Dienstag, 15. Mai 2012

Hopital Aleman.





Servicio de Oftalmologia.

Ein leichter Anflug von Panik überkam mich am heutigen Morgen, als ich feststellte, dass ich auf dem linken Auge nur noch verschwommen sehe. Was ist, wenn es was anderes ist und wenn ich mir hier seit Tagen die falschen Tropfen in die Augen träufele? Nix, ich beschliese, am heutigen Tage, nach meinen Terminen, das hiesige Krankenhaus aufzusuchen. Ein Kollege ist so nett anzurufen und sich zu erkundigen, wie so der Prozess der Aufnahme zwecks Besuches eine Ophtalmologen ist … Bald ist klar, was zu tun ist, ein Taxi ist bald bestellt und ich lass mich dorthin fahren.

Ich folge den Anweisungen des Krankenhauspersonals, werde am Schalter vorstellig, reiche meinen Pass durch den Schlitz, meine Personalien werden aufgenommen und ich bekomm einen Zettel, ähnlich einem Boardingpass, gereicht. C37 (der Raum), Nummer 166. Und so sitze und warte ich vor der Tür.

Zugegeben, ein bisschen mulmig ist mir schon. Ich seh nicht gut auf dem linken Auge. Reicht mein Spanisch aus, um zu erklären, was ich hab? Was ist, wenn es was Ernstes ist? Wird mir der Arzt diese komischen Tropfen in die Augen träufeln, nach denen man für 6 Stunden blind wie ein Fisch ist? Wie komm ich nach Hause? Wen soll ich anrufen? Wer wird mir helfen? Werde ich ich Baires vor die Hunde gehen?
Oh Gott, ich phantasiere.

Tief durchatmen und mich darauf konzentrieren, herauszufinden, warum manchmal die Nummer zu blinken beginnt und dann einer ins Behandlungszimmer eintritt und warum machmal Leute einfach nur aufgerufen werden. Und wenn dann eine neue Nummer aufleuchtet, warum ist die dann nicht eins höher, als die vorhergehende. Und so sehe ich Menschen ein- und austreten. Verschiede Ärzte stecken ihre Köpfe kurz ins Wartezimmer. Berührungsängste hat hier definitiv keiner, denn die Patienten werden mit Küsschen begrüsst und mit Küsschen verabschiedet.

Ein junger Arzt kommt durch die Tür, ein Zettel in der Hand, ein suchender Blick über die wartenden Köpfe, dann schliesst er die Tür wieder. Von innen. Kurz darauf blinkt die 166 auf.
Aha, erwischt. Er wollte mich aufrufen, wusste aber weder, wie er Marijana richtig aussprechen soll, noch wie man Zezelj am ehesten ausspricht, dass es einigermassen verständlich ist. 166 ist eindeutig.

Ich nehme, wie geheissen Platz, kurzer Smalltalk: Woher? Wie lange hier? Was machen? Warum? Wieso? Weshalb? Wo drückt der Schuh?
Brav gebe ich alles wieder, erzähle, wie das so war in den vergangenen Tagen und als ich fertig bin mit meiner Krankengeschichte, lässt er mich wissen, dass er auch der deutschen Sprache mächtig ist (mit einem zuckersüssen Akzent) … (Wer von euch kann sich noch an den patagonischen Guide Nestor mit den tollen Locken erinnern, den ich mir auf die Couch setzen wollte? Ja, direkt daneben würde ich den Augendoc setzen wollen).

Er schaut durch sein Gerät und ich ein bisschen „arriba“, „abajo“ und dann wieder geradeaus.
Und so lautete die Diagnose:

Blepharokonjunktivitis

Vereinfacht und meiner Sprache ausgedrückt heisst das: Ich bin allergisch gegen mich selbst. Ich selbst mach mein Auge krank. Wie das? Ganz einfach. Ich leide an einer Übersekretion der Liddrüsen. Diese sondern ein öliges Sekret ab, welches mir zum Teil ins Auge läuft und zum Teil in der Nacht meine Augen verklebt. Trockene Flugzeugluft, Staub und andere Partikel tun ihr Übriges dazu. Und da ich diese Sache die ganze Zeit falsch behandelt habe (also nicht die richtigen Tropfen hatte), hat sich nun noch eine beginnende Bindehautentzündung dazugesellt.

Eine weitere Nebenwirkung dieser doofen Geschichte ist, dass mir nun noch von den wenigen Wimpern, die ich hatte, bestimmt die Hälfte noch ausgefallen ist …

Ach, was soll’s … Ich werd nun meine Augen drei mal täglich baden müssen, 2 verschiedene Augentropfen über die nächsten Wochen nehmen und hoffen, dass der Mist wieder verschwindet. Auf’s Schminken muss ich verzichten … Ist aber auch nicht weiter tragisch, denn schliesslich hab ich ja nix mehr um die Augen rum, was angepinselt werden könnte …

Gehabt euch wohl !

Eure Jana

Dienstag, 8. Mai 2012

These boots are made vor walking ...


… and that’s just what they’ll do !




(one of these days these boots are gonna walk on over you) …
Vielleicht entscheide ich mich auch für’s Fliegen …

Mein Jahr und ich in Brasilenien.
Wir waren wahrlich viel und oft und hoch und weit unterwegs. Irgendwie beschäftigt mich das und irgendwie würd ich gerne mal wissen wollen, wie viele dieser Luftkilometer in diesem einen Jahr zusammen gekommen sind und wie viele es werden werden, bis ich mit meinem Gepäck dann wieder Zuhause gelandet bin.

Und so habe ich mir nur mal die Welt im Internet angeschaut, mir die Kilometer ausrechnen lassen und ziehe hier und heute, am 08.05.2012 mal vorläufig Bilanz … Hier nun die Aufstellung  in chronologischer Reihenfolge:

April 2011:
Frankfurt – Sao Paulo à 9.840 km

Juni 2011:
Sao Paulo – Manaus à 2.693 km
Manaus – Sao Paulo à 2.693 km
Sao Paulo – Foz do Iguacu à834 km
Foz do Iguacu – Curritiba à 534 km
Curritiba – Sao Paulo à 339 km

Juli 2011:
Sao Paulo – Frankfurt à 9.840 km
Frankfurt – Sao Paulo à 9.840 km

September 2011:
Sao Paulo – Rio de Janeiro à 358 km
Rio de Janeiro – Sao Paulo à 358 km
Sao Paulo – Frankfurt à 9.840 km
Frankfurt – Sao Paulo à 9.840 km

Oktober 2011:
Sao Paulo – Buenos Aires à 1.676 km
Buenos Aires – Puerto Madryn à 1.075 km
Puerto Madryn – El Calafate à 1.008 km
El Calafate – Ushuaia à 566 km
Ushuaia – Buenos Aires à 2.376 km
Buenos Aires – Sao Paulo à 1.676 km

November 2011:
Sao Paulo – Frankfurt à 9.840 km

Dezember 2011:
Frankfurt – Sao Paulo à 9.840 km
Sao Paulo – Bogota à 4.324 km
Bogota – San Andres à 1.218 km

Januar 2012:
San Andres – Bogota à 1.218 km
Bogota – Sao Paulo à 4.324 km
Sao Paulo – Frankfurt à 9.840 km
Frankfurt – Sao Paulo à 9.840 km

Februar 2012:
Sao Paulo – Buenos Aires à 1.676 km
Buenos Aires – Sao Paulo à 1.676 km

März 2012:
Sao Paulo – Buenos Aires à 1.676 km

April 2012:
Buenos Aires – Santiago de Chile à 1.132 km
Santiago de Chile – Buenos Aires à 1.132 km
Buenos Aires – Santiago de Chile à 1.132 km
Santiago de Chile – Buenos Aires à 1.132 km

Noch ausstehend (für’s Erste):
Buenos Aires – Sao Paulo à 1.676 km
Sao Paulo – Frankfurt à 9.840 km

Macht eine bislang geflogene Summe von

125.386 km
12.538.600.000 cm
77.911,22 Meilen

(die ausstehenden Reisen nicht eingerechnet)


Gehabt euch mal wohl und ich bereite mich schon mal auf die nächsten zu fliegenden Meilen vor …

Eure Jana

Mittwoch, 2. Mai 2012

Alles wird schwerer ...


… ich allerdings auch …


Und schon wieder ist ein Monat um.
Verdammt, die Zeit rennt aber auch ... Dabei bin ich doch erst gestern hier in Baires angekommen … Ja nu, so ist das nun mal !

Doch jetzt erst mal was anderes.
Ich war mal wieder unterwegs. Unterwegs in Südamerika und meine Reise führte mich diesmal nach Chile. Trotz der vielen Reiserei, trotz der vielen Aufenthaltsorte – immer wieder überkommt mich Panik, dass irgendwas nicht klappen könnte, ich irgendwo irgendwie unter die Räder und nicht zurecht komme. Jedes mal frage ich mich auf’s Neue, ob ich denn genug zu sehen bekomme, ohne dass mir langweilig wird. Immer dieser Pre-Stress …
Und dann war ich – noch bevor es überhaupt los ging – erleichtert, statt der geplanten 4 Tage, eben nur 3 Tage zur Verfügung zu haben (dass ich schlussletztlich dann hätte auch ein ganzes Leben draus machen wollen, konnte ich zu diesem Zeitpunkt ja noch nicht wissen).

Ich lande sanft auf chilenischem Boden und suche, nachdem auch mein Gepäck angekommen ist, meinen gebuchten Transport. Gefunden ist auch dieser gleich und während ich mit einem anderen Ehepaar auf den Fahrer warte, kommen wir ins Gespräch. Es wiederholt sich die so oft gestellte Frage: „De donde eres?“ Brav antworte ich, dass ich Kroatin bin, allerdings normalerweise in Deutschland wohne etc. Kurz darauf spricht die Frau deutsch mit mir und scheint sichtlich erfreut, wieder deutsch sprechen zu können. Sie entschuldigt sich für ihre „schlechte“ Aussprache und ich kann es nicht glauben, wäre ich doch froh, wäre mein Spansich nur halb so gut, wie ihr deutsch. Wir tauschen ein paar Formalitäten aus und schon ist sie in ihr Privatleben eingetaucht. Ich erfahren, dass es die Grosseltern waren, die aus Deutschland stammen, doch seit sie verstorben sind, hätte sie keine Gelegenheit mehr zur sprechen. Ihr Vater lebe nun auch nicht mehr und somit spricht sie nur noch selten. Sie selbst allerdings ist Brasilianerin (aus Florianopolis) und eröffnet mir dann ganz stolz, dass sie nun in Chile sesshaft wurde. Sie hätten letztes Jahr im September in Brasilien geheiratet. Nun dreht sich der Mann noch nach hinten und nickt, als wolle er dem ganzen noch mehr Nachdruck verleihen. Ich erfahre, dass sich die beiden vor drei (!) Jahren im Internet kennenlernten und nachdem nun diese Beziehung mehr auf Flughäfen stattfand, als sonst wo, beschlossen sie, Nägel mit Köpfen zu machen … Die Kinder sind nun aus dem Haus, die Enkel auch schon grösser und somit ist alles in trockenen Tüchern.

Wir erreichen „mein“ Hostel.
Bevor ich jedoch aussteige, hält mich Jutta fest, drückt mir einen Zettel mit ihrer Telefonnummer in die Hand, ich solle mich auf jeden Fall melden, wenn ich Hilfe bräuchte. Sie seien da und könnten helfen. Ach wie nett. Ein ziemlich sanfter Start in Santiago, wie ich finde.

Das Hostel ist ein Ort, an welchem man sich schon beim Betreten wohlfühlt.


Es herrscht eine familiäre Atmosphäre vor, welcher man sich nicht entziehen kann. Caro’s Lockenkopf drängt sich in den Vordergrund. Sie wirbelt umher, das Zimmer ist gleich hergerichtet und schon hat sie den Plan in der Hand und gibt mir eine kleine Million Insider-Tipps an die Hand. Es gibt wahrlich viel zu tun. Die Eckpunkte sind auch bald geklärt … Zur Metro geht’s raus aus dem Gebäude, nach links und kurz nach der argentinischen Botschaft kommt auch schon die Station. Bevor ich jedoch in den Untergrund verschwinde, solle ich doch zu San Cristoba hinauffahren und die Aussicht geniessen, denn noch hätte ich klare Sicht auf Santiago und die Anden, bevor in den nächsten Tagen das winterliche Smogproblem sichtbar würde.

Gesagt, getan.
Während ich in der Schlange stehe und warte, beschliesse ich, die Dame des Hauses mal startklar zu machen. Ich hole die Kamera aus dem Rucksack und erstarre erst mal vor Schreck. Die Schutzkappe auf dem Objektiv sieht ziemlich verbogen und ungesund aus. Unter Anwendung von ein wenig Gewalt, kann ich sie vom Objektiv nehmen und schon bröseln mir eine Million Glasteile auf die Schuhe. Das darf doch nicht wahr sein …. Ich hatte den Rucksack nicht aus der Hand gegeben … (bis auf das eine Mal, als er mir bei der Passkontrolle in Buenos Aires vor die Füsse fiel). Ich säubere den Rahmen des zerbrochenen UV Filters von Scherben, schau mir das Objektiv an und drücke den Auslöser. Funktionieren tut sie noch … Wie allerdings, ist die andere Frage, welche sich auf die Schnelle nicht beantworten lässt.
Noch immer bin ich mit mir und der Kamera beschäftigt, als mich der kleine Mann hinter mir immer lustig in die Seite stupst. Er kichtert und ich komme mit den Grosseltern ins Gespräch. Sie sind aus Kalifornien, die Mutter der Kinder eine angesehene  Eventmanagerin, die im Sheraton Santiago einen Preis verliehen bekommt. Alexis und ihr Bruder Keyton finden das nicht spannend und wollen was erleben.








Wir reden, geniessen gemeinsam die Aussicht, reden über’s Geschäft und so vergeht der Nachmittag. Bevor’s dunkel wird, will ich noch was sehen und mach mich schon mal auf den Weg zur Sightseeing-Tour zu fuss.

Interessante Gebäude, Skulputen und Statuen bekomme ich zu sehen. Selbst das Botero-Pferd erkenne ich sofort und bin schon bisschen froh, dass ich zur Statue nun auch im Geiste noch das gemalte Pferd aus dem Botero Museum in Kolumbien zuordnen kann.








 Meine kleine Welt rückt immer mehr zusammen. Wie schön.

Es dämmert schon, als ich in die Strasse zum Hostel eingrätsche. Was mach ich nun mit dem Abend? Während ich noch die Möglichkeiten abwäge, entdecke ich ein Plakat, auf welchem eine keltische Tanzshow angepriesen wird. Das klingt schon mal nach einem Plan. Ein Foto vom Plakat, ab ins Hostel und Caro wird’s schon richten. Alle notwendigen Informationen habe ich in der Tasche, als ich mich ins Zimmer begebe, um mich schnell umzuziehen und wieder loszulaufen, denn die Show beginnt schon um 1900.
Noch habe ich nicht richtig aufgeschlossen, höre ich schon, wie das Telefon klingelt. Caro tönt mir entgegen: „Mari, tu amiga Lena esta aqui!“ Mi amiga Lena? Ach Gott ! Lena ! Da wir uns nicht mehr sprachen, ging ich davon aus, dass das mit dem Treffen in Santiago nicht klappen würde. Lena kenne ich von der Arbeit, sie hat mir das Hostel empfohlen, doch gesehen haben wir uns noch nie und ehrlich gesagt, auch nur einmal vorher telefonisch Kontakt gehabt. Auf dem Absatz mach ich kehrt und ein neuer Plan mit Lena und Mann ist schnell gemacht. Ich trinke an jenem Abend meinen ersten Glühwein. Vielleicht war’s ja ein keltischer Wein – wer weiss das schon.
Ach wie schööööön!

Das schöne am Hostel ist, man reist zwar allein, ist es aber doch nicht und so höre ich, wie mir beim Frühstück die gleiche Frage wieder gestellt wird. „De donde eres!“ Small talk und das Mädel, welches fragte erzählt mir zunächst, dass sie jemanden besucht, den sie auf San Andres kennenlernte, aber hier in Santiago wohnt. Ich hab ein Deja vu. In San Andres hab ich auch jemanden kennengelernt, der in Santiago wohnt (allerdings hatte Dario noch nichts von sich hören lassen). Sie kommt aus Baires, heisst Maria und auf dem Plan steht dann gleich auch ihre Mailadresse, samt Telefonnummer – wir sollten uns in Baires mal treffen.

Valparaiso heisst das Ziel meiner Begierde am Montag. Eine Kleine Hafenstadt mit vielen kleinen bunten Häuschen, Aufzügen und Treppen. Auf geht’s zur Metro, dann ein Ticket für den Bus kaufen. 1,5 Stunden später komme ich am Ziel an, Caro’s Plan in der Hand und laufe drauf los. Es ist so klein und überschaubar, dass man alles zu Fuss machen kann. Immer mal wieder lege ich eine kurze Rast ein und immer wieder findet sich jemand, mit dem man kurz sprechen kann, der interessiert ist an dem was man tut, woher man kommt und wie man Land und Leute so findet.















Die Zeit vergeht im Flug, ich mach mich auf den Heimweg und freu mich insgeheim auf die keltische Show am Abend.
Doch wieder kommt es anders, als ich denke. Dario ruft an und wir verabreden uns zum Essen, Trinken und Quatschen. Ach, und wieder ist alles so schööööön.
An diesem Abend spiele ich noch Klavier, Geige und Gitarre und beschliesse, wenn ich wieder zurück zu Hause bin, das Klavierspielen zu erlernen … So der Plan.

Es ist Dienstag. Ich sitze beim Frühstück und lass den Tag langsam beginnen. Komisch, Lene hatte auf meine letzten SMS nicht mehr reagiert. Nun denn, sie wir auch mal froh sein, das WE mit dem Mann verbringen zu können. Ich werde shoppen gehen. Mir fehlt noch ein Mitbringsel auch Chile … Gerade will ich los, als Lena vor dem Tisch steht. Sie hätte mir doch geschrieben, sie würde mich um halb 10 abholen … Mööööp. Das SMS Loch. Gräm Dich nicht über verschütte Milch. Wir ham’s ja noch geschafft, uns nicht verpasst und die Shopping Tour häng ich an den Nagel. Stattdessen kaufe ich mir eine handgemachte ecuadorianische Tischdecke und besuche mit Lena eines der Häuser von Pablo Neruda.



Wir reden und reden und reden. Was ein schöner und runder Abschluss meines Kurztrips nach Chile.
Schade, dass ich schon wieder gehen muss.
Wie gerne wäre ich doch noch geblieben …

Der Auftakt eines „Highlight-Mai“ …

Gehabt euch wohl,
Eure Jana

PS: Heute fange ich wieder mit dem Laufen an …

Freitag, 27. April 2012

Spiel. Spass.


Ein bisschen Spannung.

Man könnte gerade meinen, Schavier wäre mit in Kolumbien gewesen. So sehr hat er sich über meinen Besuch in seiner Heimat gefreut, während er in St. Pauli weilen musste. Via Blackberry, Skype und überhaupt wurde ich durch Bogotá navigiert, erhielt wertvolle Tipps und musste selbstverständlich selbst immer wieder Rückmeldung geben, wie und ob es mir gefällt / gefallen hat.

Und so führt mich mein Weg in Bogota zunächst ins Zentrum der Stadt. Am „Museo del Oro“ beginnt meine Tour. Ein kleiner Spaziergang zur „Plaza Bolivar“ folgt. Dort finde ich neben der wunderschönen Kathedrale noch ein Parlamentsgebäude und einen überdimensional grossen Platz, der von Tauben übersäht ist. Tauben, überall Tauben. Die kleinen Gassen scheinen sich in die hinter Bogotá liegenden Hügel zu schlängeln, von welchem eine kleine Version des Christo über die Stadt wacht.

Jetzt liegt Bogotá schon auf 2.640 m, was mir während meines Aufenthaltes ziemlich zu schaffen machte … Und als ich mich dann auch noch auf den Weg zu Monserrate machte, hab ich mir damit keinen grossen Gefallen getan – von der wunderbaren Aussicht über Bogotá abgesehen. Und dann stand ich nun dort oben auf 3.152 m, schnappte nach Luft und versuchte, Bogotá auf mich wirken zu lassen. Es wollte mir nicht wirklich gelingen, denn wenn ich nicht richtig atmen kann, dann krieg ich ganz arg schnell Panik und so machte ich mich relativ schnell wieder auf den Weg nach unten – was allerdings nicht wirklich für Linderung sorgte … Doch da musste ich durch.

Leider war die Zeit viel zu kurz, um einen besseren und schöneren Überblick über Land, Stadt und Leute zu bekommen und so ging es dann auch schon bald wieder zurück nach Hause. Also nach Buenos Aires.
Doch was wäre mein kleines beschissenes Leben ohne Zwischenfälle? Ganz klar: Langweilig. Darum sorgen wir – also mit wir meine ich mich und mein Umfeld – immer wieder dafür, dass etwas läuft – also anders läuft.

Der Check-in am Flughafen „Eldorado“ Bogotá. Wohin fliegst Du? Wie lange warst Du hier? Warum warst Du hier? Und überhaupt: Was machst Du in Buenos Aires? Und dann geht es in diesem Stil weiter:
Wo wohnst Du? – In Buenos Aires.
Hast Du ein Visum? – Nö, noch nicht.
Also Du arbeitest dort nicht? – Ähm, doch.
Aber Du hast kein Visum? – Nö. Doch die bei der Behörde wissen schon, dass ich eins bekommen soll.
Bleibst Du in Bs.As.? – Nein, ich fliege wieder zurück nach Deutschland.
Hast Du Dein Rückflug-Ticket dabei? – Mein was bitte? Nö, ich hab zwar was, aber das hat noch kein bestätigtes Rückflugdatum.
Bla – bla – bla – bla.

Lange Rede kurz. Mein Kollege erzählt irgendwas von Ausreisedatum im Juni, ich selbst finde zumindest meine Buchungsummer und die Dame am Schalter scheint zufrieden.
Und nun zur Erklärung. Seit meinem Aufenthalt in Südamerika bin ich schon immer Besitz eines gültigen Rückflugtickets von Sao Paulo nach Frankfurt gewesen. Immer mit offenem Rückreisedatum. Diesmal ist es aber so, dass ich dann von Sao Paulo nach Buenos Aires flog und mir seinerzeit nur ein ONE-Way Ticket von SP nach BsAs kaufte, weil ich ja nicht wusste, wie lange ich denn hier bleibe. Keinen einzigen Gedanken habe ich daran verschwendet, dass mich mal irgend jemand nach einem Rückflugticket fragen könnte. In Bogotá allerdings habe ich mich schon mit einem Fuss im Knast stehen sehen, weil ich kein gültiges Dokument hatte.
Adrenalin pur jedenfalls und das Gute daran war, dass ich zum ersten Mal seit meinem Aufenthalt in Bogotá vergessen hatte, dass ich ein Atemproblem hab.

Zurück in BsAs steig ich recht schnell aus dem Flieger und bin die erste in der Touristen-Schlange bei der Immigration. Schweissperlen treten mir auf die Stirn, als die Dame in der Kabine meinen Pass von vorne nach hinten, von hinten nach vorne durchblättert. Hier ein längerer Blick auf’s Brasilenien-Visum, dort ein kurzes Innehalten bei der deutschen Aufenthaltserlaubnis und dann die Fragen wieder. Sie fragt mich am Ende, in welchem Hotel ich denn wohne. Sack und Asche. Und nun? Da will mir doch partout das Hotel nicht einfallen. Ich kenne die Strasse: Cordoba mit Reconquista … Doch der Name des Hotels will mir nicht einfallen. Warum nur ist das alles so kompliziert. Ich warte noch immer auf das Visum in Argentinien und bis dahin DARF ich nur als Tourista reisen …
Und diese Woche steht noch eine weitere Reise an … Mist. Mist. Mist.
Ich nenne, weil mir auf die Schnell dann doch kein anderes einfällt, das Sheraton, die Dame tippt und tippt und tippt was in den Computer, sucht ne freie Seite im Pass, drückt den Stempel rein und dann Adios.
Puh. Ich bin erst mal wieder im Land …

Ich beschliesse, am nächsten Tag, sämtliche anstehenden Flüge in trockene Tücher zu packen und damit dann schlussendlich auch meinen finalen Abreisetag zu bestimmen. Nun weiss ich, wann ich definitiv im Flieger nach Hause sitzen werde … :(

Doch bevor es soweit ist, gibt es noch ein paar Hürden zu nehmen. Fange ich mal bei gestern an. Ich komm zurück aus Bogotá, betrete am frühen morgen meine Wohnung und habe das Gefühl, mich in Sibirien zu befinden. Meine Wohnung hat sich in 5 Tagen Abwesenheit zu einer Eishöhle verwandelt. Zunächst schiebe ich es auf die Müdigkeit, denn im Flieger hab ich die ganze Nacht kein Auge zugetan, 2 Stunden Zeitverschiebung und dazu ziemlich viele Turbulenzen in der Luft … Ideale Voraussetzungen, um für 2 Stunden ins Bett unter die Decke zu kriechen. Ne Stunde später wache ich auf. Kalte Füsse, kalte Hände, kalte Nase. Kurz vorm Erfrieren packe ich sämtliche Decken, die mein Haushalt zu bieten hat, auf mich … Mir will nicht warm werden.
Es hilft alles nichts … Raus aus dem Bett, unter die Dusche, dann in die Klamotten und ab ins Büro. Vorher allerdings checke ich mal, woher die Wahnsinnskälte kommt und stelle fest, dass die Fenster nicht richtig schliessen und es dort wie Hechtsuppe reinzieht. Puuuuh, auch das noch … Ich kümmer mich später drum, erst mal ins Büro.

Dort angekommen, frag ich mich erst mal durch, wo und wie ich das Isolieren könnte. Ein Bauhaus gibt’s hier nun mal nicht. Doch ich finde den Handwerkerladen, kaufe 5 m Klebeschaumstoff, nehme den Umweg über die Tangostunde und widme mich zu Hause dann den Abdichtungsarbeiten. Es hilft ein wenig, ist aber noch immer suboptimal, denn da es sich um eine Schiebetür handelt, schlüpft die Kälte durch Löcher, die ich so einfach nicht abdichten kann. Ja nu, erst mal noch ein bisschen Isolierschwamm kaufen und zusehen, dass ich noch das ein oder andere abgedichtet krieg …

Wenigstens hat die neu gekaufte Decke heute nach warm gehalten. Ich hab gut geschlafen, es war flauschig und kuschelig … Doch am Morgen half alles nichts: Raus und ab ins Bad unter die heisse Dusche. Das Wasser allerdings könnte für meinen Geschmack noch etwas heisser sein, denn den Kaltwasserhahn betätige ich gar nicht.  Na super, genau das brauch ich jetzt auch noch: Kein Warmwasser !

Bibbernd schlepp ich mich aus der Dusche. Die Kälte schleicht mir nicht nur unter die Haut, nein auch unter die Kleidung … Zurück im Badezimmer, ein Bild des Schreckens. Es tropft mal wieder aus der Decke. Es tropft dicke Tropfen sammeln sich im Waschbecken, auf dem Boden und an der Decke prangt mal wieder eine supernasse Stelle … Deja-vu … Ziemlich genau vor einem Jahr tropfte mir das Wasser im Hotel von der Decke …
Jackpot.

Und ich sag noch: Irgendwas ist doch immer …

Und warum ich hab ich noch einen Gitarrenschlüsselanhänger im HardRock Bogotá gekauft?
Ach …

Jetzt erst mal langes Wochenende …
Gehabt euch wohl und tanzt munter in den Mai.

Eure Jana