Dienstag, 23. August 2011

Silicon free ...

Silicon free …

… und wer schön sein will, muss leiden!




Ja was soll ich sagen.
Es war / ist nur eine Frage der Zeit gewesen, bis ich hier dem ein oder anderen Schönheitswahn selbst unterliegen sollte. Dabei war / ist das doch schon immer so eine Sache gewesen, die mehr Anstrengung, als Entspannung für mich bedeutete …

Hier allerdings ist man von so vielen Beauties umgeben, dass man sich den Beauty-Salon-Gesprächen beim Frühstückskaffee kaum entziehen kann. Immer wieder muss der Blick über ein frisch gepimptes Dekolletee schweifen oder aber man wird unweigerlich Zeuge dessen, wie Botox-unterspritzte Stirne in Falten gelegt werden wollen. Erfolglos, versteht sich.

Und so wurde ich kürzlich Zeugin und unmittelbare Komplizin des Wimpernverdichtungsvorhabens einer Kollegin. Diese schleppte mich – zugegeben NICHT gegen meinen Willen – in einen der angesagtesten Salons der Stadt. Novela-Sternchen geben sich dort quasi die Klinke in die Hand. Und so mag an jenem Abend ganz sicher die ein oder andere Celebrety meinen Weg gekreuzt haben, doch ich hab’s schlicht und ergreifend nicht mitbekommen.
Wie dem auch sei. Das mir bekannte Mädchen nimmt auf einem Stuhl, ähnlich dem, wie er beim Zahnarzt vorzufinden ist, Platz. Ich sitze daneben und schau gebannt zu, was da so gleich passieren wird.

Nun gut, ich würde lügen, würde ich behaupten, dass das Ergebnis, welches sich mir nach gut und gerne 45 Minuten präsentierte, nicht toll ausgesehen hätte. Offensichtlich hat mich mein Blick verraten und ratz-fatz lag ich selbst auf dem Stuhl, hatte die Augen geschlossen und schon befestigte die Dame mit geschulten Handgriffen unechte Wimpernhärchen zwischen den meinen.
Nach genau 45 Minuten hält sie mir den Spiegel vor die Nase und alles was ich sehe, sind grosse Kullertränen, die mir die Wangen runterlaufen. Das Zeug, was auch immer es war, brennt höllisch in den Augen und so bringe ich es nicht zustande, mir die Pracht an jenem Abend ordentlich anzusehen.
Erst mal ne Nacht drüber schlafen.

Der Morgen danach.
Es fühlt sich komisch an. Gleichwohl es ganz und gar nicht unecht aussieht und es jenen, die es nicht wissen, sowieso nicht auffällt, stört es mich irgendwie. Fremdkörper halt.
Ständig reibe ich mal am rechten, mal am linken Auge. Im Kopf nur: Was hab ich denn jetzt schon wieder getan?!?
Ich sollte es inzwischen gelernt haben und vor allem sollte ich es besser wissen. Schliesslich haben mich vergleichbare Aktionen schon ein kleines Vermögen gekostet.

Da war vor langer Zeit mal die Sache, dass sich meine Freundin ganz tolle Nägel hat machen lassen. Das sah einfach schön aus. Und da es bei mir so mit ohne ganz und gar nicht schön aussah, ich aber wollte, dass es schön aussieht, bin ich da halt auch mal hin.
Und so hat mir die Fachfrau Tips und Zeugs und so weiter auf die Finger geklebt, mit dem Gel und so aufgefüllt, dann unter Sonnenlicht getrocknet und ich wurde mit der Pracht entlassen.
Schön sah es aus.
Mich hat’s aber auch schön gezwickt und es hat vor allem auch schön gespannt. Am „schönsten“ aber war, es war ein Fremdkörper.
Wie wir alle wissen, „fer umme“ gibt’s nichts, kann sich der geneigte Leser denken, dass ich dafür nicht gerade wenig Geld bezahlt habe.  Am nächsten Tag hab ich allerdings nicht mehr ganz so viel Geld bezahlt, um das, was am Tag zuvor aufgetragen wurde, wieder wegmachen zu lassen.
Das Ergebnis: Es sah noch schlimmer aus, als es ganz vorher ausgesehen hat …

Und auch folgende Aktion hätte mir eine Lehre sein sollen.
In jüngster Vergangenheit – lassen wir’s mal ca. 1,5 Jahre her sein – habe ich mir in den Kopf gesetzt, mir auffällige Farbakzente auf den Kopf setzen zu lassen. Mit Chemie allein geht zwar vieles, aber eben nicht alles und so fiel meine Wahl auf stahlblaue und ziemlich lilafarbene Echthaar-Extensions. Wohl überlegt sollten diese Strähnchen in meinem Haupthaar platziert werden.
Sensationell das Ergebnis. Sensationell auch der Preis.
Egal. Das musste sein.

Die erste Nacht, der erste Schlaf. Es zieht, es drückt. Es tut weh.
Der nächste Tag, die erste Haarwäsche, das erste Bürsten. Es zieht, es drückt. Es tut weh.
Meine Hände wandern völlig automatisch immer wieder an den Kopf … Ich will das nicht mehr haben … Es muss weg. Es muss weg und zwar JETZT, GLEICH und vor allem SOFORT.
Ich ruf dort an, wo ich’s hab machen lassen, der Termin ist gleich ausgemacht und 2 Stunden später bin ich erlöst. Vom Ziehen. Vom Drücken. Vom Aua.
Und von meinem Geld.
Egal, ich war wieder im Ursprungszustand und das war gut so.

Man sagt ja immer: Aller guten Dinge sind drei … Jetzt sind’s die Wimpern. Und sie sind fast schon wieder so, wie sie es unlängst waren. Ganz ohne Fremdkörper.
Ich hab lang genug dran rumgemacht, bis ich sie fast alle wieder ab hatte.
Das Gute diesmal ist: Ich hab für’s Entfernen nichts mehr berappen müssen … Das hab ich ganz allein gemacht …

Und somit bestätigt sich die Aussage: Wer schön sein will (wobei das im Auge des Betrachters liegt), muss leiden …
Manche müssen sogar doppelt „leiden“ …

Da ich allerdings lernfähig bin, werde ich zukünftig solche Vorhaben von vornherein ablehnen, wissentlich, wie das Ende aussehen wird, gebe ich dem ganzen nach …

Gehabt euch wohl.

Ich tu’s mal.
Eure Jana

4 Kommentare:

  1. http://www.youtube.com/watch?v=u1lJIEpnX1M

    Ich sach mal, Schönheitswahn her oder hin, wer sich anders nicht wohl fühlt, muss halt eben leiden, und wer sich damit nicht wohl fühlt, muss es halt lassen.

    Ich finde Dich OK so.

    Sonnige Grüße aus Stuttgart
    Klaus

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  2. Bin fertig!
    Wow,Respekt! Ich hätte das nicht geschafft und hätte wohl gleich zu Beginn schon wieder heulend die Rückreise angetreten.
    Bis bald und ich freu mich schon mehr zu lesen :o)
    Grüße Bianca

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  3. Wie? Du hast alles gelesen???
    RESPEKT :-)
    Liebe Grüsse und bis bald in LU
    Jana

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  4. Oh Mensch, Jana! Ich habe Tränen gelacht bei diesem Beitrag und ihn verschlungen. Du hast echt das Zeug für ne Kolumnistin! Denk' drüber nach... :-)
    Tja und zu deinen Erlebnissen: Wieso schöner machen, wenn du es bereits bist? ;-)
    Liebe Grüße
    Deine Coco

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