…
oder: Ich liebe diese Tage !
So.
Der Endspurt hat begonnen.
Die
Veranstaltungen häufen sich und nicht selten steh ich vor dem Problem, nicht so
recht zu wissen, ob ich zur Veranstaltung will oder nicht. So auch gestern.
Ein
weiteres Internations Treffen in Buenos Aires wurde ausgetragen. Meine
Teilnahme hatte ich bereits per Internet bestätigt und so war eigentlich auch schon klar,
was zu tun ist. Doch da stecke ich noch mitten in einer Unterhaltung fest, die
zu beenden mir gar nicht so leicht von der Hand geht und dann macht sich das
Gefühl der latenten Unlust in mir breit.
Es
ist noch nicht mal die Unlust … Vielmehr ist es, dass ich keine Lust auf
Menschen habe. Schon gar nicht auf mir nicht bekannte Menschen und noch weniger
auf den Small Talk, der auf meiner Erwartungskarte steht.
Wir
– also, ich und ich – sind aus dem emotionalen Gleichgewicht geraten. Wer oder
was auch immer entscheidet, schlussendlich doch beim Event zu erscheinen …
Dort
angekommen, begrüsse ich mir bekannte Gesichter, gebe mich den mir unbekannten
sehr kühl, reserviert und zurückhaltend (jawoll, auch das kann ich !). Heimlich
still und leise suche ich mir eine ruhige Ecke. Schnell stelle ich fest, ein
strategisch guter Platz … Man sieht mich nicht sofort, ich jedoch kann das
Treiben schön überschauen und beobachten. Ratz-fatz hab ich Spass an der Sache
und amüsier mich auf’s allerschärfste.
Links
hinten die US-Gruppe:
Er,
gross, breites Kreuz, mit ohne Haare – zugegeben, ein Hingucker – im Gespräch
mit 2 Frauen. Eine kenne ich nicht, mit der anderen hatte ich das Vergnügen
beim letzten IN Treffen. Die, die ich kenne zieht eine sensationelle Show ab.
Ungeachtet dessen, dass so ziemlich alles „fake“ an ihr ist – also Lippen, die
Botox-Stirn, die Brüste – biedert sie sich dem Ami-Typen so dermassen an, dass
mir vom Zusehen schlecht wird. Das Organ so laut – min. 724 Dezibel – eine Lache,
die einem die Haare zu Berge stehen lässt und der Typ, der immer wieder einen
Schritt von ihr entfernt. Hilfe suchend lässt er den Blick durch den Raum
schweifen, verdreht hin und wieder die Augen, kann sich allerding aus den
kreischenden und lachenden Klauen der Plastik-Barbie (mit dunklem Haar) nicht
befreien.
Ich
könnte sterben vor Lachen.
In
der Mitte des Raumes ein Tisch, an welchem ca. 6 Männer, gesetzteren Alters
sitzen und wild gestikulierend über etwas diskutieren. Sie scheinen in ihrer
eigenen Welt zu sein und nehmen das Drumherum gar nicht wahr.
Auf
dem kleinen Balkon die Rauchertraube, die neben dem Rauchen, noch mit Essen und
Trinken und teilweise mit Kommunizieren beschäftigt ist. Von denen lässt sich
drinnen kaum jemand blicken. Eisern trotzen sie der vorherrschenden Kälte.
Während
ich so dasitze und a) dem Treiben zusehe und mich absolut wohl fühle und b)
warte, bis die Mädels dann auch mal auftauchen, meinen einige der Besucher, sie
müssten mich unterhalten oder immer wieder den Versuch starten, mich in oder an
einem Gespräch zu verwickeln / beteiligen.
Hallo?
Offensichtlich können sie das auf meiner Stirn geschriebene: „Don not touch AND
do not talk to me !“ lesen. Ich bin nicht im „socializing mood“ … Und ich will
nicht wieder diese komischen Standardfragen, woher ich komme, wohin ich gehe,
was ich gesehen habe, wo ich arbeite, wie lange ich bleibe, wie lange ich schon
da bin etc. beantworten müssen …
Vorzugsweise
werden genau diese Fragen auch immer wieder von Personen gestellt, die mir bei
den letzten beiden Treffen über den Weg gelaufen sind.
Doch
gestern war alles irgendwie anders … Ich konnte nicht mehr an mich halten und
als dann er wieder kam und das Gespräch mit: „Where are you from?“ startete,
erzählte ich ihm stattdessen, woher er kommt, wie lange er schon in BsAs ist,
was er arbeitet und wie lange er noch bleiben wird. Die Reaktion: „Did we meet?“
… Ja ne, is klar …
Das
Gespräch, welches gar keines war, war gleich beendet.
Nachdem
mir das 4 mal in Folge passierte, war sowieso vorbei und dann hat halt der 5.,
den ich mal so gar nicht kannte, das ganze Fett abgekriegt. Er: „Where are you
from?“ Ich: „Germany.“ Er: „Ich muss deutsch sprechen lernen.“ Ich: „Ich nicht.“
So, das war’s … Boah, ich kann aber auch bitchy sein.
Dann
waren die Mädels da und das Kommunizieren geht weiter. Mit neuen Menschen und
jeder meinte es gut, und wollte mich ins Gespräch mit einbeziehen. Aber ich war
gut mit nur Zuhören und Beobachten. Meine hausgemachte eigene „Stille Treppe“,
auf der mich nur keiner sitzen lassen wollte …
Doch
da war dann da Alejandro mit einem sensationellen Sinn für Humor. Der hat sich
ja von mir so gar nicht aus dem Konzept bringen lassen. Nach der 5. Frage stellt er nur fest: „I like you. You are a
woman of few words.“ Dann ging er zum DJ und wünschte sich – unwissentlich –
eines meiner Lieblingslieder und als die ersten Töne von Depeche Mode’s “Enjoy
the silence” erklangen, beugte er sich zu mir und meinte: “Only for you.”
Meine
Nummer in seinem Handy speichert er unter „Marijana – Enjoy the Silence“,
drückt mir einen Kuss auf die Wange und verabschiedet sich damit, dass er mich
morgen, sprich heute, anrufen wird …
Das
Ende des Abends war noch richtig lustig … Ich hätte sterben können vor Lachen,
als die Parodie meiner selbst zum Besten gegeben wurde …
Wie
geil.
Gehabt
euch mal wohl.
like. meine lieblingsstelle: "ich nicht." :D
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