Montag, 9. April 2012

Reserva Ecologica ...

… und noch einiges mehr !


Anbei die Aktivitätenliste in chronologischer Reihenfolge der ersten Argentinien-Woche. Heute mal in aller Kürze, da zum einen die Zeit recht knapp ist und mir zum anderen die Pein im rechten Arm derzeit den Spass am Schreiben verdirbt.

Samstag.
Anreise.
Abendessen in Puerto Madero mit den Kollegen.

Sonntag.
Ganztags arbeiten.
Abendessen mit den Kollegen in Puerto Madero.

Montag.
Eigentlich wäre frei gewesen, doch ich hab gearbeitet.
In Puerto Madero zum Abendessen mit den Kollegen

Dienstag.
Arbeiten.
Kein Abendessen für mich.

Mittwoch.
Der Jahrtausendsturm in Baires fordert 17 Tote.
Die Strassen stehen unter Wasser, ich schwimme mit dem Taxi ans Ende der Welt.
Es ist ein Abendessen mit den Kollegen im Restaurant „Del fin del mundo“.

Donnerstag.
Eigentlich wäre frei gewesen, doch ich hab mal wieder gearbeitet.
Abendessen mit den Kollegen. Diesmal nicht in Puerto Madero.

Karfreitag.
Sightseeing mit einem Mexikaner und einem Porteno.
Zentrum. Plaza de Mayo. San Telmo.
Ich erstehe einen antiken Silberanhänger.
Mit dem Mexikaner geh ich Fisch essen. In Puerto Madero.

Samstag.
Sightseeing mit einem Mexikaner.
Recoleta. Flohmarkt. Hard Rock Cafe. Und Eva Peron auf dem Friedhof.
Ich trinke ein Oktoberfestbier.
Den Abend darf ich mit und bei einer argentinischen Familie verbringen, die im kleinsten Familienkreis den 10. Geburtstag der Tochter des Haus feiert.
Kleinster Familienkreis = ca. 45 Personen.

Ostersonntag.
Ich will nicht aufstehen. Ich will liegen bleiben. Ich will keine Auferstehung. Zumindest nicht so schnell aus meinem Bett. Ich bleibe liegen. Bis 1330.
Dann treff ich mich mit dem Mexikaner. Wir erkunden die „Reserva Ecologica“.
Viel Natur. Viel Grün. Viele Moskitos – und alle, wie mir scheint, unbehandelt.
Ich habe mindestens, wenn nicht sogar noch mehr Stiche an: Schulterblättern, Augenbraue, Fussgelenk, Handinnenfläche, Hinterkopf, rechter Ellbogen.
Mit dem Mexikaner war ich beim Mexikaner essen. In Puerto Madero.

Montag.
Ein normaler Arbeitstag beginnt.
Unbewusst versorge ich kratzenderweise meine Moskitostiche. Kratzen verschafft LIN-DE-RUNG !!! Aber sowas von haste nicht gesehen.
Stunden später. Ein Bild des Grauens. Mein rechter Ellbogen hat sich ein einen glühenden Tennisball verwandelt. Es tut weh. Es brennt und die Kollegen schauen mich völlig entsetzt an.
Mal ganz davon abgesehen, dass in diesem Zustand niemand  mit mir in Puerto Madero essen gehen will, will ich nur, dass das aufhört und ich wieder „normal“ aussehe … Zumindest um den Ellbogen rum.
Der Haus- und Hofarzt wird informiert. Mit Rezept in der Hand stiefel ich zur nächsten Apotheke, besorg das Mittel und schmier die Plörre noch beim Gehen auf die brennende Stelle, allerdings nicht, ohne mir die Hälfte davon noch über Shirt und Hose zu verteilen. Danach erfahre ich, dass es das Mittel auch mit ohne Farbe gegeben hätte. Der Tennisball ist noch da, doch er glüht nicht mehr so. Ein Antihistamin-Tablettchen hilft zumindest soweit, dass es mich nicht mehr am ganzen Körper juckt … Verdammt, einen solchen Stich hatte ich noch nie …

Und wenn ich nicht vorher noch ins Krankenhaus muss, weil die Allergie – und ich vermute es ist eine – immer schlimmer wird, werde ich heute mal statt dem Essen, dem Shoppen nachgehen …

Fröhliche Restostern.

Gehabt euch wohl.
Ich.

Dienstag, 3. April 2012

Auszug. Umzug.

Einzug.


So.
Da bin ich nun. Unter Argentinischer Flagge.
Mein Jahr und ich in Brasilenien sind Geschichte.
Heute wird Zukunft geschrieben.
Oder so.

Vergangenen Samstag finde ich mich rechtzeitig mit insgesamt 23 kg plus 38 kg Gepäck am Flughafen Guarulhos ein. Ein Oneway Ticket in der Hand und irgendwie kein bisschen aufgeregt.
Warum auch? Knappe 3 Stunden Flug nach Buenos Aires, die Wohnung bereits angemietet, die Info wer mir die Schlüssel an der Wohnung übergeben wird, in der Hand und ich allerbester Dinge.
Die Brasiliencasa hab ich leer geräumt. Besenrein hab ich sie nicht mehr hinterlassen, denn den Besen hab ich weggeworfen.
War mir aber auch egal – der Vermieter wird’s verkraften können.

Ich checke ein. Noch immer in der Annahme, 2 Gepäckstücke a zwanzig ungrad Kilo plus ein Extragepäckstück weil wegen meiner Vielfliegerkarte. Am Schalter jedoch werde ich eines Besseren belehrt. Innerhalb Südamerika’s 1 Gepäckstück á 23 kg und alles andere geht per Extrakilo auf die Kreditkarte. So. Da hatte ich nun den Salat 38 kg Übergepäck im Gepäck … (und ich leih mir am Vorabend noch einen Riesenkoffer bei Schavier, weil meine Koffer für die Masse an Zeug nicht ausreichen).
Doch alles Rumdiskutieren hilft nix. Ich muss 700 Real berappen und darf mich dann zum Securitycheck begeben.

Die Maschine landet in Buenos Aires. Bien vinda Marijana!
Ach, ist das mal wieder spannend …
Meine Koffer greif ich in Rekordzeit ab, durch den Röntgenaparat bin ich auch schnell durch und dann hab ich mir schon ein Taxi zur finalen Destination organisiert. Der Fahrer nuschelt sich mächtig was in den Bart und ich habe wirklich meine liebe Not, ihn zu verstehen und korrekt auf seine Fragen zu antworten. Nach einer Weile bin ich es leid, ihn ständig zu fragen, was er denn sagte und so wähle ich Tuti’s Nummer und erzähle ihr die neuesten News und sie mir. So vergeht die Zeit und wir nähern uns der Adresse. Tomas, den Mann mit meinem Schlüssel, erkenne ich sofort. Meine Unmengen an Gepäck verfrachten wir in die Wohnung und ich bin gleich hin und weg. Alles klein und fein. Sehr sauber, es riecht fein und ich fühle mich sofort wohl. So muss es sein ! So und nicht anders.

Die Bestandaufnahme ist gleich gemacht. Küche, Wohnzimmer, Schlafzimmer, Bad. Alles Inventar ist fein säuberlich aufgelistet.  Nur das Internet funktioniert nicht. Noch nicht. Doch auch da hat Tomas mir helfen können. Ein Anruf, ein Termin und Edith, die die Wohnung hüten und auf’s Internet aufpassen wird.
Nach getaner Arbeit geh ich mit Tomas erst mal raus auf die Strasse. Der Tante Emma Laden ist direkt um die Ecke, hat bis 2200 geöffnet und bietet das Notwendigste. Da meine Wohnung keine Waschmaschine beherbergt, muss ich im Waschsalon waschen. Dieser befindet sich in der gleichen Strasse auf der gegenüberliegenden Seite. Und da war da noch ein Gemüsehändler, direkt nebenan. Der Fussweg zur Arbeitsstätte beträgt weniger als 10 Minuten.

Edith ist die Putzi, die in der Miete mit drin ist.
Edith habe ich inzwischen auch kennengelernt … Eine sehr sympathische Frau. Nein, ein ungutes Gefühl, sie mit all meinen Sachen allein zu lassen, habe ich nicht. Wir reden ein bisschen über dies und das und jenes. Trinken Kaffee, bevor ich zur Arbeit muss. Und dann lass ich sie allein.
Während ich arbeite, wütet sie in der Wohnung. Sie putzt wieder Teufel, das Internet funktioniert wieder und dann ist da ein Zettel, auf dem sie mich wissen lässt, dass alles fein ist und dass sie hofft, dass es mich nicht stört, dass sie meine Sachen angefasst und weggeräumt hat. Sie hat meinen „Messi-Stuhl“ aufgeräumt. Alles im Schrank verstaut … Ach, wie herrlich … Alles ist fein. So so fein.

Das weltbeste allerdings ist, dass ich in 5 Minuten in Puerto Madero bin und dort meinen Jogginggewohnheiten nachgehen kann. Und ich bin nicht allen. Viele Menschen tummeln sich dort … Das ist besser als Fernsehen.

Ich fühle mich noch immer wohl.
Es fühlt sich so vertraut an und ich muss an die Freundin denken, mit der ich im Oktober hier war. All diese kleinen Strassen haben wir gemeinsam erkundet. Ach, das wär schön, wenn auch sie jetzt hier sein könnte … Sie mag diese Stadt so gerne …
Ich beschliesse, eine wunderbare Zeit hier verbringen zu wollen … Und das werde ich …

Nun wage ich es mal zu behaupten, dass meine Adaptionszeit vorbei ist. Ostern steht vor der Tür … Die Fähre bzw. das Boot auch … Mal sehen, ob ich den Abstecher nach Uruguay mache … Mal sehen.

Gehabt euch wohl.
Eure Jana

Montag, 26. März 2012

...

Ich mag keine Abschiede.
Ich werde sie nie mögen.
Ich werde mich wohl nie an sie gewöhnen.

Rückblende.
Fast auf den Tag vor einem Jahr.
Ein ganz grosses Bündel gemischter Gefühle sitzt im Flieger nach St. Pauli. Im Gepäck ganz viel Angst vor dem Unbekannten und ganz viel Traurigkeit, weil ich all meine Freunde, die mich noch am Flughafen verabschiedet haben, zurücklassen musste. Was liegt vor mir? Was wird mich erwarten? Wie komm ich klar? Werde ich Freunde finden? Ist es wirklich so gefährlich? Wie komm ich ins Büro?
Unzählige schlaflose Nächte, Panik und dann ging mir kurz vor Abflug doch noch der Arsch gewaltig auf Grundeis.
Rotz und Wasser hab ich geheult.
Froschpoker im Flieger.

Heute. Gestern. Vorgestern.
Die Zeit, langsam Abschied zu nehmen ist gekommen.
Was vor mir lag, liegt nun hinter mir.
Meine grössten Ängste und Befürchtungen haben sich nicht bestätigt und sind nicht eingetreten. Nach kleineren sprachlichen Anlaufschwierigkeiten war ich schnell ein Teil der hiesigen Gemeinschaft. Der „Boyfriend“ Schavier hat mich von Anfang an begleitet und war immer eine vertraute Anlaufstelle, wenn es galt, Steine aus dem Weg zu räumen.
Ja, gefährlich war es auch, doch ich habe gelernt, mit der Angst umzugehen und diese nicht meinen Alltag hier bestimmen zu lassen.
In der Retrospektive betrachtet kann ich heute sagen, dass es definitiv eine Erfahrung ist, die ich nicht mehr missen möchte. Jederzeit würde ich mich auf ein solches „Abenteuer“ wieder einlassen.

Viel gelernt habe ich, viel gesehen habe ich. Gute und weniger gute Erfahrungen hab ich gemacht doch schlussendlich kann ich sagen, dass die Guten in jedem Fall überwiegen.

Es ist schön zu wissen, dass zu Hause Menschen sind, die sich darauf freuen, mich nach mehr als einem Jahr wieder dauerhaft in der Casa zu wissen und mich wieder in ihrem Umfeld zu haben. Es schön, vermisst zu werden (aber auch selbst zu vermissen).
Schön ist allerdings auch das wissen, dass man Menschen zurücklässt, die mich hier vermissen und sich auf ein Wiedersehen freuen werden (die ich aber auch vermissen werde).

Es ist wie vor einem Jahr.
Ein riesen Bündel gemischter Gefühle sitzt in St. Pauli.
Rotz und Wasser heule ich.
Das Herz ist mir schwer, weil ich liebgewonnene Menschen zurücklassen werde. Eine grosse Portion Ungewissheit mischt sich unter, denn es wartet eine kleine neue Etappe auf mich, die mich aus dem Land der Flip-Flöpper ins Land des Tango bringen wird.
Ein kleiner neuer Anfang in einem fremden Land. Ohne Bekannte. Ohne Freunde. In einer mir noch unbekannten Argentinien-Casa.
Und am Ende mischt sich doch eine noch etwas grössere Portion Vorfreude mit unter.
Vorfreude darauf, meine Freunde zu Hause bald wieder in Arme schliessen zu können, meinen Alltag wieder mit ihnen bestreiten und ihnen auf die Nerven gehen zu können …

Schlussletztlich bin ich dankbar dafür, diese Menschen kennengelernt zu haben, meinen Freunden dankbar, die mich durch das Jahr in der Fremde begleitet haben und dankbar dafür bald wieder nach Hause kommen zu dürfen.

My Home is my Castle …

… doch bevor’s soweit ist, gibt’s vielleicht noch die ein oder andere Tango-Geschichte …

Gehabt euch wohl, während ich noch ein paar Päckchen Papiertaschentücher auspacke …

Eure Jana.

Donnerstag, 15. März 2012

Wie komme ich nach ...

… Buenos Aires ?



Erst mal mit dem Flieger.
Gut.
Und was brauch ich dazu?
Ein Ticket.
Und wo kauf ich das?
Im Internet. Wo sonst.

Vor einem Monat habe ich schon mal einen Probelauf gemacht – allerdings mit Hin- und Rückflug.
Ich rufe die entsprechende Seite auf, gebe den Abflug- und den Ankuftsflughafen an, wähle das richtige Datum, suche die günstigsten Tarife und drücke den Kaufen-Knopf (ein Procedere, welches mir nicht ganz unbekannt ist).
Kurz darauf kommt die Persönliche-Daten-Seite, dicht gefolgt von der Zahlungsinformations-Seite. Dazwischen muss ich noch die Allgemeinen Dingensbedingungen akzeptieren. Check.
Soweit in der Theorie.

Die Praxis sieht auch in Brasilien anders aus.
Alles ist drin, alles ist eingegeben und am Ende ist die Kreditkartennummer fünf mal kontrolliert, abgegelichen und dann auch zum finalen Abschuss bereit. Die Seite der TAM akzeptiert das allerdings nicht und lässt mich im roten, dicken, fetten Balken, der über all den gemachten Angaben blinkt wissen, dass die Daten nicht korrekt seien und ich doch bitte nochmal prüfen soll. Ich wiederhole Schritt 1 bis 6 in der entsprechenden Reihenfolge und stehe am Ende vor dem gleichen Problem.

Da der geneigte Leser ja weiss, dass ich mit meinen Finanzen im Reinen bin, zücke ich lokker eine weitere Plastikkarte, die nun zum Einsatz kommen soll. Schritt 1-6 kann ich fast schon im Traum und inzwischen kenn ich auch sämtliche Nummern schon auswendig und ist der finale Schritt auch rasch erreicht.
Einmal mehr blinkt mich der Rote Balken an.

Verzweifelt schau ich den Brasilienkollegen an, der meint, es könne wohl auch daran liegen, dass ich mit einer internationalen Karte zahlen wollte, TAM womöglich nur lokale Karten akzeptiert. Er erklärt sich kurzerhand bereit, meine Reisekosten auf seine Karte zu nehmen. Wir wiederholen gemeinsam die Schritte 1-6 und geben schlussendlich bei den Zahlungsmodalitäten seine Kartennummer an.
Aber jetzt musses ja funktionieren !
Pustekuchen.
Wieder der rote Balken, der munter blinkt, ich bin verzweifelt und vergesse gerade zu erwähnen, dass kaum noch ein Platz frei ist, weil bei jedem getätigten Buchungsversuch der entsprechende Platz reserviert wird und aus der Auswahlansicht verschwindet. Langsam aber sicher arbeite ich mich in die Preisklasse der Business Class vor, sehe schon den drohenden Zeigefinger meiner Firma vor meinem geistigen Auge und hoffe, dass ich bald die Buchung unter Dach und Fach habe.

Schlussendlich stapeln sich neben dem Rechner diverse „benutzte“ Kreditkarten wie abtelefonierte Telefonkarten. Weitere Möglichkeiten haben wir weder flug- noch zahltechnisch.
Die angegebene Servicenummer ist unsere letzte Hoffnung.
Bis die simple Buchung eines Hin- und Rückfluges Sao Paulo – Buenos Aires in trockenen Tüchern war fielen zum Opfer:

8 Kredit- und Girokontokarten
8 vorläufige Reservierungen
2 Stunden mit dem TAM Servicemitarbeiter am Telefon
1 Reservierung
1 offene Zahlung

Wie ging das ganze aus?
Wir haben telefonisch den allerersten Buchungsversuch reservieren können. Bis 1600 am gleichen Tag musste die Zahlung erfolgen, damit die Reservierung nicht verfällt. Dies habe ich auf dem Nachhauseweg direkt im TAM Laden gemacht und hielt am Ende eine Rechnung eine Buchungsbestätigung in Händen.

Heute dann der neue Versuch eine Flug nach Buenos Aires zu buchen. Ohne Rückflug. Simpel. Schlicht. Einfach.
Und weil einfach einfach einfach sein soll – in der Theorie – stelle ich mich in der Praxis schon auf alle möglichen mir bekannten und unbekannten Hürden ein. Wohl habe ich damit getan … Das, was mir heute widerfahren ist, würde sich, täte ich es niederschreiben genau so lesen, wie das bereits niedergeschriebene. Daher erspare ich es euch.
Noch während ich mit der Dame von der TAM telefoniere, die noch immer nicht dahinter kam, warum die Internetseite nicht funktioniert, buche ich über das Billigflugportal decolar.com meine Flugreise. Da der von mir gewünschte Flug allerdings noch immer von der TAM „blockiert“ wird, entscheide ich mich für eine frühere Version und fliege somit am 31.03. um 1040 zu meiner neuen Wirkungsstätte …

Bis dahin wird mir wohl noch der ein oder andere brasilienische Fauxpas passieren, bevor ich mich um neue argentinische Fauxpas kümmern werde …

In diesem Sinne, gehabt euch wohl.

Eure Jana

Update.

Das Bargeld hat mich wieder.
Ich habe meine Kreditkarte repariert.

Als ich gestern in der Shopping Mall war, und ein Vermögen bei Louis Vuitton ausgeben wollte, fiel mir ein, wie manch eine Kassiererin im Kaufhaus den vermeintlich nicht funktionierenden Magnetstreifen wieder zum Laufen bringt.

Wie?
Sie klebt einfach Tesafilm drüber und zieht dann den Streifen nochmal durch’s Gerät. Meist funktioniert das auch.

Und so frage ich gestern ganz frech bei Louis Vuitton, ob die wohl nen Tesastreifen – lustigerweise heisst Tesafilm bei den Brasilianern Durex (nein, an dieser Stelle werde ich keine weiteren Vermutungen anstellen) – für mich hätten.

Professionell versorge ich meine Karte mit einem Louis Vuitton Verhüterli und begebe mich zum nächsten Geldautomaten.

ES FUNKTIONIERT !!!!!

Ich nutze die Gelegenheit, plündere mein Kreditkarten-Konto und stopfe mir insgesamt 120 Geldscheine in die Fächer von Maike.
Morgen ist der Laufbandschlitz bei der Haus- und Hofbank dran!

Nennt mich Mac Gyver.

Gehabt euch wohl.

Eure Jana

Dienstag, 13. März 2012

Sie geht weiter ...

… die hausgemachte Finanzkrise der Frau Z.



In aller Kürze, Neues aus dem Bankwesen.
Das Brasilienkonto ist noch gut gefüllt, dennoch hab muss ich mir selbst wieder Geld zurückzahlen, welches ich mir kurzzeitig geliehen habe. Wie tu ich das?
Ist doch klar, mit der anderen Karte gebührenfrei Geld abheben, den Umschlag beschriften und in den Laufbandschlitz stecken, damit der Gegenwert dem Brasilienkonto gutgeschrieben werden kann.

6 Automaten.
6 mal der Hinweis, dass die Karte gesperrt sei.
6 mal wiederhole ich den Vorgang.
Das kann doch gar nicht sein. Vorgestern noch hab ich im Supermercado mit DIESER Karte bezahlt.

Und so drehe ich die Karte um, wähle die darauf vermerkte „aus dem Ausland“ Nummer. Alexander König (Name v. d. Redaktion geändert) begrüsst mich freundlich und ich schildere ebenso freundlich mein Problem.
Datenabgleich: Kontonummer, Schuhgrösse, Augenfarbe, Name der Mutter und Geburtsdatum der Kassiererin bei Aldi in LU. Alles wunderbar. Alexander König checkt, findet nichts, entschuldigt sich mit den Worten, er werde mal bei Visa direkt nachfragen. Einen kurzen Moment warte ich, Alex ist zurück und bedankt sich für das geduldige Warten in der Leitung.
Fehlanzeige. Auch Visa hat nix gesperrt.

Na super.
Da liegt das Bare, was ich eigentlich auf dem anderen Konto brauche. Auf das Girokonto kann er’s umbuchen, doch da nützt es mir genauso wenig, da die TAN Liste in LU liegt. Dummerweise kann man bei DKB nicht auf Telefon-TAN umstellen.

Da steh ich nun, ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor.
Er zählt mir die Möglichkeiten auf:

Notfall-Karte:
Mit dieser kann ich nur gegen Gebühr am Schalter Geld abheben, nicht aber am Automaten und schon gar nicht damit bargeldlos bezahlen.
Ich stelle fest, dass ich soweit auch mit meiner jetzigen komme und somit scheidet diese Möglichkeit aus.

Notfall-Bargeld:
Voraussetzung ist, ich muss 48 Stunden per Telefon an einem Ort erreichbar sein. Das kann ich bieten. Jetzt weiss ich nur nicht, ob ich bei meiner Bank Euronen einzahlen und Brasiliotische Real auf dem Konto gutschreiben lassen kann.
Diese Möglichkeit ziehe ich in die engere Auswahl.

Ersatzkarte wegen Beschädigung:
Nach dem Notfall-Geld die Lösung, welche ich anstreben werde, denn mir fällt ein, dass ich bereits letzte Woche mit dieser Karte kein Geld abheben konnte, schob es allerdings auf den Automaten und nicht auf einen beschädigten Magnetstreifen.

Es wird Zeit, dass wieder Normalität einkehrt … So langsam verliere ich den Überblick …
Ich glaub, ich melde Konkurs an …
Private Insolvenz.

Warten wir nun mal auf die nächste Krise …

Gehabt euch wohl.
Eure Jana

Montag, 12. März 2012

Slapstick.

 

Seit nunmehr einer Woche schleiche wie ein Schatten meiner selbst durch mein kleines beschissenes Leben. Die Dinge nehme ich – falls ich sie überhaupt wahrnehme – nur gedämpft, nebelig und unscharf wahr. Das einzige, was mir dieser Tage enorme Freude bereitet ist: Schlafen.
Schlafen – ich will einfach nur schlafen.
Zum Frühstück. Zum Mittagessen. Zum Abendessen. Auch zu den Zwischenmahlzeiten.
Schon beim Aufstehen freu ich mich wie sich ein kleines Kind auf Weihnachten und Geburtstag freut auf den Abend. Auf den ganz frühen Abend, denn man kann ja auch mal früh schlafen gehen.
Dabei ist es ja gar nicht so, dass ich nicht genug schlafen würde.

Nein. Ganz und gar nicht.
Wann das zuletzt der Fall war, weiss ich nicht mehr, doch seit nunmehr 7 oder 8 Tagen schlafe ich nicht weniger als 9 (!!!) Stunden je Nacht. In der Nacht von Samstag auf Sonntag hab ich sogar 10,5 Stunden geschlafen und nachdem ich 2 Stunden wach war, war ich wieder so müde, dass ich mich direkt nochmal für 3 Stunden auf’s Ohr gelegt hab.

Noch nicht mal mehr zu Laufen im Park habe ich mich aufraffen können. Ich war schlicht und ergreifend zu müde. Zu antriebs-, zu lustlos. Meine innere MJ würde am liebsten durch Wald und Wiesen hüpfen, sich am Abend nen lekkeren Cocktail gönnen oder mit Freunden die letzten Tage in St. Pauli geniessen … Doch nein, ich Spassbremse mach mir selbst einen Strich durch die Rechnung.

Doch im Ernst. Irgendwas scheint da nicht in Ordnung. Schlafen – schön und gut. Der Körper holt sich, was er braucht – auch fein. Doch DAS hier übersteigt ein gewisses Mass an „normal“. Und es ist auch nicht nur das schlafen. Zuweilen schwanke ich ganz schön über den Flur, wenn ich mal zum Wasserspender muss. Hin und wieder dreht sich auch mal kurzzeitig alle, wenn ich auch nur ganz ruhig auf meinem Stuhl sitze.

Da ich mich selbst in dieser komischen Lage nicht mehr leiden mag und ich mir mit dieser meinen Lust- und Antriebslosigkeit selbst ziemlich auf den Zeiger gehe, begebe ich mich heute in aller Herrgotssfrühe zum Werksarzt. Der stellt mir ein paar Fragen (zur Sicherheit hab ich den brasilianischen Kollegen dabei, der übersetzten kann, falls von Nöten) und legt dann das Blutdruckmessgerät an.
Hm. Ich ahnte es schon … Der Blutdruck war nur noch Blut statt Druck. Kein Wunder, dass mir dauerhaft schwindlig war. Der Werksarzt meinte aus meinem niedrigen Blutdruck schliessen zu können, dass mit meiner Ernährung was nicht stimmen könnte. Mir quasi irgendwelche Vitamine, Mineralien etc. fehlen würden und quasi kurz vorm dehydrieren wäre. Ich bin zwar kein Mediziner, will das aber auch so nicht hinnehmen, schlucke zwar die widerliche Elektrolytplörre, habe jedoch schon in Gedanken die Nummer vom weltbesten Doc gewählt, um mir seine fachmännische Ferndiagnose mal anzuhören.

Zwei Stunden später stehe ich wieder beim Werksarzt und lass mir ne Überweisung ins „Fleury“ schreiben, denn die sollen morgen mal ein grosses Blutbild machen, damit mein Doc sehen kann, was mir wirklich fehlt und wenn das keinen Aufschluss gibt, dann werde ich mich wohl doch mal – sofern keine Besserung eintritt – ins Albert Einstein zum Check begeben müssen. Doch soweit sind wir ja noch lange nicht.
Leider kann ich den Schwindel, so sehr ich mich auch bemühe, nicht aus der Birne treiben und irgendwann geht gar nichts mehr und begebe mich nach Hause. Ich hab Glück, denn ein Kollege fragt, ob ich ihn mitnehmen kann – was mir nicht ganz unrecht ist mit meiner Matschbirne.

Und dann erleben wir beide etwas, was ich in St. Pauli nie für möglich gehalten hätte. Gut, der vorausgegangene sintflutartige Regenfall war’s nicht, vielmehr war es der kurz darauf einsetzende Hagelsturm, der golfballgrosse Eisgolfbälle auf mein Auto niederprasseln liess. Es hörte sich an, als seien wir unter Dauerbeschuss eines MG (nicht dass ich das schon mal gehört hätte, aber so stell ich mir das vor). Gute 10 Minuten dauerte der Hagelregen, der nahtlos von einem Platzregen abgelöst wurde. Zumindest kurzzeitig hatte das Ganze was Gutes: Mein Bluttdruck war nicht mehr niedrig und der Schwindel hat mal ausgesetzt.
Zuhause hab ich den Schrecken erst mal verdauen müssen und hab die Beine mal hochgelegt. Aber vom Liegen hatte und habe ich echt die Schnauze voll. Das reicht jetzt. In der Waagerechten mag ja so manch ein Kreislauf mal in Gang kommen, doch meiner SO ganz sicher nicht, wenn man wie Sid das Faultier, alle Viere von sich streckt und auf Besserung des allgemeinen Wohlbefindens wartet. Mit mir nicht. Ich beschliesse, etwas dagegen zu tun.

Da mir der Park zu weit weg und vor allem in meiner körperlichen Unverfassung zu gefährlich ist, beschliesse ich, eine kleine Walkingeinheit auf dem hauseigenen Laufband einzulegen. Ordnungsgemäss gekleidet erreiche ich den vollen Fitnessraum. Ein Laufband ist noch frei, welches ich sogleich als: MEIN erkläre. Normale Schrittgeschwindigkeit, alles sitzt, alles passt. Den Kindle (mein neuestes Spielzeug) nehme ich in die Hand und lese indes weiter. Offensichtlich bin ich so vertieft in mein Buch, dass ich unbemerkt einen leichten Rechtsdrall entwickle und mich unbemerkt auf die unbewegliche Seitenleiste des Laufbandes zubewege. Das Buch hat meine volle Aufmerksamkeit, während mein rechter Fuss bereits mit der steifen Leiste Bekanntschaft macht. Der linke kann allein nicht mehr laufen, sondern lässt sich vom Laufband nach hinten befördern. Bis meine Hirnwindungen in Gang kommen, klebe ich schon mit meinem Hintern am Laufband, welches hinter mir von einem Läufer betrieben wird.
Mein Kreislauf kommt nun richtig in Wallung. Meine Gesichtsfarbe, die sich seit einer Woche in unterschiedlichen Weiss-Nuancen zeigte, verändert sich bis hin zu Puterrot. Die gefühlte Körpertemperatur steigt auf 39,8 °C.
Mir bleibt aber auch wirklich nichts erspart.

Ich rappel mich wieder auf – selbstverständlich sind mir die anderen zur Hilfe geeilt – doch da’s dann auch schon passiert war, hab ich meine Walkingsession ordentlich beendet, hab mich von allen verabschiedet und bin wieder nach Hause …

Leider hat’s dem Kreislauf doch nicht gefallen und darum hat dieser sich für heute mal wieder schlafen gelegt … Ich glaub, ich tu ihm gleich und lass die Welt sich mal weiter allein drehen.

Gehabt euch wohl!

Eure Jana