Dienstag, 20. September 2011

Verdingst ...

… und was ich sonst noch liegen lasse !









Der dauerhafte Jetlag samt der Vielfliegerei durch die Galaxis tut mir nicht gut. Latente Müdigkeit bestimmt meinen Alltag, das Denken und Konzentrieren unter erschwerten Bedingungen fällt zunehmend schwerer.
Dies, und nichts anderes, scheint mir derzeit dafür verantwortlich, dass all die Dinge passieren, die passieren.



Diese eine Woche vor wenigen Wochen.
Diese eine Woche hat mein kleines beschissenes Leben total auf den Kopf gestellt. Seither ist nichts, wie es mal war … Domino-Effekt. Ich hab das erste Steinchen umgeworfen und jetzt ist das alles nicht mehr aufzuhalten …



Die Arbeit lenkt mich ab, hält mich beschäftigt. So denke ich nicht zuviel an ihn und an ihn. Ab und an denke ich an Zuhause und ertappe mich dabei, wie sehr ich mich freue, bald wieder nach Hause fliegen zu können …
Ab und an vergesse ich aber auch an Bestimmtes zu denken … Der Kopf ist voll – der Kopf ist leer … Wie dem auch sei …



Es ist 2 Wochen her, da finde ich mich am Flughafen Guarulhos ein, um meinen Weg nach Good Old anzutreten. Wir reden, lachen, weinen und verabschieden uns … Ich muss zum Terminal 2. Ein Glas Wein und „Hochgefickt“ (Nathalie Bergdoll) leisten mir Gesellschaft. Die Klimaanlage brummt, mich fröstelt es … Mein Griff führt ins Leere. Verdammt, wo ist meine Jacke. Nein, nicht irgendeine Jacke, meine Lieblingsjacke. Jene Jacke, die schon überall war, die seit Jahren mein treuer Begleiter ist – ähm, war. Wo ich sie habe liegen lassen, weiss ich nicht. Mein Kopf kann das nicht mehr rekonstruieren. Da ist der Mietwagen, der Transferwagen zum Flughafen, Pizza-Hut, Check-in Schalter, etc.
„Jetzt ist sie weg …“ – und ich bin wieder allein …



Letzte Woche. Ich erlöse mich vom Alleinsein und kaufe mir ein neues Jackenkleidungsstück. Selbstverständlich eines, mit hoch ausgeprägtem Potential im Laufe der Zeit ebenfalls zu einer Lieblingsjacke zu mutieren. Die Neue ist mit der Alten nicht zu vergleichen. Das ist auch gut so, denn ich möchte ja keine Wunden aufreissen und Salz reinstreuen … Es hat nicht lange gedauert und wir haben uns aneinander gewöhnt …



Verflixter Sonntag. Ich weiss, warum ich Sonntage nicht mag. Der Flughafen scheint ein jackenverschlingendes Loch zu sein. Unergründliche Tiefen, in welchen Jacken einfach so verschwinden. Diesmal leistet mir nur das Buch Gesellschaft, den Wein hab ich nicht, aber die Klimaanlage brummt, als es mich wieder fröstelt. Ein déjà-vu. Der Mini-Alptraum beginnt ein zweite mal … Dabei standen wir gerade am Anfang einer wundervollen Beziehung.



Manic Monday. Die Mittagspause ein geeigneter Zeitpunkt, um zum Laden zu eilen und das Kleidungsstück noch mal zu kaufen. Nur kein Risiko eingehen, kein neues Modell. Verdammt, meine Grösse ist nicht mehr da. Nach einem geschulten Blick ins Bestandsystem kommt es dann doch raus: Meine Grösse sollte noch da sein. Ist sie auch – und zwar an der Puppe.
Jetzt ist die Puppe nackt, mir ist wieder warm und seither überlege ich, was ich tun kann, damit mir der Flughafen dieses Modell nicht wieder entwendet …



Und dann war da noch ein Trekkingjackenkleidungsstück. Neu erworben für den bevorstehenden Urlaub. Funktionswäsche in schön. Schön praktisch. Schön teuer. Mehrere kritische Blicke in den Spiegel hat’s inzwischen gekostet. Ist es das, was ich will? Ist sie zu kurz? Zu dünn? Zu ichweissnichtwas?
Gestern fasse ich den Beschluss, wir trennen uns. Als ich die Jacke zum Fachhandel zurück bringe, bin ich noch immer felsenfest davon überzeugt, ein vergleichbares Modell, gleichen Herstellers, nur etwas länger und vor allem in „Übergangsqualität“ zu finden. Das Leid des Äquators. Andernorts fängt der Sommer an, während hier der Winter bald sein Unwesen treiben wird.
Mein eingeschränktes Reaktionsvermögen lässt es nicht zu, die Fachkraft am Ausfüllen des Retourenscheins zu hindern. Die Gutschrift über etliche Euronen halte ich in Händen. Die Jacke bin ich auf ordentlichem Wege los geworden.



Google verrät, wo es weitere Modelle gleichen Herstellers gibt. Ich bin überzeugt, hier fündig zu werden. Zugegeben, ein wenig unter Druck stehe ich schon, denn bis Freitag will das Trekkingteil gekauft sein. Ansonsten wird die Reise wenig spassig … (aber nur im Hinblick auf das nicht vorhandene Kleidungsstück).
Was folgt ist ein ganz und gar nicht zufriedenstellendes Telefonat und die Erkenntnis, dass die Jacke eigentlich gar nicht so verkehrt war. Ich sollte öfter mal Mut zu Neuem beweisen … Ein weiteres Telefonat folgt. Um die Sache abzukürzen: Heute werde ich nun meine Jacke zum zweiten mal kaufen … Sie ist bereits auf meinen Namen reserviert …



Jetzt kann ich wieder nach Hause fliegen …



Und was lass ich sonst noch liegen?
Ein paar Sorgen und unnötigen Ballast … Schliesslich kann ich ja nicht beliebig viele Kilos mitnehmen …
Es will wohl überlegt sein, was ich einpacke …



Ich wünschte, manch unliebsamer Gedanke oder unliebsame Erfahrung würde anstelle meiner Jacke in den dunklen Tiefen des Flughafens verschwinden …



Gehabt euch wohl.
Datt Lisa

Montag, 19. September 2011

Wer bin ich ...

… und wenn ja, darf’s auch ein bisschen mehr davon sein?









Mein kleines Leben mag einerseits besch%&%%en sein, doch langweilig ist es ganz bestimmt nicht.
Also, zumindest ist es nicht immer langweilig, aber wenn es dann doch mal langweilig ist, dann muss das so sein … Doch gerade jetzt ist es ganz bestimmt nicht langweilig.



Oooooh, ich könnte jetzt über ganz verrückte Brasilien-Besuche schreiben, über all die verrückten Dinge, die in nur einer einzigen Woche passieren können und über – oh welch Überraschung – Sonnenbränder an der Copacabana.
Doch nein, darüber schreibe ich heute nicht.



Ich glaube, ich erfinde Geocaching neu. Das ist es nämlich, was mich derzeit ziemlich beschäftigt. Also, nicht das Cachen an sich, vielmehr die dazugehörigen Koordinaten, die bislang in enger Verbindung zu mir standen.
Auf 45°48’53.7 N 15°58’42.6 E erblickte ich das Licht der Welt, den ersten pubertären Pickel hatte ich auf 49°19’2.2 N 8°25’51.6 E, den Berufsalltag lernte ich auf 49° 28’50.6 N 8°26’28.6 E kennen. Seit ich auf 46°6’9.3 N 7°4’37.4 E war, weiss ich, wie gut der Wein dort schmeckt und wie toll das Leben dort sein kann. Im April führte mich mein Weg dann auf 23°32’56.2 S 46°38’19.8 W und das ist derzeit der Status Quo.



Am vergangenen Freitag „erdreistet“ sich dann ein kroatischer Holländer amerikanisch-kanadischer Abstammung in kroaglisch zu fragen, woher ich denn komme.
Nicht genug dessen, dass ich just in diesem Moment nicht weiss, in welcher Sprache ich dem jungen Mann antworten soll (ich sass kurz zuvor mit meinem brasilianischen Kollegen in der Lounge am Flughafen und betrieb portugiesische Konversation), nein, es will mir nun so schnell gar nicht einfallen, woher ich denn komme.



Ja, woher denn eigentlich?
Ich entscheide mich für die Sparvariante und behaupte in der Unversalsprache: Lounge.
Wir lachen, ich fange mich und überlege, was denn die richtige gewesen wäre. Weder das eine, noch das andere … Home is, where your heart is …



Inzwischen ist mein Herz überall ein klein wenig. Ergo, ich bin überall ein klein wenig Zuhause. Ein bisschen Speyer, ein bissen Lu, ein wenig Zagreb/Kasina/Blagusa und ein wenig Sao Paulo.



Doch nicht nur mein Herz ist überall ein bisschen, nein, meine Jacken verteile ich auch schon taktisch klug auf dem Erdball. Ich bin gespannt, wann mir die erste wieder über den Weg läuft … Zugegeben, ich bin aber auch ein selten blöder Dummkopf …



Nun leg ich mich erst mal wieder hin und überlege ganz entspannt, ob ich mir nun die gleiche Jacke noch mal kaufe oder ob ich mich dann doch für ne andere entscheide …



Gehabt ihr euch einstweilen mal wohl!



Ich.

Dienstag, 23. August 2011

Silicon free ...

Silicon free …

… und wer schön sein will, muss leiden!




Ja was soll ich sagen.
Es war / ist nur eine Frage der Zeit gewesen, bis ich hier dem ein oder anderen Schönheitswahn selbst unterliegen sollte. Dabei war / ist das doch schon immer so eine Sache gewesen, die mehr Anstrengung, als Entspannung für mich bedeutete …

Hier allerdings ist man von so vielen Beauties umgeben, dass man sich den Beauty-Salon-Gesprächen beim Frühstückskaffee kaum entziehen kann. Immer wieder muss der Blick über ein frisch gepimptes Dekolletee schweifen oder aber man wird unweigerlich Zeuge dessen, wie Botox-unterspritzte Stirne in Falten gelegt werden wollen. Erfolglos, versteht sich.

Und so wurde ich kürzlich Zeugin und unmittelbare Komplizin des Wimpernverdichtungsvorhabens einer Kollegin. Diese schleppte mich – zugegeben NICHT gegen meinen Willen – in einen der angesagtesten Salons der Stadt. Novela-Sternchen geben sich dort quasi die Klinke in die Hand. Und so mag an jenem Abend ganz sicher die ein oder andere Celebrety meinen Weg gekreuzt haben, doch ich hab’s schlicht und ergreifend nicht mitbekommen.
Wie dem auch sei. Das mir bekannte Mädchen nimmt auf einem Stuhl, ähnlich dem, wie er beim Zahnarzt vorzufinden ist, Platz. Ich sitze daneben und schau gebannt zu, was da so gleich passieren wird.

Nun gut, ich würde lügen, würde ich behaupten, dass das Ergebnis, welches sich mir nach gut und gerne 45 Minuten präsentierte, nicht toll ausgesehen hätte. Offensichtlich hat mich mein Blick verraten und ratz-fatz lag ich selbst auf dem Stuhl, hatte die Augen geschlossen und schon befestigte die Dame mit geschulten Handgriffen unechte Wimpernhärchen zwischen den meinen.
Nach genau 45 Minuten hält sie mir den Spiegel vor die Nase und alles was ich sehe, sind grosse Kullertränen, die mir die Wangen runterlaufen. Das Zeug, was auch immer es war, brennt höllisch in den Augen und so bringe ich es nicht zustande, mir die Pracht an jenem Abend ordentlich anzusehen.
Erst mal ne Nacht drüber schlafen.

Der Morgen danach.
Es fühlt sich komisch an. Gleichwohl es ganz und gar nicht unecht aussieht und es jenen, die es nicht wissen, sowieso nicht auffällt, stört es mich irgendwie. Fremdkörper halt.
Ständig reibe ich mal am rechten, mal am linken Auge. Im Kopf nur: Was hab ich denn jetzt schon wieder getan?!?
Ich sollte es inzwischen gelernt haben und vor allem sollte ich es besser wissen. Schliesslich haben mich vergleichbare Aktionen schon ein kleines Vermögen gekostet.

Da war vor langer Zeit mal die Sache, dass sich meine Freundin ganz tolle Nägel hat machen lassen. Das sah einfach schön aus. Und da es bei mir so mit ohne ganz und gar nicht schön aussah, ich aber wollte, dass es schön aussieht, bin ich da halt auch mal hin.
Und so hat mir die Fachfrau Tips und Zeugs und so weiter auf die Finger geklebt, mit dem Gel und so aufgefüllt, dann unter Sonnenlicht getrocknet und ich wurde mit der Pracht entlassen.
Schön sah es aus.
Mich hat’s aber auch schön gezwickt und es hat vor allem auch schön gespannt. Am „schönsten“ aber war, es war ein Fremdkörper.
Wie wir alle wissen, „fer umme“ gibt’s nichts, kann sich der geneigte Leser denken, dass ich dafür nicht gerade wenig Geld bezahlt habe.  Am nächsten Tag hab ich allerdings nicht mehr ganz so viel Geld bezahlt, um das, was am Tag zuvor aufgetragen wurde, wieder wegmachen zu lassen.
Das Ergebnis: Es sah noch schlimmer aus, als es ganz vorher ausgesehen hat …

Und auch folgende Aktion hätte mir eine Lehre sein sollen.
In jüngster Vergangenheit – lassen wir’s mal ca. 1,5 Jahre her sein – habe ich mir in den Kopf gesetzt, mir auffällige Farbakzente auf den Kopf setzen zu lassen. Mit Chemie allein geht zwar vieles, aber eben nicht alles und so fiel meine Wahl auf stahlblaue und ziemlich lilafarbene Echthaar-Extensions. Wohl überlegt sollten diese Strähnchen in meinem Haupthaar platziert werden.
Sensationell das Ergebnis. Sensationell auch der Preis.
Egal. Das musste sein.

Die erste Nacht, der erste Schlaf. Es zieht, es drückt. Es tut weh.
Der nächste Tag, die erste Haarwäsche, das erste Bürsten. Es zieht, es drückt. Es tut weh.
Meine Hände wandern völlig automatisch immer wieder an den Kopf … Ich will das nicht mehr haben … Es muss weg. Es muss weg und zwar JETZT, GLEICH und vor allem SOFORT.
Ich ruf dort an, wo ich’s hab machen lassen, der Termin ist gleich ausgemacht und 2 Stunden später bin ich erlöst. Vom Ziehen. Vom Drücken. Vom Aua.
Und von meinem Geld.
Egal, ich war wieder im Ursprungszustand und das war gut so.

Man sagt ja immer: Aller guten Dinge sind drei … Jetzt sind’s die Wimpern. Und sie sind fast schon wieder so, wie sie es unlängst waren. Ganz ohne Fremdkörper.
Ich hab lang genug dran rumgemacht, bis ich sie fast alle wieder ab hatte.
Das Gute diesmal ist: Ich hab für’s Entfernen nichts mehr berappen müssen … Das hab ich ganz allein gemacht …

Und somit bestätigt sich die Aussage: Wer schön sein will (wobei das im Auge des Betrachters liegt), muss leiden …
Manche müssen sogar doppelt „leiden“ …

Da ich allerdings lernfähig bin, werde ich zukünftig solche Vorhaben von vornherein ablehnen, wissentlich, wie das Ende aussehen wird, gebe ich dem ganzen nach …

Gehabt euch wohl.

Ich tu’s mal.
Eure Jana

Dienstag, 16. August 2011

Alles wird gut ...


... Wie GUT wird ALLES?


Hin und wieder behaupten wir alle gerne mal: ALLES wird GUT.
Das habe ich vor einiger Zeit auch mal behauptet und dazu dann diesen Text verfasst, weil ich mir über „Alles wird Gut“ Gedanken gemacht habe.



Ist ALLES alles?
Oder muss man bei ALLES Abstriche machen?
Ist ALLES am Ende dann doch nicht alles?



Wenn ALLES wirklich nicht alles ist, dann kann man auch nicht mehr sagen: ALLES wird gut.
Weil eben nicht ALLES gut wird.
Es wird nur ein Teil von ALLES gut.



Und was aber ist, wenn genau der Teil von ALLES gut wird, den man so gut gar nicht haben wollte?
Dann ist der „falsche“ Teil von ALLES gut, während der „richtige“ Teil von ALLES nicht gut ist.

Folglich hiesse es doch dann richtig: ALLES wird teilweise gut.
Und dann hab ich ne 50:50 Chance, dass genau der „richtige“ Teil von ALLES gut wird.



Und wie verhält es sich mit GUT?
Wie gut ist GUT?
Ist GUT gut genug?
Geht GUT noch besser?



Wenn nun der „falsche“ Teil von ALLES GUT wird, dann ist das GUT doch nicht mehr GUT sondern SCHLECHT.
Oder nicht?
Wird nun aber der „richtige“ Teil von ALLES gut, dann ist GUT nicht mehr gut genug.
Dafür braucht man dann einen guten Superlativ, um das GUTE ALLES richtig GUT darzustellen.
 In diesem Falle wäre dann das „richtige“ ALLES am GUTSTEN.

So, und wie heisst denn der Satz nun richtig?

Das „richtige“ ALLES wird am GUTSTEN, wenn das „falsche“ ALLES SCHLECHT geworden ist?
Oder:
ALLES wird richtig GUT, wenn ALLES andere nicht mehr schlimmer geht?



Wie auch immer, heute ist ein neuer Tag und der wird definitiv besser, als der gestrige …



Happy Dienstag!



Eure Jana.

Sonntag, 14. August 2011

Für jede Lösung ...


… ein Problem !



Heimlich still und leise ahnte ich, dass im Grossstadtdschungel Sao Paulo, oder vielmehr in diesem neuen Kulturkreis, noch das ein oder andere „Hindernis“ schlummert, welches über kurz oder lang meinen Weg kreuzen sollte.

Seit der Banksache ist ja nicht wirklich viel passiert in meinem kleinen brasilienischen Leben … Bis heute.

Sonntag. Der Tag, der nach einigen Um- und Abwegen wieder zu meinem Putztag mutierte. Der Feinstaub der letzten Wochen hat meine hellen Balkonfliesen in eine grau-schwarze Plörre verwandelt und somit war ein Entkommen kaum möglich. Schliesslich will das brasilienische Heim auf Vordermann gebracht werden …

Doch nicht nur die Fliesen hat's erwischt, nein, auch die Fenster hatten's und haben's dringend nötig.
Bevor ich nun zur eigentlichen Sache komme, hier ein paar Sätze der Erklärung.

Hierzulande sind die Fenster allerdings etwas anders anders, als bei uns zu Hause. Da gibt es keinen Flügel, den man sperrangelweit öffnen kann und man kann auch das Fenster nicht kippen.
Hier hat man Schiebefenster. Man kann immer nur eine Hälfte gesamten Fensters öffnen, indem man die zu öffnende Hälfte vor die andere Fensterhälfte schiebt. So wie das früher (vielleicht auch heute noch) bei den Vitrinen ist, die Glasschiebetüren hatten.
Ich selbst habe hier das Glück „Black-out“ Rollläden an den Fenstern zu haben. Üblicherweise hat's von aussen Schiebejalousien, die es allerdings auch nur erlauben, dass immer nur durch eine Fensterhälfte Tageslicht eindringt, während die andere Hälfte verdunkelt bleibt.
Allerdings ist es nicht zulässig, die Fensterhälfte, die sonst rechts ist, ganz nach links zu schieben und umgekehrt.

Und so habe ich mich heute ans Fensterputzen gemacht. Erst mal schön von innen … Und dann von aussen …
Und genau DA stand ich dann vor meinem unlösbaren Problem … WIE putzt man brasilianische Fenster von aussen?
Zugegeben, das Risiko war mir etwas zu hoch, mich von aussen auf die nicht vorhandene Fensterbank zu stellen.
Versuchte ich von innen die Fensterhälfte aussen zu putzen, konnte ich von der Hälfte nur die Hälfte putzen, da die eine Hälfte durch das öffnen hinter der anderen Fensterhälfte verschwand und ich hatte nur ein kleines Stück, welches putzen konnte …

Dann dachte ich, ob man die Fenster ggf. irgendwie „aushebeln“ kann, damit die dann ordentlich putzen kann. Aber auch das war ne Fehlanzeige …
Ich war ratlos und frustriert zugleich.
Da kann ich einerseits kleinere Operationen zu Hause allein durchführen, sämtliche elektronischen Geräte ohne die japanesiche Bedienungsanleitung zum Laufen bringen, aber jetzt bin ich zu blöd zum Fensterputzen …

Das Balkontürfenster war kein Problem, denn ich konnte vom Balkon die Tür zuschieben und hatte somit freie Putzfront. Doch beim Rest war das nicht möglich …
In meiner Not hab ich dann „Schavier“ angerufen.
Und was macht er? Erst lacht er herzlich, gibt mir dann unter Lachtränen recht und meint dann ganz trocken, er habe ein solches Problem nicht, da all seine Fenster einen kleinen Balkon haben, auf welchen er klettern kann, wenn er seine Fenster mal putzen muss. Aber vermutlich wird er das gar nicht selbst machen, sondern machen lassen …
Nachdem sich der Gute dann eingekriegt hatte, klärte er mich darüber auf, dass ich mir wohl einen Putzmagneten zulegen muss … Den kann ich dann von innen aussen ankleben und kann dann die Fenster von aussen reinigen …

DAS hat mir natürlich beim interkulturellen Training keiner gesagt und in meinem Haus- und Hofsupermarkt gibt’s das nicht …
Jetzt sind zumindest die Fenster von innen sauber und nächste Woche mach ich mal auf die Suche nach dem Magneten …

Andere Länder, andere Sitten …

Gehabt Euch wohl,

Eure Jana

Sonntag, 7. August 2011

Sport ...

… in Brasilenien !


Tippi-toppi auszusehen – oder zumindest aussehen zu wollen – ist hier in Brasilenien fast schon eine „Volkskrankheit“. Da das Tippi-toppi-Aussehen nicht von allein kommt, müssen Mann und Frau schon einiges dafür tun, gleichwohl es auch noch andere gibt, die gerne auch mal den plastochirurgischen Fettsauger ansetzen oder aber das, was aus der Form, wahlweise auch in die Jahre gekommen scheint, straff ziehen lassen.

Doch zurück zu jenen, denen das nötige Kleingeld für Silikon-Valley nicht so lokker sitzt. Diese Spezies tummelt sich zuweilen im gleichen Park wie ich auch. Während mein Sportprogramm einen gut und gerne 50 minütigen Lauf durch das Stadtgrün plus Beinmuskulaturstärkung und Sitzups sowie ein ausgedehntes Dehnprogramm beinhaltet, scheint der Brasilianer es langsam angehen zu lassen.

Da die Runde im Park klein und überschaubar ist, laufe ich zwangsläufig den Menschen gerne 2-3 Mal über den Weg.

Da ist der ältere Herr, ich schätze ca. 60, der sich nach Runde 2 das Shirt ausgezogen hat. Die Hitze macht ihm schon zu schaffen, doch er läuft lokker weiter. Die Wasserflasche in seiner Linken ist noch unangetastet.

Die Frau im weissen Laufdress wirkt sehr athletisch, ist aber auch schon in die Jahre gekommen. Sie dreht verbissen ihre Runden. Ehrgeiz pur, denn immer wieder schaut sich auf die Pulsuhr und scheint mit dem Ergebnis in keiner Weise zufrieden zu sein.

Der Skater lässt sich zur Abwechslung mal vom Golden Retriever durch den Park ziehen und andere sind der Meinung, dass das Tragen von Multifunktionswäsche schon Sport genug ist.

Eine Gruppe „oben ohne“ Männer kommt mir entgegen. Wenn ich ganz ehrlich bin, möchte ich nicht immer alles sehen … Ein Shirt wäre mir in manch einem Fall wesentlich lieber gewesen … 6 Männer, 5 Onepacks, ein Twopack … Vom Sixpack keine Spur.

In der festinstallierten Sportgeräteabteilung des Parkes tummeln sich einige Frauen. Sie betreiben „Fofoka“ vom allerfeinsten, kichern und lachen und zupfen dabei immer wieder ihre Funktionswäsche gerade und versuchen die langen Mähnen zu bändigen. Aus Hosentaschen der Sportbekleidung ertönt immer wieder eine andere Melodie und so wird die Sporteinheit unterbrochen, während das wichtige Telefonat entgegengenommen wird.

Eine andere versucht sich im Inlineskaten, was ihr allerdings nicht so recht gelingen mag. Kurzerhand lässt sie sich von ihrem Herzallerliebsten durch den Park ziehen und während er sich abschuftet, holt sich mal eben kurz das Telefon raus und ruft mal an …

At the end of the day: Sie haben alle Sport gemacht … Mindestens 60 Minuten – denn so lange war ich im Park und während ich mir am Abend dann die Picanha reinzwirble und mir dazu einen Chopp oder eine Caipi gönne, wird vermutlich die ein oder andere Dame zum Salatblatt greifen …

Ich werde jedenfalls weiter beobachten … Vielleicht steckt ja ein System dahinter … Ich hab's nur noch nicht herausgefunden …
Ich bin gespannt …

… in vielerlei Hinsicht !!!

Gehabt Euch wohl!

Eure MJ

Mittwoch, 3. August 2011

Wieder Daheim ...

… oder so !



Home is, where the heart is … oder so.
So, oder so ähnlich ist das wohl auch bei mir … Mein heart ist überall ein bisschen und ergo bin ich überall auch ein bisschen Zuhause …

Zuhause war's schön. Direkt nach dem Touchdown habe ich mich in der Firma von allen herzen, drücken, knutschen und mir Löcher in den Bauch fragen lassen. Die Freude über das Wiedersehen nach etwas mehr als 3 Monaten war sensationell und irgendwie ist mir erst mit dem Wiedersehen bewusst geworden, wie lange drei Monate doch sind.
Direkt nach der Arbeit ging es dann mit dem kleinen Penatenkind weiter. Die Lieblingsfreundin hatte Geburtstag, ich war eingeladen und auch das war super schön. Der Empfang Zuhause war einfach toll !
Schon am nächsten Tag war ich bei Vonne und Volker zum Grillen eingeladen. Witzigerweise hatte ich diese Einladung schon vor Brasilenien bekommen und es war eine glückliche Fügung, dass das genau so gepasst hat. Mit Tuti hab ich dann den Sonntag nachmittag verbracht.
Ach, war das schön.

In den folgenden Tagen sollten dann noch:
Tuti, Elke, Doris, ein Nicht-Freund, nochmal Tuti, weil die Geburtstag hatte, wieder Tuti, weil die dann gefeiert hat, Gundula, Vonne, Ronja und Bebi musste ich leider absagen, Bierschie, ein Teamevent, Heidrun und zum Abschluss nochmal Tuti
folgen.

Seit vergangenem Sonntag bin ich nun wieder Zuhause. Direkt nach Touchdown hab ich mich erst mal um den Mietwagen kümmern müssen und ca. 3 Stunden später war ich dann endlich mal in meiner Wohnung. Es war noch immer irgendwie vor dem Aufstehen und so habe ich mich erst mal um mein Gepäck gekümmert und hab all die Dinge, die im Koffer waren, wieder im Schrank verstaut und hab schon mal kleine Päckchen gepackt, damit ich die aufgegebenen Bestellungen an die Kollegen verteilen kann.
Um 1000 habe ich dann beschlossen, meinen „Boyfriend“ darüber in Kenntnis zu setzen, dass ich wieder im Lande sei. Er hatte sich schon Sorgen gemacht und hatte mir, während ich noch im Flieger schlummerte, bereite eine SMS geschickt, wann ich denn endlich wieder hier aufschlagen würde …

Schnell war klar, dass er mich zum Mittagessen abholen wird und so wurde ich auch hier herzlich empfangen.
Die Knutscherei und Herzerei ging dann montags im Büro los. Ich glaub, auch hier wurde ich ein wenig vermisst ;-)

Aber auch ich habe vermisst und ich vermisse. Wenn ich Zuhause bin, vermisse die Daheimgebliebenen und umgekehrt … Ergo: Eigentlich vermisse ich immer irgendwie irgendwo jemanden … Aber das passt schon so … Das gehört mit dazu, denn so weiss ich, dass ich Zuhause bin …

Schön, dass es euch gibt !

Gehabt euch wohl,
Eure Jana