Dienstag, 23. August 2011

Silicon free ...

Silicon free …

… und wer schön sein will, muss leiden!




Ja was soll ich sagen.
Es war / ist nur eine Frage der Zeit gewesen, bis ich hier dem ein oder anderen Schönheitswahn selbst unterliegen sollte. Dabei war / ist das doch schon immer so eine Sache gewesen, die mehr Anstrengung, als Entspannung für mich bedeutete …

Hier allerdings ist man von so vielen Beauties umgeben, dass man sich den Beauty-Salon-Gesprächen beim Frühstückskaffee kaum entziehen kann. Immer wieder muss der Blick über ein frisch gepimptes Dekolletee schweifen oder aber man wird unweigerlich Zeuge dessen, wie Botox-unterspritzte Stirne in Falten gelegt werden wollen. Erfolglos, versteht sich.

Und so wurde ich kürzlich Zeugin und unmittelbare Komplizin des Wimpernverdichtungsvorhabens einer Kollegin. Diese schleppte mich – zugegeben NICHT gegen meinen Willen – in einen der angesagtesten Salons der Stadt. Novela-Sternchen geben sich dort quasi die Klinke in die Hand. Und so mag an jenem Abend ganz sicher die ein oder andere Celebrety meinen Weg gekreuzt haben, doch ich hab’s schlicht und ergreifend nicht mitbekommen.
Wie dem auch sei. Das mir bekannte Mädchen nimmt auf einem Stuhl, ähnlich dem, wie er beim Zahnarzt vorzufinden ist, Platz. Ich sitze daneben und schau gebannt zu, was da so gleich passieren wird.

Nun gut, ich würde lügen, würde ich behaupten, dass das Ergebnis, welches sich mir nach gut und gerne 45 Minuten präsentierte, nicht toll ausgesehen hätte. Offensichtlich hat mich mein Blick verraten und ratz-fatz lag ich selbst auf dem Stuhl, hatte die Augen geschlossen und schon befestigte die Dame mit geschulten Handgriffen unechte Wimpernhärchen zwischen den meinen.
Nach genau 45 Minuten hält sie mir den Spiegel vor die Nase und alles was ich sehe, sind grosse Kullertränen, die mir die Wangen runterlaufen. Das Zeug, was auch immer es war, brennt höllisch in den Augen und so bringe ich es nicht zustande, mir die Pracht an jenem Abend ordentlich anzusehen.
Erst mal ne Nacht drüber schlafen.

Der Morgen danach.
Es fühlt sich komisch an. Gleichwohl es ganz und gar nicht unecht aussieht und es jenen, die es nicht wissen, sowieso nicht auffällt, stört es mich irgendwie. Fremdkörper halt.
Ständig reibe ich mal am rechten, mal am linken Auge. Im Kopf nur: Was hab ich denn jetzt schon wieder getan?!?
Ich sollte es inzwischen gelernt haben und vor allem sollte ich es besser wissen. Schliesslich haben mich vergleichbare Aktionen schon ein kleines Vermögen gekostet.

Da war vor langer Zeit mal die Sache, dass sich meine Freundin ganz tolle Nägel hat machen lassen. Das sah einfach schön aus. Und da es bei mir so mit ohne ganz und gar nicht schön aussah, ich aber wollte, dass es schön aussieht, bin ich da halt auch mal hin.
Und so hat mir die Fachfrau Tips und Zeugs und so weiter auf die Finger geklebt, mit dem Gel und so aufgefüllt, dann unter Sonnenlicht getrocknet und ich wurde mit der Pracht entlassen.
Schön sah es aus.
Mich hat’s aber auch schön gezwickt und es hat vor allem auch schön gespannt. Am „schönsten“ aber war, es war ein Fremdkörper.
Wie wir alle wissen, „fer umme“ gibt’s nichts, kann sich der geneigte Leser denken, dass ich dafür nicht gerade wenig Geld bezahlt habe.  Am nächsten Tag hab ich allerdings nicht mehr ganz so viel Geld bezahlt, um das, was am Tag zuvor aufgetragen wurde, wieder wegmachen zu lassen.
Das Ergebnis: Es sah noch schlimmer aus, als es ganz vorher ausgesehen hat …

Und auch folgende Aktion hätte mir eine Lehre sein sollen.
In jüngster Vergangenheit – lassen wir’s mal ca. 1,5 Jahre her sein – habe ich mir in den Kopf gesetzt, mir auffällige Farbakzente auf den Kopf setzen zu lassen. Mit Chemie allein geht zwar vieles, aber eben nicht alles und so fiel meine Wahl auf stahlblaue und ziemlich lilafarbene Echthaar-Extensions. Wohl überlegt sollten diese Strähnchen in meinem Haupthaar platziert werden.
Sensationell das Ergebnis. Sensationell auch der Preis.
Egal. Das musste sein.

Die erste Nacht, der erste Schlaf. Es zieht, es drückt. Es tut weh.
Der nächste Tag, die erste Haarwäsche, das erste Bürsten. Es zieht, es drückt. Es tut weh.
Meine Hände wandern völlig automatisch immer wieder an den Kopf … Ich will das nicht mehr haben … Es muss weg. Es muss weg und zwar JETZT, GLEICH und vor allem SOFORT.
Ich ruf dort an, wo ich’s hab machen lassen, der Termin ist gleich ausgemacht und 2 Stunden später bin ich erlöst. Vom Ziehen. Vom Drücken. Vom Aua.
Und von meinem Geld.
Egal, ich war wieder im Ursprungszustand und das war gut so.

Man sagt ja immer: Aller guten Dinge sind drei … Jetzt sind’s die Wimpern. Und sie sind fast schon wieder so, wie sie es unlängst waren. Ganz ohne Fremdkörper.
Ich hab lang genug dran rumgemacht, bis ich sie fast alle wieder ab hatte.
Das Gute diesmal ist: Ich hab für’s Entfernen nichts mehr berappen müssen … Das hab ich ganz allein gemacht …

Und somit bestätigt sich die Aussage: Wer schön sein will (wobei das im Auge des Betrachters liegt), muss leiden …
Manche müssen sogar doppelt „leiden“ …

Da ich allerdings lernfähig bin, werde ich zukünftig solche Vorhaben von vornherein ablehnen, wissentlich, wie das Ende aussehen wird, gebe ich dem ganzen nach …

Gehabt euch wohl.

Ich tu’s mal.
Eure Jana

Dienstag, 16. August 2011

Alles wird gut ...


... Wie GUT wird ALLES?


Hin und wieder behaupten wir alle gerne mal: ALLES wird GUT.
Das habe ich vor einiger Zeit auch mal behauptet und dazu dann diesen Text verfasst, weil ich mir über „Alles wird Gut“ Gedanken gemacht habe.



Ist ALLES alles?
Oder muss man bei ALLES Abstriche machen?
Ist ALLES am Ende dann doch nicht alles?



Wenn ALLES wirklich nicht alles ist, dann kann man auch nicht mehr sagen: ALLES wird gut.
Weil eben nicht ALLES gut wird.
Es wird nur ein Teil von ALLES gut.



Und was aber ist, wenn genau der Teil von ALLES gut wird, den man so gut gar nicht haben wollte?
Dann ist der „falsche“ Teil von ALLES gut, während der „richtige“ Teil von ALLES nicht gut ist.

Folglich hiesse es doch dann richtig: ALLES wird teilweise gut.
Und dann hab ich ne 50:50 Chance, dass genau der „richtige“ Teil von ALLES gut wird.



Und wie verhält es sich mit GUT?
Wie gut ist GUT?
Ist GUT gut genug?
Geht GUT noch besser?



Wenn nun der „falsche“ Teil von ALLES GUT wird, dann ist das GUT doch nicht mehr GUT sondern SCHLECHT.
Oder nicht?
Wird nun aber der „richtige“ Teil von ALLES gut, dann ist GUT nicht mehr gut genug.
Dafür braucht man dann einen guten Superlativ, um das GUTE ALLES richtig GUT darzustellen.
 In diesem Falle wäre dann das „richtige“ ALLES am GUTSTEN.

So, und wie heisst denn der Satz nun richtig?

Das „richtige“ ALLES wird am GUTSTEN, wenn das „falsche“ ALLES SCHLECHT geworden ist?
Oder:
ALLES wird richtig GUT, wenn ALLES andere nicht mehr schlimmer geht?



Wie auch immer, heute ist ein neuer Tag und der wird definitiv besser, als der gestrige …



Happy Dienstag!



Eure Jana.

Sonntag, 14. August 2011

Für jede Lösung ...


… ein Problem !



Heimlich still und leise ahnte ich, dass im Grossstadtdschungel Sao Paulo, oder vielmehr in diesem neuen Kulturkreis, noch das ein oder andere „Hindernis“ schlummert, welches über kurz oder lang meinen Weg kreuzen sollte.

Seit der Banksache ist ja nicht wirklich viel passiert in meinem kleinen brasilienischen Leben … Bis heute.

Sonntag. Der Tag, der nach einigen Um- und Abwegen wieder zu meinem Putztag mutierte. Der Feinstaub der letzten Wochen hat meine hellen Balkonfliesen in eine grau-schwarze Plörre verwandelt und somit war ein Entkommen kaum möglich. Schliesslich will das brasilienische Heim auf Vordermann gebracht werden …

Doch nicht nur die Fliesen hat's erwischt, nein, auch die Fenster hatten's und haben's dringend nötig.
Bevor ich nun zur eigentlichen Sache komme, hier ein paar Sätze der Erklärung.

Hierzulande sind die Fenster allerdings etwas anders anders, als bei uns zu Hause. Da gibt es keinen Flügel, den man sperrangelweit öffnen kann und man kann auch das Fenster nicht kippen.
Hier hat man Schiebefenster. Man kann immer nur eine Hälfte gesamten Fensters öffnen, indem man die zu öffnende Hälfte vor die andere Fensterhälfte schiebt. So wie das früher (vielleicht auch heute noch) bei den Vitrinen ist, die Glasschiebetüren hatten.
Ich selbst habe hier das Glück „Black-out“ Rollläden an den Fenstern zu haben. Üblicherweise hat's von aussen Schiebejalousien, die es allerdings auch nur erlauben, dass immer nur durch eine Fensterhälfte Tageslicht eindringt, während die andere Hälfte verdunkelt bleibt.
Allerdings ist es nicht zulässig, die Fensterhälfte, die sonst rechts ist, ganz nach links zu schieben und umgekehrt.

Und so habe ich mich heute ans Fensterputzen gemacht. Erst mal schön von innen … Und dann von aussen …
Und genau DA stand ich dann vor meinem unlösbaren Problem … WIE putzt man brasilianische Fenster von aussen?
Zugegeben, das Risiko war mir etwas zu hoch, mich von aussen auf die nicht vorhandene Fensterbank zu stellen.
Versuchte ich von innen die Fensterhälfte aussen zu putzen, konnte ich von der Hälfte nur die Hälfte putzen, da die eine Hälfte durch das öffnen hinter der anderen Fensterhälfte verschwand und ich hatte nur ein kleines Stück, welches putzen konnte …

Dann dachte ich, ob man die Fenster ggf. irgendwie „aushebeln“ kann, damit die dann ordentlich putzen kann. Aber auch das war ne Fehlanzeige …
Ich war ratlos und frustriert zugleich.
Da kann ich einerseits kleinere Operationen zu Hause allein durchführen, sämtliche elektronischen Geräte ohne die japanesiche Bedienungsanleitung zum Laufen bringen, aber jetzt bin ich zu blöd zum Fensterputzen …

Das Balkontürfenster war kein Problem, denn ich konnte vom Balkon die Tür zuschieben und hatte somit freie Putzfront. Doch beim Rest war das nicht möglich …
In meiner Not hab ich dann „Schavier“ angerufen.
Und was macht er? Erst lacht er herzlich, gibt mir dann unter Lachtränen recht und meint dann ganz trocken, er habe ein solches Problem nicht, da all seine Fenster einen kleinen Balkon haben, auf welchen er klettern kann, wenn er seine Fenster mal putzen muss. Aber vermutlich wird er das gar nicht selbst machen, sondern machen lassen …
Nachdem sich der Gute dann eingekriegt hatte, klärte er mich darüber auf, dass ich mir wohl einen Putzmagneten zulegen muss … Den kann ich dann von innen aussen ankleben und kann dann die Fenster von aussen reinigen …

DAS hat mir natürlich beim interkulturellen Training keiner gesagt und in meinem Haus- und Hofsupermarkt gibt’s das nicht …
Jetzt sind zumindest die Fenster von innen sauber und nächste Woche mach ich mal auf die Suche nach dem Magneten …

Andere Länder, andere Sitten …

Gehabt Euch wohl,

Eure Jana

Sonntag, 7. August 2011

Sport ...

… in Brasilenien !


Tippi-toppi auszusehen – oder zumindest aussehen zu wollen – ist hier in Brasilenien fast schon eine „Volkskrankheit“. Da das Tippi-toppi-Aussehen nicht von allein kommt, müssen Mann und Frau schon einiges dafür tun, gleichwohl es auch noch andere gibt, die gerne auch mal den plastochirurgischen Fettsauger ansetzen oder aber das, was aus der Form, wahlweise auch in die Jahre gekommen scheint, straff ziehen lassen.

Doch zurück zu jenen, denen das nötige Kleingeld für Silikon-Valley nicht so lokker sitzt. Diese Spezies tummelt sich zuweilen im gleichen Park wie ich auch. Während mein Sportprogramm einen gut und gerne 50 minütigen Lauf durch das Stadtgrün plus Beinmuskulaturstärkung und Sitzups sowie ein ausgedehntes Dehnprogramm beinhaltet, scheint der Brasilianer es langsam angehen zu lassen.

Da die Runde im Park klein und überschaubar ist, laufe ich zwangsläufig den Menschen gerne 2-3 Mal über den Weg.

Da ist der ältere Herr, ich schätze ca. 60, der sich nach Runde 2 das Shirt ausgezogen hat. Die Hitze macht ihm schon zu schaffen, doch er läuft lokker weiter. Die Wasserflasche in seiner Linken ist noch unangetastet.

Die Frau im weissen Laufdress wirkt sehr athletisch, ist aber auch schon in die Jahre gekommen. Sie dreht verbissen ihre Runden. Ehrgeiz pur, denn immer wieder schaut sich auf die Pulsuhr und scheint mit dem Ergebnis in keiner Weise zufrieden zu sein.

Der Skater lässt sich zur Abwechslung mal vom Golden Retriever durch den Park ziehen und andere sind der Meinung, dass das Tragen von Multifunktionswäsche schon Sport genug ist.

Eine Gruppe „oben ohne“ Männer kommt mir entgegen. Wenn ich ganz ehrlich bin, möchte ich nicht immer alles sehen … Ein Shirt wäre mir in manch einem Fall wesentlich lieber gewesen … 6 Männer, 5 Onepacks, ein Twopack … Vom Sixpack keine Spur.

In der festinstallierten Sportgeräteabteilung des Parkes tummeln sich einige Frauen. Sie betreiben „Fofoka“ vom allerfeinsten, kichern und lachen und zupfen dabei immer wieder ihre Funktionswäsche gerade und versuchen die langen Mähnen zu bändigen. Aus Hosentaschen der Sportbekleidung ertönt immer wieder eine andere Melodie und so wird die Sporteinheit unterbrochen, während das wichtige Telefonat entgegengenommen wird.

Eine andere versucht sich im Inlineskaten, was ihr allerdings nicht so recht gelingen mag. Kurzerhand lässt sie sich von ihrem Herzallerliebsten durch den Park ziehen und während er sich abschuftet, holt sich mal eben kurz das Telefon raus und ruft mal an …

At the end of the day: Sie haben alle Sport gemacht … Mindestens 60 Minuten – denn so lange war ich im Park und während ich mir am Abend dann die Picanha reinzwirble und mir dazu einen Chopp oder eine Caipi gönne, wird vermutlich die ein oder andere Dame zum Salatblatt greifen …

Ich werde jedenfalls weiter beobachten … Vielleicht steckt ja ein System dahinter … Ich hab's nur noch nicht herausgefunden …
Ich bin gespannt …

… in vielerlei Hinsicht !!!

Gehabt Euch wohl!

Eure MJ

Mittwoch, 3. August 2011

Wieder Daheim ...

… oder so !



Home is, where the heart is … oder so.
So, oder so ähnlich ist das wohl auch bei mir … Mein heart ist überall ein bisschen und ergo bin ich überall auch ein bisschen Zuhause …

Zuhause war's schön. Direkt nach dem Touchdown habe ich mich in der Firma von allen herzen, drücken, knutschen und mir Löcher in den Bauch fragen lassen. Die Freude über das Wiedersehen nach etwas mehr als 3 Monaten war sensationell und irgendwie ist mir erst mit dem Wiedersehen bewusst geworden, wie lange drei Monate doch sind.
Direkt nach der Arbeit ging es dann mit dem kleinen Penatenkind weiter. Die Lieblingsfreundin hatte Geburtstag, ich war eingeladen und auch das war super schön. Der Empfang Zuhause war einfach toll !
Schon am nächsten Tag war ich bei Vonne und Volker zum Grillen eingeladen. Witzigerweise hatte ich diese Einladung schon vor Brasilenien bekommen und es war eine glückliche Fügung, dass das genau so gepasst hat. Mit Tuti hab ich dann den Sonntag nachmittag verbracht.
Ach, war das schön.

In den folgenden Tagen sollten dann noch:
Tuti, Elke, Doris, ein Nicht-Freund, nochmal Tuti, weil die Geburtstag hatte, wieder Tuti, weil die dann gefeiert hat, Gundula, Vonne, Ronja und Bebi musste ich leider absagen, Bierschie, ein Teamevent, Heidrun und zum Abschluss nochmal Tuti
folgen.

Seit vergangenem Sonntag bin ich nun wieder Zuhause. Direkt nach Touchdown hab ich mich erst mal um den Mietwagen kümmern müssen und ca. 3 Stunden später war ich dann endlich mal in meiner Wohnung. Es war noch immer irgendwie vor dem Aufstehen und so habe ich mich erst mal um mein Gepäck gekümmert und hab all die Dinge, die im Koffer waren, wieder im Schrank verstaut und hab schon mal kleine Päckchen gepackt, damit ich die aufgegebenen Bestellungen an die Kollegen verteilen kann.
Um 1000 habe ich dann beschlossen, meinen „Boyfriend“ darüber in Kenntnis zu setzen, dass ich wieder im Lande sei. Er hatte sich schon Sorgen gemacht und hatte mir, während ich noch im Flieger schlummerte, bereite eine SMS geschickt, wann ich denn endlich wieder hier aufschlagen würde …

Schnell war klar, dass er mich zum Mittagessen abholen wird und so wurde ich auch hier herzlich empfangen.
Die Knutscherei und Herzerei ging dann montags im Büro los. Ich glaub, auch hier wurde ich ein wenig vermisst ;-)

Aber auch ich habe vermisst und ich vermisse. Wenn ich Zuhause bin, vermisse die Daheimgebliebenen und umgekehrt … Ergo: Eigentlich vermisse ich immer irgendwie irgendwo jemanden … Aber das passt schon so … Das gehört mit dazu, denn so weiss ich, dass ich Zuhause bin …

Schön, dass es euch gibt !

Gehabt euch wohl,
Eure Jana

Sonntag, 17. Juli 2011

Home, sweet home ...


... ich komme !

Der Donnerstag lässt sich lässig an, der Feierabend fast schon in greifbarer Nähe und meine Aufregung und Spannung fast schon am Siedepunkt angekommen … In wenigen Stunden soll es losgehen und bis es soweit ist, muss ich noch die ein oder andere mir selbst auferlegte Hürde nehmen.

Um Punkt 1200 mache ich mich mit Da auf den Weg, um noch ein letztes Geschenk zu besorgen und während wir noch über Dies und Das reden, schauen wir uns im Laden um … Wir kommen vom Hundertstel ins Tausendstel und inzwischen ist es schon fast eine Stunde später und ich bin noch immer ohne Geschenk, dafür aber immerhin gute 30 Minuten von zu Hause entfernt, weder um- noch angezogen und schon gar nicht auf dem Weg zum Flughafen, auf welchem ich mich um Punkt 0130 befinden wollte.
Ich schau der Wahrheit ins Auge, schminke mir mein Vorhaben von der Backe und versuche nun das im Rahmen meiner Möglichkeiten beste Ergebnis zu erzielen (*).

Ein weiteres Mal an diesem Tage werde ich verabschiedet, als würde ich nicht wiederkommen. Zugegeben, so sehr ich mich auch auf Zuhause gefreut habe, so hat es mich doch ein klein wenig traurig gemacht und heimlich still und leise drückte sich eine kleine Träne in meinen linken Augenwinkel (manchmal kann ich es ja gar nicht leiden, so nah am Wasser gebaut zu haben …).
Auch hier hilft nichts, ich muss los – und zwar schnell.
Zum Glück war ich mit Packen FAST fertig und die Klamotten, die ich zum Reisen anziehen wollte, hatte ich mir schon gerichtet. Inzwischen habe ich aufgehört, immer wieder auf die Uhr zu sehen, denn auch so vergehen wertvolle Sekunden.

Und so gebe ich Gas. Verstaue das, was noch in den Koffer muss in selbigem, hüpfe schnell unter die Dusche und aus dieser in mein Reiseoutfit.
Ich erwähne das Outfit diesmal, da ich es gemeinsam mit Tuti in Brasilenien gekauft habe und jetzt, da ich es trage, mich schon frage, was ich da eigentlich gekauft habe. Es handelt sich um einen „Einteiler“. Ein Overall in Navyblau; das Unterteil eine Haremshose, deren Schritt mir irgendwie fast in der Kniekehle hängt. Mir fällt in meiner Eile ein, dass Tuti sagte, ich solle dies mit einem Gürtel tragen, dass sähe ordentlich aus. Ich verplempere wertvolle Minuten vor meinem nicht vorhandenen Spiegel und ermahne mich schlussendlich selbst, mich nun endlich in den Wagen und somit auf die Strasse zu schwingen.
Mein Ich kommt mir etwas fremd vor, doch a) ich hab’s gekauft und jetzt wird’s getragen, b) es ist schlicht und ergreifend keine Zeit mehr da, um mich erneut umzuziehen und es ist … c) Ja, wie spät ist es eigentlich?

Der Weg zum Flughafen ist mir inzwischen bekannt, ich weiss, an welchen Stellen ich aufpassen muss, um mich nicht zu verfahren und beim letzten ungeplanten Ausflug zum Flughafen, hab ich mich schon mal schlau gemacht, wo der Mietwagen abzugeben ist. Ich fahre gestreckt zum Flughafen, folge den Schildern „Estacionamento“ und kurz danach erspähe ich schon das Schild „Rental Car Return“, darunter „Locadora“ – vermutlich der Portugiesische Hinweis, wo’s zum Car Retorno lang geht …
Ich erreiche das Schild, doch es gibt keine Möglichkeit, nach rechts abzubiegen. Der Wegweiser lotst mich zurück auf den Highway, weg vom Flughafen. Panik steigt in mir auf. Hab ich das wirklich so verpeilt? Wie weit ist das weg vom Flughafen? Wie komm ich da wieder hin? Vor allem, wie soll ich das mit dem „Handgepäck“ schaffen: 1 x 28,7 kg, 1 x 31,2 kg, 1 x ichweissnichtwievielkilo über der Schulter und Massimo der Handtasch, dessen Inhalt vermutlich mehr wiegt, als erlaubt ist …
Unzählige Kilometer später dann endlich wieder das „Locadora“-Schild und der Hinweis, ich dürfe JETZT rechts abbiegen. Geschmeidig grätsche ich beim Autovermieter ein und 2 Reihen blauer Brackets lachen mir entgegen. An Zahnspangen habe ich mich in Brasilien schon längst gewöhnt, doch es tauchen immer wieder neue Formen und Farben auf … Heute blau.
Artig beantworte ich all die Fragen, die mir gestellt werden und erfahre, dass es einen Transport zum Flughafen gibt.

Ich steige aus und merke gar nicht, dass ich mich am ganz anderen Ende des Flughafens befinde. Der Wagen, auf den ich mein Gepäck laden lasse (!!) lässt sich nur schwer schieben. Zum Glück geht das mit Check-In schnell und ich reihe mich brav in die Passkontrolle ein. Beim Scan fiept dann doch irgendwas und ich muss wieder zurück, den Gürtel und Schuhe ablegen und ich stelle fest, dass sich die Dame, die mich abtasten muss, sichtlich unwohl fühlt, da sie nicht so recht weiss, wie sie mit mir und meinem Riesenstrampler umgehen soll. Ich selbst stelle mir mich in dieser Situation vor und muss lachen …
Inzwischen hab ich mich an den Strampler gewöhnt. Er scheint bequem.
Boarding ist bald, ich steuere zielstrebig auf meinen Sitzplatz zu und vertreibe gleich mal den jungen Herrn, der sich schon häuslich auf meinem Gangplatz eingerichtet hat. Problem erkannt, Problem gebannt. Ich ziehe ein und merke schon beim Hinsetzen, wie gut es doch war, den Strampler zum Reisen anzuziehen … Nichts zwickt und  nichts zwackt … Super bequem und super bequem dann auch die Frage: „Frau Z. was darf ich Ihnen zum trinken anbieten? Caipirinha? Sekt? Etwas anderes vielleicht?“ Während ich noch überlege, greift meine linke Hand schon nach dem Sekt und somit scheint die Entscheidung gefallen. Nach all dem Bier und Caipirinha scheint mir das eine sehr willkommene Abwechslung.
Die nette Dame von der LH schenkt vor dem Take-off noch mal nach und ich merke, wie mein Helm das Kreisen schon mal beginnt. Es wundert mich nicht, da die letzte Essenseinnahme schon eine ganze Weile zurück liegt.

In genau 9tausend ungrad Metern Höhe (vielleicht sogar noch höher) steht die nette Dame mit einem weiteren Glas neben mir … Beherzt greife ich zu und entschliesse mich, dann doch noch was zu essen … Bis ich mit allem fertig bin, hab ich mir schon mal leichte Schlagseite und nachdem das Geschirr abgeräumt ist, fahre ich mich in die Waagerechte, bette mein Haupt auf dem weichen Kissen zur Ruhe und ziehe mir die Decke bis unter’s Kinn. Gute Nacht Brazil.

Der mir in die Nase steigende Kaffeeduft lässt mich fast schon über deutschem Boden erwachen. Das Bad ist frei. Zähne puten, Strampler gerade ziehen, Haare bändigen. Zurück am Platz, ordere ich einen Kaffee. Guten Morgen Deutschland.
Der Flug verging aber auch super schnell. So lange dauert die Reise von Hier nach Dort gar nicht …
Wir landen. Wo, weiss ich nicht. Frankfurt ist einfach zu gross. Ich steige aus und laufe schnurstracksgeradeaus in Richtung Halle B – Abflug – Company Meeting Point. So steht’s auf meiner Anweisung. Um mein Gepäck kümmere ich mich später.
Ein wenig in Eile bin ich schon, denn um 1400 hab ich bereits einen Termin in der Firma, es ist schon nach 1100, ich bin weder am Gate, noch habe ich meine Koffer und geduscht bin ich schon dreimal nicht. Und mit DEM STRAMPLER will ich erst recht nicht ins Büro. Völlig abgehetzt erreiche ich den Meeting Point, doch der Abholer ist nicht da !!!! Sack und Asche. Auch das noch ! Wild entschlossen tätige ich diverse Anrufe und erfahre, dass er gleich da sein wird.
Herr G kommt strahlend auf mich zu und nachdem er mich begrüsst, stellt er mir de Frage nach meinem Gepäck. Super, jetzt bin ich bei „B“ schon durch den Zoll durch, mein Gepäck ist aber in „C“ auf dem Band. Aus „B“ kann man aber nicht mehr nach „C“ und so muss ich mich verkehrtrum, also durch den Ausgang, am Zoll vorbei zum Gepäckband schmuggeln. Aber ich schaff das und eine Stunde später sitze ich im Auto in Richtung Heimat, mein gesamtes Gepäck mit an Board und ich bin einfach nur froh, zu Hause angekommen zu sein …
To be continued …
Gehabt Euch wohl !

Ich.

Donnerstag, 7. Juli 2011

Aufräumen ...

… nur keine Unordnung hinterlassen.



Jetzt isses soweit. Der Alltag hat nach gut und gerne 3 ungrad Monaten in Sao Paulo Einzug gehalten. Alles geht seinen ungeregelt geregelten Gang und es kehrt sowas ähnliches, wie Normalität ein.

Mein finanzielles Chaos hat sich nun nach unzähligen Wochen aufgelöst und ich bin endlich flüssig. Ich bin so flüssig, dass ich soviel Miete derzeit gar nicht muss, um das alles auszugeben. Da muss ich erst mal noch ein paar Wochen wohnen …
Anfänglich hätte ich ja kaum für möglich gehalten, doch Pamela und ich sind schon fast sowas ähnliches wie Freundinnen geworden. Sie sieht mich und schon fängt sie an, in Zeitlupe zu sprechen …
Endlich.

Bei Dr. Jürgen war ich heute auch. Meinen Zahn hat er wieder verschlossen und mir den Kostenvoranschlag für die Finalisierung in die Hand gedrückt. Eine andere Rechnung war auch dabei, die ich zu zahlen habe. Irgendwie „freu“ ich mich, denn jetzt hab ich ja ein ordentliches Konto, mit Geld da drauf und und und …
Somit wäre vor der Heimatdienstreise auch diese Baustelle geschlossen.

Am Samstag war ich dann auch im Winterschlussverkauf (!!!) shoppen und habe sogar schon einen Blick auf die kommende Frühlings- und Sommermode werfen können …
Auch hier purzeln die Prozente und auch hier kann man für billig Geld gut einkaufen … Einen Lieblingsdesigner hab ich auch hier gefunden. Der hat alles, was die weiblichen Rundungen so wünschen … In meinen Kleiderschrank wanderten folgende Teile:
Kleid, Rock, Jeans, diverse Tops, diverse Shirts, Weste, Gürtel, Kette, Ohrringe, eine weitere Jeans.
Diverse andere Kleinteile liegen bereit zur Mitnahme nach Good Old.
Und einmal mehr habe ich mit echtem brasilienischem Bankkontogeld bezahlt …

Winterzeit = Grippezeit.
Ich lag flach. Zunächst mit nem komischen Magen-Darm-Gedöns und jetzt hab ich wohl die erste brasilianische Bronchitis am und im Hals. Husten kann man zum Glück in Einheitssprache, das versteht jeder …
Bleibt zu hoffen, dass ich das noch hier aus dem Weg räumen kann, damit ich aus der Wintergrippe keine Sommergrippe mache.

Alles andere geht seinen Gang …
Manche Dinge ändern sich. Manche Dinge ändern sich nicht. Neues und Spannendes kommt hinzu und am Ende bleibt die Neugierde auf den neuen Tag, was dieser wohl wieder an Überraschungen für mich bereit hält …

Gehabt Euch wohl !!!

Ich !