nicht dabei hatte. Heute früh hatte ich sie allerdings im Gepäck. Wild entschlossen stehe ich am ATM, ziehe die ersten 800 erlaubten Real. Danach schnappe ich mir einen Umschlag und vervollständige die Daten, die gefordert werden und meistere dies wie kaum eine Andere. Ich bin stolz auf mich.
Das allerdings hält nicht lange an, denn ich scheitere daran, den Umschlag ordnungsgemäss zu verschliessen. Da ist zunächst mal die portugiesische Anweisung, WIE ich das Ding zu schliessen haben. Dummerweise besteht diese Anweisung aus Vokabeln, die ich bislang nicht gelernt habe und ableiten kann ich sowieso nix. Bis heute glaubte ich allerdings auch, von 12 bis Mittag denken zu können und versuchte mich glauben zu machen, dass es doch nicht so schwer sein kann, die Zeichnung und die Zacken und und und so zusammenzubauen, dass der Umschlag so verschlossen ist, dass das Geld, welches ich bis dahin glaubte in einen Geldbriefkasten stecken zu müssen, nicht herausfallen kann. Ich scheitere kläglich. Stolz bin ich auch nicht mehr auf mich.
Stattdessen frage ich eine junge Dame (absichtlich in noch falscherem Portugiesisch), ob sie mir denn sagen kann, wie das geht. Es reicht völlig, wenn ich als dumme Gringa durchgehe, nicht aber als dumme und fehlerfrei portugiesisch sprechende Gringa.
Mit einer Engelsgeduld erklärt sie mir alles und am Ende der Prozesskette erfahre ich dann auch, dass es keinen Geldbriefkasten gibt, sondern der ATM einen Extraschlitz mit einem integrierten Laufband hat. Ähnlich wie beim Supermarkt an der Kasse, nur mit dem Unterschied, dass der Schlitz den Umschlag quasi „frisst“, wenn man ihm den Auftrag dazu gibt.
Irgendwie bin ich restlos begeistert und wünsche mir sowas auch bei meiner Bank in Deutschland, denn das Gute daran ist nicht nur das Gute darin, sondern schlicht und ergreifend die Tatsache, dass ich dazu KEINE Karte brauche.
Den zweiten Durchlauf schaffe ich allein und am Ende stellt sich wieder so ein klitzekleines Gefühl von Jetzt-darf-ich-aber-doch-ein-bisschen-stolz-auf-mich-sein ein.
Seit nunmehr 2 Wochen arbeite ich in einer Art „Aussenstelle“ meiner Firma und habe somit meine Kollegen, die weiterhin im – ich nenne es mal Stadtoffice – arbeiten, schon eine halbe Ewigkeit nicht gesehen. Da ich noch immer Zeit habe – ich darf noch immer nicht fahren – mach ich einen Abstecher in der Firma und betreibe ein bisschen „Fofoka“ (Gossiping auf portugiesisch). Ein Kaffee und noch einer und noch einer und dann packe ich noch ein bisschen Schokolade, die ich aus Deutschland für das Team in der „Aussenstelle“ zusammen. Schliessen wollen unsere strapazierten Nerven immer schön beruhigt werden.
Es ist verdammt heiss, als ich den Weg nach Hause antrete, um dort meinen Wagen und meine Arbeitsutensilien zu holen. Der Hunger lässt mich den Umweg über die Bäckerei an der Ecke machen und dann bin ich auch schon fast auf dem Weg nach Sao Bernardo de Campo (ca. 30 km einfache Fahrt). Während ich mich durch wieder dichter werdenden Verkehr schlängele, trinke ich meinen frisch gepressten O-Saft und esse das noch warme Butterbrötchen.
Mein Arbeitstag verläuft mehr oder minder ohne grössere Zwischenfälle und gegen 1800 beschliesse ich, den Strafzettel doch zu riskieren, denn seit 1700 dauerte mein zweites temporäres Fahrverbot des heutigen Tages an und sollte bis 2000 anhalten. Ich geb Gas und bin in Rekordzeit zu Hause. Ein gemütlicher Abend – man höre und staune OHNE Laufen – ein kühles Blondes und ein paar Sitcoms im TV. Früh schlafen gehen. So der Plan.
Zu Hause angekommen, erst mal was Gemütliches anziehen, was Kaltes trinken, noch 148713 Mails checken und dann auf dem Brasiliotensofa umlegen … Zuvor auf dem Tisch Schokolade und anderes Gesundes Zeug bereitstellen und dann kann’s losgehen.
Was ist da los?
Das MoiPäd hat mal wieder kein Signal. Sicher hat sich das Modem mal wieder verabschiedet. Ich sehe nach. Ui, es ist dunkel. Da blinkt noch nicht mal kleines grünes LED Lämplein. Doch nicht nur das. Der TV Receiver scheint auch aus zu sein. Hm, scheint wohl wieder der Strom ausgefallen zu sein – wird auch nur einen Moment dauern, dann kommt er wieder. So ist das immer. Ich warte einen Moment, doch nichts passiert. Hm, komisch ist das. Sehr komisch sogar. Um mir Klarheit zu verschaffen, wähle ich am Interfon die 100 und habe die Dame von der Eingangskontrolle am Ohr. Ich sage: „Ola, boa noite. Marijana de apartamento 1X4 – bloco 3 fala.” Die Dame sagt auch tudo bem und fragt, wie sie helfen kann. Ich sage dann: „Eu nao sei (also ich weiss nicht), mas aqui no apartamento nao tem electricidad (aber hier im Apartment gibt’s keinen Strom).“ Da sagt sie „eu sei“ (ich weiss). Schade, meine entglittenen Gesichtszüge kann sie nicht sehen. Ich frage: „Porque?“ Und dann erzählt sie mir, dass Elektropaulo (die heissen wirklich so) heute hier waren und mir den Strom abgedreht haben, da ich angeblich meine Rechnungen nicht bezahlt hätte.
Was bitte????
Ich fall fast vom Stuhl, auf dem ich grad mal nicht sitze. Gut, ich hatte zwar nicht immer Geld auf dem Konto und es gab ein paar Problemchen, doch ich habe IMMER pünktlich bezahlt. Jawoll ja, das hab ich. Und jetzt erzählen die mir was von ich hätte das nicht getan. Die Frau ist so nett und sucht mir irgendwelche Servicenummern von Eletropaulo raus und überlässt mich meinem Schicksal. Nun denn, ich glaube schon, das ein oder andere allein zu können, doch der Elektroschuh ist mir wohl doch ne Nummer zu gross. Ich schnappe mir Pass, CFP, RNE das Händie und mach mich auf den Weg zur Cristina – meine Condominio Administratorin. Ich werde sie bitten, ob sie mir nicht helfen kann beim Gespräch mit der Elektrizität.
Schon beim Betreten des Büros wird mir klar, dass die Gute schon längst bescheid weiss. Verdammt, wie peinlich ist das denn? Fast schon komm ich mir vor, wie wenn ich mit einem Bein im Gefängnis stehe. 15 Minuten später ist Cristina überzeugt, dass ich wirklich alles bezahlt hab, denn ich hab ihr meine Bankauszüge gezeigt und da war zu erkennen, dass in jedem Monat der Betrag überwiesen wurde. Cris ruft bei Elektropaulo an und erklärt, was passiert ist und dass ich eine Gringa bin und gaaaaanz wenig portufiesisch spreche und sie das nun in meinem Auftrag tut.
Mühsam wie Eichhörnchen arbeiten wir uns in meinem Fall nach vorne. Es gibt ja kein sogenanntes „Cadastro“ für mich, denn die Rechnungen, die ich allmonatlich bezahle laufen bzw. liefen noch immer auf den Namen der Vor-Vormieterin. Anfangs wunderte mich das auch, doch ich liess mir sagen, dass das wohl so in Ordnung sei. Auch gut. Cris macht das toll. Sie lässt sich nicht abwimmeln und bohrt so lange weiter, bis die Dame am anderen Ende, dann meine CPF, meine RNE und meinen Namen habwn will. Das, was normalerweise 2 Tage dauert, schafft ‚Cris in 40 Minuten. Ich hab mein eigenes Elektropaulo-Cadastro und bin total stolz auf Cris, die mir noch, während sie telefoniert, ein Glas Prosecco einschenkt und mir den Ventilator anmacht …
Im Laufe des Gespräches haben wir dann allerdings herausgefunden, dass die Vor-Vormieterin den Auftrag bei Elektropaulo gegeben hat, dass das alles gelöscht wird und da die Stromversorger davon ausgingen, dass die Brasileniencasa leer steht, haben sie kurzerhand den Strom abgedreht ohne Bescheid zu geben.
Tja, und nun sitze ich unten am Pool und lass mich fremdstromversorgen. Zumindest habe ich hier unten „Piscina-WiFi“, kann surfen und mir die Zeit vertreiben.
Meine Butterstulle (die ich mir im Dunkeln geschmiert hab)
hab ich inzwischen schon gegessen und trinke gerade noch mein eiskaltes Skol,
denn schlau, wie ich bin, habe ich das Bier bevor ich zu Cristina bin, im Gefrierfach verstaut, damit es auch wirklich kalt bleibt.
Und so geht wieder ein aufregender und ungewöhnlicher Tag zu Ende … und ich bin müde genug und leg mich gleich und lass die Welt sich allein drehen …
Gehabt Euch wohl,
Ich.
Das glaubt mir mal wieder keiner, wenn ich jetzt berichte, was mir schon wieder passiert ist … Wie denn auch – ich glaub es selbst kaum.
Doch erst mal schön der Reihe nach, damit all das, was jetzt kommt auch eine (Un)Sinn ergibt.
Schon heute früh hatte ich das Gefühl, dass dieser Tag wohl nicht mein Freund werden wird. Jetzt ist es kurz vor 2100 und ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass dieser Tag wirklich nicht zu meinem Freund wurde.
Es war der Tag meines temporären Fahrverbotes und somit beschloss ich, den heutigen Vormittag dazu zu nutzen, endlich mal meine brasilianischen Geldgeschäfte wieder in Ordnung zu bringen (es ist ja nicht so, dass ich hier nicht auch im Minus war). Für mich die weltallerbeste Gelegenheit, endlich mal das „Automaten-Deposit“ auszuprobieren. Fabio, der Bankangestellte, wollte mir das vor grauer Urzeit mal gezeigt haben, doch seinerzeit scheiterte es daran, dass ich meine CPF (das ist die Nummer, ohne die man hier ein Niemand ist und vor allem auch ein Niemand bleibt) nicht dabei hatte. Heute früh hatte ich sie allerdings im Gepäck. Wild entschlossen stehe ich am ATM, ziehe die ersten 800 erlaubten Real. Danach schnappe ich mir einen Umschlag und vervollständige die Daten, die gefordert werden und meistere dies wie kaum eine Andere. Ich bin stolz auf mich.
Das allerdings hält nicht lange an, denn ich scheitere daran, den Umschlag ordnungsgemäss zu verschliessen. Da ist zunächst mal die portugiesische Anweisung, WIE ich das Ding zu schliessen haben. Dummerweise besteht diese Anweisung aus Vokabeln, die ich bislang nicht gelernt habe und ableiten kann ich sowieso nix. Bis heute glaubte ich allerdings auch, von 12 bis Mittag denken zu können und versuchte mich glauben zu machen, dass es doch nicht so schwer sein kann, die Zeichnung und die Zacken und und und so zusammenzubauen, dass der Umschlag so verschlossen ist, dass das Geld, welches ich bis dahin glaubte in einen Geldbriefkasten stecken zu müssen, nicht herausfallen kann. Ich scheitere kläglich. Stolz bin ich auch nicht mehr auf mich.
Stattdessen frage ich eine junge Dame (absichtlich in noch falscherem Portugiesisch), ob sie mir denn sagen kann, wie das geht. Es reicht völlig, wenn ich als dumme Gringa durchgehe, nicht aber als dumme und fehlerfrei portugiesisch sprechende Gringa.
Mit einer Engelsgeduld erklärt sie mir alles und am Ende der Prozesskette erfahre ich dann auch, dass es keinen Geldbriefkasten gibt, sondern der ATM einen Extraschlitz mit einem integrierten Laufband hat. Ähnlich wie beim Supermarkt an der Kasse, nur mit dem Unterschied, dass der Schlitz den Umschlag quasi „frisst“, wenn man ihm den Auftrag dazu gibt.
Irgendwie bin ich restlos begeistert und wünsche mir sowas auch bei meiner Bank in Deutschland, denn das Gute daran ist nicht nur das Gute darin, sondern schlicht und ergreifend die Tatsache, dass ich dazu KEINE Karte brauche.
Den zweiten Durchlauf schaffe ich allein und am Ende stellt sich wieder so ein klitzekleines Gefühl von Jetzt-darf-ich-aber-doch-ein-bisschen-stolz-auf-mich-sein ein.
Seit nunmehr 2 Wochen arbeite ich in einer Art „Aussenstelle“ meiner Firma und habe somit meine Kollegen, die weiterhin im – ich nenne es mal Stadtoffice – arbeiten, schon eine halbe Ewigkeit nicht gesehen. Da ich noch immer Zeit habe – ich darf noch immer nicht fahren – mach ich einen Abstecher in der Firma und betreibe ein bisschen „Fofoka“ (Gossiping auf portugiesisch). Ein Kaffee und noch einer und noch einer und dann packe ich noch ein bisschen Schokolade, die ich aus Deutschland für das Team in der „Aussenstelle“ zusammen. Schliessen wollen unsere strapazierten Nerven immer schön beruhigt werden.
Es ist verdammt heiss, als ich den Weg nach Hause antrete, um dort meinen Wagen und meine Arbeitsutensilien zu holen. Der Hunger lässt mich den Umweg über die Bäckerei an der Ecke machen und dann bin ich auch schon fast auf dem Weg nach Sao Bernardo de Campo (ca. 30 km einfache Fahrt). Während ich mich durch wieder dichter werdenden Verkehr schlängele, trinke ich meinen frisch gepressten O-Saft und esse das noch warme Butterbrötchen.
Mein Arbeitstag verläuft mehr oder minder ohne grössere Zwischenfälle und gegen 1800 beschliesse ich, den Strafzettel doch zu riskieren, denn seit 1700 dauerte mein zweites temporäres Fahrverbot des heutigen Tages an und sollte bis 2000 anhalten. Ich geb Gas und bin in Rekordzeit zu Hause. Ein gemütlicher Abend – man höre und staune OHNE Laufen – ein kühles Blondes und ein paar Sitcoms im TV. Früh schlafen gehen. So der Plan.
Zu Hause angekommen, erst mal was Gemütliches anziehen, was Kaltes trinken, noch 148713 Mails checken und dann auf dem Brasiliotensofa umlegen … Zuvor auf dem Tisch Schokolade und anderes Gesundes Zeug bereitstellen und dann kann’s losgehen.
Was ist da los?
Das MoiPäd hat mal wieder kein Signal. Sicher hat sich das Modem mal wieder verabschiedet. Ich sehe nach. Ui, es ist dunkel. Da blinkt noch nicht mal kleines grünes LED Lämplein. Doch nicht nur das. Der TV Receiver scheint auch aus zu sein. Hm, scheint wohl wieder der Strom ausgefallen zu sein – wird auch nur einen Moment dauern, dann kommt er wieder. So ist das immer. Ich warte einen Moment, doch nichts passiert. Hm, komisch ist das. Sehr komisch sogar. Um mir Klarheit zu verschaffen, wähle ich am Interfon die 100 und habe die Dame von der Eingangskontrolle am Ohr. Ich sage: „Ola, boa noite. Marijana de apartamento 1X4 – bloco 3 fala.” Die Dame sagt auch tudo bem und fragt, wie sie helfen kann. Ich sage dann: „Eu nao sei (also ich weiss nicht), mas aqui no apartamento nao tem electricidad (aber hier im Apartment gibt’s keinen Strom).“ Da sagt sie „eu sei“ (ich weiss). Schade, meine entglittenen Gesichtszüge kann sie nicht sehen. Ich frage: „Porque?“ Und dann erzählt sie mir, dass Elektropaulo (die heissen wirklich so) heute hier waren und mir den Strom abgedreht haben, da ich angeblich meine Rechnungen nicht bezahlt hätte.
Was bitte????
Ich fall fast vom Stuhl, auf dem ich grad mal nicht sitze. Gut, ich hatte zwar nicht immer Geld auf dem Konto und es gab ein paar Problemchen, doch ich habe IMMER pünktlich bezahlt. Jawoll ja, das hab ich. Und jetzt erzählen die mir was von ich hätte das nicht getan. Die Frau ist so nett und sucht mir irgendwelche Servicenummern von Eletropaulo raus und überlässt mich meinem Schicksal. Nun denn, ich glaube schon, das ein oder andere allein zu können, doch der Elektroschuh ist mir wohl doch ne Nummer zu gross. Ich schnappe mir Pass, CFP, RNE das Händie und mach mich auf den Weg zur Cristina – meine Condominio Administratorin. Ich werde sie bitten, ob sie mir nicht helfen kann beim Gespräch mit der Elektrizität.
Schon beim Betreten des Büros wird mir klar, dass die Gute schon längst bescheid weiss. Verdammt, wie peinlich ist das denn? Fast schon komm ich mir vor, wie wenn ich mit einem Bein im Gefängnis stehe. 15 Minuten später ist Cristina überzeugt, dass ich wirklich alles bezahlt hab, denn ich hab ihr meine Bankauszüge gezeigt und da war zu erkennen, dass in jedem Monat der Betrag überwiesen wurde. Cris ruft bei Elektropaulo an und erklärt, was passiert ist und dass ich eine Gringa bin und gaaaaanz wenig portufiesisch spreche und sie das nun in meinem Auftrag tut.
Mühsam wie Eichhörnchen arbeiten wir uns in meinem Fall nach vorne. Es gibt ja kein sogenanntes „Cadastro“ für mich, denn die Rechnungen, die ich allmonatlich bezahle laufen bzw. liefen noch immer auf den Namen der Vor-Vormieterin. Anfangs wunderte mich das auch, doch ich liess mir sagen, dass das wohl so in Ordnung sei. Auch gut. Cris macht das toll. Sie lässt sich nicht abwimmeln und bohrt so lange weiter, bis die Dame am anderen Ende, dann meine CPF, meine RNE und meinen Namen habwn will. Das, was normalerweise 2 Tage dauert, schafft ‚Cris in 40 Minuten. Ich hab mein eigenes Elektropaulo-Cadastro und bin total stolz auf Cris, die mir noch, während sie telefoniert, ein Glas Prosecco einschenkt und mir den Ventilator anmacht …
Im Laufe des Gespräches haben wir dann allerdings herausgefunden, dass die Vor-Vormieterin den Auftrag bei Elektropaulo gegeben hat, dass das alles gelöscht wird und da die Stromversorger davon ausgingen, dass die Brasileniencasa leer steht, haben sie kurzerhand den Strom abgedreht ohne Bescheid zu geben.
Tja, und nun sitze ich unten am Pool und lass mich fremdstromversorgen. Zumindest habe ich hier unten „Piscina-WiFi“, kann surfen und mir die Zeit vertreiben.
Meine Butterstulle (die ich mir im Dunkeln geschmiert hab)
hab ich inzwischen schon gegessen und trinke gerade noch mein eiskaltes Skol,
denn schlau, wie ich bin, habe ich das Bier bevor ich zu Cristina bin, im Gefrierfach verstaut, damit es auch wirklich kalt bleibt.
Und so geht wieder ein aufregender und ungewöhnlicher Tag zu Ende … und ich bin müde genug und leg mich gleich und lass die Welt sich allein drehen …
Gehabt Euch wohl,
Ich.
Dienstag, 7. Februar 2012
Wer rastet ...
… der rostet !
Und mein kleines beschissenes Leben wäre nicht meines, wenn die Dinge mal normal und ohne Zwischenfälle laufen würden.
Zumindest komm ich in der Zwischenzeit endlich mal wieder an meine Melonen auf der Bank ran und brauch mir über Klimmzüge an der Brotschublade keine Gedanken machen. Angeblich aber sollte ich mir, da ich ja jetzt wieder an Geld komme, über Geschenke, die ich mitzubringen habe, Gedanken machen.
Pah, das werden wir noch sehen …
… und nicht nur das, sondern da flattert dann auch noch die Grossbestellung an „Doce de Leite“ ins Haus, die, so dies mein Gepäckzustand überhaupt zulässt, auszuführen ist.
Doch zurück zum Thema. Mein Leben und ich. Uns wird irgendwie nicht langweilig. Ich versuch das ja immer wieder, doch es will mir einfach nicht gelingen.
Heute früh beispielsweise musste ich mein Büro mal kurzzeitig ins Wohnzimmer auf’s Brasiliotensofa verlagern. Asien bat zur Telefonkonferenz und meist ist es so, dass wir diese im Schlafanzug abhalten können. Ich, weil ich gerade aufgestanden bin und die Asiaten, weil sie fast schon wieder ins Bett gehen. Nur die Europäer haben den Schlips an.
Doch wie gesagt, ich hab den Schlafi, bzw. den Hauch von nichts an, während ich mich im Liegen sitzend mit einer Tasse Kaffee auf die Telco vorbereite. Es kam, wie es kommen musste. Kaffeeflecken sind mindestens genauso lästig, wie Rotweinflecken, aber sie sind definitiv heisser …
Mein Rechner geht noch, mein rechter Oberschenkel hat nen Brandfleck und ich bin völlig durch den Wind.
Völlig aus dem Konzept und total ausserhalb meines üblichen Zeitplanes schiebe ich mich nach der Konferenz in die Dusche. Viel, viel später als üblich mache ich mich auf den Weg zur Arbeit. In meiner Linken halte ich einen Stapel Dinge geformt aus Portemonnaie, Mobiltelefonen, Crackern und Autoschlüssel, die Rechte bleibt frei und über der Schulter baumelt der Rucksack. Ich verlasse die Brasiliotencasa und rufe mir den Fahrstuhl. Unterwegs forme ich schon mal die Sätze des Besprechungsprotokolls, die ich, sobald ich den Schreibtisch erreiche, niederschreiben und verteilen möchte. Auf Niveau -2 steht mein Wagen. Ich verstaue alles ordentlich und bevor ich mich in Versuchung führe, meinen Hausschlüssel zu verlieren, beschliesse ich, diesen gleich im Rucksack am Karabinerhaken zu befestigen. Bei dieser Gelegenheit fällt mir auf, dass ich den Rechner in der Wohnung vergessen habe und so bleibt mir nichts anderes übrig, als den Weg nach oben wieder anzutreten.
19 Stockwerke später stehe ich vor meiner Wohnungstür, komme aber nicht rein, da ich in der Hand nur den Autoschlüssel halte. Ist auch klar, denn der Wohnungsschlüssel hängt am Karabiner im Rucksack unten im Auto. In der Zwischenzeit sind auch andere Mi(e)tbewohner auf dem Weg zur Arbeit und somit dauert es doppelt so lange, bis der Fahrstuhl wieder da ist. Während ich so warte, versuche ich zu rekonstruieren, was ich mir für mein Protokoll zurechtgelegt habe, doch die tollen Sätze wollen mir nun nicht mehr einfallen und so überlege ich von vorne, wie ich das schreiben will, damit der Chef auch versteht, um was es geht.
Völlig verloren in Raum und Zeit erreiche ich den Wagen wieder, steige ein, starte und fahre los. Der nette Mann von der Security winkt freundlich, lächelt mich an und schiebe mich mit dem Celta in den Verkehr. Doch war da nicht noch was? Warum bin ich nochmal mit dem Fahrstuhl gefahren? Sack und Asche … Das Notebook !!!
Und so schiebe ich mich weiter durch den Verkehr bis zur Ampel um die Ecke ums Quadrat zurück auf meinen Parkplatz. Zur Abwechslung mal denke ich an den Wohnungsschlüssel BEVOR ich hoch fahre. Schnell isses geschnappt das Notebook, der Fahrstuhl wartet sogar noch auf meinem Stockwerk und ganz fix bin ich wieder am Wagen. Den Rechner verstaue ich im Rucksack und befestige den Schlüssel wieder am Karabiner.
Als der Schlüssel plötzlich nicht mehr ins Schloss passt und folglich das Auto auch nicht mehr starten möchte, wundert mich nichts mehr. Im ersten Moment bin ich total von der Rolle, denn wo kann ich auf diesem kurzen Weg denn jetzt noch den Autoschlüssel verloren haben, zumal ich ihn kurz vorher noch gehabt haben muss, denn ansonsten hätte ich das Gefährt ja gar nicht erst aufschliessen können. Geradeaus denken kann ich schon gar nicht mehr und so dauert es eine Ewigkeit, bis mir der Karabinerhaken im Rucksack einfällt.
Irgendwann bin ich dann endlich auf dem Weg. Der Verkehr ist wieder dichter, denn es geht auf 1000 zu und so langsam dürfen jene Nummernschilder, die auf 3 und 4 enden auch wieder fahren. Ich erreiche die Kreuzung, an welcher ich nach links abbiegen muss. Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt, dass die Brasilioten von der Linksabbiegerspur dann erst mal noch komplett nach rechts abbiegen oder umgekehrt oder sie wollen einfach nur geradeaus fahren und dann bleibt mir, als ordentlichem Linksabbieger erst mal nichts anderes übrig, als die Lage sorgfältig zu sondieren.
Das Auto links macht den Anschein, als wolle es geradeausfahren wollen, während sich der Hintermann auf die nicht vorhandene Zwischenspur zum Linksabbiegen drängt. Das Motorrad hinten kommt mit einem Affenzahn zwischen den stehenden Autos durchgeschossen. Noch erschliesst es sich mir nicht ganz, wohin es will. Während ich das herauszufinden versuche, bewege ich mich ganz langsam, mit leichtem Linksdrall auf die Kreuzung zu. Ich schaffe es, ohne mit irgendeinem Fahrzeug zu kollidieren, mich mehr schlecht als recht einzuordnen und nun stehe ich in einem Zwischenstück der Kreuzung. Ich hab das mal aufgemalt, damit ihr euch das auch vorstellen könnt.
Also, da steh ich nun in oder auf diesem Zwischenstück. Der Wagen links neben mir will auch geradeaus. Doch die Ampelphase ist inzwischen wieder rot, bei den anderen grün und ich kann mich nicht von der Stelle bewegen. Bin eingekesselt von falschfahrenden Brasilienautos und schwitze Blut und Wasser, ob ich hier jemals wieder lebend rauskomme. Zugegeben, etwas bedroht fühle ich mich schon …
Jeder will raus aus der Kreuzung, denn die Rot-Grün-Phase hat grad wieder gewechselt. Mit wildem Rumgefuchtel gebe ich den anderen um mich herum zu verstehen, dass ich „nur“ geradeaus fahren will. Kurzzeitig bin ich aber auch geneigt, mir einfach nur die Augen zuzuhalten und ganz laut zu singen anzufangen …
Lange Rede kurz: Ich liebe Tage wie diese …
Doch das war für heute mal noch nicht alles … Es geht um meinen Aufenthalt in Südamerika …
Doch bevor ich hier nun das zum Besten gebe, wie der Stand der Dinge ist, warte ich mal besser noch, denn das, was ich heute schreibe, mag morgen vermutlich nicht mehr gültig sein … Daher warte ich mal noch ein wenig, bevor ich mich dazu äussere …
Nichts ist so beständig wie der Wechsel …
… oder war’s der Wandel?
Ach mir doch egal, ich leg mich hin und lass die Welt sich allein weiterdrehen … ;)
Gehabt euch wohl,
Ich.
Und mein kleines beschissenes Leben wäre nicht meines, wenn die Dinge mal normal und ohne Zwischenfälle laufen würden.
Zumindest komm ich in der Zwischenzeit endlich mal wieder an meine Melonen auf der Bank ran und brauch mir über Klimmzüge an der Brotschublade keine Gedanken machen. Angeblich aber sollte ich mir, da ich ja jetzt wieder an Geld komme, über Geschenke, die ich mitzubringen habe, Gedanken machen.
Pah, das werden wir noch sehen …
… und nicht nur das, sondern da flattert dann auch noch die Grossbestellung an „Doce de Leite“ ins Haus, die, so dies mein Gepäckzustand überhaupt zulässt, auszuführen ist.
Doch zurück zum Thema. Mein Leben und ich. Uns wird irgendwie nicht langweilig. Ich versuch das ja immer wieder, doch es will mir einfach nicht gelingen.
Heute früh beispielsweise musste ich mein Büro mal kurzzeitig ins Wohnzimmer auf’s Brasiliotensofa verlagern. Asien bat zur Telefonkonferenz und meist ist es so, dass wir diese im Schlafanzug abhalten können. Ich, weil ich gerade aufgestanden bin und die Asiaten, weil sie fast schon wieder ins Bett gehen. Nur die Europäer haben den Schlips an.
Doch wie gesagt, ich hab den Schlafi, bzw. den Hauch von nichts an, während ich mich im Liegen sitzend mit einer Tasse Kaffee auf die Telco vorbereite. Es kam, wie es kommen musste. Kaffeeflecken sind mindestens genauso lästig, wie Rotweinflecken, aber sie sind definitiv heisser …
Mein Rechner geht noch, mein rechter Oberschenkel hat nen Brandfleck und ich bin völlig durch den Wind.
Völlig aus dem Konzept und total ausserhalb meines üblichen Zeitplanes schiebe ich mich nach der Konferenz in die Dusche. Viel, viel später als üblich mache ich mich auf den Weg zur Arbeit. In meiner Linken halte ich einen Stapel Dinge geformt aus Portemonnaie, Mobiltelefonen, Crackern und Autoschlüssel, die Rechte bleibt frei und über der Schulter baumelt der Rucksack. Ich verlasse die Brasiliotencasa und rufe mir den Fahrstuhl. Unterwegs forme ich schon mal die Sätze des Besprechungsprotokolls, die ich, sobald ich den Schreibtisch erreiche, niederschreiben und verteilen möchte. Auf Niveau -2 steht mein Wagen. Ich verstaue alles ordentlich und bevor ich mich in Versuchung führe, meinen Hausschlüssel zu verlieren, beschliesse ich, diesen gleich im Rucksack am Karabinerhaken zu befestigen. Bei dieser Gelegenheit fällt mir auf, dass ich den Rechner in der Wohnung vergessen habe und so bleibt mir nichts anderes übrig, als den Weg nach oben wieder anzutreten.
19 Stockwerke später stehe ich vor meiner Wohnungstür, komme aber nicht rein, da ich in der Hand nur den Autoschlüssel halte. Ist auch klar, denn der Wohnungsschlüssel hängt am Karabiner im Rucksack unten im Auto. In der Zwischenzeit sind auch andere Mi(e)tbewohner auf dem Weg zur Arbeit und somit dauert es doppelt so lange, bis der Fahrstuhl wieder da ist. Während ich so warte, versuche ich zu rekonstruieren, was ich mir für mein Protokoll zurechtgelegt habe, doch die tollen Sätze wollen mir nun nicht mehr einfallen und so überlege ich von vorne, wie ich das schreiben will, damit der Chef auch versteht, um was es geht.
Völlig verloren in Raum und Zeit erreiche ich den Wagen wieder, steige ein, starte und fahre los. Der nette Mann von der Security winkt freundlich, lächelt mich an und schiebe mich mit dem Celta in den Verkehr. Doch war da nicht noch was? Warum bin ich nochmal mit dem Fahrstuhl gefahren? Sack und Asche … Das Notebook !!!
Und so schiebe ich mich weiter durch den Verkehr bis zur Ampel um die Ecke ums Quadrat zurück auf meinen Parkplatz. Zur Abwechslung mal denke ich an den Wohnungsschlüssel BEVOR ich hoch fahre. Schnell isses geschnappt das Notebook, der Fahrstuhl wartet sogar noch auf meinem Stockwerk und ganz fix bin ich wieder am Wagen. Den Rechner verstaue ich im Rucksack und befestige den Schlüssel wieder am Karabiner.
Als der Schlüssel plötzlich nicht mehr ins Schloss passt und folglich das Auto auch nicht mehr starten möchte, wundert mich nichts mehr. Im ersten Moment bin ich total von der Rolle, denn wo kann ich auf diesem kurzen Weg denn jetzt noch den Autoschlüssel verloren haben, zumal ich ihn kurz vorher noch gehabt haben muss, denn ansonsten hätte ich das Gefährt ja gar nicht erst aufschliessen können. Geradeaus denken kann ich schon gar nicht mehr und so dauert es eine Ewigkeit, bis mir der Karabinerhaken im Rucksack einfällt.
Irgendwann bin ich dann endlich auf dem Weg. Der Verkehr ist wieder dichter, denn es geht auf 1000 zu und so langsam dürfen jene Nummernschilder, die auf 3 und 4 enden auch wieder fahren. Ich erreiche die Kreuzung, an welcher ich nach links abbiegen muss. Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt, dass die Brasilioten von der Linksabbiegerspur dann erst mal noch komplett nach rechts abbiegen oder umgekehrt oder sie wollen einfach nur geradeaus fahren und dann bleibt mir, als ordentlichem Linksabbieger erst mal nichts anderes übrig, als die Lage sorgfältig zu sondieren.
Das Auto links macht den Anschein, als wolle es geradeausfahren wollen, während sich der Hintermann auf die nicht vorhandene Zwischenspur zum Linksabbiegen drängt. Das Motorrad hinten kommt mit einem Affenzahn zwischen den stehenden Autos durchgeschossen. Noch erschliesst es sich mir nicht ganz, wohin es will. Während ich das herauszufinden versuche, bewege ich mich ganz langsam, mit leichtem Linksdrall auf die Kreuzung zu. Ich schaffe es, ohne mit irgendeinem Fahrzeug zu kollidieren, mich mehr schlecht als recht einzuordnen und nun stehe ich in einem Zwischenstück der Kreuzung. Ich hab das mal aufgemalt, damit ihr euch das auch vorstellen könnt.
Also, da steh ich nun in oder auf diesem Zwischenstück. Der Wagen links neben mir will auch geradeaus. Doch die Ampelphase ist inzwischen wieder rot, bei den anderen grün und ich kann mich nicht von der Stelle bewegen. Bin eingekesselt von falschfahrenden Brasilienautos und schwitze Blut und Wasser, ob ich hier jemals wieder lebend rauskomme. Zugegeben, etwas bedroht fühle ich mich schon …
Jeder will raus aus der Kreuzung, denn die Rot-Grün-Phase hat grad wieder gewechselt. Mit wildem Rumgefuchtel gebe ich den anderen um mich herum zu verstehen, dass ich „nur“ geradeaus fahren will. Kurzzeitig bin ich aber auch geneigt, mir einfach nur die Augen zuzuhalten und ganz laut zu singen anzufangen …
Lange Rede kurz: Ich liebe Tage wie diese …
Doch das war für heute mal noch nicht alles … Es geht um meinen Aufenthalt in Südamerika …
Doch bevor ich hier nun das zum Besten gebe, wie der Stand der Dinge ist, warte ich mal besser noch, denn das, was ich heute schreibe, mag morgen vermutlich nicht mehr gültig sein … Daher warte ich mal noch ein wenig, bevor ich mich dazu äussere …
Nichts ist so beständig wie der Wechsel …
… oder war’s der Wandel?
Ach mir doch egal, ich leg mich hin und lass die Welt sich allein weiterdrehen … ;)
Gehabt euch wohl,
Ich.
Donnerstag, 2. Februar 2012
Finanzkrise ...
… deluxe !
Brasilenien hatte bislang wirklich viel zu bieten, doch dass Bankangelegenheiten so unerschöpflich sind, hätte ich nun wirklich nicht zu glauben vermocht. Doch es sei wie es ist und da ich euch bisher immer über meine Bankgeschäfte im Bilde gehalten habe, möchte ich euch nun die neuesten Entwicklungen an dieser Front nicht vorenthalten.
Das wirklich kleinere Übel diesmal war die Firmenkreditkarte. Diese musste nämlich gegen die eines anderen Anbieters gewechselt werden. Da ich den Antrag rechtzeitig beim letzten Besuch in Deutschland stellte, wurde diese auch pünktlich zugestellt. Samt Geheimnummer, versteht sich.
Erfolgreich konnte ich die Karte aktivieren und auch schon erfolgreich einsetzen. Die einzige Einbusse: ich habe einen kleineren Kreditrahmen, als mit der alten noch, doch das ist nicht mehr ganz so tragisch, da ja auch die Ausgaben ein klein wenig geschrumpft sind.
Also davon geh ich jetzt ganz einfach mal aus, dass das der Fall ist … bzw. sein wird.
Ach, und benutzt habe ich die neue Karte inzwischen auch.
Anders jedoch gestaltete es sich mit meiner EC Karte in Deutschland. Bargeldloser Mensch, der ich nun mal bin, ist mein Plastikgeld dauerhaft im Einsatz. Im Dezember habe ich noch die letzte Onlineüberweisung von meinem Gehaltskonto auf das Schwarzgeldkonto vorgenommen und gut war. Aus den Vollen hab ich dann von dem anderen Konto geschöpft und mich nicht weiter um den Rest gekümmert. Begeistert bin ich noch immer, dass ich selbst nicht den Überblick über all meine Konten, nicht Konten, Schwarzkonten, Tagesgeldkonten, Girokonten, Gehaltskonten und was weiss ich nicht noch alles, verloren habe.
Kurz nach meiner Ankunft in Good Old begebe ich mich zum Supermarkt, denn der Kühlschrank will zumindest ein klein wenig gefüllt werden. Auch hatte ich mir im Vorfeld schon mal Gedanken darüber gemacht, was ich alles für meinen Nichtgeburtstag einzukaufen habe und somit blieb es nicht aus, dass ich den Einkaufswagen schon mal mit jenen Dingen vollud, die mir so in den Sinn kamen. Ich weiss auch nicht wie, doch es wanderten immer mehr Dinge in den Einkaufswagen und als es eine halbe Ewigkeit dauerte, bis ich alles auf’s Band gelegt habe, war mir auch schlagartig klar, dass es sicher nicht billig werden würde …
An der Kasse, nach erfolgreichem Scannen der Waren, dann die Frage, ob ich bar oder mit Karte würde zahlen wollen. Mit Karte selbstverständlich.
Was folgt, ist ein Automatismus, über den ich gar nicht mehr nachdenke. Portemonnaie auf, Karte raus, in die richtige Richtung drehen (Magnetstreifen hinten links), einrasten lassen, kurz warten, Geheimzahl eintippen, grüne Bestätigungstaste drücken, Zahlung erfolgt, Bitte Karte entnehmen.
Mein erster Fehler unterläuft mir, als ich nicht die Geheimnummer der EC Karte, sondern die Geheimnummer des Brasiliotenkontos eingebe. Mööööp. Verloren. Ein neuer Versuch. Ich halte kurz inne, versuche mich an die richtige Nummer zu erinnern. Mein Finger tippt und tippt richtig. Doch nix war’s mit Zahlung erfolgt und so. Karte abgelaufen.
Wie jetzt? Seit wann das denn? Ich hab doch erst vor ein paar Tagen ne Überweisung gemacht … „Vor ein paar Tagen“ war noch Anfang Dezember und ein Blick auf die EC Karte gibt bekannt, dass die Karte auch nur bis Dezember gültig war. Hier war’s also, des Rätsels Lösung. Mit der anderen EC Karte kann ich mir behelfen, rutsche aber ins Minus, weil auf dem Konto mal so gar kein Guthaben drauf ist. Wie schlecht ist das eigentlich? Da hat man Geld und macht bei der Bank Schulden, nur weil man da, wo Geld ist, nicht rankommt.
Böse, böse Bank. Haben die mir einfach keine neue Karte rechtzeitig zugeschickt. In der Post war bei den letzten elfundachtzig Besuchen nichts und ich war ja bestimmt 2 mal in Deutschland seit Oktober!
Am nächsten Morgen rufe ich bei meiner Bankfrau an, wild entschlossen, bitter-bitterböse zu klingen und mich zu beschweren, dass …
Und dann small-talken wir zuerst und ich beschliesse, dass Wut nicht gut ist und so bestelle ich einfach eine neue Karte und hoffe, dass diese noch in der Woche, in der ich zu Hause bin, auch ankommt. Und schlau war ich noch dazu, denn ich habe direkt Tuti’s Adresse angegeben, so dass der Nachsendeantrag nicht greifen muss. 8-10 Tage sagte mir die Frau am Telefon, meist geht’s aber schneller.
Schnell ist anders und in der Zwischenzeit bin ich wieder in Brasilenien gelandet – natürlich ohne Karte. Neues Geld kam inzwischen auf das Konto, auf das ich nicht zugreifen kann, beim anderen kann ich nur aus dem Leeren schöpfen. Doch irgendwann muss ich die Löcher auf dem Plastikgeldkärtchen auch stopfen und so wäre es gar nicht ungeschickt, wenn ich zumindest in absehbarer Bälde wieder im Besitz der Karte wäre und somit eine Onlinebanking Session einlegen könnte.
Diese Woche Dienstag dann rufe ich wieder bei der Bankfrau an. Ratlosigkeit am anderen Ende. Frau Z., sagt sie, ich kann das gar nicht verstehen und überhaupt und sowieso und lassen Sie mich bitte prüfen und ich rufe Sie wieder zurück.
Genau das tat sie auch und dann stellte sich heraus, dass der Fehler nicht im System war, sondern schlicht und ergreifend davor sass. Die Gute hat vergessen, nach unserem Telefonat in Deutschland, die Bestellung abzuschicken und somit dümpelte die Anfrage unbearbeitet im System der Bank. Tja, so kann das natürlich nichts werden.
Wenn ich so drüber nachdenke, muss ich lachen, denn sie entschuldigte sich per Mail nochmals für das Versäumnis mit dem kleinen Hinweis, sie hätte nun wirklich keine internationale Finanzkrise lostreten wollen.
Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass das Kärtlein bald ankommt, die Pipeline in Good Old gut funktioniert und ich nächste Woche dann endlich meinen Finanzhaushalt wieder in Ordnung bringen und nicht noch drastische Sparmassnahmen ansetzen muss …
Gehabt euch wohl,
Eure Jana
Brasilenien hatte bislang wirklich viel zu bieten, doch dass Bankangelegenheiten so unerschöpflich sind, hätte ich nun wirklich nicht zu glauben vermocht. Doch es sei wie es ist und da ich euch bisher immer über meine Bankgeschäfte im Bilde gehalten habe, möchte ich euch nun die neuesten Entwicklungen an dieser Front nicht vorenthalten.
Das wirklich kleinere Übel diesmal war die Firmenkreditkarte. Diese musste nämlich gegen die eines anderen Anbieters gewechselt werden. Da ich den Antrag rechtzeitig beim letzten Besuch in Deutschland stellte, wurde diese auch pünktlich zugestellt. Samt Geheimnummer, versteht sich.
Erfolgreich konnte ich die Karte aktivieren und auch schon erfolgreich einsetzen. Die einzige Einbusse: ich habe einen kleineren Kreditrahmen, als mit der alten noch, doch das ist nicht mehr ganz so tragisch, da ja auch die Ausgaben ein klein wenig geschrumpft sind.
Also davon geh ich jetzt ganz einfach mal aus, dass das der Fall ist … bzw. sein wird.
Ach, und benutzt habe ich die neue Karte inzwischen auch.
Anders jedoch gestaltete es sich mit meiner EC Karte in Deutschland. Bargeldloser Mensch, der ich nun mal bin, ist mein Plastikgeld dauerhaft im Einsatz. Im Dezember habe ich noch die letzte Onlineüberweisung von meinem Gehaltskonto auf das Schwarzgeldkonto vorgenommen und gut war. Aus den Vollen hab ich dann von dem anderen Konto geschöpft und mich nicht weiter um den Rest gekümmert. Begeistert bin ich noch immer, dass ich selbst nicht den Überblick über all meine Konten, nicht Konten, Schwarzkonten, Tagesgeldkonten, Girokonten, Gehaltskonten und was weiss ich nicht noch alles, verloren habe.
Kurz nach meiner Ankunft in Good Old begebe ich mich zum Supermarkt, denn der Kühlschrank will zumindest ein klein wenig gefüllt werden. Auch hatte ich mir im Vorfeld schon mal Gedanken darüber gemacht, was ich alles für meinen Nichtgeburtstag einzukaufen habe und somit blieb es nicht aus, dass ich den Einkaufswagen schon mal mit jenen Dingen vollud, die mir so in den Sinn kamen. Ich weiss auch nicht wie, doch es wanderten immer mehr Dinge in den Einkaufswagen und als es eine halbe Ewigkeit dauerte, bis ich alles auf’s Band gelegt habe, war mir auch schlagartig klar, dass es sicher nicht billig werden würde …
An der Kasse, nach erfolgreichem Scannen der Waren, dann die Frage, ob ich bar oder mit Karte würde zahlen wollen. Mit Karte selbstverständlich.
Was folgt, ist ein Automatismus, über den ich gar nicht mehr nachdenke. Portemonnaie auf, Karte raus, in die richtige Richtung drehen (Magnetstreifen hinten links), einrasten lassen, kurz warten, Geheimzahl eintippen, grüne Bestätigungstaste drücken, Zahlung erfolgt, Bitte Karte entnehmen.
Mein erster Fehler unterläuft mir, als ich nicht die Geheimnummer der EC Karte, sondern die Geheimnummer des Brasiliotenkontos eingebe. Mööööp. Verloren. Ein neuer Versuch. Ich halte kurz inne, versuche mich an die richtige Nummer zu erinnern. Mein Finger tippt und tippt richtig. Doch nix war’s mit Zahlung erfolgt und so. Karte abgelaufen.
Wie jetzt? Seit wann das denn? Ich hab doch erst vor ein paar Tagen ne Überweisung gemacht … „Vor ein paar Tagen“ war noch Anfang Dezember und ein Blick auf die EC Karte gibt bekannt, dass die Karte auch nur bis Dezember gültig war. Hier war’s also, des Rätsels Lösung. Mit der anderen EC Karte kann ich mir behelfen, rutsche aber ins Minus, weil auf dem Konto mal so gar kein Guthaben drauf ist. Wie schlecht ist das eigentlich? Da hat man Geld und macht bei der Bank Schulden, nur weil man da, wo Geld ist, nicht rankommt.
Böse, böse Bank. Haben die mir einfach keine neue Karte rechtzeitig zugeschickt. In der Post war bei den letzten elfundachtzig Besuchen nichts und ich war ja bestimmt 2 mal in Deutschland seit Oktober!
Am nächsten Morgen rufe ich bei meiner Bankfrau an, wild entschlossen, bitter-bitterböse zu klingen und mich zu beschweren, dass …
Und dann small-talken wir zuerst und ich beschliesse, dass Wut nicht gut ist und so bestelle ich einfach eine neue Karte und hoffe, dass diese noch in der Woche, in der ich zu Hause bin, auch ankommt. Und schlau war ich noch dazu, denn ich habe direkt Tuti’s Adresse angegeben, so dass der Nachsendeantrag nicht greifen muss. 8-10 Tage sagte mir die Frau am Telefon, meist geht’s aber schneller.
Schnell ist anders und in der Zwischenzeit bin ich wieder in Brasilenien gelandet – natürlich ohne Karte. Neues Geld kam inzwischen auf das Konto, auf das ich nicht zugreifen kann, beim anderen kann ich nur aus dem Leeren schöpfen. Doch irgendwann muss ich die Löcher auf dem Plastikgeldkärtchen auch stopfen und so wäre es gar nicht ungeschickt, wenn ich zumindest in absehbarer Bälde wieder im Besitz der Karte wäre und somit eine Onlinebanking Session einlegen könnte.
Diese Woche Dienstag dann rufe ich wieder bei der Bankfrau an. Ratlosigkeit am anderen Ende. Frau Z., sagt sie, ich kann das gar nicht verstehen und überhaupt und sowieso und lassen Sie mich bitte prüfen und ich rufe Sie wieder zurück.
Genau das tat sie auch und dann stellte sich heraus, dass der Fehler nicht im System war, sondern schlicht und ergreifend davor sass. Die Gute hat vergessen, nach unserem Telefonat in Deutschland, die Bestellung abzuschicken und somit dümpelte die Anfrage unbearbeitet im System der Bank. Tja, so kann das natürlich nichts werden.
Wenn ich so drüber nachdenke, muss ich lachen, denn sie entschuldigte sich per Mail nochmals für das Versäumnis mit dem kleinen Hinweis, sie hätte nun wirklich keine internationale Finanzkrise lostreten wollen.
Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass das Kärtlein bald ankommt, die Pipeline in Good Old gut funktioniert und ich nächste Woche dann endlich meinen Finanzhaushalt wieder in Ordnung bringen und nicht noch drastische Sparmassnahmen ansetzen muss …
Gehabt euch wohl,
Eure Jana
Samstag, 7. Januar 2012
Du bist keine Schönheit, vor Arbeit ganz grau ...
… Du liebst Dich ohne Schminke, bist 'ne ehrliche Haut !
Nein, dies ist keine Hommage an Bochum. Doch beim Gedanken an diese „meine“ Stadt und den gestrigen Tag spukt mir diese Liedpassage im Kopf herum.
„Bist 'ne ehrliche Haut“ - tja, das hätte ich vor einigen Monaten sicherlich nicht blind unterschreiben wollen, hätte ich dies über, für und mit Sao Paulo tun sollen. Was ist passiert?
Also, das geht so:
Freitag, mein letzter Urlaubstag. Das Wetter – naja, etwas gräulich, hin und wieder ein bisschen Sonne. Am Abend zu vor Gewitter.
Ich halte es ein bisschen wie Nena (Auszug aus dem Lied: Na und):
Im Schlafanzug fühl ich mich so geborgen
Ich male mir die Zehennägel bunt
Waschen werd ich mich erst wieder morgen
Heute will ich gar nicht sauber sein - na und?
Ich male mir die Zehennägel bunt
Waschen werd ich mich erst wieder morgen
Heute will ich gar nicht sauber sein - na und?
Na, na, na, na, na... na und?
Und ich guck im Fernsehen alle Serien
Die Werbung und den ganzen anderen Schund
Und ich fühle mich wie früher in den Ferien
Und ein kleines bisschen *urgh* - na und?
Eine Tüte Chips und dann die zweite
Und ich stopfe mir Pralinen in den Mund
Davon geht mein Hintern sicher in die Breite
Dann guck ich mich nur von vorne an - na und?
Na, na, na, na, na... na und?
Na, na, na, na, na... na und?
Irgendwann gehe ich dann wieder schlafen
Nichts ist für die Seele so gesund
Vielleicht werde ich ja morgen mal was schaffen
Und wenn nicht, dann eben nicht - na und?
Und ich guck im Fernsehen alle Serien
Die Werbung und den ganzen anderen Schund
Und ich fühle mich wie früher in den Ferien
Und ein kleines bisschen *urgh* - na und?
Eine Tüte Chips und dann die zweite
Und ich stopfe mir Pralinen in den Mund
Davon geht mein Hintern sicher in die Breite
Dann guck ich mich nur von vorne an - na und?
Na, na, na, na, na... na und?
Na, na, na, na, na... na und?
Irgendwann gehe ich dann wieder schlafen
Nichts ist für die Seele so gesund
Vielleicht werde ich ja morgen mal was schaffen
Und wenn nicht, dann eben nicht - na und?
Nach meiner zweiten Tiefschlafphase überkommt mich ein unglaubliches Hungergefühl. Hunger auf Joghurt! Fruchtjoghurt! Und da im Kühlschrank nichts aufzutreiben ist, mache ich mich dann doch noch auf den Weg zum Supermarkt. Schliesslich will ich bis 2000 wieder zurück sein, denn dann beginnt der Spielfilm.
Im Fahrstuhl noch schnell eine Nachricht an den peruanischen Freund, ob wir am Samstag ins Kino wollen und dann nichts wie auf zum Supermarkt.
Dort angekommen, steuere ich die Zielgerade in die Joghurtabteilung an, jedoch nicht ohne vorher noch für den Antsch ein Nasakissen abzugreifen. An der Kasse ist wenig los und ich bin recht schnell durch mit Zahlen und Smalltalken mit dem netten Herrn an der Kasse.
Die Einkäufe sind im Wagen verstaut und ich will schon losfahren, als mir einfällt, dass ich mein Händie seit der Nachricht an den peruanischen Freund nicht mehr gesehen habe.
Panik überfällt mich. Ich schalte das Auto wieder ab, öffne den Kofferraum und entleere den gesamten Rucksackinhalt. Was ich neben den Einkäufen finde ist mein Hausschlüssel, das Portemonnaie und NICHTS.
Verdammt. Wo ist das Händie????
Jetzt räume ich alles von Innen nach Aussen. Unter dem Sitz, hinter dem Sitz, auf dem Sitz, unter der Fussmatte, hinter dem Feuerlöscher (!), unter dem Fahrzeug …
Noch immer NICHTS !
Der Alptraum wird wahr, die leise Vermutung scheint Realität zu werden.
Das Händie muss mit mir ausgestiegen und auf dem Boden gelandet sein. Ich hab's nicht gemerkt und als dann endlich meine Hirnwindungen in die Gänge geraten sind, war's dann schlicht und ergreifen zu spät.
Was nun?
Soll ich bei der Supermarkt-Security nachfragen, ob denn jemand das Telefon gefunden und gar abgegeben hat? Lohnt das überhaupt?
Nein, ich glaube, das bringt nichts. Schliesslich bin ich in Sao Paulo. Die klauen einem ja schon die Schuhe von den Füssen, wenn es sein muss. Und wenn dann einer von „denen“ mein Händie findet, warum sollte er es denn ausgerechnet zurückgeben???
Doch man sollte nichts unversucht lassen und ich rufe einen dieser Parkplatzwächter zur Hilfe.
Ich erkläre, dass ich womöglich beim Aussteigen das Händie, bla bla bla, es könnte unter das Auto gefallen, bla bla bla, ob er denn nicht mal nachfragen kann, ob nicht einer, bla bla bla.
Walkie-Talkie Gesabbel, ein zweiter Wächter kommt. Wir kriechen auf allen Sechsen um das Auto herum, doch noch immer kein Telefon.
Ein dritter Wächter kommt, schaut mich ganz mitleidig an. Mir stehen die Tränen in den Augen und ich überlege schon, wie ich mich bei der brasilianischen Mobilfunk-Hotline durchtelefonieren soll, bis ich erklärt habe, dass ich die Nummer sperren lassen muss.
Der Dritte im Bunde hat sogar sein Telefon dabei und überlässt es mir, mich selbst anzurufen (in diesem Moment bin ich einfach nur froh, mir nach 8 Monaten meine Nummer endlich mal gemerkt zu haben). Es klingelt, leider nicht für mich hörbar und dann geht die Mailbox ran.
Super, das war's nun echt.
Völlig geknickt und ziemlich sauer auf mich selbst trete ich den Heimweg an.
Zu Hause angekommen, schleudere ich den blöden Joghurt in die Ecke, mach den Rechner an und googel mir erst mal die Hotline von dem Mobilfunkanbieter. Eine halbe Ewigkeit vergeht, bis ich endlich mal raffe, welche der angegebenen Nummern mit meinem Festnetztelefon anrufbar ist. Ich wähle und eine Stimme vom Band gibt mir verschiedene Auswahlmöglichkeiten, die ich allesamt nicht verstehe. Ich drücke die 1, nach der nächsten Ansage die 3 und dann warte ich. Während ich warte, klick ich mich durch die verschiedenen Firefox-Reiter, als mir eine rote „1“ aus dem Gesichtsbuch entgegenblinkt.
Neugierig wie ich bin, schau ich gleich mal rein und entdecke eine Mitteilung von Dani, die mir folgendes schreibt:
„Mariiii me ligaram falando q encontraram seu celular... Anotei o endereco e segunda vamos buscar, ok!!! Besos saudades!!!“
Sinngemäss heisst das: Sie wurde informiert, dass man mein Telefon gefunden hat und dass ich es am kommenden Montag abholen könne.
Ich beende mein Nichtgespräch mit dem Mobilfunkanbieter und rufe Dani an. Ich muss lachen, als sie mir erzählt, dass sie mit dem Anrufer, von dem sie ausging, dass ich es bin, zunächst deutsch gesprochen hat. Erst als sich klärte, dass ich es gar nicht bin, erzählte Bruno (so heisst der Sohn des Finders), dass er sich erst mal durch die vielen Gringos durchsuchen musste, bis er endlich einen Namen fand, der brasilienerisch klang. So landete er bei Dani. Und dann erzählte er, dass sein Vater das Telefon im Supermarkt fand, es allerdings nicht bei der Security lassen wollte (obwohl die ihm sagten, dass sich eine Gringa bereits danach erkundigte), weil er ihnen nicht traute. Stattdessen fuhr der Vater zur Arbeitsstelle des Sohnes, übergab das Händie dort und bat den Sohn, den Eigentümer des Telefons ausfindig zu machen …
Tja, und dann erfuhr ich über Facebook, dass mein Telefon etc. Den Rest kennt ihr ja.
Allerdings beschloss ich, Bruno selbst anzurufen und genau das tat ich, als ich das Gespräch mit Dani beendete. Wir reden, rekonstruieren und lachen und vereinbaren, dass ich mich am nächsten Tag – also heute – nach 1000 nochmal melden soll, damit er mir dann seine Adresse gibt und ich das Händie dann vor Montag schon abholen kann.
Dani begleitet mich, denn trotz allem muss man sehr vorsichtig sein.
Das Ziel ist bald erreicht, wir parken etwas abseits, ich rufe Bruno an und teile ihm mit, dass wir da sind und während ich mich zur Haustür begebe, bleibt Dani im Auto sitzen und beobachtet. Da ich nichts anderes im Hause hatte, habe ich die guten Doce de Leche „Havanets“ mitgenommen. Als kleines Dankeschön. Bruno ist freundlich und sehr sympathisch. Er übergibt mir das Handy, wir reden kurz, zum Abschied umarmen wir uns (wie das eben unter Brasilianern so üblich ist) und dann überreiche ich im den Süssstoff. Er freut sich. Und ich mich erst …
Dezent möchte ich behaupten, ich habe tierisches Glück gehabt. Und nicht, dass ich daran glaube, doch Bruno's Telefonnummer endet auf die Ziffern: 2401 … Es ist bestimmt nur ein Zufall …
Lange Rede kurz, wenn das Jahr SO beginnt … dann bleibt es hoffentlich auch so …
Gehabt euch wohl !!!
Und ein dicker BEIJO geht heute einfach mal an Bruno.
Eure Jana
Donnerstag, 5. Januar 2012
Die Kunst des Wartens besteht darin ...
… inzwischen etwas anderes zu tun. (Heinrich Spoerl)
2012.
Der erste Blog des neuen Jahres und ich weiss nicht so recht, wie und wo ich beginnen soll. Zuviel dessen, was da auf mich einprasselte, zuviel dessen, was noch verarbeitet werden will und vor allem zuviel dessen, was viel zu schnell passierte.
Doch fange ich noch in 2011 und dem Weihnachtsfest an, welches sich für mich ganz neu und ganz ungewohnt gestaltete.
Sommer im Weihnachten …
Künstliche Tannen schmücken nicht nur die Strassen und Shopping-Mall Vorplätze, nein, sie schmücken auch die brasilianischen Wohnzimmer. An den Zweigen hängen Gingerbrotmänner und rot-weisse Stocklollies.
Aus den Lautsprechern des Radio schmettert uns Sinatra „A Merry Little Christmas“ entgegen, Wham trauert zum millionsten Mal dem „Last Christmas“ nach und Band Aid fragt wie immer „Do They Know it's Christmas?“ Ziemlich komisch, wenn ihr mich fragt, wenn es draussen 40 Grad und Windstille hat.
Doch dies zunächst mal die Rahmenbedingungen zum Fest der Liebe, Besinnlichkeit und Geburt Jesu.
Es ist der 23. Dezember als wir bei meiner brasilianischen Gastfamilie ankommen. Der Planet brennt auch abends um 22 h noch und in einer kleinen schnuckeligen Bar suchen wir bei einem kühlen Blonden etwas Abkühlung. Während ich mich noch frage, wie ich bei dieser Hitze überhaupt ein Auge zutun soll, werde ich schon darüber informiert, dass wir bei der Tante des Hauses nächtigen werden, deren Sohn eine Klimaanlage im Zimmer installiert hat. Und so nächtigen wir zu viert auf knappen 14 qm …
Der Heilige Abend beginnt für mich noch immer ganz und gar ohne Weihnachtsstimmung, dafür aber in einer unglaublichen Langsamkeit, wie ich sie nicht kenne. Um 1400 ist das Frühstück beendet und die Pläne, welche Geschenke noch zu besorgen sind, sind in vollem Gange. Und so begibt sich die gesamte Familie zum Shopping. Der Vater kauft noch für die Mutter. Mutter für eine Tochter. Tochter für Vater. Tochter für Tante. Mutter für Mutter. Ich blick nicht mehr durch und bin froh, nur Aussenstehender bzw. -stehende zu sein. Die Tüten sind gross, schwer und nehmen ganz arg viel Platz im Kofferraum weg.
Was so genau die Weihnachtstradition in Brasilenien ist, habe ich nicht erkannt. Es scheint wohl so zu sein, dass der Brasilianer an sich an Weihnachten Schweinefleisch (!) zubereitet. Hühnchen gibt’s auch. Das gute Rindfleisch ist für den Alltag vorgesehen. Nicht aber für Weihnachten.
Der „Tender“ ist mager, ohne Fett, wird im Backofen zubereitet und schaut aus wie Kassler. Dazu gibt es Ananas und „Fios de Ovos“ (Eierfäden).
Das Hühnchen ist traditionell, wie wir das auch kennen. Der Salat ist bunt mit ganz vielen Gemüsen und ganz lustigen kleinen Kartoffeln (ich glaube, das sind Süsskartoffeln). Zum Nachtisch gibt es eine Art „Brigadeiro“ und Obst in allen Variationen. Eine Neuheit für mich war jedoch der „Batida de vinho“. Super einfach und super lekker … Hier die Kurzversion – man nehme:
1 Liter Weisswein
1 Dose Kondensmilch
eine handvoll gemahlene Walnüsse
alles in den Mixer und gut vermischen. Eiswürfel dazugeben.
Wäre da nicht meine Laktoseintoleranz hätte ich vermutlich den Liter allein ausgetrunken.
Gegessen und getrunken wird bis ca. Mitternacht und dann folgt die Bescherung. Um 0200 ist alles vorbei und wir gehen wieder in die Klimaanlage zum Schlafen.
Wenn ich es mir so recht überlege, dann war das gar nicht mal so verkehrt, ganz ohne Weihnachtsstimmung Weihnachten zu feiern. Das Vermissen war nicht so präsent und ich konnte die Feiertage völlig relaxed über mich ergehen lassen.
Doch wenn ich es mir das nächste mal aussuchen kann, dann ist mir Weihnachten im Winter definitiv lieber. Lebkuchen, Gewürzmandeln, Glühmarkt, Glühwein, echte Tannen, vielleicht sogar Schnee, Heizung an, Weihnachtsbeleuchtung und und und … All das gehört zu Weihnachten dazu. Ohne ist das einfach nix. Also zumindest nix für mich. Schliesslich und endlich aber bin ich dankbar für die Erfahrung, die ich habe machen dürfen… die vielen Lekkereiein, die ich habe kosten dürfen … und Gast der ich bei der brasilienischen Familie habe sein dürfen. All das und noch viel mehr möchte ich ganz bestimmt nicht mehr missen …
So, Weihnachten war vorbei – für uns zumindest – und ich mache mich mit den brasilianischen Schwestern auf den Weg zum Flughafen. Knappe 200 km haben wir an dem Abend zurück zu legen, ehe wir in Guarulhos ankommen. Eine dritte Brasilianerin wartet bereits und die Vierte sollte in San Andres dazu kommen.
Am 26.12. sollte das Quintett vollständig sein: 3,5 Diven und eine Gringa. Das kann ja heiter werden.
Nach einer Odyssee durch mehrere Klimazonen (6 Stunden Aufenthalt im kalten Bogota) kommen wir endlich in San Andres an. Nachdem die Zimmer bezogen und die Koffer grösstenteils ausgepackt sind, führt mich mein Weg direkt zum Pool,
jedoch nicht ohne vorher das Zimmer und das Bad genau unter die Lupe genommen zu haben. Schlimmste Befürchtungen hegte ich im Vorfeld schon, da Holiday-Check kein gutes Haar am Hotel in den Bewertungen gelassen hat. Doch ich sollte mich eines besseren belehren lassen und für mich setzte ich im Geiste den Haken dran und beschloss mit dem sich mir Dargebotenen ganz und gar super klar zu kommen.
Der Pool ist sauber, die Sonne strahlt und das Meer liegt in unzähligen Türkisfarben vor mir. Ein Traum in Karibik. Rasta. Reggae. Check.
Am nächsten Morgen ist bereits um 0900 Aufbruch. Eine Inselrundfahrt steht auf dem Programm.
Geoffrey, der Guide ist gut drauf und Manoel, der Fahrer ebenfalls. Es gibt viel zu sehen, die Einheimischen führen Tänze auf, wir probieren uns durch lokale Gerichte und an Board (im Bus) gibt es sogar Getränke inklusive.
Und so befreien wir mehrfach Kuba und manch einer schiebt noch ein lekkeres „Aguila“nach …
Wir halten sogar am Aquarium, in welchem wir sogar schwimmen gehen können … Das Wasser ist so klar, dass man bestimmt die 100 Meter bis auf den Grund sehen und den Fischen beim Futtern zusehen kann.
Ich bin begeistert, um nicht zu sagen sprachlos.
Der nächste Tag beginnt leider schon wieder vor dem Aufstehen, denn wir haben einen weiteren Ausflug gebucht. Die Reise geht diesmal auf die Inseln „Johny Cay“, „Rose Cay“ und ein weiteres „Aquarium“ in welchem wir sogar Mantas sehen und mit ihnen schwimmen können.
Verdammt, das sieht da echt aus wie in der Bakardi Werbung. Nur die Hängematten fehlen und die Mädels mit den richtig, richtig knackigen Hintern
(unsere und jene, die bereits auf der Insel vorzufinden sind, sind es jedenfalls nicht).
Ich krieg den Mund vor Staunen mal wieder nicht zu und während ich mich noch auf Flora und Fauna konzetriere, verpenne ich sogar fast, dass mir ein Rastaman etwas nah auf die Pelle rückt. Und da bestätigt sich das, was ich im Vorfeld schon gesagt bekam. Die Jungs wollen gleich alles und am liebsten wollen sie auch auch gleich mitgehen. Schlussendlich hatte ich so meine Mühe, mir den „Papi“ vom Hals zu halten und ihn auf eine andere anzusetzen …
Die Typen sind echt lästig …
Ein anderer Ausflug ist dann leider ins Wasser gefallen, da das Boot einen Motorschaden hatte und Ersatz nicht aufzutreiben war. Und so verbrachte ich die letzten Tage bzw. Stunden am Pool oder beim Spaziergang durch das kleine Städtchen.
Alles in allem ein sehr ruhiger und beschaulicher Urlaub auf der Karibikinsel.
Mein persönliches Fazit:
- Weihnachten nur noch im Winter
- Silvester gerne wieder in der Karibik
- Nie mehr wieder mit brasilianischen Mädels und schon gar nicht mehr zu 5.
Jetzt nur noch 19 Tage und dann hab ich Geburtstag !!!!
Gehabt euch wohl,
Eure Jana
PS: Hier noch ein paar Eindrücke von der Insel:
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