Sonntag, 14. August 2011

Für jede Lösung ...


… ein Problem !



Heimlich still und leise ahnte ich, dass im Grossstadtdschungel Sao Paulo, oder vielmehr in diesem neuen Kulturkreis, noch das ein oder andere „Hindernis“ schlummert, welches über kurz oder lang meinen Weg kreuzen sollte.

Seit der Banksache ist ja nicht wirklich viel passiert in meinem kleinen brasilienischen Leben … Bis heute.

Sonntag. Der Tag, der nach einigen Um- und Abwegen wieder zu meinem Putztag mutierte. Der Feinstaub der letzten Wochen hat meine hellen Balkonfliesen in eine grau-schwarze Plörre verwandelt und somit war ein Entkommen kaum möglich. Schliesslich will das brasilienische Heim auf Vordermann gebracht werden …

Doch nicht nur die Fliesen hat's erwischt, nein, auch die Fenster hatten's und haben's dringend nötig.
Bevor ich nun zur eigentlichen Sache komme, hier ein paar Sätze der Erklärung.

Hierzulande sind die Fenster allerdings etwas anders anders, als bei uns zu Hause. Da gibt es keinen Flügel, den man sperrangelweit öffnen kann und man kann auch das Fenster nicht kippen.
Hier hat man Schiebefenster. Man kann immer nur eine Hälfte gesamten Fensters öffnen, indem man die zu öffnende Hälfte vor die andere Fensterhälfte schiebt. So wie das früher (vielleicht auch heute noch) bei den Vitrinen ist, die Glasschiebetüren hatten.
Ich selbst habe hier das Glück „Black-out“ Rollläden an den Fenstern zu haben. Üblicherweise hat's von aussen Schiebejalousien, die es allerdings auch nur erlauben, dass immer nur durch eine Fensterhälfte Tageslicht eindringt, während die andere Hälfte verdunkelt bleibt.
Allerdings ist es nicht zulässig, die Fensterhälfte, die sonst rechts ist, ganz nach links zu schieben und umgekehrt.

Und so habe ich mich heute ans Fensterputzen gemacht. Erst mal schön von innen … Und dann von aussen …
Und genau DA stand ich dann vor meinem unlösbaren Problem … WIE putzt man brasilianische Fenster von aussen?
Zugegeben, das Risiko war mir etwas zu hoch, mich von aussen auf die nicht vorhandene Fensterbank zu stellen.
Versuchte ich von innen die Fensterhälfte aussen zu putzen, konnte ich von der Hälfte nur die Hälfte putzen, da die eine Hälfte durch das öffnen hinter der anderen Fensterhälfte verschwand und ich hatte nur ein kleines Stück, welches putzen konnte …

Dann dachte ich, ob man die Fenster ggf. irgendwie „aushebeln“ kann, damit die dann ordentlich putzen kann. Aber auch das war ne Fehlanzeige …
Ich war ratlos und frustriert zugleich.
Da kann ich einerseits kleinere Operationen zu Hause allein durchführen, sämtliche elektronischen Geräte ohne die japanesiche Bedienungsanleitung zum Laufen bringen, aber jetzt bin ich zu blöd zum Fensterputzen …

Das Balkontürfenster war kein Problem, denn ich konnte vom Balkon die Tür zuschieben und hatte somit freie Putzfront. Doch beim Rest war das nicht möglich …
In meiner Not hab ich dann „Schavier“ angerufen.
Und was macht er? Erst lacht er herzlich, gibt mir dann unter Lachtränen recht und meint dann ganz trocken, er habe ein solches Problem nicht, da all seine Fenster einen kleinen Balkon haben, auf welchen er klettern kann, wenn er seine Fenster mal putzen muss. Aber vermutlich wird er das gar nicht selbst machen, sondern machen lassen …
Nachdem sich der Gute dann eingekriegt hatte, klärte er mich darüber auf, dass ich mir wohl einen Putzmagneten zulegen muss … Den kann ich dann von innen aussen ankleben und kann dann die Fenster von aussen reinigen …

DAS hat mir natürlich beim interkulturellen Training keiner gesagt und in meinem Haus- und Hofsupermarkt gibt’s das nicht …
Jetzt sind zumindest die Fenster von innen sauber und nächste Woche mach ich mal auf die Suche nach dem Magneten …

Andere Länder, andere Sitten …

Gehabt Euch wohl,

Eure Jana

1 Kommentar:

  1. War da nicht mal was in einer Werbung, wo es die gut aussehenden, ultrafitten und sixpackbestückten (siehe vorigen Blog) maskulinen Fensterputzer gibt, die sich freeclimber-mäßig an Fensterfassaden emporarbeiten, spielend mit Wassereimer und Abzieher Glasflächen blitzeblank machen und dazu noch für geröriges Sabbern und Kopfkino bei den weiblichen Innenbewohnern der Wohnaquarien sorgen? Gibt's denn sowas nicht in Sankt Pauli?

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