Montag, 26. März 2012

...

Ich mag keine Abschiede.
Ich werde sie nie mögen.
Ich werde mich wohl nie an sie gewöhnen.

Rückblende.
Fast auf den Tag vor einem Jahr.
Ein ganz grosses Bündel gemischter Gefühle sitzt im Flieger nach St. Pauli. Im Gepäck ganz viel Angst vor dem Unbekannten und ganz viel Traurigkeit, weil ich all meine Freunde, die mich noch am Flughafen verabschiedet haben, zurücklassen musste. Was liegt vor mir? Was wird mich erwarten? Wie komm ich klar? Werde ich Freunde finden? Ist es wirklich so gefährlich? Wie komm ich ins Büro?
Unzählige schlaflose Nächte, Panik und dann ging mir kurz vor Abflug doch noch der Arsch gewaltig auf Grundeis.
Rotz und Wasser hab ich geheult.
Froschpoker im Flieger.

Heute. Gestern. Vorgestern.
Die Zeit, langsam Abschied zu nehmen ist gekommen.
Was vor mir lag, liegt nun hinter mir.
Meine grössten Ängste und Befürchtungen haben sich nicht bestätigt und sind nicht eingetreten. Nach kleineren sprachlichen Anlaufschwierigkeiten war ich schnell ein Teil der hiesigen Gemeinschaft. Der „Boyfriend“ Schavier hat mich von Anfang an begleitet und war immer eine vertraute Anlaufstelle, wenn es galt, Steine aus dem Weg zu räumen.
Ja, gefährlich war es auch, doch ich habe gelernt, mit der Angst umzugehen und diese nicht meinen Alltag hier bestimmen zu lassen.
In der Retrospektive betrachtet kann ich heute sagen, dass es definitiv eine Erfahrung ist, die ich nicht mehr missen möchte. Jederzeit würde ich mich auf ein solches „Abenteuer“ wieder einlassen.

Viel gelernt habe ich, viel gesehen habe ich. Gute und weniger gute Erfahrungen hab ich gemacht doch schlussendlich kann ich sagen, dass die Guten in jedem Fall überwiegen.

Es ist schön zu wissen, dass zu Hause Menschen sind, die sich darauf freuen, mich nach mehr als einem Jahr wieder dauerhaft in der Casa zu wissen und mich wieder in ihrem Umfeld zu haben. Es schön, vermisst zu werden (aber auch selbst zu vermissen).
Schön ist allerdings auch das wissen, dass man Menschen zurücklässt, die mich hier vermissen und sich auf ein Wiedersehen freuen werden (die ich aber auch vermissen werde).

Es ist wie vor einem Jahr.
Ein riesen Bündel gemischter Gefühle sitzt in St. Pauli.
Rotz und Wasser heule ich.
Das Herz ist mir schwer, weil ich liebgewonnene Menschen zurücklassen werde. Eine grosse Portion Ungewissheit mischt sich unter, denn es wartet eine kleine neue Etappe auf mich, die mich aus dem Land der Flip-Flöpper ins Land des Tango bringen wird.
Ein kleiner neuer Anfang in einem fremden Land. Ohne Bekannte. Ohne Freunde. In einer mir noch unbekannten Argentinien-Casa.
Und am Ende mischt sich doch eine noch etwas grössere Portion Vorfreude mit unter.
Vorfreude darauf, meine Freunde zu Hause bald wieder in Arme schliessen zu können, meinen Alltag wieder mit ihnen bestreiten und ihnen auf die Nerven gehen zu können …

Schlussletztlich bin ich dankbar dafür, diese Menschen kennengelernt zu haben, meinen Freunden dankbar, die mich durch das Jahr in der Fremde begleitet haben und dankbar dafür bald wieder nach Hause kommen zu dürfen.

My Home is my Castle …

… doch bevor’s soweit ist, gibt’s vielleicht noch die ein oder andere Tango-Geschichte …

Gehabt euch wohl, während ich noch ein paar Päckchen Papiertaschentücher auspacke …

Eure Jana.

2 Kommentare:

  1. So schön geschrieben. So schön, dass auch ich die Papiertaschentücher zur Hand nehme. Ich wünsch Dir viele schöne Erlebnisse im Tangoland, und vor allem wünsche ich Dir eine schöne und gesunde Heimkehr in Deine richtige Casa.

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  2. Jetzt verstehe ich...

    Ich wünsch Dir eine wunderbare Zeit, die sicherlich auch eine Fülle an tollen Erlebnisse für Dich bereithalten wird!

    Enjoy it!!!

    Und ich ich werd nun hier mal etwas öfter mitlesen, sonst verliert man bei Dir ja stets komplett den Durchblick! :-)

    Drück Dich!
    Evelyn

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