…
ich allerdings auch …
Und
schon wieder ist ein Monat um.
Verdammt,
die Zeit rennt aber auch ... Dabei bin ich doch erst gestern hier in Baires
angekommen … Ja nu, so ist das nun mal !
Doch
jetzt erst mal was anderes.
Ich
war mal wieder unterwegs. Unterwegs in Südamerika und meine Reise führte mich
diesmal nach Chile. Trotz der vielen Reiserei, trotz der vielen Aufenthaltsorte
– immer wieder überkommt mich Panik, dass irgendwas nicht klappen könnte, ich
irgendwo irgendwie unter die Räder und nicht zurecht komme. Jedes mal frage ich
mich auf’s Neue, ob ich denn genug zu sehen bekomme, ohne dass mir langweilig
wird. Immer dieser Pre-Stress …
Und
dann war ich – noch bevor es überhaupt los ging – erleichtert, statt der
geplanten 4 Tage, eben nur 3 Tage zur Verfügung zu haben (dass ich
schlussletztlich dann hätte auch ein ganzes Leben draus machen wollen, konnte
ich zu diesem Zeitpunkt ja noch nicht wissen).
Ich
lande sanft auf chilenischem Boden und suche, nachdem auch mein Gepäck
angekommen ist, meinen gebuchten Transport. Gefunden ist auch dieser gleich und
während ich mit einem anderen Ehepaar auf den Fahrer warte, kommen wir ins
Gespräch. Es wiederholt sich die so oft gestellte Frage: „De donde eres?“ Brav
antworte ich, dass ich Kroatin bin, allerdings normalerweise in Deutschland
wohne etc. Kurz darauf spricht die Frau deutsch mit mir und scheint sichtlich
erfreut, wieder deutsch sprechen zu können. Sie entschuldigt sich für ihre „schlechte“
Aussprache und ich kann es nicht glauben, wäre ich doch froh, wäre mein
Spansich nur halb so gut, wie ihr deutsch. Wir tauschen ein paar Formalitäten
aus und schon ist sie in ihr Privatleben eingetaucht. Ich erfahren, dass es die
Grosseltern waren, die aus Deutschland stammen, doch seit sie verstorben sind,
hätte sie keine Gelegenheit mehr zur sprechen. Ihr Vater lebe nun auch nicht
mehr und somit spricht sie nur noch selten. Sie selbst allerdings ist
Brasilianerin (aus Florianopolis) und eröffnet mir dann ganz stolz, dass sie
nun in Chile sesshaft wurde. Sie hätten letztes Jahr im September in Brasilien
geheiratet. Nun dreht sich der Mann noch nach hinten und nickt, als wolle er
dem ganzen noch mehr Nachdruck verleihen. Ich erfahre, dass sich die beiden vor
drei (!) Jahren im Internet kennenlernten und nachdem nun diese Beziehung mehr
auf Flughäfen stattfand, als sonst wo, beschlossen sie, Nägel mit Köpfen zu
machen … Die Kinder sind nun aus dem Haus, die Enkel auch schon grösser und
somit ist alles in trockenen Tüchern.
Wir
erreichen „mein“ Hostel.
Bevor
ich jedoch aussteige, hält mich Jutta fest, drückt mir einen Zettel mit ihrer
Telefonnummer in die Hand, ich solle mich auf jeden Fall melden, wenn ich Hilfe
bräuchte. Sie seien da und könnten helfen. Ach wie nett. Ein ziemlich sanfter
Start in Santiago, wie ich finde.
Das
Hostel ist ein Ort, an welchem man sich schon beim Betreten wohlfühlt.
Es
herrscht eine familiäre Atmosphäre vor, welcher man sich nicht entziehen kann.
Caro’s Lockenkopf drängt sich in den Vordergrund. Sie wirbelt umher, das Zimmer
ist gleich hergerichtet und schon hat sie den Plan in der Hand und gibt mir
eine kleine Million Insider-Tipps an die Hand. Es gibt wahrlich viel zu tun.
Die Eckpunkte sind auch bald geklärt … Zur Metro geht’s raus aus dem Gebäude,
nach links und kurz nach der argentinischen Botschaft kommt auch schon die Station.
Bevor ich jedoch in den Untergrund verschwinde, solle ich doch zu San Cristoba
hinauffahren und die Aussicht geniessen, denn noch hätte ich klare Sicht auf
Santiago und die Anden, bevor in den nächsten Tagen das winterliche Smogproblem
sichtbar würde.
Gesagt,
getan.
Während
ich in der Schlange stehe und warte, beschliesse ich, die Dame des Hauses mal
startklar zu machen. Ich hole die Kamera aus dem Rucksack und erstarre erst mal
vor Schreck. Die Schutzkappe auf dem Objektiv sieht ziemlich verbogen und
ungesund aus. Unter Anwendung von ein wenig Gewalt, kann ich sie vom Objektiv
nehmen und schon bröseln mir eine Million Glasteile auf die Schuhe. Das darf
doch nicht wahr sein …. Ich hatte den Rucksack nicht aus der Hand gegeben …
(bis auf das eine Mal, als er mir bei der Passkontrolle in Buenos Aires vor die
Füsse fiel). Ich säubere den Rahmen des zerbrochenen UV Filters von Scherben,
schau mir das Objektiv an und drücke den Auslöser. Funktionieren tut sie noch …
Wie allerdings, ist die andere Frage, welche sich auf die Schnelle nicht
beantworten lässt.
Noch
immer bin ich mit mir und der Kamera beschäftigt, als mich der kleine Mann
hinter mir immer lustig in die Seite stupst. Er kichtert und ich komme mit den
Grosseltern ins Gespräch. Sie sind aus Kalifornien, die Mutter der Kinder eine
angesehene Eventmanagerin, die im
Sheraton Santiago einen Preis verliehen bekommt. Alexis und ihr Bruder Keyton
finden das nicht spannend und wollen was erleben.
Wir
reden, geniessen gemeinsam die Aussicht, reden über’s Geschäft und so vergeht
der Nachmittag. Bevor’s dunkel wird, will ich noch was sehen und mach mich
schon mal auf den Weg zur Sightseeing-Tour zu fuss.
Interessante
Gebäude, Skulputen und Statuen bekomme ich zu sehen. Selbst das Botero-Pferd
erkenne ich sofort und bin schon bisschen froh, dass ich zur Statue nun auch im
Geiste noch das gemalte Pferd aus dem Botero Museum in Kolumbien zuordnen kann.
Meine kleine Welt rückt immer mehr zusammen. Wie schön.
Es
dämmert schon, als ich in die Strasse zum Hostel eingrätsche. Was mach ich nun
mit dem Abend? Während ich noch die Möglichkeiten abwäge, entdecke ich ein
Plakat, auf welchem eine keltische Tanzshow angepriesen wird. Das klingt schon
mal nach einem Plan. Ein Foto vom Plakat, ab ins Hostel und Caro wird’s schon
richten. Alle notwendigen Informationen habe ich in der Tasche, als ich mich
ins Zimmer begebe, um mich schnell umzuziehen und wieder loszulaufen, denn die
Show beginnt schon um 1900.
Noch
habe ich nicht richtig aufgeschlossen, höre ich schon, wie das Telefon
klingelt. Caro tönt mir entgegen: „Mari, tu amiga Lena esta aqui!“ Mi amiga
Lena? Ach Gott ! Lena ! Da wir uns nicht mehr sprachen, ging ich davon aus,
dass das mit dem Treffen in Santiago nicht klappen würde. Lena kenne ich von
der Arbeit, sie hat mir das Hostel empfohlen, doch gesehen haben wir uns noch
nie und ehrlich gesagt, auch nur einmal vorher telefonisch Kontakt gehabt. Auf
dem Absatz mach ich kehrt und ein neuer Plan mit Lena und Mann ist schnell
gemacht. Ich trinke an jenem Abend meinen ersten Glühwein. Vielleicht war’s ja
ein keltischer Wein – wer weiss das schon.
Ach
wie schööööön!
Das
schöne am Hostel ist, man reist zwar allein, ist es aber doch nicht und so höre
ich, wie mir beim Frühstück die gleiche Frage wieder gestellt wird. „De donde
eres!“ Small talk und das Mädel, welches fragte erzählt mir zunächst, dass sie
jemanden besucht, den sie auf San Andres kennenlernte, aber hier in Santiago
wohnt. Ich hab ein Deja vu. In San Andres hab ich auch jemanden kennengelernt,
der in Santiago wohnt (allerdings hatte Dario noch nichts von sich hören
lassen). Sie kommt aus Baires, heisst Maria und auf dem Plan steht dann gleich
auch ihre Mailadresse, samt Telefonnummer – wir sollten uns in Baires mal
treffen.
Valparaiso
heisst das Ziel meiner Begierde am Montag. Eine Kleine Hafenstadt mit vielen
kleinen bunten Häuschen, Aufzügen und Treppen. Auf geht’s zur Metro, dann ein
Ticket für den Bus kaufen. 1,5 Stunden später komme ich am Ziel an, Caro’s Plan
in der Hand und laufe drauf los. Es ist so klein und überschaubar, dass man
alles zu Fuss machen kann. Immer mal wieder lege ich eine kurze Rast ein und
immer wieder findet sich jemand, mit dem man kurz sprechen kann, der
interessiert ist an dem was man tut, woher man kommt und wie man Land und Leute
so findet.
Die Zeit vergeht im Flug, ich mach mich auf den Heimweg und freu
mich insgeheim auf die keltische Show am Abend.
Doch
wieder kommt es anders, als ich denke. Dario ruft an und wir verabreden uns zum
Essen, Trinken und Quatschen. Ach, und wieder ist alles so schööööön.
An
diesem Abend spiele ich noch Klavier, Geige und Gitarre und beschliesse, wenn
ich wieder zurück zu Hause bin, das Klavierspielen zu erlernen … So der Plan.
Es
ist Dienstag. Ich sitze beim Frühstück und lass den Tag langsam beginnen.
Komisch, Lene hatte auf meine letzten SMS nicht mehr reagiert. Nun denn, sie
wir auch mal froh sein, das WE mit dem Mann verbringen zu können. Ich werde
shoppen gehen. Mir fehlt noch ein Mitbringsel auch Chile … Gerade will ich los,
als Lena vor dem Tisch steht. Sie hätte mir doch geschrieben, sie würde mich um
halb 10 abholen … Mööööp. Das SMS Loch. Gräm Dich nicht über verschütte Milch.
Wir ham’s ja noch geschafft, uns nicht verpasst und die Shopping Tour häng ich
an den Nagel. Stattdessen kaufe ich mir eine handgemachte ecuadorianische
Tischdecke und besuche mit Lena eines der Häuser von Pablo Neruda.
Wir
reden und reden und reden. Was ein schöner und runder Abschluss meines
Kurztrips nach Chile.
Schade,
dass ich schon wieder gehen muss.
Wie
gerne wäre ich doch noch geblieben …
Der
Auftakt eines „Highlight-Mai“ …
Gehabt
euch wohl,
Eure
Jana
PS: Heute fange ich wieder mit dem Laufen an …