Mittwoch, 20. Juni 2012

Soziale Inkompetenz ...


… oder: Ich liebe diese Tage !



So. Der Endspurt hat begonnen.
Die Veranstaltungen häufen sich und nicht selten steh ich vor dem Problem, nicht so recht zu wissen, ob ich zur Veranstaltung will oder nicht. So auch gestern.
Ein weiteres Internations Treffen in Buenos Aires wurde ausgetragen. Meine Teilnahme hatte ich bereits per Internet bestätigt und so war eigentlich auch schon klar, was zu tun ist. Doch da stecke ich noch mitten in einer Unterhaltung fest, die zu beenden mir gar nicht so leicht von der Hand geht und dann macht sich das Gefühl der latenten Unlust in mir breit.
Es ist noch nicht mal die Unlust … Vielmehr ist es, dass ich keine Lust auf Menschen habe. Schon gar nicht auf mir nicht bekannte Menschen und noch weniger auf den Small Talk, der auf meiner Erwartungskarte steht.

Wir – also, ich und ich – sind aus dem emotionalen Gleichgewicht geraten. Wer oder was auch immer entscheidet, schlussendlich doch beim Event zu erscheinen …
Dort angekommen, begrüsse ich mir bekannte Gesichter, gebe mich den mir unbekannten sehr kühl, reserviert und zurückhaltend (jawoll, auch das kann ich !). Heimlich still und leise suche ich mir eine ruhige Ecke. Schnell stelle ich fest, ein strategisch guter Platz … Man sieht mich nicht sofort, ich jedoch kann das Treiben schön überschauen und beobachten. Ratz-fatz hab ich Spass an der Sache und amüsier mich auf’s allerschärfste.

Links hinten die US-Gruppe:
Er, gross, breites Kreuz, mit ohne Haare – zugegeben, ein Hingucker – im Gespräch mit 2 Frauen. Eine kenne ich nicht, mit der anderen hatte ich das Vergnügen beim letzten IN Treffen. Die, die ich kenne zieht eine sensationelle Show ab. Ungeachtet dessen, dass so ziemlich alles „fake“ an ihr ist – also Lippen, die Botox-Stirn, die Brüste – biedert sie sich dem Ami-Typen so dermassen an, dass mir vom Zusehen schlecht wird. Das Organ so laut – min. 724 Dezibel – eine Lache, die einem die Haare zu Berge stehen lässt und der Typ, der immer wieder einen Schritt von ihr entfernt. Hilfe suchend lässt er den Blick durch den Raum schweifen, verdreht hin und wieder die Augen, kann sich allerding aus den kreischenden und lachenden Klauen der Plastik-Barbie (mit dunklem Haar) nicht befreien.
Ich könnte sterben vor Lachen.

In der Mitte des Raumes ein Tisch, an welchem ca. 6 Männer, gesetzteren Alters sitzen und wild gestikulierend über etwas diskutieren. Sie scheinen in ihrer eigenen Welt zu sein und nehmen das Drumherum gar nicht wahr.

Auf dem kleinen Balkon die Rauchertraube, die neben dem Rauchen, noch mit Essen und Trinken und teilweise mit Kommunizieren beschäftigt ist. Von denen lässt sich drinnen kaum jemand blicken. Eisern trotzen sie der vorherrschenden Kälte.

Während ich so dasitze und a) dem Treiben zusehe und mich absolut wohl fühle und b) warte, bis die Mädels dann auch mal auftauchen, meinen einige der Besucher, sie müssten mich unterhalten oder immer wieder den Versuch starten, mich in oder an einem Gespräch zu verwickeln / beteiligen.
Hallo? Offensichtlich können sie das auf meiner Stirn geschriebene: „Don not touch AND do not talk to me !“ lesen. Ich bin nicht im „socializing mood“ … Und ich will nicht wieder diese komischen Standardfragen, woher ich komme, wohin ich gehe, was ich gesehen habe, wo ich arbeite, wie lange ich bleibe, wie lange ich schon da bin etc. beantworten müssen …
Vorzugsweise werden genau diese Fragen auch immer wieder von Personen gestellt, die mir bei den letzten beiden Treffen über den Weg gelaufen sind.

Doch gestern war alles irgendwie anders … Ich konnte nicht mehr an mich halten und als dann er wieder kam und das Gespräch mit: „Where are you from?“ startete, erzählte ich ihm stattdessen, woher er kommt, wie lange er schon in BsAs ist, was er arbeitet und wie lange er noch bleiben wird. Die Reaktion: „Did we meet?“ … Ja ne, is klar …
Das Gespräch, welches gar keines war, war gleich beendet.

Nachdem mir das 4 mal in Folge passierte, war sowieso vorbei und dann hat halt der 5., den ich mal so gar nicht kannte, das ganze Fett abgekriegt. Er: „Where are you from?“ Ich: „Germany.“ Er: „Ich muss deutsch sprechen lernen.“ Ich: „Ich nicht.“ So, das war’s … Boah, ich kann aber auch bitchy sein.

Dann waren die Mädels da und das Kommunizieren geht weiter. Mit neuen Menschen und jeder meinte es gut, und wollte mich ins Gespräch mit einbeziehen. Aber ich war gut mit nur Zuhören und Beobachten. Meine hausgemachte eigene „Stille Treppe“, auf der mich nur keiner sitzen lassen wollte …
Doch da war dann da Alejandro mit einem sensationellen Sinn für Humor. Der hat sich ja von mir so gar nicht aus dem Konzept bringen lassen. Nach der 5. Frage stellt er nur fest: „I like you. You are a woman of few words.“ Dann ging er zum DJ und wünschte sich – unwissentlich – eines meiner Lieblingslieder und als die ersten Töne von Depeche Mode’s “Enjoy the silence” erklangen, beugte er sich zu mir und meinte: “Only for you.”
Meine Nummer in seinem Handy speichert er unter „Marijana – Enjoy the Silence“, drückt mir einen Kuss auf die Wange und verabschiedet sich damit, dass er mich morgen, sprich heute, anrufen wird …

Das Ende des Abends war noch richtig lustig … Ich hätte sterben können vor Lachen, als die Parodie meiner selbst zum Besten gegeben wurde …
Wie geil.

Gehabt euch mal wohl.

Eure Jana

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